Indiana Tribüne, Volume 28, Number 304, Indianapolis, Marion County, 15 August 1905 — Page 6
Jndiana Tribülie, 15. August t903
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Die Iczrkclilcn. kninenhaste? Bau bei5haham in V,,glau und sei ursprünglicher Zweck. Unfern Chatham in der englischen Grafschaft Kent sieht ein gewaltiges Backsteingebäude, das allen Ernstes zu dem Zwecke erbaut ward, die verlorenen zehn Stämme Israels aufzunehmen. Der thurmhohe Lau ist heute verlassen, er hat weder Dach noch Fenster mehr und wird in Bälde zum großen Theil verschwinden. Eine Fabrikfirma hat das Gebäude angekauft, das von ihr bis zum zweiten Stockwerke abgetragen wird; in dem Reste des Baues werden Fabrikwerkstätten eingerichtet. Bor 30 Jahren war es, als einmal einem englischen Infanteristen Namens James White von seinem Sergeanten vorgehalten wurde, daß er ein religionsloser und ruchloser Kerl" sei. Der Infanterist nahm sich das zu Herzen; er begehrte seinen Abschied, nannte sich dann nicht n:ehr James White, sondern James Jershom Jezreel und tx klärte sich für den Begründer des jüngeren Hauses Israel." Er bekam in Chatham gläubige Anhänger, denen er Offenbarungen mittheilte, die er vom Himmel und aus Jerusalem erhalten haben wollte. Die Zahl seiner Anhänger wuchs, und diese beschenkten ihren Propheten reichlich mit Geld, wofür dieser ihnen Unsterblichkeit versprach. Die Einkünfte dieses Religionsstifters sollen eine Zeit lang 50,000 ($243, 000) im Jahre betragen haben. Als Jezreel auf der Höhe seiner Macht stand, faßte er den Entschluß, ein gewaltiges Versammlungshaus mit Tempel zu bauen, in dem 144,000 Auserwählte der verlorenen Stämme Israels würden sich versammeln können. Das Gebäude wurde auf einem Hügel errichtet, damit die 144,000 Auserwählten zugleich von der zweiten Sintfluth. die dann kommen würde, verschont blieben. Der mittlere Theil dieses Gebäudes sollte ein Tempel sein, der vier Gallerien haben und mit einer goldenen Kuppel gekrönt werden würde. Im Jahre 1885 starb Jezreel plötzlich, obwohl er immer bestimmt behauptet hatte, er sei unsterblich. Seine junge Wittwe, welche den Vornamen Esther hatte, nannte sich nun Königin Esther." sie erklärte, daß sie wirklich göttlichen Ursprungs sei und daß ihr verstorbener Mann nur ihr Kommen habe vorbereiten sollen. Nach drei Jahren starb aber auch Königin Esther," und die Anhänger der neuen Religion verringerten sich dann sehr an Zahl. Der Vater der Königin Esther," ein Kaufmann Rogers, hat dann den Namen Jezreel angenommen und den kleinen Nest der Gläubigen um sich geschaart. Am Fuße der thurmhohen Tempelruine bei Chatham wohnt jetzt noch eine kleine Gemeinde von Jezreeliten"; sie benutzten immer noch diesen gewaltigen Kasten" aus Backsteinen, um darin ihre Versammlungen abzuhalten, und sie hielten immer noch an dem Glauben fest, daß sie darin von der Sintfluth verschont bleiben würden. Originelle Steuervorsckliize. Zur Erschließung neuer Steuerquellen sind seit 1789 in Europa die merkwürdigsten Vorschläge gemacht worden. So hat zum Beispiel 1848 der französische Abgeordnete Antoine die indirekten Steuern auf Getränke, Ta bak und Salz ersetzt wissen wollen. Der betreffende Gesetzentwurf lautete: Art. 1. Wer einen Frack trägt, soll in der ersten Halste des Monates Januar 1849 an den Einnehmer seines Bezirkes die Summe von 100 Franken zahlen gegen besondere Quittung des Einnehmers." Es wird sich wohl in Frankreich eine Million Bürger finoen, meinte Antoine, welche den Frack ungeachtet der Abgabe tragen wird. Art. 2. Wer einen Hut trägt, soll in
dem nämlichen Termin die Summe von 20 Frar-.ken bezahlen. Hier rech nete der findige Mann auf fünf Mil lionen Hutliebhaber. Art. 3. Wer einen Ueberrock trägt, soll 5 Franken bezahlen, wie im ersten Artikel." Fünf Millionen Steuerpflichtige werden uns 25 Millionen liefern, meinte Antoine .Art. 4. Civil- oder Militäruniformen, Blusen, Jacken. Kappen sind der in direkten Steuer nicht unterworfen." Späte Replik. In einer Stadtverordneten -Versammlung zu Elberfeld, Rheinprovinz, wurde neulich mitgetheilt, daß das Kammergericht die Straßenpoll zeiverordnung aus dem Jahre 1877 für unglltig erklart habe, weil Nicht nachgewiesen werden konnte, daß die Verordnung vor ihrem Erlaß acht Tage im Rathhause ausgehängt gewesen war. Von verschiedenen Seiten wurden Wünsche laut, die Verordnung dem heutigen Verkehr mehr anzupas sen. Auch wurde, verlangt, daß den Fuhrleuten die Benutzung von Peit schen verboten werden solle, an deren Ende sich ein dünner Bindfaden und ein Knoten befindet; durch ein solches Verbot soll, das Peitschenknallen unter drückt werden. Der Obcrbürgermei" per sagte die Vorlage einer geänderten Verordnung für die nächste Zeit zu; um aber keinen ungesetzlosen Zustand zu schaffen, wurde beschlossen, die alte Verordnung einstweilen oronungsge maß zu veröffentlichen. Ans den Eisenbahnen der Ver. Staaten sind im ersten Quartal von 1905 durch Unfälle 909 Personen getootet uno ver ledt worden.
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Der Gchkragcii. ? Humoreske von X Gustav Johannes Krauß. jr s t oooeoee-M-eece'H-a Der Huber-Ferdl stand an das Hofthor des väterlichen Anwesens gelehnt und rauchte seine kurze Pfeife. Die Arme hatte er dabei über die Brust gekreuzt, und seine Augen gingen einem Flug Tauben nach, der unter dem abendrothen Himmel dahinzog. Da der Bursch schon seit einer ganzen Weile so m die Hohe starrte, war er der hubschen Dirne, welche die Dorfstraße herunter auf ihn zu kam, bis zetzt mcht gewahr geworden. Die Eindörfer-Kres-zenz hatte sogar den Eindruck, als werde sie ganz dicht an ihm vorübergehen können, ohne daß der ganz in seine Gedanken Verlorene es merkte. Da sie das nicht wünschte, räusperte sie sich gehörig, als sie ganz rn der Nabe des Ferdl war. Aber der hört? es nicht und guckte weiter seinen Tauben nach. Na, Ferdl, was sieqhst denn gar so Rar's da oben?" sprach sie ihn an. Der junge Mann fuhr auf die neckische Anrede zusammen, sah dem Mädel einen Augenblick ein wenig verwirrt in das frische, lächelnde Gesicht und antwartete dann, tief Athem holend: G sehgn hab' i gar rnr. So aller hand durch 'n Kopf geh'n lassen hab' i mir halt." Die Kreszenz mckte mit schlauer Miene. Hast an ein'n alten Freund denkt, Ferdl, he? An etifn mit lange Haar und ein'n Kitterl an, gelt?" -Jetzt mochte sich der Bursch an se:ner Pfeife zu schaffen, die auf einmal Nicht recht Ziehen wollte. Du hast leicht g'spoaßeln. Du! In sieb'n Wochen Hochzeit! I aber! Die i krieg'n kunnt , mag x mt,'d:e i mog'n thät, krieg' i nit " Die Kreszenz schüttelte mit unsäalich erstaunte? Miene das hübsche Köpflein. G'spaßige Welt!" sagte sie. Wie alle Leut' der Schuh drückt auf der nämlichen Stell'! Grad so wie Du jetz'n, hat heut' d' Kathel g'redt zu mir. Js halt Überall 's selbige." Der junge Huber war zetzt auf einmal sehr roth im Gesicht. Unsicher sab er der Kreszenz nach den Augen. D' Vergwieser-Kathel moanst, Kreszenz?" Das Mädel nickte. Grad die. 3 hab' do' nur a Freundin, die Kathel hoaßen thuat." Ja aber hm d' Berqwieserdirn' was könnt' si' denn fehl'n bei der? 's oanzige Kind vom reichen Bergwiejer die rniirjr do " Ferdl war letzt noch röther im Gesicht als vorhin. Die Kreszenz aber wurde noch philosophischer. Dös macht's aa nit aus, 's Reichsein. Leicht kann oaner Geld hab'n wie Heu und wird eahm do' nit wohl dabei. Nur so zum Beispiel: A Dirn' woll'n m'r sagen, oane, die so guat dran rs wie d Kathel. Wos hat die von ihr'n Geld und ihr'n Hof, wann der Vua, den s' gern mögen thuat, si' nit traue thuat, weil er halt an armer Teuft ,s? Sie kann do' nit hingeh', zu eahm und 'n halsen, den dalketen Buab'n, und 'n frag'n: Magst mi? So oane wär' grad durch ihr Reichsein schön sauber unglückli'. Na, b'büt Gott, Ferdl, Z muaß hoam. Heunt Abend soll i a no' zu der Kathel kümma. Am hintern Gartenthür! wird s' warten auf Ml' m aner halb n Stund . Da woll n m'r no' a bissel plauschen miteinand'." Sie nickte und lächelte und schritt weiter, ohne den Gegengruß des jungen Huber abzuwarten. Der aber athmete rasch und heiß und rieb sich immer wieder die Augen, wi' einer thut, der nicht recht weiß, ob er wach! oder träumt. Sollte die Kathel wirklich? Sie war immer so freundlich zu ihm, wenn er sie zufällig traf, nach der Kirche, auf dem Felde oder wo man sich fönst begegnet auf dem Lande. Und vor einem halben Jahre, als er vom Militär zu rückgekommen war, die Urlaubermütze keck auf dem unken Ohr, war sie ganz brennfeuerroth geworden im Gesicbt. als sie ihm begegnete, brennfeuerroth bis unter die blonden, krausen Haare hinauf, und aus diesem glühenden Gesichtchen hatten die blauen Augen so merkwürdig gestrahlt und geleuchtet! Herrgott, was war er doch für ein Lapp" gewesen all' die Zeit her! Stieg da schon seit einem halben Jahre herum, traurig, wie ein gerupfter Hahn, ließ sich von seinem heimlichen Liebeskummer das Herz abdrucken un merkte nichts! Seine Dirn' mußte erst ihre Freundin zu ihm schicken unJ ihm die Augen offnen lassen! Aber nun hatte die Traumichnicht ein Ende. ' So verblendet war er denn doch noch nicht, daß er nicht aemer! hätte, warum ihm die Kreszenz so deutlich verrathen habe, daß sie sich heute mit der Kathel noch treffen wolle An der Gartenthür des Vergwieier Hofes! Da hieß es eben vor der Kres zenz ddrt sem. Unschlüssig wandte der Bursch den Kopf. Ob er erst seinem Vater etwas sagte? Ach was, der alte Mann würde schon ohne chn zu Abend essen, wenn e eben nicht da war. Und wenn er selvs! warten mußte, wenn ihm der Sohn nachher erzählte, warum er vor dem Nachtmahl fortgegangen war, so nahm er's weiter nicht übel. Mit lang ausgreifenden Schritten ging Ferdinand Huber davon, die abendlich stille Dorsstraße hinunter Die Leute, die ihm begegneten, sahen
iim erstaunt nach. Was hatte der
Bursch nur heut' auf einmal? Hoch aufgerichtet kam er daher, den Hut hatte er ein wenig schief aufgesetzt, unter seinem hübschen Schnurrbcrt schmunzelte er so übermüthig, als wollte er sragen: Was kostet die Welt? Ich kauf' ie! Hatten die Huber wieder in der Loterie gewonnen? Nöthig wär's gewesen. Und zu gönnen war es dem hübschen, fleißigen Buben schon, und dem alten Huber mcht mmder. Etwa eine halbe Stunde spater kam die Kreszenz an die hiniere Gartenthür des Bergwieserhofcs, um mit ihrer Freundin den verabredeten kleinen Abcndplausch zu halten. Aber da guckte kein blonder Krauskopf über den Lattenzaun, und als die Kreszenz ihren Blick in den großen, in tiefer Dämme rung daliegenden Gemüsegarten hinfliegen ließ, vermochte er von der Kathel auch nicht das Geringste zu entdecken. Na, so was!" Nachdenklich guckte das Mädchen zu der Geißblattlaube hinüber, die nicht wert von dem Gartenthurchen sich befand, in die man von der Straße nicht hineingehen konnte. Als sie eme Weile dahin gesehen hatte, druckte die Kreszenz das unverschlossene Thürchen leise zurück und ging vorsichtig auf die Laube zu. Richtig, Stimmen! Die helle war die der Kathel und die tiefe, na, da war nicht schwer rathen, wem die angehören mochte. Kreszenz blieb stehen und hörte lächelnd an, was die Stimmen raunten. Eben war die helle daran: Du dummer, böser Bub! Ein'n so zappeln lassen! I hab' mir scho' steif und fet ein'bild't. Tu hast ein'n Schatz in der Stadt und und " Jekt antwortete die tiefe Stimme in zärtlichem Tone: Du mei' lieb's oanzig's Dirnderl, Du! I a Andere gern hab'n! Traut hab' i mi halt nit! Dei' Vatter, der größte, Bauer in der G'moan und wir, mit uns geht's halt immer z ruck. Der Vatter und i, wir plagen uns ia, plagen thun wir uns schon, aber 's is und is halt ka' Segen nit dabei." . Das klang so traurig, daß Kreszenz es ganz begreiflich fand, daß die Eignenn der hellen Stimme den Besitzer der tiefen recht nachdrücklich tröstete. Und daß solcher Trost, wenn er richtig wirken soll, nicht in Worten gespendet werden darf, wußte sie als ein Mädchen, ,das in wenig Wochen Hochzeit machen sollte, auch. Aber sie fand es überflüssig, dieser langweiligen Trosierei weiter zuzuhören, und zog sicb langsam zurück. Der nächste Tag war ein Sonntag. Nach der Kirchzeit standen sich in der guten Stube des Bergwieserhofes zwei Männer gegenüber, ein alter und ein junger. Der alte hatte ein großes, rundes, glatt rasirtes Gesicht, das mit seinen würdevoll blickenden Augen eher einem geistlichen Herrn anzugehören schien als einem Bauern. Der junge war feierlich gelleidet. Einen schwarzen Rock hatte er an, in der Hand hielt er den steifen schwarzen Filzhut; sein braunes, ein wenig hageres Gesicht, zu dem das keck emporgedrehte schwarze Schnurrbärtchen und das dunkle Haar so gut standen, verrieth große Aufregung. Trotzdem hatte er seine lange Rede, in der sehr viel von Gernhaben vorkam und von einer großen Gnu, deren man sich gewiß würdig erweisen wolle, leidlich fließend abgehaspelt. Der Andere hatte sie aufmerksam angehört und dabei mit den Gliedern der dicken zoldenen Kette gespielt, die sich über leine mächtig vorgewölbte Weste spannte.' Jetzt war der junge Mann zu Ende. Er holte tief Athem und fah dem Anderen äußerst gespannt und recht herz beweglich in das würdevolle Antlitz. Der räusperte sich nun und sagte dann langsam: I hab' nix gegen Di'. Ferdl, wirkli' nix. Rechtschaffen arbeit'n thust D', und Dein' Sach' verstehst D'. Und in der Schul' hast brav g'lernt. und bei die Soldaten bist gar G'freiter wur'n. Aber" Der Dicke machte eine Kunstpause und räusperte sich. Ferdl, der bei dem ..Aber" blaß geworden war, sah ein wenig finster zu Boden. ... aber werden kann do' nix aus der Sach'. I kann nit, Ferdl, wirkli' nit. Nit,' weil Ihr so arm seid's. I brauch', Gott sei Dank, nit auf's Gelo z' schauen, wenn i für mei' Kathel ein'n Mann aussuch'. Se kriegt g'nua mit. die Dirn'. Aber 's is weg'n de' Leut'. Die haben gar so viel böse Mäuler, d' Leut'. Bei einer Heirath wird immer gar viel z'samm'g'redt und 'tratscht, und wenn a Bua. der hm so dasteht wie Du, die anzige Tochter vom reichsten Mann in der G'moan heirath't, dann erst recht. Und woaßt, was s' sagen thäten, d' Leut'? Entweder: Der alte Bergwieser ist der Dumme g'wescn bei der G'schicht', oder gar: Wer woaß, 'leicht hat er den Guten spielen und ja sagen müssen. Du verstehst mi schon. Und dös kunnt' mir nit passen, 's oane nit un 's andere nit. Ja, wann er nit gar so schlecht dastehe' that'. Dei' Vatter. Wann die Leut' wenigstens denken kunnten: 'leicht hüt er do' was. der Huber. Aber so! Oan Acker um den anderen verkauft in die letzten Jahr', oan Stücke! Vieh um's andere." Mei' Vatter kann nix dafür! wahrte sich der Bursch ziemlich s Unglück hab'n wir halt g'habt. Jahr' nacheinander Mißwachs Hagel und 's Viehsterben un
ver-charf.
Vier und i die
Krankheit von meiner Muatter, die so viel kost't hat, bis s' der liebe Gott zu ihm g'rufen hat." I mach' Dir ja kein'n Vorwurf, Ferdl sagte de? Bergwieser beschwichtigend. Dir nit und Dein'm Vattern nit. Ein Unglück war's, viel Unglück nacheinand'. 's selb' woaß i ja. Aber 's Anseh'n bei die Leut' is halt z' Grund g'gangen dabei. Früher, wie Dei' Vatter in der Lotterie g'wunnen g'habt hat. hab'n alle g'glaubt. er hat a Geld. Daß 's blos hundert Markln waren, der G'winn, hat eahm koa Mensch nit glaubt. Für ein'n hoamlicben Reichen bat er aWn nnnn's no' so sei' that, glei' gebet i Dirs'. d' Kathel. Aber jetzt, wo s' alle so g'wiß mit der Achsel schupfen und sagen: Ter arme Huber! jetzt geht's nit. I kann nit, wirkli' nit. Und so dank' i Dir halt für die Ehr' und verhoff', daß deswegen ka Feindschaft nit wer'n wird' zwischen uns. Und daß Du der Kathel jetz'n nit weiter nachschleichen und ihr was in 'n Kopf setzen wirst, da'vcrlass' i mi drauf, weil i woaß, daß D'
ein ehrlicher, rechtschaffener junge? Bursch bist." Aus war's. Der junge Huber war verabschiedet. Und' den Hoffnungen, mit denen er hergekommen war, konnte er nun auch gleich den endgiltigen Abschied geben. Denn dafür war der Bergwieser bekannt. Er überlegte sich sein Wort drei Mal, ehe er's aussprach. War es aber einmal ausgesprochen, dann stand es wie ein Fels. Hocherhobenen Hauptes ging Ferdl davon. Die Leute sollten ihm nicht ansehen, welche Niederlage er sich gehölt hatte. In itrn aber sah es traurig und böse aus. Als er nach Hause kam, lehnte sein Vater am Hofthor, an der nämlichen Stelle, an der gestern Ferdl selbst gelehnt hatte. Als der weißhaarige, verschlössen vor sich hin blickende Mann des Sohnes ansichtig geworden war, musterte er ihn flüchtig. Dann nahm er die Pfeife aus dem Munde und fragte: Nix?" Nir!" erwiderte Ferdl dumpf. Der Alte nickte blos. Das hatte er ja nicht anders erwartet. Drinnen in der Stube brach der Sturm, den Ferdinand Huber so lange in seiner Brust niedergehalten hatte, endlich los. Der junge Mann erging sich in leidenschaftlichen Anklagen gegen fein Geschick und gegen die Erbärmlichkeisder Menschen. Vatter!" rief er mit bitterem Lachen. Nicht, weil wir arm sind, sondern weil d' Leut' wissen, daß 's uns schlecht geht! Was sagst dazua. Vatter? Js dös nit wunderschön und fein? Weil's d' Leut' wissen. So ein alter Großthuer!" Der Alte schüttelte wehmüthig den weißen Kopf und schwieg. Was sollte er auch sagen. Er begriff den StandPunkt des Vergwieserbauern vollkommen. Er kannte ja die Menschen. Hart sind sie. Und wo sie mitleidig sind, hat das Mitleid eine Gesellin, von der es unzertrennlich ist, die Geringschätzung. Und diese Geringschätzung fürchtet Niemand mehr als der Bauer. Es folgten traurige Tage für beide Häuser, für das Bergwieser'sche wie für das Huber'sche. Auf dem stolzen Anwesen Bergwiesers schlich Kathel mit blassen Wangen und trüben Augen herum. Ferdl arbeitete wie ein Rasender auf der zurückgekommenen Wirthschaft seines Vaters, ohne doch den von allen Seiten hereindrohenden Ruin zurllckhalten zu können, ja ohne Hoffnung darauf.' Der Hof war zu sehr verschuldet. Ob er überhaupt noch zu halten war, hing von der diesjährigen Ernte ab. Fiel die gut aus, so konnte das Elend weiter geschleppt werden. Hagelte es wieder, so war alles endgiltig vorbei. Außer seinem Liebesgram und den wirtschaftlichen Sorgen drückte auf Ferdinand Huber noch die Angst um seinen Vater. Der alte Mann war seit dem erfolglosen - Werbegang seines Sohnes wie verwandelt. Die Arbeit, die ihm sonst so rüstig von der Hand gegangen war wie dem Jüngsten, wurde ihm sichtlich sauer. Das war kein Wunder. Er aß ja kaum mehr und schlief unglaublich schlecht. Fast jede Nacht hörte ihn Ferdinand, der mit ihm im selben Zimmer schlief, im Schlafe aufgeregte Reden führen, die er nicht verstand, weil der Alte so undeut lich murmelte, die aber angstvoll und schmerzlich klangen und häufig von so gequältem Stöhnen unterbrochen wur den. daß Ferdinand den alten Mann weckte, um ihn von dem Alp, der ihn druckte, zu befreien. In einer Nacht stand der alte Huber gar auf und begann, nachdem er scharf zu dem Sohn hinübergeblickt hatte, sich anzukleiden. 'Er brummte und mur melte dabei allerlei in sich hinein. Der Mond schien hell in's Zimmer, so daß Ferdinand, der sich anstellte, als läge er in tiefem Schlafe, alles genau beobachten Konnte. Der Vate? war so wunderlich tn der letzten Zeit. Was hatte er heute vor? Sowie der alte Huber sich nothdürs tig angezogen hatte, verließ er die Stube. Ferdinand sprang aus dem Bette und schlich hinterher, wie er war, im Hemd. Den jungen Manu hatte auf einmal die Furcht befallen, sein Vater wolle sich ein Leid anthun. Der alte Mann stieg ächzend dii Vodenstiege hinan, der Sohn schlich ihm auf den nackten Füßen nach. Oben stieß Huber die Dachluke auf, so daß das Mondlicht hereinfiel, und blickte suchend um sich. - Heiliger Gott jetzt sucht er sich an
Strick!" zitterte es durch die Seele ves
jungen Mannes, der sich hinter einen der Balken, die das Dach stützten, gedrückt hatte und das unheimliche Treiben seines Vaters mit weltaeöffneten Augen mit ansah. Einen Strick schien der Alte aber nicht gesucht zu haben. Jetzt zog er einen Schlunel aus der Taiche und schritt damit auf eine alte Truhe zu, die in einem Winkel des Bodenraumes stand und dort gestanden hatte, so weit Ferdinand zurückzudenken vermochte. Das alte Scyloß gmg merkwürdig rasch und glatt auf. Huber schlug den Teckel der Truhe zurück und wühlte mit der Rechten in dem Behältniß. Dann kam er wieder zurück in das volle Mondlicht unter der offenen DachIiirc. In de? Hand hielt er nun eine alte Brieftasche aus grünem Leder, die Ferdinand niemals zuvor gesehen hatt:. Der arme Bub ! murmelte der alt. Mann so laut, daß sein Sohn es in semem Versteck deutlich verstand. I möcht' eahm so gern helfen! Aber i kann do' nit! I kann nit! I kann nit!" Wie .sonderbar doch dieses drei Mal wiederholte I kann nit!" klang! Wie der Ausschrei Jemandes, der mit sich selbe: einen schweren Kampf kämpft. Was hatte das alles zu bedeuten? Jetzt-! Ferdl reckte den Hals lang hinter seinem Balken hervor und konnte einen Aufschrei des Schreckens und der Emporung kaun unterdrucken. Ter im weißen Mondschein kauernde Alte hatte die Brieftasche geöffnet und ein Bün del Geldscheine herausgezogen, einen dicken Pack Hundertmarkscheine. Er wog ihn in der braunen, faltigen, abgearbeiteten Hand und murmelte, und kicherte. Hihihihi das schöne Geld! Hundert Hunderter! Die suacht koaner in ein'm Haus, von dem d' Aecker verkauft wer'n! Mei' schön's lieb's Gelder!! Mei' Freud'! Mei' Trost!" Und nun begann der Alte zu zahlen. Sich die vor Gier zitternden Finger immer wieder an den Lippen anfeuchtend, zählte er die Scheine durch. Hundert Stück! Ferdl konnte sie ganz deutlich sehen, so hell schien der Mond. Ter farbige Druck, die allegorischen Figuren am Rande, die große Aufschrift jeder einzelnen Hundert Mark," das blaue, gefaserte Papier, alles war zu erkennen wie im Tageslicht. Mit einem bitteren Läcbeln schlich sich Ferdinand aus seinem Versteck hervor und die Treppe hmab. Er brauchte keine Angst zu haben. Der Alte da droben hing sich nicht auf. Der hatte Besseres zu thun. Er aber mußte sich zurückziehen. Denn wenn er noch weiter sich das Treiben Mitansah, so sprang er doch noch hinter dem Stützballen vor und. schrie seinem Vater Worte in's Gesicht, die kein Mensch seinem Vater sagen soll, auch dann nicht, wenn dieser Vater ein sündhafter Geizhals ist.. Ferdinand war mit einem Schlagc alles klar geworden. Das Geld, das in der Truhe verborgen war, war der Lotteriegewinn seines Vaters. Er hatte also gelogen, als er sagte, er hätte blos hundert Mark gewonnen. Hundert mal hundert waren es, und die Nachbarn hatten mit ihren Reden recht. Und an diesem heimlichen Schatz war der Vater zum richtigen Geizkragen geworden. Als dann die bösen Zeiten kamen, in denen er das Geld hätte anwenden sollen, um den Hof aufrecht zu halten, hatte er nicht vermocht, sich von seinen schönen bunten Bilderchen zu trennen. Lieber ließ er Haus und Hof zu Grunde gehen und seine Frau hinsterben, das Päckchen Banknoten in der grünledcrnen Brieftasche durfte nicht kleiner werden. Ein Geizhals! Ein richtiger Geizhals! Ferdinand Huber lag schon ziemlich lange in seinem Bett, als die Thür endlich aufging, und der alte Bauer in die Stube zurückkehrte. Ter Sohn stellte sich, als erwache er aus tiefem Schlafe, und fragte: Wo warst D' denn. Vatter?" Mit einem schrägen, mißvergnügten Blick antwortete Huber: Auf'm Hof. Ein wengerl Luft schöpfen. Mir war nit recht so." Des nächsten Vormittags ging Fe.rdinand, während sein Vater auf dem Felde war, auf den Dachboden. Er nahm mit, was an Schlüsseln im Hause zu finden war, und versuchte damit, die Truhe zu öffnen. Er wußte selbst nicht, warum er's that. Fortnehmen durfte er das Geld doch nicht. Es war eben ein leidenschaftlicher Wunsch in ihm. den Schatz.' der seinem ganzen Leben eine glückliche Wendung hätte geben können, wenigstens einmal in der Hand zu halten. Der fünfte der Schlüssel paßte endlich in's Schloß. Ein Ruck, und der Deckel fiel zurück. Der junge Mann mochte in den alten Lumpen, die den ganzen Inhalt der Schatzkiste bildeten, herumwühlen, so viel e? wollte, die Brieftasche fand er nicht. Er untersuchte die Truhe, ob sie nicht einen doppelten Boden oder ein Geheimfach hätte, aber nichts derrties war zu finden. Endlich schlug Ferdinand den Deckel ärgerlich zu und ging wieder hinunter. Sein Vater hatte die Brieftasche offenbar zu sich gesteckt. Davon, daß es so war. konnte sich der Bursch schon in der nächsten Nacht überzeugen. Als er glaubte, der Sohn schlafe fest, kroch Hub?? aus feinem Bett. Unter dem Kopfkissen hvlte cr die Brreftascke bervor und seti sich rn!t
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