Indiana Tribüne, Volume 28, Number 303, Indianapolis, Marion County, 14 August 1905 — Page 1
Q h1 r-V NvA OO 2(1il9Sa Wl Tntm nrtS 1 v u? S SouutagsHatt 8 I0c per Woche. l. f UY,r 'sXVO 0 S Tage und '1 l r ! SomitaasMatt ?) - " 7, ' jloo ver vocye. V l OA l' w v nJO iSSwLSDLSe Erscheint seden Nat?,nittag. Jahrgang 28. Indianapolis, Ind., Montag, 14. August 1905. No. 303.
n0
IM
Zermalmt.
Leiche eines Unbekannten neben den Geleift.l aufgefunden. Die fürchtttlich verstümmelte Leiche eines unbekannten Mannes wurde heute früh neben den Geleisen der I. & 33. Bahn nahe Eagle.Creek aufgefunden. Eine große Wunde an der linken Schläfe, da5 zerschnittene Gesicht, der gebrochene rechte Arm. sowie auch der linke Fuß. der nur noch von den Haut fetzen gehalten wird, sind Anzeichen eine gewaltsamen Tode. Die Leiche wurde kurz nach 5 Uhr von der Mannschaft einer Rangirloko motive aufgesunden, und nach der Ken tucky Ave. gebracht, wo dieselbe durch Dr. Poole vom DiSpensarium in Em pfang genommen und nach dem ftädti schert Leichenhause gebracht wurde. Der Mann war anscheinend schon mehrere Stunden todt, als man ihn auffand. Da man Schuhe und Strümpfe des Verunglückten ein kleines Ende von der Leiche liegend fand, glaubt man, daß der Mann sich dort zum Schlafen nie derlegte und so überfahren wurde. Der Todte ist etwa 30 Jahre alt, mittlere Größe und breitschulterig, hatte dunkle Hose und Weste an, aber er trug keinen Rock. Er ist sauber gekleidet, doch läßt die Kleidung auf einen Arbei ter schließen. Der Coroner wird den Fall untersuchen. Der Tode wurde später als Frank Spencer aus Jeffersonville, Ind., iden tifizirt. Spencer arbeitete an den Ei senbahngeleisen. Seine Verwandten wurden von dem Unfälle benachrichtigt und die Leiche wurde nach TutewilerS TodtenhauS gebracht. Dynamit kein Nahrung 5Mittel. G o s h e n, 13. Aug. Arbeiter, die gestern mit dem Sprengen von Baum wurzeln beschäftigt waren, ließen eine Quantität Dynamit auf dem Felde lie gen. Als sie zurückkehrten, hatte sich inzwischen eine ttuh etwa 15 Pfund des Sprengstoffes zugeführt. Das Thier starb kurz darauf unter großen Schmer zen. Die bescheidenen Japaner. Daß die Japaner, besonders auf dem Lande uno tn den kleineren Städten, übertrieben bescheiden sind, davon wird sich jeder überzeugt haben. der bereits einmal mit einer Einladung zum Essen in einem japanischen Hause It ehrt worden ist. Wenn man in den mittleren ode: auch in den besser gestellten Kreisen verkehrt, wjrd man zum Beispiel häufig eine Einladung bekommen, die ungefähr folgendermaßen lautet: Ich bitte um Verzeihung, wenn ich Ihnen die Beleidigung anthue. Sie aufzufordern, bei uNI zu Mittag zu essen. Unser Hauö ist sthr klein uno sehr schmutzig. Unsere Manieren sind sehr schlecht, und vielleicht werden Sie nicht einmal etwas zu essen bekommen, was man als eßbar bezeichnen könnte, aber nicktsdestoweniger gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß Sie bereit sein werden, um 6 Uhr zu uns um Essen zu kommen." Leistet man lernn der Einladung Folge, so wird man gewöhnlich finden, daß das Qauö außerordentlich rein ist. daß alles in tadelloser Weise arrangirt wu,de und daß der Wirth sowohl wie dje ffllrtjfn bie liebenswürdigsten und die nettesten Menschen in der Welt sind. DaS Menü besieht aus 10 oder 16 Gängen, und zwar gibt es daS beste, was tnan Nch Nur wünschen kann, die theuersten Leckereien, die man zur Zeit austreiben kann. Die übertriebene Bescbetdenhelt ist nun einmal in Japan Mode. Von einem Bullen get L d t e t. In dem Kuhstalle des Gutsbesitzers Banse in Meisdorf. Provlnz Sachsen, war ein Bulle wild geworden und hatte sich losgerissen. Das Thier wurde mit vieler Mühe zwar wieder in den Stand gebracht, als ihm aber der Stallknecht Albert Jlliger den Gurt anschnallen wollte, faßte es ihn und warf ihn mit den Hörnern über vier Kühe hinweg. Darauf wandte sich der wüthende Bulle gegen den Vater Jlligers, drückte diesen zuerst gegen die Wand und schob ihn dann mit den Hörnern an der Wand kzoch. so daß dem Manne das Genick gebrochen wurde und er den Geist aufgab. Mit Hilfe von Hunden wurde der Bulle in den Kuhring getrieben und hier erschossen. Albert Jlliger war mit verhältnißmäßig geringen Verletzungen davongekommen.
Mit der Kugel in der Brnft
Liegt Albert Carroll schwer verletzt im Hospital. Durch einen Rcvolverschuß suchte ge stern Abend 6 Uhr der 401 Süd JllinoiS Str. wohnhaste Restaurateur AI bert Carroll seinem Leben ein Ende zu machen. Er wurde schwer verletzt ins Hospital gebracht.' Seine Frau erzählt, daß Carroll, der vor etwa 11 Jahren au JoneSboro nach hier kam, gestern und am Tage vorher schwer getrunken habe, und daß er mit ihr einen Ttreit ansing. Kurz darauf folgte er ihr ins Schlafzimmer und dort legte er sich auf Bett hin, zog einen Revolver, den er sich schon am Tage vorher in die Tasche steckte, und schoß sich etne Kugel in die Brust. Der erst 24 Jahre alte Mann wurde sofort nach dem Hospitale gebracht, doch konnte die Kugel bis jetzt noch nicht ge funden werden, da der Patient durch innerliche Blutung äußerst geschwächt ist. Die Kugel drang in der Herz gegend ein. Auf dem Wege zum Hospitale sprach er den Wunsch aus. daß er nicht sterben möge. Negiments-Rennion Wollen die alten Soldaten bei Chickamauga abhalten. Der auf den 13. September fallende Jahrestag der Schlacht von Chicka mauga wird wahrscheinlich in diesem Jahre festlich begangen werden. C- ist vorgeschlagen worden, dieses denkwürdige Ereigniß durch eine Reu nion der verschiedenen Regimenter zu feiern, welche an der Schlacht theilnah men, und weiter eine große Heerschau über diejenigen Regimenter abzuhalten, welche in den verschiedenen Gefechten in der Umgebung von Chickamauga mitkämpften. Diese Reunion wird am 13., 19.sund 20. September im National-Park zu Chickamauga. stattfinden und sprechen alle Anzeichen dafür, daß eS die groß artigste derartige Zusammenkunft werden wird, die je im Süden fiattge funden hat. An den vorstehend genannten drei Tagen werden die Ueberlebenden von den Armeen aus zwölf Staaten Pennsylvania, Ohio, Michigan, Jndiana, Illinois, WiScon sin. Minnesota, Iowa, Nebraska, Mis. souri, KansaS und Kentucky zusam menkommen, diele daS erste Mal. seit sie vor 42 Jahren von den blutgetrünl ten Feldern abwarschirten. Oesterreich'Nngarn. Oesterreich'S Thronfolger. Wien, 13. Aug. Erzherzog Karl von Oesterreich, der alSältester Sohn des Erzherzogs Otto nach dem Erzher zog Franz Ferdinand von seinem Vater zur Thronsolge berufen ist, wird am 13. August sein 13. Lebensjahr vollen den und an diesem Tage lgroßjührig erklärt werden. Ob diese Eile mit der gerüchtweile schon seit langer Zeit um laufenden Nachricht in Verbindung steht, daß Kaiser Joseph beschlossen habe, mit allen Mitteln gegen Franz Ferdinand'S Thronfolge anzukämpfen, entzieht sich vorläufig noch der Aeur theilung. L o g a n S p o r t, 14. Aug. Eine Familienfehde zwischen William F. McClaeb und Joseph Unkefer, beide Schwager, endete gestern in Thätlich keiten. Unkefer wurde getödtet. Unkefer und seine Frau fuhren im Buggy an McClaeb'S Wohnung vorbei und als Unkeser seinen Schwager vor der Thüre sah hielt er an. Er soll den selben dann beschimpft und zuletzt mit einem BowieMesser angegriffen haben, worauf dieser ihn solange mit seinen Fäusten bearbeitete, bis er todt war. Unkefer soll hitzköpfig gewesen sein. während McClaeb als ruhiger Mann geschildert wird. New A u g u st a, 13. Aug. In der Nähe von New Augufta kollidlrte ein Btg Four Personenzug mit einem Frachtzuge. Mehrere Personen wur den verletzt, jedoch wurde glücklicher weise Niemand verletzt.
Familienstreit
Wird gerichtliches Nachspiel haben. Eine sZamilken'Assaire, welcher durch die Dazwischenkunft der Polizei ein Ziel gesetzt wurde, spielte sich gestern Abend an der Madison Ave. ab, und JameS Traut, 1525 Madison Ave., sowie auch sein Nachbar Ernst Roberts, 1523 M a dison Ave., wurden verhaftet. Wie die Radlerpolizisten feststellten, gerieth Frau Tränt mit einer der Töch ter der Roberts Familie in einem Wort Wechsel. Frau Roberts kam hinzu und suchte die Partei ihrer Tochter zu ergreifen, worauf dann Frank derselben einen Schlag ins Geficht versetzt haben soll. Robert-, der inzwischen auf der Bild fläch: erscbienen war, gab den Schlag mit Zinsen zurück und dann erschien Jim Robert, ein Sohn der Familie, und gab 4 RevolverschUsse ab. Ob er in die Lust schoß, oder ob er auf jeman den anlegte, ließ sich noch nicht ermit teln, da er noch nicht gefunden werden konnte. Senrl Morin in Fairbank. Heute Abend tritt Henri Morin -mit seiner französischen Militärkapelle in Fairbank auf und wird dort an jedem Abend in dieser Woche konzertieren. Frankreich, welches soviel für Musik gethan hat, war in unserem Lande bis her musikalisch noch nicht durch Mili tärkapellen vertreten, bis Henri Mo rin dem Musik verständigem Publikum des Landes Gelegenheit bot, solche zu hören.' Und es giebt keine andere Or ganisation, welche mehr Befriedigung hervorgerufen hat, wie Morin'S fran zösische Militärkapelle. DaS Programm für heute Abend lautet: PARTI. Star spangled Banner", Introduction and Bridel Chorus.. . .Wagner Front third Act of Lohengrin. Military Ovcrture, Light Cavalry".. Suppe Characteristic Japanese March. . .Menetrier (Played by no other Band in America.) Cavatina from The Queen of Sheba" Gounod Miss Margaret Harrison. Hymn, March and Ballabile.t . ...... Verdi From Finale, second Act o5 Aida". PART II. Allegra Martiale, Ideal Soldiery". . .Morin New March of the old Guard, Folksongs and Hungarian Czardas..Mic!iels Scene frem Carmen Bizet Caratina from Faust, Dio Possente. Gounod M, Francis Archambault. Overture to William Teil" Rossini Flute obligato by M. A. Fortuna to Oboe and English Horn obligato by M. A. Nachtergaele. Festtag der Jrläuder Wird auf demAuSstellungsplatze stattfinden. Morgen feiern unsere Mitbürger iri scher Abstammung auf dem AuSftel lungS Platze den Jahrestag der Schlacht beim Yellow Ford, die im Jahre 1563 in Nord Irland zwischen den irischen und englischen Truppen ausgefochten, mit der Niederlage der Letzteren endete. Alle Divisionen der Ancient Order of HibernianS, sowie auch die Damen vereine deffellen werden sich an der Feier betheiligen. Wettrennen und Athle tische Uebungen finden statt. Zwei Musikkapellen werden abwechselnd ame rikanische und irische Weisen vortragen. William R. Pfander Ein hervorragender Turner gestorben. Aus New Ulm. Minn., trifft die traurige Nachricht ein, daß der allge mein bekannte TurnerPionier Wm. R. Pfänder dort gestorben ist. Herr Pfänder, der auch hier in Tur nerkreifen allgemein bekannt iß, stand im 79. Lebensjahre. Er war der Gründer des Ncwport Turnvereins und bei allen turnerischen Bestrebungen stand er stets mit an der Spitze, auch diente er mehrere Jahre als Schatzmei fter des Staates Minnesota. Die Turnerei verliert in ihm einen ihrer unerschrockensten Kämpen. .
Ein Mann im Brunnen.
Die Radlerpolizisten eilen zur Hilfe. Ein Mann im Brunnen, schickt Hilfe so schnell wie möglich" waren die Worte, welche von der Gürtelbahn und Kentucky Ave. der Polizei gestern früh übermittelt wurden und im gestreckten Galopp sauften 3 Minuten später Sa muels und Morgan und zwei ZeitungS leute der Unglücköstätte zu. Ueber Stock und Stein ging die halsbrecherische Fahrt, denn in einem solchen Falle zäh len die Minuten. Schaumbedeckt kam endlich der arme, fast abgehetzte Gaul am Ziele an, und ofort sprangen Alle vom Wagen und eilten unter Ansührung eine? dort wartenden aufgeregten ManneS der Unglücksstätte zu. Ein junger Bursche, halb bekleidet, der Bruder des als im Brunnen liegend Gemeldeten, schloß sich der kleinen Truppe an, die da im Dunkeln in höchster Eile die Geleise entlang tappte. Beim Brunnen angekommen, wur den sofort die mitgebrachten Seile hinabgelassen und die inzwischen angezün deten Lampen beleuchteten das Innere des etwa 60 Fuß tiefen Brunnens. Bon einem Ertrunkenen aber wurde keine Spur gefunden. Ein des Weges kommender Mann er zählte dann, daß der Mann bereits ge rettet fei und sich nach Haufe begeben habe. Die angestellte Untersuchung aber ergab, daß die Bretter beim Brunnen, owie auch die Umgebung desselben völlig trocken war und dann schöpften die Beamten Verdacht. Nach kurzem Kreuzverhör wurde dann ermittelt, daß von der benachbarten Pumpstation eine Röhre nach dem Brunnen führt, und daß junge Burschen sich da Vergnügen machten, die Hilferufe durch dieselbe in den Brunnen hinein zu rufen, so bei den Vorübergehenden . den Eindruck hervorrufend, daß wirklich jemand in dem alten Brunnen läge. Der Name deS jungen Burschen wurde ermittelt und vielleicht wird die Sache noch ein unangenehmes Nachspiel haben. Ein zweiter Anruf von dieser Gegend au, wird aber wohl nicht mit solcher Eile beantwartet werden. Enttäuscht kehrten alle zurück. Fest der ed.-luth. KinderfrenndSesellschast bou Jndiana nd Ohio. Gestern Nachmittag feierte genannte Gesellschaft in Fort Wayne ihr jährllcheS Waisenfeft, wozu die lutherischen Gemeinden, sowie alle Freunde der Kinderfreundsache eingeladen waren. Die Feier fand in dem wunderschön gelegenen Wäldchen deS Concordia College statt. Bei der Feier hielt Herr Pastor Philip WambSganß die deutsche und Herr Pastor August Wilder von Bremen, Jndiana, die englische Predigt. Die Festcollecte wird zum .Besten der Kinderfreundsache verwendet werden. Ein Orchester unter Leitung deS Herrn Christ. Daseler begleitete die Chorüle und trug durch musikalische Vortrüge zur Erhöhung deS Festes bei. Ein Abtrünniger. H u n t i n g t o n, 13. Aug. Hier lief die Nachricht ein, daß der schwarze Missionar Daniel Flickinger Wilderfor:e in Afrika gestorben ist. Der Mann hat ein bewegtes Leben hinter sich. Als er vor circa 45 Jahren gebo ren wurde, hielt Dr. Daniel Kumler Flickinger, der Sekretär der .United Brethren Church" sich gerade in Afrika auf und legte dem Baby die Namen Daniel Flickinger Wilberforce bei. Zwölf Jahre später traf er den Knaben wieder in New York. Die Kirche ließ ihm eine gute Erziehung gedeihen und erwarb sich einen Namen als Missionar. Als man ihn aber nach seinem Heimathlande sandte, .wurde er abtrünnig und ein Heide, ja sogar ein Häuptling eines Elngeborenen-Stam-mes. Zwei Söhne von ihm ftudlrea zur Zelt an der Otterbein Universität in Wefterville, Ohw. .
Giebt das Geschäft auf.
Das Salvage'Corps erhält keine Unter stützung mehr. Unter Angabe, daß ihm die Polizei nicht den nöthigen Schuh ngedeihen lasse, und daß auch der finanzielle Theil seines Geschäftes nicht so sei, wie er ihn wünsche, hat sich Capitän Hermann Newman vom SalvageCorpS ent schlössen, sein Geschäft aufzugeben. Newman sandte dem Feuerwehr-Chef die Notiz, daß er die Feuer-Alarme in seinem Geschäfte nicht länger gebrauche. und eS wurde der Auftrag ertheilt, die. selben zu entfernen, welchem Verlangen Chef'Elektrlker Berry sofort nachkam. Feuerwehrchef CootS sagte, daß Newman gute Dienste beim Feuer leistete und daß daS Feuerwehrdepartement ihn in jeder Weife unterstützte. Newman verließ sich aber hauptsächlich auf die ihm von verschiedenen Kaufleuten zu iheil gewordenen Unterstützungen, und da diese nur äußerst spärlich einliefen, ließ sich nur wenig erübrigen. Während der letzten Jahre war überhaupt kein Profit im Geschäfte. Ob JndianapaliS ein neues Salvage Corps erhalten wird, ist fraglich; in anderen Städten wird dasselbe durch die Feuerversicherungen betrieben und für dies: sollte sich ein derartiges Unternehmen von Nutzen erweisen. Max Drach, der vor Wochenfrist von Newman durch einen Schlag ins Ge sicht so schwer verletzt wurde, war bisher noch nicht im Stande, im Gerichte zu erscheinen, die Verhandlung deS Falles wurde daher verschoben, bis derselbe im Stande sein wird, selber gegen Newman als Zeuge aufzutreten. Schweden und Norwegen. In trostloser Einsamseit. T r o m s o e , 13. Aug. DaS zu Grunde gegangene Schiff der ZieglerExpedition, die America", erreichte die Teplitz.Bucht auf ZFranz Josef - Land Mitte August 1903 und lag wenige Tage später unbeweglich festem Eise. Drei Monate später, im November, setzte ein furchtbares Unwetter ein und das Fahrzeug wurde von demZhauShoch aufgethürmten EiSmassen zerquetscht wie eine Nußschale. Vollständig verschwand eS mit den Kohlen und Pro viantvorräthen jedoch erst am 22. Jan. 1004. Nun wäre eS wahrscheinlich um die kühnen Forscher geschehen gewesen.wenn nicht die Baldwin'fche Expedition seinerzeit bedeutende Mengen von LebensMitteln in der Bai zurückgelassen hätte. Im Laufe des Frühlings und SommerS wurden mehrere Versuche gemacht, über das Eis nach dem Pol Zvorzudringen, aber die Schwierigkeiten erwiesen sich als unüberwindlich. Welche Rich tung Fiala auch einschlug, stieß er stets auf offenes Meer. Schließlich ging der Proviant auf die Neige und es mußte der Marsch nach dem Süden angetreten werden, um die vom Herzog der Abruzzen und Bald win auf Kap Flora und Kap Dillon angelegten Stationen zu erreichen. Dies gelang und die Expedition 'trennte sich in drei Abtheilungen. Die vorgefundenen LebenSmlttel waren nicht so reichlich wie erwartet wurde, doch brauchten die Forscher, da sie der EiS bärenjagd und dem Walroßfang mit Eifer oblagen, keinen Hunger zu leiden. Während' der nächsten Monate herrschte die beste Stimmung unter der Mannschaft, aber als der Sommer verging, ohne daß die heiß ersehnte Ret tung kam, da verloren die meisten den Muth und die Hoffnung. Die zweite lange Winternacht gestaltete sich tröst loS, aber mit dem Frühling erwachte die Zuverficht auf'S Neue. Inzwischen war jedoch der Proviant bereits so zusammengeschmolzen, daß die Nationen verkürzt werden mußten. Die Folge war, daß faft Alle bald in einen Zu stand der Schwäche verfielen nnd den Strapazen eine dritten Polarwinters nicht mehr gewachsen gewesen wären. A e n G en t sch , der an der Vlr-glnia-Avenue ein Paar Schuhe - ausgeführt haben soll, wurde verhastet.
Cin finnischer Urtheile si..ch. Die Finnländer nehmen jede Gele genheit wahr, um aktiv und passiv immer wieder gegen die Knechtung ihres Vaterlandes zu Protestiren. 5?eulich haben sie darin ein Meisterstück geleistet. Eine Gerichtsverhandlung, in der ein gefährlicher Attentäter abgeurtheilt werden sollte, verwandelte fich tn ein Tribunal wider zaristischen Rechtsraub. Nicht nur verhängte das betrefsende Gericbt über Reinikka. der vor einiger Zeit auf Mjassojedow. den Myboraer Gouverneur, einen Anschlag ausaeübt hatte, die mildeste Strafe, sondern es bearündete dies Urtheil mit geradezu herausfordernden Wendungen. Wörtlich heißt es darin: Das Gericht hält es für erwiesen, daß der Anaeklaate Reinikka den Entschluß zu der Tödtung gefaßt hat, in der Ueberzeugung, dab der Kläger, der Wirkliche Staatsrath Mjassojedow als Wyborger Gouverneur durch seine widcrgesetzlichen Handlungen unserem Lande Schaden gebracht hat und bringt. In dieser Absicht hat er am 20. März aus Mjassoiedow drei Schüsse abgefeuert, wobei eine Kugel den Arm oberhalb des Ellenbogens und eine andere ihn im Rücken traf. Der Schaden war demnach geringer, als der im Paragraph 5 des Artikels 21 der Strafcrdnung vorgesehene. Infolgedessen und in Anbetracht des Umstandes, daß der Wirkliche Staatsrath Mjassojedow, wie allen bekannt ist. als Gouverneur Anordnungen traf, die in rechtlicher Hinsicht für das Gouvernement eine Gefahr darstellten und nicht auf den im Lande geltenden Gesetzen begründet waren, da man ferner annehmen muß. der Anaeklaate babe in diesem Falle nach seiner Ueberzeugung und seinem Gewissen gehandelt, ohne persönlich: Interessen im Auge zu haben usw.. verurtheilt ihn das Gericht zu 2 Iahren und 2 Monaten Korrektionshaus." Daß der Sieb, den das finnische Gericht austheilte, recht schwer getrofsen bat. beweist die Wuth, von der die reaktionäre Presse erfaßt ist. Die Moskowskiia Wiedomosti" verlangen schon Repressalien, da dieses Urtheil nicht vereinzelt dastehe. Das Blatt verweist auf die Rede, die in einem andern Falle der Vertheidiger gehalten habe und die gleichfalls den Geist des Aufruhrs athme. Ohne vom Gericht unterbrochen zu werden, hat der betrefsende Advokat ein genaues Bild entrollt von allen Bedrückungen, die das finnische Volk im Kampfe gegen d'e Tvrannei" erduldet.
Bkarquiö dcNoaillcs über Dclcassc. In die allgemeine Verurtheilung der Politik Delcassös. dessen Ueberhebung und Deutschenhaß im Begriffe war, ein schweres Gewitter am politischen Himmel erscheinen zu lassen, stimmt auch der frühere Botschafter von Berlin, Marquis de Noailles. ein. Eine Pariser Korrespondenz theilt tu nen Auszug aus einer Unterredung mit. die der frühere Botschafter einem Mitarbeiter der Libre Parole" gewährt hat. Es heißt darin u. Der jetzige Konflikt sei nicht, wie viele glaubten, einem plötzlichen Einfalle Kaiser Wilhelms zuzuschreiben, sondern reiflicher Ueberlegung. Selbst wenn Wilhelm II. übler Laune ist," sagte der Diplomat, verliert er die praktische Seite der Dinge nicht äui dem Auge, und er wird aus Nervosität nie eine ernste Inkonsequenz begehen. Deutschland war der Stiche' Uten von fetten Delcasss überdrüssig und wartete eine Gelegenheit ab, um. seine Unzufriedenheit zu bekunden. Delcass hat sie ihm mit Marokko geliefert, und diese marokkanische Angelegenheit ist eine außerordentliche Dummheit." Was die Lösung des Konfliks betrifft, so meinte Marquis de Noailles, daß die Krise über ihre gefährliche Periode hinaus sei. aber daß man dem Kriege sehr nahe gewesen wäre. Kaiser Wilhelm würde nicht gezögert haben, ihn zu erklären, wenn man in Frankreich weiter Eng land gegen Deutschland in die Händ: gearbeitet hätte. Auch sei die Berliner Regierung entschlossen gewesen, mit der französischen über keine Frage ,-ehr zu unterhandeln, solange Delcass6 am Quai d'Orsay war. Aber im Grün.de." fuhr der einstige Botschafter fort, ist es Wilhelm II. größter Wunsch, gute Beziehungen mit uns zu haben. Und wenn Herr Rouvier geschickt ist. so kann dieser Zwischenfall mit einer ernsten Annäherung an Deutschland enden . . . ." Im Hinblick auf die Krinoline, deren Wiedereinzug von mancher Seite befürchtet wird, lenkt die London Daily NewS" die Aufmerksamkeit auf die Thatsache, daß seit der letzten Herrschaft der Krinoline in der Mode die Flathäuser und -Woh-nungen eine Institution geworden sind: ;?," so fragt nun das Blatt, können stauen eine Krinoline tragen und dabei in einem Flat wohnen?"
