Indiana Tribüne, Volume 28, Number 302, Indianapolis, Marion County, 12 August 1905 — Page 6
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& Der SoDseini) Des lücks Novell? ten Öiar Sfciniurt. z 4 -::--::- Es war der Neid, der blasse, qcttef schelsüchtige Neid! Jawohl, er war's, nichts anderes. Herunier muß es von icr Seele, ich gebe meinemHzrzen einen Nuck, und ncchmals spreche ich es aus: Es war der Neid, der blasse, gelbe, schelsüchtige Neid! Schon im 5Iadet!enkorps sing eZ an. Warum war er auch Hans Freiherr von Wartberg, eine vater- und inutterlose Waise freilich, aber doch der einzige -Sohn einer der reichsten Familien des Landes, der den Weg zu den höchsten Ehren glatt und eben vor sich liegen sah? Und warum war ich Ernst Schröder. der Sohn eines mittellosen Ossiziers, das älteste einer ganzen Saar Don Kindern, die doch alle leben und versorgt sein wollten? Warum war er der schlanke, frische Bursche mit dem übermüthigen, kecken, schönen KnabenGesicht, mit den lachenden, großen Blauaugen, der feinen, schmieg- und biegsamen Gestalt? Und warum zum Kuckuck! war ich damals der eckige, unbeholfene Geselle mit dem allezeit finsteren Gistcht und den vorzeitigen Falten auf der Stirn? Warum cntln) war er. der Lieblinz der Lehrer, der vergötterte Kamerad der Mitschüler, fcern zu jedem tollen Streich willig gefolgt wurde, und warum ließ man mich einsam und allein meine Straße ziehen und mich früher Verbitterung anheimfallen? Was konnte ich denn dafür, wenn ich nichts an mir hatte, was die Herzen gewann? 'So hatten sich die Gegensähe schon im Kadettenkorps herausgebildet, und später verschärften sie sich mehr und inehr. Das Unheil wollte es. daß wir in dasselbe Regiment kamen, daß wir endlich dieselbe Kriegsschule bezogen. Da aber, auf der Kriegsschule nämlich, wurde ich entdeckt." Mehrere schwierige Aufgaben waren zu lösen. Ich Zöste sie alle, und am Abend dieses ereignißvollen Tages klopfte mir der Kommandeur freundlich auf die Schulitx und sagte: ..Lieber Schröder, aus Ihnen wird noch etwas, wovon wir alle keine Ahnung hzben!" Das sagte er mir, dem mürrischen, -unfreundlichen, verbitterten Jüngling. der in seinen Gedanken schon längst voraussah, wie er an der Hauptmannsecke abschwenken und irgendwo in einer oden Eivilstellung. für deren ErlanHUNg er noch Gott und dem König danken mußte, den Nest eines merthlosen Lebens verdämmern würde. Wie schlug mein Herz damals! Welch' eine Fülle kühner Träume riefen jene wenigen Worte hervor! Freilich, ich wußte es, ä) fühlte es klar und deutlich! In mir lag etwas, das empor zum Lichte drin -gen wollte, mochte man es ehrgeizige 'Plane, mochte man es Talent, mochte man es Genie nennen ganz gleich, es war da, es redete eine .deutliche, vernehmliche Sprache, und es feuerte mich an, rastlos weiter und vorwärts zu streben. Aber noch ein anderer Ehrentag sollte inir kommen. Der liönig besuchte die rriegsschule, und ich wurde ihm besonfcers vorgestellt. Vor der Front der Kameraden unterhielt er sich lange mit mir über den Inhalt der von mir ge lösten Aufgaben und reichte mir schließlich mit einem herzlichen Nur rüstig so weiter, lieber Schröder, dann kann's nicht fehlen!" zum Abschied die Hand. An diesem Tage schlug mein Herz. wie es noch nie geschlagen hatte. Ich, 'ver arme, von allen Kameraden unbeachtete Ofsiziersaspirant, ich, dem sie alle am liebsten aus dem Wege gegan'gen waren, ich, der von bangen Zwev feln zerfressen wurde, ob die eingeschlaaem Laufbahn die richtige war ich toax plötzlich der Held des Tages, hatte mt Anerkennung des höchsten üxm berrn, das Lob meiner unmittelbaren Vorgesetzten gefunden! Nur ein Gefühl hatte ich bei dem allen, denen icf. mich noch deutlich entsinne, das Gefübl 'der Furcht nämlich, es könnte all' das Herrliche. Ungeahnte nur ein Traum sein, der mich umgaukelte. und den di? rauhe, langst gewohnte Wirklichkeit vald wieder verscheuchen würd:. Aber nein, es war kein Traum, es war wirklich Wahrheit. Alle kamen und beglückwünschten mich, und einer der Kameraden, der immer den Kopf voll toller Einfalle hatte, brachte mir einen aus Pappe und buntem Papier gefertigten Feldmarschallstab und überreichte ihn mir mit den feierlichen Worten: Seiner Excellenz dem Herrn Gelieralfeldmarschall von Schröder!" szi- :c, ru r , . i . rf in : v rs weifte jiuuijcuc tu iuic uuiMuiv Zn's Gesicht geschossen. Noch heute fühl? ich ihr Hämmern und Klopfen in den Schläfen, noch heute faßt mich das Ge fühl eines jähen Schwindels, der mich . M. 4 I , oamais zu uoerwarngen oroyte. Xt Whantasie eines Jünglings, wenn sie tlnmal angeregt ist. kennt leine Schranken mehr, und die meine überflog in keckem Fluge den Weg voin V . fJ " aynricy ois zum . eiomarzazau. Warum auch mcht? Vom Fähnrich bi. Zum Feldmarschall. wie leicht, wie mühelos mußte das doch abzumachen sein! Noch etwas Seltsames aber begab lich am Abend dieses Tages. Hans von Wartberg nämlich kam zu mir und sagte: .Jch gratulire noch besonders. Du bist ein Glückskind!" Und freundlich streckte er mir die Feme, anttokratlicke üand Km.
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klöklicken mvuls. von dem ick in jen umw so, w. icine yieujcn,ui ucmii, iuj ,iu nur. den vor; cii v. v. : rr-r, ,.?,';i Nur, lifi nrn seine stslnb mckt. neu unu mit rnc jcyic ju amu. "-nt i m cm i (,r:t,t. : Viiiifcv ivuwi. ""9" ... v.. wolle er iraend etwas Unbehagliches von sich abthun. Dann aber fragte er, und seine Stimme klang kühl und ruhig: Was hast Du eigentlich gegen mich, Ernst?" Ich gab keme Antwort. ..Nun. ick meine." svrack er wieder. eines Wortes könntest Du mich wohl noch werth halten! Glaubst Du, so ,hTv,2 fühu'mnn ntrfif w?nn mn einem Anderen zuwider ist? Und Du kannst Mich mckt leiden. Du Hassest mich. Warum? Was that ich Dir? Am ich Dir ie zu nahe getreten? Habe ich Dich je verletzt? Und jetzt, wo ich mich über Deinen Erfolg freue, wo ich Dich beglückwünschen will, weisest Du mich zurück! Was that ich Dir? Svrich!" Grollend und zürnend drängte es sich übe? meine Lippen: Du stehst mir im Wege!" r lackte. Jch Dir? Wie ein Mnrick dem anderen im Wege stehen soll, ist mir überhaupt nicht klar." .Aber Dick baben sie alle von trüber Kindheit an ausgezeichnet und vorgezogen, und wenn sie die Wahl hätten, ob sie Dich oder mich in einem brennenden Hause verbrennen lassen sollten, die Wahl würde ihnen nicht schwer werden!" Wieder lachte er. Aber, lieber Ernst, nimm mir's nicht übel. Wenn ein Kind so etwas spricht, na. dann lächelt man darüber, Aber em königlich preutzljcher Fähnnch, der soeben von Seiner Mazestat ausgezeichnet worden ist, sollte solch' dummes Zeug doch nicht aus seinem Munde gehen lassen. Kann ich dafür, wenn ich mir die Herzen gewinne? Das nt eine Gabe, em Geschenk des Himmels: Mancher bat's, und Mancker hclt's nicht, und wer 's Nicht hat. kann oZ rna rVayav Cav 2 1'IZ.L s! . i? mt tuiiviu. Xiui es lUHi uuj ntcht erwerben, das muß einem zufallen wie der Name, den man trägt, wie
V- i4lk.ll j;iviiim v.tn.k ... iv 1C.. 41. i 'f 3 uqm flammend aus, eine leichte Röthe w" 2Sact!6,"9.. XÜV ,n 5 erschien auf seinen Wanqen; ich sehe erhielt em elendes Kmnch. wie er sich leicht schü'ttelk. als "Zxit'
die Naze. die man im Gesicht hat. Und derselben, ein . riesenstarker, HeldenDu prüfe Dich übrigens einmal ernst- müthiger Mann, schien entschlossen.
lich selbst, ob Du nicht selbst viel Schuld daran trägst, wenn Du Dick etwa über Zurücksetzung seitens der Kameraden zu beklagen gehabt hättest, Wer war denn stets so menschenscheu und so finster, daß er keinen Verkehr suchte? Wer war denn so übellaunig und so abweisend, daß sich Niemand an ihn wagte? Warst Du's, oder waren's die Anderen? In emen Dornbusch greift Niemand g:rn, und der Igel ist ein unkameradschaftliches Thier. Das wissen wir alle, und was man weiß, soll man im Leben hübsch beachten. Siehst Du, da hast Du die Philosophie Deines Kameraden, Hans Frciherrn von Wartberg." Und dabei machte er Mir eine zurliche Verbeugung. Wirst Du Mir nun Deine Hand aeben, alter Murrkopf?" fragte er dann wieder. Mit abgewandtem Gesicht legte ich 1 ie meine hinein. . Topp!" sagte er. So ist's brav! Also jetzt ist Friede geschlossen und weißt Du, ich werde mich ängstlich vorsehen, Dir wieder im Wege zu stehen. Ich will Dir Dein Glück gewiß nicht streitig machen." Nach jenem Abend gab ich mir die größte Mühe, das alte Gefübl von Feindschaft gegen Hans von Wartberg niederzukämpfen. Aber es ist eine sehr ... ? - ' v . rr t . t. cy r mifliicrje acyc um ote Anlegung solche? in der uqenv tcyon teilciewurzelten Sympathien oder Antipathien. Meistens kleben sie einem durch das ganze Leben hindurch an wie ein Muttermal. das dem Aetzftift und dem Messer des ctfe..iA.t; n . k t. v r i pciimius ijuunuuicj iiuuuuuu, lllio wenn sie etwa wirklich einmal derschwunden zu sein scheinen, bei der geringsten Veranlassung tauchen sie doch wieder auf, zäher, unbesiegbarer als je ifl u . , , Und wie hatte eme solche Veranlassung einem Hans von Wartberg gegenüber fehlen, ausbleiben sollen und können? Ihm. der nach wie vor der Liebling aller blieb? Kamerad von Wartberg!" hieß es hier. Kamerad von Wartberg!" hieß es dort. Kamerad von Wartberg" wurde, als wir Offiitr Vrrt rVistt tnAn iMmT fvTV 0"" 3itmuw zum Bataillonsadjutanten ernannt; ich dlted simpler FrontosslZier. Kamcrao von arioerg naymais gernge eyener uqi, ms swtler ganzer, der oft genug zum Tanz mit den VriN',5ssinnen befohlen wurde, an allen Hoffestlichketten theil; ich studirte daheim niecj3HHijcn,ajaTuicgc uno r;iioricrjC VTTUrf (Turner vnv (fnt.l(..M ging aus und ein, wie ein FamilienMitglied, in .den Häusern d?s Adels, der oberen Zehntausend; ich war zufrieden, wenn mich irgend ein biedrc Rentier oder böckstens ein Gebeimra vuin.wv vwU uunvcii aus einem Ministerium einmal zum Mittage en einlud. Kamerad von Wartberg" war der glückliche Arrangeur all' der kleinen Kasinofeierlichkeiten, die tm Lause des Jahres vor!Wtr Z6 Xi-l, mZ ..-s7. mit den ffWn.ton TWitm oftmIx ' r...v. uvt. .VUlltVlUV von Wartbera"-Wozu aber soll ich sie weiter auszäblen. all' tt iUxmn TOn,
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34,8 - 'T""'' & Ä rtS x r:., R,:,. , , . : . ty. i" i. fingen, wrn i um uuc uurnuu. rry . .sit X 1Trririt j a i c uiuu vu uuiwuuwi . viuuu- . .. . 7.x. .".fU Alli. UHU iliui vu;i ClI VlrtfM Da kockite der Groll in mir auf. Am liebsten hätte ich den bunten Nock ansgezogen. 2lber das schien mir feig zu vmi Zeit, da das Vaterland einem schweren Kampf um seine Existenz entgegenging, und so blieb ich im Dienst. Ich e?erzirte meine Landwehrleute ein. ltfB ""sse uven uno nacy oer cycire schießen, aber alles widerwillig, voll Unlust, voll Erbitterung und Ingrimm. Der alte Bezirkskommandeur merkte die Geschichte denn auch bald. Sie sind unmuthig, ueber Kämerad," sagte er eines Tages. ..daß Sie nicht mit in's Feld rücken konnten. Ja, sehen Sie, das ist Dienst. Wohin man uns stellt, da müssen wir bleiben: dagegen gibt es Zein Mucksen. Die Einen draußen, die Anderen daheim. Die Hauptsache is! nur, daß Jeder an dem Ort, wohin er gestellt t, seine verdämmte Pflicht und Schuldigkeit thut! Dann wird die Sache schon den rechten Weg gehen. Jeder auf seinem Posten, lieber Kamerad, as vergej,en Sie nicht, wenn Sie das Herz aus dem regten tfietf yaven!' So -sagte der alte Herr. Und ich merkle mir's. Aber versöhnlicher und milder gestimmt wurde ich deshalb doch nicht. 3rn Geaentbeil. Es trat nock mehr dazu, mich zu reizen und zu erbittern. Wir Zurückgebliebenen standen naturlich mit den Regimentskameraden draußen im Feld in lebhaftem BriefWechsel, und da langte eines schonen ages. kurz nach der Schlacht von Koniggrätz ein Schreiben an mich an, in dem es also hieß: Nun muß ich Dir noch etwas erzählen, was Dich gewiß, wie uns alle. treuen wird. )cn:e ir. als Wir ZUM Sturm auf die Höhen von Llpa und Chium vorschütten und Mit den FeinI Sa. sX ..... ..! . i vtu uiuu iiuuuuemciu unuuiueu waren, sehen wir plötzlich dicht vor uns eine feindliche Fahne. Der Träger das ihm anvertraute Kleinod nur mit seinem Leben herzugeben, und er hatte bei der Vertheidigung seiner Fahne wackere Hilfe an einigen Kameraden. die lebendig mcht von seiner Seite wichen. So entspann sich hier auf kleinem Raum ein wüthender Kampf, und ich kann es Dir sagen: hier hab' ich unsere Feinde auf's Höchste achten'gelernt. Sie wankten und wichen Nicht. und wir hatten einen schweren Stand. Einer aber nach dem anderen sank von ihnen in den Sand, und zuletzt stand nur noch der rieiige srahnentraaer. den wir um seiner Tapferkeit willen gern geschont oder lebendig gefangen genommen hätten. Aber lein Gedanke daran! Als ihm der Säbel entfallen war, schlug er mit der Fahne auf uns ein. und wen von uns fern Hieb traf, den traf er gut und ließ ihm die Lust zum Kampfe veraehen. Das grausame Spiel schien kein Ende nehmen zu wollen. Da plötzlich sehe ich einen Kämeraden im Augenblick vermochte ick nicht zu erkennen, wer es war mit einem mächtigen Turnersprung vordringen. Was im nächsten Augenblick eigentlich geschah, und wie es geschah, kann ich nicht sagen; genug, der tapfere ernd linkt, schwer getrosten, nieder, un vor mir steht, die Fahne in der Hand. Kamerad von Wartberg. Der Sieger! Ein Hurrah umbrauste ihn. rz ! r js. i r v i vwi r wiii ncy ruyig oas 201m von der iau)zu guriie-cn, unv vann geht's weiter! Wahrhaftig, er ist ein Glückskind." Ja, er ist ein Glückskind!" murmelte ich bitter. Was der Eine nie r v . , . erregen kann, fallt dem Anderen mühelos zu! Kamerad von Wartberg. Du bist ein Auserwählter des Ge schicks!" Unb j0 und zehrte jenes dunkle Gefühl, dessen wahren Namen ich mir damals noch selbst nicht gestehen wollt;, weiter und weiter. Als der Tag kam. an dem die üeareicken Truvven beimkehrten und wir sie emvfingen. wandte ich mein Auge ab. da ich Wartberg, strahlend vor Jugendlust und mit einem böberen Orden dekorirt. an d Spitze seines Zuges einmarschiren sah. I cm'- .? ? jr. . 1 1 .". . '-uiiz cm Schauen vor meiner isonne schien mir der glückliche, junge Mann. und ich konnte ihm nicht vergeben, daß er erfolgreicher war als ich. un. Ernst," fragte er mich, als mirs,; irMc(m WnM 5m f,,;. fslmmfnfnti n imm?r Wr s Groll? Stehe ich Dir noch immer im WCQC I " or; tc c. ...... - 7?, &W l t? rST lLu$ fi, mbelnd in : z fieimag empMgen wird! Und:ch-ich bin nur em Zurückgebliebener! Er lachte. Willst Du mich etwa auch dafür verantwortlich machen?" fragte er. Ich wollte etwas entgegnen, aber der Regimentskommandeur brachte eben einen Toast aus, der mir das Wort abI ... , f . v f t schmtt Nachher aber war ich froh. aus oas unergmanaze yeina. oas va
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angeschlagen worden war, mch: zurucrkommen zu müssen. Im Stillen jedoch lebte der alte Groll weiter. Friede war geschlossen worden in den deutschen Landen, aber ich selbst hatte keine Neigung zu einem Friedensschluß. Oft, in ruhigen Stunden, schalt und wetterte ich wohl über mich selbst, nahm mir auch vor, andere Gefühle gegen Wartberg zu hegen, und führte diesen Entschluß auch durch, bis bei irgend einer Gelegenheit der Genannte auf's Neue sicb als das Glückskind erwies, das er immer und überall war, und ich mich, in Wahrheit oder blos vermeintlich, wieder irgendwo hintangesetzt sah. Dann flammten Bitterkeit und Ingrimm jedes Mal auf's Neue empor, und jedes Mal höher und mächtige? als je zuvor. Auch auf Wartberg Seite. der bis dahin mir stets freundschaftlich und offenherzig entgegengekommen war, trat allmälig eine merkbare Entfremdung gegen mich ein; wir gingen kühl aneinander vorüber und sprachen Zaum metV der Dienst und die Nothwendigkeit gelegentlich erforderten. So war es, glaube ich, für uns Beide schließlich eine Art von Erlösung, als wir gleichzeitig aus dem Regiment dersetzt wurden. Wartberg kam zu einem Gardcregiment nach Berlin, ich wurde
zur Kriegsakademie kommandirt. Aber das Gejchick wollte, dan unsere Wege sich auch fernerhin kreuzten. Auf der Kriegsakademie lernt? ich einen Leutnant von Neuenstem kennen, der. ein Vetter Wartbergs, mich in seine zu Berlin wohnende Familie einführte, in der Wartberg ebenfalls häufig und gern verkehrte. Bald aber merkte ich, daß nebst der Verwandtschaft noch andere Gründe vorlagen, die Wartberg so häufig und fo gern ,n das Neuenstein sche Haus führten. Und als ich das erkannt hatte, da sah ich fortan in dem Glückskind meinen Todfeind. Warum? Wenn zwei junge Maimer einander Todfeinde werden, da steckt allemal eine Frau dazwischen. Und so war es auch hier. Neuenstein hatte eine bildschöne Schwester, Maria, ein Mädchen. wie ich noch keins gesehen zu haben meinte. Em reizendes Geschöpf, aanz dazu gemacht, die Männer zu bezaubern und einen zu beglücken, besaß sie nebst, lbrer auffallenden Sckonbelt die trefflichsten Charaktereigenschaften: ein tiefe Gemüth, emen fern gebüdeten Geist und einen Adel der Gennnung. der seinesgleichen in ihrem Bekanntenkreise mcht fand. War es ein Wunder, wenn ihr mein bis dahin unberührtes Herz zuflog? Bald schon merkte ich es, daß ich mich mit unlöslichen Ketten zu Maria hingezogen fühlte. und daß es aus diesem Bann für mich kein Entrinnen mehr gab. Ihr Auge suchte ich zuerst unter allen in der aro Ken Gesellschaft, ihre melodische Stimme meinte ich im Murmeln der Quelle, im leisen Rauschen des Windes zu hören, ihre schlanke, prächtige Erscheinung stand vor meinem Blick, wo immer ich ging und schritt, und in meinen Ohren klang es wie leise, derheißungsvotte Lieder, die von Glück, von Liebe, von goldener Zukunft sprachen. und wieder und rmmer wieder mußte ich, ich mochte wollen oder Nicht, diesen Klangen lauschen. Wohin du auch in wilder Lust magst dringen, Tu filldeU lurgeuds Erreichrn wird dich das geheime Sittgen Ach, dieses Bannes zauberischen Ringen Entslieh'ii wir mmmcr, ich und du!" Ich und Du! Das war's! Ich und Du! Wie eine beseligende Gewißheit kam es über mich, daß Maria mich wieder liebte. Kein Wort zwar sagte es, kein Blick verrieth es mir, aber doch glaubte ich dessen sicher zu sein. Die Menschen sind sich übrigens über das Gefühl, das em Anderer gegen sie hegt, in der yfe gel längst klar, noch bevor dieser ein Wort darüber verloren hat, und ob der Liebende Gegenliebe findet, das weiß er meist früher, als er sich zu der entsSzerdenden Frage nistet. Ist doch diese gewohnlich nur ein hubscher Schlußesselt. eine Art von sreuudllchcr lavic con venue, an der namentlich das weibliche Geschlecht Mit großer vahlglklt festhält, und die in jedem richtigen Roman die ich muß nochmals ein Fremdwort brauchen piecc dc resistance bildet. Und ich glaubte damals dicht vor dem Augenblick zu stehen, in dem ich an ein geliebtes Wesen diese entschn dende Frage thun dürfe, als plötzlich zwischen das Ziel meiner Wünsche und mich Wartbera trat. Zu meinem na menlosen Schrecken bemerkte ich, daß Maria anfing, sich fcheu und schüchtern von mir zurückzuziehen, daß sie ängstlich jedes Alleinsein mit mir vermied. und daß eine tiefe Befangenheit sie überkam, wenn sie mit mir sprach. Es konnte kein Zweifel sein, sie mied mich absichtlich, mied mich um emes An deren willen. Und wieder war es, wie schon so of im Leben, Wartberg, der mühelos den Preis errang. Wie flog sie ihm entgegen, sobald ste seine Stimme horte wie hell und lustig klang ihr Lachen wenn sie an seiner Seite daherschritt und wie froh und unbefangen plauderte sie mit ihm! Und dann er! Wie stolz wie gehoben ging er neben ihr, wie leuchteten seine Augen, wenn er zart lich auf sie niedersah, wie aufmerksam wie galant war er ihr gegenüber, wie selbstbewußt waren seine Züge, als ob die Aufforderung dann läge: Beneide mich ringsum Ihr alle! Ich habe ja den schönsten Preis gewonnen ich, der Sieger! Es waren fürchterliche Stunden, die ick damals durchlebte. Kr und er und
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mir im Wege stand, dem alles zufiel. lvorum ich Tag und Nacht Mich abmühte. Ein Gefühl, das ich nicht besckrewen kann, das nicht Haß, nicht Zorn, nicht Feindschaft, nicht Ingrimm var. aber doch wiederum von alledem etwas enthielt, ergriff von mir Besitz und machte mir die Tage zu einer wahren Qual. Tausend Mal faßte ich den Entschluß, vor das geliebte Madchen hinzutreten und mein Herz auszuschütten. aber ebenso oft ließ ich diesen Entschluß wieder fallen. Sollte ich mv obendrein noch heillos blamiren. miä' lächerlich machen? Nein, die stumme Sprache zwischen den Beiden redete deutlich genug, um mich von einer solchen Albernheit abzuhalten, die zum Schaden nur noch den Spott gefügt haben würde. Merkwürdig aber war in dem Wirrsal meiner Stimmungen damals das eine, daß sich aller Ingrimm, den ich faszte, gegen Wartb:rg richtete, wayrend ganz im Gegensatz zu der Erfahrung, daß ein treuloses Mädchen von ihrem Liebhaber mit Zorn und Erbitterung überschüttet wird, Marias Bild sich mir in immer- idealerem Liane zeigte. Wie sehr ich sie geliebt hatte und noch liebte, wurde mir erst jetzt so recht klar, da mir ihr Besitz in uner reickbare ??erne rückte. (Schluß folgt.) Fie A.Nttcrseelo. Frau (zur Nachbarin): Daß aber Ihr Sohn bei seinem Einkommen für Sie gar nichts thut, wo Sie es doch brauchen!" N a ch b a r i n : Ach, der ist schon brav ... er hat mir erst gestern versprochen, mich zu unterstutzen, wenn er zum Militär kommen wird." Moderne Alchimisten. Tie Herstellung künstlicher Rubinen in Pari und ihre Verwendung. Schon lange und auf verschiedenen Wegen ist es Chemikern gelungen. Rubine künstlich zu erzeugen, aber diese Herstellungsarten waren zu praktischer Nutzbarmachung nicht geeignet. Tas folgende Verfahren dazegen, oas von unehrlichen französischen Juwelieren angewendet wird, ist verhattmMalg einfach und lohnend. Man nimmt eine Anzahl kleiner Nubine, von denen das Karat nicht mehr als etwa zehn Cents kostet, legt das größte Kristall als Kern auf eine Drehscheibe und erhitzt es im Knallgasgeblase auf eine Temperatur von 2300 Grad. Zu diesem Kern fügt man nach und nach die anderen Steine, die sich mit ihm verbinden, und erzielt so Korn für Korn einen großen Stein. Die Arbeit ist nicht schwierig, erfordert ater einige Uebung. Der Arbeiter darf den glühenden Punkt nicht aus dem Auge lassen, sondern muß den stundenlangen Prozeß hintereinander durchführen. Auch beim Abkühlen bedarf es große: Vorsicht, oft zerspringt der Stein, und man muß die mühevolle Arbeit von Neuem beginnen. Ein so zusammen geleisteter Rubin zeigt dieselbe schöne Taubenblut"-Farbe wie ein natürlicher Stein, nur der Kundige entdeckt mit einer scharfen Lupe bei dem künstlichen Erzeugniß winzige Luftbläschen. Zuerst kosteten solche Steine nicht unter 511 das Karat, aber seitdem die Fabrikation bekannter geworden ist, sind die Preise bis auf $3 und $4 gesunken. Die künstlichen Steine werden in Paris wenig gekauft, mehr gehen angeblich nach Amerika und Deutschland. Indien bezieht viele und gewissenlose Händler senden sie von dort, mit echten Steinen untermischt, als natürliche Rubine nach Europa zurück. Auf ähnliche Weise hat man Smaragde zu bilden versucht, doch verlor dieser Stein bei den hohen Hitzegraden seine Farbe. Man nimmt deshalb zwei größere Steine, verbindet sie an sorgfältig geschliffenen Flächen durch einen besondern Kitt und erhitzt sie. Namentlich wenn der Smaragd gefaßt ist, ist es für den Laien unmöglich, zu entdecken. daß er aus zwei Stücken zusammengeschweißt ist. Auch Türkise fertigt man kunstlich an, mdem man die Ab fälle echter Steine pulverisirt, den Staub mit einem Kitt anrührt und dann die Masse glüht. Besonders aus Oesterreich kamen künstliche Türkise von schönem Himmelblau, aber sie waren sehr zerbrechlich, und ein Stich mit dem Federmesser genügte, ihren Ur sprung zu enthüllen. Girr kleiner Irrthnnr. Bauer: Nun lauf' i' doch scho' a Viertelstund' hinter dem Madel her; neugierig bin i' nur, wenn d' Musik
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