Indiana Tribüne, Volume 28, Number 301, Indianapolis, Marion County, 11 August 1905 — Page 7
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Jndkana Tribüne, ll. August ls
Lcntbralldt
cr N 0 m st von Friedrich Jacob sen (Foitsetzung.) Um neun Uhr nach Pontetresa. Von da mit der Bahn bis Luino, und dann smd der Herr am Lago maggiore." In fünf Minuten war der Koffer gepackt, in zehn Minuten der Kaffee getrunken und die Rechnung beglichen. Egon langte gerade auf dem Schiff an. als das erste Signal ertönte. Er setzte sich unter das Sonnensegel und begann den kleinen Linne zu studiren. Die Blumenausstellung war ja jetzt in unmittelbarer Nähe. darüber kam er nachPontetrea uno befand scch nun wirklich auf dem Boden Italiens; die Zollwächter, welche das Schiff durchschnüffelten, legten dafür ein unanfechtbares Zeugniß ab. Wie es wohl Margot dabei ergangen sein mochte? Damen werden doch immer besonders gründlich vorgenommen, und der Baron hatte sicherlich dabeigestanden, wie das Köfferchcn geöffnet wurde. Es gehörte eben die Keckheit und das Geschick eine? Hochstaplerin dazu, um diese gefährliche Klippe glücklich zu umschiffen. Auf der Bahnstrecke zwischen Pontetresa und Luino war es schon so heiß, daß Egon anfing, sich in Gedanken mit Margots Toilette zu beschäftigen. All die reizenden Spitzen und Bolants, welche er gestern Abend im Mondlicht gesehen hatte, spielten heute sicherlich eine bedeutende Rolle; Margot mußte weiß wie die Unschuld gekleidet sein, und der Baron war ein Stockfisch erster Klasse, wenn er dabei nicht den Rest seines Junggesellenthums einbüßte. Egon seufzte sehr ergiebig. und eine dürre Engländerin, die gegenübersaß, bot ibm ihre umfangreiche Reiseflasche mit Kölnischem Wasser an. So kamen sie an den Lago maggwre und bestiegen das Schiff, welches die Rundfahrt um den See machte und bei der Jsola Bella anlegen sollte. - Es lag ein flimmernder Dunst über dem Wasser, und die weisen Landhäuser von aveno, znna uno 'alanza schimmerten verschwommen und geheimnißvoll aus dem grünen Ufergelande herüber. Die Schiffer sagten, daß die Fülle des Lichtes der Aussicht ungünstig sei, aber sie vertrösteten zugleich auf den Abend und versprachen für denselben eine desto schönere Beleuchtung. Egon hatte sich an den Bug des Schiffes begeben und betrachtete von dort aus die blaue Tiefe, welche sich unter dem schneidenden Kiel aufspaltete. Es ging vorwärts und über die Höhe des Mittags hinaus. Er dachte daran, daß auf des Le bens Mitte die Fähigkeit zum Genießen tm Zemth steht, aber wenn e wirklich wahr ist, daß die Fülle des Lichtes das Auge blendet und die Schönheit des Daseins verschleiert, dann bleibt es trübseliger Trost, auf die kurze Stunde vor Snnenunter aana zu hoffen. Denn sie wird einsam sein, und sie birgt schon die Schatten der Nacht in ihrem Schootze. .Jsola Bella," rief ein Schiffer, der an Egon vorüberschritt und das Ankertau aufrollte. Da lag sie wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Man sah über den Seespiegel das Urgestein, dessen Rifte vor Jahrhun derten nackt aus der Tiefe emporklafften; emsige Hände hatten sie mit fruchtbarem Lande bedeckt, kunstreiche Hände hatten auf ihrem Scheitel einen Garten des Paradieses hervorgezaubert, lässige Hände hatten das Schloß zerfallen lassen, welches den Gipfel krönte und an die Säulengänge der Alhambra erinnerte. Wenige hundert Meter von dem Felsen entfernt lag ein zweites flaches Eiland. Es war im Gegensatz zu der Jsola Bella fast kahl und in seiner ganzen Ausdehnung mit einem Fischerdorf bebaut, dessen armselige Hütten sich bis dicht an das Ufer heranschoben. Auf den bunten Kieseln des letzteren lag eine Reihe von Nachen. .Und das da?" fragte Egon. Die Fischerinsel." entgegnete der Mann. Legen wir dort auch an?" .Nein, Herr, aber Sie können hin überfahren; dort kommt eine Barke." Egon nahm seinen Handkoffer und stieg in das schwankende Fahrzeug hinunter. Die Insel der Todten - denn die Jsola Bella hat wirklich einige Ähnlichkeit mit dem berühmten Böcklin'schen Gemälde kam noch immer früh genug an die Reihe; er wollte sie zuerst mit Muse von dem Fischerdorf aus betrachtn. Und er fragte mit seinen paar Brocken Italienisch seinen Barkenführer, ob es da drüben rnno negro gäbe. Sr Signore," entgegnete der Mann lebhaft .Trattoria del Verbano. Dort, unter einer von Rauch geschwärzten Thorwölbung, nahm Egon Platz. Die Sonne war allmälig nach den Bergen hinabgestiegen, die todte
Stunde, wo alles ruht, wurde von einer frischen Seebrise hinweggeweht.
und an dem Ufer der Fischerinsel ent wickelte sich das bunte Leben der Kmder des Südens. Braungebrannte Männer in blauen Flanellhemden zimmerten an einem chmalen, dünnwandigen Nachen, chwarzäugige Weiber mit rothen Kopfüchern wuschen ihre Lumpen am Gestade, barfüßige Kinder, denen nur ein Hemd um die runden Glieder flatterte, plätscherten im lauen Wasser und spielen mit Muscheln und Kieselsteinen. Und drüben, so nahe der Fülle des Lebens, lag die Insel der Todten! Als Egon mit durstigen Zügen einiae (Lia er von oem yeroen ounieirothen Landwein aenossen hatte, stand er auf und schlenderte durch das Dorf. Er sah hinter den offenen Thuren rauchendes Herdfeuer, über dessen rothglühender Flamme das Abendbrot bereitet wurde, und er hörte das Wiegenlied der Mütter, wie es schon zur Zeit römischer Weltherrschaft gesungen wurde; dann kam er an eine kleine Kapelle, von der aus man die Insel überblicken konnte. Dort saß Margot am Stamm emes Oleanders. Sie trug ein weißes Gewand, welches die schlanken Glieder leicht und duftig umfloß; den schweren Haarknoten hatte sie wegen der Hitze aufgelöst, und die reiche schwarze Masse floß wie ein Mantel vom Nacken bis an die Hüften hinunter. Bor ihr stand eme kleine Stasselei und neben ihr der flache Koffer. Sie malte und blickte kaum auf. Egon wußte ja, daß er drüben auf der Jsola Bella sicher mit ihr zusammentreffen würde, aber als er ihr nun plötzlich an dieser einsamen Stelle Auge in Auae qegenuberstand. da ging ein tiefes Erschrecken durch seine Seele. Auch Margot zuckte zusammen. Ihre erste Bewegung galt den aufgelösten Haaren, dann aber schüttelte sie lächelnd den Kopf, reichte, ohne aufzustehen, Egon die feme Hand u:j sagte: Also wirklich. Herr Doktor! Daß Sie hierher kommen wurden, ahnte ich schon aus gelegentlichen Aeußerungen, aber an ein so baldiges Wiedersehen hatte ich Nicht gedacht. Willkommen!" Er streifte ihre Finger und ließ seine Rechte schlaff sinken. Was machsn Sie hier?" fragte er fast rauh. Der Ton seiner Stimme war so auf fällig, daß Margot erstaunt aussah. Was ich hier mache? Sie sehen es doch ich male." .Sie malen?" .Warum soll ich das nicht thun? fragte Marqot spöttisch. Wir sind doch wirklich oft genug beisammen ge Wesen. Haben Sie meinen Beruf denn immer noch n:a)t herausbekommen? Nein!" stieß Egon hervor. Ich glaubte " Nun, Herr Doktor ?" Ich glaubte, daß Sie nur Interesse an fremden Gemälden hätten," sagte Egon bitter. Das eine hängt wohl mit dem an deren zusammen," entgegnete Margot gelassen. Und dann rückte sie ein wenig beiseite. Bitte, es ist kein Geheimniß." Egon hatte sich halb über das Mädchen gebeugt, um das angefangene Gemälde zu betrachten, und nun sah er die geschickt entworfenen Umrie des Strandbildes, welches sich kurz zuvor seinem Auge geboten hatte. Da waren die Ziminerleute und die Weiber und Kmder. Bei den letzteren halte Margot bereits mit der Untermalung begonnen. und sie sagte in leichter Verwirrung: Man ist hier der Natur sehr nahe, Herr Doktor, aber es rnö ja Kinder, und d:sk,alb wird Niemand daran Aergerniß nehmen. Ein bischen mehr konnten sie freilich anhaben." Tann schien ihr die eigene Berfassung auf die Seele zu fallen und sie erhob sich. Daß Sie nnch so hier überfallen haben, ist Cicl schlimmer. Bitte sehen Sie das Bild noch eine Weile an, ich werde schon ohne Kammerungfer sertig." Als er sich dann nach einer Pause umdrehte, hatte sie das Haar wie gewohnlich geschürzt und nahm nun die Leinwand von der Staffelei. Sie sind Genremalerin?" fragte Egon vollkommen fassungslos. Ein bischen von allem. Aber das Genre ist meine besondere Liebhaberei Gelegentlich befasse ich Mich auch mi Charakterköpfen den da zum Beispiel habe ich ganz zufällig in Berlin aufgegabelt, oder eigentlich in der Nähe von Berlin." Sie öffnete das Köfferchen und nahm eine Rolle heraus. Egon gris sich an die Stirn. Das war der Kop eines Mannes, den er schon irgendwo gesehen hatte, ein wildes bartiges Ge sicht, dessen obere Hälfte etwas ge schwärzt erschien. Margot lachte hell auf über das Er staunen ihres Reisegefährten. Nich wahr, das ist beinahe zum Fürchten? Es war mir auch Mitunter etwas unheimlich, wenn er zum Modellstehen in mein Atelier kam; aber, Du liebe? Gott, so 'n Gesicht findet man so bald nicht wieder. Was haben Sie denn nur? Warum sehen Sie so erschrocken aus?" Da drüben lag die Jsola Bella, und hier befanden sie sich aus der Fischer insel. Das waren zwei feststehende Thatsachen, im Uebrigen aber drehte sichLochas Weltall vor Egons Ausen
Ist Ihnen der Name'öes' Mööllls
bekannt?" fragte er endlich, als die Eedankenfluth sich zu klären begann. Marqot schüttelte leicht den Kops. .Ich hatte den Menschen ja sozusagen von der Landstraße aufgesammelt, wie das bei Künstlern häu ia der Fall ist. Er nannte sich selbst .Pulverkopf.' aber das war selbstverständlich nur eine Verspottung seiner eigenen Physiognomie." Sie rollte das Bild wieder zusamnen und legte es in den Koffer zurück. Eaon sah wohl, daß der letztere nock meyr oarg, und er wutzte auch, was es war. Da überkam ihn abermals das Mißtrauen und die Ueberzeugung, daß hier ein seltsames Spiel mit der Wahryeit getrieben werde. Wo ist der-Baron?" fragte er nach einer kurzen Pause, während welcher Margot die zierliche Staffelei zusammenlegte und ihn dabei heimlich von der Seite-betrachtete. O. der ist drüben im Schlosse des Grafen Borromeo. Sie kennen ja seine Leidenschaft für Eselshaut, er wäre im (SZlnnh nci WrtrnN? Nnritfr alt ftPr 4 14 l VUV V VUVkVV V V 0 gessen. Es ist hier wirklich ein Paradies. Herr Doktor wollen Sie mich hinüberbegleiten?" Sie legte ihm wie selbstverständlich das Malgerüst in die Arme, nahm ihr Köfferchen und ging zum Strande hinunter. Egon folgte ihr und hatte ein ganz bestimmtes Gefühl, daß einer von ihnen sich in der nächsten Stunde fürchterlich blamiren werde. Er wußte nur nicht genau, welcher von beiden. Ein bildhübscher Fischer fuhr sie nach der Jsola Bella, und Margot schwatzte unterwegs mit dem jugendlichen Fährmann auf Jtalienisch. Egon verstand so viel, daß sie den schwarzgelockten Burschen malen wollte, weil er so wunderschöne Augen hätte, und es regte sich in ihm de: blasse Neid. Sie verdrehen ihm den Kopf' sagte er strafend. Wie kommen Sie überHaupt zu der Landessprache?' Zwischen Leipzig und Berlin habe ich das freilich nicht gelernt," neckte Margot. Ich bin eben ein Bagabund, Sie gelehrter Herr." Dann tauchte sie ihre Sand in das Wasser und scklenkerte mit den Fingern, so daß die Tropfen ihm in's Gesscht svrübten. .Zur Abkühlung!" sagte sie oaver. Unter der Veranda des .Delphins" saß Baron v. Geldern. Während Egon die Stufen hinaufschriit, blieb Margot bei einer Händlerin stehen, die bunt bemalte Palmsacher und Filigranarbeiten zum Verkauf ausbot. Tann war sie plötzlich verschwunden, und Egon stand dem Baron allein gegenllber. Dieser nahm die geliebte Pfeife aus dem Mund und betrachtete seinen Reisegefährten von oben bis unten. Baron Geldern sagte dann freundlich: Ich glaube, die Welt ist zu klein geworden. Man trifft sich schließlich überall. Sind Sie auch unter das Malvolk gegangen?" Egon stützte sich auf die Stasselei, die er noch immer in den Händen trug, und blickte dem Baron in das grinsende Gesicht. Ich mache es wie Sie." entgegnete er langsam, ich stehe im Dienste der Schönheit. Dieses zierliche Geräth gehört Fräulein Margot Durand." Margot Durand?" wiederholte Geldern nachdenklich. Ach so, ich derstehe Sie kennen die junge Dame nicht." Vielleicht besser als Sie, Herr Baron!" Hm, wirklich? Na, meinetwegen. Wollen Sie nicht Platz nehmen?" ' Aber mich kennen Sie nicht." fuhr Egon fort, ohne die freundliche Einladung zu beachten. Entsinnen Sie sich, Herr Baron, meines allerdings anonymen Briefes, den Sie vor einigen Wochen erhielten? Sie wurden in demselben darauf hingewiesen, daß man Ihrem berühmten Rembrandt nachstelle." Geldern nahm ein Streichholz vom Tisch und zündete seine erloschene Pfeife wieder an. Scheußlich, dieses italienische Feuerzeug! Also jener Anonymus waren Sie?" .Allerdings, Herr Baron. Und Sie haben die Warnung unbeachtet gelaslen." rv Geldern rergruv veioe Hände in me Taschen und schlug ein Bein über das andere. Woher wissen Sie das, Herr Doktor?" Aus dem Munde Ihres eigenen Dieners." Niels Lund ist ein Esel," sagte der Baron gelassen. .Er hat offenbar geschwatzt. Also was wissen Sie, Herr Doktor? Aber, bitte, setzen Sie sich, man wird ja ganz nervös dabei." Egon blieb stehen und eraminirte weiter. Der Rembrandt hing in Ihrem Schlafzimmer über dem Bett, nicht wahr?" Ganz recht, da hat er gehangen. Der Esel, von dem ich sprach, sollte das Bild meinem Bankier übergeben, aber er hat es nicht gethan." Und nun hängt das Gemälde nicht mehr an seinem Platz. - .Das stimmt ebenfalls. Ich begreife allerdings nicht Ihr Interesse an dieser Sache, aber weil wir einmal davon reden, so will ich Ihnen die Aufklarung geben. Ich fuhr also nach Paris " .Weiß ich direkt mit dem Kölner Zu.ge."
"Nein. Herr Doktor, nicht direkt. Während der ersten Stationen hinter Berlin ging mir die Geschichte mit dem Bilde durch den Kopf. Ich stieg daher an der ersten Haltestelle aus und kehrte nach Wannsee zurück." Egon setzte sich plötzlich, denn er wußte jetzt schon, wer sich blamiren würde. Gesehen hat mich wohl Niemand," fuhr Geldern gemüthlich fort, denn es war inzwischen Nacht geworden. Mein Esel hatte den Schlüssel zur Gartenpforte mitgenommen, ich war also gezwungen, in mein eigenes Besitzthum einzusteigen. Dann öffnete ich das Haus, begab mich in mein Schlafzimmer, nahm das Bild von der Wand und verschloß es in meinem Tresor. Es ist also ziemlich natürlich, daß Niels Lund die Stelle leer gefunden bat." Und Sie schlössen die Hausthür auch wieder ab?" fragte Egon athemlos. .Umgedreht hab' ich, so viel ich mich erinnere." brummte Geldern. War die Thür vielleicht später offen?" Allerdings!" .Das ist möglich. Ich hatte mir die Hand an der Gartenpforte blutig geritzt, und da werde ich das Abschließen wohl etwas ungeschickt gemacht haben." .Und die Rose die Haarnadel ?" stöhnte Egon. Geldern stutzte. Das sieht ja fast aus, wie eine polizeiliche Untersuchung meiner Wohnung! Uebrigens jetzt entsinne ich mich ich hatte von einem Blumenmädchen eine Marschall Nie! gekauft, und die Kleine befestigte mir das Ding mit einer Haarnadel im Knopfloch. Später vermißte ich die Blume ich muß sie irgendwo verloren haben." In Ihrem Schlafzimmer haben Sie sie verloren," sagte Egon dumpf. Der Baron lachte laut auf. Die Frage wegen der Blamage schien jetzt entschieden, aber plötzlich raffte Egon sich wieder auf. Er fühlte, daß ihm irgend etwas die Kehle zuschnürte, allein er sagte dennoch mit fester
Stimme: ..Sie glauben also annehmen zu müssen, Herr Baron, daß der Rembrandt sicher und wohlbehütet in Ihrem Tresor geborgen liegt?" Wo denn sonst. Herr Doktor? Auö bem diebe-sfesten Geldschrank wird man ihn schwerlich, herausholen. Egon erhob sich und nahm eine feie,rliche Haltung cn. Vielleicht dennoch, Herr Baron. Gott ist mein Zeuge, das Herz sträubt stch dagegen, aber meine Augen halkn es gesehen: der Rembrandt liegt, aus seinem Rahmen losgelöst, in dem Koffer von Fräulein Durand." (Schluß folgt.) Gin: dkulscki'ipattisllie Verbrüderung. Ein sebr schönes und gelungenes Fest, das von neuem das gute und herzrr . 1 7 C . iicye lnverueymen graijacu cfu.uuu und Deutschn beweist, wurde, wie der Correo meldet, dieser Tage in der Motana-Kaserne in Madrid gefeiert. Der Verein Germania hatte vor kurzem das Offizierskorps des ruhmvol len Königs-Jnfanterie-Regiments In. Memorial Nr. 1 als Gast bei sich ge-. sehen, und jenes hatte nun seinerseits die deutsche Kolonie zu einem Konzert einaeladen. das die Reaimentsmusi! in hervorragender Weise ausführte: Die Kaserne war mit Fahnen in den deutschen und spanischen Farben au-ge-schmückt und namentlich der große Speisesaal mit Wappen und Gewinden in einen Festraum verwandelt, der auf der einen Seite das von militärischen Trophäen und von der aus Bajonetten sebr kunstvoll zusammengesetzten Inschritt Viva el Kaiser!!" umgebene Bild des Kaisers, , auf der andern das Alfons' XIII. zeigte. Außerdem sah man verschiedene Kriegsbilder; fi? einen prächtigenKupferstich derSchlacht von Rocroy und eine Radirung der Schlacht von St. Privat, die dem Regiment von den Garde-Füsiliren, bci denen kr ehemalige Oberst des Regiments, Marques de Mendigarria, diente, vererhrt worden ist. Der Oberst begrüßte die Vertreter des rnhmuU chen, ehren- und wehrhaften deutschen Volkes" mit herzlichen Worten, die stürmischen Befall entfesselten. Ferner sprachen noch die Präsidenten der deutschen Vereine sowie Major Jbanez Marin vom Kricgsministerium. der zwischen Spanien und Teutschland einen Vergleich zog und letzteres als Vorbild hinstellte, dem das neue Geschlecht nacheifern müsse. Das prächtigc Fest endete unter begeisterten Hochrufen auf Kaiser Wilhelm und König Alfons. GcNIlnrcichelt. Warum ist denn der Huber Toni so stolz 'worden, seit er in der Stadt war?" Weil in der SchwurgerichtsVerhandlung der Staatsanwalt .Herr Angeklagter' zu ihm g'sagt hat!" Intiner der nlto. So. . Sie haben geheirathet? Bierhuber: Ja. ich habe jetzt außer der Kneipe noch ein zweites Heim." Misz verstanden. Feldwebel: Schulze, wie ist es mit Ihrem Civilverhältniß?" Hab' ick loofen lassen, Herr Feld-
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!"!"!' 1' I 'I i"H"H"H"I I I I I I I I !-!"! 4. Haus, Hof und Zand? l...V,.MtM-t t..t . t , , , , , k """""""" """"" ""."." Heiserkeit nach vielem S P r e 6) e n. Arnikatinktur, täglich zweimal zwei bis drei Tropfen genommen, hilft bei wiederholtem Gebrauch gegen dieses Uebel. Brotsuppe. Man kocht eine Weile in Scheiben geschnittenes Wurzelwerk m Wasser, thut dann einen Teller voll geriebenes oder in Stücke geschnittenes altbackenes Brot, etwas Salz und ein Stückchen Butter hinzu, verkocht es zu einer sämigen Suppe, die man zuletzt durchseiht und mit zwei in Milch oder Weißwein gequirlten Eidotlern legirt. Spielkarten lassen sich folgendermaßen -reinigen: Ein leinenes Tuch befeuchtet man mit einigen Tropfen Eau de Cologne und reibt damit die Spielkarten leicht ab. Nun läßt man die Karten etwas trocknen und reibt dann mit einem anderen Tuch: nach. Durch das Nachreiben erhalten die Karten ihren ursprünglichen Glanz und haben dann nahezu das Aussehen neuer Karten. Melonen einzumachen. Die Melonen werden abgeschält, ausgekernt, in Stücke geschnitten und 2 bis 3 Tage in Essig gelegt; dann wird Pfund Zucker auf 1 Pfund Melone genommen. Der Zucker wird aufgesetzt und ausgeschäumt; Zimmt und Nelken müssen mitkochen; die Melone wird hineingethan und nur aufgekocht, dann mit dem Schaumlöffel herausgenommen und in die Gläser gefüllt; der Saft muß ein wenig noch einkochen und wird kalt über die Melone geschüttet. Gurkenschalen als Mittel gegen Schwaben. Abends bestreue man die Stellen und den Fußboden, wo die Käfer sich aufhalten, ziemlich d,ick mit frischen Gurkenschalen. Sieht man nach einer halben Stunde nach, so wird man den Boden und die Stellen um die Schalen von Thieren bedeckt finden, um den Sast der Schalen auszusaugen. Die Käfer lassen sich nun leicht tödten. Nimmt man diese Prozedur mehrere Abend: hintereinander vor, wird man bald von den häßlichen Käfern befreit sein. Mittel gegen Zahnschmerz. Auch der stärkste Zahnschmerz soll bei Anwendung folgenden Mittels augenblicklich verschwinden: Man gieße sich etwas Rum in die flache Hand, nachdem man zuvor ein wenig aeschabte Kreide hineingethan. Von dieser Lösung ziehe man noch ehe zu viel Koblensäure aus der geschabten Kreide entweichen kann möglichst viel in die Nase. Ist letztere gefüllt, so halte man die Nase eine viertel oder eine- halbe Minute lang zu, damit das Eingesogene nicht sofort wieder herauslaufen kann. Fast in demselben Augenblicke, in dem man die Flüssigkeit elnsaugt, verschwinden Ne Zahnschmer zen. gleichniel welcher Art dieselben sind. Es ist dies zwar kein Mittel, das den Zahnschmerz auf die Dauer besel tigt, es hat aber vor allen anderen den Vorzug, daß es sehr billig ist und dabei ganz sicher wirkt. Zahngeschwüre kennzeichnen sich durch hiße, schmerzvolle Anschwellung des Zahnfleisches, wobei gleichzei tig nicht selten die Wange in Mitleidenschast gezogen wird. Ursachen sind au ßere Verletzungen, Erkältung oder ein schadhafter Zahn, welcher letztere am besten ausgezogen wird, noch ehe die Geschwulst' zu sehr überHand nimmt. Rührt die Zahngeschwulst von Erkältung her, so legt man gewärmte Kräuterkißchen auf und spült den Mund öfter mit einer Mischung von Wasser, Weinessig und Rosenhonig aus. Wird der Schmerz heftig und klopsend. so geht die Geschwulst in Eiterung über. Um diese i befördern, muß man oft warme Milch in den Mund nehmen und in M'Ich geweichte Feigen auf di Geschwulst legen. Ist das Geschwür aufgegangen, so ist der Eiter täglich mehreremal auszudrücken und der Mund mit Wasser auszuspülen. Als Zusatz zum Trink w a s s e - wird auf dem Lande oft Essig verwelket, um den Durst zu siillen. In 'leinen Mengen, und vorausgesetzt, daß man guten Obst- oder Wein-Essig besitzt, schadet der Essig nicht. Er unterstützt die Verdauung der eiweißhaltigen Nährstoffe. In größeren Mengen, mit oder ohne Was ser genossen, stört er nicht allein den Verdauungsprozeß, sondern zerstört auch die rothen Blutkörperchen, erzeugt Vlutarmut. Bleichsucht. Hautausschlüge und dergleichen. An dieser Krankheiten leidenden Personen, bt sonders'Frauen und Mädchen, muß er entzogen werden. Ebenso ist der Ge nuß stark mit Essiq gesäuerter Spei sen, Salate, Ragouts u. s. w.. magenleidenden Personen strengstens verboten. Grasflecke zu ent fernen. Sehr leicht verschwinden 'Grasflecke auö Stoffen durch kochendes Wasser. Man kann sie auch gelinde schwefeln und dann waschen. Wäscht man sie mrt Seife, so bleibt, besonders bet Weiß zeug, ein schmutzig aussehender Fleck zurück. Ebenso kann man Grasflecke auch durch Ausreiben mit Spiritus öefettigen; der Fleck darf aber vorder noch nicht mit Wasser in Berührung gekommen sein. Bleibt bei Weißzeug
ein grauer-Schatten, so vergeht der selbe in der Wäsche, r '
Vertilgung der Regen-
m u r m e r. Die Regenwurmer sind, weil sie den Erdboden aufschließen, der Landwirthschaft äußerst nützlich. Treten dieselben zedoch zu häufig aus, so werden sie den jungen Pflänzchen verhängnißvoll. Es gibt jedoch ein leichtes Mittel, eine große Anzahl unschädlich zu machen. Nach eingetretener Dunkelheit kommen die Würmer zur besseren Jahreszeit aus der Erde heraus. Schleicht man nun leichten Schrittes mit einer Laterne herbei, so überrascht man ihrer eine große Anzahl, die man rasch auflesen und bis zum corgen in einem geschlossenen Gefäße aufbewahren kann, um sie alsdann den Hühnern zum Frühstück anzubieten. Die Grundbedingungen für eine loh n ende Zieg e n z u ch t sind: Genügendes und gutes Futter, ein geräumiger, trockener. luftiger und heller Stall, ausreichendes Streumaterial und größte Reinlichkeit, sowohl im Stall als bei den Thieren selber. Die guten Eigenschaften einer jeden Rasse kommen bei richtiger Haltung und Pflege auf den höchsten Standpunkt der Entwicklung, gerade so, wie bei mangelhafter Pflege und Haltung alle Vorzüge einer Rasse zurückgehen und ganz verschwinden können. Schafzecken können nicht ohne Weiteres losgelöst werden, weil dann eine eiternde Wundsielle auf der betreffenden Hautstelle des Schafes entsteht. Man träufelt deshalb Mohn-, Sesam- oder Rüböl auf, worauf das Abnehmen gelingt. Am besten ist es. daö Oel in ein Schmierkannchen zu füllen, wie man sie bei Nähmaschine und Fahrrädern anwendet; das Oel laßt sich alsdann leicht aufträufeln. Zur Färbung von Hörtensienblumen wendet man viel und mit Erfolg ein Vegießen mit Alaunwasser an. Dieses hat zu beginnen, sowie man bemerkt, daß die Pflanzen anfangen, die Blüthendolden hervorzubringen. Auch mischt man oft beim Verpflanzen eine gewisse Menae Alaun unter die Erde. Schnitt der Johannisbeere. Mehr noch als der Stachelbeerstrauch bedarf die Johannisbeere des Schnittes, um möglichst gronen Gewinn aus derselben zu ziehen. Auch hier schneidet man im Sommer uno im Winter. Ende Mai und Juni schneidet man die Sommerreiser zurück, was einmal die Einwirkung der Sonne und Luft auf die jungen Früchte fördert und dann eine erhöhte Sastezusuhr denselben sichert. Zesonders entferne man auch um diese Zeit. wenn das nicht schon frühe? geschad, die bei dem Johannisbeerstrauch so häufigen Wurzelsaugreiser. Vom Spätherbst bis zum März muß man bei seinen Johannisbeersträuchern darauf hinarbeiten, daß die Kronen nicht zu buschig werden, es müssen deshalb nicht nur die abgestorbenen und mehr oder weniger schon saftigen Aeste hinweggenommen werden, sondern auch die zu dicht stehenden Tragreiser. Die Reiser des vorigen Sommers werden auf zwei bis drei Augen eingekürzt, damit sich Tragholz daraus bildet. Die langen, die Kronen entstellenden Reiser, werden entfernt. Die natürlichen kleinen Tragzweige an den Johannisbcersträuchcrn sind auf's Fleißigsie zu schonen. Einwirkung des Düng e r s auf die Güte der Feldfrüchte. Es ist eine bekannte Thatsache, daß man durch eine Düngung mit Chilisalpeter und SuperPhosphat oder Thomasschlacke große Massen an Pflanzensubstanz erzeugen kann, häufig jedoch auf Kosten der Güte der Erntefrucht. Dagegen will man beobachtet haben, daß eine gleichzeitige Steigerung der Menge und der Güte der Feldfrüchte auf die Anwendung organischer Dünge? erzielt wird, also durch guten Stalldünger, durch Jauche und durch Peruguano, und wird daher cmpfohlen, in den Fällen, wo es wesentlich auf die Güte der Erntefrüchte an.' kommt, wenn der selbsterzeugte Dünger nicht ausreicht, zum Peruguano zu greifen. Beispielsweise bewährt sich der Peruguano bei der Düngung der Weinreben, der Braugerste, der Gemüse. Die Ursache dieser Wirkung wird darin gesucht, daß der organische Stickstoff des Peruguano allmälig zur Wirkung kommt, während man durch leicht lösliche Stickstoffsalze den Pslanzen mehr Stickstoffnahrung auf cinmal darbietet, als sie nutzbringend rerwerthen können. Einfassung der Gart e n w e g e. Eine recht niedliche und dazu nutzbringende Pflanze zum Einfassen der Gartenwege ist der Schnittlauch. Fortwährend können die frischen Spitzen desselben als Küchenkräuter verwendet werden. Auch nehmen die Blüthen sich gar nicht übel aus. Die passende Zeit zum Verpflanzen desselben ist der Monat Juli. Das Wachsthum stockt alsdann etwas, und die breiten Sträucher können zertheilt und als schmale Abgrenzung der Wege entlang wieder gesetzt werden. Wuchert das Laub etwas siark, so kann man durch Stutzen desselben der Wegeeinfassung immer ein gutes Aussehen be'wahren. In kleine Stückchen gehackt werden diese Spitzen von allem Junggeflügel. als Kücken, Enten, Gänse, besonders aber von Puten gern genommen. Besonders beliebt sind W. zarten Nöhrchen als Beigabe zu Rührei, weißem Kase und zum Butterbrot.
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