Indiana Tribüne, Volume 28, Number 301, Indianapolis, Marion County, 11 August 1905 — Page 6

Jndiana Tribültk, 11 August 1905.

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xuxocrMilttnrrigg.z is K X V V V L .R Humoreske von A. Thkincrt. ff z 4ÄZg (Schluß.) Ich weiß nicht, was für Gedanken der Stier über diese ergreifende Szene sich gemacht haben mag, nach meinem Gc schmack war sie nicht; aber ich mußte den Gefühlsorkan austoben lassen und durfte eigentlich noch froh sein, daß Fräulein Liebgern es nicht zur örhö hung des Reizes der Situation für nothwendig erachtete, in Ohnmacht zu fallen. Als ich nach eingetretener Stille die unterbrochene Tour wieder aufnehmen wollte, ergab sich eine neue Schwierigkeit: die Dame erklärte, viel zu nervös zu sein, um die schmale Planke zu detreten. Daß dieses Surrogat einer Brücke vertrauenerweckend ausgesehen hätte, kann ich allerdings nicht behaupten, das Ufer, auf dem wir standen, war gut einen halben Meter höher als das gegenüberliegende, die Lage der Planke also eine bedenklich schräge; feucht und schlüpfrig war sie auch, ein Geländer nicht vorhanden, und bei einer Länge von sieben oder acht Meter hatte das Brett eine starke Neigung, in's Schwanken zu aeratben. Es bllev uns aber keine andere Wayl, und um meiner Begleiterin die Gefahrlosigkeit des Ueberganges zu demonstriren, machte ich ein paar Schritte dem anderen Ufer zu. Mein lieber, lieber Herr, bitte, bitte, vertrauen Sie Ihr kostbares Leben nicht diefem Brette an. Sie werden in den Fluß fallen und ertrinken, und was soll dann aus mir werden?" rief sie mir nach. Ach was! Die Planke ist sicher genug. Sie müen nur langsam und gleichmäßig schreiten. Kommen Sie, lassen Sie mich Ihnen helfen. Hier, nehmen Sie meine Hand." Sie machte zaghaft ein paarSchritte. Die Planke bog sich unter unserem vereinten Gewicht, und sie kehrte, ihren Halt wieder fahren lassend, an's Ufer zurück. So ist's unmöglich. Ich muß seitwarts schreiten." Wie Sie wollen," siimmte ich bei, und Hand in Hand fingen wir wieder an, uns in nicht sehr graziöser Haltung über das Brett zu schieben. Die Hälfte des kritischen Weges war zurückgelegt, und ich wollte mir schon zu der glücklichen Ueberwindung der, wie ich zuversichtlich hoffte, letzten Schwierigkeit auf dieser unseligen Irrfahrt gratuliren, als der verwünschte Stier uns ein weithinschallendes Abschiedsgebrüll nachsandte. Fräulein Liebgern stieß einen Schrei aus und schrak heftig zusammen. Die Erschütterung übertrug sich auf mich. Unsere Hände trennten sich. Ich fing an zu schwanken rutschte schwankte nach vorne versuchte krampfhaft wieder in's Gleichgewicht zu kommen that zu viel des Guten irnb fiel rückwärts kopfüber von der Planke hinab. Halb geblendet und erstickt durch das plötzlicheUntertauchen, kam ich prustend und sprudelnd wieder an die Oberfläche, fühlte Boden unter den Füken und bemühte mich, aufrecht zu ste hen. Da! Eine Vision durcheinander wirbelnder Gliedmaßen, der Flug eines schweren Körpers durch die Luft und ein Zusammenstoß, der mir die Erscheinung zahlloser Sternbilder vor die Augen zauberte. Die Falten verschiedener Gewänder hüllten mich ein, zwei Hände wühlten sich unsanft in meinen Haarschöpf, ich wurde gewaltsam nochmals untergetaucht, und Fräulein Liebgern und ich lagen eng umschlungen auf dem Grund des Flusses. Die Tiefe war glücklicherweise keine große, und ich in wenigen Sekunden wieder auf den Bei- ' nen. Fräulein Liebgern hatte nicht losgelassen, und ich brachte sie rasch an dat ersehnte, so schwer erkämpfte Ufer. Auf fester Erde angelangt,gab sie mich endlich frei, und mit einem verklärten Lächeln in's Gras sinkend, murmelte sie: Dem Himmel sei Dank, ich habe Sie errettet!" Was haben Sie?" schrie ich ganz rabiat durch den Schmerz in meiner - Kopfhaut. Ihr Leben gerettet," wiederholte sie pathetisch. Ich sah Sie dem Ertrinken nahe und stürzte mich Ihnen nach. Hätte ich Sie nicht bei den Haaren erfaßt, dann wären Sie gesunken, und ohh!" Sprachlos starrte ich die triefende Najade an und legte mir im Stillen die Frage vor, wer von uns Beiden eigentlich verrückt sei; sie oder ich. Mit halbgeschlossenen Augen, immer noch selig bor sich hinlächelnd, lag sie da. Die Situation war romantisch, behaglich war sie nicht, und ich brach den Zauber mit der prosaischen Bemerkung, daß wir uns bei längerem Verweilen den Ichnupfen holen würden. Langsam schlug sie die Augen auf, warf mir' einen schwärmerischen Blick zu und hauchte: Es war herrlich, aber ich-ich sterbe." Ihr Kopf sank kraftlos zur Seite. Daß mir dieser Sachlage gegenüber einige unparlamentarische Ausdrücke entschlüpften, ist begreiflich. Ich griff instinktiv nach der Stelle, wo meine Rocktasche und in dieser meine Feldflasche hätte sein sollen. Rock und Ta scheninhalt befand sich aber leider noch im Gewahrsam des Stieres, und mit Kognak konnte ich daher nicht helfen.

Es dltev mir also mcylö uvrig, als meine vorgebliche Lebensretterin nach

einem gut zweihundert Schritte entfernten, m Bäumen und Auschen halb versteckten Pächterhause zu tragen und dort um Beistand zu bitten. Wenn in einem Roman der Held die Heldin zärtlich auf seine Arme hebt und mit ihr einen Marsch antritt, den der Romanschreiber unter Umständen auf eine halbe Stunde auszudehnen nicht den mindesten Anstand nimmt, dann scheint dem Helden ein solches Ezerzi-' tlum gar keine Schwierigkeiten zu verursachen, im Gegentheil, es macht ihm das in der Regel'noch ein ganz besondercs Vergnügen. Tarn, ich gönne jedem Helden eine Freude von Herzen, kann aber vcrsicrn. daß ich in meinem Falle von einem Verginigen nichts verspürie und bei der Durchsüdrung der mir gestellten Aufgabe auf recht erhebliche Schwicriakcitcn stieß. Meinen ersten Versuchen setzte die Ohnmächtige eine beharrliche, ser storende Neigung zum Zusammenklappen entgegen. Schließlich lud ich mir die Jungfrau in der Weise auf, daß Kopf und Arme über meiner linken Schultcr baumelten. Eine geeignete Modellgruppe für einen poetisch veranlagten Bildhauer dürften wir nicht abgegeben haben. Ich setzte mich mit meiner süßen, aber erschrecklich schweren Bürde nach dem Pächterhause zu in Trab. Aus dem Trabe verfiel ick bald in Sckritt. dieser wurde langsamer und langsamer unsicherschwankend, und nach Ueberwindung der halben Distanz hatte ich gerade noch Kraft genug, meine Last sanft niederzulegen. In diesem Moment ösfnete sich die Gartenpforte des Gehöftes, und eine ältliche, freundlich aussehende Frau erschien auf der Szene. Ich ncj sie an, sie wandte sich uns zu, erkannte die Situation und kam heran. Merkwürdig! gerade jetzt sing Fräulein Liebgern an, Lebenszeichen von sich zu geben. Sie öffnete die Augen, schloß sie wieder, und rief wie noch halb geistesabwesend aus: Wo bin ich? Wo ist er?" Kommen Sie, kommen Sie nur. meine Liebe," sprach ihr dieAlte freundlich zu. Seien Sie unbesorgt, der Herr ist geborgen." FräuleinLiebgern ließ sich beruhigen, richtete sich halb auf und rieb sich die Augen. Ihre neue Freundin nahm sie bei der Hand, half ihr auf die Füße und sagte: So, jetzt laufen wir geschwind nach Hause. Sie könnten sich den Tod holen in diesen nassen Kleidern." Wir nahmen Fräulein Liebgern in die Mitte, und auf dem Wege erstattete ich der Helferin in der Roth einen kurzen Bericht über das Vorgefallene. An Ort und Stelle angelangt, verschwand die würdige Hausfrau zunächst mit ihrer Pflegebefohlenen in den oderen Regionen des Hauses, kehrte aber bald wieder mit einem vollständigen Anzüge ihres zu? Zeit abwesenden Mannes zurück und forderte mich auf. am Küchenfeuer Toilette zu machen. In zehn Minuten war ich in Pächter Haberkorns Sonntagsgewänder gehüllt. mit einer Weste, deren unterster Knopf bis zur Mitte meiner Schenkel reichte. und mit einem Rocke, der einen vequemen Reisemantel für mich abgegeben haben würde. So angethan trat ich in's Freie und brachte in Erfahrung.daß die gute alteSeele bereits emenKnecht ausgesandt hatte, um von dem Stier, mit dem besagter Knecht aus einem ertraglichen Verkehrskomment stand, meinen Rock zu reklamiren. Als dieser gebracht wurde, nahm Frau Haberkorn ihn in Empfang, um einige sehr nothwendige Reparaturen daran vorzunehmen; ich zündete die glücklicherweise unversehrt gebliebene Pfeife an und suchte bei ihr Trost für ausgestandene Leiden. Als ich endlich in's Haus zurückkehrte, um mich nach dem Befinden meiner Schicksalsgefährtin zu erkundigen, kam mir unsere Gastfreundin mit einem Ausdruck von Verständnißinniakeit im Gesicht und mit mütterlicher Theilnahme entgegen, schob mich in die gute Stube, in der ein lustiaes Feuer im Ofen brannte, machte die Thür hinte: mir zu und ließ mich mit Fräulein Liebgern allein. Das Kostüm, das sie angelegt hatte, war nicht gerade geeignet, den Reiz ihrer Erscheinung zu erhöhen, da indeß auch mein Aeußeres zu wünschen übrig ließ, enthielt ich mich kritischer Bemerkungen. Wir stärkten uns an einem aufgetragenen Imbiß, und unter dem wohlthuenden Einfluß der von außen und innen angewandten Wärme fand ich rasch meinen Humor so weit wieder, daß ich Fräulein Liebgern in scherzhaft ironisch gemeinter Weise meinen Dank für die gute Absicht aussprach, mit der sie mir in's Wasser gefolgt war. Sie acceptirte die Komplimente, die ich ihr über die bewiesene Geistesgegenwart machte, bescheiden. aber offenbar im besten Glauben. Ich habe schon oft gewünscht," sagt? sie, es möchte mir einmal Gelegenheit geboten werden, mich für Andere in Gefahr zu stürzen. Freilich für Jeden wurde ich es nicht gethan haben." Es ist mir sehr schmeichelhaft, daß ich Mich zu den Bevorzugten zahlen darf, entgegnete ich verbindlich. O! das ist was ganz anderes." lispelte sie. Ihnen habe ich mein Leben zu verdanken. Aber auch ohne das würde ? . - -1 r fr- . im aues qeinan caoen lur toic. Glauben Sie nicht an seelischen Mag' netismus? Sind Sie nie einer verwandten Seele begegnet und haben Sie nie zu einer solchen so innig sich hingezogen gefühlt, daß Sie für sie zu jeder Aufopferung fähig gewesen wären? Ein ödes Leben liegt hinter mir. Wie habe

tch mich nach wahrem Veri:anvmy ge-

sehnt und doch immer nur kalte vJlin achtung und Zurückweisung erfahren!" .Sie sehen zu schwarz, Fräulein Liebgern," fiel ich ein. Es gibt doch gewiß auch Menschen, die Ihnen Sympthie entgegenbringen." .Menschen!" rief sie verächtlich. Nicht um die Sympathie der Masse ist's mir zu thun. Ich sehne mich nach eine m nur nach einem Herzen, das mit dem meinen m gleichem Schlage pulsirt; nach einem Ohr, dem ich meine Bestrebungen, meine Hoffnungen anvertrauen kann; nach einer Seele, die aus dem eigenen Ueberfluß heraus mir das zu geben bereit ist, was mir noch fehlt; nach einem'starken Arme, auf den ich mich stutzen kann, wenn die Welt mich fallen lajjen will." Ich konnte mich Nicht zur Höbe der Situation emporschwingen, aber die Dame erwartete offenbar eine Aufmunterung von mir, und so antwortete ich denn: Verzweifeln Sie nicht, Fräulein Liebgern. Einmal werden Sie ihn schon finden, denMann mit dem starkenArme und dem sympathischen Herzen." .Einmal! echote sie mit einem ver klärten Blick nach oben. O, ich habe ihn gefunden! Ich habe ihn ja gefunden. vlux ein Wort von ihm, und ich bin die Seine!" Die Sache fing an peinlich zu werden. Ich trug kein Verlangen darnach.Fräulein Llebgerns vertrauliche Herzensergießungen entgegenzunehmen, wußte aber nicht gleich, wie ich der Unterhaltung eine andere Wendung geben sollte. Da klopfte es, und Frau Haberkorn trat in die Stube mit der Meldung, unsere Kleider feien bereit. Wir zogen uns zurück, und als wir nach einer Viertelstunde vor dem Hause wieder zusammentrafen, hielt dort schon das von mir erbetene Waaelchen. das uns nach derBaynjtatton vnngen souic. Ich half meiner Dame auf den Frontsitz neüenden kutschirendenKnecht, schwang mich auf die im hinteren, sonst ur Schafe, Futtersaae. Kohlkopse und o weiter bestimmten Wagentheile improvisirte Bank, und Frau Haberkorn ein herzliches Lebewohl zurufend, fuhren wir davon. Die Straße war rauh und holperig. die Federn des Wagens steif, und jede Unterhaltung daher ausgeschlosser. Nachdem wir eine halbe Stunde tüchtig durchgeschüttelt worden waren, erreichten wir den Bahnhof von Holderbruck und fanden glücklicherweise einen Zug gerade zur Abfahrt bereit. Das Koupe erster Klasse, m das ich mit Fräulein Liebgern stieg, war unbesetzt, da wir aber nur wenige Kilometer vor uns hatten, war meine Furcht, zum Vertrauten weiterer zarten Geheimnisse gemacht zu werden, keine große. Wir saßen uns an einem Fenster gegenüber, und ich schaute beharrlich, ohne zu sprechen, in die vorubersllegende Landichast hinaus. Was wird nur Frau Muller den ken, was aus mir geworden ist?" brach Fräulein Liebgern endlich das Schwei gen. Der gleiche Gedanke war auch mir eben durch den Kopf gegangen. Ich denke, wir werden keine Schwierigkeiten haben, unser langes Ausbleiben zu erklären," antwortete ich. Gut wäre es fremch wohl, wenn wir, um uns Nicht lacherlich zu machen, die Bade episode verschweigen könnten." Und soll ,ch davon, daß ich Ihnen in's Wasser nachgesprungen bin, daß ich Sie rettete, gar Nicht reden dürfen? fragte sie. Ich lächelte, und sie fuhr fort: Ich verstehe nicht, wie Sie das so leicht nehmen können. Ich war dankbarer, als Sie mich vor den Hörnern des Stieres beschützt hatten." Ich möchte durchaus nicht undank bar erscheinen, Fräulein Liebgern, aber O, mein Herr," unterbrach sie mich, bitte, sagen Sie nicht länger Fräulein Liebgern; das klingt 'so kalt und formlich nach Allem, was wn mitem ander durchgemacht haben. Wollen Sie mich nicht Leonore nennen?" schloß sie mit emem verschämten Augenauf schlag. Aber in der That. Fräulein Lieb gern, dürfte das nicht doch etwas außergewöhnlich erscheinen? Was wurde meine Frau dazu sagen? Ihre was?" kreischte sie. Meine Frau," wiederholte ich ruhig. ihre Ausregung nicht verstehend. Wie versteinert starrte sie mich eine Weile an. Endlich fand sie die Sprache wieder. Ihre Frau! Sie haben eine Frau? Und davon haben Sie mir mchts gesagt? Haben mich zu Ihnen sprechen lassen, wie ich es gethan? Meine Gefühle verrathen lassen zu o o or Ihr Gesicht war purpurroth, ihre Augen schössen Blitze, ihre Fmger wa ren gekrümmt. Was in aller Welt fehlt Ihnen. was meinen Sie?" fragte ich erstaunt wie aus den Wolken gefallen. O, Sie abscheulicher Mensch! Sie hinterlistiger, herzloser, betrügerischer Verführer! Sie wagen es, mir m s Gesicht zu sagen, daß Sie verheuathc sind, nachdem Sie mir gestern und heute in der auffallendsten Weise den Hos gemacht und mem Vertrauen miß braucht haben! O! Hätte ich Sie doch erwürgt, als ich vertrauensvoll an Ihrer Schulter lag. Sie schwieg, Athem zu schöpfen und ich benutzte die Gelegenheit, ruhig zu bemerken: Sie vergessen, daß Sie ohnmächtig waren, als Sie sich m de besagten Situation befanden. .Ohnmächtig!" rief sie. Ich bin

me oynmächng gewesen." T)ocy sogleich erkennend, daß sie sich im Eifer verschnappt hatte, fing sie an zu fchluchzen und warf sich in den Sitz zurück.

Der Zug sing schon an langsamer zu ahren; es war keine Zeit mehr zu verieren. Ich legte meine Hand auf ihren Arm und sagte ernst: Es thut mir außerordentlich leid, Fraulem Liebgern, daß dieses Mißverständniß entstehen konnte; sprechen wir nicht weier davon und halten Sie sich verichert, daß ich herzlich gern alles vergessen will, was für Sie in der Rückerinnerung irgendwie peinlich sein könnte. Bitte, trocknen Sie Ihre Augen und seien Sie vernünftig." Sie steckte ihr Taschentuch em und nahm eine Haltung stolzer Würde an. Ich bedarf Ihrer Nachsicht nicht, mein Herr," fagie sie, ich wüßte nicht warum. Sollte irgend eines meiner Worte Sie in Ihrer Eitelkeit und Einblldung zu dem Glauben verleitet haden, Sie seien mir etwas anderes als vollkommen gleichgiltig, dann ist das Mißverständnis einzig und allein auf Ihrer Seite." Sei es so!" antwortete ich. Der Zug hielt. Wir stieqen aus. Fräulein Liebgern ließ meine ihr dargebotene Hand unbeachtet. Bei meiner Ankunft daheim fand ich meine Frau in Gesellschaft einer ihrer Freundinnen, die auch bei der JaadPartie gewesen war. Diese Dame äußerte ihr Befremden über mein ianges Ausbleiben. Meine Frau saate Nichts. Ta ich nicht gewillt war, meine Gechichte in Gegenwart einer notorischen Klatschbase zu erzählen, zog 'ich mich zurück, die Kleider zu wechseln. Als ich wieder in s Wohnzimmer trat, fand ich meine Frau allein und berichtete ihr, ohne Fräulein Liebgern zu kompromittiren, über die erlebten Abenteuer. Meine Frau enthielt sich eoen ommeniars. Am folgenden Morgen besuchte Frau Müller meine Gattin, während ich abwe end war. Bei meiner Heimkehr fand ich meine Frau in Thränen. Sie verweigerte jede Erklärung und wollte fia auf keine Erorteruna einlassen. Am Nachmittage desgleichen Taaes gab ich meine Karte bei Ttxau WlixU Uz ab. Madame ist nicht zu Sause " be schied mich die Zofe. ..Aber ich habe Nrau Müller dock eben noch am Fenster gesehen!" Entschuldiaen Sie. aber Madame hat mir diesen Augenblick erst gesagt, daß sie nicht zu Hause sei." 3st Fraulem Liebgern au spre chen?" fragte ich. Das Fraulein is. abgereist " erhielt ich zur Antwort. 5ch wandte mich und aina. Seither ist's mir nicht geglückt. Frau Müller zu Hause anzutreffen, wenn ich ihr einen ejuch macaen wollte, und Fraulern liebgern habe ich seit dem Tage der für mich unvergeßlich bleibenden Fischotterhetze nicht mehr gesehen. Hoffentlich jeije ich it überhaupt niemals wieder. vomAucrttl:önigLul)wigdcmZmcitctt. Der kürzlich in München verstorbene Opernsänger Franz Nachbaur, dem Köng Ludw'g de? Zweite sehr gewogen war, erzählte einmal über seine BeZiehungen zu dem unglücklichen Fürsten folgendes: Als mich Konig Ludwig zum ersten Mal zur Tafel lud, war ich ganz verzweifelt, ich wußte nicht, wie ich mich zu benehmen hatte. Haben Sie eine Ahnung, wie ich mich bei der Tafel des Königs zu benehmen habe?" fragte ich Hans Richter. Ich höre. König Ludwig der Zweite soll besondere Eigenheiten haben, ein Blick, eine unrechte Bewegung soll mit Gewißheit eine Ungnade nach sich ziehen." Essen (sie wenig, trinken Sie gar nicht, und hören Sie aufmerksam dem König zu, indem Sie ihn fest ansehen. Vermeiden Sie ja, den Blick vom König abzuwenden, denn Seine Majestät wird dadurch irritirt, und dann könnte es allerdings kommen," lautete die Antwort. Mit Zittern und Zagen ging ich zur Hoftafel, und wie war ich enttäuscht, als ich genau nach der Instruktion handeln wollte. Ich hatte, um ja keinen Blick vom König abzuwenden, wenn er sprach, aber auch nicht zu hungern, vorher zu Hause gespeist und fuhr überaus gesättigt zur Tafel des Königs. Während derselben unterhielt sich der König mit mir über Kunst und Wissenschaft. Nach dem dritten Gange hielt der König plötzlich inne und sagte: Ich bemerke, mein lieber Nachbaur, daß ich Sie störe. Bis jetzt haben Sie noch kaum einen Bissen gegessen!" Ich stotterte einige Worte und versuchte zu essen, aber ich war so gesättigt zur Tafel gekommen, daß ich nur mit Mühe einige Bissen hinunterbefördern konnte, um so mehr, als ich bemerkte, daß der König mich genau beobachtete. Nach der Tafel sagte der König, der selbst viel aß, aber wenig trank, scherzend: Wovon leben Sie eigentlich, wenn Sie immer so wenig essen?" Als ich kaum in meine Wohnung zurückgekehrt war, brachten zwei Diener in einem Wagen im Auftrage des Königs die auserlesensten Früchte, Gerichte und Weine, mit folgender Bemerkung: Als Nachtrag der heutigen Tafel, der Sie so wenig Ehre gezollt." Im wunderscllöttcn Monat Mai. Backfisch (zusek,end, wie ein Ferkel geschlachtet wird): Ach Gott. so jung sterben zu müssen und gerade rm Wonnemonat!"

Die crstm Poststempel. Urspung d,S Datums auf Briefumschläge in England. Nach den Ermittlungen von John G. Hendy, Kurator des Archivs des englischen Generalpostamts, der eine Geschichte der Poststempel auf den britischen Inseln verfaßt hat, wurde auf den Briefumschlägen in England von Post wegen das Datum mindestens seit den Tagen Heinrichs VIII. vermerkt. Aus dem Jahre 1533 liegt bereits eine urkundliche Beschwerde wegen saumseliger Briefbeförderung vor. und das damalige Oberhaupt der Post wehrt sich seiner Haut im besten Bureaukratenstil: Er will zwar die Post nicht entschuldigen, möchte aber bemerken, daß es schon Leute gegeben habe, die ihre Briefe vordatirtcn und durch solche Niedertracht der Posibeförderunz unverdienten Tadel aufbürdeten. Im Weiteren erwähnt der Beherrscher der Posten, er habe dem und jenem empfohlen, auf den Brieffendungen Tag und Stunde der Absendung zu vermerken. Es werde aber leider unterlassen. Es dauerte dann noch fast 60 Jahre, bis um 1590 die Post selbst den Datumvermerk auf dem Rücken der Briefe übernahm. Jeder Postmeister, dem die Sendung durch die Hände ging, schrieb Tag und Stunde darauf ein. Nach de: Wiederherstellung des Königthums wurde dann in England die Post durch ein Gesetz ständig eingerich--

tet und der Betrieb an einen gewien Henry Bishopp für $107,500 jährlich verpachtet. Der Pächter erklärt in Erwiderung verschiedener Beschwerden: Es ist ein Stempel erfunden, der jedem Brief aufgedrückt wird und den Tag des Monats anzeigt, an dem der einzelne Brief bei der Post eingeliefert worden ist. so daß kein Briefträge: es wagen kann, einen B:ief zunickzuhalten, was früher an der Tagesordnung war." Somit wäre der Ursprung des aufgedruckten Poststempels zwischen 166061 festgelegt. Auch fönst ist manche interessante Auskunft in dem Hendy'schen Buche zu finden. Anlaßlich des Portos bringt der Verfasser in Erinnerung, daß zur Zeit, als die Königin Viktoria den Thron bestieg, das Durchschnittsporto für den einzelnen Brief 9z Pence, 19 Cents, betrug, was einen großen Rückschritt gegen längst vergangene Tage und viel schwierigere Verkchrsverhältnisse bedeutete: Denn unter Karl II. betrug das Porto fü: Briefe von London nach Dublin weniger als halb so viel wie beim Regierungsantritt der Herrscherin. Dafür blühte denn auch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Briefschmuggel, der heute kaum mehr de:x Namen nach bekannt ist. Die Musik als Hcilfaktor. Die Mustk hat bis jetzt als Heilfaktor keine Verwerthung gefunden, obwohl ihre Wirkung auf den psychischen und physiologischen Zustand des Menschen keinem Zweifel unterliegt. Besonders sind die Nervenkranken für Mustk empfänglich; aber auch auf den anderen Gebieten der Medizin, sogar in der Chirurgie, bewährt sich die Muslk als ein sehr gutes Heilmittel: so wurde z. B. festgestellt, daß unter dem Einflüsse der Musik die Narkose von den Kranken viel besser vertragen wird. Angesichts der Kompliziertheit dieser Frage hat Cecilia Guild in London sich zur Aufgabe gestellt, eine Reihe von Untersuchungen vorzunehmen, um eine Aufklärung über die Wirkung der Musik auf das Herz, auf die Blutzirkulation und Athmung zu erhalten. Man trägt sich ferner mit der Absicht, eine centrale Anstalt zu gründen, die zu jeder Zeit durch die Vermittlung eines Telephons Krankenhäuser und PrivatWohnungen mit Mustk von wünschenswerthem Charakter versehen könnte. In Petersburg findet man bereits in der gynäkologischen Klinik von Professor Ott eine praktische Anwendung der Musik als Heilfaktor. In jedem Krankenzimmer befindet sich daselbst ein Telephon, das mit einer gewaltigen Orgel in Verbindung sieht und den Kranken musikalische Zerstreuung ermöglicht. i Ein Pffanzenunikum. Im Schönbrunner Garten in Wien wird eine merkwürdige Pflanze gezeigt. Sie heißt Fockea capensis" und stammt aus dem Kaplande. Der Unkundige wird darauf schwören, daß diese Pflanze nichts anderes ist als ein Stein, auf dem sich irgend ein Unkraut angesiedelt hat. In Wahrheit aber ist das, was einem Steine gleicht, ihr Stamm, eine kindskopfgroße, steinharte Masse, die außer dem Zweige auf ihrer Krone keine Spur organifchen Lrbens verräth. , Sie ist eine Wüstenpflanze, des Dürstens gewohnt und von der glühenden afrikanischen Sonne zu diesem unförmigen Klumpen gestaltet. Nur wenn der Regen sie netzt, erwacht sie auö ihrer Leblosigkeit und treibt kümmerliche Zweiglein aus ihrer Krone. Aber sie ist zum Untergang bestimmt: sie ist die letzte ihres Geschlechtes. Außer diesem Exemplar des Schönbrunner Gartens gibt es kein anderes .m irgend einem Botanischen Garten, und selbst auf afrikanischem Boden hat man trotz gewissenhaften Forschens kein zweites finden können. Das Schönbrunner aber ist der Mög lichkeit der Fortpflanzung beraubt. 91 A t Krematorien hat Deutschland und zwar zu Gotha.Hamw c rfs r f vura. Heioeioerg, ena, sfenoaw, fi W OHft to MMAktM C r Att ito Xiunij, xriuuiicuu uuu iicuuu.

Politische Ankündigungen.

John N. einlein. empfiehlt sich den Steuerzahlern und Stimm gebern der Lten Ward als Kandidat für Qtadtrath, unterworfen der demokratischen Nomina tionö Konvention. John Heidenreich, Florift", ESe Lvxlegate und Iowa Straße, empfiehlt sich den Stimmgebern der 13. Ward als Kandidat für Etadtrath, Unterworfen der Entscheidung der demokra tischen Nominationö Convention. Michael Vinci, CommifffonS ' Handler, 122 Süd Delaroare Straße, empfiehlt sich den Stimmgebern der Uten Ward als Kandidat für de Otadtrath für diese Ward. Unterworfen der Entscheid dung der demokratischen NomwationL'Kon vention. Aerzte. vr. 3. A. Sutcliffe, Wund. Arzt, SejchlechtS', Urin unvRectnm Arankheiten. Ofifee ? 155 OS Market Str. Tel. 41 c!SeE!n"k : i in is nix Vm.: s i i rrn. Dr. Carl Q.Winter Deutscher Arzt. VtZnideU alle akute und chronische rank heilen. SeburtShülse Spezialität. Osstee: 14 Weft Ohio Str. rktt,dn : 10 11 srm. 1 XfiQa. gt t.K-I040 . Ua. Kia iX. iBogncttg: 1150 Kaltf U, ptelftunbi z 79 Ittaft. onnia2l : 6 Nach. Wohnung tlephou, : A!t. 0U i R, Mtt Warum nicht $ sparen beim Einkaufe Ihrer mm . . . .und. . . . chpiche ... . solvie. ... ....Garland Oefcn ... und bei WILLIÜ'S ...Mobel-Handlnng... Ul West Washington Straße, No. 449 Oft Washington Str. 9t$n HM Difict: 3333 . Cencte Bc Neues Televhsu 6485. GEI1TRAL COLLEGE OF L1USIC, Ä50 Nord Meridian Gtr. Schule jetzt eröffnet.... ... rag'vchüler sowie auevkrtige Ochlller, reiche bin im College völlige Lufnani suchen, können ,u jeder Zeit eintreten. Cl obtrncS gut auSgeruftete Institut, voll pndig in allen Theilungen des LenenI tot kuft der Wust! und den verwandt Unfien. Katalog frei. Bchrerd Taylor, Direetor.

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