Indiana Tribüne, Volume 28, Number 300, Indianapolis, Marion County, 10 August 1905 — Page 7

Jnbiana Tribüne, 10. August 1005.

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(Fortsedung.) i Um elf Uhr verließ Egon Engelerg und suchte noch im Zug einen Blick vom Titlis zu erHaschen. Aber dieser launige Berg, unzuverlässig und veränderlich wie ein schönes Weib, hüllte seine stolzen Glieder in ein graues, undurchdringliches Gewand, und es stand zu vermuthen, daß Margot in diesem Augenblick dasselbe that, denn sie mußte jetzt in Luzern angelangt sein, wenn der See sie nicht in einer gerechten oder sehnsüchtigen Aufwallung verschlungen hatte. Ter Fahrplan gab inzwischen einen interessanten Aufschluß. 23o; drei Uhr Nachmittags ging von Luzern kein Zug nach Lugano, dann aber fuhr einer mit erster und zweiter Klasse, den die meisten Jtalienreisendcn zu benutzen pflegten. Die beiden Durchgänger hatten also ebensogut von Engelberg aus den Elfuhrzug benutzen können, und wären auch dann noch zeitig genug in Luzern eingetroffen; aber Geldern zarte Fürsorge hatte wahrscheinlich eine gemüthliche Dinerstunde vorgesehen, welche? alsdann in Lugano ein ebenso nettes Abendessen folgen sollte. Egon wollte dieses Vergnügen nicht stören. Die Fahrt bis zur Grenze Italiens bot ihm vielleicht Gelegenheit zu einigen interessanten Beobachtungen, die sich alsdann im Interesse des bethörten Mannes verwerthen ließen; auf dem tiefsten Grunde von Egons Seele ruhte aber noch die trügerische Hoffnung auf eine harmlose Lösung. Was wollte Margot denn eigentlich mit dem Baron beginnen? Wenn sie wirklich das war, wofür Felix sie erklärt hatte, nämlich eine Gaunerin und Diebin, dann konnte sie es weniger auf die Person des reichen Mannes, als auf seine vermuthlich sehr bedeutende Reisekasse abgesehen haben; war sie aber nichts von alle-,, dem, sondern nur ein hübsches Mädchen. dann hätte sie wohl geeignetere Begleiter finden können als diesen griesgrämigen Weiberfeind! Räthsel, wohin man blickte. Eine Viertelstunde vor Abgang des Gotthardtzuges fand Egon sich auf dem Luzerner Bahnhof ein. Er nahm eine Karte zweiter Klasse, bestieg den ersten besten Wagen und stellte sich hinter dein Gangfenster auf die Lauer. Wenn sie kamen und zufällig denselben Wagen wählten, dann konnte er immer noch zeitig in einen anderen flüchten, denn es war feine Absicht, bis Lugano den heimlichen Beobachter zu spielen. Und da kamen sie wirklich. Egon wollte kaum seinen Augen trauen, aber das Unglaubliche geschah hier ganz offenkundig Geldern führte Margot am Arm und trug wiederum ihr flaches Köfferchen. während sie selbst sich seiner Handtasche bemächtigt hatte. Er schlenkerte ganz wohlgemuth den Koffer in der Hand, welcher möglicherweise den gestohlenen Rembrandt barg, und Margot schlenkerte ebenso die Reisetasche, wahrscheinlich um bei dieser Gelegenheit herauszukriegen, ob es tüchtig nach Geld darin klapperte. Sie stiegen in den benachbarten Wagen. welcher nur erste Klasse führte, und auch dieser Umstand gab Egon zu denken. Er wußte, daß Margot sonst zweiter Klasse fuhr, wie er selbst; wenn sie sich jetzt diesen Luxus gestattete, so geschah das natürlich auf Kosten des Barons. Den Schutz des reifen Mannes konnte sie allenfalls annehmen, sich von ihm führen zu lassen war auch noch kein Verbrechen; aber ! Und dann fuhren sie in die Regenlandschaft hinein Egon ahnte, daß er sich in einem Paradies befinde. Wenn ein rauher Windstoß den Schleier zerriß, dann trat auf flüchtige Momente die Herrlichste Verglandschaft der Welt vor sein Auge; aber es hätte anstatt des Ne bels Sonnenschein über dem Thale der Aar liegen können, in seinem Innern war doch Nacht und Graus. Bisweilen tauchte der Zug in einen Tunnel, und das hallende Nasseln der Räder erinnerte daran, daß man sich im Schooße der Mutter Erde befand. Es war wie in einer Gruft, und das Gefühl unendlicher Einsamkeit stieg in Egon empor; dabei malte er sich aus, wie nett und gemüthlich die beiden in dem benachbarten Wagen beisammen saßen und sich den Kuckuck darum kümmerten, ob sie über oder unter der Erde waren. Freilich, wenn man bedachte, welch finstere Plane Margot in ihrem schönen Köpfchen hegte, dann konnte der Neid sich nur schüchtern hervorwagen; aber er that es dennoch, denn die Gegenwart allein beherrscht den Menschen, und das Verderben ruht in einer unbekannten Zukunft. Der Schaffner ging ab und zu und ,schloß die Fenster gegen den hereindringenden Rauch. Egon kirrte den Mann mit einer geschmuggelten Cigarre und erkundigte sich so hinten herum nach den Insassen der ersten Klaffe.

m'S tscht nur ein alter Herr mtk ieijiem Töchterli drinn," sagte jener sie fahren bis Lugano." Vater und Tochter? Ich sah die beiden in Luzern sie sind ganz gewiß auf der Hochzeitsreise!" Der Schaffner lachte und ging weiter; aus seinem pfiffigen Gesicht konnte man alles mögliche herauslesen, vielleicht hatte er wirklich irgend eine kleine Zärtlichkeit beobachtet, die nicht zwischen Vater und Tochter üblich ist, und nun saß Egon da, und der Stachel der Eifersucht drückte sich immer tiefer in seine Seele. In Göschenen war ein etwas längerer Aufenthalt. Ter Zug rüstete sich in den Gotthardttunnel einzufahren, und den Reisenden wurde Gelegenheit

gegeben, zuvor eine Stärkung zu sich zu nehmen. Egon hätte daS gern gethan, aber er wagte nicht, seinen Lauscherposten aufzugeben, denn Geldern hatte soeben den Wagen verlassen und war in das Restaurant hinübergegangen, während Margot an der offenen Thür stand und ihn zu erwarten schien. Nach einer Weile kehrte er zurück und brachte eine halbe Flasche Weto sowie ein einziges Trinkglas, er blieb unten auf dem Bahnsteig und stützte sich lässig mit der Linken an das Mcssinggeländer des Trittbrtts. während Margot auf das letztere hinaustrat und das Glas in Empfang nahm. Sodann goß der Baron ein, sie trank und reichte ihm daö halb volle Glas. Daraus trank er ebenfalls. Egon leckte sich die Lippen, theils aus Durst, theils aus einem anderen unbestimmten Gefühl; er war den beiden so nahe, daß er ihre Unterhaltung belauschen konnte, und der Baron erzählte von dem Restaurateur in Göschenen, der ein bekannter Schriftsieller sei und mehrere Romane geschrieben habe. Wie romantisch!" flötete Margot darauf ganz wie diese Reise!" Und dann neigte sie sich an das Ohr des Barons und flüsterte einige Worte, die Egon nicht verstehen konnte. .Aber Margot!" sagte der Baron darauf und trank das Glas leer. Einsteigen!" riefen die Schaffner. Der Himmel hing noch immer voll schwerer Wolken, aber es regnete nich: mehr, und die Dünste zogen langsam an den diesseitigen Hängen des Gotthardt entlang. Jetzt kommt das große Loch." sagte ein Geschäftsreisender, der neben Egon stand und die Fenster schloß, aber jenseits werden wir heiteren Himmel haben und Sonnenschein." Ach was," entgegncte Egon mürrisch, die ganze Welt ist ein großer Schwamm." Der andere meinte lachend: Na denn Schwamm drüber!" Das war leicht gesagt und ein philosophischer Trost. Aber Egon befand sich keineswegs in einer philosophischen Stimmung. Sie hatten siebzehn Minuten vor sich, während welcher keiner auf den anderen achtet, sondern jeder nur die Augen schließt und das Ende der Trnnelfahrt herbeisehnt. Egon beschloß, die Zeit zu einem Einfall in das feindliche Gebiet zu benutzen. Er schritt schwankend und unter donnerndem Getöse von dem einen Wagen in den anderen, schluckte eine Masse Rauch und langte endlich vor der Abtheilung an, in welcher der Baron mit Margot saß. Die Thür war geschlossen, aber em Spalt der Gardine gestattete den Durchblick, und in dem kleinen matterhellten Raum bot sich dem Lauscher ein niedliches Genrebild. Entweder litt Margot wie so viele Reisende an der Tunnelangst, oder sie heuchelte wenigstens diese interessante 5lrankheit, denn sie saß in eine Ecke gedrückt und hielt das Taschentuch vor's Gesicht. Der Baron aber hatte neben ihr Platz genommen, sein Arm lag um ihre Schulter, und er redete eifrig und leise in sie hinein. Es konnte eine Täuschung sein, die von dem Schwanken des Wagens und der Zitternden Beleuchtung herrührte, aber als Margot auf einen Moment das Taschentuch sinken ließ, glaubte Egon um ihre feinen Lippen ein spöttisches Lächeln zu entdecken. Dann kehrte er in seinen Waaen zurück, zündete sich trotzig eine Cigarre an und zerlaute das Deckblatt derselden, als wenn es Schokolade sei, die ihm von schöner Hand gespendet worden war. Airolo! Wie in dem Märchen von Andersen der Prinz auf den Schwingen des Ost Windes durch einen eisigen Felsspalt fahr! und urplötzlich den Garten de .Paradieses vor sich sieht, so erblickte Egon das herrliche Thal des Tessin unter einem blauen wolkenlosen Him mel und mit den' Vorboten des ewigen Italien. Der Uebergang vom Nebe! und Regen in einen leuchtenden Abendsonnenschein war so effektvoll, daß Egon die Arme ausbreitete und den Drang fühlte, irgend etwas an seine Brust zu drucken. Drüben in der ersten Klasse geschah das möglicherweise wirklich, aber Egon hatte nichts weiter als den dicken Reiseonkel. indessen auck dieser Menscö sckwan,lq zu nner poenicyen emerrung aus. Jetzt kommen die leuchtenden Nächte mit Chiantl und Mandolmenklai. Und dann sana er plötzlich in einem m t . i -r m T . r lurcoierlicyen zieroan:

0 fcelia Napon, Btella di märe!" So weit sind wir noch nicht." meinte Egon etwas ernüchtert. Aber jene? ließ sich nicht halten. Es ist alles eins, Neapel oder Lugano. Kennen Sie Lugano? Haben Sie mal im Paradiso auf dem Balkon des Hotel au Lac gesessen, wenn die Lichter an den Berghängen aufblitzen, und der See im Mondlicht glänzt? Da muß man eine Flasche Chianti haben, oder besser noch zwei, und den Gesang der Schiffer hören, der Alles an die Fenster lockt. Dabei wird man ein anderer Mensch! Ich saß mal eines Abends um zehn Uhr draußen in Hemdsärmeln denn anders geht man dort nicht

und auf dem benachbarten Balkon stand eine schöne junge Gräfin oder so was ähnliches, die war ganz in Spitzen gehüllt, und ich fragte hinüber: .Fräulein, wollen wir nicht mal jondern? ,Si Signore,' sagte sie und lachte, und wer weiß, ob sie es nicht wirklich gethan hätte!" Egon lachte ebenfalls. Es wa? in der That eine andere Luft, die er athmete, und die wie ein leichter Champagnerrausch in das Blut überging. Egon versprach dem begeisterten Reiseonkel, sich ebenfalls auf den Balkon hinauszusetzen, denn er wolle im Hotel au Lac logiren, und vielleicht würde auch ihm ein Abenteuer beschert. Sicherlich!" entgeznete jener, ohne dieses geht es gar nicht in Jtalien." Es war schon dunkel, als sie in Lugano ankamen. Die Hotelwagen standen rn einer langen Reibe vor dem Bahnhof, aber der Reiseonkel hatte Egon gerathen. gleich linls die kleine Treppe nach der Stadt hinunterzugehen. Sie kommen dann mindestens zehn Minuten früher in's Hotel," sagte er, und können sich das beste Zimmer aussuchen. 1ie Saison ist jetzt hollisch im Schwung." Das große weißleuchtende Haus am Ufer des Sees machte in der That einen sehr gastlichen Eindruck. Egon erhielt ein Zimmer, welches den vollen Blick über die vom Mond beleuchtete Wasserfläche gewährte, und als er auf den Balkon hinaustrat, sah er, daß sich zu seine? linken Seite ein gleicher befand, den er mit der ausgestreckten Hand erreichen konnte. Vielleicht war es derselbe, von dem sein Reisegefährte gesprochen hatte, aber vorläufig war von einer in Spitzen gehüllten Gräfin noch nichts zu sehen; die Flügelthüren standen weit offen, imd das Zimmer schien eines Insassen zu harren. In diesem Augenblick fuhr der Hotelwagcn vor. Der Baron stieg aus, und Margot folgte ihm. Die beiden verschwanden im Hotel, und etwa zwei Minuten später knarrte der Aufzug. Während Egon an die Thür seines Zimmers trat, entspann sich draußen Gespräch. Also für die Dame Nummer neun," sagte Geldern. Ich selbst ziehe ein nach hinten gelegenes Zimmer vor; man wird da nicht so sehr von dem Geräusch auf dem Kai gestört." Tann müssen der gnädige Herr in den zweiten Stock hinauf," entgegnete der Kellner auf Teutsch. Mir egal. Also auf Wiedersehen, Maraot unten tni Spelsesaal." Egon ballte die Fäuste. Auf Wiedersehen, Margot!" hatte der Alte ge sagt, während er selbst es noch nicht über Fräulein Margot" hinausgebracht hatte. Tann aber fiel ihm plötzlich wieder ein, daß diese Maraot eme Hochstap lerin allerersten Ranges sei, und er setzte sich seufzend auf den Rand seines Bettes. Wahrhaftig, diese italienische Luft brachte alle Begriffe in Verwirruna, es fehlte nur noch Was noch etwa fehlte, das traf mit unheimlicher Sicherheit sofort ein. Egon hatte Nummer acht, und das anstoßende Balkonzimmer trug infolge dessen die nächste Zahl. Egon hörte Margots leichten Schritt durch die Wand, er vernahm wiederum das Knarren der Kofferdeckel und das Auf pflanzen 'von Toilettengegenständen. Es war alles ganz genau wie bor wenigen Tagen in Luzern, und es war dennoch ganz anders, denn der Himmel Italiens träumte draußen über den Beraen. und ein Lied klang vom See heraus. Leuchtende Streifs zogen durch das Wasser, es waren die Bar ken. die. mit bunten Vavierlamven aeschmückt, zu einer nächtlichen Fahrt einluden. viwn rjcne, oay margot aus ren Balkon hinaustrat und mit leiser sanfter Stimme eine italienische Strophe sang; er verstand nicht den Inhalt der Worte, aber sie schmeichelten sich in sein Ohr und erfüllten ihm das Herz mit tiefer Sehnsucht. In diesem Augenblick glaubte er nichts von allem, was die häßliche Vernunft ihm zuflüsterte; es war undenkbar, daß die Seele dieses Weibes von einem Schatten getrübt sein sollte. Tann kam wieder die Gegenwart zu ibrem unerbittlichen Reckt. Margot schloß drüben ab und ging die Treppe hinunter' sie fragte daö Zimmermädchen, wie ..tge das Hotel offen sei, m. gemerkte, daß sie mit ihrem Egon verstand das Wort nicht daß sie mit dem Baron wahrschkinlich noch eine kleine Bootfahrt unternehiken werde; der Abend sei zu

köstlich, um ein zeitiges Schlafen zu gestatten. ,

O freilich, der Abend war) 'östlich genug, aber Egon empfand einen mördenfchen Hunger, denn seit Engelberg hatte er nichts mehr über die Lippen gebracht, und nun ging es auf neun. Dennoch durfte er sich mcht im Speisesaal zeigen. Er bestellte also das Abendessen auf sein Zimmer, ließ eine Flasche Chianti beifügen und deutete an, daß die zweite in Reserve gestellt werden könnte, denn der Reieonlel hatte von ein bis zwei Flaschen gesprochen, und das schien ein ganz verständiger Mann zu sein. Egon hatte seinen Tisch an die offene Balkonthür gerückt und sah währeno der Mahlzeit in eine Nackt hmaus. deren traumhafte Schönheit vollkommen geeignet war, den Verstand schmeichelnd in Fesseln zu legen und die Phantasie auf mondhellen Pfaden in einen Irrgarten zu führen. Vielleicht gab auch der Chianti Veranlassung zu den kühnen Ideen, die in Egons Kopf zu rumoren begannen, wie wär's zum Beispiel, den harmonischen Bund einfach dadurch zu stören, daß man den Baron in 's Wasser warf und mit Margot eine Reise um die Welt unterenahm? Oder, wenn dieser Ton Juan vielleicht schwimmen konnte, dann empfahl es sich, ihm die Zimmerthür zu vernageln oder die Hosenträge? zu stehlen; in beiden Fällen sollte die Verfolgung eines durchgehenden Paares mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein. Uebrigens wurde in diesem Augenblick das Durchgehen auf der feindlichen Seite in Szene gesetzt Geldern kam nämlich in Begleitung von Margot vor das Hotel, sprach mit einem brigantenmäßig aussehenden Schiffer, und dann gingen alle drei nach einer kleinen Barke, die mit Lampen geschmückt am Ufer lag. Während der Nachen wie ein Jrrlich! über den See dahinschwand, brachte das Zimmermädchen ihm die zweite Flasche. Felicissima notte," sagte sie dabei und lachte wie ein Kobold. Egon rückte nun ganz auf den Balkon hinaus und vertiefte sich in die italienische Nacht. Das Mondlicht war allmäliz von den Hängen der Berge zurückgewichen und übcrfluthete dafür die weiße Front des Hotels mit' verschwenderischer Fülle; die Glühbirne im Zimmer versagte fast ihren Dienst, und Egon knipste sie endlich aus. Nun sah er erst, wie hell das Gemach wurde und wie deutlich man jeden Gegenftand in demselben erkennen konnte; drüben, wo die Balkonthür weit ausstand, mußte das jedenfalls ebenso sein. Und man brauchte nur die Hand auszustrecken, um sich von dem einen Gitter über das andere zu schwingen: das bischen Tiefe, welches dazwischen lag, war für einen leidlichen Turner überhaupt nicht vorhanden. Derselbe Gedanke, welcher vor einigen Tagen in Egon aufgetaucht, war, als Margot in Luzern neben ihm wohnte, dieser selbige Gedanke begann abermals seinen tollen Wirbeltanz. Nur lagen jetzt die Verhältnisse um vieles günstiger, denn Margots Zimmer war von außen verschlossen, die Besitzerin desselben schwamm draußen aus dem See, und der Chianti redete e:ne eindringliche Sprache. Jetzt oder nie." sagte Egon. Ich will weder stehlen noch velhoren, ü) will nichts als die Wahrheit erforschen." Und dieser edle selbstlose Gedanke beseitigte seine letzten Bedenken. Mit einem langen Schritt es war kaum ein Uebersteigen zu nennen erreichte er den benachbarten Balkon und stand nun vor der geöffneten Flügelthür, die ihm einen Blick in Margots Zimmer gewährte. Egon sah die beiden ihm wohlbekannten Koffer. . Der Deckel des größeren war zurückgeschlagen, und aus seinem Inneren leuchteten allerhand weiße Stoffe Spitzen und Stickereien, die dazu oestimmt sind, den Leib eines schönen Weibes zu umhüllen. Egon ging daran vorüber, denn es war nicht seine Absicht, in die Toilettengeheimuisse einer Dame einzudringen; sein Auqenmerk war auf das kleine flache Köfferchen gerichtet, dessen Form ihm auf der ganzen Reise ein Räthsel aewcsen war, weil es kaum zur Aufnahme von Schmuck und Kleidern aeeianet zu sein schien. Wenn es verschlossen war. dann wollte er natürlich umkehren; wenn aber der Schlüssel im Schloß steckte und nur umgedreht werden mußte, dann wollte er Ja, das war ihm noch nicht klar. Indessen spielte der Zufall eine ge fällige Rolle; das kleine flache Ding war ebenfalls offen, und Egon schlug mit einem deutlichen Gefühl der Scham den Deckel zurück. Dann aber wäre er fast in die Kniee aesunken. Der Gedanke, welcher ihm beständig vor der Seele schwebte, und den er doch immer wieder zurückgedrängt hatte, d:r Verdacht, mit dem seine Neigung ra'ng. wurde plötzlich zur Wahrheit. Das Bild des alten Meisters lag vor ihm! Eine verbrecherische Hand hatte es aus dem Rahmen losgelöst und hier geborgen; die geheimnißvoll schwermüthigen Augen des bärtigen Kriegers leuchteten im fablen Monolicht von

dem dunklen Grunde empor, und die rothen Lippen schienen im Begriff, sich zum Reden zu öffnen. Es war nur ein flüchtiger Moment. Dann schlug Egon den Deckel des Koffers zu und eilte auf den Balkon

zurück. Er wußte kaum, wie seme zitternden Kniee ihn in das eigene Zimmer trugen; er hätte auf dem kurzen Wege m die Tiefe stürzen können. und ein dumpfes Ahnen sagte ihm, daß dieses Ende vielleicht die beste Losung aus dem Wirrsal des Lebens sein möchte. Sein Rausch war verflogen, und er fühlte sich elend und gebrochen. Denn so lange die Liebe ihm eine Bürgschaft für die Unschuld der Geliebten gewesen war, hatte er mit der Hoffnung in die Zukunft geblickt, und seine Vernunft vor den seltsamsten Thatsachen verschlossen. Nun war die Schuld erwiesen, aber die Liebe hing noch immer an einer Verworfenen. Egon streckte sich auf das Lager und suchte den Schlaf; aber in die wirren Halbträume einer erregten Seele mischten sich Laute des Lebens. Es war noch em Spatzug angekommen, und das Schwatzen der Reisenden schwirrte über Treppen und Gange. Margot kehrte zurück, und Egon hörte. wie sie dem Baron eme gute Nacht wünschte und von der köstlichen Seefahrt sprach; er vernahm deutlich, daß sie ihr Zimmer betrat, die Balkonthür verriegelte und die Kleider ablegte. Dann wurde es allmälig ganz stille, der Mond wanderte aus dem Zimmer und versank in die Sternennacht, über dem See aber sang noch eine einsame Männerstimme das o Santissima" in tiefen, sehnsuchtsvollen Tonen. Die Sonne warf bereits ihre sengenden Strahlen auf die Gärten von Lugano, als Egon aus einem tiefen, bleischweren Schlaf erwachte. Auf jeder Haarspitze fühlte er einen Schweißtropfen, aber die Hitze hatte ihre wohlthätigen Dienste verrichtet -und die Geister des Weines herausgetrieben; nur ein sonderbar üppiges Gefühl strotzenden Lebens legte noch Zeugniß ab von schneller rollendem Blut. Nebenan war es mäuschenstill. Entweder schlief Margot noch, oder sie hatte das Zimmer bereits verlassen; ein Blick auf die geöffnete Balkonthür schien das letztere zu bestätigen. Egon hatte seinen Entschluß gefaßt; er wollte dem Baron seine Entdeckung mittheilen und dann direkt nach Mailand abreisen, wo die Ausstellung am nächsten Tage ihren Anfang nahm. Aber es sollte anders kommen. Als Egon das Zimmermädchen herbeischellte und nach dem Baron fragte, lachte die Kleine schelmisch. Ter Herr hat auf den Wein gut geschlafen," sagte sie; es ist fchon acht vorüber. Um acht Uhr ist der Herr Baron mit dem Fräulein nebenan nach der Jsola Bella abgefahren. Sie kommen wahrscheinlich erst morgen zurück; aber die Sachen stehen noch hier." Alle?" fragte Egon mißtrauisch. Nein, das Fräulein hat einen kleinen flachen Koffer mitgenommen. Sie werden wohl auf der Jsola Bella übernachten, und eine Dame braucht doch allerhand." Sie lachte abermals wie ein Kobold und begann die Weinflaschen wegzuräumen. Die Jsola Bella ist sehr schön," sagte sie dann, der Herr sollten das doch nicht versäumen." Geht noch i ein Schiff?" (Fortsetzung folgt.) . Nees Mort. Er st er Bankier (einem anderen telephonirend): Können Sie mir Mayer als Kassirer empfehlen?" Zweiter Bankier: Ja; ist kassenrein!" Sctrcrriitung. Alt: Jungfer: O. wie diese Männer zusammenhalten, das ist wirklich schrecklich! Vor zehn Jahren habe ich einem einen Korb gegeben und nun nimmt mich keiner!" gVudj oino Sosc!zättigng. Na, Herr Nudelmaier, was haben S' denn in der Sommerfrisch'n den ganzen Tag g'macht?" Gift' hab' i' mi' über's schlechte Bier!" A l s Verkehrs s i n n " wird jetzt vielfach jene gesteigerte Fein fühligkeit des gesammten Nerven systems gegen die Einzelheiten de5 großstädtischen Straßenleoens oezeich net. Jndianermädchen, welche die Regierungsschulen durchgemacht haben, werden in Wisconsin vielfach als Dienstmädchen angestellt und ihre Arbeitgeber sind mit ihnen sehr zufrieden.

fSlxS MM s&- .&Sfä V $ i jpo rfTijVJil'

Gute Aussichten. Die zweite Bank in Denver gc schloffen.'

Denver, 9. Aug. Die Western Bank öffnete heute nicht ihre Thore. Hy. M. Biemy, Hilfskasstrer der Bank ist zum Massenverwalter ernannt wor den. Bisher war W. G. Brown Prafl. dent und W. T. PerkinS Kassirer der Bank. MarcuS Braun ab. New I o r k, 9. Aug. MarcuS Braun, welcher mit den ungarischen Behörden in Konflikt gerieth. während er sich als Einwanderungsinspektor dort aufhielt und dann aus ElliS Island Verwendung fand, hat feine Reflgns tion eingereicht, weil er Uniform tragen sollte. GrundeigenthumS Uedertragungm. Andy Niebling an Wm. E. Euliß, Lot 33, Goodlet & Thornton's Haugh. ville Subd., 37 bei 153 Fuß, derbes, sert, Ostseite Sheffield Ave. nördlich von Calvelage Str. $1,025. William H. Moore an Frank W. Selman, Lot 33, Bruce's Add., 55 bei 182 Fuß, verbessert, südöstliche Ecke Broadway und 2i. Straße. 83,300. Frank W. Selman an William H. Moore, dasselbe Eigenthum. 53,300. John H. Hellekfon an George F. McCullach, Lot 23, Bruce Place Add., 65 bei 177 Fuß, verbessert, südwestliche Ecke von Park Ave. und 22. Straße. 820,000. Gilbert E. ifofcn an Sarah I. Ruark. Theil von Lot 45, Julian u. AZ Subd. in Jrvington, südliche Seite von University Ave., östlich von Ritter Ave. 1550. Chas. E. JoneS an Alice A. Moore, Lot 85,- West Pork Add.. westliche Seite von Holmes Str., nördlich von New York Str. 81600. Mary S. McAvoy an Margaret E. Stehlin, Lot 29, Sq. 5, Lincoln Park Add., östliche Seite von Alabama Str., südlich von 23. Str. $1200. Hug Kerr an John W. Hart, Theil von LotS 6, 7 und 8, Meyer & Metz. gerS Subd., westliche Seite von en wood Ave., südlich von 29. Straße. 82600. Rollin H, McCrea an Robert H. Shook, Lot 33, Murphy & Tinkerö Add., westliche Seite von Central Ave., südlich von 16. Str. 86000. August Elbrecht an Michael E. Bar. rett. Lot 143 West Park Add., östliche Seite lvon Holmeö Ave., südlich von OhioStr. 8500. LewiS I. Walter an William Scho. berth, Lots 2225, BajenZ South Brookfide Add., östliche Seite von Ru ral Str., südlich von 13. Straße. 82200. Felix T. McWhirter an Jennie D. Weather, Theil von Lot 125, Wood ruff Place, 50 bei 170. vacant, West feite des Eaft Drive, nahe Michigan Str. 81500. Elinor B. Ford an Benjamin D. Miner, Lot 4, Block 1, Nordyle u. A. Grandview Addition, 48 bei 170 Fuß, vacant, Ostseite der College Ave., nökd lich von 25. Str. 81900. Harry G. Coleman an Lena Holton, Lot 18, Dr. ttiftner'S Subd, Brook side Addition, 40 bei 126 Fuß, Verb., Nordostecke 12. Str. und Arsenal Ave. 82775. Alfred N. Bonham an L. L. Tee. guarden ?c.. LotS 4 und 5, Block 1, Myerö' University Place Addition, 80 bei 170 Fuß, verbessert. Ostselte von Emerson Ave., nördlich von Burgeß Avenue, 83000. George F. Wittmer an Catherine Bower, Lot 169, ClarkS 3. Add., West Indianapolis, westliche Seite von Virch Avenue, nördlich von Oliver Avenue. 8500. Bauerlaubnißschein e. Conrad Haerejh, Wohnhaus, MorriLStraße und Senatk'Avenue, veran schlagt aus 84200. Catherine Mc. Carty, Wohnhaus, Becker und Wash ington Str., 81600. A. B. Mc. Crea, Reparaturen und Stall, No.3215 Nord Pennsylvania Str., $1000. Lillian Shelby, Wohnhaus, Cornell.. nahe 23. Straße, 81750. O. F. Mann. Wohnhaus. New Vork-, nahe Liverflone Str., 81800. L.'vna Lenning, Wohnhaus, 3419 Salem Straße, 82000. Jra Scuder. Cot. tage, Ehester Ave., nahe Michigan Straße, 8600. R. Jorgenfon. Cot. tage, -Pennsylvania und Tabor Str., 81150.