Indiana Tribüne, Volume 28, Number 296, Indianapolis, Marion County, 5 August 1905 — Page 7
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Der KcmbraM ? Y Noan Y X Friedrich Jacob scn JL
(Fortsetzung.) 'JRit, gebadet hat sie nur wenig. Wir wunderten uns auch darüber." Was trieb sie denn den lieben lern gen Tag?Das weiß kein Mensch. Sie hatte die Thür immer verriegelt. Aber zweiode? dreimal war sie diüben im Schloß. Und dann reiste sie plötzlich ab." Felix hütete sich, mehr zu fragen, um keinen Verdacht zu erregen. Aber seine Seelenruhe blieb gestört. Die wiederholten Besuche im Schloß und das Einschließen waren jedenfalls höchst verdächtige Umstände; mit etwas Phantasie ließ sich die Sache allenfalls so erklären, daß Margot zunächst den Versuch gemacht hatte, auf dem Wege der Bestechung in den Besitz des Bildes zu gelangen. Als ihr das mißglückte, traf sie ihre Vorbeitungen zu einem Einbruch vielleicht durch Anfertigung falsche? Schlüssel und sonstiger Diebswerkzeuge, bis dann die Dazwischenkunft des Barons den Plan dereitelte. Diese Entdeckung war jedenfalls interessant. Der Rembrandt kam dadurch allerdings nicht wieder zum Zorschein, aber es stand wenigstens nun ziemlich fest, daß Margot sich thatsächlich an dem Einbruch in Wannsee betheiligt baben mußte. Es ist für einen jungen Mann immer ein sonderbar prickelndes Gefühl, in den Räumen zu wohnen, die zuvor von einem schönen weiblichen Wesen benutzt wurden, und die gewissermaßen noch die Spuren der zarten Voraänaerin traaen. Auch Felix konnte sich dieser Empfindung nicht ganz entziehen. Von den Spuren fand er freilich nichts mehr vor als ein paar Haarnadeln, die in der Schublade des Waschtisches lagen und die an jene Haarnadel erinnerten, welche auf dem Lukboden der Villa Geldern entdeckt woroen war; aueroem aver vernein? Felix an der weißgescheuerten Diele noch ein paar winzige Oelflecke, und er malte sich aus, daß Margot vermuthlich die von ihr angefertigten Nachschlüssel eingesalbt habe, um mit denselben geräuschlos Hantiren zu können. Als er aber endlich Abends seine müden Glieder in dem schmalen weißen Bett zur Ruhe ausstreckte, da dachte er mit gemischten Gefühlen an sein einsames Junggesellenlager in Berlin. Es ist mitunter gut, daß der Mensch nicht an Allwissenheit leidet. Egon stand mitten im schönsten Sonnenschein vor dem Kuppelbau des Bahnhofs in Luzern und betracktete das stille Wasser des Vierwaldstätter Sees; er sah sich den Rigi an und dachte, von da oben, wo man die HotelWürfel des Kulm deutlich liegen fah. müsse der See die Gestalt einer Spinne haben, die ihr Netz ausspannt, um die Menschenkinder anzulocken und niemals wieder loszulassen. Er fühlte, daß er selbst bereits in einem Netz zappelte, aber die Schönheit, auf txren Sparen er ging, gehörte nicht der unsterblichen Mutter Natur an, sondern einem sterblichen Weibe. Er war hierhergekommen, erstens, weil die Stadt der sieben Brücken auf feinem Wege nach Italien lag, zweitens, drittens und hundertstens aber deshalb, weil in dem grünen Fahrscheinheft einer jungen Dame Luzern als Ziel und Endpunkt verzeichnet stand. Egon rechnete. Gestern, gegen Mittag, war Margot in Gotha ausgestiegen, natürlich nur. - um sich vorläufig seiner Begleitung zu entziehen. Wahrscheinlich war ihr an Eisenach ebensowenig gelegen, und sie fuhr jetzt mit Volldampf ihrem Ziele entgegen. Sie konnte heute oder morgen eintreffen, natürlich nur mit einem der Schnellzüge, die von Basel herkamen, denn ihre Route hatte über dort gelautet. . Folglich mußte in den nächsten Ta gen der Bahnhof belagert werden. Wie man das am bequemsten macht, hatte Egon schon von seinem kriminalistischen Freunde gelernt; er begab sich in das dem Bahnhof gegenüberliegende Hotel St. Gotthardt und ließ sich ein Zimmer geben, dessen Fenster auf das Portal der Empfangshalle Hinausgingen. Ueörigens war es doch langweilig, dort den ganzen Tag wie in einer Loge zu sitzen, um den Aufaang des Vorhangs abzuwarten; nach Auskunft des Portiers kamen die Hauptzüge Abends um elf und Nachmittags um zwei Uhr, andere Gelegenheiten blieben ausgeschlossen. Egon bummelte also in die Stadt. denn es galt, sich die Zeit auf eigene Faust zu vertreiben, so gut das eben anging. Die Stadt bot des Interessanten ge nug, aber es war ziemlich langweilig. alle neuen Eindrücke mit sich selbst zu verarbeiten; viel netter Ware eö jedenfalls gewesen, Margo reizendem Plaudern dabei zu lauschen und ihr gelegentlich den-Arm zu drucken.
Mit der Naturschwärmerek ging eö
ähnlich. Egon fuhr mit der Drahtseilbahn nach dem Gütsch hinauf und träumte sich bei einem Schoppen Muskateller eine Bergbesteigung zusammen; in Leipzig und Berlin, diesen beiden Präsentirtellern Deutschlands, war er niemals so hoch gekommen, und drüben lockte der Pilatus, weiter hinten aber hob der Titlis sein schneegekrontes Haupt über das Engelberger Thal. Im Baedeker stand geschrieben, daß dieser Gletscher ganz leicht zu besteigen sei, die Tour wurde hausig von Damen unternommen. Und nun war Egon am Ausgang seiner Gedanken angelangt. Wie hübsch mußte sich Margot in einem feschen Bergkostüm ausnehmen: kurzes Nöckchen, natürlich nicht um die kleinen Füße zu zeigen, sondern wegen Schnee und Geröll, leichte Bluse, um die der Begleiter natürlich im Nothfall ein Plaid hüllen konnte und auf dem schwarzen Haar das kecke Lodenhütchen mit blauem Schleier! Egon trank in der Begeisterung noch drei Dezi, schickte an Doktor Uhl und an Felix eine Ansichtspostkarte und stieg wieder zu Thal. Er war hungrig geworden, aber nicht nach einer endlosen Schweizer Table d'hote, sondern nach Menschen, und wenn es der Hausknecht im St. Gotthardthotel hatte sein müssen. Es war nach der Hitze des TageS ein schwüler Abend geworden, und über dem langgestreckten Kamm des Rigi hng ein schwarzes Unwetter mit lichten zackigen Rändern. Die Thüren der Häuser standen offen und die Vewohner hockten auf den Steintreppen. Egon war im Umherschlendern allmälig aus dem vornehmen Uferviertel in den älteren Stdttheil gelangt. 5!n einer enaen Seitengasse fah er an einem alten schwarzen Hcmse rothes Laternenlicht; die Eingangsthür wurde durch einen schlecht schließenden Vorhang ersetzt, und zwischen den Schlitzen desselben sah man unmittelbar in das dürftig ausgestattete Innere einer Weinkneipe. Auf Holzbänken und an weißgescheuerten Holztischen saßen etwa ein halbes Dutzend Manne? in schlichter, aber anständiger Kleidung; sie hatten theils offene Flaschen mit leichtem röthlichen Landwein, theils aucü kleine Spitzgläser vor sich und redeten Icie miteinander. Etwas abseits saß em einzelner. Er trug karrirten Jackettanzug und hatte das kurzgeschorene graue Haupt mit einer ledernen Jockeimütze bedeckt; aus dem braunen hageren Gesicht ragte ein kurzer Meerschaumstummel in die Luft, dessen starker Inhalt bis auf die Straße hinausduftete. Er las in einem Journal. Egon blieb stehen und lugte hinein. Das sind Nihilisten." dachte er, natürlich, es kann gar nicht anders sein. Besonders der eine mit dem langn wirren Barte sieht aus wie ein richtiger Bombenschmeißer, und der da ubseits im karrirten Anzug ist ihr Anführer. Er hat sich, um weniger aufzufallen, als Engländer verkleidet, aber ein alter Preßmensch läßt sich nicht täuschen. Das gäbe für die Landeszeitung was zu artikeln!" Egon ging hinein, setzte sich dem Karrirten gegenüber, bestellte bei der sehr netten Kellnerin einen Schoppen und schielte zunächst auf die Zeitung, welche der Fremde noch immer vor das Gesicht hielt. Es war die Revue des deux Mondes," also ein ganz civilisiries Blatt.' Guten Abend," sagte Egon darauf etwas unsicher. Der Karrirte griff in die Tasche, brachte eine schwere gi,ldene Uhr zum Vorschein, warf einen Blies darauf und entgegnete: Wirklich, wir haben noch dreiviertel Minuten bis neun. Um neun hört bekanntlich der Abend auf." Und dann soll ich wohl lieber gleich .gute Nacht' sagen? fragte Egon la chelnd. Nein, mein Herr, ich habe noch nicht die Absicht, zu Bett zu gehen. Wenn wir plaudern wollen mir soll's recht sein." Er faltete das Blatt zusammen und legte es vor sich hin. Dieses Journal findet man hier selten." sagte Egon mit einer deutenden Handbeweaung, um doch irgendwie anzuknüpfen. Drüben in den Raudschlössern am Kai liegt es aus. aber hier natürlich nicht. Ich habe das Blatt aus Paris mitgebracht. Eine schöne Stadt." Hm kennen Sie Paris?" Natürlich," log Egon das heißt nur sehr oberflächlich. Kennen Sie die Akademie?" Mitglied bin ich gerade nicht, sagte Egon immer bescheidene?. Dann danken Sie Gott. Ich bin zufällig korrespondirendes Mitglied. Es sind große Esel darunter. Das hätte ich aber nicht gedacht. Ein so berühmtes Institut Jawohl," fuhr der Karrirte fort und schlug mit der Faust auf die unschuldige Revue. Da, lesen Sie nur diesen Artikel; er stammt aus der Jeder e:nes der vierzig Unsterblichen Egon raffte sein Gymnasialfranzö sisch zusammen und überflog den Artikel. Derselbe beschäftigte sich mit einem Baron v. Geldern und brachte dieses sehr geschätzte Mitglied mit einer Sandschrift des Firdusi in Verbindung. Das Nähere aber blieb dem Leser ve? borgen, denn die Buchstaben tanzten
ihm aus verschiedenen" Gründen 'vor den Augen.
Nun?" fragte der Fremde nach einer Weile, was sagen Sie dazu?" Unerhört!" stammelte Egon. Fast unglaublich übrigens habe ich wohl das Vergnügen, Herrn Baron v. Geldern persönlich vor mir zu sehen?" Der andere tippte nachlässig an seine ockeimütze und nickte. Wenn es hnen Ve?gnügen macht, wa?um nicht? Ihr Name?" Doktor Egon Westhof.Sie sahen einander prüfend in das Gesicht, dann streckte Egon seine FühlHörner vor. Ich habe also die Ehre. Mit dem glücklichen Eigenthümer des berühmten neuentdeckten- Rembrandt zu sprechen," sagte er vorsichtig. Die Wirkung dieser Worte war wunderbar. Der Baron fuhr wüthend empor, ballte die Zeitung zum Klumpen und schleuderte sie m die Ecke. Herr soll der Unsinn denn niemals ein Ende nehmen?! Erst kommt dieses Schundblatt, die Landzenung Oho!" warf Egon ein. Was ich aesaat habe, das ist meine Meinung! Erst hetzt mir die Presse das Publikum auf den Hals, dann werde ich von der Akademie als Barbar verschrieen, und nun setzen Sie den Trumpf auf und nennen mich einen .glücklichen Eigenthümer'! Ich wollte, der Henker hätte diesen sogenannten Rembrandt geholt!" Vielleicht hat er das bereits gethan," meinte Egon ironisch. Der Baron lachte ingrimmig. Kennen Sie meine Villa am Wannsee? In jeder Ecke des Gartens liegt ein Fuchseisen, und die Wege habe ich mit SeMschüssen gespickt. Wer etwas bei mir zu suchen hat, der thut gut. vorher sein Testament zu machen. Nein, Herr, wenn das Haus auch leer steht, so ist der Inhalt desselben doch gut aufgehoben, und ich hege keine Sorge, daß bei mir eingebrochen wird. Das wäre freilich ein gefundenes Fressen für die Sensationspresse, wenn sie ihen gähnenden Lesern eine GeschiHte vom gestohlenen Rembrandt auftischen könnte!" Auch gut," dachte Egon. Wenn Du mir so kommst, dann komme ich Dir auch so. Du scheinst von der uetten Affäre noch gar nichts zu wissen, und ich werde mich hüten, Dir den Star zu stechen." Laut entgegnete rr: Sie haben recht, Herr Baron, das Bild befindet sich in gutem Gewahrsam, und wir wollen nicht weiter davon reden. Gedenken Sie nochlange unterwegs zu sein?" Ruhe auf Grobheit wirkt wie Oel in aufgeregte Meereswogen. Der Baron wurde menschlicher. Das kommt darauf an, Herr Doktor. Sind Sie Philologe?" Hm ja; ein Stück davon." Tann werden Sie den Reiz kennen, der in der Jagd nach einer Handschrift liegt. . Die .Unsterblichen' in Paris wollen mir zwar die Freude vergällen, aber ich bin meinem Firdusi doch auf der Spur. Dieselbe führt mich zum Grafen Borromeo, aber zuvor will ich in der Venediktinerabtei von Engelberg einige Urkunden einsehen, welche mir von Nutzen sein können. Deshalb sin den Sie mich hier in Luzern. Haben Sie ebenfalls ein bestimmtes Ziel?" Ich bin auf der Suche nach einer seltenen Blume," entgegnete Egon und versenkte die Nasenspitze in das Glas. Also Naturforscher! Nun. jeder hat sein Steckenpferd. Vielleicht kreuzen sich noch unsere Wege." - Der Baron stand auf, tippte abermals an seine Mütze und verließ das Lokal wie einer, der nur quer über die Straße gekommen ist, um einen Stehschoppen zu trinken. Er hatte weder Stock noch Schirm bei sich, aber Egon hegte nach dieser Begegnung die Ueberzeugung. daß Geldern eines schönen Tages in derselben Ausrüstung am Nordpol auftauchen könnte, um eine Andree'sche Boje zu suchen. Egon folgte bald darauf. Er war nahe daran gewesen, die Geschichte von dem geraubten Rembrandt zu verrathen, und er machte sich im Stillen Vorwürfe über seine Heimlichkeit. aber das eine konnte nicht ohne das andere geschehen, und Egon wollte Margot nicht in diese dunkle Angelegenheit verwickeln. Wahrscheinlich kam sie bald nach Luzern, und der Zufall konnte sie mit dem Baron zusammenführen. Wenn Geldern aber wußte, welcher schmähliche Verdacht auf dem jungen Mädchen ruhte, dann nahm er vielleicht die Hilfe der Polizei in An spruch. und es konnten daraus die schlimmsten Verwicklungen entstehen. Egon fühlte, daß er auf Maraots Seite stand; er wehrte sich gegen die Stimme seiner Vernunft, und .in dieser zwiespaltigen Stimmung erreichte er sein Hotel gerade in dem Moment, als drüben auf dem Bahnhof das elck irische Glockenzeichen d?e Ankunft des Baseler Schnellzugs meldete. Auf seinem Zimmer legte er sich in oas offene Fenster und betrachtete aus merksam den von Bogenlampen erhell ten Platz, welcher sich zwischen dem Seeuser und der Empfanashalle aus dehnt.. Nach einer Weile traten die Reisenden unter das Portal und m streuten sich in den Hotelwagen in die Stadt. Zuletzt, als Egon schon alle Hoff nung aufgegeben hatte, kam richtig Margot zum Vo?schetn. Sie blieb hellbeleuchtet aus der Frei treppe des Bahnhofs stehen, wehrte einen zuWngli.chm DieMmann.ab. der
ihr das flache Kofferchen aus der Hand nehmen wollte, und ging dann mit ruhigen Schritten quer über den Platz nach dem Hotel, aus dessen zweitem Stock Egon gerade herabzustürzen drohte, weil er mit dem halben Körper in der Fensterbrüstung lag. Gesehen hatte sie ihn übrigens nicht, aber er selbst war seiner Sache um so gewisser, denn diese entzückende Gestalt, dieses einschmeichelnde Reisekleid, dieser üppige schwarze Haarknoten o, o! das alles konnte nur einer einzigen angehören!! Und dann vernahm er, in das Zimmer zurücktretend, nach einer Weile ihre Stimme auf dem Korridor. Es war geradezu himmlisch, wie sie zu dem Zimmerkellner sagte: Also Nummer 13. Kann ich unten noch etwas genießen? Der Kellner entgegnete: Gewiß. Madame, das Restaurant ist bis ein Uhr geöffnet." Nicht einmal niedergekniet war er bei diesen Worten, der Esel! Er lief
vielmehr mit dein gleichgiltigen Kellnertritt die Treppe hinunter, nachdem er nebenan das elektrische Licht angeknipst hatte. Denn Nummer 18 lag wirklich nebenan; das Glück mußte irrsinnig geworoen sein, weil es emen einzigen Menschen, und noch obendrein einen Journalisten, derart mit seines Gaben überschüttete. Egon war im Begriff, einen Jndianertanz aufzuführen, aber dann hielt er den Athem an und lauschte. Wenn Margot merkte, daß hinter der allerdings hermetisch verschlossenen Verbindungsthür ein Verrückter hauste. dann ließ sie sich möglicherweise em anderes Zimmer geben, und die Ruhe dieses flügellosen Engels sollte um keinen Preis der Welt gestört werden. Nebenan gingen leichte Schritte über den Teppich. Sie machten an der Verbindungsthür Halt, eine unsichtbare Hand untersuchte sorgfältig den Ver-. schluß. dann knisterte etwas, als wenn ein Kleidungsstück über die Klinke gehängt würde. O Margot," sagte Egon leise, glaubst Du wirklich, man könnte so indiskret sein, Dich zu belauschen?" Dann setzte er sich auf einen Stuhl, welcher zufällig in der Nähe der Thür stand, und versank in Andacht. Drüben knarrte der Deckel eines Kosfers, und dann wurde der Waschtisch mit Toilettengegenständen belegt. Zahnbürste, Nagelbürste, Seife ein Flacon, zwei Flacons, drei Flacons. Und das soll nun eine Verbrecherin sein!" dachte Egon. Seife ist der Gradmesser der Kultur, die Kultur ist ein Maßstab der Gesittung. O über die blinde Welt!" Dann wurde im Waschbecken geplätschert. Wie ein Kätzchen wusch sie sich, nicht schnaubend und prustend nach Art der Manner, sondern mn einem leise schnurrenden Wohlbehagen, welches durch die Thür zu Egon hinüberschwebte und ihm den Rücken entlang lief. Dann noch ein bischen Geraschel, und darauf .verließ sie das Zimmer. Man hörte aber kein Knipsen des Elekirischen und kein Verschließen der Thur; sie hatte alles hell und offen gelassen. Gleich darauf kam auch das Zimmermädchen.rumorte und entfernte sich wieder die Treppe hinunter. Der Korridor war still und leer. Und nun spürte Egsn einen fast unwlderstehllchen Drang. Wer so sorglos alles offen läßt, der gibt auch nicht acht auf den Verschluß seines Koffers. Es war ganz leicht, hinüberzuschlüpfen, zehn Sekunden Zeit, ein einziges Lüften des Kofferdeckels mußte die Gewißheit geben, daß kein Bild, kein Rembrandt zwischen Kleidern und Spitzen verborgen lag, daß die schlimme Welt wieder einmal das Strahlende schwärzte und die Unschuld mit Schmutz bewarf. Egon wollte nichts finden, sondern nur feststellen, daß nichts zu finden war. und er hegte zugleich den Wunsch, eine ganz leise Stimme seiner eigenen Vernunft auf immer zum Schweigen ivLjsximtn. (Fortsetzung folgt.) vttazt einen (5 ! e p y a nten. In Jena. Thüringen, neckte der Arbeiter Krause in der Trunkenheit einen Elephanten der Ehlbeck'schen Menaaene mit dem Messer. Das Thier warf ihn zu Boden und verletzte ihn innerlich, so schwer, daß de? Mann starb. Durck ??euer ermordet. Auf dem Bahnhofe in Kursk im russischen Gouvernement gleichen Namens befabl ein Offine?, der sich in einem eingetroffenen Züge befand, die Festnähme emes betrunkenen Soloaten. Als der Soldat darauf dem Offizier unverschämte Antworten gab, zog dieser den Säbel und stieß den Soldaten niede?. Die Volksmenge, die sich wahrend des Vorfalls angesammelt, stürzte ssck auf den Offnier. dem es gelang, in seinen Wagen zu flüchten. Dieser wurde mit Steinen bombardirt. wabrend der Oknuer mehrere Nevol verschüsse abgab. Nur mit großer Mühe gelang es, seine Familie aus dem Wagen zu retten; die Menge begoß den Wagen mit Petroleum und legte Feuer an; de? Offizie? kam dabei in den Flammen um. Der Gouverneu? und de? Kommandant de? Ga?nison eilten sofort herbei. Eine Dragonerschwadron zerstreute die Menge.
ZesalZrcn öcs ZZlitzes.
Verhaltungsmaßregeln und Schuhmaßnahmen bei Gewittern. Land und Stadt-Gute ElektrijitätSleiter. Unsichere nd sichere ufenthalSorte Un begründete Annahme und üble Gepflogen heit Behandlung vom Blitz Getroffener. Die Bewohner der Städte sind verhältnißmäßig weniger der Blitzgefahr ausgesetzt als die Landbewohner. Bei der Feldarbeit auf dem Lande bildet sehr häufig der Mensch auf weitem Umkreise den hervorragendsten Punkt. und es muß daher die bei der Landbevolkerung und dem Militär übliche Regel, sich bei schwerem Gewitter auf freiem Felde flach niederzulegen, als durchaus rationell bezeichnet werden. Wasserläufe, Seen bilden für den Blitz als gute Letter eine hohe Anziehungskraft; daher müssen Ruder- und Se gelboote und überhaupt Schiffe, welche mit Blitzableitern nicht versehen sind, als besonders gefäh?det bezeichnet we?den; dagegen bietet ein Eisenbahnzug eine ziemliche Sicherheit, da derselbe im Kontakt mit dem Schienenstrana einen vorzüglichen Leiter darstellt und in seiner schnellen Bewegung vom Blitz nur selten als Entladungspunkt gewählt wird. Dasselbe gilt noch in erhöhtem Maße von den in den großen Städten üblichen elektrischen Bahnen mit Oberleitung. Ein Blitzschlag in einen solchen Wagen kann höchstens die Dynamomaschine zum Stillstand bringen. wird aber niemals die Insassen gefährden. Eine bedeutende Quelle der Gefahren für Blitzverletzungen stellen die modernen Telephonanlagen dar, soweit dieselben Oberleitung benutzen. Es ist daher seit Langem die Besinnmung getroffen, während des Gewitters den Telephonbetrieb auszusetzen. Die Regeln, welche man nach den gemachten Erfahrungen geben kann, um die Blitzgefahr möglichst zu vermindern, sind etwa folgende: Man vermeide es, das fehlende Glied in einer unterbrochenen Kette guter Elektrizitätsleiter zu sein. d. h. man stelle sich nicht unter einen Kronleuchter, komme nicht mit irgend welchen größeren Metallmassen, Gas-, Wasserleitung. Metallbelägen von Spiegeln in Berührung, stelle sich nicht in die Nähe von Rauchfängen, da der Ruß ein guter Leiter ist. berühre keine Telephon- oder Klingelleitung. Herabströmendes Wasse? aus Dacht?aufen ist ein gute? Leite? und dahe? seine Nähe zu meiden. Das Zusammendrängen vieler Menschen in einen Raum muß als bedenklich bezeichnet werden, weil größere Menschenmassen einen guten Leiter und damit einen Anziehungspunkt für den Blitz darstellen. Die Annahme, daß Zugluft den Blitz anziehe, ist unbegründet und hat zu der üblen Gepflogenheit geführt, bei Gewittern die Fensie? zu schließen. Die einzige bestehende Gefahr ist di öaß es bei offenen Fenstern in's Zimmer regnet. Unter keinen Umständen suche man aber bei Gewittern Schutz unter einem Baume. 'Ebenso gefährlich sind Strohdiemen, da sie gewöhnlich die einzig hervorragenden Gegenstände auf dem abgeernteten Felde darstellen. Schnelle Bewegung vermehrt die Blitzgefah? nicht; man kann ruhig laufen, halte sich abe? von allen hohen Gegenständen, Häusern, Bäumen entfernt, d. h. man laufe in der Mitte eines WaldWeges, einer Chaussee oder einer Straße. Besonderer Erwähnung bedarf es noch bezüglich des Radfahrens. Trotz der durch die Gummireifen bewirkten Isolation sind die Gefahren für Radfahrer bei Gewittern nicht unerhebliche. Es erscheint durchaus rathsam, das Rad zu verlassen, dieses sowie sich selbst auf freiem Felde niederzulegen und zwar getrennt von einander. Baden und Schwimmen muß auf das dringendste während des Gewitte?s widerrathen werden, da selbst der hervorragende Kopf der Wasserfläche gegenllber die höchste Erhebung darstellt. Ist ein Mensch von einem Blitz getroffen, ohne getödtet zu sein, so haben sich die Rettungsmaßnahmen vor allen Dingen auf Erhaltung der meistens gefährdeten Athmung zu richten, entweder durch künstliche Athmung, AnWendung von Hautreizen, Anwendung von Sauerstoff. Behandlung der vorhandenen Lähmungen ist überflüssig und auch meistens aussichtslos, da dieselben, falls nicht der Tod eintritt, gänzlich zurückgehen. Besonders zu warnen ist vor dem Einflößen von Getränken oder Nahrung, ehe man sich nicht davon überzeugt hat, daß eine Schlundlähmung nicht vorliegt, da sonst sehr leicht tödtliche Schluckpneumonie (Lungenentzündung) eintreten kann. Man warte daher mit derartiaen Maßnahmen stets bis zur Ankunft oes auf jeden Fall zu berufenden Arztes. 7 Japanische Mildthä t i g k t i :. Bis Ende Mä?z d. I. sind in Japan an 20,000 Familien von Soldaten, die in dem gegenw'ä?tigen Kriege fielen, über 10,000.000 Den (55.000,000) an besonderen Unterstützungen gezahlt worden. Diese Unterstlltzungen stehen in kein Beziehung zur Pension und werden je nach dem Rang der Gefallenen als einmalige Abfindung gewährt. So erhält die Familie eines Obersten bei seinem Tode eine Summe von 4000 Z)en; beim Ableben eines Gemeinen werden den Hinterbliebenen im Mindestfalle 220 Yen ausgezahlt.
Die Verbreitung der Cholera.
Ser Ursprungöherd der Seuche im Jahr 1 nd ihr fortschreite. ' In der Pariser Medizinischen Akademie hielt der Generaldirektor deS französischen Sanitätswesens, ProfesorChantemesse unlängst übe? die wiedc? ü? Europa nahe Choleragefahr einen ortrag, der mit dem Nachwelse begann, daß die einander folgenden In- . Vasionen der Cholera von einer Gegend m die andere zu einer Gesammtbewegung gehören, die lange Monate andauert, und daß man sie nicht von einander trennen dürfe, ohne den Ueberblick zu verlieren. Die Cholera-Epldemie, die er zum Gegenstand seiner Beobachtungen gewählt hat, begann gegen Ende 1899 in Indien, wo sie besonders heftig in der Präsidentschaft Madras wüthete. Bald verließ indessen die Epidemie ihren Ursprungsherd und verbreitete sich von 1900 bis 1904 langsam, aber ununterbrochen nach zwei Richtungen, nach Osten auf China und Ostasien zu, und nach Westen auf Arabien und Europa los. Der Bort?agende verfolgte Schritt für Schritt dasBord?ingen de? K?ankheit bis zum Jahre 1904. Im Winterfroste erstarrte sie dann zunächst und nahm ihre Winterquartiere zu Anfang 1905 in Transkaspien (Merw). in Transkaukasien (Tiflis, Baku, Batum), in Anatolien (Man) und-an den Ufern der Wolga (Astrachan, Saralow und Samara). Chantemesse schloß daraus, daß Europa von einem Eindringen der Cholera auf verschiedenen Wegen, die schon früher von CholeraEpidemien durchzogen waren, bedroht werde. Diese Wege sind: 1. von der Wolga über Petersburg und die Ostseehäfen; 2. vom Schwarzen Meere über Odessa und Central-Europa; 3. vom Schwarzen Meere über die Donaumündungen, die Balkanfürstenthüme? und Mitteleuropa und 4. vom Schwarzen Meere über Konstantinopei, Süd- und Mitteleuropa. Der Gelehrte schloß seine Darlegung mit folgender Warnung: Welchen Weg auch die Epidemie einschlagen mag, der Feind ist jedenfalls nicht mehr weit von uns. Da ihm nur die klimatischen Zustände, gegen die wir nichts ausrichten können, bisher die Weiterverbreitunz unmöglich machten, so muß man jetzt, da diese sich mit dem Sommer geändert haben, befurchten, daß wir von der Ausbreztunc rt der Cholera mitbetroffen werden." 't Die schlagenden Wetter." Die mit Recht so gefürchteten schlagenden Wetter" in den Kohlengruben entstehen durch die Zersetzung der im Sumpfschlamm und zwischen den mineralischen Ablagerungen eingeschlossenen pflanzlichen Substanzen. die die Verkohlung zur Folge hat. Dieser Prozeß dauert auch noch heute fort. Ein Theil des Sauerstoffs verbindet sich mit dem Kohlenstoff zu Kohlensäure, während sich ein Theil des Kohlenstoffs mit Wasserstoff zu KohlenWasserstoffen vereinigt. Diese Kohlenwasserstoffe oder, wie sie der Berg mann nennt, das Grubengas, sind die Ursache der schlagenden Metter," die schon Tausenden von Bergleuten einen frühen Tod bereiteten. Nicht alle Kohlenflöze sind gleich stark mit Grubengas geschwängert, und nicht einmal alle Theile eines und desselben Flözes haben den gleichen Gehalt an diesem verderblichen Gas. Auch der Druck, mit dem das Gas aus dem Flöz heraustritt, wechselt. Ist der Barometerstand niedrig und der Luftdruck gering, so strömt das Grubengas in größeren Mengen aus. SanitatS.Mttchkühe. In Rheydt. Rheinprovinz, ist dieser Tage die zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit errichtete SanitätsMilchküche ihrer Bestimmung übergeben worden. Die zur Kinderernährung bestimmte Milch wird pasteurisirt und in verschlossenen Flaschen zu billigem Preise abgegeben. Damit die Milch auch in die Kreise kommt, für die sie hauptsächlich bestimmt ist, werden in allen Schulen sogenannte Milchbons für die Schulkinder ausgegeben; auch sonst ist der Vertrieb der Milch vortrefflich eingerichtet. Die Ansialt stellt unter andern Erzeugnissen auch eine Schokoladenmilch her, die von langer Haltbarkeit, wohlschmeckend und billig ist. Man hofft, daß diese Schokoladenmilch für die Arbeiterbevölkerung ein werthvolles Nahrungs- und Erfrischungsmittel werden wird. Offiziell geregeltes Taktgefühl. Die russischen Marinebehö?den haben den Ma?ineoffizieren, Marineärzten, Marinetechnikern und Marineingenieuren - verboten, Theater und andere Vergnügungslokale in Unifo?m zu besuchen, da die übe? die ?ussische Marine und übe? ganz Rußland he?eingeb?ochene schlimme -Zeit de?a?tige Besuche unpassend e?scheinen lasse." Das Ver--ot hat seine guten Gründe, denn die Marineoffiziere interessirten sich für das Schicksal ihrer nach Ostasien, ent sandten Kameraden so wenig, daß sie auch nach dem Eintreffen de? Hiobspost von der Seeschlacht in der Koreastraße in anstößige? Gesellschaft sich öffentlich sehen ließen. Das weltberühmte SalzBergwerk bei Wieliczka. Galizien, das eine ganze unterirdische Stadt darstellt, liegt in Fristen daZ heißt, es wird wegen Unsicherheit und Einsturzaekahr nicht mehr betrieben.
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