Indiana Tribüne, Volume 28, Number 295, Indianapolis, Marion County, 4 August 1905 — Page 6
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vv ft IV JkfÄf Jfc Jb i:'. '4 Sü fe c4 VA A4 4 Ze Saaltöchter" in der Genfer Pension hatten tttn das große Speisezimmer verlassen, um den nächsten Ganz aus der Küche zu holen. Lebhafte Unterhaltunz schwirrte zwischen den Tischgenossen hin und her. Also auf dem Pont de la Coulouvreniere," fährt einer der Herren in feinem Berichte fort, überhäufen sie sich mit Vorwürfen, gerathen sogar in so lautes Zanken, daß die Vorübergehenden stehen bleiben. Er schleudert ihr, ich weiß nicht, was für eine Schmähung in's Gesicht, und sie glaubt daraufhin nichts Besseres thun zu können, als in die Rhone zu springen, schwingt sich über das Geländer, bleibt aber an dessen Außenseite mit einer Hand in den Stäben hängen und schwebt so zwischen der Brücke und dem Flusse." Angenehme Situation!" Schämen Sie sich wie kann man so spotten!" Na und?" Hängt sie noch?" Sie lassen mich ja nicht fertig erzählen! Nein, sie hängt da nicht mehr, sie" Ist also in's Wasser gestürzt?" Nein sie sitzt im Cafe de la Courönne und trinkt Wermuth oder Absinth, denn sie " Lautes Gelächter. Teller- und Messerklirren. Sie versucht es nun wohl mit einer Alkoholdergiftung?" Na, wie ihr Begleiter sie arn Brückengeländer hängen sah sie schrie nicht schlecht, denn die Stellung mochte schmerzhaft genug sein greift er über das Gitter und zieht sie wieder auf die Brücke. Dann zärtliches Andiebrustsinken, Weinen, Schluchzen und Küssen und Arm in Arm geht's in's Kafe, wo ich das Pärchen vor zehn Minuten miteinander sitzen sah," schloß der Erzähler. Eine echt französische Aufführung!" brummt mein polnischer Nachbar. Was werden sich die beiden jetzt lieben! Glauben Sie nicht, Monsieur Mey ehr, daß so eine Szene die Leidenschaft auffrischen, die Liebe stärken muß?" wendet sich die mir schräg gegenüber sitzende Altistin der Genfer Oper an ihren rothblonden Nachbar. der ihr flüsternd und kichernd darauf antwortet. - - Aber Herr Plojoux was Sie auch immer wissen und erleben! In allen Taschen Neuigkeiten. Der reine ,moniteur de Geneve!' sagt Jemand. Seit ich hier esse, spare ich die Zeitung!" fügt ein anderer hinzu. Rechts von mir schneiden die bräsilianische Tochter und Mutter ihre Bratenstücke. Die Tochter ist gepudert, als wenn sie aus der Mühle vom Mahlen käme. Jetzt pudert sie auch das Fleisch, indem sie ein dickes Käsepulver aus einer Büchse in dichten Schichten darauf schüttet. Beide sind still, aber stark beschäftigt. Weiterhin sitzt in sich gekehrt ein älterer Man, wie ich hörte ein Deutschamerikaner. Neben ihm ein sehr vergnügt scheinender einarmiger Herr wohl ein Deutscher und an dessen Seite ein merkwürdiger Zufall eine ganz gekrümmte und verWachsens Frau, die halb gelähmt scheint. Sie vermochte sich nur mittelst Krücken und Stöcken fortzubewegen. Dann folgen zwei Russinnen, offenbar Studentinnen. An diese reihen sich Herr Meyer, ohne Zweifel ein näherer Bekannter der temperamentvollen Sängerin neben ihm, ferner der alte Herr, der eben erzählte. Namens Plojoiij. Ein blauschwarz gelockter junger Mann von vielleicht zwanziz Jahren, eine jüngere Frau, wenn mich nicht alles trügt Wittwe oder geschieden, welcher zur anderen Seite ein eleganter Italiener sitzt, der mehr in seine Nachbarin hineinspricht, als ißt, und an diesen schließen sich zwei Polen an, wie mir das Mädchen sagte, die Herren v. Pelikansky und v. Zinsky. Der letztere kaute traumverloren zu meiner Linken. Das ist die Tafelgesellschaft der Pension Beauregard. Ein wenig habe tch mich mit Hilfe von Jane, der jung sten unserer Saaltöchter, unauffällig zu unterrichten gewußt. Es wohnt Niemand weiter im Hause. Auf dem Zimmer speist nur der Herr Konsul, der Mann der alten Brasilianerin. welcher leidend ist. Gestern Abend in Genf angelangt. hatte ich eine anständige Reise hinter .mir. Ich war von Port Said aus. abgesehen von einem nur dreistündigen Aufenthalt in Rom, ohne Unterbrekbuna unterweas aewesen. Nachdem es mir geglückt war, in Kairo eine wichtige Mission zur Erledigung zu bringen. hatte mich vor zwei Tagen in .Brindisi eine Order meines Chefs erwartet, die mir befahl, mich so schleumgst wie möglich bei ihm zu melden Ich eilte daraufhin ohne Aufcnihal, nach Rom. Als ich dort das Kabinett Seine:
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&5 XX Aus deil (Erinnerungen eines italienischen lriminalbeamten JIS XX Von ZI. d'Erinito 5 x;j 3T M ' A 'A f$4 44 xceuenz retrat. fiel mir eine ungewohnliche Aufregung an ihm auf. Ich habe sichere Nachricht empfangen." redete er mich an, daß Serro in Europa, in Genf ist. Sie müssen auf der Stelle dahin. Er hält sich in der Pension Beauregard auf. Beobachten c?ie ibn. Lassen Sie ihn nicht aus den Augen. Sie wijlen, was auf dem Spiele steht. Reisen Sie sofort." Serro? Das Haupt der Terror!sten, der Propaganda der That?" Er selbst. Reisen Sie! Ich setze alles Vertrauen in Sie." Excellenz entließ mich mit dieser schmeichelhaften Versicherung. ' Ich konnte es nicht fassen, daß es sich wirklich um Serro. diese fast zur Mythe gewordene Persönlichkeit, handein könne. Bei den letzten großen Attentaten betheiligt entflohen gefangen dann wieder auf die räthselhafteste Art entflohen, hatte er in den letzten Jahren nur indirekt von sich hören lassen. Man vermuthete, daß er sich in Amerika aufhalte, man wußte a(er niemals bestimmt, wo. ' Er mußte bald hier, bald da sein, rastlos thätig; bei allen Anschlägen und Komplotten war er im Spiel, die treibende toast. Im Laufe der Zeit war er durch seine fabelhafte Kühnheit und Verschlagenheit, wie auch durch sein großartiges Organisationstalent, welches er entfaltete, fast zur legendären, aber ebenso auf das äußerste gefürchteten Personlichkcit geworden. Ich eilte in die Kanzlei, um Näheres zu erfahren und vor allem, um mir ein genaues Signalement zu verschaffen. Es ezistirte aber kein solches. Bei seiner damaligen Verhaftung war es ihm gelungen, zu entfliehen, bevor die anthropometrischen Feststellungen und die photographische Aufnahme erfolgen konnte. Was man von seinem Aeußern und seinem Wesen wußte, war unbestimmt und konnte von keinem eigentlichen Nutzen sein. Mittelgroß, mager, schmal gebaut,' blond, ungefähr fünfunddreiig bis vierzig Jahre alt. von fast nordischem Typus seine Mutier war eine Holländerin gewesen besonders in Sprachen gebildet, das war so ziemlich alles, was ich hatte in Erfahrung bringen können. Aus den Akten ersah ich noch, daß er verschiedene Male in contumaciam" zum Tode verurjreut .ftfiieeteai- . Nun war ich in Genf. Ich hatte bereits einige geheime Agenten, die wir daselbst unterhielten, beauftragt, mich über jeden Gast hier am Tisch und in der Pension so gut wie möglich zu unterrichten. Nach meinen scharfen, wenn auch unauffälligen Beobachtungen, die ich gestern Abend beim Diner und heute hatte anstellen können, vermochte ich noch keine einzige Person in Verdacht zu haben, mit Serro identisch zu sein. Wie ich vom Hausmeister erfahren hatte, war seit acht Tagen außer mir Niemand angekommen und seit drei Monaten Niemand abgereist. Es war Mitte März, die Gesellschaft war klein und bestand noch aus Wintcrgästen, die sich aus irgend welchem Grunde längere Zeit am Orte aufhielten. Auch über das Dienstpersonal hatte ich mich im Stillen unterrichten können. Der Portier war ein Familienvater aus Zürich, der Hausknecht ein junger Bursche aus Savoyen, die Köchin eine alte Marseilleserin, die Saaltöchter" junge Mädel aus den Kantonen Wallis und Bern. Auf unserem Konsulat war mir nicht der geringste Aufschluß zu Theil geworden. Man wußte in der Sache von fix nichts. Die Meldung, auf Grund welcher ich mich hier befand, mußte also auf einem nicht gewöhnlichen Wege" an meinen Chef gelangt sein. Ich konnte den Gedanken nicht verscheuchen, daß ein Irrthum vorliege, vielleicht betreffs des Ortes, des Hotels, der Pension. In meinem Vormittags abgesandten Telegramm nach Rom hatte ich dieser Vermuthung Ausdruck geben zu müssen geglaubt und dringend um nähere Angaben gebeten. Alles dies ging mir durch den Sinn und beschäftigte meinen Geist, während ich eine Orange schälte wir waren am Dessert angelangt und mit dem einarmigen Herrn ein gleichgiltiges Gespräch führte. Sie müssen sich an einen Regisseur wenden," belehrte er mich, wenn Sie sich hier eine Wohnung für den Som mer miethen wollen; diese Leute, VerWalter, Administratoren oder wie man sie nun nennen will, haben alle Vermiethungen in Händen. Die Besitzer selbst kümmern sich gar nicht darum." Wirklich? So, so . . warf ich dazwischen. Meine Augen schweiften gerade übe? die Tafelrunde. Ich konnte in mir die ununterbrochen quälende Frage: Wer könnte es sein? nicht zur Ruhe bringen. Mein Ohr hörte maschinenmäßig nur eben so viel, um das Gesprach aufrecht zu erhalten. Ich habe mir gestern zwischen la Belotte und Hermance eine kleine Villa
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angesehen, reizend am See gelegen, gut
möblirt, nicht theuer ich denke sie zu miethen. Vielleicht finden Sie etwas in der Nähe." Ich nickte. Monsieur Voll ehr ein Telegramm." sprach mich eine der Saaltöchter an und reichte mir über die Schulter das geschlossene Papier. Ich hatte mich als Deutschen aus-, gegeben und den Namen Böller" eingeschrieben. Ich spreche das Deutsche accentfrei, da ich in diesem Lande meine Erziehung genossen habe. Glelchgiltigkeü heuchelnd, schob ich das Telegramm, obne es au öffnen in die Brusttasche, indem ich laut sagte: Von meinem Bruder. Gluckwunsch 's ist heute mein Geburtstag." Gratulire. Noch hundert Jahre wie heute!" rief mein jovialer Ge sprächspartner und trank mir zu. Einige standen auf. Ich folgte ihrem Beispiel. Man verbeugte sich. Endlich war ich allem in meinem Zimmer. Ich riß das Telegramm auf und dechissrlrte es. Es lautete: S. bestimmt in Beauregard. Alles aufbieten, seiner habhaft zu werden!" Den nächsten Tag verbrachte ich mit Vorkehrungen und Erkundigungen aller Art. Ich bediente mich, so weit ich es nicht selbst konnte, meiner Geheimagcnten, um das Haus, die Ausund Eingehenden, das Leben und Treiben und den Umgang der Gäste beobachten zu lassen. Es wurde hierbei mit so viel Geschicklichkeit und Vorsicht zu Werke gegangen, daß nicht der geringste Argwohn erregt werden konnte. Viele Schwierigkeiten bereitete Mir indessen die Genfer Polizei. Zunächst bestritt man von dieser Seite auf das entschiedenste, daß Serro sich in Genf aufhalte; sodann galt aber Serro in den Augen der Genfer Kantonbehörden nur als politischer Verbrecher, dessen Verhaftung und Auslieferung für sie mehr als fraglich sein würde, jedenfalls aber nur durch Intervention der eidgenössischen Bundesbehörden in .Bern erreicht werden könnte. Da ich m fremdem Lande ohne die Mitwirkung der Landesobrigkeit keine Verhaftung vornehmen durfte, so war eine solche vorausgesetzt, daß man den Gesuchten überhaupt faßte, ganz in Frage gestellt. Ein glücklicher Umstand schien mir endlich zu Hilfe kommen zu wollen. Es. stellte sich beim Studium der Akten heraus, daß Serro vor einer Reihe von Jahren als lästiger Ausländer" aus dem Genfer Kanton ausgewiesen worden war. Tarauf konnte ich gegebenen Falls fußen. Die Polizei gab mir die Zusicherung. auf Grund des alten Auswelsungsbesehles Serro sofort verhaften zu wollen, sowie ich seine Person festgestellt haben würde. Wie sie es mit Ausgewiesenen stets zu halten pflege, würde sie ihn dann an die französische Grenze schaffen. Ihn von dort mit Hilfe der französischen Polizei nach Italien zu transportiren, war dann eine Kleinigkeit. . Die Berichte meiner Leute, meine eigenen Erkundigungen und das, was ich sonst sehen und hören konnte, vermochten jedoch nur immer mehr und mehr die Ansicht in mir zu befestigen, daß sämmtliche Bewohner der Pension harmlose Naturen seien. Einer unter ihnen aber mußte dennoch der Gesuchte sein! Ich kannte zu gut das Wesen meines Chefs, der, um eine Behauptung mit solcher Bestimmtheit aufzustellen, von ihrer Wahrheit zwingende Beweise in Händen haben mußte. Abends, während des Diners, suchte ich im Stillen eine Auswahl zu treffen zwischen denen, die vielleicht" und denen, die entschieden" nicht in Frage kommen konnten. Auszuscheiden waren ganz sicher zuerst die Damen. Wirklich so ohne Weiteres? Die Schlauheit und Verschlagenheit Serros hatte manchem Beamten schon die merkwürdigsten Possen gespielt. Hm! Da sind neben mir rechts die brasilianischen Tmen. Die Tochter höchstens zwanzig Jahre alt, die Mutter die Gattin des brasilianischen Konsuls, der krank auf seinem Zimmer liegt. Unmöglich streichen. Dann die interessante Madame de la Richardiere zwischen dem spanischenStudenten und dem italienischen Architekten, die vor lauter Scherzen und Lachen mit ihren Nachbarn kaum einen Bissen zum Munde führt? Lächerlich! Die beiden russischen Studentinnen dort 'an der Ecke? Es sind Mädchen aus guten Häusern; ihre Personalien sind mir durch die Gefälligkeit des russischen Konsulates bis in's kleinste bekannt -besser als sie dieselben vielleicht selbst kennen. Unschuldige Schwärmerinnen streichen! Missis Todd? Die Engländerin mit der Rückenverletzung, zusammengefallen wie ein halbgeöffnetes Taschenmesser, so daß sie mit dem Kinn fast auf die Tafel stößt, nur mit Hilfe von r i r t c r v . ., ' loaen muyiam aeyenoe Jiiot Tisch, im Salon, hatte sie mir ein Weilchen von ihrem Unglücks fall und , ihrem traurigen Schicksal erzählt. Sie scheint viel Seelenstärke zu haben und ein heitereö Gemüth. Aber eine Unglückliche, die unmöglich in Betracht kommen kann. Aus sicherer Quelle weiß ,ich auch, daß sie hier zum Besuch ihres Sohnes ist, eines jungen Zahnarztes, der, in der Schweiz erzogen, seit einigen Jahren in Genf praktizirt. und aanz in der Näbe wobnt. Sie maa
ewtze fünfzig Jayre alt sein tch mußte unwillkürlich lächeln über die mir im Innern gestellte Frage, wie ich sie da in ihrem schwarzen Spitzenhäubchen sitzen und mit ihren wohlgepflegten Händen sich ein Glas Ale einschenken sah, während sie sich im breitesten Slang mit ihrem Nachbar, dem einarmigen Herrn, unterhielt. Das letzte weibliche Wesen, welches unsere Tafelrunde zierte, war die dunkeläugige Mademoiselle Dupuis. ihres Zeichens dramatische Sängerin an der Genfer Oper, ihrem Aeußeren ihrem Benehmen und ihrer Sprache nach eine Südfranzösin reinsten Wassers. Daß Serro es fertig gebracht haben sollte ganz abgesehen von den anderen Umständen, die dagegen sprachen sich in eine von den genannten Damen zu verwandeln, das konnte selbst die kühnste Phantasie wohl nicht zu beHäupten fähig sein. , Fast die gleiche für mich so niederdrücken! Wahrnehmung bot die anwesende Herrenwelt. Ueber Herrn Plojoux, der stets Neuigkeiten auspackte und voller Späße und Schnurren saß, sich aber bedenklich jenem Stadium näherte, deren Träger man in Oesterreich Troddel" benennt, lauteten die erhaltenen Auskünfte dahin, daß er ein romanischer Schweizer sei. Junggesell und kleiner Rentner, welcher der Bequemlichkeit halber in Pensionen zu leben die Gewohnheit habe. Ter rechte Nachbar der Madame fc: la Richardiere. ein italienischer Architekt Namens Boretti. besaß seit langem ein nicht wegzudisputirendes Baubureau in der Stadt, war Genfer Bürger geworden und nahm seine Mahlzeiten in der Pension ein der angenehmen Gesellschaft wegen. Der Nachbar zur Linken war ein junger Spanier, der Jura studirte, kaum fünfundzwanzigjährig. Auf der spanischen Gesandtschaft in Bern übernahm man jede Garantie für ihn. Orest und PyladeZ. welche hier Pllikansky und Zinsky hießen, meine unzertrennlichen Nachbarn, der eine Maler, der andere Schöngeist und Dichter, waren, wie schon erwähnt, polnische Edelleute und unserem Konsul persönlich bekannt und an ihn empfohlen. Blieben übrig: der einarmige Herr Rolfs, in den vierzigen stehend, Herr Meyer und der Teutschamerikaner Hakes, ein schlanker, sich zwar korrekt benehmender, aber etwas finsterer, verschlössen Mann. Es war mir noch nicht gelungen, mich erschöpfend über diese drei zu unterrichten; ich erwartet: aber spezielle Auskünfte über sie. Herr Rolfs wollte im Burenkriege seinen Arm verloren und während desselben ein Kommando geführt haben. Er liebte es, von seinen Erlebnissen zu erzählen. Bestimmte Anhaltspunkte, daß einer von ihnen der Gesuchte sei, boten sich bisher nicht. Nichtsdestoweniger bildeten sie mein einziges vielleicht." Nach dem Diner sah ich im Rauchsalon einige Herren. Ich gesellte mich zu ihnen, streckte mich in einem Schaukelstuhl aus und rauchte meine Eigarette. Mit Herrn Meyer, der auf seine Dame wartete, kam ich in ein Gespräch. Er beabsichtigte in den Kursaal zu gehen, um ein wenig zu jeuen." Die petits chevaux" mit ihrem Marimum eines Satzes von fünf Franken bildeten ja ein unschuldiges Spiel. Er machte mir den Eindruck eines den Blasirten spielenden Lebemannes. Er sprach viel von den Laplatastaaten. wo sein Vater große Faktoreien besäße und, indem er seine herrlich polirten Fingernägel mit selbstzufriedenster Aufmerksamkeit musierte, versicherte er mir, daß er ein Musikenthusiast sei und zu seiner weiteren Ausbildung das bekannte Genfer Konservatorium besuche. Daß letzteres richtig war, wußte ich. Während unserer Unterhaltung trat ein mir fremder Herr in das Rauchzimmer. kam auf mich zu und begrüßte mich wie einen alten Bekannten, mich mit meinem Adoptivnamen anredend. Er habe zufällig erfahren, daß ich angekommen fei, wo ich wohne, und' da wolle er Ich unterbrach ihn. Ich hatte verstanden. Er mußte eine mir noch unbekannte Vertrauensperson des Konsulats sein, die mich, wie verabredet worden war, auf diese Weise aufsuchen sollte, wenn etwas äußerst Dringendes eingetreten oder in Erfahrung gebracht worden wäre. Um jedes Aufsehen zu vermeiden, plauderten wir noch einige Minuten. Dann gab der Besucher vor, mich sei ner Frau vorstellen zu wollen, die im Hotel auf uns warte. Ich folgte ihm. Wir sprangen in eine Droschke und fuhren zum Konsulat. Unterwegs sagte er mir, sein Chef wünsche mich sofort zu sprechen; es sei eine Nachricht von größter Wichtigkeit eingelaufen. Aus dem Konsulat übergab man mir eine lange Chiffredepesche aus Rom. Mit Hilfe des Schlüssels, den der Konsul besaß, war man eben fertig mit der Dechisfrirung. Sie ergab folgendes: Mein Chef theilte zunächst mit, weshalb er mit Bestimmtheit wisse, daß Serro sich in der Pension Beauregard aufhalten müsse. In Barcelona hatte vor Kurzem ein Vombenattentat stattgefunden. Der Attentäter, ein junger Mensch, hatte hierbei selbst tödtliche Wunden davongetragen. Kurz vor feinem Tode hatte er. von Reue ergriffen. eine Art Bekenntniß abgelegt. Verschiedenes wirres Zeug war über feine Lippen gekommen. Aus einzel-
nen Worten hatte man Zedoch ven Zufammenhang heraushören können, daß Serro der Anstifter sei und in Gens in der Pension Beauregard wohne. Zwei der zuverlässigsten Agenten der spanifchen Regierung waren zugegen gewefen. Sodann hieß es wörtlich in der Depesche: Um vielleicht noch irgend ein näheres Signalement ausfindig zu machen, hat man verschiedene Schritte auf telegraphischem Wege gethan. Durch die Aussagen eines weitläufigen Onkels Serros in Messina, von wo der Verfolgte gebürtig, ist es gelungen, seine frühere Bonne in einer Vorstadt ausfindig zu machen. Diese gibt an. daß Serro auf der oberen Seite des rechten Unterarms, nicht zu weit über dem Handgelenk, ein fast wie ein Centimestück großes, rundes, schwarzes Muttermal besitzt." Die Nacht brachte mir wenig Ruhe. Gedanken wälzten sich hin und her. Ich besaß nun einen vortrefflichen, untrüglichen Anhaltspunkt. Aber auf wen konnte der Verdacht mit nur einiger Berechtigung gelenkt werden? .Ich ging frühzeitig aus. Es war die Stunde, zu der ich mich mit einem meiner Agenten am Kai treffen sollte, um seinen Bericht entgegenzunehmen. Er theilte mir mit, daß unsere Berliner Botschaft auf telegraphische Anfrage geantwortet habe, daß Rolfs, der Exburenkommandant. echt" sei. Er habe früher in preußischen Diensten gestanden, habe thatsächlich in Transvaal gefochten, dort seinen Arm verloren und besitze gegenwärtig noch eine Wohnung in Bockenheim bei Frankfurt. Er befinde sich zur Erholung in der Schweiz. Ich möchte noch über Mister Hakes. der in Beauregard wohnt, eine Mittheilung machen," fuhr mein Begleiter fort. Der Amerikaner? Gut. Und was haben Sie mir über den zu sagen?" Ich sah ihn diese Nacht den Schlupfwinkel an der Route de Lancy verlassen. Sie müssen nämlich wissen, daß sich da ein heimlicher Verfammlungsort der Anarchisten befindet. Er ging Arm in Arm mit Sardagna, der " Mit Sardagna, dem bekannten Verschwörer?" unterbrach ich ihn erregt. Mit demselben. Und der schwarze Bottin. der, wie Ihnen wohl bekannt, seinerzeit aus Guiana entkam, folgte." Bottin und Sardagna leben hier?" .Jawohl." Sie stnd sicher, sich nicht getäuscht zu haben?" Ganz sicher. Nachdem ich Hakes am Ausgang der Pension Beauregard gesehen habe, würde ich ihn unter Tausenden wiedererkennen. Derartiges lernt sich in unserem Metier. Und bequem genug konnte ich die drei beobachten. Ich war auf meinem Beobachtungsposten im Keller des gegenüberliegenden Hauses, den ich gemiethet habe, um Gemüse aufzubewahren," fügte er lachend hinzu. Gingen Sie den Leuten nach?" Das wäre aufgefallen. Ich vermuthete aber, daß alle drei sich zu Bottin begeben würden, in dessen Wohnung sich häufig andere von ihren Genossen treffen. In eine Hausthür gelehnt, habe ich einige Stunden in der Nähe seiner Wohnung gelauert. Es hat sich gelohnt. Gegen vier Uhr Morgens trat Hakes allein auf die Straße und ging nach Beauregard zurück." Das waren allerdings Nachrichten von Bedeutung. Der Verdacht war nun in eine bestimmte Richtung gelenkt. Es bemächtigte sich meiner eine gewisse innere Spannung und Aufregung. wie. sie der Jäger empfindet auf dem Anstande, ehe er zum Schuß kommt. Nachdem ich meinem Gewährsmanne noch einige Verhaltungsmaßregeln gegeben hatte, eilte ich nach Beauregard zurück. In die Thür tretend, wollte es der Zufall, daß ich mit Hakes zusammentraf, der im Ausgehen begriffen war. Obgleich ich mit ihm nicht auf besonders bekanntschaftlichem Fuße stand, begrüßte ich ihn doch sehr artig. Ich reichte ihm die Hand. Das ist ja nichts Auffallendes für einen Amerikaner. Mein Auge streifte seine Hand, die einen Moment in der meinen ruhte. Er trug Handschuhe. Der Aermel fiel ziemlich tief herab. Er schien eilig zu sein und trat schnell aus die Straße. Am Portale mich umdrehend, überzeugte ich mich, daß mein geheimer Helfer an einem Schaufenster in der Nähe stand, von dessen Betrachtung er eben aufsah. Unsere Blicke begegneten sich. Ich konnte ruhig sein. Mister Hakes" würde bewacht werden (Schluß folg..)
Wunderbares Entkommen. In der Nähe von Braddock Heights. Frederick County, Md., hatte der Farmer George Summers von Mt. PhillippZ, welcher die Landstraße entlang fuhr, unter dem Vordache einer Scheune des Farmers Milton Whip Schutz vor einem Gewitter gesucht. Er stand mit einem Fuße auf der Radkappe und unterhielt sich mit Whip. Plötzlich kam ein Blitzstrahl, tödtete das Pferd, riß die Sohle vom Schuh des Farmerö und tödtete einen Ochsen und eine Kuh, welche unter dem Vordache ebenfalls Schutz gesucht hatten. Beide Farmer kamen unverset davon. Die Scheune gerieth nicht in Brand.
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Politische AlllündiMgen. John N. einlein. empfiehlt sich den Steuerzahlern und Stimm gebern der 6ten Ward als Kandidat für Otadtrath, unterworfen der demokratischen Nomina tionS t Konvention. John Heidenreich, ' -Der Jlorift", Ecke Applegate und Iowa Straße, empfiehlt sich den Stimmgebern der 13. Ward als andidat für Vtadtrath, Nnterworsm der Entscheidung der demokra tischen Nomwationö Convention. Michael Vinci, CommisflonS Händler, 122 Süd Delmvare Straße, empfiehlt sich den Stimmgedern der Uten Ward alZ OaAdidat für de Otadtrath für diese Ward. Unterworfen der Entscheid dung der demokratischen NominaüonZ.o tmlirf Vvn.Hr.
