Indiana Tribüne, Volume 28, Number 294, Indianapolis, Marion County, 3 August 1905 — Page 6
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Europäische Nachrichten Vädsn. Karlsruhe. Obermgenieur a. D. Karl Delisle, dem früheren langjährigen Mitglied des Bürgerausschusses, wurden anläßlich seiner qoU
denen Hochzeit die Glückwünsche der Stadtgemernde unter Uebersendung einer Blumenspende ausgesprochen. Altschweier. Am Bühl hat der Landwirth Huber in einem Wahnsmnsanfalle im Hofe seines AnwesenS
seme Frau und dann sich selbst erschossen. Huber war früher einmal in ei ner Irrenanstalt untergebracht. Vräunlingen. Hier starb, 63 Jahre ult, einer der angesehensten Männer unserer Gemeinde, Altbürgerrneister Roman Ketterer. Dreimal hatte ihn das Vertrauen seiner MitBürger an die Spitze dr Gemeinde berufen. A r u ch s a I. Oberleutnant Frhr. von Rheinbaben wurde auf einem Ritt nach Hambrücken im Walde vom Pferde abgeworfen. Sr erlitt einen Schä delbruch. Frhr. v. Nheinbaben gehörte 'dem hiesigen Dragoner Regiment No. 21 an. Heidelberg. Vor Kurzem hat sich der 51 Jahre alte Sattlermeister Ferdinand Eber in seiner Wohnung, Dreiko'nigsirae 18, erschossen. Der Grund zu dieser unseligen That dürfte in einem unheilbaren Leiden zu suchen sein. Seine Todesanzeige hat Eber schon vorher selbst geschrieben. Kehl. Im hiesigen Hafen wurde die Leiche des Pioniers Karp von Wiesbaden gelandet. Derselbe dürfte wegen einer zu erwartenden Strafe Selbstmord verübt haben. Mannheim. Der Vrennmeister ie! der deutschen Steinzeugwaaren Fabrik Friedrichsfeld. Georg Probst, feierte sein 25jährigeS Jubiläum. Von der Direktion wurden ihm ein ansehnliches Geldgeschenk sowie ein Diplom unter Glas und Rahmen überreicht. Die Kapelle der Fabikfeuerwehr beehrte den Jubilar mit einem Stand'chen. Oberentersbach. Die 13jährige Tochter des hiesigen Landwirths Stefan wurde ermordet abseits der Landstraße aufgefunden. Anscheinend liegt ein Lustmord vor. Rast. Kürzlich schlug der Blitz in das Anwesen des Landwirths Hahn tahier, wodurch die Gebaulichkeiten mit vielen Fahrnissen völlig zerstört worden sind. 20 Hühner und zwei Bienenvölker fielen außerdem dem Feuer zum Opfer. Der Schaden beträgt etwa 16.000 Mark. Tettenbron. Hier wurde die ledige Vertha Stolbert festgenommen. Sie ist beschuldigt und theilweise geständig, ihr Kind kurz nach der Geburt erdrosselt und im Walde begraben zu haben, wo die Leiche gefunden wurde. Wegen eines gleichen Vergehens hat die Rabenmutter'bereits Jahre ZuchtHaus verbüßt. W a l d k i r ch. Im Verlaufe eines Wortwechsels wurde der Erdarbeiter Treppo, ein Italiener, von seinem 'Landsmanne Muroni erstochen. Der Thäter wurde verhaftet. Mhernpfalz. Bad Dürkheim. Hier feierten Hofrath Dr. Kaufmann und dessen Gemahlin die goldene Hochzeit. Freinsheim. Im hiesigen Walde stürzte dem verheirateten Wagner Diehl beim Aufladen ein Baumstamm derart auf die Beine, daß eines derselben vollständig und daL andere theilweise -durchschlagen ist. Groß st einHausen. Kürzlich brannte hier das Wohnhaus nebst Scheuer und Stall des Oekonomen Alois Bold von hier nieder. Vor einiger Zeit wurde nunmehr Bold unter dem Verdachte der Brandstiftung von Ider Gendarmerie Hornbach festgenommen und nach Zweibrücken hinter Schloß und Riegel gebracht. .Heuchelheim. Dieser Tage feierten die Eheleute Georg Friedrich Schnabel und Elisabeth geb. Reißel im engsten Familienkriese das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubel'paar erfreut sich noch ziemlich großer Rüstigkeit. Kaiserslautern. Letztens wurde hier der Schuhmacher Geib von Katzweiler mittelst Messers und PrüSei schwer verletzt. Die Thäter, SteinHauer Franz Mages und Rudolf Faschon, gingen flüchtig, sind jedoch im Lothringischen von der deutschen Grenzpolizei verhaftet worden. P i r m a s e n s. Zu Tode gestürzt ist der verheirathete, 62 Jahre alte Ackerer Hch. Schäfer in der Dankelsbachstrahe in der Nahe des Hombrunnerhofes. Schäfer war in den Wald gefahren, um Holz zu holen, er stürzte dabei vom Wagen und verletzte sich so schwer, daß er bald darauf starb. Rockenhausen. Der 27jährige Ackerer Heinrich Bernhard vom Hinterstetnerhof endete sein Leben durch Erhangen. Was den in guten VerHältnissen lebenden braven Mann dazu bewegte, ist nicht bekannt. ErsaZ.Lsthringen. Stratzburg. An der hiesigen Universität hat sich Dr. A. de Quer, vain als Privatdozent für Wetterkun-ni-,rela!sen. Metz. Vor einiger Zeit erschoß sich de, Infanterist Weber von der 10. Conrpagnie deö 4. Jnfanterie-Regi. inentö, als er Posten auf der Weldeninsel stand. Der Grund ist unbeRH Eine kürzlich hr
gelandete Leiche wurde als die der 40
Jahre alten Ehefrau des Stationsver Walters Rudolf Charier aus Eiringen erkannt, welche im Zustande geistiger Umnachtung den Tod im Rheine ge sucht hat. S e n tz i ch. Ein grauenhafter Raubmord wurde an der 70jährigen Wittwe Spiedt durch ihren Neffen Johann Trapp verübt. Trapp schnitt semer Tante mit einem Kuchenmesser den Hals durch, warf die Leiche m et nen im Keller befindlichen Brunnen und nahm hierauf eine in der Spiedt schen Wohnung aufbewahrte Summe von 1000 Mark an sich. Als das Ver brechen entdeckt wurde, fprang der Morder m den Brunnen und versuchte den Deckel von innen zuzumachen. Er wurde zedoch entdeckt und gefangen ge nommen. Bei seiner Festnahme wur be ihm durch die Bewohner des Städtqens so uoel mitgespielt, daß er aus mehreren Wunden blutete. Das geraubte Geld wurde bei ihm vorgefun den. Fkreckkenvurg. Schwerin. Die Schuhmachermei ster Kipcke'schen Eheleute Hierselbst be gingen das Fest 'der goldenen Hochzeit. Bon dem Großyerzog amg Dem Juielpaar nebei einem huldvollen Glückwunschschreiben ein Geldgeschenk zu. Krakow. Sattlermeister Grunert Hierselbst feierte fein 50jähriges Bürgerjubiläum, zu dem ihm eine Deputation des Magistrats und -des Bürgerausschusses die Glückwünsche der Stadt überbrachten. R ö b e l. Dem Mädchen Elise Hackhusch, welche auf eine 50jährige Dienstzeit in der Kaufmann Niederhösser'schen Familie hierselbst zurückblickte, wurde vom Groherzog in Anerkennung der bewiesenen langjährigen Diensttreue das Doppelbildmß des großherzoglichen PaareS verliehen und durch den Magistrat überreicht. B i m f o w. Das Altentheiler Vielfche Ehepaar von hier feierte in großer Rüstigkeit das Fest der. goldenen Hochzeit. Der Großherzoa übersandte außer einem huldvollen Glückwunschschreiben eme Jubllaumsgabe von 50 Mark. Pastor Walter-Mestlin hielt eine Hauöandacht ab und überreichte eine Prachtbibel. Der Kriegerverein von Below und Techentin überreichte seinem alten Mitgliede eine Ehrengabe. Hkdenburg. Oldenburq. Der beim Kammerberrenamt angestellte Epedient H. Hoppe ist als Nachfolger des verstordenen Hoffouriers Schwarting zum Hilfsfourier ernannt worden. Altenaro den. Das Fe t ver Silberhochzeit feierten hier die Eheleute Bargen. Baraborn. Letztens drannte das dem Landmann I. Unger gehörige Wohnhaus nieder. Von dem Eingut konnte fast nichts gerettet werben, oa das ??euer Znfolae des heftigen nordöstlichen Windes mit rasender Schnelligkeit um sich griff. ?k e v e r. Dem Ehepaar Garllchs ist vom Grokberoa die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. Die Ueberreichung der Medaille geschah am age ihrer goldenen Hochzeit, durch Bürgermeister Dr. Büsing. Freie Stüdte. a m 6 u r a. Letztens beging der ehemalige Silberarbeiter, jetzt Wachter bei der hiesigen Freihafen - Lagerhaus - Gesellschaft W. Boß, sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum. Der Jubilar steht im 79. Lebensiayre uno versieht seinen anstrengenden Dienst Dienst noch mit großer Sorgfalt und Rüstigkeit. Der Kohlenarbeiter Fritz 'Braunschweig stürzte vom Deck des Kohlenleichters. -Rord-West" m den Raum. Er erlitt vaDuraz iqroeic Nerlekunaen. an denen er aus dem Wege nach dem Hasenkrankenhaus verstarb. Ein cdeulenoer ungiuasiau ereignete sich auf dem Rangirbahnhzfe Langenfelde. Der im 50. Lebensjahre siebende Arbeiter I. G. H. Schlaoe: von hier, Methfesselstraße 7, hatte zwei Wagen zusammengekuppelt und trat darauf auS diesen heraus aus ein w bengeleis. Hier wurde er jedoch von einem ebenfalls rangirenden Wagen ,rfslfct und überfahren, wobei ihm em Oberschenkel abgequetscht wurde. Der ' ' c r j i . Schwerverletzte wuroe igicxa? m a Altonaer Krankenhaus transportirt. aab aber schon bald nach seiner EmV. . yrt n C stf.. C lieferung den ieiii aus. -au, T,nintHfttsle Tbätiakeit m der befnnnttn Tuckbandluna Wilhelm Welzin konnte Wilhelm Krüger zurückblicken. Der conieur äisenui um Elktrizitätswerk in Schiffbek. der an ttntr Leitung ZU arbeiten hatte, that einen Fehltritt und stürzte von der Leiter auf die Straße, wobei er emen doppelten Schädelbruch erlitt. Auf dem Transport m das Kranlenyaus erlag er seinen Verletzungen. Bremen. Das Spezialgeschaft für Butter von Theodor Ocken, Albrechtstraße 35, konnte auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma zählt zu den ersten, dieser Branche in Norddeutschland. Ertrunken ist in der Weser gegenüber dem Cafe Vellevue der etwa 45 Jabre ' zählende Sandschiffer Nust. Er und ein anderer Sandschifser hatten ihr Boot an einen Dampfer aebanat. um schneller nach Hause zu kommen. Als Ruft das beide Fahrzeuge verbindende Tau losmachen wollte, fiel er uoer Bord und kam nicht wieder zum Vorschein. Ruft hinterläßt eine Frau und eine erwachsene Tochter. '
Die erste palleniin. Von R. Attheim. Den ersten Meilenstein hatte er überschritten, konnte zurückblicken auf die Universitätszeit, auf die erfolgreich abgelegten Examina und auf die kurze Probezeit in der Charitö, die ihm die Anerkennung seiner Vorgesetzten eingetragen hatte. Nun zierte bereits seit achtzehn Monaten ein Firmenschild sein Wohnhaus, auf dem zu lesen war, daß Doktor Joseph Walter, Augenarzt, von 912 und von 36 in seinem Ordinationszimmer bereit sei, der leidenden Menschheit zu dienen. Achtzehn Monate waren bis nun verstrichen, und noch immer wollte sich der
erste Patient nicht blicken lassen. Er war ein Augenarzt, den die blinde Öffentlichkeit fortgesetzt übersah, und es war erstaunlich, wie woyl ote teilte ihre Schmerzen ertrugen, ohne seine Diensie in Anspruch zu nehmen. Walter stützte seinen Arm auf den Schreibtisch und begann nachzudenken. Ein Mann mit seinem Wissen müßte wohl in einer kleinen Stadt prosperiren. Er hatte bereits eine solche in Aussicht. Sein Universitätslehrer hatte ihn dem einzigen Augenspezialisten daselbst empfohlen, einem alten Herrn, der bereit war, sich zurückzuziehen, so bald er einen entsprechenden Nachfolger gefunden haben würde. Es erfüllte ihn mit einem Gefühle des Stolzes, daß sein Lehrer sich seiner erinnert und gerade ihn vorgeschlagen hatte. Und er sagte sich, daß er eine Chance wie diese nicht vorübergehen lassen dürfte. Solch eine Gelegenheit bot sich vielleicht nicht zum zweitenmal. Und er war entschlössen, zuzugreifen. Mitbestimmend für feinen Entschluß war nicht zuletzt ein Gefühl der Angst vor dem Kampfe, der seiner in der Großstadt wartete. Hier mußte man aus einem anderen Holz geschnitten sein, um gehört und gesehen zu werden. Er aber war kampfesmüde. Die achtzehnmonatige Wartezeit hatte ihn mürbe gemacht. Walter pflegte seine freie Zeit und er hatte ausschließlich viel freie Zeit im Ordinationszimmer damit zuzubnngen, sich weiter zu bilden oder an seinem großen Werk zu schreiben. Ich schreibe es jetzt sagte er zu Freunden, die ihn damit aufzogen, denn wenn ich einmal berühmt sein werde, durste lch keine Zelt mehr sinden, meine Gedanken und das Resultat meiner Forschungen niederzuleaen. Aber ich gedenke, meine Werke nicht eher zu veröffentlichen, bevor ich mir einen Namen geschaffen habe." Einwendungen seiner Freunde, es wäre ja möglich, daß seine Ansichten viel änderten oder neue Methoden in Anwendung kämen. Pflegte er damit zu begegnen, er könne ja ein Kapitel zufügen oder hier und da einmal eine Fußnote anbringen. Es war lange nach Mitternacht. Die Weckuhr auf seinem Schreibtisch tickte monoton. Im Zimmer herrschte tiefe, durch nichts unterbrochene Stille. Nur der Regen klatschte eintönig aeaen die Fensterscheiben. Er nahm seine Krawatte ab und legte Kragen und Manschetten auf den Toilettentisch. Alle Hoffnung auf eine bessere Zukunft hier in der Großstadt hatte ihn in dieser Nacht verlassen. Die Prophezeiungen seines Lehrers, er würde sicher eine Leuchte feiner Wissenschaft werden. waren durch die Ereignisse Lugen gestraft worden. Vergebens hatte er qearbeitet und gearbeitet, alles war fehlgeschlagen und nun hatte er seit achtzehn Monaten nichts anderes gethan, als gewartet, daß es besser kommen würde, und oft war er, wie auch heute wieder, hungrig zu Bett gegangen. Seine durchlöcherten Schuhe, deren Bänder er jetzt langsam aufschnürte, brachten in ihm den Entschluß zur Reife, sich in die Kleinstadt zurückzuziehen und dort den alten Augenarzt zu vertreten. Die Hoffnungen auf eine glänzende Zukunft, die er so lange genährt, hatte er begraben. Was sollte er aich noch in Berlin? Konnte er ja mit seinem altersschwachen Bratenrock und mit diesen Schuhen, die seine ganze Garderobe ausmachten, einen zahlenden Patienten überhaupt nicht mehr besuchen; es wäre denn in finsterer Nacht, die auch seine Toilettenschäden gnädig verhüllte. lir leuszte schwer aus und blätterte bedächtig in dem vor ihm liegenden Buche. Schwere Sorgenfalten erschienen ,,r f.:.... t-t m . l. uu iciuct yuycu Veline, 'jcit lvlro er Gelegenheit haben, mit seinem Werke hervorzutreten, ewig wird er in der Dunkelheit bleiben müssen. In blinder Wuth gegen das Schicksal schlug er mächtig auf die Schreibtischplatte, daß es laut durch das kleine Zimmerchen oroynle, oann itc& er den Kops sinken und starrte wie geistesabwesend auf das vor ihm liegende Manuskript. Plötzlich hörte er, wie jemand in großer Eile die Stufen hinaufrannte und hastig an seine Thür klopfte. Sollte ihm das gelten, dem Arzt? Da klopfte es wieder und weit heftiger als zuvor. Er öffnete, vor ihm stand ein junges Mädchen ohne Kopfbedeckung. Als es seiner ansichtig wurde, fragte es hastig: .Doktor Walter?" Ja, der bin ich." Wir wohnen Ihnen gegenüber, meine Mutter hat einen Herzanfall. Ware es Ihnen möglich, sofort zu uns zu kommen?" - Sprudelnd schnell jagte sie diese Worte hervor. Verzeihen Sie einen Augenblick," sagte der Arzt und schloß die Thür. Er schlüpfte rasch in seinen Rock und seine Schuhe, steckte Wiederbelebungsmittel zu sich und, in der nächsten Minute stand er dem jüngen Mädchen gegenüber. Ich bin
yeuie mlk culier zusamg auem, uner Dienstmädchen ist ausgegangen und so war ich genöthigt, selbst zu Ihnen zu
kommen." Nach wenigen Augenblicken standen beide im Krankenzimmer. Walter bemühte sich um die Leidende. Das Zunae Mädcken unterstützte ihn dabei mit der Umsicht und Sorgfalt ei ner geübten Krankenpflegerin. Nach langem Mühen hatte die Kranke das Bewußtsein wiedererlangt. Im Zim wer herrschte lautlose Stille. Die qualvolle Angst, die in der. Luft gele gen, als er gekommen, da ein menschli ches Leben mit dem Tode gerungen hatte, war gewichen. Frkedli ch schlum merte die Kranke und tiefer Frieden war auch in die Seele des jungen Arz tes eingezogen. Walter war an das Fenster getreten und blickte hinaus in mt Nacht. Dann wandte er sich zu dem zungen Madchen, das in emem Lehn stuhl Platz genommen hatte und unverwandt mit Zeichen innigster Sorge aus f -f- f fc. . rf. rr mt IllMinmeinoe nranre rniatc. irs ist nicht zu befürchten, daß ein neuer Anfall kommt," sagte der Arzt leise und legte eine kleine Phiole auf den Tisch, dann gab er dem Mädchen noch einige Verhaltungsmaßregeln und schickte sich an, das Haus zu verlassen. (bie sey ihn bestürzt an. Sie wollen doch nicht schon gehen?" Er zögerte. Wenn es Sie beruhigt, so mtfc ich gern. Ich wäre Ihnen sehr dankbar," erwiderte die junge Dame. Er hatte vergessen, daß sie allein mit der Kranken war und er fühlte inniges Mitleid mit ihr. Jetzt erst hatte er Zeit, sie genauer anzusehen. Keine sieghafte Schönheit war es, die vor ihm saß, aber unleugbar lieblich war das feingeschnittene schmale Gesichtchen, dem verängstigte g?gue Augen einen fesselnden Zug verliehen. Da er Miene gemacht zu bleiben, lächelte sie ein wenig und dieses Lächeln kleidete sie unendlich gut. Sie führte ihn in ein Nebenzimmer und er nahm auf einem Fauteuil Platz, das so gestellt war, das er das Krankenzimmer überblicken konnte. Das Mädchen setzte sich ihm gegenüber. Mein Vater ist auf einer Geschäftsreise," sagte sie mit halblauter Stimme, er wird Ihnen ewig dankbar sein für das, was Sie heute Nacht an Mama gethan haben." Walter webrte bescheiden ab. Ich schätze mich glücklich, daß es in meiner Macht stand, Ihnen zu dienen." Die arme Mama," fuhr das Mädchen fort, ist schon seit Jahren krank. DaS Herz will nicht recht gehorchen. Ich könnte schon das Pflegerinnenexamen machen, vielleicht sogar mit AusZeichnung." Sie sind in der That eine tüchtige Pflegerin," sagte Walter einfach. Würden Sie glauben, daß eS mir immer vorgeschwebt hat, daß ich Sie eines Nachts holen würde? Dieses Gefühl hatte ich seit dem Tage, da ich zum erstenmal Ihre Firma erblickt habe. Mein Vater und ich waren glücklich, als wir sahen, daß gegenüber ein Arzt sein Lager aufschlug. Wir fragten Dr: Ketschenbauer unseren Hausarzt nach Ihnen. Er wußte nur, daß Sie Augenarzt und seinerzeit Assistent des Professors Knopp gewefen sind." Dr. Ketschenbauer' ist Herzspezialist. Ich wundere mich aufrichtig, daß er von meiner Existenz wußte." Er wußte nichts von Ihnen," entgegnete sie lächelnd, bevor wir ihn baten, sich nach Ihnen zu erkundigen. Wie schön, erhaben schön denke ich mir Ihren Beruf. Wie muß es Sie glücklich machen. Leidenden zu helfen, dem Tode Opfer entreißen zu können, wie heute." Ja ja," fagte er langsam, und doch, bevor Sie heute Nacht kamen, war ich so entmuthigt, daß einem der ganze Kampf ums Dasein nicht werth erschien. Berlin hat so viele Aerzte und so viele arme Teufel, die gleich mir warten und warten worauf?!" Seine Stimme klang sehr gedrückt. Das ist in jedem Berufe so ... ." Es entstand eine lange Pause, während welcher sie ihn ängstlich beobachtete. Sie wollen doch den Kampf nicht aufgeben?" Nem antwortete er fest. In diesem Augenblick hörten sie Schritte im Korridor. Das Dienstmädchen war nach Hause gekommen. Walter erhob sich, um zu gehen. Seine Anwesenheit war überflüssig geworden. Ich kann Ihnen nicht genug danken für das, was Sie heute Nacht für mich gethan." Ihre Stimme zitterte. Sie nahm feine Hand ohne Scheu und drückte sie warm. Ich bin I h r Schuldner," antwortete er ernst, ihre Hand festhaltend. Sie haben mir meinen Muth zurückgegeben, mich gestählt zu neuem Kampfe." Meine ehemalige Erzieherin leide! an einer Augenkrankheit," sagte sie erröthend, ich werde sie Ihnen morgen Mittag bringen." Sie Sie selbst?" fragte er hastig. Sie nickte. Dann gingen sie beidt an das Krankenlager und wenige Minuten spät stand Walter draußen auf der Straße. 6s regnete noch immer. In gehobener Stimmung betrat er sein kleines Zimwer. Beim Anblick feines Vucheö glitt ein neuer Hoffnungsstrahl über fein bleiches Gesicht. Jedoch seine Gedanken kehrten immer wieder zu dem jungen Mädchen zurück. ES waren süße Traume, in die er sich jetzt versenkte. Zufäl
lig fiel sein Blick auf den Toiletten
tisch. Da lag sein Kragen und seine rawatte friedlich nebeneinander. Er wurde roth vor Aerger und Scham. Er war mit zerrissenen Schuhen, ohne Kragen und Krawatte zu einem zahlenden" Patienten gegangen! Welchen Eindruck konnte so ein Arzt machen? 'ervos durchschritt er das k e ne Ge mach, sich und sein Geschick verwllnseyend. Und morgen sollte er sie wiedersehen! Indes saß das junge Mädchen nachdenklich am Bette der kranken Mutter. Ich glaube, ich habe einen bedeutenden Mann kennen gelernt, von dem die Welt noch nichts weiß," dachte sie bei sich und rief sich sein geistvolles bleiche Gesicht ins Gedächtniß zurück. Sie dachte an seine Fähigkeiten als Arzt und n seine defekte Kleidung. Da wurde ihr weh ums Herz, und ehe sie licy'Z versay, rollten vme Tyranen oes Mitleids über ihr schönes Gesicht. Einige Jahre später erregte Walters Werk großes Aufsehen in der medizi-nisch-wissenschaftlichen Welt. Er war für Laien und College ein berühmter Mann geworden. Genau drei Jahre vorher hatte er sich mit dem jungen Mädchen, daS des Nachts an feine Thür geklopft hatte, der Tochter seines ersten Patienten, vermählt. - Milch und Wasser. Folgenden köstlichen Aufsatz eineS kleinen Schulmädchens über einen Vergleich von Wasser mit Milch veröffentlicht ein Berliner Blatt: Milch ist Weis. Wasser ist Klar. Milch braucht man in Thee und in Kaffee, Wasser um diese Getränke zu Ferfertigen. Milch trinken Katzen, Wasser Hunde. Milch braucht man in der Küche, Wasser auch, aber Milch ist sehr nützlich weil sie giebt sänne und von der sänne macht man Schlachsänne, aber Wasser ist auch fast zu allem guht, es ist auch Wasser im Mehr, auch im Badt. Milch ist für kleine Kinder guht. wenn Jemand Krank ist, ist die Milch sehr guht, besonders wenn man Melspeisen gegesen hat und es war Grünspan dran. Dann ist Milch sehr guht für Blutharme, ist fehr gut die Milch Jennigen die es gerne trinken für meinen Bruder Heinz ist sie sehr gut man kann beides Warm und kalt trinken, man wescht sich mit Wasser, mit Milch nicht, mit Wasser spinnt man, mit Milch nicht, wir trinken auch Wasser. Es ist beides flüsich, es ist aber beides ein sehr großer unterschied, warum habe ich mit den Worten angefangen, das die Milch weis ist und das das Wasser Klar ist, mit Wasser wird die Wäsche eingesprenkt, mit Milch nicht, milch sid der roen sterke endlich (d. i. ähnlich) wenn die Milch kalt ist, wen es warme Milch ist, dann sidt der gekocheten Endlich, Milch ist sehr guht zu magenkrepse auch zu butterbrot guht, man nimmt Wasser zu Brausen und zu Brausepulfer und zu ZuckerWasser sehr guht. Milch mit sodaWasser sehr guht. Jetzt muß ich schließen weil das Buch fertig ist Wasser ist auch guht für die Haare. Ein englischer Erlkönig. In einem süddeutschen MädchenPensionat erhielten die jungen Damen die Aufgabe, GoetheS Erlkönig" in Prosa nachzuerzählen. Unter den Pensionärinnen befindet sich auch eine Engländerin, die bei dieser Gelegenheit folgenden Aufsatz lieferte: Es war spät und ein Reiter trodete den Heulenden Wind hindurch. Fest gepresset hatte er ein Junges, sein Kind. Mein Sohn," der Vater sagte, warum hast du ein so furchtbares Gesicht? Bist du nicht gut und bequem?" O mein Vater," der Knabe sprach, sehe das lange grausame Schwanz von dem Erlkönig dort." Ach, ach, mein Junges, das ist nur eine Mist!" Und leise sagte dasDing mit dem Schwanzlein: Komm mit mich liebes Junges, wir wollen em großes Spatz haben mit Blume und Spiele." Und wieder ruft der Knabe: O o, Vater, der Erlkönig immer säuselt leise." Dummheiten, Dinge," sagte der Vater da ist em weniges von Wind m den Blattern." Und der Erlkönig säuselte: Du bist ein feines Junges, komm, meine Kinder fallen auf dich warten und' dich hineientanzen, wiegen und singen, und wenn du nicht kommst, so brauche dich gewaltig." Ach, mein Vaters" schreite der Knabe, da sind nach manche Erttmder, halte mich fast!" Und wieder schreite er: O, o. o mein Vater, die schwanzliche Dinge haben mir leid gethan." Der Vater dann rittete immer faster und reichte das Hof mit großes Elend. Da war kein mehr Gefauselte, aber das Junge hatte schon getödtet sein und log geborsen in seine Arme." r m m. Sichere Probe. A.: Wenn ich nur erfahren könnte, ob mich meine angebetete Laura wirklich nebt? B.: Das ist ganz einfach. Setze Dich beim nächsten Ball unter den großen Spiegel und paß genau auf: Wenn Deine Angebetete zuerst Dich ansieht und dann erst in den Spiegel schaut, dann hat sie Dich sicher lieb!" Ärvettöprogramm. Dame (ein Gefängniß besuchend): Haben Sie-denn schon einige Pläne, wenn Ihre Strafzeit vorbei ist?Sträfling: Ach ja, ein paar. 3 habe den Plan von zwei Postgebäude
und von vier Brivatwodnunaen.
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