Indiana Tribüne, Volume 28, Number 293, Indianapolis, Marion County, 2 August 1905 — Page 6

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Europäische Nachrichten KesseN'Farrnltadt. Darmsiadt. Ein seltenes Jubiläum stierte Friedrich Bloßer, der vor 60 Jahren in den Dienst der L. C. Wittich'schen Hofbuchdruckerei getreten und seitdem ununterbrochen in dieser thätig gewesen ist. Der Großherzog verlieh dem Jubilar sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift, auch die Firmeninhaber ohrten ihren Magazinier in besonderer Mise. B e n s h t i in. Eine seltene Trinnerungsfeier bringen die HerrenPfarrer Spreng zu Weiskirchen im Rodgau, Senatspräsident Grohherzogl. Oberlandesgerichtsrath Schäfer zu Darmstadt und Justizrath LandtagsAbgeordneter Dr. Gutfleisch zu Gießen. Von den ehemaligen Zöglingen des hiesigen Gymnasiums, welche 1853 in diese 'höhere Bildungsanstalt eintraten, sind nämlich nur noch die genannten drei Herren am Leben. Anläßüch der 50. Wiederkehr deS bedeutungsvollen Aufnahmetages gaben sich die Jubilare in der Orchideen - Ausstellung des Palmengartens zu Frankfurt am Main nach vieljähriger Trennung ein Rendezvous zur Auffrischung ihrer Jugenderinnerungen. Flörsheim. Letztens wurde die dreijährige Tochter -des Heizers Dienst von einem mit Backsteinen beladenen Fuhrwerk überfahren und die Schädeldecke zertrümmert. Aus dem Transport nach der Wohnung starb das Kind. Mainz. Artillerie - Hauptmann Otto Prestien stürzte bei einer Felddienstübung bei Gau - Algesheim so unglücklich' vom Pferde, daß er schwer verletzt nach hier gebracht wurde. Die ordentliche Architekturprofessur an der Technischen Hochschule zu Aachen, die durch Prof. Damert's Tod erledigt ist, ist dem hiesigen Landbauinspektor Klingholz übertragen worden. Ob er - Laudenbach. Der Steinhauer Josef de Niz wollte einen nicht losgegangenen Pulverschuß zur Entladung bringen, dabei ging der schwere Schuß los und traf de Riz ins Gesicht. Schwer verwundet brachte man ihn nach Hause. Das Augenlicht soll schwer gelitten haben. W i ck st a d t. Dieser Tae wurde der Solms - Nödelheim'sche Oberförsier und Polizeicommissär Harl Habich zu Grabe getragen. Der Verstorbene. der mehr als 57 Jahre im Forstdienst und in den letzten Jahrzehnten an der Spitze der Solms - Rödelheimfchen ssorstverwaltung stand, erreichte ein Alter von 75 Jahren. Wctyern. München. D. Johann Baptist Wirthmüller, ordentkicher Professor der Moraltheologie an der hiesigen Universität, ist im 71. Lebensjahre gestorben. Der Professor der angewandten Chemie an der hiesigen Universität, ObermedZzZnalrath Hilger, ist in Possenhofen gestorben. Aschaffenburg. Kürzlich explodirte im Hause des Kaufmanns Fritz i? der Herstallstraße ein Benzinbehält, wodurch innerhalb kurzer Zeit das dreistöckige Haus in hellen Flammen stank. Es brannte vollständig aus, auch die Nebengebäude wurden stark beschädigt. B a m b e r g. Bor etwa zwei Iah ren hat der Kaufmann Moritz Stern von hier nach Verübung zahlreicher Wechselfälschungen, durch die er seine Gläubiger um rund 100.000 Mark prellte, der Stadt den Rücken gekehrt und sich nach Amerika begeben. Er dachte wohl nicht daran, daß die Nemesis ihn auch im Lande der Freiheit erreichen könne, und verkehrte in der sorglosesten Weise schriftlich mit seinen Verwandten und Freunden in Deutschland. Dadurck aber erlangte

die Staatsanwaltschaft Kenntniß von seinem Ausentyaitsorle uno oas -I ;,Tn?;ftTium veranlagte seine Ver Haftung. Letzens traf Stern hier ein, UM sich vor dem ericyie zu veraniWorten. sZ-r1nrtnP rt. Sillb. Zur. I vhllos. Fritz Kraner hat sich im Garten seiner elterlichen Wohnung hier ersAnff. Da der iunae Mann kürzlich Heilung in einer Nervenheilanstalt suchte, diese jedoch nicht fand, dürfte Schwermuth die Veranlassung zur Tfit sein. Füßen. Der siebenjährige Knabe 3eorg Führer hatte an einem mit &&nUrn matri die .Lände unternom menen Ausflug theilgenommen und sich verirrt. Letztens wurde er 200 Meter vom Wege zur, Ländenscharte entfernt todt aufgefunden. Er war abgestürzt. r Kumhausen. Kürzlich fuhr der Fuhrmann einer Brauerei, Weileder, mit tmtm Nieaelfubrwerke von hier nach Ächdorf. Er wurde von einem mnnfirrt anaefabren, und unter seintn Wägen geschleudert. Es ging ihm . . er n ein Hinterrad uver Die run. Tod trat sofort ein. Nöthenbach. Zwischen Hergatz und hier ließ sich durch einen Schnellzug der Schweizer Stadler in selbstmörderischer Absicht überfahren und blieb sofort todt. Rffn8fmtfl. Braumeister Kuh llnger der Niebauerschen Brauerei ist im Lagerkeller vavurcy verunglual, ;t m hnm Atts,u abaeitürzies vu) vn -""lu-ü i I' 1 rohes leeres Faß auf den Kopf siel. oWinntr -wurde in die Dr. Dörflersche Klinik verbracht. Die Verletzungen sind lÄwer.

flleih Zjabersack's Zchrelbebrief.

r.. Seöhrter Mister Edithor! Well, ich sin jetzt von Perris fort, awwer nit weil es mein Wisch gewese is, nofser, weil ich gemüßt hen. Wie ich off Kohrs gesehn hen, daß ich gemüßt hen, do is es auch mein Wisch gewese. Ich denke, Sie könne das nit recht unnerstehn, un for den Riesen will ich Jhne liewer emol verzähle, wie die Sach gehäppend is. Der Propreiter von den Hotel, wo mich den Peunter von den Mister Presscndent Luhbeh aewwe Hot, un wo seitdem mein bester Freund gewese is, Hot zu mich j gesagt: Mister Häbersäck. befor daß j Sie Widder aus Perris sortgehn, müsse Se noch emol die Muhleng Ruhsch einnehme. Das is das großartigste, was mer in Perris hen, un wann Se wolle, dann gehn ich mit Jhne". .Ahlrecht-, hen ich gesagt, .das werd ru?ch eingenomme". Off KohrS", Hot er gesagt, es duht e we nig Geld koste, awwer Se kriege Jhrn Geld Werth". Watt du ei kehr?" hen ich gesagt, ich geizn mit". Am Obend Hot der Propreieter gesagt, mer wollte jetzt gehn, awwer befor dehte mer noch e Battel Schempeyn drinke, sor daß mer in en gute Juhmer wäre. Dann sin mer in e Kerritsch Hingefahre, UN ei tell juh. das is awwer ebes feines gewese. Do hen se e auq große Hahl gehabt, do hätt mer die Jittiehahl von Appel Jack vier Mol enei stelle könne un es war lmmer noch Ruhm genug gewese for das Schulbilding un die Schuliahrd. Un fein is es da gewesen An alle Wahls von den Flohr bis an die Siellng Luaingglases, un Leus hen se do gehabt, wann mir in ganz Appel Jack foviele hatt, dann wäre die Stritte noch Heller wie in Dehleit. Die Wehtersch hen all Schwallohtehls gewore, un dann die Gescht, wo do gewese sin, ei tell juh, ich hen zuerscht gedenkt, das wäre lauter Prinze un Prinzesses. In die erschte Lein die Lehdies, die wäre auteseü. Gasch, was Ware die uffgefickst! Do is die Selma ihr fernstes Dreß mt viel mehr wie e Kallikokleidche daaeae. Un das schönste war, dieLehdies Ware kein bische praut. Se hen mit mich geschmeilt. als ob se Mich schon seit Duhmsdeh kenne dehte. Un gutguckig well tahk ebaut gutguckig! Ich hen mich gar nit satt gucke könne; so ebbes schönes hen ich noch gar nit gesehen. Später Hot die Muhsick gestart un dann hen se gedanzt. Un wie! Ich kann Jhne gar mt diskreiwe, wie die gedanzt hen: ich hen mei Auge uffgerisse, daß se das dreifache von ihre natscherell Seis angenomme hen. Der Propreieter Hot gesagt, das war frensch, un ich denke, do is er auch recht gewese. Wie ich noch so starr, stumm und sprachlos zugeguckt hen, do Hot mich uff eemol jemand an die Scholder getippt, ich drehe mich erum un do Hot eine von die feine Lehdies do gestanne un Hot geschmeilt, daß ich e Gänshaut kriegt hen, un Hot gesagt: Allong Moßjieoh wullewuh dangseh? Keskewuh dih moschehr? Das meint uff gut deitsch: Hopp, hopp, mer wolle danze, hurriopp un marschier". In t Minnit sin ich rettig gewese, un in die nächste Minnit hen mer gewahlzt. Ei tell juh, mer hen die Bein geschlenkert. Wie alles, ecksäcktlie, als wenn's en Kehkwahk wär. Ich hen's immenslie gegliche, bis wie die Muhsick gestappt mich die Lehdie uff eemol bei die Wehst getackelt Hot un mit en schreckliche Wuppdich Hot se mich obb in die Ehr geschlenkert, daß ich gedenkt hen, ich deht dorch das Nuff stiege. Ich sin awwer nit so hoch komme, un es Hot noch keine Seckend genomme, do hen ich an den Flohr gesosse. Ich hen en Krisch von mich aewwe, der war nit schlappig; im Augenblick wäre all die Lehdies um mich herum, un jede Hot mich en Kick gewwe, un se hen dabei gelacht, daß eö e Schehm war. Ich hen gar nit so sonnig gesiehlt. In die erschte Lem hen mich alle Knoche weh gedahn un dann noch e anneres Ding, ich hen auch an den Part, wo ich gesosse hen, so e kalte Luft genohtißt, daß ich gar nit gedehrt hen, mich uffzustelle. Es Hot nit lang genomme, do hen ich ausgefunne, daß sich meine schrecklichste Eckspecktehschens verWerklicht hatte. Meine PehntieS, wo schon von Naduhr aus e wenig klohs gefitt hen, hatte dem schreckliche Drang nach Befreiung nit nachkomme könne un sin aus den Leim gange. Jetzt war guter Nath theier. Awwer ich losse mich nit so leicht verblüffe. Ich hen eine von die Lehdies ihren Lehs-Schahl aus die Hand gerisse, hen's um mich erum gewickelt un sin, als wenn der Dickens hinnig mich wär, aus die Hahl fortaelaufe; in Front Hot unser Kerritsch gestanne, ich sin inseit getschumpt un der Kohtschmann Hot gleich gestart, fortzufahre. Mer sind so ebaut e Stund un e halb gefahre

und hen dann tn Front von e grove Haus gestappt, awwer das is doch gar nit mei Hotell gewese. Ich hen den Kohtfchmann gefragt, was die Mätter mit ihn war, warum er mich nit heim gefahre hätt. Do Hot der erscht auSoefunne. daß ich aar nit in seine Kerritsch belange duhn. un er Hot en Foy gerehst, das war fiers. Ich sin auch nit still gewese, un do Hot mich der rohe ungebildete Mensch doch so verschmisse, das war nicks mehr menschliches. das war die reine Diehrkwchlerei. Schließlich ist ein Kapper komme un Hot mich wege Ruhestörung eingesperrt. In die Mienteim Hot die Lehdie, wo ich die Lehsschahl genomme gehabt hen, en Rieport bei die Polies gemacht gehabt. Die Schahl is off Kohrs bei mich gefunne morde, un jetzt Hot die Sach sierijüs for mich geguckt. Zum gut: Glück is der HotelPropreieter von eine Stehschen zu die annere gefahre bis er mich gefunne Hot; er Hot mich erausgebehlt, un dann Hot er gesagt, jetzt sollt ich awwer so schnell wie möglich mache, daß ich aus die Zittie komme deht, synst könnt ich in große Trubel komme. Das hen ich mich nit zweimol sage losse, un ich hen schnell mei Gelumps eingepackt, un e Stund später hen ich. an die Trehn gesosse un sin fort. Könne Se jetzt sehn, daß ich fort gemußt hen, mitaus daß es mein Wisch war. un daß eö

die dieselwe Teim doch mein Wisch gewese is, fortzukomme? Es guckt, als ob sich die ganze Welt verschwöre V ran, inicd .ruoei zu mache. Mit beste Rlegahrds Juhrs trulie, Meik Habersack. Eskweier un Sheriff von Apple Jack, r. .f . r . . , vile errer auniie. Gltt Traum Alexanders III. Russische Bauern erzählten sich zur Äeit der Regierung Alexanders HI. folgenden Traum: Der Zar träumte Don drei Trauben. Die eine war fett und lustig, die zweite mager und sehr gedrückt, die dritte sogar erblindet.' Da der Traum sich wiederholte, fragte der Zar, was er wohl zu bedeuten habe. Niemand wußte eine entsprechende Antwort darauf zu geben. Nur ein Tatar wollte den Traum deuten, wenn er für seinen ZZreimuth nicht bestraft würde. Als ihm dies zugesichert worden war, sagte er: Die fette, lusilge Taube, o Zar, sind deine Veamten, sie betrügen und bestehlen alle und leben von dem gestohlenen Gelde sehr lustig; die magere Taube ist dein Vott. das ausaevrent und gedrückt ist: die blinde Taube aber bist du, o Herr, selbst, denn hier in St. Petersburg r i e rt.-e.rL v.. u I 1 p weiß! ou NlllZIS Uno lttfl ÜU lllts, was im Reiche geschieht." El Wink für einen großen Herrn In einem an einen österreichischen Aristokraten gerichteten Briefe Mozarts befindet sich die folgende Stelle: Wenn ich nur wüßte, wer Ihnen gesagt haben könnte, daß ich faul sei. Geben Sie ihm nur ich bitte Sie gar schön, denn einem Baron ist ja so etwas erlaubt von meinetwegen ein paar tüchtige Maulschellen dafür. Ich wollte ja herzlich gern in einem fort arbeiten, wenn man mir nur erlauben wollte, nur solche Sachen zu komponiren, die ich will und kann und mit denen ich bei mir selbsten Ehre einlegte. Vor drei Wochen habe ich eine Sinfonie geschrieben und mit der morgigen Post biete ich Hofmeistern drei Quartetten an, wenn er mir sie bezahlen will. Ach, wenn ich doch nur ein großer Herr wäre, da würde ich sagen: Mozart, jetzt schreibst Du für meine Rechnung, aber so gerade das, was Dir auch selber gefällt, und so gut, als Du's immer kannst. Du bekommst keinen Kreuzer, bevor Du ettras fertig gebracht hast: aber ich kaufe Dir alle Deine Manuskripte ab, und Du brauchst sie nun nicht mehr aufm Markt herumzutragen wie einFratschlerweib." Dieser erschütternde Veitrag zu dem Thema von Künstlers Erdenwallen" erhält eine tragikomische Pointe durch die Art, wie der hohe Herr den Wink verstand. Dieser hotte nämlich selber eine Sinfonie componirt und er erfreute Mozart durch Zusendung r 1 . 3 crry rf - o -rs s . r leinen veile. er Hopser oes Don Juan" war übrigens gutmüthig genug, den schönen Gesana" der Arbeit des Barons zu rühmen, obwohl ..ff vi. r . - - er na? nicnt verzagen konnte, sein Urtheil durch die folgende Bemerkuna etwas einzuschränken: ..Bei etwas natürlichen Anlagen undLiebe zur Kunst. f f ... r' cuoci um mancher ein. er lonne aucü mit dem Componiren fertig werden. Einigen gelingt es denn auck. etwas Leidliches hervorzubringen, abcr meist doch nur durch das Zusamn?enfl'lr5en von em paar Gedanken, die sie von an deren gestohlen haben, weil .sie seiher keine haben. Andere haben wohl auch Ideen, können sie aber nicht, richtig ausfassen und wiedergeben, und in diesem Falle befinden Sie sich. Äber im Namen der heiligen Cäcilia bitte ich Sie, nehmen Sie mir's ja nicht übel, daß ich so mit Ihnen umgehe." Entschuldigung. Rickter Sie haben den Kläger wiederholt mit yrseigen traktlrt! .... Was können Sie zu Ihrer Entschuldigung vorbrin gen?" Angeklagter: .?ka. sckauen Sie, Gnaden Herr Richter, der Kerl mufe aber auch schon -überall seinen Kopf haben, wo ich meine Hand hab!?

Zrau ZNarthas Vlückstcg. Geschichte aui der Gauner-Prxis. Von Erich Balzer. Frau Martha war eine arme Man-

telnäherin, die weit draußen im äußcrsten Norden der großen Weltstadt in einem engen Stübchen vier Treppen hoch vom frühen Morgen bis in den spaten Abend hinein zu Men pflegte. um sich schlecht und recht von ihrer Hände Arbeit zu nähren. Kaum nahm sie sich Zeit, aus wenige Minuten aus dem Stübchen auf die Straße zu schlüpfen, um sich das Nothwendigste sur den Lebensunterhalt zu besorgen. und beinahe lebte das arme Weib, das nacheinander den Gatten und ihr einzlges Kind begraben hatte und allein im Leben dastand, von nichts Anderem, als von Kaffee und Brot. Nur an jedem Dienstag machte sie den weiten Weg von ihrer Wohnung nach dem im Centrum gelegenen Geschäft, für das sie thätig war, um die Arbeit abzuliefern. Es mochte kommen, waö da wollte, sie lieferte nur immer am Dienstag ab, weil sie dieien Tag als ihren Glückstag erprobt hatte. Wenn am Mittwoch noch so eilige Arbat abzuliefern gewesen wäre, sie hatte den Weg nicht unternommen, weil sie am Mittwoch einmal den ganzen Arbeitslohn verloren hatte. Am Donnerstag aber hatte man einmal die ganze Arbeit im Geschäft als unbrauchbar zurückgewiesen, am Freitag war ihr Mann und ihr Kind gestorben, und der Sonnabend war schon in der Schule immer ihr Unglückstag gewesen. Das hatte Frau Martha alles erprobt, und in dem Geschäft, für das sie seit vielen Jahren arbeitete, nahm man auf diese Eigenthümlichkeiten der fleißigen Frau woh! Rücksicht. So war sie auch am heutigen Dienstag wieder abliefern gekommen, und der Glückstag hatte sich an ihr wieder bewährt, die ganze Arbeit wurde ihr abgenommen, obwohl, wie sie bei sich sehr gut wußte, der eine Mantel gar nicht ordentlich genäht gewesen. Mi! Freude hatte sie das Arbeitsgeld zwölf Mark, vier harte Thaler eingesteckt. Als sie aus dem Geschäft heraustrat, zahlte sie vor der Thur noch einmal die vier Thaler in ihr Portemonnaie, steckte dieses in die Tasche, hielt die Hand darauf und ging ihres Weges. Als sie etwa dreißig Schritte gegangen war, sah sii nicht unweit vor sich an der Lettrne ein elegantes Portem?nnaie liegen. Es war wirklich U-Jiit ihr Glückstag. Sie eilte auf den Fund zu, aber indem sie danach griff, packte auch schon eine andere Frau, die auf den Fund von der anderen Seite zugelaufen kam, das Portemonnaie, so daß es beide Frauen zu gleicher Zeit festhielten. N, das haben wir wohl beide zusammen gefunden," sagt die andere zur Frau Martha, lassen Sie einmal sehen, was darin ist!" Frau Martha läßt den Fund sahren. die andere öffnet das Portemonnaie und sagt: Vier Goldstücke und etwas Kleingeld! Achtzig Märker! Na, das gibt 8 Mark Finderlohn, kommt auf jede von uns 4 Mark!" Eben will Frau Martha hierauf antworten, als eine elegante Dame auf die beiden Freuen zugerauscht kommt und eiligst die Worte an die Beiden richtet: Habm Sie mein Portemonnaie gefunden? Ja, ja, Sie haben eö ja in der Hand!" Ja, das bringen wir auf die Polizei!" meinte die andere Finderin, vder Sie müssen uns sagen können, wie viel Geld darin war!" Vier 20-Marksiücke und eine Mark Kleingeld!" sagte die Elegante. Stimmt, dls Portemonnaie gehört Ihnen! Da bekommen wir aber Finverlohn! Ich und die Frau hier haben es zu gleicher Zeit gefunden!" Hier haben Sie eins von den vier Goloitücken!" sagt die Elegante und gibt ein Lwanzigmarkstück ver rezolu. ten Frau. Na. das ist wirklick nobel!" meint diese und fügt hinzu, als die elegante Dame wieder weg ist, davon müßte ich eigentlich mehr abkriegen als die Hälfte, denn Sie hätten sich wohl mit 'nem kleinen Trinkgeld abspeisen lassen. Können Sie das Zwanzigmarkstück wechseln?" Frau Martha nahm glückstrahlend ihr Portemonnaie heraus und sagte: .Ich habe vier Thaler!" Na, die zwei Mark mehr können Sie mir schon geben; ich habe keinen Pfennig Geld in der Tasche und bin eine ganz arme Frau, die drei kleine Kinder und einen kranken Mann zu ernähren hat. Schließlich haben Sie doch für Ihre Arbeit, die Sie mit dem Finden hatten, auch mit acht Mark genug!" Frau Martha wußte gar nicht, wie ihr geschah: ,m ersten Augenblick woll te sie der armen Mitfinderin das Goldstück allein überlassen, dann aber entnahm sie dem Portemonnaie die vier Thaler und gab diese der anderen für das Goldstück, worauf die resolute Frau mit einem Dank auch schön!" verschwand. Das war ein Glückstag heute! So dachte Frau Martha bei sich: die acht Mark waren ihr wie vom Himmel be icheert! Ws konnte man damit wohl anfangen? Halt! Frau Martha hatte einen gu ten Gedanken. Schon lanye hatte sie sich gewünscht, die beiden Gräber ihrer Lieben mit Kränzen zu schmücken.

Niemals hatte ihr Geld für solche Ex traausgabe reichen wollen. Jetzt konnte sie es wahr machen, und da es noch nicht spät war, konnte sie heute noch zum Kirchhof hinausfahren.

Sie aina in das nächste Blumenaedort gab s freilich nur Kränze sur drei Mark das Stuck, aber da das Frau Martha zu theuer war. lieft sie sich zwei Kränze zu zwei Mark das fcrna binden. Sie solle, nur etwas warten, sagte der Inhaber des Ladens. Frau Martha legte das ZwanzigMarkstück inzwischen auf die Ladentafel und setzte sich nieder, um zu warten, bis die Kränze fertig wären. Dabei sann sie darüber nach, was sur ein herrlicher Glückstag doch heute für sie sei. Wahrend sie noch darüber nachdachte, sah sie gar nicht, wie der Ladeninhaber das Goldstück genau von allen Seiten betrachtete, hierauf Frau Martha ansah und dann dem Ladenmädchen, das mit dem Binden der Kränze beschäftigt war, ein paar Worte zuflüsterte, worauf dieses eiligst von hinten das Geschält verließ. Und Frau Martha war eben dabei, darüber nachzudenken, was sie sich noch für die übrigen vier Mark leisten würde, als plötzlich mit dem Ladenmädchen zusammen ein Schutzmann in den Laden trat, und der Ladeninhaber zu jenem sagte: Das ist die Frau hier! Dies falsche Zwanzigmarkstllck wollte sie bei mir anbringen!" Wie aus den Wolken gefallen war Frau Martha, aber es half der armen Frau nichts, sie mußte mit demSchutzmann, der das falsche Zwanzigmarkstück an sich nahm, zur Polizei gehen. In die Erde wollte sie vor Scham sinken, als sie ging; wie sie meinte, blieben alle Leute auf der Straße stehen und guckten ihr. nach, und es war ihr eine ordentliche Erlösung, als sie in das Haus, wo das Polizeibureau sich befand, hineingetreten war. Dort erzählte sie dann, wie sie ZU dem Zwanzigmarkstück gekommen sei, und da der sie verhörende Beamte sofort einsah, daß diese einfache Frau kerne Verbrecherin sein könnte, telephonirte er an die Firma, für welche Frau Martha arbeitete, die dann auch sofort die Angaben der Armen bestätigte. Nun fuhr sofort mit Frau Martha ein Kriminalbeamter nach dem Polizeipräsidium , als sie in der Drofchke neben dem Beamten saß, dachte sie, daß der Glückstag für sie nicht ganz seine Geltung verloren hatte, denn noch nie vordem war sie in einer Droschke gefahren . und auf dem Polizeipräsidium wurde ihr das Verbrecheralbum vorgelegt. Dort erkannte sie denn auch wirklich unter einer Bande von Falschmün zern die Elegante und die Resolute, die beide schon schwere Strafen hinter sich hatten wegen Verausgabung ai fchen Geldes, das ändere Mitglieder der Bande angefertigt hatten. Dann wurde Frau Martha entlassen; ordentlich froh war sie, als sie sich wieder frei auf der Straße befano. Dann machte sie sich auf. um noch einmal zu ihrem Arbeitgeber zu gehen, wo sie sich zehn Mark Vorschuß geben ließ, die dann in den nächsten Wochen der armen Frau in kleinen Beträgen abgezogen wurden. TV Vorsichts - Maßregel. Erster Kadett: Aber, Herr Kamerad, t?arum tragen Sie denn bei dem warmen Wetter Ihren Mantel? Zweiter Kadett: Vorsichtsmaßregel gegen Erkältung, Herr Kamerad. Hab' mich eben zum ersten Mal rasiren lassen. Unüberlegt. Redakteur eines Witzblattes (zum Officeboy): .WaS lachst Du denn da in einem fort?!" Officeboy: Sich, ich habe über einige Ihrer Witze lachen müssen. Redakteur: N, das verbitte ich mir über meine Witze giebt es gar nichts zu lachen. , ' Gerechte Befürchtung. A.: Wegen meiner Frau habe ich nun ben Professor consuitirt. lr lagt, n habe einen bedeutend vergrößerten Maaen!" B.: Da sagen Sie nur r.ichis meiner Frau, sonst ruht sie nicht eher, bis der ihrige mindestens ebenso groß W" Uebereinen derhängnißvolkn Mißgriff drc Kopenhagener Polizei wird öericht-t: In der Nacht vom Sonntag auf Montag sprang in Ko penhagen ein junger Mann von einer Brücke in's Wasser aus Verzweiflung über seine Arbeitslosigkeit. Weder sein Bruder noch ein zweiter dabeistehender junger Mann konnten schwimmen, weshalb sie durch die nächsten Straßen eilten und um Hilfe riefen. Ein dem Bruder des Lebensmüden besegnender Mann hielt ihn für toll, andere Passanten stimmten bei, und ein herbeigerufener Polizist verhastete ihn; sein zorniger Protest und seine Losreißungsversuche bestärkten noch die Ansicht. Mittlerweile ertrank der in's Wasser Gesprungene. Am nächsten Morgen wandten sich die Eltern der beiden vermißten Brüder 'an die Polizei, die dann mittheilte, daß der eine als Leiche angetrieben und aufgebahrt sei, während der andere in der Irrenabtheilung deS Gemeindehospitals festgehalten werde. Schließlich erfolgte die Freilassung des letzteren. Vermuthlich wird ein Prozeß gegen die Polizei die Folge sein. In der dänischen Hauptstadt hat der Zwi schenfall das peinlichste Aufsehen erWill. ... ...

Politische Ankündigungen.

John N. einlein. empfiehlt sich den Steuerzahlern und Stimm, gebern der öten Ward als Kandidat für Otadtrath, unterworfen der demokratischen Nomina tionS Konvention. John Heidenreich, Der Florist", Ecke Applegate und Iowa Straße, empfiehlt sich den Stimmgebern der 13. Ward als Kandidat für otadtrath, Nnterworsen der Entscheidung tt dnnokra tischen NominationS Convention. Michael Vinci, CommisfionS Händler, 122 Süd Delaroare Strasse, empfiehlt sich tat Stimmgebern der Uten Ward als Kandidat für den Vtadtrath für diese Ward. Unterworfen der Entscheid dung der demokratischen RominationS'Kon vention. S!abltrl 1863, nteuni jederzeit engage, xtniM entgegen. Irgendwelche Orchester' Ssfi! und irgend eine Anzahl von LwstZR rird geliefert. Neue LuSftkttnng und neue Uniformen. R. . Viller, Direktor. hknru vpregpfe!l, EeschLftSführu, 1103 Madison Avenue. Telephon Neu S696. Merzte. r. j. A. Sutclilfe, Wnnd'Arzt, Ztschlechts, Urin unl&ectura Arankheiten. Office : 155 OS Market Stt. Tel. 41 l.nSte : I 18 nix . ; a ni r u. Dr. Carl 0. Winter Deutscher Wrzt. "$anbeU o3e akute und chronische rank fette. SedurtShülse Spezialität. OsNee: 14 West Ohio Ci. tiicCriaftta: 1011 tmn. 4Ra$ja. -iitetfl i t.ft-l(U0 8tt. k. u. Soynung: 1 Vadts Kt p5kund : 76 (ei S22tag : k Ha jn. lSohnuug Telephon: mxx, ou i $, ma Warum nicht $ $ $ sparen beim Einkaufe Ihrer , , .und, . , , chpiche ....sowie....' ....Garkand Oesen ... und Mangea... bei WILLIG'S ...Nöbel'Handlnng... 141 West Washington Straße. Große AuSroahl von ..GlÄNL ! ( und '.iinffliiti. No. 449 ft Washington Str. Cnwn HU Oft: SS tLCttutt Ce. NeZTeleNsne48S.

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