Indiana Tribüne, Volume 28, Number 293, Indianapolis, Marion County, 2 August 1905 — Page 5

Jndlana Tribüne, 2. August IOS

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ZZasLied. Von AgncS Harder. Er war einer der besten Freunde meines ManmS und daher auch der meinlze. Es verging kaum ein Tag. an dem wir uns nicht sahen. Wenn ich an meinem Schreibtisch seine laute, fröhliche Stimme hörte, schloß ich mein Haushaltungsbuch oder meinen Geschäftsbrief, denn er verlangte immer den ganzen Menschen für sich, nicht einmal eine Handarbeit duldete er. Die Augen sollten immer ihm aehören, roenn er sprach. Er war ein Tyrann. Nein doch, er war ein Vollmensch, von' Gesundheit und Kraft strotzend, von Temperament überschaumend, immer so vollständig an den Augenblick hingegeben, daß er ganz von ihm abhängig erschien, und doch voll klarer Pläne, bewußt lebend, mit einem festen Ziel vor Augen. Wer das an ihm nicht kannte, hätte ihn für eine Tannhäusernatur halten können, in Freud' und Leid einfach der stärksten Strömung hingegeben, maßlos in beidem. Aber das war ein Irrthum. Es war nur so viel Kraft in ihm, ein so großer Ueberschuß von Lebensfreude. Ich kannte ihn zehn Jahre. Es waren sonnige Jahre für uns alle drei. Wir standen auf der Höhe des Lebens und des Glückes. In der .Abgeschiedenheit des Fabrikortes war man viel mehr aufeinander angewiesen als in der Stadt. Frauen mit zarten Nerden fragten mich zuweilen, wie ich Dr. Dauter ertrüge; fchon seine Stimme erschrecke sie, und wenn er bei einer besonders lebhaften Redewendung auf den Tisch schlug, zitterten sie. Aber ich hatte keine Nerven. Mir war er der starke, reinigende Luftzug, der in ein dumpfes Haus dringt, wenn man die Thür aufreißt, und wie ich es liebte, im Sturmwind in unserem Park mit ausgebreiteten Armen umherzulaufen, so liebte ich seine laute, lachende Art. Eine Frau merkt schon all die Rücksicht und Zartheit, die oft darunter verborgen ist. Natürlich hatten wir auch oft vom Heirathen gesprochen. Er meinte dann immer, das müsse für ihn kommen wie der Blitz aus blauem Himmel, es müsse ihn einfach zerbrechen, umwerfen, bezwingen. Er dachte sich die Liebe wie eine äußere Gewalt, wie eine Wurfmaschine, einen Feind, der gegen einen Gegner anrenne. Er war 40 Jahre alt. Man meinte oft, es sei schade um sein hohes Einkommen, das er z. n größten Theil an

weniger bemittelte Äerwandte gab. Ich mahnte ihn oft, zu sparen. Aber dann lachte er. Er hatte sich sehr hoch in die Lebensversicherung eingekauft, das, meinte er, müßte genügen. Und ich begriff, daß es für ihn eine UnMöglichkeit gewesen wäre, mit dem Ungewissen zu rechnen. Natürlich war mehr als ein Besuch in unserem Kreise mit dem leisen Hinteraedanken an ihn eingeladen. Immer vergeblich. Ich selbst dachte an ihn aar nicht mehr als an einen zu berück sichtigenden Ehekandidaten. Da sagte mir mein Mann, die nächsten Wochen würden wieder einmal eine ordentliche Arbeitshetz sein, mit verspätetem Mit tag, Nachtwachen, Inspektionen, und wenn ich meine gute Laune behalten wolle, solle ich mir nur einen Trostbesuch einladen. Ich bat Ada Cornelius zu mir und sie kam. Sie war nicht jung und nicht glück lich. Ansang der Dreißig, ein Bild, dessen Farben so früh von Sorgen be schattet waren, daß sie immer etwas Bleiches, Stilles- behalten hatten. Aber sie konnte singen. Und dann hatte sie eine sonderbare, hinreißende Schönheit: als ginge sie dann m ein fernes Wunderland, das doch im Grunde ihre Heimath war. So hörte er sie. Und noch ehe sie dfc Lippen geschlossen, um wieder in das Nichts zurückzutreten, wußte ich. 'was geschehen war. Es war, als hätte ich den Schlag gespürt, als hätte er sein Herz aus der Brust gerissen und ihr vor die Füße gelegt. Ueber so ein warmes, zuckendes Menschenherz hinweg aber kann eine Frau nicht wieder in den Schatten gehen. Und Ada Corne lius blieb in der Sonne des Wunder landes und wurde immer schöner unter seinen Augen, und nach acht Tagen war sie seine Braut. Schwiegermutter" seit dem Augenblick, wo sie es mir sagten, nannte er mich so, denn Ada war Waise Schwiegermutter, jetzt ist das Glück da!" An diesem ersten Abend aber machte es ihn stumm. Ich dachte, als ich sie eine Stunde allein ließ, um dem vorbereiteten Essen noch schnell etwas Festliches, Freudiges zu geben: Wenn er sie mir nur nicht erschreckt! Wenn er sich nur mäßigt! Sie hat in einem stll len Lsade gewohnt. Ich kannte ihn eben auch noch nicht. Es war. als hätte er sich selbst Fesseln angelegt, um sich zu zwingen. Aber als er sein Glas hob und reden wollte und nur ein Stammeln über seine Lippen kam, da standen nicht nur Adas Augen voll Thränen. UebrigenS war eS ein unterbrochenes Opferfest. Mein Mann schickte: in einer Abtheilung der Fadrlk war Feuer ausgebrochen. Es gab dann ein paar bange Stunden, und als mein Mann spat rn Kr Nacht nach Hause kam. er zahlte er, Dauter hätte gearbeitet wie Simson, Es mag ihm gerade recht ge kommen sein, sich so auszulösen im .Kampf gegen das Element. .

Er . ist dann im ersten Herbststurm,

der eisig über unsere Ebene peitschte, vhne Mantel' nach Hause gegangen. Ein Unterbeamter hat sich erlaubt, ihn . f i. n.r.f. i j i : zu warnen, aus Die )esayr rnn, luaziig angeschnauzt zu werden. Aber Dauter bat den iunaen Mensckn hochgehoben und geschüttelt und gelacht. Was wissen Sie von Cäsars Stern, Sie Grünling?" Und doch muß es damals angesangen haben, ob er es auch niemals zugegeben hatte. Er betrieb die Hochzelt mit der Eile des Verliebten. Es stand ja auch nichts im Wege seine Dienstwohnung war eingerichtet. Er hatte mir an paar Tausendmarlscheme in die Hand gedrückt und ich sollte ein kaufen. Was denn?" Alles, was so eine junge Frau braucht." Und ich sorgte, daß Ada eS bekam, wie es zu ihrer Art paßte. Als wir im Hotel aßen, fragte ich ihn, ob er nicht zu einem Spezialarzt wolle, da wir einmal hier seien. Da fuhr er mich so an, daß alle Gaste sich umdrehten. Es that ihm dann leid aber damals sah ich m seinem Auge zum erstenmal jenen Blick, den ich nie vergessen werde. Wenn ich höre, daß em Schiff voll Menschen untergegangen ist joder eine verzweifelte Mutter mit ihren Kindern ins Wasser sprang dann fallen mir jene Augen wieder ein. Ich wußte plötzlich: er wollte nicht zum Arzt. Daheim sprach ich dann mit unserem Doktor, der ihn ja fast täglich sah. Er laßt mich Nicht an sich heran, es ist nichts zu machen. Ich habe wenigstens durchgesetzt, daß er seine Hochzensreise nach der Riviera macht. Die zarte Gesundheit der Frau mußte den Borwand geben. Glauben Sie, der läßt seine Lunge beklopfen?" Dabei blieb es. Je näher die Hochzeit kam, um so unruhiger wurde er. Täglich kam er herüber, lief durch alle Zimmer, stellte tausend Fragen. Zuletzt setzte er sich an den Flügel und schlug ein paar Akkorde an. Spielen konnte er nicht; aber er lauschte dann, wie die Töne verklangen, und wurde still. Plötzlich stand er auf und raste davon. Seine Unruhe steckte mich an. Er war schon einige Tage vorher zu Adas Verwandten gefahren und holte uns an der Bahnstation ab. Es lag hoher Schne?. und er hob mich über eine förmliche Schanze in den Schlitten. Endlich, Schwiegermutter, endlich." Er war stockheiser. Adas Schwester erkundigte sich bei mir. Sie war nicht weiter besorgt. Er hatte ihr gesagt, er hätte sich unterwegs erkältet. Und dann es war eine so sehr gute Partie! Eine wunderbare Hochzeit! Ein ganz kleiner Kreis von" Menschen? die durch Bande der Natur und des Herzens vereint waren, und das Brautpaar, doch wie durch eine Kluft von- uns allen getrennt, durch etwas Unfaßbares, was plötzlich mit eiskalter Hand nach dem Herzen griff. ' Vielleicht nur nach meinem. Denn heute war Dauter überschäumend vor Glück. Heute hielt er die Rede, die ihm. wie er sagte, damals in der Kehle stecken geblieben war und die nun aus ihm hervorbrach wie ein heißer Sprudel. Alles jubelte, als er endigte. Sielhaben ja Abschied genommen " sagte ich, als wir anstießen. Er sah an mir vorbei. Aber natürlich, Schwiegermutter. In einer Stunde kommt der Wagen." Vor Ablauf dieser Frist hatte er einen. furchtbaren Husienanfall. Ich beobachtete Ada. Sie blieb ganz heiter. Er hat zu viel gesprochen." Da wußte ich, daß sie es beide nicht anders wollten. Von der Riviera die üblichen Karten. Wenn ich ein großer Dichter wäre, so würde ich über die Wochen, die sie dort verlebten, ein Epos schreiben. UebrigenS würde es auch noch heute vergeblich sein, die Rede auf zene Wo chen zu bringen, über die Ada ihren Brautschleier gebreitet hat. Symbolisch denn in Wirklichkeit hat sie Kranz und Schleier ihm mitgegeben in den Sarg. Man hatte ihr Haus wundervoll ge schmückt, als sie eingezogen. Ada hatte zwar geschrieben, ihr Mann wurde sich freuen, wenn der Empfang unter bliebe. Aber natürlich ging jeder von uns im' Laufe des ersten Tages hin, um einen Schlag jener knöchernen Faust zu empfangen, die allezeit gegen das Leben selbst gepanzert ist. Und nun begann ein grausiges Schattenspiel, an dem wir alle theil nahmen, weil er der Stärkste war und uns zwang. Wir spielten den Reigentanz des Glucks um den Todtgeweih ten. Der Arzt hat ihn auch jetzt nicht in die Hände bekommen. Aber er hatte ost genug Gelegenheit, sich vom Fort schritt der Krankheit zu überzeugen. Denn ein paar Wmterwochen hindurch folgte in unserer kleinen Colonie Gesellschaft auf Gesellschaft. Dann führte er seine immer lachende, immer strablende junge Frau herein, gab uns allen eine fieberheiße feuchte Hand und sprach mit . seiner tonlosen Stimme ununterbrochen, bis Ada zum Flügel ging. Vielleicht sang sie nur so viel, um diese Stimme zum Schweigen zu bnn gen. Die Schönheit des Wunderlandes hatte sie nicht verlassen. Sie trug im .mer weiße Kleider und sah immer aus wie eine Braut. Aber wahrend sie fru her, wenn sie die ersten Töne anschlug, aus dem Schatten ihres armen Lebens

in die Sonne irat,.konnke sie jetzt nicht verhindern, daß sie die Kunst in ein ardereö Land leitete. Er sah sie dann an. Undniemals schnitten die Fesseln diesem Prometheus tiefer ins Fleisch, als wenn ihn der Husten zwang, während ihreS Gesanges das Zimmer , zu verlassen. Aber sie unterbrach sich nie deshalb, und niemals schien sich die betreffende Hausfrau deswegen aufzuregen. Man lächelte und sagte, er sähe prächtig aus. ES war das einzige, was man für ihn thun konnte. Der Frühling brachte das Ende. EineS Tages hatte die junge Frau den Arzt rufen lassen, dessen Zeit nun, doch gekommen war, und zusammen haben sie ihn in eine Anstalt gebracht. Dort hat sie ihn noch sechs Wochen gepflegt. Wie das so geht, schon als sie moch singend und lächelnd unter uns weilte, hatte man besprochen, was Jn wohl thun würde, wenn das Lächeln nicht mehr nöthig sein würde. Sie wär hier doch fremd, und für ihre Füße mußten Nägel und Glasscherben unter jedem

Schritt sein. Aber sie kam eines Tages doch wieder, in der schlichten Tracht der Gemeindeschwestern, die ja bei den Fabrikarbeitern so nöthig waren, und so ist sie auch dort geblieben, länger als wir alle, die wir uns für Jahre des Glücks und der Schaffenskraft dort zusammenfanden. Die späte Blüthe ihrer kurzen Schönheit ist abgefallen. Aber . das Lächeln ist ihr geblieben. Und vielleicht singt sie auch noch und pocht mit ihrer Stimme an das eherne Thor der Ewigkeit. Kurz und bündig. Bei den herzoglich nassauischen Behörden war um die Mitte der vierziger Jahre ein Verkehrston üblich, dessen wohlthuende Sachlichkeit und Kurze mit dem berüchtigten Amtsdeutsch" nichts zu thun hatte. Es handelte sich in dem mitgetheilten Falle um die Beschwerde eines Herborner Fabrikanten, der einen Dorfschulzen für einen Radbruch wegen schlechter Beschaffenheit des Weges haftbar machen wollte. Auf Grund der Beschwerde erließ der in der Sache thätige Amtmann Knlsel folgende Verfügung: Der Schultheiß Weyl zu Schonbach hat innerhalb acht Tagen auf seine Kosten dem pp. Kempf ein neues Wagenrad machen zu lassen, außerdem sind Sie m eine Strafe von drei Gulden verfallen. Herzogliches Amt: Knisei." Der Schultheiß erwiderte: Ich lasse das Rad dem Kempf nicht machen und bezahle auch kein: Strafe. Weyl, Schultheiß." Der Amtmann: Oho! Wieso? Knisei." Der Schultheiß: Bei der Eintheilung der Wege wollte ich den Weg nach Amdorf als Vizinalweg gebaut haben, der damaligeAmtmann hat aber kurzweg entschieden, das bleibt elnVer bindungsweg. Weyl, Schulthei-ß." Der Amtmann: Was war das für em Amtmann? Kmsel. Der Schultheiß: Der Amtmann Knisel. Weyl, Schultheiß. Der Amtmann: Ganz recht. Sie brauchen dem Kempf das Rad nicht machen zu lassen. Die Strafe ist erlassen. Knisel.Welche weiten Reisen Seefische unternehmen, erläutert ein Fang, den Fischer in der Ostsee machten. Vor Kurzem sind an verschiedenen Stellen in deutschen Meeren gezeichnete Fische ausgesetzt worden, um über ihre Wanderungen Aufschluß zu erhalten. Werden die gezeichneten Fische irgendwo wieder gefangen, so kann dann bestimmt werden, wieweit sie sich von der Stelle, wo sie gezeichnet wurden, entfernt haben. Nun haben Fischer an der Küste Pommerns vor Köslin, wie mitgetheilt wird,' ein: Flunder gefangen, die im Schwanz einen gestempelten Gummiring trug, der erkennen ließ, daß der Fisch bei Helgoland ausgesetzt worden war. Wenn man auch annimmt, daß der Fisch von der Nordsee durch den Kaiser-Wil-helm-Kanal in die Ostsee gelangt ist, so ist es immer noch erstaunlich, daß ein solcher Plattfisch, den man gewiß nicht zu den besten Schwimmern rechnen darf, im Meere von Helgoland nach der Küste Pommerns gelangt ist, selbst wenn Strömungen dabei mitgeholfen haben. Einesensationell'e Premiere, die im Londoner St. JamesTheater bevorsteht, bildet seit Wochen das Gespräch in den Londoner Salons. Bei einer Matinee zu Wohlthätigkeitszwecken, bei der Sarah Bernhardt. die Duse, die Rejane, Jeanne Granier, Caruso, Maurel und andere Größen mitwirken, wird auch einLustspiel von Edith Valfour, Elisabeth Strpde und I. Coudurier zum ersten Male aufgeführt werden. Unter dem Namen Edith Balfour verbirgt sich Mrs. Alfred Littleton, die Frau des Kolonialministers, unter dem Namen (nsabeth Strode aber Lady Beity Balfour. Das Vseudonym mußte auf die Bitte des Premiers, Mr. Balfour, gewählt werken, der für Ministerfrauen nicht passend fand, daß iht Name auf dem Theaterzettel prangt. Aber ganz London kennt natürlich das Geheimniß und erwartet gespannt die Aufführung. Das Stück führten Titel 2H: Faddistö" und ist eine ltl ßende Satire auf die Manien der besten englischen Gesellschaft auf hygienischem Gebiet; man sagt fogar, es sei ein Schlüsselstück-.

Ein weiblicher Nimrod ist

die Gattin des Staatswildhüters I. H. Rhodes in Sedalia, Mo. Sie löste vom Countyclerk gegen Zahlung der üblichen Gebühr einen Jagdschein in ihrem Namen. Sie ist eine große Freundin der Jagd und des Fischens und wahrscheinlich die erste Frau, welche je einen Jagdschein in Missouri gelöst hat. Ein merkwürdZaer Fall wird aus Pennsylvanien berichtet: Cllfsord, der zehniabnae Sohn des Postmeisters John Green von Homestead, war mit anderen Jungen baden gegangen und hatte seitdem über wüthende Schmerzen in einem seiner Ohren geklagt. Alle angewandten HausMittel versaaten, und endlich, nach etwa zwei Wochen, zog die Familie einen Arzt zu Rathe. Dieser entdeckte und entfernte die Ursache des Uebels, und der Junge war nun von Schmerz vesreit. Und was war's? Em wmziger Bachkrebs, der dem Knaben wahrscheinlich damals beim Baden in's Ohr gekrochen war und nicht wieder herausgefunden hatte. Eine sonderbare Schadenersatzklage ist im Gericht zu La Crosse, Wis., vor einer Jury zum Austrag gekommen. Die Klage hatte Col. N. R. Nelson gegen die Chicago & Northwestern - Bahn angestrengt. Col. Nelson wurde auf der Fahrt von einem Schlaganfall betroffen, nachdem er in Mankato, Minn., den Zug nach La Crosse bestiegen hatte, und mußte lange Stunden ohne ärztliche Hilfe aushalten. Er war zeitweise ohne Besinnung und hatte dem Condukteur ernstlich eingeprägt, ihn ja in LaCrosse abzusetzen. Das geschah aber nicht, und man setzte ihn in West Salem ab, er kam erst am nächsten Tage heim, wodurch sein Gesundheitszustand so zerrütte! wurde, daß $15,000 Entschädigung nicht zu viel sei. Die Jury war aber der Meinung, daß $6500 den Schaden decken würden. In Littleton. W. Va., hat Frau P. Baß ihren 12 Jahre alten Sohn erschossen, der als Schlafwandler auf der Veranda herumging. Die Mutter hatte eine Gestalt am Fenster beobachtet und holte einen Revolver, mit dem sie nur einen Schuß abfeuerte, der den Knaben auf der Stelle tödtete. Der Vater ist Polizist und war nicht zu Hause. Die Mutter ist untröstlich. .:Jm Staate. Iowa fand kürzlich eine aufregende Jagd von 18 Stunden mit Automobil, und Hunden aüf zwei Neger Namens Andrew Smitt) und Robert Campbell statt, die aus dem Monroe County - Gefängniß durch Durchbrechen der Ziegelmauer entflohen waren. Sheriff Cremer von Ottumwa machte sich mit einem Autonl'obil und Bluthunden auf die Verfolgang und stellte sie in einem Gehölz bei Albion. Die beiden Verbrecher sind einer wegen Mord und der andere wegen Einbruch angeklagt. Im Kindergericht in New Jork . wurde unlängst die 15jährige Elsie Raezek dem Richter Wilkins unter der Beschuldigung vorgeführt, mit 'einem großen Touren - Automobil durch die Straßen gefahren zu sein, ohne eine Chauffeur - Licenz in ihrem Besitze zu haben. Ein Polizist von der Radfahrer - Abtheilung trat als Kläger auf. Er bezeugte, das kleine Fräulein sei. die Hand am Hebel- der mächtigen Maschine, in raschem Tempo. ohne jedoch die gesetzliche Geschwindigkeitsgrenze gänzlich zu überschreiten, drauf los gefahren; er habe sie eingeholt; auf die Frage nach ihrer Licenz habe Elsie eine schnippische Antwort gegeben; darauf habe er sie veranlaßt, ihm in dem Kraftwagen nach ' dem Stationshause zu folgen. Ein befreundeter Arzt stellte dort die verlangte Bürgschaft, und der weibliche Chauffeur fuhr wohlgemuth nach Hause. Es ergab sich im Laufe des Verhörs, daß die Eltern der ebenso hübschen wie forschen Elsie zur kritischen Zeit in dem Kraftwagen saßen und daß Herr Raezek im Besitze der erforderlichen Chauffeur - Licenz 'ist. Richter Wilkins entließ darauf das Mädchen unter Obhut der Eltern. Ein junger Bursche, den die Qualen des Heimwehs zum Dieb gemacht hatten, wurde in Baltimore festgenommen. Es war der 18 Jahre alte John Ambursky von Posen, Deutschland, der beschuldigt wird, in der Ortschaft McClure bei Connellsville, Pa., $80 gestohlen zu haben. Ambursky kam im April dieses Jahres nach Amerika, war an den Cokeöfen bei Connellsville angestellt und bekam Heimweh nach der alten Mutter; der Vater ist todt. Das Bureau des Geschäftsführers der Compagnie, für die er arbeitete, zu einer Zeit betretend, als Niemand anwesend war, gewahrte er auf. dem Pult $80 in Baargeld. Es schoß ihm durch denSinn, daß diese Summe seine Sehnsucht nach der einsamen Mutter in der alten Heimath erfüllen könnte, und ehe er recht wußte, wie'ö geschah, befand das Geld sich in seiner Tasche. Er kaufte sofort für $33 ein Fahrbillet für einen von Baltimore abfahrenden Lloyd - Dampfer, deinen Reisekoffer, einen neuen Anzuä und sonstige nothwendige Sachen und hatte $3.67 übrig. Dann reiste er per Bahn nach Baltimore ab. Der Diebstahl war unterdessen bereits entdeckt und eine Photographie ds Diebes.nach Baltimore cesandt worden. . Ein Geheimpolizist nahm den jungen Polen in per Nähe deö Camden - Baynyozes

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. AuS einem 31jährigen Schlaf ist, wie spanische Zeitungen berichten, eine Pächterin aus Villaciense bei Burgos erwacht. Die Frau hat die Erinnerung an die Ereignisse ihres Lebens vor 31 Jahren frisch im Gedächtniß bewahrt, als wären sie erst gestern geschehen. Zu ihrem größten Erstem nen fand sie ihre Angehörigen sehr gealtert, und sie konnte gar nicht glauben, daß ihr Leben so lange Zeit ausgesetzt haben sollte. Von allen Seiten kommen Aerzte, um Fragen zu stellen und Beobachtungen zu machen. JnAlt-Rognitzbei Trautenau in Böhmen ereignete sich bei der Fronleichnams - Prozession ein merkwürdiger Zwischenfall. Mehrere aufgescheuchte Bienenschwärme fielen über die Prozession her und stachen wie toll auf die armen Leute ein, so daß sieben, über und über mit Wunden bedeckt, ohnmächtig zusammenbrachen. Ein Geistlicher flüchtete vor den rasenden Thieren in's Wasser, die übrigen hatten sich weithin auf die Felder zerstreut. Die' Bienen stürzten sich dann auf einen Bauernhof, wo sie unter den Hühnern und dem Rindvieh furchtbar hausten. Schließlich wurden sie durch einen Imker beruhigt. Ein.dramatischesVersuchstheater" hat die Gesellschaft der Theaterdichter in Italien in Florenz gegründet. In diesem sollen alljährlich Stücke von jungen Dichtern dem Publikum vorgeführt werden. Für das Jahr 1905 hatte ein Florentiner einen Preis -von 1000 Lire für das beste Stück ausgesetzt. Die Zahl der Theilnehmer am Wettbewerbe war sehr groß. Indessen erschienen die beiden Werke, die die Auszeichnung erhielten, nicht gerade als vorzüglich; ihre Verfasser waren de Benedetti und Giuseppe Lonciarini. Unter den anderen Stücken, die aufgeführt wurden, waren noch bemerkenswerth: Gli Osii di Capua", eine Militärsatire von Augusto Novelli, und Odio Bince", tragisches Sittenbild aus Sardinien von Grazia Deledda. Bei Wittenberge ging ein 14jähriger Schulknabe mit dem Gesangbuche in der Hand in die Elbe. Als Leiche wurde er bei Schulau gefunden. Der Knabe war von großem Ehrgeiz beseelt, in der Schule es den

Besten gleich zu thun. Da er aber im Lernen etwas schwerfällig war, konnte er trotz aller Anstrengungen nicht mitkommen. Seine letzte Aufgabe konnte er nicht bewältigen, und das scheint der Anlaß gewesen zu fern, daß er in den Tod ging. Er hatte aufbekommen, einen Gesangbuchvers auswendig zu lernen. Der jedenfalls überreizte und überangestrengte Knabe vermochte den Vers seinem Gedächtnisse nicht einzuprägen. So ging er an dem Tage, an dem er den Vers aufsagen sollte, nicht in die Schule, sondern in der geschilderten Weise in den Tod. Der Vater des unglücklichen Jungen ist um so mehr zu bedauern, als er schon vor einiger Zeat einen Sohn durch Ertrinken verloren hat. Achtzehnjapanische Sa nitätssoldaten sind kurzlich unter Fuh rung zweier japanischer Militärärzte vom Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin nach Bremen gefahren, wo sie an Bord des Dampfers Preußen" die Fahrt in die Heimath antraten Die zwanzig Mann starke Truppe war in den verschiedenen Kämpfen auf den Schlachtfeldern der Mandschurei gefangen genommen und nach Rußland gebracht worden. Als Soldaten, die unter dem Zeichen des Rothen Kreuzes gefochten haben, wurden sie schließlich freigegeben und ihnen die Heimfahrt gestattet. Diese führte sie über Berlin und hier waren sie in dem am Schone berger Ufer belegenen Heim des Nipvon - Clubs einquarnrt. Um alles Aufsehen zu vermeiden und keinerlei Gelegenheit zu Kundgebungen zu bieten, hatten Soldaten wie Offiziere bald nach ihrer Ankunft m Berlin Ci vilkleidung angelegt. Am Bahnhof war em Mitglied der dortigen mpam schen Gesandtschaft erschienen, um den Landsleuten im Namen der Legation Lebewohl zu sagen, während ein japanischer Major ihnen das Geleit bis Bremen gab. Die Eisenbahndirektion zu Posen hatte im Jahres 1903 an die Bahnhofswirthe ihres Bezirks eine Verfügung ergehen lassen, nach welcher das Kartenspielen m den Bahnhofswirthschaften allgemein und Jeder mann, also auch dem reisenden Publi kum, verboten wurde. Nachdem nun dieses Verbot zwei Jahre bestanden, ist der genannten Eisenbahndirektion unlängst von zwei Vertrauensmännern des Posener Bezirksverbandes der deutschen Bahnhofs Wirthe unter ent sprechender Begründung eine Bittschrift um Aufhebung oder Milderung des fraglichen Spielverbots unterbrer tet worden, worauf die genannte Behörde kürzlich den nachfolgenden Bescheid ertheilt hat: jxnitt Abänderung der Verfügung vom 17. Mai 1903 wollen wir versuchsweise das Kartenspielen in den Warteräumen in der verkehrsfreien Zeit mit Beschränkgen wieder zulassen, daß jedenfalls eine Viertelstunde vor Abgang eines Zuges nicht gespielt werden darf. Es wird bierbe: erwartet, daß durch das Svu len irgend welche Unzuträglichkeiten für das reisende Publikum vermieden werden; im Falle begründeter Beschwerden würde das Verbot in vollem Umfange wieder in Kraft treten. Hazardspiele sind selbstverständlich unter sagt. Gez. Schulze-Nickel."

Daumricfm drs Zvcflrns. '

olzfälle nd Ltämmktransport in de Staaten Washington und Oregon. , Außerordentlich reich an selten großen Stämmen der Hem!ocktanne,Weißsichte, Riesenceder und des Mammuthbaumes sind die Waldungen der Siaaten Washington und Orcgon, die ihre Millionenvermögen hauptsächlich ihrem längst zu Weltruf gelangten, schier unerschöpflichen Holzbestand verdanken. Die Oregontanne liefert das vorzüglichste Material zum Schiffsbau. Nansens stattlicher Dampser Fram," der dem ungeheuren Druck der ihn einschließenden Eismassen so tapferen Wid:rstand zu leisten vermochte, wurde aus dem Holz jener Urwaldriesen gebaut. Zu den Eisenbahnen wie zu den Goldund Diamantenminen Südafrikas sind fast ausschließlich Tannenstamme aus dem amerikanischen Westen verwendet worden. Australien weiß ebenso, wie Europa seit vielen Jahren die unvergleichliche Beschaffenheit jenes Holzes zu schätzen, und wiederholt hat auch China große Bestellungen an die Sägewühlen am Pugctsund und am Kolumbiafluß ergehen lassen. Es ist keine leichte Arbeit, diele Baumriescn zu fällen, die einen Durchmesser von mindestens 6h bis 16 Fuß aufweisen und deren erster Ast ost 160 Fuß über dem Boden ansetzt. Unter der Leitung eines Aufsehers arbeitet gewöhnlich eine Schaar von zwölf bis fünfzehn Baumfallern. Sobald der Baum zum Fällen ausgewählt ist, wird in einiger Entfernung vom Boden an jeder Seite eine Art Sprungbrett in den Stamm getrieben. Aus diesen Brettern stehen die Leute und gebrauchen eifrig Säge und Azt, bis die m'ächtige Krone zu zittern und zu schwanken beginnt. Auf den Warnungsruf des Aufsehers verlassen die Fäller eilig ihren gefährlichen Standpunkt und bnngen sich mit den Kameraden in Sicherheit. Ganz langsam neigt der Koloß sich nun auf die Seite; bald aber sinkt er schneller und schneller. bricht dann mit lautem Krachen durch das Unterholz und schlagt endlich mit furchtbarer Gewalt auf den Erdboden auf. Der Stamm wird hierauf seiner Aeste und Ninde entkleidet und nach der meist sehr entlegenen Sägemühle geschafft. Zu dem letzteren Ende legt man durch den Wald entweder einen Schienenweg, auf dem eine Lokomotive das Holz hinter sich b-rschleppt, oder man begnügt sich mit cuicm Plankenpfad, über den ein Gespann von acht bis zehn Ochsen die gewaltigen Stämme ziehen muß. Die Anlaqc eines solchen Scheitgeleises" ist mit vieler Mühe und daher mit mcht unbedeutenden Kosten verknüpft. Die in Zwischenräumen von wenigen Fuß jn die Erde gerammten starken Planken ragen etwa drei Zoll aus dem Loden hervor. Nicht selten ist eine solche Skid Road" mehrere englische Meilen lang. Sie führt direkt zu einer Ccbneidemühle oder bis zur nächsten Wasserstraße. Wo Wasser in der Nähe ist, geht der Transport der ungelenken Stämme natürlich einfacher, bequemer und zugleich viel schneiler von Statten. Merkwürdiger Fusbodcnbelag. Die evangelische St. Nikolaikirche in Siegen. Westfalen, die zur Zeit einem gründlichen Umbau unterzogen wird, verfügt über einen eigenartigen Fußbodenbelag. Er besteht aus 390 großen quadratischen gußeisernen Platten deren Mehrzahl von dem Fürsten Johann Moritz von Nassau, der in Siegen residirte, der evangelischen Gemeinde geschenkt wurde. Im Jahre 1660 ließ der Fürst auf seine Kosten das GottesHaus neu Herrichten und brachte es am Neujahrstage 1601 der Gemeinde als Neujahrsgeschenk dar. Ein kleinerer Theil dieser Platten wurde von Siegener Familien gestiftet; darauf deuten Namen auf den Platten hin, die jetzt noch in Siegen bekannt sind. Einzelne Platten tragen auch ein Familienwappen, die aus den sogenannten Hainzeichen entstanden sind, einem bei der Eintheilung der Haubergsschläge beliebten Erkennungszeichen, das mit der Axt in die Grenzpfähle geschlagen wurde. Jnschriften auf zwei dieser Platten beziehen sich auf den verstorbenen Pfarrer Münker, der an derNikolaikirche wirkt: und auch dort beigesetzt wurde; seine Ueberreste wurden bei den Umbauarbeiten unweit des Altares gefunden. Hier befand sich auch früher das Erbbegräbniß des Geschlechts des Fürsten von Oranien. soweit es der Siegener Linie angehörte, später wurden die Särge in die im unteren Schloß hergerichtete Gruft überHeführt. Hicrle! scheint man einen Sarg mit einer Kindesleiche übersehen zu haben, der jetzt sei den Umbauarbeiten gesunden wurde. Der Sarg, aus ZinkergesteLt. brach bei der Ausgrabung in Stücke; die Kleidungsstücke der Leich:, die reich mit Goldstickerei verziert, waren gut er halten.' Elektrizität im Kohle n g r u be n b e t r i e b. TieDelawäre und Hudson Eoal Company in Wilkebarre. Pa.. wird in Bälde all ihre Zechen im nördlichen Theil der Stadt mit Elektrizität betreiben und beleuchten. Die kleinen Lokomotir'en werden durch Motorcars ersetzt werden und die Grubenmaulesel werden gariz verschwinden. Die Kompagnie hatte zuerst einen Versuch in kleinem Maßstab mit dem elektrischen Betrieb gemacht und derselbe war erfolgreicher, als man zuerst erwartete.

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