Indiana Tribüne, Volume 28, Number 290, Indianapolis, Marion County, 31 July 1905 — Page 6
Jndiana Tribüne, 3R. Juli 1903.
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Das Fremdenzimincr
L)'.lINV7kSl!k V0!l S. j) i c p Jt ix xt ? i ndlich war grau Metas sehnlicher, ft Wunsch erfüllt. Sie hatte in der neuen Wohnung ein Fre:,:d:nzimn:er! Ihren Gatten, der zuerst sehr dagegen war, hatte sie mit sanft überredender Bitte und all den tausend Öu'nfceii, die Frauen ja stets auf Lager haben, wenn sie etwas durchsetzen wollen, ihren Wünschen geneigt geinacht. 2lber Männchen," sagte sie, ich will ja das Stübchen nicht blos für Logirbesuch Gott bewahre! Ta stelle ich meine Nähmaschine hinein, den Fliäkorö. Ottos Spielliste und sonst noch allerhand Sachen, mit denen ich nie recht wußte, wohin. Und dann bedenke, wir müssen Tante Paulin? in diesem Jahr unbedingt einmal einladen! . Sie hat Ottochen seit der Taufe nicht wiedergesehen, und Tu weißt doch ich wünsche ihr ja gewiß ein langes Leben, aber sie ist schließlich nicht mehr die Jüngste und nie so recht auf dem Damm und dem Spitc,l kann sie ihr ganzes Geld doch nicht hinterlassen! Ist es da nicht viel besser, sie hat dann ihr Zimmerchen für sich, als wenn wir ihr den Salon einräumen müßten oder gar Dein Arbeitszimmer!" Der Sekretär Willrich schüttelte sich bor Grauen bei dieser Vorstellung. Na also, Tu siehst selbst ein, daß es nicht anders geht nicht wahr?" Wilsöch seufzte und sah es ein. Die Wohnung wurde gemiethet, und glückstrahlend theilte Frau Meta ihren Bekannten und Verwandten mit, daß sie jetzt auch ein Fremdenzimmer hätten. Ihr Mann hatte ihr zwar dringend Schweigen angerathen, aber sie konnte die Gelegenheit, ein bischen zu renommiren, eben gar zu schwer vorübergehen lassen. Kaum war das Logirstübchen eingeräumt zu Flickkorb und Spielkiste hatte sich noch das Plättbrett, eine Sammlung Pappkortons und Ottos alter Sportwagen gesellt so meldete sich auch schon Besuch an. Es war Toni, Willrichs Vase, deren Eltern das Gut Behlau bei Schönlanke besaßen, und die schon längst auf die Gelegenheit gewartet hatte, nach Berlin zu kommen und die Frcuden der ?Zeichshauptstad! gründlich zu genießen. Willrichs neues Fremdenzimmer kam ihr wie gerufen, und da Frau Meta mit Otto im vorigen Iah? ein paar Sommerwochen in Behlau verlebt hatte, so war es nur recht und billig, Tonis Anfrage, ob sie kommen dürfe, mit einem enthusiastischen Ja" zu beantworten. Toni war ein vergnügtes Mädel von achtzehn Jahren; die größte Stadt, die sie bisher gesehen hatte, war Schönlanke, wenn es hoch kam.Schneidemühl. und so wirkten denn die Wunder der Metropole auf sie wie Champagner auf einen nüchternen Magen. S:e berauschte sich förmlich daran, wollte am liebsten den ganzen Tag in den Strafen her umlaufen, und ein Abend, an dem man nicht irgendwo hinging," erschien th? verloren. Ich muß doch die Zeit ausnutzen; wer weizz, wann ich wiederkomme! entgegnete sie auf Frau Metas sanfte Vorstellungen, und schließlich konnte man ihr das ja auch nicht verdenken. yiur ergaven q für willrichs caraus allerhand unliebsame Konsequenzen. Besuchten sie alle drei ein Theater ob ein Konzert, so wurde das eine reichlich theure Sache; allein mocyte Wiünch die beiden Damen auch nicht gehen lassen, und so blieb nichts übrig, als daß er selbst seine Base begleitete, während seme Frau zu Haus dleiven mußte. Das war aber durchaus nicht nach Frau Metas Geschmack, und sie gab thttm Aerger unverhohlen Ausdruck. Ja, liebes Kind," erwiderte d Gatte mit einem Lächeln, tz UettU wollende als boshaft leiten bizichnen können, Logirbesuch hat nun eben seine Unbequemlichkeiten! Ich gestehe ja gern zu, daß Du diesmal allein der leidende Theil bist denn ich. offen gesagt, habe gar nichts gegen so eine kleine Auffrischung und angenehme Abwechslung aber schließlich, Du kannst doch Ton: nicht hinauswerfen!" Frau Meta kniff die Lippen zusammen. Angenehme Abwechslung? Auf frischung? I da sollte doch gleich " Am nächsten Mittag bei Tisch bemerkte sie. daß sie die Absicht hätte, sich auf zwei Tage eine Flickfrau in's Haus zu nehmen. . Ich kann das Ausbessern und Stopfen für uns alle wirklich nich allein schaffen, Hugo, besonders jetzt, wo lch fast gar mcht zum ruhigen Ar beiten komme und es hat sich ein vilejenvcrg angesammelt: 5vrau wird übrigens wohl in der Wohnstube sitzen müssen." In der Wohnstube? . Na, hör' mal das ist doch gräßlich ungemuthllch! entgegnete Willrich verdrießlich. Ja, wo aber sonst? Das kleine Zimmer ist besetzt Bitte, liebe Meta, wenn ich Euch ir gendwie im Wege bin. reise ich natür lich sofort ab." mischte sich hier Vase Toni mit höchlichst gekränkter Miene in's Gespräch. Du brauchst es blos
zu faen!
)Oaö that nun zwar Frau wtta
nicht, aber ihre Aufforderung zum Bleiben klang so verdächtig kühl und gezwungen, daß Toni noch am selben Tage ihre Sachen packte und sehr emPort den heimischen Kartoffelfeldern w.eder zufuhr. Willncki war auster na uver.,L25 Benehmen seiner Frau, die lyrcrierrs behauptete, nur Tonis lächerliche Empfindlichkkit sei Schuld an der ganzen Sache, und es kam zu heftigen Szenen. in deren Verlaus Herr Willrich Lust bezeigte, das Vorhandensein des LogirZimmers überhaupt als Quelle alles Bösen hinzustellen. Da lenkte Frau Meta ein, und der Friede wurde geschlössen, aber die Kriegskosten hatte sie doch zu tragen insofern, als der Hase und die beiden Ganze aus Behlau, die ihr sonst so schön über die Schwierigkeiten des Kucyenzettels zu Weihnachten hinweggeholfen hatten, diesmal ausblieben. Einiae Wochen verstrichen, da kam Frau Willrich eines Morgens ganz aufgeregt zu ihrem Mann, der eben auf's Bureau gehen wollte, in den Korndo? nachgelaufen. Hugo, hör' blos mal, was Grete schreibt!" Na, was will denn Deme Schwester? Aber schnell!" Ja, denke Dir, Erich hat die Mafern bekommen, und damit Paul und Franz sich nicht mit anstecken, möchte sie uns die beiden auf drei Wochen herschicken." Was, Pzul und Franz. diese beiden unausstehlichen Rangen? Niemals!" Aber Hugo " Nie, sage ich. Eher ziehe ich aus. Adieu!" Und die Thür flog hinter ihm zu. Als er Mittags nach Haus kam, fand er seinen vierjährigen Sohn gerade damit beschäftigt. Papas Schreibtisch em bischen m Ordnung zu bringen. Seine Frau war nicht zu erblicken, und das Mädchen berichtete ihm auf seine Frage, die Frau hätte 'sich schon Vormittags hingelegt wegen Kopsschmerzenund ließe ihm sagen, er möchte heut mit Ottochen allein essen. Nun war das Alleinessen mit Ottochen" schon an und für sich ein sehr mäßiges Vergnügen für Herrn Willrich, und eine total versalzene Suppe und Schnitzel, die außen schwarz und innen roth waren, trugen auch nicht dazu bei, den Neiz dieses Mittagessens zu eryoyen. Nach Tisch begab er sich in's Schlafzimmer zu seiner Frau. Armes Kind, hast Du solche Mlgräne?" Ja." erwiderte eine schwache StimNie: Aber woher denn nur so plötzlich?" Das wirst Du ja am besten wissen." Die Stimme klang schon etwas frischer. Ich? Wieso denn, liebe Meta?" Na, jedenfalls " jetzt schien Frau Meta ihre Kräfte völlig wieder zu haben. schreibe Du nur selbst an Grete. daß wir ihre armen Kleinen nicht aufnehmen wollen ja, wollen, denn von Nichtkonnen ist hier doch keine Rede! Wenn sich s um Deine Verwandten handelt, die rein zu ihrem Vergnügen herkommen, da bist Du gleich zu haben, aber meine Angehörigen! ach Gott. ich weiß ja und dabei wäre es in diesem Falle doch fast MenschenPflicht " hier brach sie ab und begann zu schluchzen. Willrich fühlte sich äußerst unbehaglich. Er konnte es nun einmal nicht vertragen, wenn seine Frau weinte. Und wenn ihre Kopfschmerzen nicht besser wurden heute Abend nicht, und womöglich auch morgenMittag noch ! Ihn schauderte. Dann sagte er entschlossen: Meta, beruhige Dich. Ich habe es mir überlegt, wir müssen Sie doch wohl zu uns nehmen." Wirklich? ), ich dachte es mir ja gleich. Du kannst nicht so hartherzig sein! Nun stehe ich aber auch auf und schreibe sofort!" Pünktlich am nächsten Tag trafen Paul und Franz ein. Sie waren etwas verschüchtert und daher musterhaft artig, so daß' Willrich die Befürchtung aussprach, sie könnten vielleicht schon angesteckt sein; aber bereits beim Mit tagessen konnte er zu seiner Freude konstatiren, daß diese Sorge grundlos war. Franz begann schon bei der Suppe Gesichter zu schneiden. Hafergrütze? Die eisen wir zu Hause blos, wenn einer Leibschmerzen hat, und dann auch noch mit Zucker drin!" Süße Suppen gibt's bei uns nicht. Franz, daran mußt Du Dich gewöhnen," erklärte die Hausfrau, worauf Paul und Franz sich grinsend ansahen und die Suppe stehen ließen. Der Braten ging ohne Störung vorüber; als jedoch Herr Willrich aufstand und Mahlzeit" sagte, machten die beiden Jungen erstaunte Gesichter. Gibt's denn kein Kompott. Tante, oder 'ne süße S?eise? Bei uns immer!" sagte Paul verdrießlich. Bei uns nicht!" erwiderte Frau Meta kurz und scharf. Das Ehepaar zog sich nun zur Mittagsruhe zurück, wurde aber bald durch ein fürchterliches Geheul aus der Kinderstube aufgeschreckt. Böser Ahnungen voll eilte Willrich in beschleunigtem Tempo hinzu, seine Frau folZie, und als sie das Zimmer betraten, sahen .sie in der Mitte desselben den kleinen Otto mit Bindfaden fest an einen Stuhl gebunden stehen, und während Paul ihn mit einer Stricknadel stichelte, legte
Franz das Gewehr auf ihn an. um ihn todtzuschießen. Das ist der gefangene Weiße, Tante," schrie er, und wir sind die Rothhäute, die ihn martern! Nachher wird er noch skalpirt." Empört befreite die Mutter itsren geängstigten Kleinen und schickte die beiden Rangen einstweilen auf den Hof hinunter, um weiteres Unheil zu verhüten. Dieses war der erste Streich." zitirte Willrich, ich glaube, wir können uns da noch auf allerhand andere gefaßt machen!" Seine Ahnung trog ihn-nicht. Kein: acht Tage vergingen, so waren Ottos hübsche Spielsachen nur noch traurige Reste ehemaliger Herrlichkeit. Allen Thieren vom Elephanten bis zum Hahn aus Tuchflicken quollen die Eingeweide aus dem Leibe man hatte Abdeckerei" gespielt. Die Eistrnbahn war das Opfer eines BetriebsUnfalles geworden, und die schöne Festung von Tante Pauline hatte bei der Erstürmung von Port Arthur" total das Zeitliche gesegnet. Auf Otto selbst wirkte der Umgang entschieden veredelnd" ein. Er gewöhnte sich Ausdrücke an, die seine Eltern geradezu mit Entsetzen erfüllten, mäkelte beim Essen nach dem Beispiel vonPaul und Franz, und beging im Verein mit ihnen tausend Ungezogenheiten, was Frau Meta, die das Kleeblatt nicht zu bändigen vermochte und vergebens an die Hilfe ihres 'Marnes appellirte, an den Nand der Verzweiflung brachte. Eines Nachmittags fand sie, von einem Ausgang zurückkehrend, den kleinen OttMn einem besorgnißerregen'cen Zustand vor. Er war sehr aufgeregt, hatte einen heißen Kopf und hochrothe Bäckchen, so daß sie ihn voller Angst schleunigst zu Bett brachte. Aber es wurde immer schlimmer mit ihm. er war kaum im Bett zu halten, glühte über und über und fing schließlich an, wirres Zeug zu schwatzen, so daß Frau Meta, halbtodt vor Schrecken, 'das Mädchen schnell zum Arzt schickte. Noch keine zehn Minuten war sie fort, als eine Veränderung in Ottos Zustand eintrat. Er wurde grünlichgelb im Gesicht, gab deutliche Zeichen von Unbehagen zu erkennen, und eine große Eruption erfolgte, die ihn sichtlich zu erleichtern schien. Nach kurzer Zeit lag er in ruhigem, festem Schlaf, und der Arzt, der gleichzeitig mit dem heimkehrenden Hausherrn eintraf, konnte nur konstatiren, daß dem Kleinen momentan absolut nichts fehlte. Frau Meta war aber doch noch nicht ganz beruhigt, sie zerbrach sich den Kopf über den Grund des merkwürdigen Anfalls und war sehr geneigt, ihn für den Vorboten irgend einer schweren Krankheit zu halten. Verstimmt setzte
man sich zu Tisch; auch Paul und Franz waren gegen ihre sonstige Ge wohnheit still und in sich gekehrt. Der Thce kam, und Herr Willrich wollte sich Arak eingießen, hielt aber erstaunt inne. Na, was ist denn das? Gestern war die Flasche noch halb voll und jetzt ist blos noch ein Bodensatz drin? Wer ist dabei gewesen? Ich nicht." erklärte Frau Meta. Die beiden Jungen schwiegen und versuchten, harmlose Gesichter zu machen, waren aber ausfallend roth geworden. Willrich sah sie scharf an. Wart Ihr es? Heraus mit der Sprache? Na. wird's bald?" Wir haben aber doch nicht draus getrunken, Onkel," sagte Franz etwas kleinlaut, blos der Otto " Was, Otto?" Willrich sprang entsetzt auf. Ja," fuhr Paul fort, er fragte, ob das auch Leberthran wäre, und da gaben wir ihm was zu kosten, aber blos ein Weinglas voll " Schwapp, hatte er eine fürchterliche Ohrfeige weg, Frau Meta übte das gleiche , Strafgericht in verstärktem Maße an Franz und heulend zogen die beiden Miethäter in ihr Schlafkämmerlein ab. Am nächsten Morgen in aller Frühe aber schickte man sie ihren Eltern wie der zu mit emem Bericht über das Vor gefallene, dem Frau Meta noch die Be merkung beifügte, daß es ihrer Mei nung nach rathsam wäre, wenn die Schwester ihre beiden hoffnungsvollen Sprößlinge in etwas strengere Zucht nähme. Sie erhielt darauf die Ant wort, daß gesunde, kräftige Kinder selten solche Musterknaben seien, wie ihr stets etwas mielriger" Otto, und da jede Mutter es als tödtliche Beleidi gung ansieht, wenn man ihr Kind für schwächlich oder gar kränklich halt, ic bekam infolge dieser Auseinandersetzungen die Freundschaft zwischen den beiden Familien einen dauernden Riß. Nach dem Abzug dieser Störenfriede folgten nun für Willrichs Tage voller Ruhe und Behaglichkeit; fast so. als ob wir kein Logirzimmer hätten," sagte Herr Willrich. worauf Frau Meta erwiderte, daß sie nach den gemachten Erfahrungen ganz gewiß sobald nicht wieder Besuch bei sich aufnehmen wurde. Doch das Unglück schreitet schnell! Eines Abends das große Waschfest war gerade vorüber und Frau Willrich. müde und abgearbeitet, erzählte eben ihrem Mann, daß infolge Platzmangels auf dem Trockenboden das Feine in der Logirstube Ginge hängt werden mußte, klingelte es heftig. Das wird wohl der Schlächter sein." saate 5Zrau Meta aäbnend. .dem
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ivj uu uuii zu In diesem Augenblick öffnete sich die Thür, und in ihrem Rahmen erschien Tante Paullne aus Wriezen. die höchlichst vergnügt das vor Schreck wie versteinert dasitzende Ehepaar musterte. via, Kinder, die Ueberraichung ist mir aber fein gelungen!" rief sie lachend. Ich hätte mich ja sonst vorher angemeldet, aber Meta schrieb mir, daß Ihr letzt eine Fremdenstube hx und fertig eingerichtet habt, und da wollte ich mir gern den Spaß machen, so unerwartet bei Euch einzutreten. Ich komme doch mcht etwa ungelegen?" Aber nein, liebste Tante, wir freuen uns ja riesig!" Willrich, der sich mittlerweile etwas gefaßt hatte, sprang auf und umyalste die Tante stürmisch. Nicht wahr, Meta? Nun decke aber schleunigst wieder auf, und während die Tante Abendbrot ißt, kann das Zimmer in Ordnuna aebracbt werden." Frau Meta verschwand und renne erst nach geraumer Zeit und mit merkwürdig erhitztem Gesicht zurück. So, Tantchen, es ist alles parat, Tu wirst Tich gewiß nun gleich hinlegen wollen? Die weite Reise " Ich? Aber Kind, so klapprich bin ich denn doch noch nicht, daß das bischen Eisenbahnfahrt mich angreift! Außerdem kann ich so früh ja doch nicht einschlafen. Setz' Dich nur her, wir wollen noch ein Stündchen recht gemüthlich plaudern!" Frau Meta sah verzweiflungsvoll zu ihrem Mann hinüber, der sich kaum das Lachen verbeißen konnte. Gewiß, Tantchen, wie Du willst." . Nicht wahr, Meta. das Zimmer ist doch recht ruhig?" fragte sie die Hausfrau, die vor Müdigkeit dem Umsinken nahe war. Du weißt ja, mein Schlaf " Die Stube liegt nach dem Garten hinaus, Tante, Du wirst sicher dort ganz ungestört sein," erwiderte Frau Meta und öffnete die Thür des kleinen Gemaches, in dem sich die Tante prüsend umsah und dann zufrieden nickte. Plötzlich aber fiel ihr Blick auf das Bett, das mit blüthenweißen Kissen einladend schimmerte. Ach, eine eiserne Bettstelle? Liebste Meta, nimm mir's nicht übel, aber das geht nicht! Eine extra gute Matratze ist's? Ja, ja, wenn auch, aber es sind doch nun mal keine Sprungfedern! Glaube mir, ich bin am nächsten Morgen total kaput, wie gerädert! Könntest Du mir denn keine Holzbettstelle geben?" Leider nein, Tante, es müßte denn gerade eine von unseren beiden sem." Na, Kind, ginge denn das nicht? Dein Mann ist ja jung, der kann schließlich auch ein bischen härter liegen nicht wahr? Und sieh mal, wirklich, ich " Schon war Frau Meta in die Schlaf stube geeilt, um ihrem Gatten, der eben dabei war, sich in Morpheus' Arme zu werfen, die erfreuliche Mittheilung von den Wünschen der Tante zu machen. Willrich fluchte greulich, aber was half's? Er mußte heraus, und nach unsäglichen Mühen, sowie verschiedenen Schrammen an den Möbeln und an des Hausherrn Schienbeinen gelang es denn auch,' me Umwälzung zu bemerk stelligen, worauf man sich allerseits recht von Herzen gute Nacht wünschte. Der nächste Morgen vereinigte sämmtliche Hausgenossen um den Kaffeetisch, und Otto wurde der Tante vorgestellt. Der erste Eindruck war m sofern kein günstiger, als Otto sofort nach dem Mitgebrachten" fragte. worauf die Tante mißbilligend bemerkte, fo etwas schicke sich nicht für einen wohlerzogenen Knaben. Letztere Benennung erregte bei Otto so große Heiterkeit, daß Frau Meta. um die Aufmerksamkeit von ihm abzulenken, sich mit lebhaftem Interesse erkundigte, wie denn Tante Pauline geschlafen habe. Gott, Kind, so leidlich!" gab die Tante mit etwas gequältem Lächeln zur Antwort, wenigstens bis sechs. Als es dann so fürchterlich klingelte, wachte ich natürlich auf und konnte von da ab kein Auge mehr zuthun. Das ist die Semmelfrau, Tante. Früher wurde uns so oft das Frühstück aus dem Beutel gestohlen, und deshalb muß sie jetzt immer klingeln. Es thut mir schrecklich leid, aber Aber, liebe Meta. ich bitte Dich schließlich schadet es ja auch nichts, wenn ich von sechs Uhr ab auf bin allerdings, lange werde ich es wohl nicht aushalten," setzte die Tante mit einem bekümmerten Seufzer hinzu. Das Resultat dieser Unterhaltung war, daß die Semmelfrau ersucht ward, stets pünktlich um sechs Uhr zu kömmen, wo sie Mina, das Dienstmädchen, an der Thür erwarten wollte. Selbstverständlich kam die Frau nie zur Zeit, und Mina wurde wegen der albernen Aufpasserei" Morgens nicht Mit dem Aufräumen fertig, was sich wegen der ohnedies schon vermehrten Arbeit im Haushalt recht unangenehm fühlbar machte. Ueberhaupt war das Verhältniß zwischen .Mina und der Tante kein erfreuliches. Mina hatte nämlich die Gewohnheit, sich das mittagliche Ab waschen durch Gesang in langgezoge nen Molltönen zu verkürzen, was die Nerven der Tante auf's Peinlichste erregte. Sie beklagte sich bitter bei der Hausfrau darüber, und dieser blieb nichts weiter übrig, als dem Mädchen in, musikalischen Uebunaen zu unter-
jagen. ?carurltch war Mna emporr,
und sie machte ihrem Zorn dadurch Lust, daß sie jetzt reim Abwäschen einen geradezu höllischen Spektakel vollführte und jedesmal ein paar Blechdeckel schmetternd zur Erde fallen ließ, so daß der Tante das Mlttaaschläfchen in ihrer Stube, die der Küche gegenüber lag, einfach unmöglich gemacht wurde. Frau Meta bot das Sofa im Wohnzimmer an. aber das hatte zu hohe Lehnen, so daß man sich nicht gut darauf hinlegen- konnte, was Tante Pauline zu ihrem Wohlbefinden unbedingt nothig hatte. Das einzia wäre die Chaiselongue in Hugos Zimmer," meinte sie, aber selbstverständlich liegt es mir ganz fern, ihn etwa verdrängen zu wollen." Hugo, innerlich schäumend vor Wuth, aber mit verbindlichstem Lächeln, stellte seinen Diwan zur Verfügung, indem er versicherte, daß er ohnedies Mittags fast niemals schlafe. Die wilden Verwünschungen indeß, die er jetzt stets nach Tisch auf dem sieiflehnigen Sofa im Eßzimmer ausstieß, legten die Vermuthung nahe, daß diese Behauptung nicht ganz der Wahrheit entsprochen habe. Doch das war -alles nur eine Kostprobe aus dem Lecker des Leiden.. Eines Morgens erschien die Tan:: mit kläglichem Gesicht und einem dicken wollenen Syawl um den Hals zum Frühstück; sie war stark erkältet und hustete. Das erschien nun Willrichs noch nicht als ein Grund zu irgend welcher Vesorgniß, doch auf eine diesbezüglicke Bemerkung schüttelte Tante Pauline wehmüthig lächelnd den Kops. Lieber Hugo, eine so robuste Natur wie die Deinige wird natürlich schnell mit einem Katarrh fertig, aber bei mir ist die Sache leider nicht so einfach. Mit dem Husten fängt es immer an, dann geht's auf den Magen über und schließlich in die Beine, so daß ich mich auf mindestens drei Wochen legen muß. Es ist nur ein Glück, daß ich hier bei Euch bin und so gute Pflege haben kann!" Dem unglücklichen Ehepaar wurde es schwarz vor den Augen. Gott, wenn die Tante hier krank würde! Die Wirthschaft stand ohnedies schon auf dem Kopf, aber dann dann Willrich kam zuerst wieder zu sich. Ja, liebe Tante' sagte er mit schwerer Zunge, gibt's denn gar kein Mittel, um dem vorzubeugen?" Wenig. Hugo," seufzte die Leidende. Nur Wärme, große Wärme im Zimmer und dann vor allen Dingen, des Hustens wegen, kein Rauch!" Hugo erblaßte. Eine Stubentemperatur. die über vierzehn Grad hinausging, war ihm direkt unerträglich, und sollte er etwa das Rauchen aufgeben? Nein, das war unmöglich, des ging über menschliche Kräfte, lieber sollten alle Vortheile, die dieser Tantenbesuch mög lichenfalls haben konnte, in's Pfeffer land gehen! Er öffnete schon den Mund, als Frau Meta, die Böses ahnen mochte. ihm das Wort abschnitt. Aber gewiß, Tantchen, das ist ja -leicht zu machen! Wir wollen tüchtig einkacheln und Hugo wird eben eine Zeitlang das Qualmen lassen es bekommt ihm so wie so nicht gut. Paß auf, dann bist Du bald wieder ganz auf dem Posten! An den nun folgenden Tagen lief Willrich herum wie ein brüllender Löwe, der suchet, wen er verschlinge. Dann wich seine Wuth einem dumpfen Brüten, und endlich, am Mittag des vierten Tages, kam er ganz aufgeregt zu seiner Frau in's Wohnzimmer gestürzt: Meta. ich hab's, ich hab's!" Was denn? Ich wußte gar nicht, daß Du was verloren hattest?" Nichts verloren, meinst Du? - Meine Ruhe, meine Behaglichkeit, mein Kanapee, meine Cigarre alles habe ich verloren, aber jetzt weiß ich, wie ich s wiederkriege! Mein Gott, Hugo, was hast Du vor?" -fragte Frau Meta erschrocken. Wart's nur ab, bald .wird sich's zei gen! Kikeriki!" erwiderte er lachend und ließ sich trotz allen Drängens nicht auf eme nähere Erklärung dieses merk würdigen Ausrufs ein. Am nächsten Morgen erschien Tante Pauline. ganz gegen ihre sonstige Ge wohnheit, bereits um sieben Uhr zum Kaffee, den das Ehepaar sonst um diese frühe Stunde allein einzunehmen pflegte. Sie sah sehr abgespannt aus und ließ sich mit allen Zeichen tiefer seelischer Depression in einen Stuhl sinken. Auf Frau Metas besorgte Frage. was denn geschehen sei, erwiderte sie mit matter Stimme: Ach, Kinder, denkt Euch nur! Die Leute im NebenHaus, wo der kleine Garten ist, haben sich Hühner angeschafft! Huhner und einen Hahn, der schon um vier Uhr angefangen hat. zu krähen! Es war einfach entsetzlich ich konnte keine Minute mehr schlafen. Wenn das so fort geht, reise ich morgen ab!" Willrich lächelte diabolisch. Ja, Tante, da wird wohl nicht viel zu ma chen sein! Man kann den Leuten doch nicht verbieten, sich Geflügel im Garten zu halten! Und wenn's noch heller wird, fängt der Hahn schon um drei Uhr zu krähen an." Um Gottes willen!" stöhnte die Tante. Dann bleibt mir wohl kaum etwas anderes übrig, als Euch zu ver lassen, so schwer mir der Entschluß auch wird vn meinem leidenden Zu stand!"
Qerzte.
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