Indiana Tribüne, Volume 28, Number 285, Indianapolis, Marion County, 25 July 1905 — Page 6
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Jndiana Tribüne, 25. Juli 1903.
Europäische Nachrichten Frovinz Schresn?ig'Korstein. Schleswig. Kürzlich erhängte sich der Landmann Christoph Schuster. Der 52jährige Mann hinterläßt außer seiner Frau eine Tochter. Vor wenigen Jahren machte ein Sohn des Selbstmörders seinem Leben ebenfalls durch Erhängen ein Ende. Altona. Vor Kurzem konnte der Bürgermeister Geh. Regierungsrath Rosenhagen den Tag feiern, an dem er vor fünfzig Jahren in den Verwaltungsdienst getreten ist. El ms Horn. Der Kutscher Johann Müller bei Nikolaus Mohr seierte sein 40jähriges Dienstjiläum. Hier starb im Alter von 75 Jahren der frühere Kapitän und Hafenmeister Henning Eggers. Der Verstorbene war lange Jahre als Kapitän thätig auf Schiffen, die die ostasiatischen Häfen besuchten, und an denen er selbst Antheil hatte. Von 1899 bis 1902 verwaltete Eggers das Amt eines HafenmeisterS. F l e n s b u r g. Vor Kurzem starb hier die älteste Einwohnerin, die Wittwe Christine Petersen, im Ali:r von 99 Jahren. G l ü ck st a d t. Ein seltenes Jubiläum beging Fräulein Anna Krohn, welche vor 25 Jahren bei dem früheren Kunstgärtner, späteren Rentier Fr. Ehlers in Stellung trat und während dieser langen Zeit in treuer Pflichterfüllung ununterbrochen dem genannten Hause angehört hat. Leider ist die Jubilarin vor Weihnachten schwer erkrankt und befindet sich auch jetzt noch im hiesigen Krankenhause. Heide. Ihre goldene Hochzeit feierten die Eheleute Diedrich Söht hierselbst. Der Jubilar ist Mitbegründer der hiesigen Fleischerinnung, deren langjähriger Obermeister er war. Beide Jubilare sind noch körperlich rüstig. Kiel. Oberleutnant Goldensiedt vom Linienschiff Zähringen" ist an Blutvergiftung gestorben. Meldors. Ihre goldene Hochzeit begingen der frühere Kaufmann H. C. Schlesmann und Frau. Der Jubilar ist ein Kampfgenosse von 1843 und hat bei den Jägern gestanden. Neumünster. Vor einiger Zeit brannte das Gewese des Gastwirths Noer in der Kielerstraße Zum weißen Roß"'. Kleine Kinder, die in dem großen Scheunenraume, der für die Lagerunz großer Mengen von Stroh und Holz diente, mitStreichhölzern gespielt haben, sollen die Entstehung des Feuers verursacht haben. Der große Scheunentheil des Geweses ist bis auf die Mauern niedergebrannt, während der vordere Wohn- und Wirthschaftstheil, wenn auch durch Wasser arg beschädigt, vom eigentlichen Feuer gerettet werden konnte. V i ö l. Der Sohn des Amtsvorsiehers Petersen - Jerreshoe fuhr mit seinem Nachbar vom hiesigen Markt nach Hause. Kurz hinter unserem Ort scheute das Pferds der Wagen fiel mit den beiden um und stürzte unglückli- - cherweise in eine tiefe Mergelkuhle. Pe terson ertrank, wogegen der andere sich durch Schwimmen rettete. Provinz Schlesien. B r e s l a u. Aus dem Fenster des 3. Stockwerks stürzte sich ein Ottostraße 27 wohnhaftes junges Mädchen, Namens Bettkoöer. Die Ursache zu dem unglücklichen Ereigniß soll in einem Streit liegen, den das Mädchen vorher mit ihrem Bräutigam hatte. Letztens wurde die Leiche des 11 Jahre alten Knaben Paul Löffel aus dem Umgehungs - Canal gezogen. Der Knabe war aus Furcht vor Strafe wegen eines kleinen Diebstahls von der Fürstenbrücke in das Wasser gesprunge!'.. Sein 25jäbige, MeisterZubiläum feierte zugleich mit seiner silbernen Hochzeit der Schneidermeister Schobert, Weidenstraße 2. Oberhalb Auras wurde die Leiche des vor einiger Zeit ertrunkenen Schiffers und Stromarbeiters Ernst Hoffmann von hier, derRofenstraße 13 gewohnt hatte, gelandet. ' AS lau. T'ödtlich verunglückt ist der beim Fuhrunternehmer Liehe jr. in Oberleschen bedienstet gewesene Kutscher Herm. Hirsch von hier. Als er mit seinem schwerbeladenenWagen von Nieder - Leschen nach Ober - Leschen fuhr, fiel er von seinem Sitz herunter und gerieth so unglücklich unter die Räder, daß er auf der Stelle todt blieb. B r i e g. Kürzlich wurde in ihrem Bette die Strickerin Henriette Arlt in ihrer Wohnung auf der Oppelnerstraße todt aufgefunden. Ernestinenberg. Einige spielende Kinder füllten eine Flasche mit gebranntem Kalk, um sie durch Aufgießen von Wasser zum Erplodiren zu bringen. Durch die rasch erfolgende Explosion wurde der Knabe Kusber im Gesicht so verletzt, daß die Sehkraft beider Augen vernichtet wurde. N i m p t s ch. Mit zerschmetter-
im Gliedern im hiesigen Krankenhause aufgenommen wurde der Knecht Ernst Schiege aus Karschau, hiesigen Kreises. Im Begriffe, einem entgegen kommenden Gefährt auszuweichen, ge rieth der bedauernswerthe Mann unter dieAader semes eigenen, schwer belade nen Wagens, der ihm über die Beine ging und ihn schwer verletzte. Ratiborhammer. Hier ist die Besitzung deö Häuslers Eduard Mazur niedergebrannt. R o S d i n. Während das 4
jährige Kind des Häuslers Schon aus der Straße umherlief, gerieth es unter einen schnellfahrenden Wagen eines Händlers. Die Räder gingen dem Kinde über den Kopf und tödteten es auf der Stelle. S ck w e i d n i fe. Vor kurzem ist
bier der Reaierunaspräsident a. D. Max o. Pohl, Ehrenbürger der Städte Rahbor und Qulasckm. nach lanaem Leiden im 64. Lebensjahre gestorben. . . " ' jr . . s Z i r k tv l tz. Der Knecht Situ wurde beim Anschirren der Pferde von einem der Thiere so heftig an die Schiäse geschlagen, das; er einen &qa delbruch erlitt. rorittz Fssen. V o s e n. Eine seltene Feier vereinigte die hiesigen Buchdrucker im Hotel Monopol. Galt es doch den Tag, an dem der Schriftsetzer Ferdinand Mittreiter auf eine 60jährige ununterbrocheneBerufsthätigkeit zurückblickte, festnch zu begehen. Bromberg. Hedwlg Wollermann aus Rakel hat hier emenSelbstMordversuch verübt. Sie war :m hiesigen Central - Hctel abgestiegen, hatte sich unter falschem Namen eingetragen und sich nach der Stadt begeben, um sich mit Revolver und Munition auszurüsten. Darauf hatte sie sich dann nach der 8. Schleuse begeben und dort die That ausgeführt. Dochanowo. Ein Unglucksfall ereignete sich hier beim Fällen von Pappeln. Während man im Begriff war, eine Pappel niederzulassen, fuhr das Fuhrwerk des Gastwirths Alwin, auf dem der 16jährige Knecht und der vierjährige Sohn des Gastwirths Alwin saßen, vorbei. Die Arbeiter wollten das Fuhrwerk schnell vorbeifahren lassen. Aber in diesem Augenblick stürzte derVaum nieder und zerschmetterte dem Knaben den Schädel, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Auch ber Knecht wurde schwer verletzt. G r a tz. Die Eheiubllaumsmedaille ist den Braumeister a. D. Wolff'schen Eheleuten hierselbst aus Anlaß ihrer goldenen Hochzeit verliehen worden. K o st s ch x n. Vor einiger Zeit entstand Feuer in dem Hause des Fleischermeisters Koperski am Markt. In diesem Hause wohnten der Vackermeisier Blachowski und der Schuhmachermeiste? Walczak. Das meiste Mobiliar wurde gerettet. Das Haus und ein Anbau brannten vollständig nieder. O b o r n ? k. Die Sektion der Leiche des Au5gedingers Rüge, der todt aufgefunden wurde, hat ergeben, daß Rüge erfroren ist. Rüge war hier in der Stadt zumAbendmahl und hat sich so betrunken, daß er sich in den Graben gelegt und erfroren ist. amter. Der 24iahrige Sohn des hiesigen Malers Trojanowski. der in Frank urt a. M. beim Militär stand, hat sich aus Gram über den Tod seiner Mutter Hierselbst im See ertränkt. Letztens fanden Spaziergäner am Ufer des Sees den Waffenrock, das Seitengewehr und die Mütze eines Soldaten. Es wurde alsbald der See abgesucht, nach längerer Zeit fand man die Leiche ves jungen Mannes. W y s o ck a. Infolge Blitzschlages brannte das Wohnhaus des Wirthes Joseph Dymala vollständig nieder. Bei 'den Rettungsarbeiten wurde der Wirth Michael Rakula durch Herabstürzen eines brennenden Balkens lebensgefahrlrch verletzt. Frovinz Sachsen. Magdeburg. Das Jubiläum seiner 25jährigen Mitgliedschaft im hiesigen Schützenverein beging kürzlich Uz Tapezierer und Dekorateur Wilhelm Hüttenrauch. In der bekannten hiesigen Lokomobilenfabrik von R. Wolf wurde dieser Taae die Lokomobile Ro. 10,000 fertiggestellt. Da die Firma R. Wolf im Gegensatz zu englischen und anderen Fabriken in der Hauptsache größere Lokomobilen liefert, so dürfte sie bezüglich der Durchfchnittsgröße und derGesammtleistung der abgesetzten Lokomobilen weitaus an erster Stelle stehen. Bitterfeld. Letztens ereignete sich ein recht betrübender Unfall im Betriebe der nahen Fabrik GriesheimElektron. Der aus Greppin gebürtige 15jährige Albert Hämicke gerieth beim Rangiren beladener Kohlenwagen zwischen die Puffer zweier Waggons und wurde dadurch so gequetscht, daß nach wenig Augenblicken der Tod eintrat. Erfurt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich beim Abbruch des alten Stürcki'schen Bankhauses Ecke Grasengasse und Anger. Die beiden verheirateten Brüder Hucke aus Jlversgehofen verrichteten in einem Parterrezimmer des Hauses eine kleine Arbeit, während man über ihnen, auf dem zweiten Stock, mit dem Abbrechen des Hauses beschäftigt war. Plötzlich stürzte ein Theil des schweren Giebels ein, durchschlug sämmtliche Decken des Hauses und begrub die beiden Arbeiter unter einem Trümmerhaufen. Sie wurden bewußtlos und mit furchibaren Verletzungen nach dem katholischen Krankenhause gebracht. K a t t e rs n a u n 'd o r f. In der Chausseestraße wurde das vierjährige Töchterchen des Eisenbahnarbeiters Roßberge? von einem Lastgeschirr deS Gutsbesitzers Mansfeld überfahren und war auf der Stelle todt. Halber st ad t. Der Schlosser Paul Reinicke, der in der Eisenbahn Werkstatt mit dem Legen elektrischer Leitungen beschäftigt war, stürzte plötzlich vtfn der Leiter, wobei er sich einen schweren Schädelbruch zuzog. der seinen Tod zur Folge hatte.
ZNeik ZZabersack's Zchreibebrlef
tfe. 402. Seöhrter Mister EdZtbcr! ' Ich hen ihn gesehn un ich hen en Tahk mit ihn gehabt, ei tell juh, er is en feiner Mann, ich meine den Pressenden! von die französische Riepoblick. den Moßjiöh Lubbeh. Was ich for en Trubel gehab't hen, befor daß ich ihn gesehn hen, das hen ich Ihn schon gesagt. Wie ich dann endlich zu ihn komme sin do hen ich doch keinder emberrest gefühlt, bikahs mer weiß doch nie nit, was so en Mann for EidieS von so en kommene Mensche wie mich Hot. Awwer er is kein bische praut gewese. Er Hot mit mich Händs geschehkt un Hot gesagt, er wär glähd mich zu sehn un er dehi wische, er könnt emol en kleine Tahk mit mich hen, so ganz anter nanuh" wie mer uff frensch sage duht. Ich hen gesagt, ich deht ganz denselwe Weg fühle un wann er e wenig Zeit zu spehre hätt, ich hätt plentie Zeit. Ahlrecht Hot er gesagt un dann sin mer in das nächste Ruhm. Er Hot Sickeretts un e Battel Criem die Ment herbeigeholt. Jedes hat e Gläsche voll gedrunke un ich kann Jhne sage, so ebbeS feines hen ich in mein ganzes Lewe noch nit gehabt. Dann hen mer uns e Sickerett geleit UN der Pressenden! Hot gestart zu tahke. Sehn Se Mister Habersack, Hot er gesagt, ich hen immer e arig gute Oppinjien von die Amerrikens gehabt; bikahs es is e Nehschen, wo for Libberteh is, grad wie unsere granhd Nassiong" un das gleich ich; awwer in die letzte Zeit hen ich meine Oppinjien getschehnscht. Was is denn ennihau die Mätter mit die Juneited Stehts? Wollt Ihr denn- absolut hen, daß mir Wahr mit Schermennie kriege? Ihr sollt euch schehme so ebbes zu promohte. Was Frähnz konzerne duht, mir hen in die erschte Lein noch von unsern letzte Krieg die Nos voll un dann sin mir mit Schermennie an so gute Töhrms, daß mir gar nit dran denke, en Wahr anzufange. Un dann noch e anneres Ding: wllßt Ihr in die Juneited StehtS denn nit, daß es niemand anuerschter is, wie die Englische, wo uns daö meint La Frangs" un Schermennie in en Wahr uffmickfe wolle, bikahs (e denke, se könne dabei praffitte. Bieeids das sollt ich denke, daß die JuneitedStehts den Mund gar nit so voll nemme sollte mit den Wahrbißneß, sonst könnt es emol häppene, daß se selbst in so en Wahr uffgemickst wer'n. So viel ich weiß sin mir un dieDeutsche die beste Freunde von die Juneited Stehts, e darnseit bessere wie die Englische un es guckt gar nit schön, wenn se so alle Leis, wo se von die englische Pehpersch in die Ohre geblose kriege, gleich ausposaune un ihre schlechte Witz driwwer mache. Ei tell juh, mir wäre darn Fuhls, wann mir mit Schermennie anfange dehte. Der deitsche Emperer mit den is nit gut Kersche esse un wann der kommandire duht Allehopp Beus, sickem", denn könne Se dran diepende, daß se ihn sicke un dann sin mir mit all unsere Turkos un annere Monkies nit in it." Ich hen do gesosse un hen mei Mailche uffgesperrt, bikahs ich sin einfach dommfaunded gewese, daß en Mann wie der Pressendent von die französische Rievoblick den Weg tahke duht. Ich hen gefühlt, als ob ich auch ebbes for den Bcnnefitt von die Juneitet Stehts sage sollt, blos hen ich nit so recht gewüßt, was. Moßjiöh le Pressendent" hen ich gesagt, eckskühse moa, awwer do sin Se doch mißtehken. Was Se da von die Juneitet Stehts sage, das is nit die Eidie von die Pappjulehschen un auch nit von unseren Pressendent. Das is nur die Eidie von die englische Ruhspehpersch, die als e Ruhl noch nit so viel Senz hen, wie en neigeborener Monkie un wo alles nachbete was von Jngland komme duht. Wann mer duhn wollte, was die sage, dann hätte mir mit die ganze Welt Wahr un wann's gar keine Rehschen mehr gewwe deht, wo se uns noch nit in Trubel mit gebracht hätte, dann dehte se de Dickens herbei hole for daß mer mit den jtüt solle. Well, Hot der Mister Pressendent gesagt, wann Sie Widder heim komme un hen e Tschehns den Mister Ruhsefeld zu sehn, dann sage Se ihn emol, was ich von den ganze Bißneß denke. Daß Sie awwer en Eidie kriege, daß unsere Sohlfchers auch nit so schlappig sin, duhn ich Jhne inweite, heut Mittag die Perrehd zu watsche un dann kriege Sie en Eidie, was unsere Ahrmie for e Stending Hot. Das Hot mich off Kohrs förschtreht gesuht un denke Se emol, ich sin mit den Mister Pressendent in e Kerritsch hinfahre! Do hätte Se awwer emol sehn solle wie alle Leut for uns gebaut hen un wie se uns hen hochlewe losse! Das Hot mich gut fühle mache. Der Mister Pressendent Hot gesagt, das dehi grad so gut for mich gelte wie for ihn, o, ich sin fascht zu Doht getickelt gewese. Wie mer an den Platz komme sin, do sin so Viele Sohlschers gewese, wie ich in mei
ganzes Lewe noch nickS gesehn hen. Ich hen nit gewüßt, daß eS iwwerhaupt so viele SohlscherS gewwe duht. Dann hen se gestart zu martsche un alle mögliche Dricks zu mache un daö is t Seit gewese. Wie die Perrehd iwwer war. Hot mich der Pressendent noch emol tntt heimgenomme un do Hot er mich sei Leikneß zum Pressent gemacht un Hot aesagt, ich soll bald Widder komme un sollt seine beste Riegards zu den Mister Pressendent Ruhsefeld gewwe un sollt ihn sage, er sollt auch emol an ihn kahle, er deht dann mehbie e annere Eidie von den ganze Bißneß kriege." Ich hen alles geprammißt un dann sin ich nach den Hotel. Ich kann Jhne gar nit sage, wie ich den Dag gefühlt hen. Mein Hut Hot gar nit mehr an mein Kopp gefitt un ich hätt die ganze Welt kisse könne. In die erschte Lein hen ich mich en Duft gekauft, das war t Pietfch UN getrier hen ich bis dort enaus. Awwer was machts aus? mer muß ebbes for sei Kontrie duhn. Mit beste Riegahrds Juhrs trulie, Meik Habersack, EskwZier un Scheriff von Apple Jack, Holie Terrer Kauntie. Iu den Zjundstagen. Humoreske von Sans Horina. Herr Tippelmann-, sagte der Amtsvorstand Töggler an einem heißen Julitage zu seinem Kanzlisten, der Lammelbein, dieser windige Diurnist, schläft ja den ganzen Tag. So geht's nicht mehr weiter! Sie, Herr Tippelmann, sitzen mit ihm in einem Zimmer;- passen Sie auf, und wenn das Faulthier wieder einmal schläft, so melden Sie mir's sogleich; ich werde dem Kerl dann den StandPunkt klar machen!" Sehr wohl, Herr Vorstand!" erwiderte der Kanzlist devot und begab sich an seine Arbeit. Lammelbein, der Gegenstand dieser kurzen Zwiespräche, saß an seinem Schreibpul! und kritzelte schläfrig an einem Aktenstück. Von Zeit zu Zeit fielen ihm unwillkürlich die müden Augenlider zu, fein schweres Haupt sank immer tiefer herab, und nachdem er noch eine Weile vergeblich gegen die immer stärker werdende Schlafsucht angekämpft, überließ er sich schließlich willig dem so aufdringlich gewordenen Schlummergotte. Tippelmann, welcher ihn gemäß dem gewordenen Auftrage unausgesetzt im Auge behielt, hätte angesichts seines Vis-a-vis am liebsten auch die Feder hingelegt und ein Nickerchen gemacht, denn auch ihn beschlich heute, bei 25 Grad Reaumur im Schatten, eine nahezu unwiderstehliche Schlafsucht; nun aber raffte er sich auf, erhob sich so geräuschlos als' möglich, schlich auf den Zehenspitzen zur Thür des Nebenzimmers, wo der allgewaltige Amtsvorsiand residirte, und sachte, sachte, ohne erst anzuklopfen, damit der verbrecherische Schlaf des Diurnisten nicht etwa eine Störung erfahre, öffnete er die Thür. Schon wollte er radj einer tiefen Verbeugung in der Richtung des Vorstandspultes die Meldung erstatten, da erstarb ihm das Wort auf den Lippen: Dort saß ja der würdige Herr Vorstand, behaglich in sein Schreibtischfauteuil zurückgelehnt, und schnarchte selbst, daß die Fensterscheiben zitterten!
Kopfschüttelnd schlich sich der Kanzlist wieder an seinen Platz zurück, lächelte still vor sich hin, gähnte hierauf mehrere Male hintereinander, nahm die Feder pro forrna in die Hand und schlummerte alsdann auch ein. Tiefe Stille herrschte eine Zeit lang in den Bureaus. Endlich regte sich's im Zimmer des Amtsvorstandes; der Alte" war aufgewacht. Erst streckte und dehnte er sich ein wenig, dann erhob er sich, wackelte bedächtig zur Thür und machte einen Blick in's Nebenzimmer. Ah, ah! Unerhört!" entfloh es seinen Lippen, als er nun nicht nur den Diurnisten, sondern auch den Kanzlisten schlafen sah, und zürnend rief er dem letzteren, welcher entsetzt aus seinem Schlafe fuhr, zu: Herr Tippelmann, auf ein Wort!" Der Kanzlist erhob sich und folgte seinem Vorstand in's Zimmer. So beaufsichtigen Sie also den Lammelbein?" fuhr ihn der Gewaltige an und setzte dann zu einer Strafpredigt ein: Herr, haben Sie denn schon alles Pflichtgefühl " Entschuldigen Herr Vorstand", unterbrach ihn gekränkt der Kanzlist, ich konnte ja nicht " Was konnten Sie nicht?" Anmelden, daß der Diurnist schläft!" Warum?" Weil weil !ch wollte nicht stören; Herr Vorstand haben gerade auch ge ge ge schrieben!" Hm," machte der Gestrenge etwas betreten und sagte dann in bedeutend milderem Tone: Na 's gut, mein Lieber; stören darf man seinen Vorstand nie bei der Arbeit!" Und seit jenem Tage kümmert sich der Amtsvorstand nicht mehr um den Schlaf seiner Untergebenen. Er hat immer recht. Vorsitzender (zum Referendar): Herr Neferendar, Sie haben ja im Protokoll 1904 statt 1903 als Jahr deö Vertrages geschrieben! Sehen Sie her, eine ganz deutliche 4... Uebrigens, übngens es muß ja auch 1904 Heiken! . . . Sehen Sie, so undeutlich schreiben Sie!" -
Wie entsteht eine Operette? Diese ffraae hatte soeben ein Wie-
ner Blatt einer Anzahl von Componisten und Librettisten der Operette vorgelegt, und ihre Antworten liefern einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Geschichte des Verfalls der Operette. Die Aussagen der Llbrettisten sind weniger inhaltsschwer. Sie kommen fast alle auf das hinaus, was Heinrich von Waldbcrg sagt und was ziemlich bezeichnend für das ist. was heutzutage auf den OperettenBüchermarkt gelangt: Man nimmt eine altere Idee je alter, desto besser und trägt sie solange mit sich herum, bis man sie ohne zu erröthen und mit dem Autorengesetz in Conflikt zu kommen, als eigene ausgeben kann." Das ist scherzhaft gesagt, aber im Grunde nichtohne Ernst gemeint. Natürlich schimpfen die Componisten weidlich auf ihre Textdichter. Aber diese Librettisten - Calamität scheint doch älter zu sein, als man denkt. Auch Johann Strauß klagt schon über sie, wie wir aus einer Unterredung mit seiner Wittwe, Frau Adele Strauß, erfahren. Der Walzerkönig arbeitete wahrlich nicht schwer, aber seine Librettisten verstanden es oft, ihm die Arbeit nicht leicht zu machen. Nach seinen Erfahcungen. so meint Frau Strauß, hätte er auf die Frage: Wie entsteht eine Operette?" geantwortet: Sie entsteht, indem ich statt Büchern nur lose Texte auf Blättern und Correspondenzkarten erhalte; ich muß arbeiten, ohne das Sujet zu kennen, bin entsetzt, daß dann Musik und Text nicht zu einander passen und bekomme im besten Falle den ersten Akt des Buches zu Gesicht. Wenn ich mich gegen diese Art der Arbeit aufgelehnt hätte, dann hätte ich eben gar kein Buch bekommen." So war es schon ein und so ist es noch heute. Franz Lehar sagt: Ein junger, unbekannten Komponist hat nur ein Ziel, das ist ein Buch von einem der anerkannten Librettisten zu erhalten. Diese sind aber einem unbekannten Komponisten gegenüber sehr reservirt." Und den bekannten gegenüber machen sie sich anscheinend die Sache sehr leicht. Sie lassen sich vom Koms. ponisten inspiriren, schreiben Texte zu ihren Noten und lassen sich von den Tonsetzern aus deren Skizzenbüchern etwas vorspielen, um in Stimmung" und zu Texten zu kommen. Nächst tauglichen Ideen", sagt Heinrich Reinhardt, gehört ein Skizzenbuch zu den unentbehrlichsten Requisiten eines schaffenden Musikers. Nach diesem Pflegen musikalisch veranlagte Librettisten zuerst zu greifen, bevor sie an die Arbeit gehen. Der Komponist muß ihnen immer wieder Themen daraus vorspielen, und unter sorgsältig erwogenem Für und Wider bestimmt der Komponist mit dem Textdichter diese oder jene Melodie als für die neue Operette geeignet. Im Allgemeinen empfiehlt es sich aber doch, nicht allzuvielen Melodien Texte zu unterlegen, und unkünstlerisch ist es, lose Ideen in größerer Anzahl zu einem Bühnenwerk zu verwenden." Die entgegengesetzte Ansicht scheint Edmund Eysler zu haben. Nach seinem Rezept schreibt man Lieder, legt sie in die Schublade und wartet auf das gute Buch; dann geht's mit vereinten Kräften an die Arbeit. Stimmung halten natürlich alle Operettcnkomponisten für das wichtigste Requisit: Ein Souper in cngenehmer Gesellschaft, eine gute Cigarre in solcher Stimmung entstand mich Eysler's Küssen ist keine SündV Andere arbeiten wieder am liebsten in stiller Nacht, und Manchem, wie Lehar, gibt's gar der Herr im Schlaf. Am Schreibtisch eingeschlafen, fiel ihm der Hauptwalzer aus der Juxheirath" im Traum ein. und als er erwachte, schrieb er ihn nieder... F rauengespräch. Frau A.: Wie? so ein theures Kostüm haben Sie ausgewählt: wird sich denn Ihr Herr Gemahl nicht ärgern über den hohen Preis?" Frau B. (Dichtersgattin): Ja, das soll er aber auch, denn wenn mein Mann sich recht ärgert, schreibt x gewöhnlich die schönsten Lustspiele!" Bor einigen Tagen ließ eine reiche, ältere Dame in New Fork ihre Möbel auf einer Auktion versteigern, da sie willens war, die Haushaltung aufzulösen. Unter den Möbeln, d!e losgeschlagen wurden, befand sich auch ein alter Schrank, in dem ein kunstfertiger Tischler allerlei Geheimfächcr angebracht hatte. Der Käufer dieser Stückes war ein Auktionator. Als derselbe das alte Möbel reinigte, um es zum Wiederverkauf fertig zu stellen, entdeckte er zu seinem großen Erstaunen in einem der Geheimfächer ein Bündel Papier, das bei näherer Prüfung sich als eine Rolle marktfähig ger Aktien und Hypotheken im Werthe von $11,000 entpuppte. Inzwischen hatte auch die Eigenthllmerin der Werthpapiere ihren Verlust entdeckt und die Polizei benachrichtigt. Bevor jedoch die Detektivs sich an die Arbeil machten, um wenn möglich eine Spur der vermißten Kostbarkeiten zu entdecken, war der Auktionator, der sich nicht an fremdemGut bereichern wollte, schon in derWohnung der alten Dame, stellte derselben ihr Eigenthum zurück und setzte darauf die weitere Reinigung des Schrankeö fort.
PolitischcÄnMdlgungcn.
John N. einlein. empfiehlt sich den Steuerzahlern und Stimm, gebem der Sten Ward als ttandldat für Omdtrath, unterworfen der demokratischen Nomina tionS Konvention. John Heidenreich, Dcr Florift", Ecke Applegate und Iowa Straße, empfiehlt sich den Stimmgebern der 13. Ward clU Kandidat für Stadtrath, Nnterwsrfen der Entscheidung .der demokra tischen NominationS Convention. Michael Vinci, CommiffionS Händler, 122 Süd Delaware Straße, empfiehlt sich den Stimmgebern der Uten Ward als Nandidat für den Vtadtrath für diese Ward. Unterworfen der Entschei dung der demokratischen NominattonS'Kov veniion. Verzts. 0r. J. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin- nnReetum Krankheiten. O!Iltt : 155 OS Market Str. Tel. 941 Offiektk I 9 611 13 Efcr rn. : 2 i 15 451s. 0r. Carl G.Winter Deutscher Arzt. SHsr.deU all? kute und chronische Krank heiten. SeburtSHÜIfe Spezialität. Osstee: I4 West Ohio Str. SNttwtdn k oynnng: 1150 IXaltf a v, lfr li enc. eprtlttunkta : T be , 14 schm. eonntazk : b4 aZ. 5tgl t kSolznnng reltvhone : .-QM! SB. lt. Qlt i Sie, N KN, Km U. i i Warum nicht sparen beim Einkaufe Ihrer öbel . . .und. ... chpiche . . . .sowie. . . . ....Garland Oefen.... und g. bei WILLIQ'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straßc. No. 449 (Oft Washington Str. Ot$mn Hl Csflct: 3333 R. Ccnttc Hc Neues Telephon 6485.
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