Indiana Tribüne, Volume 28, Number 285, Indianapolis, Marion County, 25 July 1905 — Page 5

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Jndiana Tribüne, 23 . Juli 1905 5

Eine Isgarre.

Nach dem Spanischem von I. Lazarus. hauchen Sie nicht?" fragte ich, eine Cigarre ansteckend, den alten, stadtbekannten Journalisten Nelasco. Er machte eine Bewegung des Abscheus. In der That, ich hatte ihn nie rauchen gesehen, und im Scherz, in der Meinung, daß eine körperliche Schwäche ihn davor zurückhielt, drang ich in ihn. Gehen Sie! Rauchen Sie mit mir!" und wieder bot ich ihm mein Ctui. Ich rauchen!" rief er, blaß werdend, aus. Lassen Sie mich damit in Ruhe, lieber Freund!" Sonderbar! dachte ich, als ich meinem Gefährten in's Gesicht sah. Nichts Neues, sagte ich mir dann. Oft hat das einen ganz natürlichen Grund, was sich als Extravaganz iundgiebt. Mensch," sagte ich zu ihm, sind Sie ein so unversöhnlicher Feind jenes Giftes, das, wie der Mohammedaner sagt, der Prophet durch den Stich einer Viper von sich gab, jenes angenehmen, heiliaen Giftes, des Tabaks? Nehmen Sie doch!" Dabei stellte ich mich halb Jago, halb Sancho oder Mephisto, der Verführer. Ich habe geraucht! Aber bei Gott, lassen Sie mich! Sie sehen doch, eine Cigarre bereitet mir Pein!" Die Unterhaltung stockte; NelaZco mußte in der letzten Zeit viel gelitten haben. Sein Ernst fiel mir auf. Als wir gingen, sagte er zu mir: Sie baten mich neulich, um einen Band der Encyclopädie. Wollen Sie mich begleiten, so können Sie ihn heute haben." Ich hatte ihn allerdings darum geteten. Unten auf der Straße steckte ich mir eine neue Cigarre an. Versl Cigarren!" sagte Ne, lasco. Stimmt," erwiderte ich. Und doch mußte ich lachen über das, was mir unerklärlich schien. Nelasco's Arbeitszimmer war ein Durcheinander von Papieren, ein Chaos von Tüchern. Seine Wohnung war geräumig, aber einfach. Breite Cretcnnevorhänge mit Fransen fielen an den Fenstern herab. Hohe Bücherregale standen überall. Von einem derselben nahm Nelasco den Band, um den ich gebeten hatte, nd reichte ihn mir. Jetzt, mein Freund, din ich hnen eins Genugthuung schuldig, weil ich Ihre Einladung zum Rauchen verschmäht habe." JÄ verstand nicht, was er wollte, roch warum er das vergessene kleine Geschehniß wieder berührte. Während er an seinen Büchern ordnete, sah ich in der Ecke des Zimmers die Spuren einer augenscheinlich furchtbaren Katastrophe. Ein Fräulein lag dort, nicht größer als meine Hand, mit zerbrochenem Kopfe; ein Arm fehlte, ein Bein war gebrochen, das andere geknickt und im Körper hatte sie mehrere Wunden, aus denen das Innere hervorsah. Daneben lag ein Wagen ohne Räder mit zerbrochener Deichsel und ein Pferd, dem Schwanz und Mähne ausgerissen waren. Augenscheinlich hatte sich hier ein furchtbares Drama abgespielt. Hier mußte also ein Kind existiren, sagte ich mir, denn nur dies hier kann dem Gemach das Aussehen einer Zelle nehmen. Ich wähnte schon ein paar lachende tolle Krabben hereinstürzen zu sehen, die die Puppe zusam mensetzen oder Pferd und Wagen auflesen würden. Nelasco hatte einen Sessel von einem Stoß Zeitungen befreit und mir den Sitz angeboten, als ein niedliches Mädchen von etwa zehn Jahren eintrat und sich an die Knie meines Freundes schmiegte. Eine Frau mittleren Alters steckte ihren Kops durch die Thür, es war Nelasco's Gattin, die mich begrüßte und lächelnd Kind und Vater ansah. Mein Freu.:d hatte sein trauriges Aussehen noch nicht verloren. Er setzte sich, nahm den Kopf seines Kindes in seine Hände und sagte: Ist sie hübsch? Sehen Sie nur!" Ich trat näher an das Töchterchen meines Gefährten, ein Mädchen mit blondem Haar, einem hübschen Gesicht, einer tveißen Stirn, die zum Küssen einlud, und Lippen, die Küsse versprachen. Das ist meine Carmencilla," sagte Nelasco. Sehen Sie ihre Augen? Sie sind schön. Damit sieht sie das Licht, den Himmel, uns, die Blumen und alles!" Seine Stimme klang sonderbar, als er das sagte. Nelasco!" unterbrach seine Frau ihn bittend. Ich fühlte mich eigenthümlich von dem traurigen Ton berührt. Sehen Sie die Augen?" fragte Nelasco mich. . Ich sah sie. Sie waren hübsch, langbewimpert, strahlend, spanisch; daZ Licht spielte in ihnen in geheimnißvollen Reflexen, in ihrem Grunde fchlummertc eine Welt von kindlichen Träumen, unschuldigen Gedankm, wie im Meere die reichen, unerschöpflichen Perlenschätze. Hübsche Augen!" sagte ich. Der Alte öffnete eine Thür zum Nebenzimmer und rief: Lucia, komm heraus!" Ich hörte Schritte und eine junge

Dam: von achtzehn. Jahren, schlank, fein, blondhaarig und ebenso hübsch wie die Tochter eines Freundes, mit dem Reiz blühender Jugend umgeben, trat ein. Sonderbarerweise ging sie mit vorgestreckten Händsn und geschlossenen Augen,' wie eine Nachtwandlerin. Sie ist blind" erklärte mir mit erschütternder Stimme der arme Vater. Vor zehn Jahren", fuhr er fort, kam sie zu mir, wie eben ihre Schwester Carmen, mich zu umarmen. Ich hatte eine Cigarre im Munde, denn ich war leidenschaftlicher Taucher; die Kleine stürmte mit solcher Herzlichkeit auf mich ein, daß ich nicht Zeit fand oder nicht daran dachte, die Cigarre wegzulegen. Sie stieß sich daran, die Funken flogen umher, dal. Kind schrie auf die Funken waren ihr in's Auge geflogen! Und sie wurde blind! Alle Hülfe war umsonst. Seitdem, mein Freund, verabscheue ich ein Laster, durch das mein Kind sein Augenlicht verlor!" Nelasco fiel in Nachdenken, als ob sein Geist das Schreckliche nochmals durchlebte, dann umarmte er feine Tochter und rief aus: Ich- ich, der ich sie abgöttisch liebe, habe sie des Lichtes beraubt!" Mich überrieselte es kalt: ergriffen von der Scene, zerdrückte ich in meiner Tasche meine Cigarren; ja, ich würde in diesem Augenblick alle 9 Millionen Nauchcr der Welt ebenso zerdrückt haben. Und alles das um einen Funken aus einer Cigarre!

JnTaylor, Tex., wurde dieser Tage der Pferdezüchter H. H. Basseit von einem seiner Hengste, den er auf der Fair" ausstellen wollte, böZ zugerichtet. Als er das Thier putzte, grtss eZ ihn plötzlich an, schlug ihn zu Boden und packte ihn dann mit den Zähnen. Glücklicherweise kam der reguläre Wärter des Pferdes hinzu und zwang die wüthende Bestie, von dem Manne abzulassen. Vassett hat schmerzhafte, wenn auch nicht gefährliehe Verletzungen erlitten. Der Auktionator des Sheriffs Erlanger in New Fork verkaufte kürzlich in der Rotunde des County Gerichtsgebaudes öffentlich an den Meistbietenden einen Grabstein. Letz terer war in einem Klagefalle gegen Frau A. Davison von einem Hilfssheriff mit Beschlag belegt worden. Der Grabstein soll einen Werth von 81200 haben. Klägerin war die Manhattan Monument Co., welcher der Stein, da sie die einzige Bieterin war, für $15 zugeschlagen wurde. Auf merkwürdige Weise verunglückt ist Josef Gabriel in New Orleans, La., . ein Bierwagenkutscher der Anhäuser-Busch - Brauerei. Er wollte Bier für eine -Wirthschaft an der Croßman und Front Straße abliefern und rollte ein Faß vom Wagen nach dem Lokale, als das Faß gegen einen Galeriepfosten stieß und den Gabriel an den Kopf traf. Er sank bewußtlos zu Boden und wurde sofort nach dem Hospital gebracht, wo seine Verletzung für bedenklich erklärt wurde. Daö Flottenamt in Wafhington hat beschlossen, es bei dem einen sechszehnzölligen Geschütz, welches vor einigen Jahren für die Befestigungswerke auf Sandy Hook gegossen worden ist. mit Rücksicht auf die Kostspieligkeit des Experiments, bewenden Zu lassen. Jeder Schuß aus dem 126 Tonnen wiegenden und fünfzig Fuß langen Riesengeschütz verursacht Kosten von nahezu tausend Dollars und hinsichtlich der Treffsicherheit leisten Geschütze von zwölfzclligem Kaliber Besseres. Zur Veredelung ihrer heimischen Rindv'ehrassen sind seit einiger .t in den Ver. Staaten Japaner thätig, Vieh aufzukaufen und nach dem Lande der aufgehenden Sonne zu senden. Sie haben es dabei namentlich auf Jersey - Kühe, und zwar die besten ihrer Rasse, abgesehen. Ehe sie jedoch Käufe abschließen, bestehen sie darauf, daß die Thiere auf Tuberkulose untersucht werden. Die japanischen Händler besorgen das selbst und haben die dazu erforderlichen Instrumente sowie Tuberkulin bei sich. Unterschätzt. Forstmeister: Sie haben wohl in Ihrem Leben noch keinen Hasen getroffen, Herr Zwickel?" Sonntagsjäger: Doch: einmal mit dem Kodak!" Der Blitzableiter. Radler: Ein Gutes hat da5 Aufblühen des Automobilsports für uns; man macht im Zeitalter des SchnauferU nicht mehr so viek Witze über die Radler."

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Per alte und der neue Schatzmeister der Der. Staaten.

Wenn ein Wechsel im Posten des SchatzmeisterAmteS der Ver. Staaten eintritt, so verursacht die bedeutend mehr Umstände, wie Manche ahnen. Jeder Dollar in den verschiedenen Schatzämtern des Landes muß gezählt werden. ClliS H. Roberts, der ausscheidende Schatzmeister (dessen Bild die obere Illustration zeigt), hat den Posten seit 1897 inne gehabt. Sein Nachfolger ist Charles H. Treat, von Geburt ein Neu-Engländer.

Eine Gcistcrgeschichte. Humoreske von I. Reyneke van Stuwe. O Spiritismus Geistererscheinungen! Das ist mein Fall! Davon könnte ich Ihnen Dinge erzählen " Sie, Herr Oberst? Ach bitte, das müssen wir hören! Haben Sie am Ende auch schon " Na und ob! Davon war damals zu meiner Zeit in Indien , unendlich viel die Rede. Und da hab' ich mir so allerhand Wissenschaften angeeignet." Vor der Veranda des Oranie? Clubs saßen die drei pensionirten Stabsoffiziere, jeder mit einem Gläschen Cognak vor sich, und rauchten. . Auf dem Sanik-Hendrik-Platz grünte und blühte es -schon ganz sommerlich. Von den hohen Kastanienbäumen regneten die weiß-rothen Blüthen auf die Vorübergehenden herab; Schneeballen und Flieder wetteiferten miteinander in ihren zarten Farben, und Sonne und Schatten wechselten in heiterem Spiel auf dem Straßenpslaster miteinander ab. Unter den Tritten der Spaziergänger knirschte der Kies mit jenem eigenartigen Laut, den man in allen wohlgepflegten Gärten und Parks vernimmt. Die genannten drei Herren vernahmen ihn auch; sie saßen hier in träger Ruhe und Behaglichkeit zusammen und beschäftigten sich damit, die Vorübergehenden zu beobachten, bis sie in der Zontmannstraße oder drüben an der anderen Seite des Platzes verschwunden waren. Mitunter Wechselten sie einige Worte, schwiegen dann aber bald wieder unter dem Druck der großen Wärme. Hin und wieder kam auch ein Bekannter grüßend bei ihnen vorüber, auf dem Wege in das Lokal, und erfreute sie mit einer Anrede. 's ist warm heute!" sagte der Oberst. Freilich." Es mußte einmal kommen; wir haben lange genug Regen und Wind gehabt!" Ein rasselnd vorüberfahrender Omnibus nöthigte ihn zu schweigen. Dort geht de Beer." sagte der Oberst, der ist auch so'n Freund von Geistergeschichten ! Der versteht's. Wenn der einmal so recht im Zuge ist " Ja, das hab' ich mir auch, sagen lassen!" So, so! Der auch! Kann der so gut erzählen?" Einge Menge von Geisteraeschichten weiß er. Freilich, wenn Sie mich auf's Gewissen fragen ganz sicher ist es mir nicht, ob er es immer genau mit der Wahrheit nimmt. . Wenn er hier bei uns vorbei käme, konnten wir aber nein er geht in's Zelt! Sonst könnten wir ihn fchön einmal danach fragen aber nein, er ist fort!" Wenn Sie uns dann doch wenigsiens Ihre Erfahrungen zum besten geben wollten, Herr Oberst! Sie haben meine Neugier bereits so hoch aespannt " Ja, es war sehr merkwürdig, ein sonderbarer Zufall, das muß ich selber sagen." So am hellichten Tage über Geister..

zu reden geht das auch? Was meinen Sie, Herr Major?" fragte der Oberstleutnant. Na, wenr'Z überhaupt Geister gibt, dann sind st.' .'benso gut am hellichten Tage wie in der Nacht vorhanden, meine ich! Ich möchte die Erzählung des Herrn Obersten zu gern einmal hören " Oh, ich auch; das war's auch nicht, was ich sagen wollte. Wann ist Jhnen die Geschichte denn passirt, Herr Oberst?" ' Es werden etwa 30 Jahre her sein; ich war damals Hauptmann in Palemberg. Ach Gott ja, wenn ich daran zurückdenke " Na, Herr Oberst, erzählen Sie uns bitte," drängte der Major, ich bin wirklich neugierig auf Ihr Erlebniß; ich würde niemals gedacht haben, daß Sie " Nun, dann werden Sie aber staunen," sagte der Oberst und lachte, während seine hellen, blauen Augen die beiden andern Herren listig spottend anblickten. So hören Sie, ich beginne. Es ist wirklich interessant genug, um Ihre ungetheilte Aufmerksamkeit beanspruchen zu können. Es war in Palemberg, habe ich bereits gesagt, zu eine? Zeit, wo der Spiritismus eine große Rolle spielte. Um mitzumachen", hatte auch ich mir beim Bllchsenschmied einen eisernen Stab machen lassen, dessen man, wie es hieß, nothwendig bedürfte, um damit nach der Richtung zu weisen, von welcher man glaubte, daß der Geist kommen würde, den man dann anzurufen gedachte. Ich war noch nicht dazu gekommen, dieses auszurobiren, aber eines Abends, nachdem ich lange angestrengt gearbeitet hatte, dachte ich, nun könnte ich's einmal versuchen. Ich wohnte, müssen Sie wissen, ganz allein in einem großen Hause; die Dienstboten wohnen dort ja bekanntermaßen im Nebengebäude, also hat man keinen Schutz von ihnen, aber weil ich die Kasse verwahrte, so hatte ich zur Sicherheit eine Schildwache vor'm Hause. Es war schon nach Mitternacht, gerade die beste Zeit; ich holte also meinen Stab hervor und begann meinen ersten Versuch. Alles um mich hier war todtenstill; ich legte einen Bogen Papier und einen Bleistift auf den Tisch, damit der Geist sich mir auf fchnftlichem Wege kundthun könne. Ich nahm den Stab, machte damit die üblichen Bewegungen und rief den Geist meines Vaters an. Dann setzte ich mich auf meinen Platz, nahm den Bleistift zur Hand und brachte die Spitze desselben in Verührung mit dem Papier, aber eö geschah nichts. Ich wartete wartete aber vergebens. Ich begann von neuem; nun rief ich den Geist meiner Mutter an. 2)aLselbe Resultat. Genau ebenso ging eS mit den Geistern meiner Großeltern, Onkel, Tanten usw. Es begann mich zu langweilen. Ich fange eS wahrscheinlich nicht richtig an, dachte ich. Zwar waren zum Schlüsse, weil meine Hand müde wurde und zu zittern begann, einige kleine Kratzer auf das Vavier gekommen, aber mit dem besten

Willen von der Welt konnte ich keine Worte, selbst keine Buchstaben daraus entziffern. Ich gab es also auf, löschte das Licht aus und begab mich in mein Schlafzimmer. Aber kaum hatte ich, noch auf dem Bettrand sitzend, die Kerze ausgeblasen und Har im Begriff, mich niederzulegen,' gerade in dem Augenblick donnerten drei laute Schläge, die das ganze Haus erschütterten, auf das Dach nieder, bum, bum, bum!" Das Gesicht des Obersten erblaßte, als mache er noch einmal den gewaltigen Schrecken von damals durch. Seine Zuhörer lauschten interessirt mit weit aufgerissenen Augen und fragenden Mienen. Und der Oberst fuhr fort: Ich dachte wahrhaftig, daß meine letzte Stunde geschlagen habe. Ich zitterte an allen Gliedern, das kann ich Sie versichern. Mit bebenden Fingern tastete ich nach der Kerze, zündete sie am Nachtlicht an und begab mich wieder in das Wohnzimmer. Aber, ach du lieber Gott! Dort schwankte die Hängelampe an ihrer Kette so wild hin und her, daß ich einen Moment wie gelähmt stehen blieb! Ein solcher Lärm drang an mein Ohr, daß die Kerze mir beinahe aus der Hand gefallen wäre. Schnell setzte ich den Handleuchter auf den Tisch und zog und zerrte an dem Riegel der Thür, um diese aufzustoßen, aber er war so unverrückbar fest eingeklemmt, daß all' mein Ziehen und Zerren vergeblich war; es glückte mir nicht. Schildwache!" schrie ich, so laut ich konnte. Schildwache!" Keine Antwort! Ich stieß und trat und schlug mit Händen und Füßen gegen die Thür und schrie ununterbrochen: Schildwache!" in der Hoffnung, endlich doch einmal gehört zu werden, und über meinem Kopfe schwankte noch immer die Hängelampe hin und her, meine Stimme mit ihrem rasselnden Metallgelärm weit übertönend. Endlich endlich schienen sich Schritte zu nähern. Noch einmal schrie ich mit der ganzen Kraft meiner Lungen: Schildwache!" Jawohl, Herr Hauptmann!" Das klang beruhigend; ich hatte schon gefürchtet, der Bursche wäre todt, weil er mich so lange vergeblich hatte rufen lassen, verstehen Sie, aber nun gab mir sein schläfriges Jawohl, Herr Hauptmann!" ein gut Theil meiner Ruhe zurück. Es war doch wenigstens ein menschliches Wesen in der Nähe, mir beizustehen. Oeffnen Sie die Thür!" befahl ich. Er drückte, ich zog, und unseren vereinten Kräften gelang es endlich, den verklemmten Riegel zu entfernen. Die Thür, sprang auf. Vor mir stand der Soldat mit blinzelnden Augen, in unterthäniger Haltung, aber ohne die geringsten Anzeichen von Angst oder Furcht. Aber ich kenne zur Genüge die apathische' Indolenz dieser Jrländer. Die äußere Ruhe bewies nichts. Haben Sie die Schläge nicht gehört?" Er nickte mit dem Kopse. Freilich. Herr Hauptmann." Und sehen Sie die Lampen an! Was bedeutet das? Wissen Sie, wie das gekommen ist? Was war denn los?" Ein Lächeln glitt über sein Gesicht. Erdbeben, Herr Hauptmann!"

Zu höflich! Gib mir 'mal meinen Hut, Schorschl!" Warum denn?" Na, damit ich 'n 'runterthun kann. . . da hinten kommt der Herr Pfarrer!" Errathen. Schutzmann: Und was sind Sie?" Betrunkener: Ich. . . hup. . .ich bin.hup, hup. . ." Schutzmann (unterbrechend): Aha, also Chauffeur!" I m E i s e r. Staatsanwalt (in seiner Rede fortfahrend): ...Und mehrere hochachtbare Zeugen und Zeuginnen haben den Angeklagten wiederholt an Orten gesehen, wo ein anständiger Mensch überhaupt nicht hinkommt." Ja so! . . . Meinen Schneider haben Sie aber heute furchtbar grob herausgeschmissen . . . Das war nun gerade nicht nöthig wegen der lumpigen achtzig Mark!" O, von mir kriegt er auch vierzig! Jchweißnicht, toaösoll eö bedeuten. Sie sind ja heute recht ungalant, mein Herr? Wie ein Märchen aus alten Zeiten komme ich Ihnen vor?" Ja, mein gnädiges Fraulein, demt' Sie kommen mir nicht aus dem Sinn."

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DaS Leven eine Schlackwurst.

Ein deutscher Tourist schreibt Mit Mancherlei habenDichter und Schristsieller das Leben schon verglichen. Dem frohen Burschenmuth ist es Lieb und Lust und lauter Liederklang", dem erfahrenen und erprobten Geist, dem auch das Schwere nicht fremd gedlieben ist, scheint das Gleichniß mit einem Kampfe näher zu liegen; und wiederum haben Dichter galligerer Gemüthsart dem Leben das nicht eben freundliche Zeugniß ausgestellt, es sei ein Jammerthal. Als ich aber diesmal das Pfingstfest zu einem Ausflug nach Strausberg benutzte, da konnte ich mich nicht nur an den prächtigen Waldungen, die das freundlicheStädtchen umgeben, und an den malerisch, in die Wälder eingebetteten Seen erfreuen, sondern lernte auch eine ganz eigene Dichteroffenbarung kennen. Vom Schenktisch des Grand Hotel Schützenhaus" in Strausberg herab leuchtete uns der Spruch entgegen: Ohne Kuß und ohne Liebe Ist Dein Leben nur vergebens. Denn Küssen und Lieben Sind die Greiben In der Schlackwurst Dc'mes Lebens." Beamter (der einem Fräulein einen Paß ausstellt, murmelnd): Augen: braun. Mund: sehr klein. Teint: zart ..." Fräulein (geschmeichelt): Na, Sie sind aber auch 'n ganz hübscher Mensch, -Herr Sekretär!" Schone Aussicht. .. .Sie kommen von der Versammlung der Frauenrechtlerinnen? Ist sie denn schon aus?" Ach, gar keine Spur . . . aber nun ist Beginn der Debatte, und von den 89 anwesenden Damen haben sich 88 zum Worte gemeldet!" Allerdings. . . . Ach, Herr Assessor, ewige Lieb' und Treue, das haben mir schon so viel' Andere vor Ihnen geschworen und doch nicht gehalten!" Um so besser; denn hätten die Anderen vor mir ihre Schwüre gehalten, könnt' ich Ihnen jetzt nicht mehr Lieb' und Treue schwören!" Gemüthliche Gegend'. Sagen Sie 'mal, Herr Wirth sechs Tische haben Sie. da stehen, und an Mm sitzt ein Gast!... Sind denn das alles fremde Bauern?" Nein, das sind schon hiesige!" Ja, warum setzen sie sich denn nicht zusam men?!" Die Prozessiren alle mit einander!" Ncderlättdisch'ttoUittialcS. ' Der Generalgouverneur von Nieder-ländisch-Jndien, ran Heutß. hat befohlen. sämmtliche Feldbefestigungen und Zorts in den Kolonien zu schleifen, da sie den Elan der in ihnen gelagerten Truppen schwächten und die Hauptfachlichsten militärischen Eigenfchaficn. Muth und Geistesgegenwart, nicht zur Entwickelung kommen ließen. Ein mit Stacheldraht eingefriedigtes Lager genügt nach seiner Meinung. Fortgesedtes Patrouilliren, dem Feind, ruheloses Nachspüren bei Tag und Nacht, mache auf diesen mehr Eindruck als Festungsmauern oderPallisadenwände. Der Befehl des Gouverneurs ist in Atjeh. Diambi und Borneo, wo noch immer gekämpft wird, bereits zur Ausführung gebracht. Auch auf Celebes stehen den Niederländern neue Kämpfe bevor. In einigen Wochen wird, wie die Teutsche Wochenzeitung iu den Niederlanden" schreibt, m Feldzug gegen die Boni und die mit ibncn verbündeten kleinen Staaten beainnen. Bereits sind mehrere starke Detachements gelandet, um die Einfuhr zu kontrolliren. Der Bruder des Radiah von Sidenrcng will mit 2000 Mann die niederländische Besatzung aus Pare-Pare vertreiben. Die Boni verfügen über 8000, zum Theil mit Hinterladern bewaffnete Krieger, die durch ehemalige eingeborene Unteroffiziere und Soldaten im Felddienst und in der Handhabung des Gewehrs gut unterrichtet sind. Man befürchtet in Makassar. daß die Staaten Sidenrenz, Wadio. Soppeng und Goa sich den Boni anschienen werden.

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