Indiana Tribüne, Volume 28, Number 284, Indianapolis, Marion County, 24 July 1905 — Page 6

Jttdicma Tribüne, 34. uü 1005

0

Europäische Nachrichten F?r'!lZ 'MrandenVurg. Berlin. Durch einen Sturz auZ dem Fenster ist der 50 Jahre alte Postschaffner Hermann Drippe aus der Lebuferstraße 7 tödtlich verunglückt. Lor Kurzem hob der 33 Jahre alle Schlächter Otto Schirmann nach voraufgegangener Züchtigung seiner Ehefrau diese vor dem Hause Maybach - Ufer 5 plötzlich hoch und warf sie über das Geländer in

den Landwehrkanal. Als Schirmann einen herbeieilenden Schutzmann sah. , sprang er auf einen dort liegenden Lastkahn und erfaßte seine Frau, als sie wieder auftauchte. Zwei Schiffer schafften die Frau in einem Rettungtahn an's Ufer. Der Thäter wurde ergriffen, wählend die Frau, nachdem sie sich erholt hatte, sich allein in ihre Wohnung begeben konnte. Im Speisewagen verunglückt ist während der Rückreise nach hier zwischen den Stationen Heidelberg und Frankfurt c M. die G,itin des hiesigen Professors Dr. Schmoller. Die Dame fiel infolge starker Schwankung des Speisewagens mit ihrem Stuhle um, wobei sie sich den linken Arm im Handgelenk brach. Todtgefahren wurde in der Köpenicker Straße die Wittwe Eggert, die sich in Begleitung ihrer Schwiegertochter befand und direkt in den Wagen hineingelaufen war. Mit Lysol vergiftet hat sich das 20 Jahre alte Dienstmädchen Martha Neumann, das bei einer verheiratheten Schwester am Görlitzer Ufer 5 wohnie. Sie hatte ein Liebesverhältniß, dessen Folgen sie zu verheimlichen suchte. Professor v. Oettingen. erster ständiger Sekretär der hiesigen Akademie der Künste, hat sein Abschiedsgesuch eingereicht, um sich fernerhin ausschließlich seinen kunstwissenschaftlichen Arbeiten widmen zu können. Letztens wurde der 59 Jahre alte Bauarbeiter August Alankenburg, Eberswalderstraße 19 wohnhaft, bei Au schachtungsarbeiten auf dem Grundstück Kleine Auguststraße 10 von einer einstürzenden, etwa 2l2 Meter hohen Gartenmauer erschlagen. Charlotten bürg. Ein Unfall, bei dem ein Arbeiter getödtet wurde, trug .sich am Tegeler Weg in der Chemischen Fabrik Wtiengesellschaft vorm. Schering zu. Dort flog von einer sich im Betrieb befindlichen Centrifuge ein Stück Eisen ab und traf mit Gewalt eines Geschosses den 22 Jahre alten Arbeiter Relnhold Gehrke, Rostocker Str. 24, bei den Eltern wohnhaft, am Halse. Die Luftröhre, sowie die diese umgebenden edlen Theile, wie Kehlkops u. s. w., wurden ihm buchstäblich herausgerissen. D r i e s e n. Verkäuferin Frl. Anna Zielowsky, die ihr 25jähriges Jubiläum als Angestellte der Seifenfabrik E. A. Ladisch feierte, erhielt neitn vielen Aufmerksamkeiten seitens der Firma, des Personals und der Familie im Auftrage der Handelskammer durch den Chef des Haufes -die" Ehrenurkunde für 25jährige treu: Dienste. Landsberg. Oberlehrer Vehne von der städtischen Höheren Mädchenschule feierte sein 50jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar erhielt den Rothen Adlerorden 4. Klasse, ferner einen Vrillantring von der hiesigen Lehrerschaft und andere werthvolle Gegenstände von Schülern und seinem Collegium. Luckenwalde. Der SanitätZrath Dr. Luther Hierselbst, der als Mitglied der Familie des Reformators Dr. Martin Luther zur Einweihung des neuen Doms in Berlin eingeladen war, hat vom Kaiser eine Erinnerungsmedaille zur Domeinweihung erhalten. Rixdorf. Der 52jährige TepPicharbeiter Julius Weigel aus der Wrangelstraße 112 zu Berlin versuchte, seine von ihm geschiedene 45jährige Frau Marie in ihrer Hierselbst in der Schönstedtstraße 6 belegenen Wohnung aus Rache zu ermorden, verwundete sie aber nur schwer durch einen Revolverschuß in die Schulter. Als ihm sein 24jähriger Sohn, der Schriftsetzer Richard Weigel, und der Schlafbursche seiner geschiedenen nrau. Otto Golder, entgegentraten, verwundete er auch diesen durch einen Revolverschuß tn den Oberschenkel. Der Sohn Richard schoß sofort auf seinen Vater und traf ihn in das - zechte Bein. Frovinz Ostpreußen. Koniasberg. Kürzlich stürzte der Zimmermann Brunetzki von hier so unglücklich von einem Baugerüst ab. daß er einen Bruch der Wirbelsäule erlitt und nach einiger Zelt an den Folgen dieser schweren Verletzung im stadtischen Krankenhause verstarb. Die 74 Jahre alte Wittwe Frau ReSine Schmehl hat durch Einathmen von Gas ihr Leben eingebüßt. Das Unglück soll dadurch entstanden sein, foafc die alte Dame sich eine Wärmeslasche bereiten wollte, hierzu den Gastocher benutzte und später vergessen hat. den Gashahn zu schließen. Allensteln. uson tzstuse zu Stufe ist der Landwirth Richard Kahsnltz, zur Zett ohne festen Wohn sitz, aesunken. Von vermögenden El tern in Lichtenhagen stammend, genoß er eine höhere Schulbildung und wur de Landwirth. Später gerreth er auf eine schiefe Bahn, kam wiederholt mit

dem Strafrichter in Berührung uno ist in Dresden und Äeipzig wegen -Ur-kundenfälschung und Betruges mit 12 Wochen und 10 Monaten Gefängniß bestraft. Jetzt ist Kahsnitz, der verheirathet ist, von seiner Ehefrau aber getrennt lebt, unter die Pferdediebe gegangen. Letztens stahl er dem GastWirth und Pferdehändler Jacobus in Schönbrllck aus d.'m Stalle ein Pferd. Er wurde zu einem Jahr Gefängniß und zwei Jahren Ehrverlust verur-theilt.

Braunsbera. Dem 2: chlermeister Karl Schirreier Hierselbst ist p - I t.!. aus Rnian oer goioenen ocyzeu dk Ehejubiläumsmedaille verliehen. erbauen. Einen schweren Un fall erlitt der Klempnermeister Jude! von hier, indem er von dem Kampfchen Neubau, auf dessen Dach er be'chäftigt war, rücklings abstürzte. I. iel auf unten umherliegende Ziegeltücke und wurde schwer verletzt nach einer Wohnung gebracht. Außer eichten Beschädiaunqen erlitt er mehrere Rippenbrüche und eine schwere Kopfwunde. H i r s ch b e r g. Durch Brandwunden wurde das Kind des Arbeiters Schultzke von hier tödtlich verletzt. Jnsterburg. Mit dem Rasrrmesser den Hals durchschnitten hat sich aus Lebensüberdruß der 72jährige frühere Schweinchändler Rinau. Wartenburg. Einen bedauerlichen Unfall erlitt die Frau des Besitzers und Gemeindevorstehers Waschkau aus Gr.-Kronau. Sie fuhr auf einem mit Getreide beladenen Wagen nach hier. Kurz vor der Stadt gmg ein Rad los, Frau Waschkau wurde in Folge dessen auf die Bracke geschleudert und fiel vom Wagen. Dabei wurden die Pferde scheu, sie amgen mit dem Wagen durch und schleiften den Körper, der Bedauernswerthen noch eine Strecke mit. Der Unglücklichen wurde ein Theil der Kopfhaut weggerissen und auch sonst erlitt sie noch Verletzungen. Vrsvinz Westpreußen. D a n z i g. Der Archivassistent Dr. Eduard Reibstein in Danzig ist an das Staatsarchiv in Magdeburg versetzt worden. Der 24jährige Bottchergeselle Eduard Lüdicke brachte sich auf seiner Arbeitsstelle mit einem langen Messer eine Stichwunde in der Herzgegend bei und starb nach wenigen Augenblicken. D i r s ch a u. Der Köniqliche Eisenbahn - Bau- und Betriebsmspektor Herr Landsberg hierselbst ist zum Regierungs- und Baurath ernannt worden. K o n i tz. Der Apothekenbesitzer Hugo Heubach verläßt demnächst unsere Stadt, an deren öffentlichen Leben er eine lange Reihe von Jahren zum Theil in führenden Stellungen theilgenommen. M a r i e n w e r d e r. . Erhängt aufgefunden wurde der 19jährige Sohn Mar des Gastwirths Lipski in Schäferei. P r e u ß i s ch-F r i e d l a n d. Hier tödtete sich durch einen Revolverschuß in den Mund der etwa 50jährige stellungslose Gutsverwalter Oskar Vifent. Riesenburg. 'Stabstrompeter Hache, der im vorigen Jahre sein 23jähriges Dienstjubiläum feierte und 12 Jahre hindurch dem Trompeterkorps des hiesigen Kürassier - Regiments als Dirigent vorsteht, hat die von ihm beantragte Pensionirung erhalten. T h o r n. Bei dem in 'Schemlau niedergegangcnen schweren Gewitter schlug der Blitz in die Mühle des Besitzers Zuöiersli, die zum Theil zertrümmert wurde. Plötzlich verstorben ist Dr. med. Jaworowicz, der noch einen Ausflug machte, von dem er wohl und munter zurückkehrte. Z o p p o t. Im Alter von 100 Iahren und drei Monaten ist hier der ehemalige Böttchermeister Rentier Harries gestorben. Provinz ornrncm. Stettin. In der Oder beim Vulcan" ist die Leiche des Arbeiters Gustav Fahrenkrug gefunden worden. Fahrenkrug wurde bits seit längerer Zeit vermißt. Das Fest der goldenen Hochzeit feierte der pensionirte Weichensteller Menter hier mit seiner Ehefrau. Konsistorialrath Haupt segnete das noch rüstige Ehepaar ein. Der Kaiser und die Eisenbahndirektion hatten demselben je ein Geldgeschenk überweisen lassen. Bismarck. Der 13jährige Knabe Karl Wenzel und einige Kameraden. spielten mit einer Vatrone. welche inil Pulver und Stc'l,en gefüllt war. Schließlich hielt Karl Wenzel ein brennendes Streichholz an das Pulver; dieses explodirte, und die Steine flogen dem Knaben in's rechte Auge, das sofort auslief. Greifswald. Der o. Professor der Physik an der hiesigen Universität, Dr. Walther König, wurde zum o. Professor an der philosophischen Fakultät der Universität Gießen ernannt. Luckow. Die goldene Hochzeit feierte das Ehepaar Straßburg hierselbst in Gegenwart seiner Kinder und Kindeskinder. Trotz des hohen Alters von 74 bezw. 77 Jahren erfreuen sich die beiden Jubilare großer körperlicher und geistiger Frische. K ö s l ! n. Großfeuer kam in dem v. Zschock'schen Hause, Friedrich WilHelmsplatz 1, in einer Bodenkammer aus, Schnell verbreitete sich das Feuer über den ganzen Boden des nach dem

Friedrich Wilhelmsplatz zu gelegenen Flügels. Der ganze Dachstuhl des von Zschock'schen Hauses ist zerstört, und auch der Dachstuhl des angrenzenden v. Schmeling'schen Hauses erlitt erhebliche Beschädigungen. Auf dem Boden des ersteren Hauses lagen alte Akten der Oberpostdirektion, die mitverbrannt sind.. M e w e g e n. Hier brannte in dem Gehöft des Eigenthümers Gustav Ellmann ein Wohnhaus, ein Stall, eine Scheune und ein Schuppen nebst An bau nieder. Neuhlenz. Der 4jährige Sohn des Bauernhofsbesitzers Kusserow wurde durch den Anblick eines großen Hundes derart erschreckt, daß er in Krämpse verfiel und nach erniger Zeit starb. Swinemünde. Von dem in See gegangenen Tankdampfer Energie", Kapitän Schäffer, ist der Maschinen - Assistent Hoffmann, in der Nähe der Festung über Bord gesprungen und ertrunken. Teschendorf. In einem unbewachten Augenblick machte sich ein klei ncs Kind des Arbeiters Roßmann an dem Ofen, in welchem ein helles Feuer brannte, zu schaffen. Das Kleid des Kindes wurde von dem Feuer erfaßt, und im Augenblick stand daS bedauernswerthe Kind in Flammen. Es erlitt hierbei so erhebliche Brandwunden, daß es unter qualoollen Schmerzen alsbald sein junges Leben aushauchte. sicheres Erkennungszeichc.

-& r.?ÄLsn'?.i

cä WMMP -X&äL Welcher von den beiden Jungen ist Ihr Sohn und welcher Ihr Lehrling?" Das müssen S' doch schon an den Ohrwascheln sehen!" EinGeiü er se Herprozeß wurde in diesen Tagen vor einem Peteröburger Gerichte verhandelt. Der Held war ein junger Student, der einigen illustren Vorbildern wie Cagliostro und Casanova nachahmte und sich durch allerhand mystischen Mumpitz ein höchst vergnügliches Leben - verschaffte. AIS geeignetes Objekt hatte er sich einen Staatsrath ausgesucht, einen wohlbeleibten, nicht besonders begabten Herrn, der mit Frau und Tochter ein sehr behagliches Leben führte. In diese Famipe kam der Student als Hauslehrer. Aber obwohl er eigentlich nur für das Töchterchen engagirt wurde, nahm er auch den Staatsrath und seine Gattin in die Schule und weihte sie tn die Geheimnisse einer neuen Religion ein. r Bald waren die Alten Feuer und Flamme für den Mystizismus und Okkultismus, der ihnen beigebracht wurde. Der Student fungirte als Oberpriester und Dolmetscher des Geistes Charn". Man mußte ihn Meister" und Eminenz" betiteln. Vor allem aber war der Oberpnester erfinderisch in der Ausgestaltung des Gottesdienstes", während dessen man sich bemühen mußte, ihm möglichst viel lukullische Genüsse zu bereiten. Und auch die Erotik spielte dabei eine Rolle. Lange dauerte aber das Glück nicht. Der Staatsraty war halb verruckt geworden, und schließlich stellte man den Studenten wegen Religionsfrevels vor Gericht, wo er eine längere Gefängnißstrafe erhielt und ihm das Recht entzo gen wurde, eine pädagogische Thätia keit auszuüben. Der alte Rath aber wurde freigesprochen, well man an nahm, daß er ganz unter dem Einfluß des Hauslehrers gestanden habe. Ueber d" n Stand der Wicderherstellungsarbeiten in Venedig liegen einige interessante Mittheilungen vor. In der Basilika von San Marco sind da, wo die Wände dringend der Reparatur bedürfen, die Mosaiken sorafältia losaelöst worden. nachdem vorher ein genauer Abdruck von tynen genommen war. Sind die Arbeiten zur Stärkuna der Wände beendet, so werden die Mosaiken mit Hilse der Abdrücke genau wieder an ihre Stelle kommen. Alle Arbeiten werden von einer besonderen künstlerischen Commission vorgeschlagen und unter ihrer Uanoloen Ueoerwackuna ausae führt. Der neue Campanilc wird auf einem großen hölzernen Fundament stehen, dessen Pfähle nunmehr alle eingerammt sind, und das jetzt mit einer festen, zehn Fuß dicken Mauer von großen Steinen aus Jstrien und Muggia umgeben wird. Für den Wiederaufbau der Loggetta von Sansovino werden sehr sorafaltlae Nachforschunaen anae stellt: da ein vollständiger Vlan der Loaaetta nicht vorbanden ist. muk er aus den Resten erschlossen werden, die man unter den Trummern des Glo ckenthurms gefunden bat. Die Aufräu mungsarbeiten waren damals unter Leitung von Professor Boni ausge führt worden, der alles Material für die spätere Restauration sorgfältig bei 1 mm m selle loyalen netz.

rJi-f isnUm sk rMlro

G

pte zervroszent

Erzählung von . Waldemar. Jtx. Frau von Wellhaus trat zaghaft in das Studirzimmer ihres Neffen Karl Alfred, um seir Heimkehr zu erwarten. Sie hatte ein schlechtes Gewissen und fühlte sich durchaus nicht behaguch, well sie erntn Besuch, und gar noch weiblichen Besuch eingeladen hatte. einige Wochen auf Gut Wellhaus zu verweilen, trotzdem sie wußte, daß ihr Neffe, Besitzer dieses herrlichen Gutes, ein ausgesprochener Weiberfeind war. der einen Besuch lieber gehen als kommen sah. Sie hatte zedoch, veranlaßt durch die Liebenswürdigkeit der jungen Dame, nun einmal die Einladung ergehen lassen, und so mußte sie auch ihre Handlungsweise verantworten. Aber das Herz pochte ihr gewaltig. Um sich die unangenehme Wartezeit zu vertreiben, sah sie sich in dem eleganten Raume um. Vieles dann gehörte bereits ihrem Gatten, vieles hatte Karl Alfred, der einLiebhaber war für allerhand Raritäten, hinzugebracht. Da fiel ihr Auge auf ein mosaikartig eingelegtes Kästchen, das sie nie zuvor gesehen. Sie nahm es vom Kaminbrett herunter, besah es von allen Seiten und öffnete es dann. Es enthielt nichts weiter, als die Hälfte einer zerbrochenen Münze. Während die alte Dame voller Erstaunen darauf niederschaute, trat ihr Neffe in's Zimmer. Ei, ei!" rief er, noch unter derThür siehend: Du stöberst Geheimnisse auf während meiner Abwesenheit?" Was hat dies zu bedeuten, Karl Alfred?" fragte sie neugierig. Ich bin sicher, an diese Münze knüpft sich irgend ein Abenteuer. Wer hat die andere Hälfte?" Als er nicht sofort antwortete, meinte sie: Ein galantes Abenteuer mit einer Frau?" Nein, eine Frau war sie damals noch nicht, sie war nun, sie war eben Ena." Sie war eben Ena?" wiederholte die alte Dame dann erstaunt. Nun ja, wenn sie einen anderen Namen hatte, so habe ich ihn vergessen. Aber Enas selbst kann ich mich gut entsinnen. Sie hatte blaue, herrliche Augen und hatte so eine ganz besondere Art, einen von der Seite anzusehen. Wir waren Nachbarskinder damals, als ich nicht im Entferntesten ahnte, daß mir einst das Majorat' auf Wellhauö zufallen würde. Wie oft hatte ich ihr versprochen, sie zu heirathen, und doch habe ich sie so schnell vergessen. Ein schwerer Wagen fuhr über die Münze, mit der wir auf der Straße gespielt, und zerbrach sie. Jedes von uns nahm eine Hälfte an sich. Das ist alles, was ich weiß." O, dich dachte, die Geschichte würde viel romantischer sein!" meinte sie und fuhr dann in leichter Verlegenheit fort: Ich muß dir ein Geständniß machen." Nanu, Tantchen, so gar schlimm?" Ich denke. Ich habe ein junges Mädchen, das ich bei den Vredows kennen gelernt und das mir sehr gefiel, auf sechs Wochen eingeladen " Karl Alfred zog die dichten Brauen zusammen, ein Zeichen, daß er sich ärgerte. Dann ging er etwas brüsk zum Fenster und starrte hinaus. Nach einer Weile meinte er über die Schulter weg zu seiner Tante: Du hättest mich wohl vorher fragen können." Das hätte ich thun können, aber " Wann trifft sie ein?" unterbrach er Frau von Wellhaus. Morgen. Ich hätte es dir eher gesagt, aber ich dachte mir, je später er es hört, um so weniger hat er Zeit, darüber nachzudenken." So. Ich setze wohl richtig voraus, daß ich diesen Besuch an der Station abholen soll?" fragte Wellhaus nicht ohne Spott. Du würdest mir einen Gefallen thun. Karl Alfred, denn Konrad ist mir nicht sicher genug." Gut, aber nur unter der Vedingung, daß du mich, ehe du sie wieder einlädst, frägst, ob es mir paßt." Die Aufgabe, die Karl Alfred übernommen, war ihm unangenehmer, als selbst seine Tante ahnte. Ehe er zum Majorate berufen wurde, hatte er fast keine Gelegenheit gehabt, mit Damen zu verkehren, und so fühlte er selbst sich unbeholfen, steif und nervös in Gegenwart der Frauen, selbst dann, wenn er sie gut kannte. Der Gedanke, daß er eine halbe Stunde lang mit einer ihm völlig Fremden zusammen sein sollte, ließ ihn schaudern. Das so sehr gefürchtete Zusammentreffen verlief besser, als er gedacht. Dank der Gewandtheit der Angekommenen, die, 'nachdem er sich vorgestellt und sie ihre Plätze in dem engenSelbstkutschierer eingenommen, unaufhörlich plauderte, von der Gegend, dem Sonnenuntergang, ihrer Reise und anderen Dingen. Ihre ungenirte Art heimelte ihn an, und so ertappte er sich sehr bald auf dem Gedanken: Schade, daß wir schon zu Hause sind. Ihre Rufe des Entzückens über das Dorf, in welchem das Frühjahr einaekehrt war und dessen Bäume in vollster Blüthenpracht sich gleich riesigen Schneebällen inmitten saftigen Grüns ausnahmen, machten ihn stolz auf seinen Besitz. Als er nun von der Straße in einen Privatweg abbog, dn rechts uno unks begrenzt war von rothbluhenden mächtigen Kastanienbäumen. an dessen äußerstem Ende Schloß

QellhauZ sichtbar rsurde, rief Eugenie von Rahden entzückt aus: Wie stolz müssen Sie sein, hier als Vesier herrsehen zu können!" ch - Die sechs Wochen von Euaenies AnWesenheit vergingen wie sechs Tage. Karl Alfred wunderte sich. O, er hatte dazu oft Gelegenheit gehabt. Und nun war sie fort. Er hatte sich von ihr verabschiedet, sehr schnell, sehr übereilt, da Konrad einmal wieder mit dem Anspannen sich verspätet hatte. Ihm war es lieb so. Je schneller der Abschied, desto rascher tritt die alte Gewohnheit in ihr Recht. Nachdem die Füchse mit dem Wagen aus seinem Gesichtskreis geschwunden, maß Wellhaus mit großen Schritten sein Studierzimmer. Seine Gedanken durchlebten noch einmal die letzten Wochen und Tage. Gestern noch hatte sie dort gestanden am Kamin, selbstvergessen mit den Nippsachen spielend, während die Sonne über sie hinstrahlte und ihr reiches Haar vergoldete. Und vorgestern noch hatte cr sie stundenlang spazieren gefahren, ihr zugrnerletzt

noch diese und jene Naturschonheu gezeigt, ihr im Garten Veilchen gepflückt und sich mit ihr unterhalten, geneckt und mit ritterlicher Galanterie umgeben. Wie reizend war sie, wie liebenswürdig! Wie noch keine Frau hatte sie es verstanden, ihn wirklich beredt zu machen. Und doch ließ er sie ziehen, ohne sie ahnen zu lassen, was ihn erfüllte, nur, weil er zu scheu und inigewandt war, und er zu wenig Selbstvertrauen besaß! Aufgeregt wie er war, nahm er dies und das in seine Hände und stellte es wieder zurück. So erfaßte er auch das Mosaikkästchen und spielte mit dem Deckel. Damals war ich so scheu nicht, da wußte ich Worte zu finden " murmelte er. Das Kästchen entglitt seinen Fingern und fiel zur Erde, seinen Inhalt entleerend. Karl Alfred starrte darauf nieder. Sah er recht? Da waren ja zwei Stück Münzen, gewiß ein Scherz der Tante doch nein Er hob sie auf und paßte sie aneinander. Zum ersten Male wieder seit zwanzig Jahren war die Münze zu einem Ganzen vereint. Wie sollte er sich dies erklären? Woher kam die zweite Hälfte? Noch grübelte er darüber nach, als seine Tante mit einem Zeichen der Aufregung in's Zimmer stürzte. Es ist nun übergenug. Karl Alfred, du mußt Korad entlassen, er wird immer unzuverlässiger. Eugenie hatte heute Wichtiges in der Residenz zu erledigen, und jetzt war der Zug bereits fort, und esfährt vor Abend kein anderer mehr. Ich bin ja froh, daß ich sie noch auf ein paar Stunden bei mir haben darf, aber " Frau von Wellhaus sah verblüfft ihrem Neffen nach, der mit einem ganz eigenthümlichen, jubelnden Laut an ihr vorüber geeilt war. ewiß wollte er den säumigen Kutsch tur Rechenschaft ziehen. Statt dessen eilte Alfred in das Wohnzimmer, wo er das junge Mädchen vermuthete. Eugenie stand am Fenster und entledigte sich ihrer Handschuhe. Ihr liebliches Gesicht war blaß und ernst, und ihre Augen sehnsüchtig in die Ferne gerichtet. Ena!" rief Wellhaus, als sie Ux seinem geräuschvollen Eintritt leicht zusammenzuckend sich umwandte. Ena, du wußtest die ganze Zeit " Seit vorgestern erst als ich die andere Häste in dem Kästchen sah " Und weißt du noch, was ich sagte, damals, als ich dir die eine Hälfte gab?" sagte er, sachte seinen Arm um sie legend. Er zog sie sanft an seine Brust. Sie nickte nur und schmiegte'sich innig an ihn, als er fortfuhr: Daß, wenn ich von dir die andere Hälfte fordern würde, du mein Weib werden müßtest? Dachtest du daran, als du die Münze in das Kästchen legtest?" Ja und nein," erwiderte sie. Du böser Mann! Ich erkannte dich auf den ersten Blick, während du mich so ganz vergessen hattest!" Meine Liebe soll dich entschädigen! Und nun komme zur Tante, daß sie sich mit uns freue!" Mimosenhaft. Bei Kommerzienraths ist große Gesellschaft. Leutnant von SchmettWitz ist krampfhaft bemüht, der Tochter des Hauses, seiner Tischnachbarin, Liebenswürdigkeiten zu sagen... Gnädiges Fräulein sind wirklich von einer holden Schamhaftigkeit, einer zarten Zurückgezoqenheit, ganz wie. . . äh ", der Herr Leutnant stockt äh, Fähnrich!" wendet er sich an sein Gegenüber, wie heißt doch das, was sich bei der leisesten Berührung zusammenrollt?" Und der Fähnrich, unter'm Tisch die Hacken zusammenschlagend: 'n Igel, Herr Leutnant." Triftiger Grund. A.: Weshalb möchtest Du denn so gern Kassirer werden? B.: Nun, man will sich doch auch die Welt einmal ansehen! Wald -Idyll. Frau: Hörst Du, dreißig Mal hat der Kuckuck jetzt hintereinander gerufen, ich werde also noch dreißig Jahre leben! Gatte: Wenn ich das Vieh erwische, erschlage ick es! ... . . ...

Warum nicht A H ö sparen beim Einkaufe Ihrer Röbel ..und... chpiche ... sowie. ... ....Garland Oefen.... und Rangesui . bei WILLIG' ...Mobcl-Handlung... 141 West Washington Straße. Aerzte. Vr. 3. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin nnicteexurn Rrankheiten. OkÜtt : 155 Oft Market Str. Tel. 341 DttittGtwütn : ill 19 Uir fBm. : 2 lll tz. t ' Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. v Handelt alle aZute und chronische ran!, heiten. SeburtShülfe Sxejialität. Ofstee: 14 West Ohlo Str. &fltctexb : soyanng: lso adtfs , 10 u 8ne. vrtSZtvnde : 73 3.:tat , -4a$ta. eonnta;: 8 Jta$nu mxtBQl t Eonnra Telephon t aa iojo isn, mit, oa ; , ut ktt. Ri8 U. Dichmmm K Grabhorn, .gadriknten von Zeine. Schau-Käften. glas Ladentische und Cigarren-Tische 622 Oft Washington Streye. HlltnVdokviaI 1U. Die "City Qkdlirt 1863 nimmt jederzeit Cnaagw nttl entgeg. Irgendwelche Orcheßer, LZuftk und irgend eine Lnzahl von Nnsikers vird geliefert. Neue Ausstattung und xitvt knisomm. R. A. Rill er, 2!rec!or. vry vprengpseil. CefchSZtSfehre?, 1103 Madison Aoenue. elephon ..... Neu 59, No. 449 Oft Washington Str. 9tmu Hl Osflce: 3333 . ente ,e Neues Telephon 6485. Neue Wirthschaft. Hiermit, meinen Fremden und Belannttn nt Sntige, lai i$ unter dem Kamen " TUE PKOSPECT " an r kSe der WrigHt und Prospekt Ltr. eine erste lasse Wirthschaft eröffnet hade und Jedermann ein ladt mich tu meinem neuen Lokale zu besuchen. Privat'Zimmer zu Versammtuo.5iwecken sSr Ler eine und Vesellschasten. LchtunAkvoU raBBUANN HABE, 801 Prospekt Str. John F. Gartlein THE MERIT BAR & CHOP HOÜSE Fei Liqnöre, Cigarren und Taial. ahlzetten und Lunch , jeder Tagekteit aus eftellung. No. 2522 Qefl Nichkga Ctetfie, vanghviUe.

üUui

..KM.. fCfj ( ix . s)'i A .MMM. Aug. Diener,