Indiana Tribüne, Volume 28, Number 284, Indianapolis, Marion County, 24 July 1905 — Page 5

uviRna uuuurr 4. uu ju " i -

5

per sttmöganger.

Humoreske sun Teo von Torn. ES war einer der heißesten Tage im August gewesen. An diesem Tage hatte Negimentsbesichtigung stattgesunden. Und diese Besichtigung war vorgenommtn worden von einem funkelnagel neuen Kommandeur, dem gar seltsame Gerüchte vorausgegangen waren. Das sind drei Fakta, fecnn Zusamrnenwirken einem militärisch, nicht ge schulten Leser etwa durch folgendes Beispiel klargemacht werden kann: Man denke sich einen Tag, an welchem auch der schämrigste Mensch sich nur so weit bekleidet, als das zur Vermei dung öffentlichen Aergernisses geboten erscheint. An einem solchen Tage sieht man sich plötzlich gezwungen, einen wattirten Rock anzuziehen, seine Hüfte mit einem schweren Eisen zu umgürUn und einen Hut aufzusetzen, der zu einem Theile aus Leder, zum andern aus Metall besteht.. So angethan, versetze man sich für sechs Stunden in die Wüste Ghobi bekanntlich eine schone Gegend Zentralasiens, welche von den Chinesen Thal des glühenden Sandes" genannt wird. Hier müssen auf Anordnung eines wildfremden Gottseibeiuns, dem das einen höllischen Spaß zu machen scheint, unausgesetzt Körperbewegungen ausgeführt werden nach bestimmten Gesetzen, die ebenso harmonisch wie schweißtriefend sind. Dieser Vergleich hinkt natürlich, wie lle Vergleiche. Aber nur in dem einen Punkte, daß man bei einem richtigen Teufel immer weiß, was man ton ihm zu erwarten hat. Er ist la Prinzip und der unbestechliche Vergeller des Bösen. Hat man sich gut eingeführt, so kann er einem nichts anhaben und muß unter Fluchen und Schwefelgestank abfahren. Ist jedoch das Maß der menschlichen Irrungen und Verfehlungen boll, dann jubelt seine schwarze Seele und er holt einen. Das Infanterie - Regiment Markgraf Otto hatte keine Ahnung, woran es mit seinem neuen Kommandeur war. Ruf und Gerüchte, welche ihm voraufgegangen, lauteten merkwürdig symbolisch und gaben kein klares Bild. Von einer Seite war die Kunde gekommen, der Oberst von Borsch sei einem mit Seidenplüsch überzogenen Polsterstuhle zu vergleichen. Aus eiNiger Entfernung nehme er sich sehr behaglich aus. Auch wenn man vorsichtig über das Seitenpolst:r streiche, sei der Eindruck noch ein sehr freundlicher und angenehmer. Dagegen wäre eö nicht zu empfehlen, sich darauf bequem zu machen. Der weiche Plüsch verberge ein komplizirtes Arrangement von Nadeln, die niederträchtig piekten zu einer Zeit, wo man es gar nicht erwartete, .itb an einer Stelle, die man nicht im Geringsten gefährdet glaubte. - " Von anderer Seite wieder war der Oberst mit einem Blindgänger verglichen worden einem Artilleriegeschoß, das aus Eigensinn od:r anderen schwer ersichtlichen Gründen nach demSchusse nicht krepirt, seine Explosionskraft aber behält und bei unvorsichtiger JeHandlung zu ganz ungelegener Zeit auch bethätigt. Aus Alldem war man wohl ein bischen ängstlich, aber nicht recht klug geworden. Auch nach der Besichtigung nicht. Während die Bataillone im Schweiße ihres Angesichts ihre fchönsten Künste gezeigt, hatte der Oberst v. Borsch im Schatten eines Lindenbaumes unbewegt auf seinem Schlachtrosse gesessen und nichts gesagt. Keine Spur von der Nervosität anderer Regimentskommandeure, die bei solchen Gelegenheiten auf ihrem Schinder herumrutschen wie ein Frosch auf einer Gurke, wüthend ihren Flamberg schwingen und. die lästerlichsten Reden führen. Nichts von alledem. Den Herren Offizieren war diese Haltung so ungewöhnlich erschienen, daß sie vor lauter Staunen und Verwunderung ihre Sache nicht besser, sondern schlechter gemacht hatten, wie sonst. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitsthier. Wenn n gewohnt ist. angeschnauzt zu werden, so beunruhigt es ihn. wenn das ausbleibt. Mit um so größerer Sicherheit haiten sie darauf gerechnet, daß die Kritik das Versäumte nachholen würde. Und nicht zu knapp. Jetzt wird er pieken hatten die Herren einander zugeraunt, als der OsfizierZruf sie herantrompetete. Jetzt ezplodirt der Blindgänger!" Nichts von alledem. Der Herr Oberst hatte die Hand an den Helm gelegt und freundlich folgendes gesagt: Ein heißer Tag heute, meine Herren. Wir haben mindestens 30 Grad Reaumur im Schatten. Ueberhaupt ein ' heißer Sommer in diesem Jahre. Wenn es nicht bald regnet, werden die Feldfrüchte zum großen Theile verderben und wir werden eine große Theuerung haben. Na hoffen wir das beste. Ich danke Ihnen, meine Herren. Auf Wiedersehen im Kosim?." Nach dem Liebesmahle, dem der neue Oberst präsidirt, hatten auch die vorsichtigsten und bedenklichsten Herren ihre Sorgen hinter sich geworfen. So etwas von Liebenswürdigkeit und vertraulicher Jovialität war überhaupt noch nicht dagewesen. Die Tafel war längst aufgehoben. ES war so spät geworden, 'daß einige Staboffizien und Hauptleute bereits verstohlen nach der Uh spähten. DaS waren aber nur ein paar besonders stark Lerheira-

ihete. Die Uebrigen freuten sich sorglos und beglückt des neuen Herrn, der unentwegt im Kreise seiner Offiziere saß, eine Zigarre nach der anderen rauchte, eine Flasche nach der anderen uslutschte und der begeisterten Korona eint Schnurre nach der andern erzählte. Eben ließ sich Oberst Kon Vorsch die fünfte Henry Clay reichen. Selbstverständlich rissen alle die Schwedenschachteln aus der Tasche, um dem Chef Feuer zu reichen. Dieser wehrte unter gemüthlichem Lachen ab. Nicht so stürzen, meine Herren! Nicht stürzen! Immer vorsichtig. Mit Streichhölzern muß man nicht funkeln. Vielen Dank, Herr Oberstleutnant danke sehr. Sie müssen nämlich wissen, meine Herren " Der Oberst neigte den Kopf ein wenig auf die rechte Schulter und sog seine Zigarre an dem ihm gereichten Streichholze in Brand. Obwohl die große Import viel Aufmerksamkeit erforderte, um kunstgerecht zu erglimmen, unterbrach Herr von Borsch seine Rede nicht. . Sie müssen nämlich wissen, meine Herren," wiederholte er dann, indem er einen flllchtigenVlick auf die Brandstelle seiner Zigarre warf und sich behaglich in seinen Sessel zurücklehnte, daß kleine Ursachen oft sehr bedeutende Wirkungen haben können." Die Festlichkeit war bereits in einem Stadium, welches auch den jüngeren Herren gestattete, diese Binsenweisheit ihres neuen Kommandeurs mit lauter und lebhafter Heiterkeit aufzunehmen. Der Olerjt lieb die Herren sich auslachen". Nee thatsächlich. Sehen Sie mal: Wie Sie vorhin in liebensmürdiger Dienstwilligkeit mit den Schwefelhölzern auf mich eindrangen, fiel mir ein, daß ich es lediglich einem solchen winzigen Hölzchen zu verdanken habe, wenn ich heute hier in aller Gemüthlichkeit unter Ihnen sitzen darf " Ah ! Wie wäre das möglich! Bitten gehorsamst, zu erzählen !" ..Na schön. Also Passen Sie mal Achtung. Wegen eines Streichholzes bin ich Junggeselle und Offizier geblieben.. Wäre dieses Streichholz nicht gewesen, so wäre ich heute längst verheirathet und würde auch immer nach der Uhr sehen müssen, wie Herr Major von Schleiden und Herr Hauptmann Nehring. Streiten Sie nicht, meine Herren; ich hab's gesehen. Und das macht nichts. Ich kenne viele verheirathete Kameraden, die, wenn sie später nach Hause kommen, nur guten Abend zu sagen brauchen; das andere sagt alles ihre Frau." Erneute stürmische Heiterkeit, der auch die beiden Geuzten wie gesagt: noblenz koblenz sich anschlössen. Der Oberst ließ die Herren sich auslachen" und fuhr fort: Als junger Hauptmann war ich einmal verlobt. Wie der Mensch nie größere Dummhei ten macht, als wenn er verliebt ist. so hatte auch ich auf den dringenden Wunsch meiner Braut den Entschluß gefaßt, den bunten Rock auszuziehen und mich der Bewirthschaftung jener bedeutenden Liegenschaften und Hammelherden zu widmen, die mir alsMitgift zufallen sollten. Etwa vier Wo chen vor meiner Hochzeit und meinem Abschied hatten wir ein Sommerfest im Kasinogarten. Mit Damen natllrlich. Die Lustbarkeit war im schön sten Gange. Die Herren rauchten und flirteten; die Damen aßen Himbeereis und flirteten auch. Während ich mich mit meiner Braut unterhielt, bemerkte ich, daß unser Regimentskommandeur, der eben vorüberging, Feuer für seine Zigarre suchte. Selbstredend sprang ich zu, wie Sie vorhin, meine Herren leider aber so unvorsichtig, daß ich meine Braut anstieß, worauf sie eine ansehnliche Portion Himbeereis über ihr schlohweißes Kleid schüttete. Ich muß nun bemerken, meine Herren, daß ich ein Mensch bin, der sich zu beherrschen weiß. Ich schätze nichts so sehr, als Selbstbeherrschung. Diese hatte meine Brau! nicht. Sie zog nicht nur einen Flunsch, sondern ließ auch vor - versammeltem Kriegsvolke durchblicken, daß sie mich für einen Tapier oder dergleichen halte. Das fiel mir auf und nach kurzem Ueberlegen ließ ich die Verlobung zurückgehen. So ist es also durch ein einziges winziges Streichhölzchen gekommen, daß ich Junggeselle und ein freier Mann geblieben bin." Minutenlang tobten Beifall und Heiterkeit durch den Saal. Der Oberst ließ die Herren sich auslachen" dann fügte er trocken hinzu: Einen Nachtheil hat mir das bewußteStreichHölzchen allerdings auch gebracht. Hätte ich geheirathet und meinen Abschied genommen, dann hätte ich eine solche saumäßige, unter allem Luder rangirende Vorstellung, wie sie das Regiment Markgraf Otto heute gemimt, nicht mitzuerleben brauchen."

Ausrede. Richter: Sie wurden dabei ertappt, als Sie die Hand in der Tasche des Zeugen hatten. Angeklagter: Es war aber auch a sakrische Kälte an dem Tag! Galant. Fräulein Lola vom Ballett spaziert auf der Promenade und wird plötzlich von einem Hunde angefallen. Sagen Sie, mein Herr," wendet sie sich erschrocken an den Besitzer, der sich in Entschuldigungen erschöpft, konnten Sie den Hund nicht zurückhalten?" Pardon, gnädiges yräulein, konnte ich mich selbst doch kaum zurückhalten.'.

Vom Jnlande.

Der Taucher Daniel Hayes, der bei der Ausübung seines Berufs m . Mississippi bei Canton, Lewis County, Mo., dem Ertrinken ausgesetzt war, aber noch lebend an. die Oberfläche gebracht wurde, hat doch sterben müssen. Er hatte schwarzes Oel eingesogen, das auf die Pumpe gethan worden war und mit der Lust zu ihm hinuntergetrieben wurde. Diese Flüssigkeit gerieth in Hayes' Magen und Lunge in solcher Masse, daß der Tod eintrat. Ein komischer Alter wurde dieser Tage in Pittsburg verhaftet. Ein Polizist hatte den schnurrigen alten Kauz, der sich schlecht und recht John Smith nannte, an Penn Avenue mit einem fürchterlichen Affen behastet angetroffen und festgenommen. In einem Handkorbe schleppte John Smith eine Auswahl von Cigarrenstummeln, Glasscherben, zerrissenen Schuh- und Corsettschnüren, alten Pfropfen, Draht, Haaren, Bindfaden, Bretzeln, Nägeln, Kerzenstummeln etc., etc. mit sich herum. Seine Weste war inwendig mit Sicherheitsnadeln so gespickt, daß sie ganz gut hätte als PanzerHemd dienen können. Ihren hundertsten Geburtstag feierte dieser Tage im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel Frau Betsy Darby Sykes im Town Waterford bei Racine, Wis. Ihre Sehkraft ist ausgezeichnet, ihr Gedächtniß bemerkenswert!) und der allgemeine Gesundheitszustand gut; es sind thatsächlich wenige Anzeichen des Alters bei ihr vorhanden. Frau Sykes ist in Tolland, Col., geboren und erhielt ihre Erziehung in - den Wildnissen jenes Staates. Im April 1827 heirathete sie Salomon Sykes und das Paar zog nach dem Staa'te New Jork, um ein eigenes Heim zu gründen. Ihr Mann starb 1863. Frau Sykes kam dann nach dem Westen und siedelte sich in Caldwells' Praine, Wis., an und zog später nach Waterford, wo sie mit ihrer Tochter Frau Gault lebt. Bon 10 Kindern, welche Frau Sykes geboren wurden, leben 5; alle waren bei der Zusammenkunft anläßlil, der 100jährigen Feier anwesend. Daß die J sraeliten in Bosion am Sonntage ihre Ehen schließen und dabei von professionellen Musikern sich aufspielen lassen, das ist den dortigen Behörden ein Dorn im Auge.' Kürzlich wurden neun Musikern welche bei einer derartigen Gelegenheit ihre Kunst ausgeübt hatten, Geldstrafen zudictict. Die Judenschaft Böston's ist über das Vorgehen ier BeHorden sehr aufgebracht und Rabbi Margolies hat erklärt, es sei eine Ungerechtigkeit, den , Musikern zu verbieten, bei Festlichkeiten israelitischer Famitten zu spielen während bezahlte Sänger in den Kirchen austreten dürften. Beide seien Arbeiter, resp. Artisten, und Beide würde für ihre Leistungen bezahlt. Wenn in Zukunft den Musikern solle verboten werden, für Ausübung ihrer , Kunst bei, jüdischen Hochzeiten sich bezahlen, zu lassen, so müsse ein gleiches Verbot auch die kirchlichen Sänger treffen. Uebrigens haben die Bostoner Jsraeliten das gegen sie gerichtete Verbot bereits umgangen, indem sie entweder ihre Hochzeiten am Sonntag Abend um 12 Uh? beginnen oder sich bei derartigen Festlichkeiten am Sonntage von AmateurMusikern aufspielen lassen. EinhübscherkleinerLiebesroman wird aus New Aork berichtet. Eines Nachmittags fand der Leiter der Burenkrieg - Aufführungen in Vrighton Veach, Capitän A. W. Lewis, als er von der Rennbahn in sein Hotel zurückkehrte, einen Brief seines bei der Buren - Artillerie angestellten Leutnants Fritz Everhardt vor, in dem dieser ihm die Mittheilung machte, daß er plötzlich Abschied genommen habe, weil .er sich mit Frl. Dorothy Lawson, deren Mutter gestorben sei und ihr ein Vermögen hinterlassen habe, verheirathen werde. Es stellte sich dann heraus, daß Everhardt bei der Nachmittags - Vorstellung gefehlt hatte, und auch Frl. Lawson, welche sich mit ihrer Kammerzofe im Brighton Beach Hotel aufgehalten hatte. abgereist war. Die junge Dame ist 22 Jahre alt, eine Brünette und von entzückendem Aeußeren. Ihr Herr Papa ist Zoll-Chef in Windsor, Ont. Sie soll Everhardt kennen gelernt haben. während die Gesellschaft auf der Weltausstellung ihre Kriegsthaten vorführte, und später kam sie nach dem Osten, wobei sie sich mit ihrer Zofe immer in Jben besten Hotels aufhielt. Everhardt selber ist 32 Jahre alt,groß und von angenehmem Aeußeren. Er genoß als geborener Bur in den eng-lisch-indischen Schulen eine militärisehe Erziehung.-da er Offizier in der britischen Armee werden wollte. Als der Burenkrieg ausbrach, wollte er nicht gegen sein Volk fechten, und wurde Attache bei der Burengesandtschaft in Brüssel und Paris. Später assistirte er Dr. Leyds und half in Transvaal, die von den Engländern besetzten Eisenbahnen in die Luft sprengen. Nachdem er in Gefangenschaft gerathen war, wurde er nach St. Helena gebracht, von wo er flüchtete, indem er zu einem amerikanischen Trampdampfer hinüberschwainm. Als er in Philadelphia landete, suchte er den ihm bereits von Indien her be-kannten-Capiiän Lewis auf, der ihm eine Anstellung bei der gerade von ihm organisirten Truppe gab.

An seinem achtzigsten Geburtstage gestorben ist in seiner Sommerwohnung zu Belmar, N. I., Louis Wallis, ein Veteran aus dem mezikanischen Kriege. Er wanderte im jugmdlichen Alter von Deutschland nach ? den Ver. Staaten aus und ließ sich j für den Krieg anwerben, der im Iahj re 1864 zwischen Mexiko und den Ver. Staaten begann und rm folgenden Jahre mit dem Siege der Amerikaner endete. Wallis machte den Feldzug, der vas Heer der Ver. Staaten in das Herz Mexiko's führte, von Anfang bis ZU Ende mit. Der Verstorbene war ein hervorragender Componist und Musiker und hat sich als solcher einen Namen gemacht. Ein Richter im New Jorker Supremegericht hat in einer von der betr. Frau eingeleiteten Klage entschieden, daß Frau Morris F. Weinberg rechtlich mit ihrem Gatten, der gleichzeitig ihr Onkel ist, vermählt sei. Das-Domestic Relation Law Des Staates New York zählt nämlich die Ehe zwischen Onkel und Nichte zu den verbotenen, aber das betreffende Gesetz ist erst im Jahre 1893 passirt worden, während Weinberg seiner Schwester Tochter schon 1891 heirathete. AuS diesem Grunde entschied auch der Richter, daß eine damals gültig geschlosse-. ne Ehe durch ein späteres Gesetz nicht' für ungültig erklärt werden könne. Aus der Weinberg'schen Ehe sind zwei Kinder entsprungen. VonGlücksagenkann Frau M. Good in Louisville. Eines Nachmittags gab sie Lizzie Jones, einer Negerin, ihre Wäsche zum Waschen, vergaß aber, daß sie in der Innenseite einer Blouse $200 in Banknoten befestigt hatte; sie erinnerte sich dieses Umstandes erst, nachdem die Negerin die Wäsche einige Stunden in ihrem Besitze gehabt hatte. Die bestürzte Frau begab sich sofort zur CentralPolizeistation, und begleitet von einem Polizisten, ging sie zur Wohnung der Jones. Ohne Weiteres gab die Schwarze zu, das Geld gefunden zu haben und gab auch die $200 ohne Zögern heraus, gleichzeitig jedoch eingestehend, daß sie beabsichtigt habe, die Stadt noch am selben Abend zu verlassen. JmDeliriumalsFolgeeiner schwierigenOperation wegenBlinddarmentzündung entfloh Gilbert Javerlie, ein wohlhabender junger Fariner aus dem lutherischen Hospital in La Crosse, Wis., als die wachehaltende Pflegerin bwesend war und . taumelte mehr als er ging, nach dem zwei Meilen von dort entfernten katholischen Friedhof, wo er sich den Hals mit einem Glasscherben durchschnitt. Erst am zweiten Tage trat der Tod ein. Sein Verschwinden wurde im Hospital bald bemerkt und es wurde die ganze Nacht nach dem Entflohenen ge-sucht.-Erst am andern Tage wurde der sterbende Mann zufällig gefunden. Zuerst glaubte man, der Unglückliche sei. ermordet worden, dann stellte sich aber heraus, daß er der aus dem Hospital entflohene Patient war. Eine genaue Untersuchung ergab dann die Thatsache, daß man es mit einem Selbstmörde rn thun hatte. Die ledige Sucht, Trinkwetten zu veranstalten, hat einem Po- ! len Namens Stanislaus Wilgorki in Camden, N. I., das Leben gekostet. Wilgorki vermaß sich bei einer palnischen Festivität, als die Rede darauf kam, wie viel Schnaps wohl ein Mann auf einenSitz trinken könne, vierQuart Whisky zu leeren. Es kam zu einer Wette und Wilgorki, der thatsächlich einen ausgepichten Magen gehabt zu haben scheint, wurde in kurzer Frist mit zwei Quartflaschen Whisky fertig. ohne daß der genossene Alkohol ihm geschadet zu haben schien. Wäh rend er die dritte Flasche leerte, fing er jedoch an zu lallen und Zeichen einer schnell sich steigernden Trunkenheit zu geben. Sobald er den Inhalt der dritten Flasche hinuntergeschüttet hatte, wurde er bewußtlos. Nachdem seine Zechcumpane alle in Fällen schwerster Bezechtheit erprobten drastischen Wiederbelebungsmittel an ihm vergebens in Anwendung gebracht hatten, wurde ein Arzt geholt, aber auch dessen Bemühungen waren vergeblich. In wenigen Stunden war Wilgorki der Alkoholvergiftung erlegen. HalbohnmächtigvorHunger und Müdigkeit fand ein Polizist in Newark, N. I., einen 70jährigen Greis Namens George T. Gould aus New York. Der alte Mann war so mitgenommen, daß der Polizist ihn nur mit Mühe nach der Polizeiwache bringen konnte. In seinem Zustande war es ihm nicht möglich, irgend etwas über sich auszusagen. Zunächst wurde ihm daher etwas zu essen gegeben und dann wurde er. zu Bett gebracht. Nach mehrstündiger. Ruhe war der Mann wieder soweit 'hergestellt, daß er über sich Auskunft geben konnte. Die Familie wurde benachrichtigt, und John G. Gould, der Sohn des Alten, kam nach Newark und holte feinen Vater ab. Der ältere Gould hatte, wie sein Sohn der Polizei mittheilte, in Vegleitung eines Aufwärters das Haus verlassen und war mit der Car nach Newark gekommen, wo er sein ganzes Geld ausgab. Wie sich nachträglich herausstellte, hatte er sich mit seinem Begleiter gezankt und dieser ihn verlassen. Als dann der Vater nicht wieder Heimkehrte, hatte die Familie ein Privatdetectivebureau benachrichtigt, um nach ihm zu suchen.

Das Leiden des Kompagnielhefs.

humorisiische Szene von Adolar Saugwitz. Das Kompagnie Exerzieren war heute trotz der frühen Morgenstunde eine wahre Qual für die Mannschaft. Die Sonne sandte so glühende Strahlen vom wolkenlos blauen Firmament herab, daß jeder, vom Hauptmann bis zum Gemeinen sehnlichst das Ende der Uebung herbeisehnte. Nach den einfachsten Regeln der Vertheidigungskunst sucht der Soldat hinter Bäumen und Büschen Deckung vor dem Feuer des Feindes. Leider findet dieser Grundsatz auf dem Ezerzierplatz, wenn die Sonne ihr glühendes Feuer über die Mannschaft ausschüttet, keine Anwendung, wohl deshalb, weil die Sonne, die ihr Licht über Gerechte. und Ungerechte leuchten läßt, nicht als Feind, sondern als neutrale Macht angesehen wird. Nur dem Hauptmann von Bodenstein war es vergönnt, die Leistungen seiner Leute unter dem Schatten einer der den Exerzierplatz umgrenzenden Kastanien mit prüfenden Blicken zu verfolgen. Merkwürdig, während er scheinbar jeden Kommandoruf, jeden Grisf und jede Bewegung scharf überwachte, wanderten seine Gedanken weitab von der bleiernen Monotonie des Exerzierplatzes nach der einige Meilen entfernten Großstadt. Dort schlürfte der Hauptmann im Geiste soeben im eleganten Cafe, wo er in der Nähe eines plätschernden Springbrunnens Platz genommen, eine goldgelbe Pilsener. . Und dort in der Nische saß auch sie wieder an ihrem gewohnten Platz, die räthselhafte Schöne mit der graziösen Figur und dem berückenden Tituskopf, die kein Mensch zu kennen schien. Es war trotz der enormen Trinkgeldverschwendung nicht möglich gewesen, etwas über ihre Person zu ermitteln. Wer mochte sie nur sein? Fähnrich von Rinkberg, schlafen Sie nicht ein" Dieser Ruf schreckte den Hauptmann jäh aus seinen Kaffeehausträumen auf. Natürlich, dieser Malefiz-Fähn-rich, das Schmerzenskind .des ganzen Negiments.mußte ihm das angenehme Traumbild zerstören. ' Der Kompagniechef sah nach der Uhr. Es war 10 Uhr. Der Zug nach der Hauptstadt fuhr 11 Uhr 5 Minuten ab. Sein Entschluß war gefaßt. Herr Oberleutnant, lassen Sie die Leute noch eine Stunde exerzieren und führen Sie dann die Kompagnie nach Hause." Zu Befehl, Her? Hauptmann!" Während der Hauptmann den Weg nach dem Bahnhofe einschlug, überlegte der Oberleutnant Lindenburg, ob es nicht angezeigt sei, das Kommando auf den Leutnant zu übertragen. und sich gleichfalls aus dem Staube zu machen. Auch ihm war es in seiner Haut zu heiß geworden Leutnant Warburg, ich bin leider dienstlich verhindert. Uebernehmen Sie das Kommando und führen Sie dann die Kompagnie nach Hause!" Der Leutnant, der sich heute zum ersten Male in die Empfindungen eines Kompagniechefs versetzen durfte, fühlte sich zunächst als Herr der Situation verpflichtet, eine etwas schärfere Tonart anzuschlagen.' Nachdem er sich aber ein Viertelstündchen in der Rolle des Kompagnieführers geübt, die Mannschaften noch' mehr zum Schwitzen gebracht und einige Dienstwidrigkeilen streng geahndet, glaubte auch er seiner Pflicht vollauf genügt zu haben. Feldwebel, ich muß nach der Kommandantur. Sollte ich bis elf nicht zurück sein, so führen Sie die Leute nach Hause!" Nachdem er so den Kommandostab der versiändnißinnig schmunzelnden Mutter der Kompagnie übertragen, schlug er mit äußerst geschickten takti scher Umgehung der Kommandantur den Weg noch dem Bahnhofe ein. Auch der Oberleutnant Lindenburg hatte sich nach dem Bahnhof begeben, um in das lajlgweilige Garnisonleben durch eine Spritzfahrt nach der Meiropole etwas Reiz und Abwechslung zu bringen. Er langte dort etwa fünf Minuten vor Abgang des Zuges an, hielt es aber für rathsam. bald einzusteigen, denn sein böses Gewissen hielt ihm vor, daß es nicht erlaubt sei, ohne Urlaub zu verreisen. Es galt also, möglichst ungesehen einzusteigen. Doch kaum hatte der Oberleutnant ein Coupe zweiter Klasse geöffnet, als er erschreckt zurückprallte. Ah, sieh da, Herr Oberleutnant?" tönte ihm die Stimme seines Hauptmannes entgegen, der sich, in eine Ecke des Wagenabtheils gelehnt, schmunzelnd an der Verlegenheit seines Unvergebenen weidete. Lindenburg überwand seine äugenblickliche Befangenheit ziemlich rasch. Der Hauptmann Pflegte, 'das wuße er, ouch stets ohne Urlaub nach der Residenz zu fahren. Ungelegenheiten waren von dieser Seite kaum zu besorgen, und schließlich war es recht angenehm, die Fahrt in Gesellschaft zurückzulegen, wenn auch das dienstliche Rangverhältmß hier einiae . Reserve gebot. Der Sauvtmann schien ebenso zu -denken. Die leidige Urlaubssrage blieb unberührt, nur meinte der Kompagniechef in sarkastischem Tone: Haben sich wohl. heute etwas spät zur Fahrt ent-

schlössen, Herr Oberleutnant?' Zu Befehl, Herr Hauptmann, allerdings. Der Zug muß jeden Augenblick abfahren. Hatte leider keine Zeit mehr. . ." Bevor der Oberleutnant diesen Satz beenden konnte, wurde die Coupethür rasch aufgerissen, und Leutr.ant Warbürg erschien zum Erstaunen der beiden Herren als der Dritte im Bunde der Urlaubsfrevler. Wieder kurze Verlegenheit des Einsteigenden, gegenseitiges Erstaunen und umständliche Begrüßungsscene, dann siegte die Heiterkeit, die dies sonderbare Zusammentreffen erregte,' auf der ganzen Linie, und die drei Herren legten die Fahrt in der denkbar besten Stimmung zurück. Das Gespräch drehte sich zunächst um die tollen Streiche des Fähnrichs von Rinkberg, der es darauf anzulegen schien, die ganze Garnison auf den Kopf zu stellen. Dann sprach man über Wettrennen und Weiber, und der Hauptmann erzählte von .der schönen Unbekannten im Cafe und erregte die Neugier und das Interesse der beiden anderen erart, daß man nach Beendigung der Fahrt im Cafe zusammenzutreffen beschloß. Es war dort alles wie sonst. Der Springbrunnen plätscherte die Begleitung zu Ux summenden Unterhaltung der Gäste, die Kellner rannten geschäftig hin und her, und in ihrer gewöhnten Nische saß die schöne Unbekannte leider heute nicht allein. Ein Herr in Uniform saß in angeregter Unterhaltung neben ihr, mit dem Rücken gegen die Eingangsihür, doch jetzt drehte er sich um, und ein lautes Verfluchter Windhund!" aus dem Munde des Kompagniechefs machte auch die beiden anderen Offiziere auf die Gruppe aufmerksam. Himmelelement, Schockschwerebrett ... das ist ja der Fähnrich von Rinkberg!" Es war wirklich der Fähnrich von Rinkberg. Er hatte bald nach dem Weggange des Leutnants Unwohlsein vorgeschützt und war als letzter Passagier in den nach der Hauptstadt sahrenden Zug gesprungen, war vom Bahnhof sofort per Droschke nach dem Cafe Grand geeilt und hatte so, was Raschheit der militärischen Operationen betraf, sogar seine Vorgesetzten in Schatten gestellt. Wie versteinert blickte der Hauptmann auf den übermüthigen Fähnrich hin, der sich herausnahm, in Punkts Weiblichkeit den, Geschmack des Kompagniechefs zu theilen. Da haben wir den Salat, meine Herren, heiliges Kanonenrohr!" platzte er endlich heraus. Dazu fährt man nun nach der Hauptstadt, um diesen Fähnrich von Rinkberg hier poussiren zu sehen. Es ist haarsträubend, was der Mensch seinen . Vorgesetzten für Ä" tn rtsflH Undankbar. Hausfrau: ...Also Sie wollen uns verlassen, Kathi?! Habe ich Sie nicht immer behandelt, als gehörten Sie zur Familie?" Köchin: Freilich, gnä' Frou und das lass' ich mir nicht länger mehr gefallen!"

Macht der Gewohnheit. Junge Frau (die der Köchin hilft): O weh, da kommt mein Mann; der zankt, wenn er sieht, daß ich selbst koche!" Kochin: Rasch in den Küchenschrank, Madam!". m T Are (5 ? niv o y n e r von Campina in Rumänien genossen unlängst ein seltsames Schauspiel. Vor der Stadt, in eine? Thalmulde liegt ein See, in dessen. Nähe sich eine große Erdölsiederei befindet. Beim Verladen der Oelerzeugnisse ist der seichte Boden ganz mit Oel getränkt, das durch die letzten scharfen Regengüsse uch in den See getrieben war und diesen mit einer dunklen Schicht bedeckte. Diese Oelmasse war durch irgend jemand in Brand gesetzt. Dichter Rauch und hohe Flammen schreckten die Bewohner euf, die in Schaaren nach der Brandstätte eilten. Hier bot sich ihnen ein großartiger Anblick. Das Feu dehnte sich vorerst entlang dem Ufer auö, so daß bald ein Feuerkranz den engen See umschloß. DaS am Ufer stehende Schilf, daö schon lange mit Oel durchtränkt war, brannte hell auf, so daß der See wie von Tausenden von hohen Kerzen umgeben schien. Mächtige Feuersäulen wurden vom Wind über daö Wasser getrieben. DaS war ein Zischen und Brausen, ein Meer von Feuer und Wolken von dickem Qualm. Der Brand hielt die ganze Nacht durch an. Vorsichtig. Ich suche eine Verkäuferin für mein ff. Wurst- und Fleischwcaren - Geschäft. Vegetarianer erhalten den Vorzug.

' . P MJ.