Indiana Tribüne, Volume 28, Number 283, Indianapolis, Marion County, 22 July 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 22. Juli 1903.
7
: i :
Der Vertrauensmann Vornan von yaul &luncttvßldi .y "rci-rj :? ' (Schluß t.. Inzwischen starrte Frau Emma mit verglastem, entgeistertem Blick auf eine zweite Gruppe, die sich beinahe in demselben Augenblick gebildet hatte. Unmittelbar hinter jenem, unier der Flagge des deutschen Reiches fahrenden, eleganten kleinen Privatdampfer, der Herrn Reimers und seinen Begleiter gebracht hatte, war ein anderes Boot bis dicht an die Wanten der Viktoria Augusta" gefahren, offenbar in der Absicht, sofort nach jenem, dem Boote des deutschen Konsuls, am Fallreep anzulegen. Als aber Reimers die Stufen hinaufstieg und eben, die Damen grüßend, den Hut zog, sah Frau Houston, wie in dem zweiten Boot eine hohe breite Gestalt sich aufrichtete ihr schwindelte das Herz schlug ihr bis an den Hals hinauf das war Wilhelm Weber! Mit weit geöffneten Augen hatte er eben Reimers erkannt, griff in die Tasche in seiner Hand blitzte etwas auf mit leichtem Knall. Aber noch während Reimers hintenübersank,' hörte ste eine laute, kräftige Stimme, die in breitem amerikanischen Dialekt beinahe fidel ausrief: Haöoh-William Weber! Läßt Du Dich endlich doch erwischen!" Und aus dem Polizeidampfer legte sich eine Hand schwer auf Webers brei'z Schulter. Weber fuhr herum und wieder nur ein paar Sekunden spater sah. Mrs. Houston es zum zweitenmal aufblitzen. Weber hatte, da er sich verhaftet sah, die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Frau Houston wurde es schwarz vor den Augen, sie wankte und brach besinnungslos zusammen. Vom Schiffe her hatte der noch dort befindliche Quarantäne-Arzt diesen ganzen, unglaublich schnell sich abspielenden Vorgang mit angesehen. Er eilte zum Fallreep und ordnete an, daß man auch den zweiten Verwundeten zunächst an Bord schaffe wer weiß, ob er dem Transport bis zu der reichlich eine halbe Stunde entfernten Landungsstelle ausgesetzt werden dürfte. Zwei Minuten lang lagen die beiden jetzt kampfunfähig gewordenen Gegner stumm und regungslos dicht nebeneinander. Ueber Reimers gebeugt, stand der Schiffsarzt, der ihm bereits den Rock heruntergezogen und den Hemdarmel fortgeschnitten hatte; unter der rechten Schulter sickerte Blut hervor. Aberbeide Aerzte erkannten auf den ersten Blick, daß die Sache ziemlich glimpflich abgelaufen war. Die Kugel war von unten her in die Achselhöhle eingedrungen und saß irgendwo zwichen Schulterblatt und Schlüsselbein est. Und jetzt schlug Reimers auch 'chon die Augen auf, mit einem glückeligen Blick Margit erkennend, die noch nicht von der Stelle gewichen war. Der Kapitän, von dem deutschen Konsul verständigt, daß der junge Mann von hier aus mit der Viktoria Augusta" weiterzureisen gedachte und einen Platz bereits belegt hatte, ordnete sofort die Ueberführung Reimers in das Schiffsspital an, während die beiden Aerzte sich nun dem offenbar viel schwe.rer verwundeten Weber zuwandten. Jener ältere Polizist, der ihn erkannt und verhaftet hatte, und ein jüngerer Kamerad, ein hübscher, hochgewachsener, blonder Bursche, waren mit dem Arrestanten an Bord gekommen. Mit diesem hier sieht es bedenklicher aus, Fräulein Engelhard," sagte der Schiffsarzt zu Margit, als er sah, daß auch der aus einer Brustwunde blutende Weber ihr nicht fremd schien. Aber um den hier thut's Ihnen wohl weniger leid?" Wie von einer plötzlichen Ahnung durchzuckt, blickte das junge Mädchen sick erst jetzt nach ihrer Mutter um. Die Ereignisse waren sich so schnell gefolgt, daß sie dazu noch gar nicht Zeit gefunden hatte. jftirn sah sie, wie die Stewardeß und ihre Gehilfin eben bemüht waren, die ohnmächtige Mama in einem der großen Decksessel fortzutragen. Ohne noch einen Blick auf Weber zurückzuwerfen, eilte sie den Frauen nach. Der junge Polizist hatte lebhaft aufgehorcht, als er den Ramen Engelhard nennen hörte. Aber jetzt hielt ihn der Dienst hier fest. Der Kommissar der Hafenpolizei und der deutsche Konsul kamen, um sich über den Hergang berichten zu lassen. .Dielen Wrber alauBten wir nickt mehr in die Finger zu vtfommev meinte der Kommissar. Auch ich habe einen Steckbrief gegen ihn in der Tasche," entgegnete der Konsul, er wird von deutschen Gerichten wegen schwerer Verbrechen ver folgt.Streiten Sie sich nicht um den Mann," wandte sich nun der Quaran-tane-Arzt an die beiden Herren; tx hatte die Wunde Webers untersucht. Er macht's vielleicht noch eine Stunde lang oder zwei dann ist's vorbei mit ihm!" Spart uns ein gut Stück Arbeit," sagte der Polizeikommissar Phlegmatisch. Und diese Worte erst machten dem Konsul die ganze Sachlage in ihrem fürchterlichen Ernste klar. Er war von firnn Reimers über den Zweck von dessen Reise eingehend unterrichtet wor-
den. Wenn jetzt dieser Weber va den Mund für immer schloß in welch furchtbare Lage konnte dann die Klientin des jungen Anwalts gerathen! Die Aerzte batten vom Kapitän die Erlaubniß erhalten, den sterbenden Weber in die nächstgelegene freie Kabine bringen zu lassen. Die Polizisten irugen ihn, der Quarantäne-Arzt begleitete den Transport. Verzeihen Sie.' Herr Doktor," sprach der Konsul den nun freigewordenen Schiffsarzt an, halten Sie noch eine Vernehmung jenes Mannes da für möglich?" Er hat sich durch die Lunge geschossen," versetzte der Arzt, aber seine ungewöhnlich kräftige Natur läßt ihn sicher noch einmal zur Besinnung kommen. Wenn dann alles zu seiner Vernehmung vorbereitet ist, mag's angehen. Schaden kann ihm nichts mehr er ist verloren!" Und der andere Herr der mit mir kam erlaubt es sein Zustand, jener Vernehmung beizuwohnen?" Das ist schon fraglicher. Dazu müßte es uns vor allem glücken, die Kugel sogleich zu entfernen. Wir wollen eben an die Arbeit gehen. Aber auch dann müßte das Wundfieber sich nicht zu bald einstellen; und endlich allzusehr aufregen darf sich auch jener Patient nicht!" Eben kam der ältere Arzt, der der Quarantänekommission vorstand, aus der Kabine des ersten Steuermanns, in der Weber untergebracht war, zurück. Eine Riesennatur," sagte er, hinter sich deutend. - Man sieht förmlich, wie sie sich aufbäumt gegen das Unterliegen. Ich habe Eis aufgelegt weiter ist im Moment nichts zu thun. Vielleicht, daß die Sache sich noch ein paar Stunden hinzieht. Kommen Sie, Kollege, lassen Sie uns nach dem andern sehen." Aber da eilte die Stewardeß ihnen entgegen: Frau Engelhard sei gar nicht wieder zu sich zu bringen. Das geht ja hier zu, wie auf dem Schlachtfelde," konnte der alte Doktor scherzen. Nun, so sehen Sie nach wie war der Name? nach Frau Engelhard, und kommen Sie dann in's Spital zu unserm Leichtverwundeten." Diesmal hatte der junge Polizist, der eben abgelöst worden war, ganz deutlich seinen Namen nennen gehört. Und auf's Gerathewohl folgte er dem Schiffsarzte, um doch einmal zu sehen, was tl mit dieser Namensverwandtschaft auf sich hatte. Margit kam dem Arzte mit starrem, entsetztem Ausdruck in ihrem jetzt blutleeren Gesicht entgegen: Um Gottes willen, Herr Doktor helfen Sie der Mutter! Und was ist mit ihm? Oh das ist zu viel auf einmal!" Der Arzt, der schon vorher erkannt hatte, daß die reizende Margit und der hübsche, bärtige junge Mann einander wohl sehr nahe standen, beruhigte sie zunächst über den Zustand des letzteren: Ich hoffe, in einer halben Stunde kann er Ihnen selbst sagen, daß e: außer Gefahr ist. Und nun lassen Sie uns nach Ihrer Frau Mutter sehen, mein gnädiges Fräulein!" Der Polizeimann schlich sich beiseit;. Ihn äffte ein Traum. Das konnte doch nicht sein, daß aus dem kleinen zehnjährigen Kousinchen, das er zuletzt gesehen, als sie mit ihren Eltern zu Besuch nach Teutschland gekommen war, ein gnädiges Fräulein" und gar ein so allerliebstes geworden war! Aber ihre Züge waren es! Und daß sie Engelhard hieß, ließ ihn nicht loskommen von dem Gedanken, daß sie es wirklich sei, trotzdem gerade der Name ihm wiederum ganz unbegreiflich vorkam. Ihm wurde völlig weich um's Herz, wenn er dachte, daß die Frau dort drinnen in dem State Room" vielleicht doch die Schwester feines Vaters sein könne wunderliche Empfindungen stiegen in dem Burschen auf: Reue, Sehnsucht, Scham ein heißes Verlangen, sich einmal bei seinem Vornamen rufen zu hören, den hier kein Mensch richtig aussprach. Und er lehnte sich über das Reeling hinaus und ließ verstohlen ftne Thränen hinabkollern in's Meer, das gegen die Schiffswand schlug. Ihre Frau Mutter braucht zunächst Ruhe tiefste Ruhe," sagte der Arzt, als er mit Margit wieder heraustrat. Ich habe den Eindruck, als ob sich da ein bösesNervenfieber entwickeln wollte. Jedenfalls sollte ihr, sobald das Bewußtsein wiederkehrt, alles ferngehalten werden, was sie an die Vorgänge dieser Stunde erinnern könnte. Wir müssen sie glauben machen, sie habe schwer geträumt. Und ich würde rathen, daß Sie aus der Stadt eine barmherziae Schwester an Bord rufeiu
Der r.-nae Wann da. ein Hcliiist auS San Francisco, ist Ihnen vielleicht behilflich dazu." Jung Engelhard hatte sich umgedreht, als er die Beiden hinter sich reden hörte. Und nun hielt er's nicht länger aus: Entschuldigen Sie." rief er sie deutsch an, bist Du Margit Houston? Oder bin ich ein Narr?" Der Doktor lachte. Daß doch die Polizisten das Schnapstrinken nicht lassen können! Dann wandte-er sich an Fräulein Engelhard: Ruhe für Ihre Mutter! Und jetzt muß ich nach Ihrem Freunde sehen!" Damit schritt er dem Hinterdeck zu, indessen Margit, in den Anblick des jungen Polizisten versunken stand: Bist Du Oskar Engelhard?" Er nickte. Schon wieder kamen ihm die dummen Thränen. Du schlechter Mensch!" sagte Marajk Weißt Du denn nicht, daß Dein
Vater sich um Dich grämt? Und daß er sich freuen würde, wie hübsch, groß und stark Du geworden bist? Nun," fuhr sie in ihrer resoluten Weise fort, darüber reden wir noch. Jetzt mach' Dich auf und schaff' mir eine Wärterin für meine Mutter, eine barmherzige Schwester, die recht vertrauenerweckend aussieht. Sie soll auf dem Schiffe bleiben, bis Mama gesund ist; dann schicken wir sie zurück. Willst Du. Oskar? Und wenn Du zurückkommst, reden wir mehr miteinander!" Er konnte nicht aus den Augen sehen. Er nickte nur heftig mit dem Kopfe und stapfte davon, während Margit sich auf den Zehenspitzen wieder zu ihrer Mutter schlich. Nicht ganz zwei Stunden später sah die komfortable, aber doch nur kleine Kabine des ersten Steuermannes mehr Menschen innerhalb ihrer Wände, als jemals zuvor; sie war der Schauplatz eines letzten Aktes geworden des Schlußaktes einer Tragödie, die zuvor den weiten Raum zweier Erdtheile erfüllt hatte, bevor sie hier in einem k!einen Raum von kaum dreißig Kubikmetern ihren Abschluß fand. Auf dem Ruhebett ausgestreckt lag Wilhelm Weber regungslos, die Augen geschlossen, den schönen Mund wie im Krampfe fest zusammengepreßt. Die Bronzefarbe seines Gesichts hatte jetzt einen fahlen, grünlichen Schein, das kurze, krause Haar hing feucht über die breite Stirn herab. Hinter dem Kopfende seines Lagers, so daß Webers etwa erwachender Blick ihn nicht hätte sehen können, saß, fast noch bleicher als dieser, Leonhard Reimers, die rechte Schulter bandagirt und den Rock nur darüber gehängt. Der Schmerz quälte ihn man sah es ihm an aber er hielt sich aufrecht, die Augen unverwandt auf das grünlich-blasse Gesicht seines Gegners gerichtet. Rings um den Jnstrumententisch, von dem jetzt alles fortgeräumt war. faßen der deutsche Konsul und der schnell herbeigeholte Notar des Konsulats der Kapitän der -Viktoria Au-auna,-oer erste Steuermann, vte vtx ven Aerzte. Der Polizeikommissar und zwei seiner Leute, darunter Engelhard, standen in dem engen, noch übrigen Raum. Eben hatte der ältere von den Aerzten nach Puls und Herzschlag gehorcht. Man sollte glauben, er müsse jeden Augenblick erwachen," sagte er absichtlich laut, ich glaube, er hört mich sprechen." Mit einer Kraftansirengung riß Weber die Augen auf und starrte in's Leere. Noch einmal fielen die Augen zu, und als er sie neuerdings öffnete, zeigte der Blick Bewußtsein und Verständniß. Er griff mit der linken Hand nach seiner Brust, fühlte dort den Eisverband, dann ging es wie Befriedigung über sein Gesicht und mehr für sich selbst sprach er halblaut: Also doch gut getroffen wie?" Sehr gut getroffen," bestätigte mit Nachdruck der Arzt. Sie werden nicht lange zu leiden haben!" Um so besser," antwortete Weber schnell. Seine Augen schweiften in die Runde: Ich sehe ich störe hier nur." Also wissen Sie, wo Sie sind, Herr Weber?" fragte der Arzt. Weber nickte mit halbem Lächeln zustimmend. Ich bin am Ziele! Auf der ,Viktoria Augusta!' " Eine tiefe Bewegung erfaßte alle die Männer bei diesen klaren, alles zusammenfassenden Worten. Denn jeoer der jetzt hier Anwesenden wußte genau, mit wem man es zu thun hatte. Der Konsul hatte die ganze Situation deutlich beleuchtet. Nun also Sie halten sich wie ein Mann." nahm der Doktor wieder das Wort. Und Sie sind in der glücklichen Lage, vieles gutzumachen, wenn Sie sich beeilen. Wollen Sie uns allen hier dies ist der Konsul des Deutfchen Reiches dies ein Königlich PreuBischer und Vereinigte Staaten-Notar wollen Sie uns über die Dinge Aufschluß geben, die Sie hierher geführt haben?" Wieder griff der Sterbende nach seiner Wunde, drückte die Hand fest darauf, gleichsam, als wollte er sie zwingen, jetzt zu schweigen. t Sie haben recht: ich muß mich beeilen. Aber ich darf es kurz machen wie? Schreiben Sie, Herr Notar!" Es war etwas Großes. Zwingendes, allen Widerspruch Ausschließendes in seinem Tone: er war es, der noch einmal die Menschen und die Dinge beherrschte. Schreiben Sie," wiederholte er. Und der Notar tauchte die Feder ein. JPiii bewundnnswerth klarer, ruhiger (Stimme sprach ber 'Mann, vem alles sagte, daß er nur noch Viertelstunden zu leben habe: Ich heiße Ralph Edmund von Schulenburg, bin am 9. Februar 1865 'zu Berlin geboren und am 26. April 1380 mit der Hamburger ,Patria' unter dem Namen Wilhelm Weber nach New tyoxt gekommen. Mein Konto in Amerika ist beglichen: ich habe vier Jahre Zwangsarbeit gethan, damit ist .alles bezahlt. Aber drüben, in Deutsch'land bin ich noch viel schuldig. Nur ' "v t i f .
um 2yeu !tt oas noch gutzumachen. Ich habe am 13. Oktober des letzten Jahres in der Villa Houston bei Berlin Jotm Prokuristen der Berliner Bank, Herrn Franz Reimers, dem ich WerthPapiere im Betrage von 270,000 Mark Übergeben sollte, ein Packet mit leerem Schreibpapier untergeschoben. Vorher habe ich auö einem Schmuckstück der Frau Houston eckte Steine auöbrechen zznd. durch Nachahmungen ersetzen las
sen. Ich habe in der diesem Abende folgenden Nacht die Villa Houston in Brand gesteckt ein von mir erfundeneZ, hier in Amerika als Weber-Pearl-scher Zündstosf bekanntes Präparat hat mir das leicht gemacht. Ich habe vor dem Brande Kunst- und Silbergegenstände beiseite gebracht und diese später, ebenso wie die echten Steine der Frau Houston in Wien zu Geld gemacht. Sie wollen auch Gründe wissen! Rachsucht Habgier Herrschsucht Liebe!" Er sank zurück und ein schmerzliches Aufstöhnen verrieth, wie sehr er litt. Er hatte langsam und deutlich, fast feierlich, manchesmal in langen Pausen, gesprochen, so daß der Notar Wort für Wort nachschreiben konnte, indessen der Konsul die Aussage, der Kontrolle halber, stenographisch aufnahm. Niemand wagte die stille m unterbrecken. eyl gao oer lervenve ein Zttchen. daß er weiter reden wollte. Aber zunächst kam nur ein gurgelnder Laut hervor, dann ein dünner Streifen schwarzen, dicken Blutes.
Die Aerzte richteten ihm den Kopf auf, flößten ihm kleine Stückchen Eis ein, und. von Neuem senkte sich tiefes Schweigen über die kleine Versammlung. Und Weber hob wieder an: Jch wohne hier im KolumbiaHause. Was sich dort an Papieren, baarem Gelde, Pfandscheinen findet, ist Eigenthum der Frau Emma Houston, geborenen Engelhard ich hoffe, daß man es ihr sogleich ausfolgt. Nur um eins möcht ich bitten :" er sah sich suchend um hd6' ich den Rechtsanwalt Reimers schwer verletzt?" Der Ton, in dem diese Frage gestellt wurde, ließ deutlich erkennen, was m ihm vorging, und Reimers, durch einen Wink des Arztes ermuthigt, trat var und sagte: Keine Sorge meinetwegen! Sie haben mich nur gestreift." Webers Gesicht hellte sich auf. Und wie beschwörend sprach er: Dann wden Sie's thun! Das Bild, das mVn bei mir finden wird das Oelporträt das geben Sie mir mit auf den Weg Margits Porträt!" Schwer, sehr schwer hatten sich diese Worte hervorgedrängt. Aber sie strömten gleichsam Licht aus über dies verdüsterte Leben, das hier seinen Abschluß fand. ' Leonhard Reimers reichte dem Sterbenden die Linke und saate einfack: So soll es geschehen." Inzwischen hatte der Notar sein Protokoll abgeschlossen und fragte, ob er es vorlesen dürfe. Weber, noch vollkommen bei Bewußtsein, jetzt aber offenbar ohne Schmerz, neigte leise den noch immer schönen Kopf. Und dann lauschte er beinahe andächtig. Man hätte glauben mögen, daß ihm sogar die äußere Form seines Bekenntnisses gefiele. Als der Konsul ihm nun das Aktenstück auf einer festen Mappe zur Unterschrift vorlegte und ihm eine eingetauchte Feder reichte, schrieb Weber mit fester, sicherer Hand: Ralph Edmund von Schulenburg alias Doktor Wilhelm Weber. Ein stärkerer Bluterguß verrieth, wie stark der Mann in seinem Innern kämpfte, um äußerlich seine Haltung zu bewahren. Nun fielen ihm die Augen zu noch einmal gelang es ihm, die Lider zu heben und Leonhard Reimers sagend anzublicken. Und als dieser tumm bejahend antwortete, streckte und lehnte sich der gewaltige Körper des sterbenden Mannes, in dessen Zügen jetzt Ruhe und Frieden die furchtbare Spannung des letzten Kampfes ablösten. Es war vorüber. . Auf der Höhe des paradiesisch schönen Florida hatten die Damen Houston, der Rechtsanwalt Reimers, Oskar Engelhard und die von San Francisco mitgenommene barmherzige .Schwester das herrliche Schiff verlasfen, um hier der zwar völliger Genesung entgegengehenden, aber furchtbar geschwächten Frau Emma eine milde Nachkur zu ermöglichen. Nur ganz allmälig hatte man ihr beibringen dürfen, was sich inzwischen ereignet vieles wußte sie auch jetzt noch nicht in seiner ganzen, grausamen Wirklichkeit. Daß Weber todt sei, konnte man ihr nicht lange vorenthalten. Und' Reimers wagte es sehr bald, hinzuzufügen, daß auf seine letzte Bitte ihm Margits Bildniß mitgegeben worden war in's Grab. Das war eine schmerzlich bittere, die schwache Frau bis in ihr Innerstes aufrüttelnde Medizin gewesen, aber sie hatte Wunder gewirkt. Wie vor einem Zauberworte wichen alle die Wahnvorstellungen der -letzten Jahr von ihr, und mit geläuUxitmrm überschritt ' ""sie" '"die Schwelle, hinter der sie ihre Jugend zurückließ. Wilhelm Webers . feierliches, von einer ganzen Zeugenkorona beglaubigtes und in amtlicher, rechtsverbindlicher Form aufgenommenes Bekenntniß war von San Francisco aus nach Berlin gesandt worden und hatte zur Folge,- daß man dem Rechtsänwalt Reimers die Einstellung des gegen frau Houston eingeleiteten Unteruchungsverfahrens telegraphisch meltlrf und schon in Rio de Janeiro fand er eme formelle schriftliche Bestätigung dieser Depesche vor. Nun erst bereitete man Frau Emma langsam darauf vor, daß sie daheim nicht alles finden würde, wie sie eS verlassen hatte. Sie legte anfangs wenig Gewicht darauf, bis ihr nach und nach klar wurde, daß Webers Eintreffen in San Francisco, daß sein Angriff auf Leonhard und schließlich sein Tod in engem Zusammenhang
stand mit den Verlusten,' die sie erlitten haben sollte und auf die man sie so vorsichtig hinzuweisen bemüht war. Und immer deutlicher erinnerte sie sich des Tones, in dem Weber ihr einst zuge-rufen-hatte: Es reißt mich zurück, wohin ich gehöre auf die Straße!" Aber ein romantischer Zauber hatte sie taub und blind gemacht, hatte ihr eine schöne, edle, große Rettungsthat vorgespiegelt, wo sie. doch nur ihrer menschlichen Schwäche nachgab. Sie wird nun ihr eigenes Glück in dem ihrer Kinder finden. Margit beginnt wieder froh zu werden, und ihr liebliches Gesichtchen gewinnt täglich an Farbe und Leuchtkraft. Daß sie für den Onkel Engelhard ein so unerwartetes Geschenk rnjtbringen kann, wie diesen ausgewachsenen Schlingel von einem Vetter, hat sie bisher in ihren Briefen nach Berlin nicht verrathen. Wenn sich zu ihrer feierlichen Verlobung der ganze Familienkreis, der nun ja auch den Baumeiste? Harms und den Onkel Reimers in. sich schließt, in der Villa Houston vereinigen wird, dann wird sie dem alten Onkel den Sohn aufbauen" ein Weihnachtsgeschenk zu Pfingsten. Mr. Jim Houston hat eine sechswöchige Gefängnißstrafe in Berlin verbüßt und war froh, als ihm die Berliner Bank auf telegraphische Anweisung Leonhard Reimers ein sehr nobles Viatikum von hunderttausend Mark mit auf die Reise gab. Die Teutschen haben es mit ihm verdorben. Noch Jemand anders ist mit einiger Verstimmung vom Schauplätze abgetreten. Ter Landgerichtsrath Herrig hat um seine Pensionirung nachgesucht. Wenn man sich nickt einmal mehr auf einen in vier Jahrzehnten erprobten Spurius" verlassen darf woran soll der Mensch noch glauben? Das ist eine Frage, die außer Margit Houston nur noch Martha Engelhard zu beantworten vermag. Sie hat, wie jene zu Leonhard Reimers, volles Vertrauen zu dem Manne, der aus den Ruinen ein neues festes Haus erstehen ließ, zu dem Manne ihrer Liebe. Vertrauen ist die schönste, die edelste Blüthe jener Liebe, die immer mehr nnpfangt. je mehr sie gibt. Ende.
Das sagt genug. Nun, war Euer letztes Kaffeekränzchen interessant?" Und ob! Es wurde drei stunden lang nur im Flüstertone gesprochen!" TrenkS Blutbibel." Die Blutbibel" Friedrich v. der Trenks kam dieser Tage bei einer Autographenversteigerung in Berlin zum Verkauf. Friedrich v. der Trenk war von Friedrich dem Großen wegen intimer Beziehungen zu des Königs Schwe.ster, der Prinzessin Amalie, erst in Glatz. dann in Magdeburg, mit Ketten beladen, eingekerkert worden. Während dieser Haft beschrieb Trenk eine Bibel, die mit weißem Papier durchschossen war, auf 200 Seiten eng mit seinem eigenen Blut. Er schrieb in die Bibel, ein Geschenk der Prinzessin Amalie, Gedichte an die Prinzessin und eine ausführliche Schilderung des Ursprungs und Zusammenhangs seines traurigen Schicksals. Nachkommen der Familie Trenk haben nun die Blutbibel für 500 Mark erworben. Die Urbewohner Europas wohnten, wie dies heutigentags noch die Buschmänner Südafrikas thun, in natürlichen Höhlen oder, wo sie .solche nicht vorfanden, unter Felsdächern. Knabenshneö Luftschiff. Einen äu-ßerst erfolgreichen Aufstieg unternahm dieser Tage A. R. Knabenshue in Toledo, O., mit seinem neuesten Luftschiff, indem er eine Distanz von drei Meilen durchfuhr und auf der Höhe eines zehnstöckigen Officegebäudes landete, worauf er lt Rückfahrt antrat und wieder zu dem AbfahrtsPlatz zurückkam. Als Knabcnshue ab fuhr, wehte ihm ein starker Wind gerade entgegen, de? den Luftballon 3000 Fuß in die Höhe führte. Nichtsdestoweniger verlor der Aeronaut die Herrschaft über sein Gefährt keinen Augenblick, sondern .fuhr unentwegt seinem Ziele zu. Als der Ballon 25 Minuten nach Beginn der Fahrt gerade über dem vorbezeichneten Gebäude schwebte, ließ sich Knabenshue herunter und erreichte gerade das Dach des Gebäudes. Dann trat er die Rückfahrt an, welche er, mit dem Winde segelnd, in 15 Minuten zurücklegte Nachsüchtiger Bursche. In Kupferberg, Oberfranken, holte ein junger Bursche, der wegen ungezogenen Benehmens aus. der Gastwirthschaft hinausgewiesen worden war. das Jagdgewehr seines Vaters und erschoß einen Maschinenschlosser. Luftballon-Fabriken bestehen in verschiedenen Städten Europas wie 'Augsburg, Hannover, London, Paris u. s. w. Bestrafte Grobheit. Das Kriegsgericht in Glogau, PreußischSchlesien, verurtheilte den Hauptmann Grafen Pfeil wegen Beleidigung zu 200 Mark Geldstrafe. Der Haupt mann stand mit seiner Gattin im Ehescheidungsprozesse. In einem Termin vor dem Amtsgerichte in Jauer hatte u den Rechtsanwalt seiner Frau wiederholt Schuft 'und Schurke genannt, achdem er bereits vom Kriegsgericht m QrbmmTsstrafe genommen war.
D i e Gallen der Pferde erfordern je nach der Dauer ihres Bestehens eine verschiedene Behandlung. Frische oder unlängst entstandene Gallen sind durch kühlende Mittel. z. B. Bleiwasser oder Essig mit Lehmanstrich, oder durch Einwickeln der kranken Stellen leicht zu beseitigen. Die durch die Gallen hervorgerufene Lahmheit verschwindet nach einigen Tagen, die Gallen dagegen später. Bei veralteten, sogenannten kalten Gallen" empfiehlt sich eine feste Einwicklung. sowie täglich ein- bis zweimal!ges Einreiben mit einem Theil Scbwefelsäure auf zehn bis zwölf Theile Spiritus ode: Wasser. Noch stärker wirkt Jodtinktur oder ein Theil Jodquecksilber und acht bis zehn Theile Fett als Salbe. Hilft auch dieses Mittel nicht, so öffne man die Galle mit einem Trokar. lasse die Flüssigkeit abfließen und spritze fünfprozentige Karbolsäurelösung in die Wunde. Sodann bestreiche man diese mit Jodoformkollodium. Eine schnelle, kräftige Keimung des Samens, ein ungehindertes Auflesen der Saat sind schon theilweise Bürgen für die Ernte, und hat der Landwirth deshalb das größte Gewicht darauf zu legen, daß die Bedingungen für das schnelle Keimen und Auswurzeln gegeben werden. Feuchtigkeit, sowie der Kreislauf der Luft und Wärme sind die zu berücksichtigcnden wirksamen Umstände der Keimung; sind diese nicht im richtigen Verhältniß im Boden vorhanden, oder gar eines durch das andere ausgeschlossen, kann keine regelrechte Keimung eintreten, so verzärteln die jungen Pflanzen und verkümmern, vermögen auch ungünstiger Witterung, namentlich dem scharfen Wechsel der Temperatur. weit weniger zu widerstehen. Selbst die schönsten Bodenverhältnisse und spätere günstige Witterung vermögen einer in erster Jugend versehe nen Saat kaum wieder aufzuhelfen. Der günstigste ZeitPunkt für die Heuernte. Als folchen empfiehlt sich die Zeit, wenn die Mehrzahl der Gräser in voller Blüthe sieht. Später, bei Eintritt der Samenbildung, werden die Stcngel holzig, strohig; dadurch gehen viele Nährstoffe, die zur Ausbildung der Samen gebraucht werden, dem Futter verloren und dasselbe ist viel weniger nahrhaft. Das Vieh frißt solches Futter auch nicht gern, es ist eben schwer verdaulich und geht theilweise unver-, daut ab. Außerdem ist noch zu beachten, daß durch das spate Mähen die Zeit des Wachsthums für die nachwachsenden Gräser zu sehr verkürzt wird, weshalb sich der zweite Schnitt nicht entsprechend entwickeln kann und minder ergiebig ausfällt. Ein weiterer Nachtheil des zu späten Mähens ist noch der, daß infolge Samenbildung die Wiese an ihren Nährstoffen erschöpft wird. Die Bekämpf'ung des Huflattichs. Dieser ist namentlich auf schwereren Böden ein lästiges Unkraut, weil seine ausdauernden Wurzelstöcke äußerst tief in die Erde eindringen, so daß dieselben durch die gewöhnliche Pflugarbeit nicht zerstört werden können. Hier würde nur ein sehr tiefes Pflügen mit sorgfältigem Auflesen der Wurzeln zum Ziele führen. Ein weiteres probates Bekämpfungsmittel hat jedoch der LandWirth noch darin an der Hand, daß der Huflattich sehr bald abstirbt, wenn man während des Sommers die Blätter dicht an der Erde abmäht. Die Pflanze erstirbt dann, wie man zu sagen pflegt, im Safte. Auf Ackerfeldern hilft in ähnlicher Weise die Aussaat von gut gedüngtem Mengfutter. Das Schröpfen oder Beschneiden geil wachsender Getreidesaaten bezweckt die Beschränkung des zu üppigen Wachsthums, wodurch ein festerer Aufbau der Halme erzlt wird. Die Ausführung d:s Schröpfens geschieht mit der Sichel oder Sense, nicht wagrecht wie beim Mähen, sondern schräg seitwärts, so daß nur die obersten aufgeschossenen Blätter entfernt werden. Getreide auf gutem Boden verträgt eine tiefere Beschneidung, als solches auf leichtem Boden, immerhin darf aber der Herztrieb nicht verletzt werden. Das Schröpfen verursacht eine schnellere Verholzung der Stenael und verhindert das Lagern des Getreides. Gegen das Eierfressen derHühner macht man einen rechten scharfen Aufguß, indem man recht diel gestoßenen Pfeffer, womöglich mit etwas Paprika tüchtig abgekocht. Nachdem der Aufguß fertig, nimmt man ein Ei, durchlöchert felbiges und bläst den Inhalt aus. Dann verschmiert man das eine Ende mit Gips. Wenn derselbe hart ist. füllt man das Ei mit vorbesagtem Abguß, verschmiert das andere Ende und legt das so hergestellte Ei auf diejenige Stelle, wo die Hühner gewöhnt sind, solche zu finden. Ein Huhn, welches einmal so mit einem Ei angeführt wurde, geht nicht so leicht ein zweites Mal daran.
Entgegenkommend. Hausherr: Wamm wollen Sie denn nun eigentlich ausziehen?" Miether (achselzuckend): Einen bestimmten Grund habe ich nickt; ich möchte mich nur 'mal verändern!" Hausherr: Na, da könnt' ich Sie ja einfach a' bis! steigern!"
