Indiana Tribüne, Volume 28, Number 283, Indianapolis, Marion County, 22 July 1905 — Page 6
C 1 Jndiana Tribmtc, 22. Juli 1903. 6
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DleZNSwe.
Von Walther TomanZky. Schöner Fremdling von dem Meere Schwebst mit leicktem Flügelschlag, Ungehemmt von Erdcnchwcre, Hin und her den ganzen Tag, Flatterst über dunklen Wogen, ' Leicht getickt von weißem Gischt, Kommst so stolz und frei gezogen. Von dem MeereShauch erfrischt. Bist ein Bild des Inline CtrebenZ In die weite, weite Welt Sei ein Borbild deutschen Lebens ' Von der Alp bis zu dem Veit! Gluckchen. Humoreske von Fritz Brentano. Fritz Gluck im Seminar hatten sie ihn um seiner zierlichen Gestalt Villen Gluckchen" getauft ein Diminutiv, das er nicht mehr los wurde war zweiter Lehrer in Neufelden, wo er sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Ein vortrefflicher und unterhaltender Gesellschafter, konnte er halbe Nächtein irgend einem fröhlichen Kreise trinkfester Männer verbringen, ohne selbst auch nur einen Tropfen zu yenießen, da er ein entschiedener Abstinenzler und niemals zu bewegen ttar, sich an irgend einer Kneiperei zu 'betheiligen. Hingegen dichtete er, ganz im Gegensatz zu seiner Abneigung gegen den Alkohol, die feuchtfröhlichsten Trinklieder, in denen er das Lob des Weins in allen möglichen Versgattungen besang, und in deren Vortrag er eine derartige Virtuosität erlangt hatie, daß eine männliche Abendunterhaliung in Neufelden ohne Gluckchens Rezitationen undenkbar war. Und so hätte er sich, trotzdem seine Stellung gerade nicht danach angeihan war, einen strebsamen Pädagogen heftig glücklich zu machen, vielleicht noch recht lange in dem gemüthlichen Nest wohl gefühlt, wenn er in 'der Wahl seiner Zukünftigen vorsichtiger und nicht blind für das verheißüngsvolle Entgegenkommen so manches wohlhabenden Neufelderner Bürertöchterleins gewesen wäre. Statt dessen hatte er sich mit einem recht herzigen, aber vollständig mittellosen Mädchen, der Tochter einer Lehrerwitrwe, verlobt und dadurch die VerPflichtung übernommen, nach einer einträglicheren Stellung Umschau zu halten. Lange blieben seine Bemühungen erfolglos. Endlich aber dämmerte in etwas nebelhafter Ferne ein. Hoffnungsschimmer für das sehnsüchtig harrende Pärchen auf, der sich mehr und mehr verdichtete und schließlich zu einem strahlenden Stern wurde, der ein gar liebliches Licht auf ihre Zutunft warf. Gluckchen hatte sich, freilich nur zaghaft, um eine demnächst freiwer:nde Stellung in Berlin beworben, und nun war etwas länglich hatte es dauert zu feiner und seiner kleinen Gertrud freudigen Ueberraschung doch noch ein amtliches Schreiben eingetroffen, in dem er aufgefordert wurde, sich baldmöglichst in der Reichshauptstadt -Srtm Herrn Oberfchulrath Säuberlich Vorzustellen eini Einladung die wohl geeignet war, die schon etwas gesunkenen Hoffnungen Gluckchens aufs neue zu beleben. Dieser hatte am Tage nach dem eingangs erwähnten Vereinsabend seine Berliner Reise angetreten und sich cm Morgen nach seiner Ankunft dem Oberschulrath präsentirt. Er gefiel bem gestrengen Herrn offenbar recht gut, denn dieser behandelte den jungen Lehrer ausnahmsweise wohlwollend und entließ ihn nach einer gründlichen anderthalbstündigen Prüfung mit der erfreulichen Versicherung seiner Zufriedenheit und dem in unzweideutigen Worten gegebenen Verspreöen, daß er seine Anstellung an betreffender Stelle beantragen und warm befürworten werde. Wer war glücklicher als Gluckchen? Sein erster Gang war nach dem Teleraphenamt, wo er in aller Eile ein Telegramm an seine Verlobte abgehen ließ, das so recht seine zuversichtliche Stimmung bekundete: Hurrah! Alles in Ordnung! Ansiellung gewiß!" Und als er das Postgebäude verließ, harrte seiner abermals eine freudige Ueberraschung. Denn vor der Thüre traf er Hans Baumann, einen einstigen Seminargenossen, denselben alten Hans, der bei der feierlichenVerleihung seines Spitznamens Gluckchen" Pathe gestanden hatte. War das ein vergnügtes Wiedersehen Am vergnügtesten allerdings für Fritz Gluck, der es als ein besonderes Omen betrachtete, daß er in der ihm absolut fremden Weltstadt den einzigen Bekannten so unverhofft traf den guten Kerl, der alsbald Arm in Arm mit ihm loszog, um ihn mit den Herrlichkeiten Berlins bekannt zu machen. Gluckchen war von jeher ein Frühcuffteher und daher am anderen MorSt nicht wenig erstaunt, daß der Zeiger seiner Uhr bereits auf elf stand, als er in seinem Gasthaus erwachte. Na, er war freilich auch erst gegen 4 Uhr und zwar todtmüde zu Bett gekommen, denn Hans Baumann hatte ihn zu einem solennen Stiftungsfest des Lehrervereins geschleppt, wo er zwar mannhaft allen Versuchen, ihn zum Trinken zu verleiten, nicht aber der Aufforderuna. zum Vortrag seiner .Poesien, widerstand.
Und da sich die Gesellschaft, als er das Podium betrat, in einer äußerst animirten Stimmung befand, so rezitirte Gluckchen selbstverständlich als passendste Nummer seines Repertoires, mit einem Feuer, das sie dem kleinen Kerlchen gar nicht zugetraut hätten, wieder einmal seinen Traum des Zechers" und das Lied vom Durst", bei dessen Schlußstrophe: Ich hasse nur Eines: Ein leeres Glas Prost, Freunde, stoßt an! Ich komme euch was!" ein stürmischer Jubel losbrach, der in einer noch stürmerischeren Ovation für den dichtenden Collegen ausklang. Ja, es war sehr schön gewesen! Gluckchens Zug, der ihn nach der Heimuth zurückbrachte, ging erst um zwei Uhr. er hatte also keine Eile mit dem Aufstehen, und ehe er sich dessen versah, war er wieder eingeschlummert und wachte erst auf, als ein wiederholtes Pochen an der Thüre ihn belehrte, daß jemand Einlaß bei ihm begehre. Auf sein Herein" erschien denn auch der Kellner, der ihm ein großes Schreiben überreichte, das soeben unten ein uniformirter Bote für ihn abgegeben hatte. Gluckchens Hand zitterte, als er es öffnete, und die Buchstaben tanzten ihm eine Weile förmlich vor den Augen, bis sich feine Aufregung endlich legte und er den Inhalt der Zuschrift lesen koxnte. Allmächtiger Gott! Was war das? Stand das wirklich auf dem Papier? Noch einmal überstvg er die wenigen Zeilen aber es war nicht anders, da stand es schwarz auf weiß: An den Lehrer Herrn Fritz Gluck aus Neufelden. zurzeit Hotel Hollsiein, Berlin. Ihnen zur Mittheilung,, daß Ihrer Bewegung um die an der Sophieschult zu besetzende Lehrerstelle keine Folge gegeben werden kann. Der Oberschulrath G. Säuberlich." Und das war derselbe Oberschulrath, der ihn gestern um dieselbe Stunde so liebevoll, ja sozusagen v'aterlich aufgenommen und ihm so fest dieStelle zugesagt hatte. Er konnte es nicht fassen. Wieder überflog er mit wirrem Blick das schreckliche Blatt, dann ließ er es zu Boden flattern und stand auf. Mechanisch vollendete er seine einfache Toilette, packte seine Habseligkeiten, beglich seine Rechnung und fuhr dann nach Haus.
Vier Wochen waren seit der Berliner Unglllcksreise verflossen. Die Lehrthätigkeit Gluckchens ging in Neuselben ihren ewig gleichen Gang, er selbst war ein ganz anderer geworden. Scheu und verstimmt begab er sich aus der Schule nach Hause, und seine Freunde und Bekannten bekamen ihn gar nicht mehr zu sehen, da er seine Abende ausschließlich bei seiner Braut und deren Mutter zubrachte. Eines Tages aber tauchte plötzlich das Gerücht auf. Gluckchen sei europamüde und wolle nach Amerika auswandern. Und dem war wirklich so. Die Berliner Geschichte, seine ihm ganz unbegreifliche Zurückweisung so nah dem Ziel und die Aussichtsloskeit, in absehbarer Zeit eine andere Stellung zu finden, die es ihm ermögliche, seine Braut beimzuführen, all' dies hatte den Entschluß in ihm reifen lassen, dem Vaterland den Rücken zu kehren und jenseits des Meeres, wo sich guten Lehrkräften treffliche Aussichten für eine raschere Carriere boten, sein Glück zu versuchen. Mit den beiden Frauen war alles auf das eingehendste "besprochen. Und so machte sich denn der Lehrer gleich am ersten Tag der kleinen Herbstferien 'zum zweiienmal nach der Reichshauptstadt -auf, um dort bei einem größeren Auswanderungsbureau persönlich die Norbereltungen für seine Amerikafahrt zu treffen. Diesmal aber sollte er Velin nicht ohne einen ärgerlichen Zwifchenfall erreichen. Einige Meilen von der Hauptstadt zwang eine durch das nächtliche Entgleisen eines Güterzuges veranlaßte Geleissperrung Gluckchen zu einem freiwilligen Aufenthalt in dem primitiven Wartesaal der Station. Er saß nicht lange allein, denn wenige Minuten später betrat ein zweiter Gast etwas geräuschvoll den Raum. Mit einem kräftigen: Hol' der Teufel die ganze Wirthschaft!" warf er seine kostbare Reisedecke auf einen Tisch und wandte sich hierauf ohne alle Förmlichkeiten mit der Frage an Gluckchen: Na, was .sagen Sie zu der Geschichte? Niederträchtig ist's! ganz niederträchtig! Und hier gerade soll so etwas passiren hier in dieser duftigen Mistfinkenhöhle", wie der selige Scheffel zu sagen beliebte. Heda, Sie", wandte er sich an einen zwerghaften Kellner, der eben den Kopf durch die Thüre steckte, bringen Sie mal eine Flasche Rothspohn, aber vom besten, den Sie haben und etwas plötzlich, wenn ich bitten darf!" Nach wenigen Minuten stand der Wein vor ihm und zwei Gläser füllend, lud der Besteller mit einer verbindlichen Handbewegung und den Worten: Sie trinken doch ein Glas mit". Gluckchen zu Gast. O bitte!" antwortete dieser. Na, keine Umstände. jungerMann", sprach gemüthlich der Fremde, mit sei-, nem Glas an dasjenige Gluckchens tippend, .ein guter Tropfen ist ja
schließlich noch das einzige, was uns über die Misere hinweghelfen kann. Also auf eine baldige Weiterfahrt!" Mit einem kleinen Seufzer brachte der Temperenzler das Glaö an die Lippen, während der andere nach einem derben Schluck das seinige heftig auf den Tisch stieß und mlt komischem Entsetzen ausrief: Heiliger Bacchus, ist das ein Gesöff! Grüneberger Schattenseite mit
einem Schuß Essigsäure! Sie trinken nicht?" fuhr er mit einem Blick aus Gluckchen fort, der noch immer zögernd das Glas hochhielt. Kann's Ihnen nicht verdenken, sind wohl an was Besseres gewöhnt?" Entschuldigen Sie", erwiderte in fast bittendem Ton Gluckchen. Aber ich trinke keinen Wein!" Keinen Wein?" fragte erstaunt der andere. Also nur Bier?" Ich trinke überhaupt keine geistigen Getränke", antwortete der Lehrer, was den alten Herrn zu dem Ausruf veranlaßte: Mensch, und das halten Sie aus?" O", erwiderte lächelnd Gluckchen, ich befand mich mein Leben lang ganz wohl dabei." Na, meinetwegen", sprach gutmüthig sein Partner, de gustibns non est disputandum! Aber 'nen Glimmstengel werden Sie doch nicht verschmähen?" Dabei reichte er dem Zungen Manne, der ein leidenschaftlicher Raucher war. das wohlgefüllte Etui, aus dem sich dieser dankend eine Cigarre entnahm, von der er sich etwas Gutes versprach. Und darin täuschte er sich denn auch nicht. In seinem ganzen Leben hatte er noch nie ein so vortreffliches Kraut geraucht. Und wie sie beide so saßen und sich wohlig den Dampf um die Nase wehen ließen, vertieften sie sich nach und nach in ein so gemüthliches Gespräch, daß es Gluckchen bedünkte, als ob der Fremde ihm gar nicht fremd, sondern längst vertraut sei. Wie verstand es dieser aber auch, seinem Reisegefährten, der ihm sichtlich gefiel, all' seine kleinen Gehemnisse herauszulocken, und es dauerte nicht lange, so wußte er um alles. Als der junge Mann mit seinen Mittheilungen zu Ende war, blickte der alte Herr schweigend dem Rauch seiner Cigarre nach, der in der Luft gar lustige Kringeln bildete und fragte dann den Lehrer: Und Sie haben keine Ahnung. waS der Oberschulrath zu der plötzlichen Sinnesänderung bezüglich Ihrer BeWerbung veranlaßte? Er hatte Ihnen boch.wenn ich recht verstand, die Stelle bestimmt zugesagt?" Das durfte ich nach seinen klaren Auslassungen so unbedingt annehmen, daß mir die kurze Absage noch heute ein unlösbares Räthsel ist", erwiderte Gluckchm seinemVis-a-vis, dasSchreiben des Oberschulraths, das er seiner Brieftasche entnahm, reichend. Dieser überflog das Schriftstück und fragte nach kurzer Ueberlegung: Wollen Sie mir das Blatt auf einen Tag überlassen und keinen Schritt in Ihrer Auswanderungsangelegenheit thun, ehe Sie Nachricht von mir haben?" Ich weiß nicht " Was ich mit dem Schreiben will", unterbrach der alte Herr den verlegenen jungen Mann. Das ist auch gar nicht nöthig. Jedenfalls lassen Sie eZ in den Händen eines Mannes, der möglicherweise etwas für Sie thun kann. Ich sage möglicherweise ob es mir gelingt, ist allerdings eine andere Frage. Ich habe mich Jhnen noch nicht vorgestellt mein Name ist Müller. Fragen Sie mich nicht: Welcher? Sie sollen später mehr erfahren. Na, wie ist's? Wollen Sie Ihr Schicksal auf 24 Stunden in meine Hand legen?" Gern", erwiderte herzlich Gluckchen, dem es angesichts der liebenswürdigen Gemüthlichkeit des alten Herrn ganz eigenthümlich zu Muthe wurde. Gut", sprach dieser, das Schriftstück einsteckend. Und wenn es dem Himmel und dem königlich-preußi-schen Eisenbahnfiskus gefällt, uns noch heute nach Berlin zu befördern, so dürften Sie vielleicht morgen Abend bereits wissen, woran Sie sind. Sie wohnen doch wieder bei Hollstein?" Allerdings, Herr Herr " Müller! Schlechtweg Müller", sprach lachend der Alte, und nun lassen Sie uns mal sehen, ob wir Ausficht haben, endlich aus diesem traurigen Nest erlöst zu werden." Gluckchen hatte im Hotel eine recht unruhige Nacht verbracht, und der darauffolgende Tag war auch nicht darnach angethan, seine, von der Pein der Ungewißheit aufgeregten Nerven zu beruhigen. Da aber bekanntlich die Ungeduld der Erwartung die Stunden nicht kürzt, sondern sie im Gegentheil ins Unendliche ausdehnt, so dünkte Fritz Gluck dieser Tage als der längste seines Lebens, -und mehr und mehr drängte sich ihm der Gedanke auf, daß er ein diem perdidi", und seine Hoffnung auf die Intervention des Herrn Müller eine vergebliche sei. Und so begab er sich denn Abends gegen 6 Uhr endlich auf fein bescheidenes Zimmer und setzte sich eben nieder, als er, von freudigem Schrecken durchbebt, aufsprang, denn deutlich vernahm er, wie draußen eine wohlbekannte
Stimme nach d'em Lehrer eftn Fritz Gluck fragte. Gleichzeitig 'öffnete sich die Thür, und vor ihm stand in eigener Person, zwar nicht Herr Müller wohl aber der Direktor im KultusMinisterium, Herr von Altmann, als der sich ihm sein gestriger Reisegefährte diesmal vorstellte. Dem vollständig verblüfften Lehrer die Hand reichend, nahm er ohne weiteres auf dem Sopha Platz, lud Gluckchcn ebenfalls zum Sitzen :in und eröffnete alsbald kurzweg die Unterhaltung mit der Frage: Na, Sie haben wohl ein bißchen ungeduldig auf die Nachricht von dem alten Müller gewartet was? Dachten gewiß, daß es mit seinen Versprechungen Essig sei wie?" .O. bitte Herr Ministerialdirektor" stotterte Gluckchen, wie dürfte ich mir erlauben " Brauchen sich gar nicht zu entschuldigen", unterbrach ihn jovial der alte Herr, ich kenne das! Allein, der Herr OberschulrathSäuberlich war heute etwas schwer zu erreichen, und erst vor einer Stunde fand er sich im Ministerium bei mir ein, wo ich ihm denn Ihre werthe Persönlichkeit in Erinnerung brachte und ihn vertraulich um Aufklärung über den Inhalt dieses Schreibens bat, das ich Ihnen hiermit wieder zustelle." Gluckchen nahm das Aktenstück, sich dankend verbeugend, mit vor Aufregung zitternder Hand in Empfang, und Herr von Altmann fuhr fort: Diese Aufklärung wurde mir denn auch bereitwilligst ertheilt, und damit nun das Räthsel Ihrer damaligen Nichtanstellung nicht länger Ihre Gemüthsruhe beeinträchtigt, oder Sie vielleicht gar im Traume derNacht verfolgt, so will ich es Ihnen lösen. Mein Freund, der gestrenge Herr Oberschulrath, hatte allerdings die beste Absicht, Sie für die gewünschte Stelle in Vorschlag zu bringen. Aber als er Abends zufällig das Stiftungsfest des LehrerVereins besuchte nur ein Viertelstündchen , zu Ihrem Pech leider gerade das Viertelstündchen, während dem Sie Ihre feuchtfröhlichen Zechlieder vortrugen, als er aus Ihrem Munde hörte, wie Sie mit flammenden Worten versicherten, daß die Vorsehung Sie mit einem unstillbaren Durst gesegnet habe, und es für Sie nichts Hassenswertheres gäbe als ein leeres Glas, da waren Sie bei dem Herrn Oberschulrath so was man unten durch" nrnnt, und sein Entschluß, einen so enragirten Trinker" unter keinen Umständen eine bessere Lehrstellung anzuvertrauen, stand sofort fest." Das also war's", sprach Gluckchen, darauf freilich wäre ich nie gekommen." Ja, das war's", bestätigte der Ministerialdirektor, und fügte mit einem verdächtigen Schmunzeln hinzu: Sie sehen also, mein junger Herr, wie scharf das Auge des Vorgesetzten die moralische Führung des Untergebenen überwacht, und 'hxrben gut daran thun, sich dessen stets zu erinnern. Glücklicherweise war es mir diesmal vergönnt, das Mißverständniß aufzuklären. Und nun reisen Sie mit Gott und mit dem beruhigenden Bewußtsein nach Hause, daß Ihre Vestallung in allerkürzester Zeit dort eintreffen wird." Gluckchen wußte nicht, wie ihm geschah. Das. plötzliche Glllcksgefühl. das ihn überkam, berauschte ihn förmlich, 'und wie trunken stammelte er: Herr Ministerialdirektor soviel Güte , ich weiß nicht, wie ich meinem Dank Ausdruck verleihen soll ctUi eines. Herr Ministerialdirektor, verspreche ich Ihnen feierlichst " Doch nicht etwa, daß Sie der edlen Trinkpoesie entsagen wollen?" rief lachend Herr von Altman. Davon kann keine Rede sein. Dichten Sie ruhig weiter und schicken Sie mir, bitte, eine Abschrift Ihrer Verse, da ich ganz unter uns gesagt ein Freund von Wein und Lied bin. Und nun leben Sie wohl auf Wiedersehen in Berlin!" Unter nochmaligen Versicherungen seiner Dankbarkeit geleitete Gluckchen den alten, prächtigen Herrn zur Treppe, wo er sich mit einer tiefen Verbeugung von ihm verabschiedete. Dann richtete er sich wieder auf, strich sich, wie aus einem Traum erwachend, über die Stirn, holte, tief Athem und flüsterte: Gott segne den gestrigen Eisenbahnunfall." Aus dem einstigen schlanken Jugendbildner ist heute ein klugelrunder. kindergesegneter Rektor geworden. Noch immer huldigt er der absoluten Enthaltung von allen geistigen Getränken hingegen soll sein Sohn. Gluckchen jun.. der zurzeit auf einer süddeutschen Universität die RechtsWissenschaft studirt, einem deutschen Männertrunk" durchaus nicht abhold sein. m-l mmm Im Wirthshaus. Gast (der hinausgeschmissen wird, wüthend): Warum schmeißen Sie den andern Herrn nicht hinaus, der hat doch noch mehr Lärm gemacht als ich? Wirth: Der hat noch nicht bezahlt. ttn.ersrellung. yaoen Sie schon gehört: der Heldendarsteller Tamtamopski hat den Arm gebrochen!" Was der nicht alles thut, um von sich reden zu machen!"
Di: Prinzkflln Suckingham, die am Hofe Jakobs II. von England lebte, wachte eifersüchtig darüber, daß ihr die ihr zustehenden. Ehrenbezeigungen erwiesen wurden, und nie verzieh sie einer Untergebenen den geringsten Verstoß gegen die Etikette. Persönlich ordnete sie kurz vor ihrem Tode alle Angelegenheiten, die sich auf ihr Begräbniß bezogen. Vor einigen Tagen ließ sie den Leichenbesorger holen," schreibt Horace Walpole an Sir Horace Mann, und bestimmte mit ihm alle Punkte des Ceremoniells bei der Leichenfeier. Am Sonnabend verschlimmerte sich ihr Zustand so sehr, daß sie zu sterben fürchtete, ehe alles Nöthige zur Feier bereit wäre. ,Warum schickt man mir den Baldachin nicht her, ich will ihn sehen, auch wenn die Quasten noch nicht ganz fertig sind!' rief sie ärgerlich aus. Aber gestern kam das Außerordentlichste. Alle ihre Hofdamen und Kammerfrauen mußten ihr schwören, sich in ihrem Zimmer nicht setzen zu wollen, wenn sie etwa nur ohnmächtig würde; erst wenn sie ganz sicher todt sei, dürften sie das thun. Aber nicht nur ordnete sie das Cercmoniell an, sondern sie ließ auch eine Wachspuppe herstellen und genau so kleiden und aufbahren, wie sie in der Westminsterabtei aufgebahrt zu werden verlangte." Denselben unsinnigen Stolz hatte sie schon beim Tode ibres einzigen Sohnes gezeigt. Vor dem Begräbniß hatte sie zur alten Herzögin Sarah Marlborough geschickt, um von ihr den riesigen Prunkleichenwagen, auf dem die Leiche des Herzogs zu Grabe gefahren worden war, zu borgen. Aber die alte Sarah, ebenso geizig, verrückt und stolz," schreibt Walpole, als sie selbst, ließ antworten: Der Wagen, der die Leiche eines Lord Marlborough getragen habe, solle nie durch einen anderen Leichnam entweiht werden. Und die Prinzessin ließ spitzig zurücksagen, sie habe schon mit dem Leichenbesorger unterhandelt, und dieser habe versprochen, für zwanzig Pfund Sterling einen weit prächtigeren Wagen herzustellen wie der ihrer Ladyschaft, der ja doch jetzt veraltet wäre." Im letzfeit Moment noch rettete dieser Tage Patrick Ferris aus Belfast. Irland, durch sein rechtzeitiges Erscheinen im New Jorker Nach-
laßgencht seinen Kindern $40,000. Ferris hatte eine verheirathete Schwester. welche am 1. März 1902 in Boston starb. Sie hatte ein beträchtliches Vermögen hinterlassen, aber Ferris, der mit Frau und fünf Kindern selbst in behäbigen Umständen lebt, hatte von dem Tode der Schwester erst erfahren, als es zu einem Prozesse wegen ihrer Hinterlassenschaft gekommen war. Da erst erfuhr er auch, daß die Verstorbene seine Kinder mit $40,000 bedacht hatte, doch ging ihm gleichzeitig auch die Mittheilung zu, daß, wenn er nicht unverzüglich im Nachlaßgerichte von New Jork erscheine, die Erbschaft seinen Kindern verloren sein würde. Ter erste Dampfer, den er nehmen konnte, war die Teutonic" und im allerletzten Augenblicke traf er denn auch in New tyozt ein. Er war im Zwischendeck gereist und bereute dies bei seinem Eintreffen, da, wenn er hätte nach Ellis Island gehen müssen, jede Aussicht, noch rechtzeitig im Gerichte zu erscheinen, verloren gewesen wäre. Er gab beinahe schon die Hoffnung auf, vertraute sich ab:r dennoch einem am Landungsplatze siationirten Einwanderungs-Beamten an mit dem Resultate, daß er sofort landen und noch rechtzeitig vor Gericht erscheinen konnte, um seine Ansprüche geltend zu machen. Riesenkuchen. Auf gelungene Weise beglich dieser Tage ein junger Mann Namens Treadwell in WestAlton, Mo., eine Wette. In einem Gespräche mit der Mutter seiner Geliebten hatte er die Behauptung aufc:estellt, daß die Wirthschaften in WestAlton nicht sechs Monate lang geschlossen werden könnten, was die Frau indeß auf's Energischste bestritt und ihre Tochter gegen eine Doughnut" wettete, daß die öffentlichen Erfrischungstempel so lange Zeit unter Verschluß" gebracht werden würden. Als nun vor Kurzem die Ausstellung von Wirthslizensen für das nächste Halbjähr verweigert worden war. machte Treadwell sich daran, seine Wette zu begleichen. Um aber dabei das Mädchen nicht zu verlieren, ließ er von Frauen in der Nachbarschaft eine Doughnut" in Gestalt und Gewicht des Mädchens in einem großen Backosen backen. Es wurden dazu 73 Pfund Mehl, 20 Pfund Fett und ebensoviel Zucker verwendet. Grdznkensplittcr. Der Kluge kann sein Feld auch mlt Hornochsen pflügen. Es irrt der Mensch, so lang er strebt; der richtige Streber indessen irrt sich heutzutage selten. Daö Recht ist nicht immer das Rechte. . Unter theurem Hut fühlt sich die Evatochter glücklicher als unter treuer 5)ut. Auf den obersten Leitersprossen muß einer gut balanciren können. Wer zu viel bedenkt, hat auch zu diele Bedenken, lvoer handeln sollte. Alternative. Bauer (der am Schalter mit sei nem Todfeinde zusammentrifft, zum Fahrkartenverkäufer): JEßenn der mitfahrt, fahr ich nit mit... jetzt kannst' wäblen!"
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