Indiana Tribüne, Volume 28, Number 280, Indianapolis, Marion County, 19 July 1905 — Page 7

Jttbiana Tribüne, 19- Juli lSVS.

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Der Vcttraucnsmänn!

Noman von )axxi glxxmsnvcidj (Fortsetzung.) . aazoem er Hinze und seine Frau an die Hauspumpe gestellt, auch aus dem nächsten, etwa fünfhundert Schritt entfernten Hause Jemanden zu Hilfe gerufen, machte er sich auf den Weg zur Feuerwache. Erst jetzt sah er, daß bisher nur ein Zufall fein Schandwerk begünstigt hatte. Der Wind stand waldwärts und hinderte, daß Qualm und Brandgeruch in den nächstgelegenen Häusern und Villen wahrgenommen werden konnten. Umgekehrten Falles wäre schon vor einer Stunde die halbe Kolonie mit ihren Hausspritzen zur Stelle gewesen und man 'hätte das Feuer trotz allen Zündstoffes! dielleicht auf die im Souterrain liegenden Räume zu beschränken vermocht. Aber er fand es nur in der Ordnung, daß die Natur selbst mit ihm im Bunde war; er würde nicht verwundert sein, wenn irgend ein Elementarereigniß das Kommen der Feuerwehr überhaupt unmöglich gemacht hätte. Was er thun konnte, ihr Eintreffen zu verzögern, war gewiß geschehen. Er verwünschte die Kutscher, als sie jetzt die dampfenden Pferde an ihm vorüberjagten. Plötzlich aber kam neues Leben in den träge und matt dahinschreitenden Mann. Er raffte sich zusammen, stürmte wie besessen der dahinrasenden Feuerwehrabtheilung nach konnte sie aber nicht mehr erreichen. Um so heftiger rüttelte er den nächsten auf seinem Standplatze eingeschlafenen Droschkenkutscher wach, steckte ihm ein Fünfmarkstück in die Hand und schrie aus heiserer, halb erstickter Kehle, auf die gespenstig im Fackelschein davonsausenden Wagen hinweisend: Der Feuerwehr nach! Was das Pferd kann! Nur nach!" Ihm war, während er so durch die Nacht trottete, auf einmal eingefallen, daß es in dem Salon der Frau Houston noch etwas gäbe, was um jeden Preis den Flammen entrissen werden mußte. Wie aus Licht gewoben tauchte es ietzt vor ihm auf zum Greifen nahe und doch von einer drohenden Flammengloriole umgeben, stand das kleine, wunderbar ähnliche Porträt Margits, in Frau Emmas Salon vor seinem inneren Blick. Wenigstens noch einmal sehen mußte er diese lieblichen, kindlich klugen Züge, die seit !toh? und Tag alle seine Träume durchleuchteten, die irp zu jeder Großthat fähig gemacht hätten und die ihn zum Räuber und Brandstifte? 'machten, da sie sich von ihm abwandten. Einmal richtete er sich in dem offenen Wagen auf, entriß dem Kutscher die Peitsche und schlug wüthend auf das Pferd ein, das denn auch in einen lahmen Galopp verfiel. Aber lange bevor sie zu dem jetzt hell umflackerten Hause kamen, sprang er aus dem Wagen, weil er so einige Sekünden früher auf der Brandstätte zu sein hoffte. Und er jagte den nächsten Feuerwehrmann in den Salon de? Frau Houston. . Je mehr das brennende Haus vor seinen Augen zusammenstürzte, um so mehr richtete er, Weber, sich auf. Jetzt achtete er genau auf seine Haltung, dirigirte mit Sorgfalt die Vergearbnt. ließ für die Löschmannschaften Erfrischungen beschaffen, stand dem Kommandeur mit Würde Rede und benahm sich wie ein Mann, der alles getban hat, um ein Unglück von seiner Herrin abzuwenden, der sich aber, da wenig oder nichts zu ändern war, mit Anstand den Thatsachen fügte. Tiefe Ruhe kam stets über ihn, wenn für ihn persönlich die Gefahr begann. Und das war in dem Augenblick der Fall, wo die Mannschaft von Brand stiftunz zu reden begann Er that, als höre er es kaum, versäumte aber nicht, den Offizieren unauffällig klar zu machen, daß die Villa von unten bis oben durch Petroleumlampen zu beleuchten gewesen. Darauf beschränkte er sich, blieb im Ueörigen zur Stelle, bis der Tag anbrach, wo er dann einen Wagen kommen ließ, um mit seinen beiden Kof.ern Unterkunft zu suchen, w:e er sagte. Niemand hatte Grund, ihm etwas m den Weg zu legen. Mit allen Möglichkeiten rechnend. brachte er seinen großen Koffer,. nach dem er noch die Juwelen hineingelegt. m dem frühmorgens gemietheten mob lirten Zimmer unter, während er selbst sich in's Centralhotel begab. . Die nun folgenden Wochen hindurch führte er jenen passiven Kamps gegen die Untersuchungsbehörde, der gestern mit feiner Entlassung geendet hatte. Wäre er nicht mit Jim Houston zusammengetroffen, so würde die Vorsicht geboten haben, vorläufig m Ber lin zu bleiben, die Versichrungsange legenheit zu betreiben, Nachrichten von Mrs. Houston abzuwarten, die ja inzwischen sicher von anderer Seite von dem Brande erfahren hatte. Heute aber sah er, daß diese Annahme irrig war, daß er vergeblich in Berlin die Zeit mit Warten verbracht hätte, denn Frau Houston wurde die Reise mit der Viktoria Augusta niemals angetreten haben, wenn sie gewußt hätte, was daheim geschehen. Und auch dieser Zu fall schien ihm' seinen verrückten Plan zu begünstigen. Erfuhr er morgen früh, wo er und sei es am anderen Ende der Welt! mit Frau Houston sich be gegnen konnte war es möglich, daß er

als der erste mit der Mittheilung von

dem Brande vor sie hrntrat, dann dann war sein Spiel noch nicht veroren. Aus der Art, wie er ihr Bericht erstattete, würde sie erkennen, daß er zu allem fähig sei ja, daß vielleicht er es gewesen, der ihr Haus in Brand g?tcckt hatte. Dann wurde sie ihn nicht mehr lieben! Er würde sie lehren, ihn hinreichend zu furchten, um ihm Margit nicht zu verweigern! Richard der Dritte, der an der Bahre des von ihm hmgemorde.'en Bruders um dessen chone Wittwe freit, war ein Stümper gegen ihn, gegen Weber, der aus der Hand der Frau, die ihn liebte, die Geliebte 'empfangen würde. Unter dieser unaeheuerlichen Borsiellung schlief er endlich ein, als schon die ersten Pferdebahnwagen über die Ringstraße rollten. Im Bureau des Norddeutschen Lloyd erfuhr er, daß die Viktoria Augusta" am 19. Dezember, also vor zwei Tagen, mit einer Verspätung, aber wohlbehalten in Melbourne emgetrosfen sei und dort Kohlen eingenommen habe. Das Schiff würde seinen Weg zunächst nach Neu-Guinea nehmen. wurde etwa am 20. Januar in San Francisco sein, Anfang Februar in Valparaiso, um dann um Kap Horn berum seine Reise nach New mit fort zusetzen, wo es in den ersten Märztagen alllg sei. Wenn er gute Verbindungen traf, heute noch nach Genua reiste, und von dort aus durch die Straße von Gibralar ein schnelles Schiff nach New Orleans fand, konnte er mit Sicherheit um die Mitte Januar in San Francisco sein, wo er dann die Viktoria Augusta" erwarten würde. Freilich, gerade nach Frisco gmg er sehr ungern. Man hat dort ein gutes Gedächtniß und konnte sich sehr wohl seines alten Kontos erinnern. Aber .er besaß etwas, womit man sich in Amei.ta noch vom Galgen loskaufen kann: Geld, mit dem er nicht zu knausern brauchte. Auch wäre er, um nun endlich zum Ziele zu gelangen, ganz anderen Gefahren entgegengetreten. Zunächst galt es, auf den Namen Sidney Dalys einen amerikanischen Paß zu bekommen. Aber, wi? er s nun schon gewohnt war. es schien keine Schwierigleiten für ihn zu geben auf dieser abenteuerlichen Fahrt. In emer Stunde besaß er das wichtige Dokument; der Botschaftssekretär hatte sich ein Vergnügen daraus gemacht,, Mr. Daly dienlich zu sein. Er hatte in Berlin nur das Alle?notbwendigste gekauft. Einen neuen Koffer brauchte er schon deshalb, weil er Margits Porträt gut unterbringen wollte. Es blickte ihn jetzt verheißungsvoll an aus dem Bronzerahmen, dessen untere Ecken schon fast glühend gewesen waren. Er kleidete sich vollkommen neu ein, er wollte wie ein Mann von Welt auftreten. Auch einen neuen Revolver mußte er sich anschaffen, an Stelle jenes, den man ihm in Berlin tonsiszirt hatte. und endlich zu dem Kunsthändler gehen, das war alles, was er hier noch zu thun hatte. Man empfing ihn ein wenig reservirter. als bei seinem ersten Besuch: eö waren zu seltene und kostbare Stücke in seinem Koffer gewesen, als daß man nicht hatte stutzig werden sollen. Aus einem großen, mit dunkelrothem Tuch bezogenen Tische fand er alles ausgereiht. Die beiden ' kunstreichen Tafelaufsätze, die neun Musenstatuetten, ewige selten schone schusseln :n gerne bener Arbeit, anderes prachtvolles Sil bergeräth: dazu etwa zehn wirkliche werthvolle Stücke aus den Salons der Mrs. .Houston in der That eme an sehnliche Sammlung. Ob er sich einen Ueberscklag gemacht hätte, welchen Preis er verlange, fragte man ihn vorsichtig. Mit seiner sicheren Kenntniß jedes einzelnen Stückes hatte er es leicht, den Leuten zu sagen: Diese bnden Aufsätze, diese Schüf seln, die Musenfiguren, das sind Ar beiten, die nur der wirklich Kunstverständige zu schätzen weiß; jedes Museum ist Käufer dafür. Aber auch diese Uhr und die zwei Gruppen in Gold und Elfenbein und nicht zuletzt dies Tabularium aus der Zeit Veit Stoß' das alles sind Sachen, die man entweder gut bezahlt erhält oder an eme öffentliche Sammlung verschenkt. Der Kunsthändler und sein erster Gehilfe blickten einander verstohlen an: Der Mann wußte, was er besaß! Und ein Zweifel an seinem Eigenthums rechte wäre widersinnig gewesen. Jetzt erst, nachträglich, wirkte die ruhige. lässige Art, mit der Mr. Daly die An gelegenheit betrieb. Jemand, der etwas zu fürchten hatte, fchickte so werthvolle Dinge nicht hierher, um erst nach vierundzwanzig Stunden wegen et waigen Verkaufs zu verhandeln. Auch entsprach die Gesammtsorderuna, die Mr. Daly stellte, ungefähr dem halben Werthe aller Gegenstände; der Mann wußte, daß man verdienen mußte. Es kam ein Arrangement zu Stande, nach dem der Kunsthändler die ganze Kollektion als eine besondere Gruppe in seinem nächsten Versteigerungskatalog aufnehmen und zu möglichst hohen Preisen losschlagen wollte, heute aber schon emen namhaften Betrag als Vor schuß zu zahlen bereit war. Zum Ankauf konnte man sich nicht entschließen weil der Posten zu groß war und Mr. Daly eme Theilung rundweg ablehnte In kurzer Zeit waren die erforderlichen Papiere ausgefertigt ein von Mr. Daly zu unterzeichnender Ver kaufsauftrag und eine Erklärung der Firma, sofort nach erfolgtem Verkauf mit dem Auftraggeber abzurechnen

und der vornehme Kunde verließ mit einem Packet Banknoten in der Tasche,

hinreichend auch für eine ganz eztravaaante Weltreise, das alte Haus am Kohlmarkt. Eben als er die Wzgenthür hinter sich schloß, kam vor oem q)aue jemand an. der ibn sofort erkannte. Aber Herr Römpler, der feinem Wiener Geschäftsfreunde Punkt drei Uhr seinen Besuch angesagt hatte, mochte sich nicht aushalten; er hatte a auch mit oem Doktor Weber, der ihn überdies nicht bemerkt hatte, nichts zu thun. Herr Römpler war neugierig, was der Wiener Kunsthändler für seine nächste Saison wohl wieder zusammengebrach! haben mochte. In dem alten Wien gav es manchmal noch wundervolle Stücke. die hier und da hervorkrochen. usitu leicht fand sich auch diesmal etwas. worauf Römpler im Voraus die Hand legen konnte. Nachdenklich und erwartungsvoll stieg er die ausgetretene, sieinerne Treppe des alten KohlmarktPalastes empor. 7. K a p i t e l. er Spurius" des Unter3 H suchungsrichters Herrig schien diesmal mit unfehlbarer Sicherheit auf emen großartigen Triumph hinzuweisen. Seit langer Zeit war es dem Herrn Rath nicht vorgekommen, van die inneren uno äußeren Merkmale der That." wie er es nannte, mit so einwandsloser Bestimmtheit auf zwei Perfonen hmwiefen, die ebensowohl ein Interesse an der That hatten, als sie auch, vor tausend -anderen Menschen, m der Lage waren, sie auszuführen. Noch ein anderer terminus technicus, den er mit Vorliebe anzuwenden pflegte, traf hier zu: Diese beiden Leute waren Menscheu, denen die That durchaus zuzutrauen" war. Das ist so eine von den stehenden Redensarten m schlecht begründeten Anklagen. So etwas braucht man nicht naher zu motiviren man kann schließlich be: eimaer Findigkeit immer Momente aufführen, weshalb diesem oder jenem etwas zuzutrauen" ist. In diesem Falle nun gar! Was sprach alles gegen die Wittwe. Und daß man von dem amerikanischen Doktor eigentlich gar nichts wußte, das sprach am lautesten gegen ihn. Ueberdies, was den Depotschwindel betras, so gab es ja wirklich keinen Zweifel über die Thäterschaft, wenn man nicht gerade an Hexerei glauben wollte. Weber hatte die Effekten den beiden Herren vorgelegt ihm hatte man sie zum Einpacken anvertraut er hatte ein genau entsprechendes Packet bei der Hand gehabt das alles war zu klar, um noch irgend welche Zweifel zuzulassen. Daß aber der so erschwindelte Depotschein durch Frau Houston verausgabt worden, und zwar an ihren Ehemann, den sie abzuschütteln wünschte, um Weber heirathen zu können, das sprach mit ganz derselben Sicherheit für die Mitwisserschaft und Mitthäterschaft der obskuren Wittwe mit dem unHelmlichen Vermögen. Und stand einmal fest, daß die Beiden, Herr Weber und ftrau Houston, gemeinschaftlich diesen frechen Depotschwindel in's Werk gesetzt hatten, dann war ihnen um so eher zuzutrauen." daß sie auch an dem Brande der Villa gemeinsam betheiligt waren emem Brande, der fünf Stun den später ausbrach, als Frau Hou ston ihr Geld, ihren Schmuck, ihre Kostbarkeiten aus dem Hause entfernt und eine Reise in fremde Welttheile angetreten hatte. Wie gesagt, da gab es kein Schwanken mehr, dieser Meinung war auch der Staatsanwalt, der die große Swnde für nahe bevorstehend hielt. :n der auch er feinen Sensations Prozeß mit Glanz" verfechten würde. Nun gab es ja freilich noch ein klei nes Hinderniß zu überwinden. Schon die Nürnberger henkten' keinen, sie hä! ten ihn denn zuvor. Aber das Deutsche Reich hat nicht umsonst sich eine Machtstellung erkämpft, die weit über seine Grenzen hinaus reicht. Man wird der beiden Personen habhaft werden, wo immer sie auch den .stillen Winkel ge funden haben mögen. Brandstiftung und Bankschwindel gehören zu jenen Kapitalverbrechen, wegen deren so ziemlich jeder Kulturstaat ausliefert, Zu alledem befand sich die Hauptthä terin der Staatsanwalt hatte daö Aktenfaszikel bereits Houston und Genossen" getauft auf einem deutschen Schiff: sie war schon so gut, wie in den Handen der deutschen Behörde. Mit einem kleinen Mißerfolge für die Staatsanwaltschaft setzte die Aktion ein. Die immerhin betrachtlichen Kosten für eine persönliche Verfolgung der flüchtigen Verbrecher wurden vom Gericht nicht bewilligt. Einerseits er scheine es überflüssig, einen deutschen Beamten etwa nach Aden oder Melbourne zu entsenden, weil die VerHaftung auf einem deutschen Schiffe auch durch Intervention des General konsulats in dem betreffenden Hafen zu erreichen sei. Auch halte man es für unwahrscheinlich, daß die flüchtige Hauptschuldige so lange auf diesem deutschen Schiffe bleiben würde, bis der ihr entgegenzusendende Beamte es er reichen könne. Das Schiff müsse vor her noch wiederholt landen Warnungsdepeschen könnten Frau Houston noch sehr wohl rechtzeitig treffen u. s, w. Schließlich aber hier seien ja zwei große, reiche Privatinstitute interessirt. die Berliner Bank und die .Germama. Wenn diese die Verfolgung wünschten. wurden ste auch die Kosten zu tragen bereit sein. Der StaatSanwalt war zwar ein loyaler Mann, aber er fand es klein lich. daß man seinem Sensation sfalle nicht hie lumpigen vier- bjK fünftau-

end Mark opfern wollte. Es gab' eine

Form, die interessirten" Privatgesellschaften zu befragen. Herr Reimers enior als Prokurist der Berliner Bank wurde vor den Untersuchungsrichter geaden, um nach einigem Nebensache ichen auf die Hauptsache hingelenkt zu werken: wie man sich zu den Kosten einer Verfolgung der Mrs. Houston stellen würde. Man habe einen Brief von ihr an Weber aufgefangen, der ihren engen Zusammenhang mit diesem doch geradezu überführten Verbrecher unzweifelhaft darthue und, der beweise. daß sie mit ihm gleiches Spiel spiele. Der Untersuchungsrichter traute seinen Ohren nicht, als er die energische Abwehr einer solchen Zumuthung vernahm. Die Berliner Bank ist ja noch aar nicht geschädigt!" rief Herr Reimers lebhaft aus. Sie hat ja auch keinen Strasantrag gestellt! Der Depotschein -wir wissen nicht, wo er sich befindet. Vermuthlich bei den Akten des Herrn Jim Houston. Ob dieser ihn zurückbekommen, ob er ihn prasennren wird und ob die Berliner Bank, wenn sie wirklich den deklarirten Werth des Depots ersetzen muß, Schaden erleidet das alles sind noch durchaus offene Fragen, Herr Untersuchungsrichter ist das klar?" Herr Reimers war ganz gegen seine Gewohnheit so laut geworden, daß die beiden Referendare, welche am Nebentische je einen anderen Fall" bearbeiteten, das heißt eme andere Vernehmung für die Anklage nutzbringend zu verwerthen bemuot waren, sich unterbrechen hatten und mit gespannter Aufmerksamkeit den Deduktionen des alten Herrn folgten. Herr Herrig war einfach starr. Das hieß denn doch die Thatsachen auf den Kopf stellen! Und diesen Mann hatte er sich als den sogenannten Kronzeugen, als den Hauptbelastungszeugen gedacht. Da mußte em tolles Mlßverstandnlß vorlieqen. Aber erlauben Sie mir, Herr Reimers," begann der Landgerichtsrath. nachdem er sich einigermaßen von seinem Staunen erholt hatte. Sie selbst hatten mir doch, als ich Sie in der Brandstiftungssache vernahm, ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, daß Ihnen in der Beziehung dieser. Frau Houston zu Weber sehr vieles ganz und gar nicht klar sei! Erinnern Sie sich dessen, oder soll ich Ihnen das Protokoll vorlesen?" Nicht nöthig. Herr Rath, gar nicht nöthig. Ich weiß sehr wohl, daß mir manches nicht klar war. Aber inzwischen ist es eben klar geworden! Er beugte sich ietzt ganz dicht hinüber zu dem Richter und dämpfte seine Stimme bis zum Flüsterton herab: Nehmen Sie's mir nicht übel, Herr Landgerichtsrath, aber darin scheint mir der große Unterschied zu liegen zwischen Ihnen und unsereinem. Sie machen sich Ihr Bild von einer Sache sei es nun durch Verhöre des Beschuldigten und der Zeugen oder auf andere Weise aber dann geht es nicht an. daß Sie den einmal genommenen Standpunkt freiwillig aufgeben! Ich kann mir ganz gut vorstellen, warum das nicht geht. Well dann alles, was bisher geschehen ist. ein Fehler wäre manchmal ein sehr schwerer Fehler, der gar nicht wieder gutzumachen ist. Und deshalb müssen Sie bei der ursprünglichen Meinuna verbleiben unter allen Um ständen! Da sind wir besser dran. Wi? bilden uns wohl auch ein Urtheil über Menschen und Dinge und können uns sehr wohl einmal irren das ist doch klar! Aber dann steht eben mcht das Mindeste im Wege, solchen Irrthum offen einzugestehen! Und wenn's was gutzumachen gibt, auch das nach besten Kräften zu. thun. Herr Rath. Jnso fern mein' ich, ist unsereiner besser dran!" Das war dem Rath auch noch nicht passirt, daß ihm hier in seinem Ar beitzimmer ein Zeuge eine richtige Standrede hielt in aller Gemüthlichkeit ihn herunterputzte, wie einen Schuljungen. Aber die ganze Art und Welse des alten Herrn war eine so wenig aggressive, daß er, der Richter, sich nur etwas von seiner Würde vergeben hätte, wollte er darauf, wie sich's eigentlich gebührte, mit einer amtlichen Verwarnung antworten. So wählte er den klügeren Ausweg, die Sache ebenso heiter zu finden, wie Herr Reimers, der höchst fldel ln sich hmernlächelte. Nur hätte er doch gar zu gern auch von amtswegen! erfahren, was denn den Prokuristen, der anfangs ein strammer" Belastungszeuge schien. so ganz anderer Meinung gemacht hatte. (Fortsetzung folgt.) gidjwaMfdj. Vater und Sohn sind im Stuttgar ter Schwimmbad. Es entspinnt sich folgende Unterhaltung: Jaköbele, hascht De au scho dunkt?" Ob i was häb, Bappele?" Ob De au scho dunkt häbesch!" Ob i was häb. Bappele?" Ob De Dein Kops scho unter'ö Wasser nadunkt häbescht!" Ob i was häb. Bappele? Ob De Dem saudumme dreckete Riebelskopf scho unter's Wasser nadunlt babescht, Du Lausbu!" Jo. ja, Bappele, sell han ich scho!" Avrtkosen-TörtSen. Kleine Tortenförmchen legt man mit Butterteig oder Mürbteig aus, füllt jedes mit einer in vier Tbeile Zierscdnittenen Aprikose, bestreut dieselbe dick mit Zucker und bäckt sie schön goldgelb; in Ermangelung von frischen Früchten nimmt man Marmelade oazu.

Cln galanter

.. . Nun. wenn wir oben ankommen, sieht man da 'was Hübsches? Sonst net heut' schon!"

Ter Zeigefinger.

Lehrer: Der zweite Finger ist der Zeigefinger, weil man mit ihm zeigt oder weist. Michel, zeige einmal mit dem Finger auf das Fenster!" Michel: Dort is' 's Fenster, Herr Lehra!" . Vernichtende Kritik. Dichter Reimlich: Jnteressiren Sie sich auch für Lyrik, mein Fräulein? Junge Dame: O ja, ich habe Goethe im Kopf und Schiller im Herzen! Dichter: Da haben Sie also für meine Gedichte kein Plätzchen mehr übrig? Darne: Doch, die habe ich im Magen! Provisorisch. Bauer (der sich nach der Rauferei ein Ohr annähen läßt): Na, so fest brauchen Sie's heute gar nicht anzunähen, Herr Doktor, morgen ist ja auch noch Kirchweih'!" Rentabel. Ich habe jetzt m meinem Lokal einen Klavierautomaten aufgestellt der bringt mir ein kolossales Geld ein!... Das Klavier spielt nämlich ununterbrochen den ganzen Tag; wirft man aber einen Zehner in den Automaten, dann hört'S 5 Minuten auf!" Fangball. Mensch, wie sehen Sie zerbeult aus; was ist Ihnen eigentlich passirt?" Schneider: Ja. wissen Sie, ich war heute bei zwei Schuldnern, die sich gerade gegenüber wohnen... und die haben mich eine halbe Stunde lang immer gegenseitig einer dem anderen in die Bude geschmissen! AUst-t Definition

Kleine N ichte: Tante, was versieht man eigentlich unter den Flitterwochen?" ' Tante: Das ist die Zeit gleich nach der Hochzeit, in der man eigentlich noch nicht an die Scheidung denken sollte." Gemüthsmensch. Was schleppen Sie denn da? Zwei Melonen?" Ja, meine Schwiegermutter sagte: Für eine Melone laßt sie ihr halbes Leben, na, und da habe ich gleich zwei gekauft.U n s e r e K i n o e r. Die kleine Ella: Olga, ich weiß es. die Tante Marie wird Dich zu Deinem Namenstag mit einem schönen großen Photographie Album überraschen. Olga: Da finde kch sehr passend. Die ausre!che-iden Herrenbtkanntschaften iälich la! ' 1 u"

Führer.

Dienstwillig. ' Madame: Na, Minna, haben Sie alle Nüsse für heut' Abend aufgeknackt, wie ich's Jhnen gesagt habe? Dienstmädchen: Jawohl, Madame; bloß die großen Walnüsse habe ich nicht aufgekriegt, dazu sind meine Zähne nicht stark genug! Ein Gemüthsmensch. Reisender (erzählend): Plötzlich standen wir einem. Löwen gegenüber, der uns knurrend betrachtete. Wir wagten uns nicht zu rühren. Mein Freund zitterte heftia. Zuhörer: Und Sie? Reisender: Ich? Ich half ihm. Ahnungsvoll. Wollen Sie Ihre Garderobe nicht abgeben?" Nein die will ich lieber vorläufig bei mir behalten!" So!... Sind Sie vielleicht der Dichter des neuen Stückes?" Daö Signalement. Da bin ich zusammengefahren im Coup6 mit 'm Herren, er sagt, Sie tennen ihn. Er heißt Löw." Löw heißt er? Ich glaub', ich kenn' kein' Herrn mit Namen Löw. Wie sieht er denn aus?" Auf dem rechten Bein lahmt er, und auf dem linken Aug' is er blind." Was für Haar hat er?" Gar ka Haar hat er. Und Zähn' auch nischt. Bloß e paar, große Warzen hat er und e halbe Nas' is weg." Ach, jetzt weiß ich Sie meinen den schönen Löw, den kenn ich!" Anerkannte Ehrlichkeit. Dieb (dem eine gestohlene Brieftasche von Kindern zurückgebracht wurde): Es ist halt doch schön, daß eö noch ehrliche Leut' gibt!" Verputzt. Was muß ich HLren Du sitzest gänzlich auf dem Trockenen, trotzdem Du erst vor einem halben Jahr geheirathet hast? Hat denn Dein Schwiegerpapa nichts in die Ehe hinein gepulvert?" Das wohl, aber alles Putzpulver gewesen für meine Frau." EinziukS Mittel. t7, mir V a u e r (im Wirthshaus, für sich): Um elf Uhr soll ich zu HauS sein, ha! mei' Frau g'sagt; da muß ich jetzt bald anfangen zu krakehlen, damit sie mich rechtzeitig 'nausschmeißen."

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