Indiana Tribüne, Volume 28, Number 279, Indianapolis, Marion County, 18 July 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne, 18. Suli 1905,

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3Cttts)cs ßetgcusiaflcn.

Eine lustige Geschichte. Von Alwin Römer. (Schluß.) Aber selbstverständlich, Herr Leutnant. Ich bin froh, daß wir uns so leicht verständigt haben und ich nicht etwa ausziehen muß" Ich bitte Sie! Davon konnte doch 'keine Rede sein! Eher wär' ich gezogen" Dann wär' ich erst recht an der Reihe gewesen. Der Hauswirth hatte es mir angedroht! Uebrigens ist es nicht alle Tage so schlimm wie gestern und heute, wo ich ein paar Schülervorträge für kleine Familienfeste einstudiren mußte. Es kommt nun eine ganze Reihe ruhigerer Tage!" Sie erhob stch. Besten Dank für Ihr freundliches Entgegenkommen!" sagte sie. Und Verzeihung, daß ich gewagt habe" O bitte! Aber wenn Sie nicht allzu große Eile hätten Mein Bursche nämlich, der Sch-werenöther eben hat er mir's gestanden, und wenn Sie nicht zu mir gekommen wären, hätte ich Ihnen in der nächsten Viertelstunde einen Besuch machen müssen " Wo Sie mich freilich nicht zu Hause getroffen hätten. Ich muß nämlich gleich nach der Lindenstraße, wo ich , ein paar Lieder begleiten soll. Wie ich sehe, ist es gleich Sechs. Da habe ich gar keine Zeit mehr zu verlieren Ja, aber die Geschichte von meinem Burschen müssen Sie doch schnell noch anhören. Er hat da eine ganz unerhörte Unverschämtheit begangen, an der ich durch meine Zorntiraden gegen die etwas reichliche Musik dieser Tage leider mitschuldig bin. Weiß der Himmel, wie's gekommen ist: er findet da vorhin einen herrenlosen Geigenkasten auf . der Treppe " .Ah, das wird der von Käthe (Leorgr gewesen sein, die die Noten vergessen hatte und darum noch 'mal umkehren mußte! Nun, was hat er damit geiha'tt?;. Doch nicht das Instrument herausgenommen oder beschädigt?" ;Gott sei Dank nein, so ein Vandale ist er denn doch nicht gewesen. Aber Schrotkörner hat er in's Schlüsselloch gestopft, so daß zweifellos das Schloß ruinirt ist!" Q weh! Da wird sie schön in Verlegenheit sein, wenn sie spielen soll! Aber das läßt sich vielleicht noch ordnen! Herrgott, wenn ich Zeit hätte! Aber Sie selbst könnten vielleicht" Ich bin an's Zimmer gebunden!" J$a, aber wenn Sie doch nicht krank sind?" .Es gibt militärisch: Einrichtungen, die hm na Ach so!" sagte sie lächelnd; denn ein leises Verständniß der häuslichen Lebensweise des Herrn Leutnant war ihr ausgegangen. Ja dann!" Es ist mir sehr fatal!" Das glaub' ich! Bei dem schönen Wetter!" Ach nein, das meine ich ja nicht! Aber daß Fräulein Käthe Georg! nun Ja freilich, noch dazu, wo sie vor einem Berliner Musikprofessor spielen soll, der ,hr ein Stipendium an der Berliner Hochschule verschaffen könnte!" Donner und Doria, das ist eine schöne Naht! Da muß etwas geschehen. Wo wohnt Fräulein Georgi?" Ziemlich weit draußen: Platanenweg achtzehn, Villa Rosenau, bei ihrer Tante, der Frau von Rosenau!" Ich werde den Attentäter selber hinausjagen! Hatschi!" rief er laut in's Vorzimmer. Und Ladislaus erschien. Sein Leichenbittergesicht reizte .je W?. n..k? ; . y aucg oic lunneyrerin zum mauzen. Paß auf. was Du zu thun hast, Taugenichts! Du scherst Dich marsch, marsch zum nächsten Schlosser, saast ihm, er solle mitkommen, ein Schloß zu offnen, steigst mit ihm in eine Droschke und fährst, so schnell der Gaul will, nach Platanenweg achtzehn, Villa Rosenau, zu Fräulein Georgi, deren Geigenkosten Du durch Deine Schrotkörner verdorben hast. Du saast dort, i ch schickte Dich nebst dem Schlosser! Das Uebrige wird in dem Briefe stehen, den ich jetzt schreibe! Verstanden?" Serr wohl. Zu Befehl, Herr Leutnant!" Nicht wahr, auf diese Weise wird es sich machen lassen?" Ich glaube auch, Herr Leutnant! Aber ich muß jetzt eilen. Leben Sie wohl!" Ergebenster Diener, meine verehrte Hausgenossin. Wenn Sie gestatten, erkundige ich mich demnächst, ob Fräulein Georgi sehr erbittert gewesen ist! Wann lomrni' sie denn wieder zu Ihnen?" Uebermorgen von Vier bis Fünf!" sagte Frau Reißmann lächelnd und empfahl sich, worauf sich der Leuwant in den Stuhl vor seinem Schreibtisch warf und auf eine elegante Briefkarte eine kurze Aufklärungsepistel schrieb. Damit mußte der Missethäter lostraben. Aber Ladislaus Krzepanski hatte wirklich 'mal wieder Pech an diesem schrecklichen Tage. Zunächst konnte er keines Schlossers habhaft werden, da es ...lonJabend war und man schon Feiersichtlich tomacht hatte. Endlich, als er einging, witscht hatte, der sich bereit ernem Wunsche, 'kommen, mußte er lange fürchtete sich vcoschke suchen, und als sie war für ihn die saßen, hatte er glücklich mußte auch gegennit Vlantaaenstraße ver-

wechselt und ließ den Kutscher nacy der

letzteren. Nr.'18, führen, wo natürlich keine Villa Rosenau zu finden war. Der Schlosser fing an zu fluchen als man Haus bei Haus abgesucht hatte. ohne an die richtige Adresse zu gelangen, und schweren Herzens mußte Ladislaus einwilligen, noch einmal heimzufahren und nachzufragen. Es war mittlerweile dunkel qeworden. Die Uhr zeigte auf ein Viertel nach Acht, als er kleinlaut bei seinem Leutnant eintrat, der Schlosser hinter ihm. Na, alles besorgt? Ah. der Meisier, der uns aeholfen hat! Was habe ich zu bezahlen für die Geschichte?" erkundigte sich Karstedt. Vorläufig waren wir noch cjar nicht da!" antwortete etwas mürrisch der Handwerker. Noch nicht da? Ja zum Henker " -sin der ganzen Vlantaaenstrake ist leine Villa Rosenau überhaupt kerne Villa! Wir haben alles abgeklappert!" Plantagenstraße? fuhr der Leutnant auf. Eseleien uno kein Ende! Platanenweg achtzehn ist es doch!" Der Bursche hat gcsaat Plantagenstraße!" Herr Du meine Güte! Und nun geht es auf Neun! Sofort meine Stiesei und den dunklen Rock! Ich fahre selber! Wir reden nachher noch miteinander!" Und in fliegender Eile machte er sich fertig, stieg mit dem Schlosser in die noch unten haltende Droschke und jagte durch die Stadt nach dem Platanenweg hinaus. Frau von Rosenau zu. sprechen?" fragte er den Diener, der auf sein Läuten verwundert öffnete. Die Herrschaften sind vor einer halben Stunde in's Konzert gefahren?" O weh! Wo findet das Konzert statt?" Im Logenjaal in ver äyringer Straße. Der Herr Professor, der heute Abend hier war, dirigirt dort eines seine? selbstgemachten Musikstücke!" Aha! Und Fräulein Georgi ist natürlich auch mit?" Nein. Fräulein Georgi war es nicht wohl." Kann ich sie noch sprechen?" . Ich werde fragen!" ' Käthe Georgi saß mit leicht verweinten Augen, aber gar nicht absonderlich betrübt, lm Musikzimmer und knabberte Eakes. Botho von Karstedt?" las sie verwundert die ihr präsentirte Visitenkarte. Und um diese Zeit? Haben Sie nicht gesagt, daß Tante nicht zu sprechen ist?" Gewiß, gnädiges Fräulein. Aber der Herr Es ist gut. . Führen Sie ihn hier herein!" ' Eine Minute darauf trat Botho über die Schwelle. Das Herz schlug ihm wie toll, als er dieses liebliche Antlitz sah. das viel feiner und reizender war, als er es sich Nachmittags vorgestellt. Aber auch die geroiheten L:der entgingen ihm nicht. Sie hatte sicher Verdruß aehabt seines schlimmen Burschen wegen. Mein gnädiges Fräulein, verzeihen Sie meinen Ueberfall!" begann er lächelnd. Ich weiß nicht, ob Sie schon entdeckt haben, daß Ihr Vlolmkasten sich Nicht offnen laßt Allerdings!" entgegnete sie erstaunt. Aber woher wissen Sie denn Das ist eine eigenthümliche Ge schichte!" fuhr er fort und erzählte ihr in kurzen Zügen den Hergang und auch, weshalb er so spät erst zur Hi.lfe gekommen. Sie lachte vergnügt auf, als sie den Zusammenhang erfuhr. Das ist wirklich lustig!" sagte sie. Tante hatte nämlich mich selbst im Verdacht, weil ich mich die ganzen Tage schon davor gefürchtet habe. So werde ich nach dieser Richtung hin wenigstens gerechtfertigt dastehen! Aber wollen Sie mcht Platz nehmen, Herr von Karstedt?" Ich habe den Schlosser draußen. Wenn Sie gestatten" Um Gottes willen! Schnell schicken Sie ihn fort; sonst muß ich doch noch" So war es Ihnen wohs gar nicht unangenehm, daß mein Bursche?" Wenn Sie es Tante nicht wieder sagen wollen: es hat mich unbändig gefreut, daß der Kasten nicht aufging. Denn dieser strenge Herr Professor mit seinen finsteren Aucen sah noch viel schlimmer aus, als ich es mir gedacht hatte und bei den Liedern, die Fräulein von Mayen sang und wirklich sehr schön sang fuhr er sich fortwährend mit der Hand durch die langen Haare, als ob er sie sich Stück sür Stück ausreißen wollte!" Fräulein von Mayen? Die Tochter unseres Majors?" Käthe Georgi nickte. Sie kommen nachher alle . wieder. Sobald das Konzert aus ist! Sie bleiben doch hier und erzählen Tante, wie das mit meinem Kasten zugegangen ist, nicht? Nur den Schlosser schicken Sie fort, damit nicht doch noch ein Malheur passirt!" sagte sie. schelmisch. Leider muß ich mich selbst auch verbannen, gnädiges Fräulein, denn mein Herr Major" er zwirbelte verlegen seinen Schnurrbart darf mich hier nicht finden. Ich darf von Rechtswegen mein Zimmer nicht verlassen" Ah Stubenarrest?" lachte sie ' Sie scheinen ja gut Bescheid zä wissen!" ' -: O, ich bin ein Soldatenkind. Mein Vater war Hauptmann in Straßburg im Elsaß!", . , Und dann fürchten Sie sich vor so einem alten Musikonkel?" :"

Alt ist er noch aar nicht!" lacyte ne.

Aber kritisch wie ein'kommandirenker rr i. jr. r. .-:: je r-t. enera:. uno teg spiele roiriuuj icyi mittelmäßig!... Wenn Tante bessere Ohren hätte ". Ja. warum spielen Sie denn überHaupt?" Sie' sab ihn prüfend an und em bitterer Zug legte sich um ihren Mund. Ich soll Musiklehrerm werden! Und dazu genügt heute Klavier allein nicht mehr!" sagte sie langsam. Ach Gott, ich wollte, das dumme Schloß ginge überhaupt nicht wieder auf!" Der tiefe Seufzer, mildem das süße Geschöpf diesen ehrlichen Wunsch begleitete, ging ihm wunderlich zu Herzen. Er wiegte bedauernd das Haupt und bemerkte dann, um darüber fortzukommen: .Was für eine Viece spielten Sie eigentlich heute Nachmittag, wenn man fragen darf?" - r ' Eine Violin-Sonate von eben diesem Herrn Professor. Aber' glauben Sie nur nicht, daß das meine Wahl geWesen ist! Denn erstens hasse ich alles, was wie .Bestechung aussehen könnte, und zweitens finde ich sie abscheulich. Dieses Andante ist ses verlogen sentimental, wie nur etwas sein kann.- Nach meinem Geschmack wenigstens!" . . Nach meinem auch!" bestätigte' er. Es freut mich riesig, uns so einer Meinung zu wissen." Ja, es ist sonderbar. 'wo wir uns doch - gar nicht einmal kennen ! Aber wollen Sie wirklich schon fort?" - Ich muß!" sagte er lächelnd und sah sie mit einem langen Blick an. Mein Herr Major möchte schöne Augen machen, wenn er mich hier erblickte! Wäre das nicht, so " Er seufzte komisch und doch mit einem Quentchen verschämter Gefühlswahrheit. Aber was hilft alles Bedauern! Die Hauptsache habe ich ja auch erreicht: ich habe Ihre Verzeihung nicht? Und nun setzen Sie Ihrer Großmuth die Krone auf und verrathen Sie nicht, daß ich selbst es geWesen, der Ihnen Aufklärung gebracht hat! Den Brief, den Ihnen mein Bursche bringen sollte, lasse ich hier! Nöthigensalls als leien (pmp unbesorgt? ick werde die dumme Geschichte nicht wieder ausruhren heute Abend, und morgen" Morgen sind Majors ja nicht da. Morgen dürfen Sie die Wahrheit sagen!" nef er und zog ihre Hand an seine Lippen. Leben Sie wohl, gnädlges Jraulem und auf ' Wieder sehen! Ich habe die Ehre!" Mit einer Verbeugung wollte er hmaus; aber ängstlich faßte sie plötzlich nach semem Arm und flüsterte: Ich glaube, da kcmmt der' Wagen zurück. Das Konzert kann doch noch nicht zu Ende sein?" fragte er erstaunt. Man wollte nur den ersten Theil hören, worin der Herr Professor Hören Sie, sie sind es wirklich! Der Herr Major spricht. Schnell, kommen Sie durch das Speisezimmer; von dort können Sie m die Küche und den hm teren Ausgana benutzen!" Hastig zog sie ihn durch eine der Flügelthüren, um ihn in Sicherheit zu bringen. Aber der Jusall hatte es ae fügt, daß die Heimkehrenden zunächst in ds Speisezimmer eintraten, als auch Karstedt darin auftauchte, weil die Aelteste des Majors im Konzert ihr Armband vermißt hatte und der Meinung war, es :m Speisezimmer abgestreift zu haben. " . ' So trafen sie in dem glücklicherweise nur spärlich erleuchteten Raume zusam men. Der Leutnant machte ein sehr langes Gesicht, als er so plötzlich seinem Voraesetzten gegenüber stand, und wollte eben ansangen, eine lanqe Auselnandersetzung zu beginnen, als Fräulein Käthe in unwilligem ;&one sagle: Aber so kommen Sie doch, Meister! Wenn Sie das Schloß heute nicht. Lffnen können, so schadet das ja nicht; aber eine Rede brauchen Sie darum wirklich nicht zu halten!" Damit schob sie ihn ziemlich energisch durch das Zimmer und die Thür nach den Küchenräumen zu. Ich hatte zumSchloner aeschickt." fügte sie alsdann aufklärend für die anderen bei, damit er den Kasten Lff nen sollte, aber es ist so nicht möglich. Bas schloß ist mit Schrotkornern ver stopft-" , Mit Schrotkörnern?" fragte der Major verwundert. Das ist ja aber putzig! Uebrigens sah dieser Schlosser riesig nobel aus! Im ersten Moment dacht' ich wirklich, es wäre " Er wollte auch ausgehen, der gute Meister!" stotterte sie' und lächelte krampfhaft, während der Major ihr man in die Augen sah. Dann ging sie hinaus und schickte den noch wartenoen Schlosser fort. Ladislaus Krzepansli war sehr verwundert," als er seinen Herrn in bester Laune heimkehren sah Er hatte sich auf . " ' rr . I Pi I ' mm.-' ein Gewitter er ler llronuna aetakt aemacht und es gab nicht einmal mehr ein Wetterleuchten an diesem merkwurdigen Abend. Seme meteorologischen Kennt nisse kamen arg in's Wanken. . Seit jenem Abend brachte es der Au fall, der sich bekanntlich mit verlledten Leuten sehr gern verbindet, mit sich, daß Botho von Karstedt dem hübschen Fräulein Georgi öfter begegnete. So lange der Stubenarrest noch währte, hatte er. die Bekanntschaft mit Frau Adele Reißmann venutzt, seiner Rette rin danken zu können und ihr einmal in die nußbraunen Augen zu.blicken: nach her wußte er es einzurichten, daß er auf dem. Heimwege, em Stuck . Mit ihr zu sammen ging. ,. Und immer lichter ging sein Herz dabei in Flammen auf. Sie war anfanas etwas verlegen: aber bald

hatte sie däs Gefühl des Unbehagens überwunden. Je näher sie ihn kennen lernte, desto mehr wuchsauch ihre Achtung und Schätzung. Und sie plauder-

ten aus diesen kurzen Strecken von Musik und Theater und tausend anderen Dingen, von ihrer langsam gewachsenen Neigung jedoch keine Silbe. Er war sich noch nicht ganz bewußt, wie unentbehrlich sie ihm schon geworden. Sie dachte mcht daran, daß aus dieser wunderlicheu Bekanntschaft ihres Lebens Glück und Wonne hervorsprießen.könne. Dazu war sie viel zu bescheiden. IStneä Tages erwartete er sie veraeblich, und sehr verdrießlich darüber ging er schließlich in's Kasino. Ob er sie verpaßt hatte? Oder ob sie krank war? Jedenfalls wollte er das nächste Mal früher auf dem Posten sein. Aber aucy am folgenden Stundentage blieb sie aus. Da richtete er es em, daß ihm Frau Reißmann, begegnete, und ganz nebenbei und doch voll innerer Erregung fragte er nach ihrer Geigenschülerin. - Die ist mit ihrer Tante nach Berlin gefahren! Professor Markau, der damals hier war, hat sie eingeladen!" So?" murmelte er sehr langgezogen. Es kann vielleicht ihr, Glück sein! Frau von Rosenau machte ein paar Andeutungen, die mir zu denken geben. Der Professor ist nämlich Wittwer und Fräulein Georgi soll einen großen Eindruck auf ihn gemacht haben!" Sie scherzen hoffentlich!" sagte er heiser und fühlte dabei, wie ihm die Lippen zuckten und das Blut aus dem Antlitz wich. Weshalb? Es wäre doch herrlich für sie!" Für mich?" fragte er verwirrt. Ach, gehen Sie. Sie Spaßvogel!" lachte sie und ließ ihn stehen, nachdem sie ihm die Hand gegeben. Wie geistesabwesend stieg er zu seiner Wohnung hinauf und fiel in einen Sessel. Da lag noch immer auf dem Schreibtisch der unvollendete Vortrag über die strategische Bedeutung des Harzes." der in drei Tagen endgiltig fertig sein sollte. Er dachte nicht daran, auch nur einen Finger darum zu rühren. Vor seinen Augen tanzte ein flimmerndes Meer von Verlobungsringen, und wie aus einem Nebel tauchte dahinter das höhnisch lächelnde Gesicht des Professors Markau auf; wenigstens glaubte er, daß dieser langhaarige Kopf mit den finsteren Augen es sein müsse, den er an jenem denkwürdigen Abend flüchtig gesehen hatte. Wenn sie ihn erhörte und einwilligte, seine Frau zu werden? Der Gedanke bohrte sich wie glühende Nadeln in sein Gehirn! Aber that sie nicht - recht daran als armes Mädchen? Hatte er selbst denn je ein Wort fallen lassen, wie lieb er sie habe? Ach, er hatte es ja selbst erst jetzt erkannt! Und an 'Urlaub war nicht zu denken, daß er ihr hätte nacheilen können, um 8&h im letzten Augenblick ihr bindendes Wort zu verhindern! Er mußte warten und sich dem Schicksal überlassen. Wenn sie ihn nur halb so heiß liebte wie er sie. konnte sie einem Dritten nicht ohne Weiteres Ja" sagen! Drei Tage verlebte er in diesem elenden Zustande. An seiner Arbeit stoppeUe er ohne Segen herum; im Dienste machte er ein Versehen über das andere und seinen Burschen behandelte er mit einer Sanftmuth, die dem guten Polen, der immer irgend etwas auf dem Kerbholz hatte, geradezu unheimlich vorkam. Endlich, am dritten Tage, tauchte sie auf mit dem Geigenkasten. Ein wenig blaß und angegriffen, aber heiter und freundlich wie immer. Sie waren in Berlin, Fräulein Georgi?" fragte er hastig, nachdem sie ihren Gruß ausgetauscht. .Warum haben Sie mir eorher denn kein Sterbenswort davon gesagt?" Es kam ganz plötzlich!" erklärte sie. Tante hatte mir von dem Briefe vorher nichts verrathen!" - Und darf man gratuliren?" Das Blut schoß ihr in's Gesicht. .Wie kommen Sie darauf?" Hat dieser Professor nicht um sie angehalten? Gestehen Sie's nur! Ich weiß alles!" rief er so laut, daß ein paar Menschen sich erstaunt nach dem Paar umsahen. Sie nickte nur, ohne einWort verlau, ten zu lassen. Nun. und Sie. Fräulein Käthe?" inquirirte er, fast drohend. Ich konnte nicht anders!" Also doch!" Er hat mir sehr leid gethan," fuhr sie fort, aber lieber einsam alt werden, als mit Jemand, den man so ganz und gar nicht leiden mag!" Käthe!" schrie er jubelnd. Du hast Nein gesagt?" Da überfiel sie ein Zittern, und eine ganze Sonne von Glück strahlte ihr aus den Augen, als er fortfuhr: Dann frage ich Dich,' Käthe, ob Du mein Weib werden willst! Ja oder nein? Aber auf der Stelle!" Ach, Herr von Karstedt," flüsterte sie, ich ich bin arm wie eine Kirchenmaus!" Und machst mich doch so reich, wenn Du nur Ja sagst!" rief er glückberauscht. Ich habe genug für uns Beide!" 'Dann mit tausend Freuden!" hauchte sie verschämt.- Und es war ein Glück, daß sie die Hausthür erreicht hatten.- Denn der gluthentfachte Herr. Leutnant Botho vonKarstedt wäre vielleicht im Stande gewesen, auf offener Straße eine verliebte Dummheit zu begehen und sie zu küssen. ' . Nun aber laß mich endlich!" bat sie" sich nach den süßen Verlobungssiegeln von ihm losreißend. Ich müßte, längst oben. sein in-. der Stunde!"

Noch e i n Wort davon," lachte er, und ich schreie nach Schrotkörnern! Der elende Kasten ist von heute ab feier-

kichst pensionirt!" w Am Abend dieses köstlichen Tages hielt der Leutnant wirklich seinen Vortrag über die strategische Bedeutung des Harzes." Er hatte die letzten Stunden mit einem wahren Feuereifer zu seiner endgiltigen Vollendung verwendet. Trotzdem zeichnete er sich durch eine geradezu fabelhafte Knappbeit aus. Nach der vielen Zeit, die Ihnen zur Verfügung stand, ein bischen kurz, lieber Herr Leutnant!" kritisirte der Major lächelnd. Und seine Stimme zum Flüstern herabdämpfend, fügte er hinzu: Kein Wunder, freilich, wenn man ein Nebengeschäft als Schlossermeister treibt!" O. Herr Major, Sie haben?" - Nichts habe ich! Aber es existirt hier ein Schlossermeister, der sich mit Ihren Visitenkarten einführt! Wenn er mir nochmals begegnen sollte, werde ich " Sie sind sehr nachsichtig, Herr Major! Aber wenn Sie wüßten " stotterte Botho. Ich weiß alles und gratulire von Herzen!" lachte der Major und setzte nun laut und für die ganze Korona verständlich hinzu: Sie dürfen unserem Karstedt Glück wünschen, meine Herren Kameraden! Er ist Bräutigam, und zwar unter ganz romantischen Umständen geworden! Lassen Sie nur nicht locker, dann hält er uns noch einen zweiten Vortrag .über die strategische Bedeutung der Geigenkästen!' Aber dazu brauchen wir Stoff, damit wir am Schlüsse auf fein ebenso schönes wie gescheitcs Fräulein Braut anstoßen können!" Zwei Grüfte in Clcvelar.d. Die feierliche Bestattung des Staats mknisters Hay in Eleveland am fünften Juli dieses Jahres erinnert lebhaft an die feierliche Bestattung, die in derselben Stadt und auf dem nämlichen Friedhofe am sechsundzwanzigsten September 1881 stattgefunden hat. Damals wurde in Eleveland nicht wie diesmal ein Staatsmann bestattet, der nach allerlei Wechselfällen einer Kranknett emes natürlichen ldes gestorben war. sondern ein Staatsmann, und ein Präsident der Vereinigten Staaten dazu, der von einem verruchten Menschen zwei Monate und vierundzwanzigTage zuvor verwundet worden und nach allerlei mit antiker Seelenstärke von ihm getragenen schrecklichen Leiden der Ver wunduna erleaen war: Garfield. Hay wird in der Geschichte fortleben als einer der bedeutendsten Lenker der auswärtigen Politik der Vereinigten Staaten. Der Präsident Garsield aber wurde schon im Anfange seines letzten und größten Amtes niedergestreckt. V L C . I C I nacyoem er Die ourcy aoer in er ciaenen Partei verursachten ersten Widerwärtigkeiten dieses Amtes bestanden hatte. Ihm, dem zweiten MärtyrerPräsidenten, war es nicht, wie dem er sten Märtyrerpräsidenten Lincoln vergönnt, sich als Präsident vor seinem tragischen Ende unsterblichen und unveraleichlichen weltgeschichtlichen Ruhm zu erwerben, oder gleich dem dritten Märtyrerpräsidenten McKinley den Namen ei-ies der wohlmeinendsten, taktvollsten und liebenswerthesten Häupter der Republik zu gewinnen. Nur um so ergreifender ist daher mt Tragik sei nes Todes. Aber einen reichlichen Ersatz für das, was er in der ihm schon nach vier Mo naten durch die Kugel Guiteau's abgeschmttenen Präsidentschaft mcht zu lei sten vermocht hat. bilden Garfield's parlamentarische Leistungen während seiner mehrjährigen Eongreßlaufbahn. Er war nach unserem Dafürhalten der größte Parlamentarier, den das Washingtoner Eapitol seit Webster gesehen und gehört hat; und an umfassendem, durch riesigen Fleiß erworbenem Wissen, das er in eine klassische Form klei dete. stand er über Webster. Was er über Finanz-, Währungs- und ZollFragen, Pensionswesen. Civildienstreform, Zwangspolltlk und alle großen und kleineren, noch in die Gegenwart hineinspielenden Fragen sprach, hat ti nen bleibenden unendlichen Werth. Wenn es von den Volksvertretern unserer Tage gehörig studirt würde, dann bliebe de:n Cvngreß viel seichtes Geschwätz erspart. Ebenso vorbildlich sind nicht-parlamentarische Reden Gar field's. So wüßten wir keine schönere und passendere Eedachtrnßrede, als die, welche er nach dem Tode des Generals George Henry Thomas, dem er einst im Felde so brav und tapfer gedient, ge halten hat. ' Auck aus der neuen Gruft in Eleveland, der des Staatsministers Hay, spricht eine Fülle staatsmännischer Tugend und Weisheit. Aus seinen dlplo matischen Amtsschriften über eine hu mane Welt- und Friedenspolitik kann noch die ferne Nachwelt lernen, wie aus den Parlaments- und Gedächtniß-Re-den Garfield's. . 1 Folgenschwerer WagenUnfall. Der Maurermeister Ar nold in Kassel. Hessen-Nassau. wollte, begleitet von semer Gattin, eine Aus fahrt mit einem Break unternehmen Plötzlich scheuten die Pferde . und rannten in tollem Karriere die abschüssige Straße herab. ' Arnold vermochte die Thiere nicht zu zügeln. : Der Wagen wurde gegen ein Schulgebäude geschleudert. Dabei wurde die Frau derart, verletzt, . daß sie verstarb.,. Arnold wurde gleichfalls schwer' verletzt.' '.msix.i..,

.... Ayres Bulletin . .

.Wollen keine Ferien.. Die Tischler und Polsterer ziehen vor den ganzen Sommer zu arbeiten hr wöchentliches Salär ist zu attrak iv für sie. Wir sind Willen's ihnen zu helfen. Alle Polsterarbeit sür die nächsten Wochen wird ein Drittel unter dem gewöhnlichen Preis veranschlagt werden. Eine weitere Ersparnis ist durch die niedrigen Preise der Materialien für Polsterarbeit möglich geworden, derschiedene Bargains von kurzen Resten in Velours, Brocades und Tape?ries. Orientalische RugS sind jetzt niedriger. Fragt für Voranschläge. I, IRSlUil MUbT V4 UUI Lndicna'S größte Dr? EsodL Händler, Allzu a.r o ß e Zuversicht ist in Sea Cliff, L. I., einem Drahtspanner verhangnißvoll geworden. Thomas Monahan. ein Drahtspanner in Diensten der Nassau Light Company, wurde bei der Arbeit durch Berührung mit elektrischen Drähten getödtet. Monahan hatte einen Elektrizitätsmesser aus einem Hause entfernt. Zu der Frau des Haufes, die ihn vor der Gefährlichkeit der Drähte warnte, sagte er: ) ich lasse mir die Drähte schon nicht gefährlich werden." Gleich danach hatte er auf einen Pfosten vor dem Hause zu klettern. Sein Gehilfe, der unten geblieben war, hörte mit einmal ein Knistern über sich und sah dann, daß Monahan über den Drähten laa und daß seine Kleider rauchten. Rasch drehte der Gehilfe an einem Schalteapparat in der Nähe den Strom ab und sofort fiel Monahan's Leiche zu Boden. Sein Körper war verbrannt und theilweise verkohlt. Der Baltimore BolizeZrichter Friede! stellte unlängst VerHaftsbefehle gegen drei Knaben im Alter von 13 bis 18 Jahren, aus. Sie wurden des Angriffs auf zwei Stra ßenprediger beschuldigt. Letztere predigten eines Sonntags im Freien nahe Lombard- und Llodystraße und wurden angeblich vo:: einer Rotte junger Männer, unter denen sich oben erwähnte Knaben befunden haben sollen, in ihrem Dienst gestört und schließlich thätlich angegriffen. Einer der Knaben soll außerdem einem der Prediger eine Bibel aus der Tasche genommen, sie mit Kohlöl begossen und dann verbrannt haben. Ein Polizei-Sergeant kam den bedrängten Evangelisten zu Hilfe und stellte die Ordnung wieder her. Er sagte, er habe in Erfahrung gebracht, daß ein Ladenbesitzer in der Nähe die Knaben zu ihrem rüpelhaften Benehmen aufgemuntert und ihnen das Kohlöl zum Verbrennen der Bibel aeliefert habe. Europäisch es epariemkBt Wechsel. Kreditbriefe, Postanweisungen, auf alle Städte Europas. Kchiffsschetns von und nach Europa. An- und Verkauf auöländZ schon Geldes.

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