Indiana Tribüne, Volume 28, Number 274, Indianapolis, Marion County, 12 July 1905 — Page 7
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Der Vertrauensmann
Nomsn von Jaxxl Slu,nnre!x i (Fortsetzung.) j Während nun der Direktor einige der kleineren Etuis öffnete und die Steine im Lichte spielen ließ, öffnete der Prokurist mit der ihm eigenen Umständlichkeit das Packet. Er hatte die Schnur zerschnitten, damit euch jetzt noch das schöne Siegel ganz bleibe. Und nun wickelte er den weißen, dicken Umschlag auf sein Blick fiel auf einen Stoß leeren Schreibpapiers, von dem jeder einzelne Bogen zweimal geknifft gewesen, dann aber wieder glatt gelegt war. Zuerst glaubte er an eine Sinnestäuschuna, fuhr sich mit der Hand über die Augen griff nun endlich fest hinein in den Haufen unbeschriebenen Papiers, packte eine Anzahl Bogen, drehte sie um, hielt sie gegen das Licht dann warf er beide Hände hoch in die Luft, wobei die Bogen zur Erde flatterten, indessen Herr Reimers mit einem gurgelnden, erstickten Aufschrei in sich zusammenbrach.' Der Direktor hielt eben kopfschüttelnd das geöffnete Ewi der Rivitre in der Hand. Den alten Herrn fallen sehend, warf er die Schmuckstücke hastig in die Schatulle, schlug den Deckel zu und eilte zu Reimers, dem inzwischen schon die Diener beigesprungen waren. Man trug den Ohnmächtigen zu dem Lederdiwan, besprengte ihn mit Wasser, machte ihm den Hemdkragen auf unter dem Bureaupersonal, das schnell alarmirt war, fand sich Jemand, der zufällig Niechsalz bei sich hatte; und nach wenigen Minuten schlug Reimers die Augen wieder liU, freilich nur. um sie wie ein Irrsinn.' in's Leere schweifen zu lassen. . Die herumgestreuten Papiere waren aufgehoben und auf den Tisch zu den Übrigen, noch in der Hülle befindlichen gelegt worden. Mit einem Blick hatte der Direktor die Situation erfaßt. Da gab es keinen Irrthum: Herr Reimers war das Opfer eines unerhörten Betruges geworden. Unerhört in jedem Sinne! Sowohl durch die Art der Ausführung, wie durch den Charakter der betheiligten Personen, als auch endlich durch die begleitenden Nebenumstände. Denn der Direktor hielt die Steine in der so hoch bewerteten Ri viere für falsch. Gleichzeitig ging ihm ein Gedanke durch den Kopf. Sehen Sie einmal nach," beauftragte er einen Buchhalter, wie groß das Guthaben der Mrs. Emma Houston ist." ' Der junge Mann kehrte mit dem Bescheide zurück, noch ehe der Prokurist sich völlig wieder erholt hatte. Er nannte die aus den Büchern festgestellte Summe. Dann ist die Bank vollkommen gedeckt." erklärte mit Bestimmtheit der Direktor. Wieso gedeckt? Wodurch gedeckt?" lallt- Reimers. Der Direktor wandte sich an die bei den Diener. Sie haben gesehen, wie Herr Reimers hier vor unserenAugen das Packet geöffnet hat?" Gewiß. Herr Direktor!" Sie sahen auch, was sich darin befunden hat hier, bitte! Packen Sie das jetzt gleich hier wieder fest und verschließen Sie es mit dem Siegel der Bank. Lassen Sie aber das Siegel des Notars unverletzt! Und Sie, Rei mers," wandte er sich an diesen, fassen Sie sich! Ermannen Sie sich! Vor einer Gaunerei von dieser Naffinirtheit ist kein Mensch sicher! Erzählten Sie mir nicht, Frau Houston persönlich habe Ihnen das Depot übergeben?" So ist es, Herr Direktor. Ich bestand auf dieser Formalität." Dann hat Ihre Gewissenhaftigkeit uns wieder einmal vor Verlust gerettet. mein lieber Reimers! Denn Frau Houston haftet uns mit ihrem Gutha ben. Wir könnten ohne Weiteres sofort auszahlen; aber ich will einerseits erst mit dem Direktor Thiele, erforder lichenfalls auch mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsraths konfernen, anderer seits müssen wir auch Ihren Neffen, den Notar, sofort verständigen. Es soll gleich an ihn telephonirt werden. Und dem Eigenthümer des Tepotscheines sagen Sie, er müsse uns vierundzwanzia Stunden Zeit lassen. Vielleicht könnten wir den Depotschein zu nächst hie: behalten gegen Bestäti gung natürlich! aber das wird der Mann sich nicht gefallen lassen! Reimers hatte sich angesichts dieser klaren" Auffassung der Sachlage ein wenig erholt; er ging, um Jim Houston für den Augenblick abzufertigen. Aber sein Schritt war schwankend, es drehte sich noch alles Mit ihm. Nur eine Em pfindung tauchte deutlich aus dem Wirrsal in ihm auf: er hatte doch Recht gehabt von Anfang an! Das waren ganz und gar unklare Verhältnisse, die dieser Mrs. Houston! Der Rechtsanwalt Reimers plaidirte an diesem Tage vor dem Kammerge richt. Die Verhandlung batte erst für elf Uhr angestanden und würde sich bis in den Spätnachmittag hinziehen, so lautete der telephonische Bescheid aus seinem Bureau. Erst nach sieben Uhr Abends fand er sich zu der Besprechung ein, wetche der Aufsichtsrathsvorsitzende für den Fall Houston angeordnet hatte. Vielleicht fiel gerade in dem Augenblick
zum erstenmal hier der Nacie Weber, als der Vertrauensmann der Mrs. Houston in falschem Bärte, die Pelzkappe tief auf das geschorene Haupt gedrückt, sich befriedigt in die Volster seines Sitzes zurücklegte, weil der Zug eben in Gang gerathen war. Für die Bank selbst schien die Sache einfach genug zu liegen. Der Syndikus der Gesellschaft, Justizrath Heim, eine Autorität in Handelssachen, sprach sich in der Konferenz über die Sache aus, und es zeigte sich wieder einmal, daß die Herren BuchHalter, Kassirer und Korrespondenten sich ganz unnütz die Köpfe ihrer Vorgesetzten zerbrochen hatten. In voller Uebereinstimmung mit dem Direktor, der heute Mittag Zeuge der Enthüllung" gewesen, faßte der Syndikus seine Meinung dahin zusammen: Die Bank hat das Depot von Frau Houston übernommen und sich zu voller Gewährleistung, auch an dritte Personen. verpflichtet. Die natürliche Voraussetzung hierfür war. daß der Bank wirklich jene Werthe übereignet wurden. die der Devotsckein verzeicknet. Zwar, was die Haftbarkeit' gegen Dritte betrifft, so war die Bank, und ist es noch heute unter allen Umständen ersatzpflichtig sosern sich nicht etwa begründete Zweifel an dem rechtlichen Erwerb des Depotscheins erheben lassen. Anders aber stellt sich das Verhältniß der Bank zu der Deponentin, wenn sich ergibt, daß ihrerseits eine rechtswidrige Handlung geplant war, als sie den Depotschein zu erlangen wußte. In solchem Falle ist es das natürliche Recht der Bank, diese betrügerische Deponentin für den Verlust haftbar zu machen. Da nun glücklicherweise Frau Houston Gelder in beinahe doppelter Höhe des gefährdeten Betrages bei der Bank gutstehend hat, liegt nichjs näher, als sich aus ihrem Guthaben bezahlt zu machen falls nicht, worauf ich noch einmal hindeuten muß, auch derjenige, der jetzt den Depotschein präsentirt. mit in den betrügerischen
Versuch verwickelt ist und also ebenfalls keinerlei Ansprüche hätte." Die Direktoren, der Vorsitzende des Verwaltungsraths, die beiden Prokuristen allen voran Herr Reimers senior konnten sich ohne Weiteres mit dieser Auffassung der Sachlage zufrieden geben. Man wäre beinahe geprellt worden; aber ein glücklicher Zufall das Gutbaben der Mrs. Houston hatte den empfindlichen und fast noch mehr beschämenden Schlag abgehalten. Man kam mit einem blauen Auge davon. Aber da war noch ein Theilnehmer der Besprechung, da war noch der junge Rechtsanwalt Reimers, und ihm blutete das Herz bei der schneidend kalten, tödtlich scharfen Definition des älteren. berühmten Kollegen. So geht es uns immer, wenn wir, mit dem Herzen an einer Sache betheiligt, andere urtheilen hören, die nur vermittelst des Verstandes zu ihrer Auffassung gelangt sind. Ihm. Leonhard, konnte man nicht ernstlich glauben machen wollen, daß Emma Houston, die Mutter Margiis, eine Betrügerm sei. Und er nahm das Wort. Meine Herren, begann er mit muhsam verhaltener Erregung, ich habe nicht nur infolge Ihrer Einladung das Recht, meine Ansicht hier zum Ausdruck zu brmgen, sondern ich darf dies in erster Reihe als ein Hauptbetheiligter, ja als ein Mitverantwortlicher thun. Allen Respekt vor dem juristisch emwandlosen Resume des mir so weit überlegenen Herrn Justizrath! Es konnte nicht klarer, knapper und zugleich überzeuaender sein soweit es die Sache betrifft. Aber, wie zumeist .Im Leben, stehen auch hier Menschen hinter den sachlichen Erscheinungen Mensche?, über die wir aburtheilen, ohne sie auch nur zu fragen, ob sie et was zu ihrer Vertheidigung zu sagen haben! Das aber scheint mir. verzeihen Sie, Herr Justizrath, ein barbarisches Gerichtsverfahren. Wie nun, wenn ich Ihnen beweise, daß nicht Mrs. Houston, sondern daß ich und mein Onkel die allein Ersatzpflichtigen sind?" War vorher, nach der Ansprache des Syndikus, ein Murmeln der Befried!gung durch die Gesellschaft gegangen, so machte sich jetzt em lebhafter, erstaun ter Widerspruch laut. Aber, Herr Rechtsanwalt Sie werden doch nicht behaupten wollen ' Ich behaupte, daß sowohl Ihr Pro kurist, mein armer Onkel, als auch ich selbst jene hundert Stück Deutscher Reichsanleihe und jene hundert Stück österreichischer Goldrente mit eigenen Augen gesehen, .daß wir sie selbst in Händen gehabt haben, daß mein Onkel sie zweimal genau durchgesehen und gezahlt hat. Es sind uns also that sächlich jene zweihundert Staatsschuld scheine übergeben worden! An uns allein, nur an uns war es, darauf zu achten, daß mit den bereits in unsern Handen befindlichen Werthpapieren nicht noch irgend eine Manipulation vorgenommen wurde, bevor sie sicher und unversehrt natürlich auch unver tauscht! in den Besitz der Bank über gegangen. Weder durfte ich die Ur künde ausstellen, noch durfte Ihr Pro kurist den Depotschein aus Händen cze ben, wenn wir auch nur der entferntesten Möglichkeit Raum gegeben hat ten, daß die vor uns liegenden StaatsPapiere irgendwohin entschwinden konnten. Eine solche Möglichkeit ha ben wir aber offen gelassen, wie sich aus der unbestreitbaren Thatsache e gibt, daß sie benützt worden ist. Zwi schen jenem Moment, wo mein Onke die Papiere aus Händen gab, um sie einpacken zu lassen was freilich wie der unmittelbar vor unsern Auaen et
schah und jenem, in welchem er lt Aufschrift machte und ich das . Packet siegelte, zwischen diesen beiden, etwa
eine Minute auseinander gelegenen Augenbucken ist das Packet vertauscht worden. Daß dies geschehen konnte, daran tragt nicht Mrs. Houston die Schuld, sondern dafür sind wir, mem Onkel und ich verantwortlich!" Sem Ton war immer warmer, immer überzeugender geworden; zuletzt klang, was er laate. w:e eine Be-i freiung. Und doch entstand eine rathlose Pause. Bis endlich der Vorsitzende des Aufsichtsraths, em ruhiger, wohlwollender Mann, der schon manches Mal bewiesen hatte, daß er sich über die Dinge zu erheben im Stande war, das Wort ergriff. Ich will ohne Weiteres . zugeben," sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrathes, daß ich den Standpunkt des Herrn Rechtsanwalt Reimers theile insofern nämlich, als es sich für em Institut von dem Range der Berliner Bank viel weniger darum handeln darf,' einen drohenden Verlust abzuwenden, als Niemandem Unrecht zu thun. Wenn es feststeht, daß unserm Funktionär wie ja auch dem Herrn Notar! irgend etwas entgangen ist bei jener Verhandlung; wenn diese Versaummß hingereicht hat, einen Betrug gegen uns zur Durchführung zu brmgen, so erscheint es mir unzweifelhaft, daß lediglich unser Vertreter der Betrogene ist der Herr Notar war, so viel ich weiß, nicht in unserm Austrage .zur Stelle. Herr Reimers senior sollte die Papiere übernehmen; sie sind ihm in die Hand gegeben worden; er hat sie geprust und gezählt das trifft doch alles zu, nicht wahr. Herr Reimers?" Es ist so," sagte der alte Reimers. Nun, dann," so fubr der Vorsitzende fort, hat man eben Sie betrogen Sie ganz allem! Aber ich brauche es wohl nicht erst auszusprechen vielmehr: ich will es hier ganz ausdrücklich im Namen meiner Kollegen vom Aufsichtsrath erklären und ich bin erforderlichen Falles bereit, persönlich für diese Erklarung einzutreten: es kann d:r Berliner Bank nicht in den Sinn kommen, einen treuen, gewissenhaften Beamten, eine Zierde seines Standes, zur Verantwortung ziehen zu wollen, weil ihm einmal etwas Menschliches begegnet ist weil er einer mit unglaublicher Sicherheit vorbereiteten, mit unfaßbarer Frechheit zu Ende geführten Schurkerei zum Opfer fiel. Nein davon kann nicht die Rede sein! Wie wir denn an Sie. Herr Rechtsanwalt Reimers, meines Erachtens überhaupt keinen Rechtsan spruch haben. Gegen Sie könnte allenfalls jener einschreiten, den Ihre notarielle Urkunde in die Ueberzeugung versetzt hat, daß in dem deponirten Packet nid) in der That die angegebenen WerthPapiere befanden! Wir das heißt unser Vertreter wir haben das auch vor, auch ohne Ihre Beurkundung geglaubt. Wir haben also keinen Anspruch an Sie. Wenn ich nun aber Ihren Standpunkt im Wesentlichen theile. Herr Anwalt, so muß ich gestehen: ich brn einigermaßen verwundert, daß o.erade Sie ihn so lebhaft vertreten. Ist es indiskret, nach der Ursache zu fra-gen?-Der junge Mann erröthete über' und über. Aber er zögerte nicht eme Se künde mit der Antwort: Ich hätte selbst um die Erlaubniß gebeten, meine Stellung zur Sache nahe? beleuchten zu dürfen. Ich bewerbe mich um die Tochter dieser MrS. Houston" Eine allgemeine Bewegung unt'. brach den Sprechenden, der nun mtt erhobener Stimme fortfuhr: Aber ich bin Mannes genug, um auch durch diesen Umstand mein Urtheil nicht tru bm zu lassen. Mein Urtheil über Mrs. Houston geht dahin, daß ich mich personllch mit allem, was ich bin und be sitze, für ihre unantastbare Rechtschaffenheit verbürge. Wir sind von ihrem Sekretär, von Herrn Weber, dupirt worden nicht aber von Frau Houston, gegen deren strenge Ehrenhaftigkeit ich von Niemandem ein Wort dulden wurde." Diese letzte Wendung des Herrn Rechtsanwalts verschließt mir den Mund, meine Herren, mischte zetz Direktor Tiele sich in die Diskussion. Nur das eine darf ich sagen: daß auch das kostbarste Stuck jener gleich zeitiq oepomrten itoucinon von Schmucksachen, eine auf die Kleinigkei von 120.000 Mark bewirthete Dia-mant-Riviere nach der festen Ueberzeugung meiner Kollegen in der Direktion eme Imitation ist. Dann ist Frau Houston mit ihrem Schmuck ebenso unvorsichtig gewesen, wie wir es bei der Uebernahme der zweihundert Staatsschuldscheine waren, antwortete der Anwalt prompt. Sie hat sich eben auch betrügen lassen. Wer vor unsern Augen das Packet um zuwechseln wagte, dem war es eine Kleinigkeit, die echten Steine im Schmuck der Mrs. Houston durch falsche zu ersetzen. Mag sein! Mag alles sein." sagte jetzt sein Onkel, aber ich kann mir Nicht helfen, ich werde immer wieder auf einen gewissen Zusammenhang hingewiesen. Die untergeschobenen Si milisteine, für die wir mit einem Niesenbetrag haften sollten, dann die Brandstiftung am Abend der Abreise und dreser plötzlich aus dem Nebel auf tauchende amerikanische Gatte als Präsentant des Depotscheins, und endlich die leeren Bogen Schreibpapier stat deutscher Reichsanleihe und Goldrente es ich zu viel, das ist doch klar!" Gewiß, es ist ein bischen viel au einmal,- memte der Vorsitzende, aber.
meine Herren, wir sind hier kein Rich-
terkollegium. Wir haben lediglich zu beschließen, wie wir uns gegenüber dem morgen wiederkommenden Depotscheine verhalten wollen. Gestatten mir die Herren einen Vorschlag nahm Leonhard Reimers noch einmal das Wort. Herr Jim Houston ist, so viel ich weiß, auf Vormittags elf Uhr herbestellt. Bis dahin werde ich eine Besprechung Mit dem Untersuchungsrichter Herriq, der das Brandstiftungsverfahren gegen Weber Intet vielleicht auch mit dem Herrn Ersten Staatsanwalt gehabt haben. Ich will keine Anzeige erstatten ich weiß, daß Sie daran zunächst kein Interesse haben. Nur meine ich: gerade weil der Zusammenhang mit der Person des angeblichen Brandstifters sich uns so zwingend aufdrängt, sollten wir nichts thun, ohne iene beiden Funknonäre gehört zu haben." Dem, kann man nur zustimmen. meinte der Justizratb und auch die übrigen Herren waren einverstanden; besonders der Prokurist, der sich der Hoffnung hingab, daß Staatsanwalt und Untersuchungsrichter seinen Neffen vom OvtiMismus heilen würden. Bis elf Uhr morqen Vormittag ha ben Sie bestimmte Nachricht," schloß der junge Anwalt voll Zuversicht. Er führte eine gute Sche. das merkte man ihm an. Er kämpfte um Ehre und Namen seiner Braut. 6. K a p i t e l. ls Jim Houston am nächsten jffl Tage in Begleitung Tommys O am Depositenschalter der Bank erschien und seinen Schein präsentirte, legte sich ihm eine Hand auf die Schulter. Ich habe den Auftrag, Sie zu verhaften, mein Herr, und-bitteSie, mir ohne Aufsehen zu folgen." Auf diesen, in englischer Sprache an ihn gerichteten Morgengruß fuhr der rothe Jim herum und hatte im Nu die Hand in der Revolvertasche wie das in seiner Heimath noch gang und gäbe ist. Aber man war darauf gefaßt gewesen. Vier kräftige Arme packten zu und trugen ihn fast hinaus, gefolgt von einer zweiten Gruppe, die genau dasselbe mit dem braven Tommy erlebt hatte. Unter wüthender Gegenwehr, unter einem Hagel von Flüchen wurden die beiden Gentlemen" in bereitstehende Wagen gehoben und fortgeschafft. . Der Landgerichtsrath Herrig war zwar anfangs nicht wenig erschrocken, als sich neues, schwerbelastendes Material gegen Wilhelm Weber zeigte, den er gestern entlassen hatte. Aber er wußte ihn in guter Obhut; zwei tüchtige Detektivs sollten ihm abwechselnd Schritt für Schritt folgen, ihn nicht aus den Augen lassen. Den Burschen wurde man bald wieder hinter Schloß und Riegel haben! Herr Herrig konnte sich schon deshalb nicht wegen der verfrllhten Freigabe Webers ärgern, weil er ein unbeschreibliches Vergnügen emPfand über die Mittheilungen des Rechtsanwalts. Wenn jemals in seiner ganzen Praxis, so hatte der Spurms in diesem Falle dem Landgerichtsrath wunderbar gedient. Genau derselben Ansich. war auch der junge Staatsan walt den Ersten" hatte Reimers heute nicht sprechen können. Wie zwei Auguren hatten Untersuchungsrichter und Staatsanwalt einander zuaeblln zelt: mit qreifbarer Deutlichkeit wies alles darauf hin, daß die eigentliche Hauptschuldige in diesem Rattenkönig von theils vollbrachten, theils versuch ten Verbrechzn Niemand anders sei. als Frau Emma Houston, die freilich zunächst weit vom Schuß war. 0ie und Herr Weber und ihr amerikanischer Gatte, wahrscheinlich auch der Mann, der ihn zur Bank begleitet hatte sie steckten alle unter einer Decke. Und man mußte sich eines jeden versichern, dessen man habhaft werden konnte. Freilich, dem Rechtsanwalt Reimers durfte man nicht verrathen, wie man über die Sache dachte. Er sprach es ja ganz rückhaltlos aus. daß er den Beweis von der völligen Unschuld dieser Mrs. Houston zu liefern gedenke. Er war eben kein Anwalt in Strafsachen hatte keinen Blick für derlei Dinge und war überdies, wie den beiden Herren genau bekannt, persönlich enga girt. Man hatte ihm also, als er heute früh gleich nach neun Uhr mit seinen Neuigkeiten kam, versprochen, die Sache gründlich zu erwägen und vor elf Uhr Jemanden zur Berliner Bank zu senden, um den Herren dort Verhaltungs maßregeln zugehen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) Entsprungene Löwin. Wahrend emer Vorstellung in einem Cirkus zu Queenstown. Irland, öffnete ein Wärter die Thüre zum Käfig einer Löwin, um hineinzugehen. Die Löwin sprang mit einem gewaltigen Satz durch die Thür, schlug einen Knaben nieder, dem sie fast die ganze Gesichtshaut fortriß, und stürzte sich sodann auf einen anderen Knaben, dem sie die Ttadt zerfetzte. Das Vublilum wurde von einer Panik ergriffen und eilte den Ausgängen zu. Viele stürzten hin und geriethen unter die Füße der Nachdrängenden. Die Löwin entkam in ein in der Nähe gelegenes Feld, wo sie, sich hinlegte. Angestellte des Cirkus gelang es, sie mit Lassos wieder einzusangen. W 1 1 1 1 xl Im benachbarten Wengern ist der Berginvalide Hüninghaus mit durckscknittener Kehle und mehren Stichen in der Brust todt aufgefunden worden.- Es liegt Raubmord vor. .
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Aus Deutschland und deutsch sprechenden Ländern ?rcußen. v&oii Srandenvura. Berlin. Eine Reihe von Helio graphenstationen ist in der letzten Zeit in der Mark Brandenburg rmgs um Berlin hergestellt worden. Der letzte dieser militärischen Zwecken dienenden Hellograpbenthurme wurde auf dem weit in das Havelland hineinragenden. 110 Meter hohen Götzer Berg vollenoet. Der Thurm ist in 13 Etaaen erbaut und hat eine Höhe von 61.36 Me ter. Die verstorbene Wittwe Haase hat der Stadt Berlin ein Vermächtniß von 1,250.000 Mark hinterlassen, das ausschließlich für Zwecke der Wohlthätigkeit Verwendung finden soll. Zu gleichem Behufe stifteten Professor Felix Liebermann und seine Gattin em Kapital von 100.000 Mark. Gestor ben sind hierorts der Musikdirektor Louis Schlottmann, einer der ältesten und verdientesten Musiklehrer Berlins. sowie der langzahnge Verleger der Volkszeitung," Emil Cohn. D a h m e. Das Mitglied des Abgeordnetenhauses. Amtsrath Barthold. feierte seinen 80. Geburtstag. F o r st. In Klem-Jamno wurden drei Mädchen von 2117 und 14 Iahren bei der Feldarbeit vom Blitz erschlagen. Groß. Lichterfelde. Dahier beging Karl Stangen, der Begrunder des weltbekannten Reisebureaus, das 60jährige Jubiläum seines Eintritts in den Verkehrsdienst. Er war 1855 in den Postdienst eingetreten und begründete n Jahre 1867 das bekannte Reisebureau, welches vor Kurzem in die Verwaltung der Ham-burg-Amerika-LlNie übergegangen ist. prsvinz Sannsver. E m d e n. Die deutsch-russische Naphthannportgesellschaft hat am hie sigen Außenhasen zwei riesige Petroleumbehalter errichtet, die zusammen 5.000.000 Liter fassen können. Die Füllung dreser BeHalter und dann wie der die Umfullung daraus unmittelbar tti die Tankschiffe des DortmundEmskanals bewirkt eine eigens dazu bestimmte Lokomobile, die mit Höchstleistung 3000 Liter in der Mmute be wegt. Auf diese Art soll ein regel mäßiger unmittelbarer Verkehr zwischen Rußland und Dortmund-Hafen über Emden unterhalten werden. (Boxringen. Der Oekonom Lohrengel in Wülsten wurde unter dem dringenden Verdacht, sein Dienstm'ädchen ermordet zu haben, verhaftet. )vovini S ossen-NaNau. F u l d a. Aus Anlaß der Feier des 1150. Todestages des heiligen Bonifazius wurde Abends ein Feuer werk abgebrannt. Dabei entzündeten sich die beiden Thürme des Domes. Der eine Thurm ist ausgebrannt; die Glocken sind geschmolzen. Der Fuld'aer Dom ist im Anfang des 18. JahrHunderts nach dem Muster der Peterskirche in Rom erbaut worden; seine Vorderseite schmückten die zwei, jetzt von dem Brande betroffenen Thürme von 57 Meier Hohe. Wiesbaden. DaS Kurhotel und Badehaus Romerbad wurde für 1,050,000 Mark von den Hotelbesitzern Gebrüder Beckel angekauft. Jßvovitxi 'Pontmcvtu Stettin. Der Segler Neptun" aus Pommern, auf der Fahrt von Riga nach Hamburg begriffen, stran dete im Nordoststurm total; die Besatzung ist ertrunken. B e l g a r d. Dahier ist die Vier brauere: und Spmtussabrtk von Nöske & Kittelmann infolge einer Explosion, die durch Selbstentzündung entstand, niedergebrannt. Mehrere Personen trugen Brandwunden davon. Provinz VoTctu V o s e n. Auf einem Berliner Bahnhöfe erschoß sich der Medizinal rath Dr. Toporski aus Posen. L i s s a. Neulich gingen schwere Gewitter in der Umgegend nieder. In Groß-Tworsewitz fuhr em Blitz in einen Strohschober, unter dem neun Feldarbeiter Zuflucht bor dem Gewit ter gesucht hatten. Der Strohschober ward entzündet, zwei Feldarbeiter wurden durch den Blitzstrahl getodtet. die ubngen schwer verletzt. Jvcviti GNpreuston. A l l e n st e i n. Regierungsrath Llstmann von der Regierung zu Kas sel, Dezernent für Handwerker- und Gewerbeangelegenheiten, ist an die neuerrichtete königliche Regierung in Allenstein berufen worden. Gumbinnen. In einem Gefechte am Zusammenflusse deö Goab und des Kuischflusses. Deutsch-Süd Westafrika, ist der Sergeant Albert Schaefer, geb. 1877, in Kaukeynellen gefallen. proVtnz Mestprouon. Deutsch-Krone. Die Landdank in Berlin erwarb von dem Rit tergutsbesitzer Albert Richter das Gu Eckartsberge und verkaufte es an den Rittergutsbesitzer Fritz Körber zu Sku bzizewo.
Aus der Welt der Technik. Der bunt geäderte und von zahlrei-
chen hellleuchtenden Stellen durchsetzte Marmor verdankt häufig seme Schon heit nicht etwa der Natur, sondern der kunstlichen Färbung von Menschenhand. An diesem Verfahren ist auch nichts auszusetzen, sofern die rn den feinen Sprüngen des Marmors eingelagerten Farbstoffe anorgar.l scher Natur sind und ihre Färbekraft dauernd beibehalten. Die Färbung fallt um so günstiger aus, je leichter die Farblosungen in den Stem emzudringen vermögen. Denn seine Risse und Sprünge, die den Farbstoff aufnehmen, sind sehr fein. Erreicht wird 'dies nach einem neuen Verfahren dadurch, daß man den Marmor zunächst in eine ungefärbte, leicht verdunstbare Flüssigkeit wic Aether, Benzin oder Alkohol eintaucht und sich m ihr vollsaugen laßt. Dann wird das Werkstück herausgehoben und in Farblosungen eingebracht. Als solche kommen Metallsalzlösungen wie chromsaures Kali, Blutlaugensalz, Mangansalze usw. in Betracht. Durch schwache Erhitzung der Farblosungen treibt man nunmehr die leichtflüchtigen Stoffe alljährlich heraus. Dort, wo sie gesessen haben, schaffen sie für die Farblösung Platz. Die letztere dringt daher energisch nach und setzt Niederschläge von Metallverbindungen m den Sprüngen ab. Dieses Farbeverfahren läßt sich selbst zur Durchfärbung sehr dichten Marmors und anderer Gesteine verwenden. Um mehrere Farben einzubringen, wiederholt man die Arbeit und trocknet nach jedem Durchfarben eme Zeitlang, damit die leicht siedende Flüssigkeit wieder Zutritt zu den Sprüngen hat. Bei jeder Wiederholung ist die Behandlung mit der Farblosung eine kürzere, damit die später einzuflößenden Farben weniger tief emdrmgen. , Schlau. Kellermeister: Ich habe gestern einen zehnjährigen Mosel mit emem sunfiahrigen verschnitten. Als was soll ich ihn nun in den Handel geben?!" Weingroßhändler: Nu. das ist doch sehr einfach: als .sunszehnjährigen!" Fein ausgedruckt. Jüngling: O, mein Fräulein,! ich liebe Sie ganz anonym!" Dame: Was sagen Sie, anonym?" - eVifntMttrt Wirn in rtnmtnln?. 3 o " Idealer Genuß. Backfisch: Ach! Heute habe ich bei Commerzienraths so vorzügliches Eis gegessen wie noch nie!" Vater: So! Was war denn an diesem Eise so besonderes daran?" Backfisch: Oh! Es stellte näm. lich zwei Täubchen dar, die sich schnabelten!" Schmutziges und abgetretenesLinoleumist zunächst mit Seifenwasser gut zu waschen.' Nach dem Trocknen trage man mit einem weichen Läppchen eine Wichse auf, die aus erwärmtem Terpentin - Spiritus besteht, dem man bis zur Dickflüssigkeit gelbes Wachs zugesetzt hat. Größte Vorsicht wegen Feuersgefahr! Derartig behandeltes Linoleum muß vor Ingebrauchnahme ein bis zwei Tage trocknen. KopfsalatimWinter. Um Kopfsalat im Winter zu haben, werden die Samen Anfangs August auf ein abgeerntetes Mistbeet gesät. Ansangö September werden die jungen Pflanzen sodann auf ein recht geschützteö Beet im Freien angepflanzt. Wenn es anfängt kalt zu werden, wird das Beet mit Brettern eingefaßt und mit Mistbeetfenstern bedeckt, die AnfangS nur während der Nacht, später je nach der Temperatur auch den Tag über liegen bleiben. Später wird daö Beet noch mit Dünger umgeben und beim Eintreten Arkerer Froste verschlossen.
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