Indiana Tribüne, Volume 28, Number 272, Indianapolis, Marion County, 10 July 1905 — Page 7
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Wm&'x von Paul &lutncnveldi I (Fortsetzung.) 22ic standen Sie denn mit dem Sekretär?" fragte der Richter das sehr bübsche, aber nach Berliner Art etwas frech auftretende Hausmädchen. War er nett zu Ihnen?" Sich der!" rief sie wegwerfend, der sah einen ja gar nicht! Wie sollte man mit dem stehen?" Sie wollen sagen, er behandelte Sie hochmüthig?" Gar nicht hat er mich behandelt. Er hatte ja nichts mit mir zu thun! Der sah im Hause blos unsre Damen, ür die hätt' er sich todtschlagen lassen. Aber unsereins?" Als Sie nun hörten, Herr Doktor Weber siehe unter dem Verdacht, das Haus angezündet zu haben was dachten Sie da?" Das ist Unsinn, hab' ich mir ge.dacht!" y Sehr interessant war. was . ' Kucenmädchen aussagte. Ihr war am Iich der Petreleum-Vorrath unterstellt gewesen. Wann hatten Sie zuletzt Petroleum kommen lassen wissen Sie das noch ungefähr?" war sie gefragt worden. . Petroleum ließ die Frau selber kommen, wenn sie sah, daß der BalIon bald leer war." Und war der Ballon erst kürzlich gefüllt worden, bevor Sie abzogen? Vielleicht zufällig auf Anordnung des Doktor Weber?" Ich habe den Herrn Weber in den ganzen drei Jahren nicht in der Küche und nicht in der Vorraths kammer gesehen! Der hat nichts bestellt. Vielleicht wußte er gar nicht, wo das Pe'troleum war. Aber die Frau, die wußte es. Und die hat auch, fr) vielleicht zwei Wochen vorher, als es anfing, früh dunkel zu werden, welches bestellt." Demi glauben Sie also nicht, daß Doktor Weber an der Sache betheiligt ist?" Er müßte es rein für die Frau gethan haben sonst ganz gewiß nicht!" Der Rath sah seinen Spurius" deutlicher aus der Dunkelheit aufleuchten. Er hatte sich, was sehr nahe lag, diejenigen Personen kommen lassen, die unmittelbar vor der Katastrophe mit Weber zusammen gewesen waren, also die sämmtlichen Gäste beim Abschiedsdiner. Der zuerst Vernommene unter diesen war der Bankprokurist Reimers "senior. Sie haben gehört, Herr Reimers, um welche' Beschuldigung es sich hier handelt. Möchten Sle mir Ihre ganz persönliche Ansicht darüber mittheilen?" Gern, Herr Rath. Aber vorher müssen Sie mir gestatten, daß ich ein mich selbst betreffendes Bekenntniß ablege." Der Richter, der fehr wohl erkannte, daß der Prokurist der Berliner Bank nicht an der Brandstiftung betheiligt fein konnte, unterdrückte ein Lächeln und machte eine zustimmende Bewegung. Ich muß mich anklagen," sagt? Herr Reimers, daß ich diesem Herrn Doktor Weber innerlich nie ohne ein, mir selbst unerklärliches Mißtrauen gegenübergestanden habe. Das war gar nicht zu rechtfertigen, ich hab' es mir nach jeder unserer häufigen geschäftlichen Begegnungen immer wieder gesagt. Als ich nun aber von seiner VerHaftung las, Herr, da bin ich gründlich mit mir in's Gericht gegangen. Bis in's Allerkleinste hab" ich mir vergegenwärtigt, wie er sich in diesem und in jenem Falle verhalten ha.t, und ich muß sagen: tadellos korrekt! Um es ganz kurz zusammenzufassen: ich habe seit mehr als drei Jahren viel und oft mit ihm zu thun gehabt und finde in nachträglicher Prüfung, daß er in jedem einzelnen Falle streng und gewissenhaft das Interesse seiner Herrin wa!hrgenommen und daß er in großen wie in kleinen Dingen stets genau so gehandelt hat, wie ich selbst gethan haben würde. Ich hatte einer lächerlichen Voreingenommenheit nachgegeben, wenn ich ihm mißtraute. Ich halte ihn einer schlechten That nicht für fähig." Herr Römpler, der ja ebensowenig wie Reimers - senior und die übrigen Tischgäste irgend etwas über die That selbst zu sagen vermochte, faßte sein Zeugniß dahin zusammen: Doktor Weber hat seit etwa vier Jahren viel bei mir gekauft, was er selbst ausgesucht, und noch mehr bezahlt, was Frau Houston erstanden hatte. Es ist aana und gäbe und ein offenes Geheimniß, daß Leute in der Stellung wie Weber von unsernnem Provisionen bekommen. Dadurch erHöht sich der Kaufpreis nicht, wie er sich auch nicht erniedrigt, wo solche Provision ausfällt. Doktor Weber hat nicht nur keine Promston gefordert, sondern diejenige, die ich ihm wiederholt in sehr diskreter Form anbot 3 wäre heute ein hübscher Posten! höflich, aber entschieden abgelehnt. Ich halte ihn für ewen answndlgen Mtn)qtrL . -Der Baumeister Harms, den die Zer, siörung seines orimellen. Werkes wie la persönlicher Verlust traf, meinte rundweg: über solchen Verdacht gegen Weber sei gar nichts judiökutiren.
Ebenso wie von jenem, konnte man auch von ihm behaupten, daß er die Villa
Houston in Brand gesteckt habe. Der alte Engelhard, der schon seit dem Abend nach der Katastrophe, wo Martha ihn, als sie durch die Zeiwng das Entsetzliche erfuhr, aus der Kneipe holen lassen mußte, kein Spielhaus mehr betreten 'hatte, konnte nur unter Schluchzen Rede stehen. Der Alte war felsenfest von Webers Unschuld überzeugt. Rein! Herr Weber war's nicht! Ganz gewiß nicht! Der ging ja in den Tod für meine Schwester! Wie würde er so etwas thun! Glauben Sie mir. Herr Richter, ich bin ern alter Mann, ich kenne die Menschen : Der ist es nicht gewesen!" Uno dasselbe sagte Martha, wenn auch mit anderen Worten: Herr Doktor Weber hat emen bösen Blick, das ist wahr; aber meiner Tante hatte er kein Leid zugefugt er wäre lieber gestorben.. Und er wußte, daß sie für alles Geld das nicht wieder an schaffen kann, was da zu Grunde gegangen ist." Und zum Schlüsse fuhr es ihr heraus: Der hätte ja die ganze Villa haben können wenn er nur gewollt. Der kann sie nicht m Brand gesteckt haben!" Der letzte dieser Zeuaen war der Rechtsanwalt Reimers. Seine Aussage war die einzige, die eine belastende Einzelheit gegen Weber enthielt: Die Geschichte von Margits Bildniß. Aber gerade, weil der streng ehrenhafte Anwalt hier das erkannte, was man in der Rechtssprache ein Kollidiren der Interessen nennt, gerade weil er sich hier mit dem so schwer Beschuldigten in einem rein persönlichen, rein menschlichen Punkte begegnete, hielt er es für eme heilige Ehrenpflicht, jedes Wort auf die Waage zu legen. -das jenen belasten konnte. Aus seiner Elfersucht heraus durfte kein Tüpfelchen in die Aussage gelangen. Es kam hinzu, daß gewisse Dinge, die Anfangs wie bewußte und in verdächtigender Art ausgesprochene Unwahrheiten erschienen, sich zum -Theil aufgeklart hatten. So war es dem Anwalt inzwischen gelungen, festzustellen, daß Weber in der That am Morgen nach dem Brande verschiedene Telegramme ausgegeben hatte. Man hatte ihm die Originale vorgelegt, um zu erklaren, weshalb die Depeschen nicht an Mrs. Houston, sondern an emen Monsieur Halston oder Holstein oder Houston abgesandt worden waren, oder nach einer Person dieses Namens fragten. Weber hatte, so mußte man sich sagen, in zitternder Erregung geschrieben, bediente sich überHaupt einer hier ungewohnten, amenkanischen Handschrift der Irrthum war begreiflich. Das Bahnamt, bei welchem man nach dem Schnellzuge gefragt, hatte das konfus gefaßte Telegramm nicht verstanden un) auf eine Rückfrage keine Antwort erhalten. Bestehen blieb allerdings der Unterschied in der Zeitangabe, sowie die abweichende Wiedergabe der Aeußerung des Charlottenburger Feuerwehrmannes. Aber das wurde gegenstandslos dadurch, daß Weber vor dem Richter haarscharf die Wahrheit ausgesagt hatte. So würde Reimers nicht ein Wort gegen den Unschuldigen zu sagen gewußt haben, wenn nicht jener zweite Koffer, von dem Hinze gesprochen, und hauptsächlich das Porträt Margits spurlos verschwunden geblieben wäre. Aber Weber hatte auch hier eine Antwort bereit gehabt, die dieses einzige faßbare Bedenken zu Boden schlagen müsse. Es ist richtig." sagte er. daß ich außer dem Handkoffer noch einen zweiten mit fortgenommen habe. Dieser Zweite enthielt das Porträt und einige andere Stücke, auf die Mrs. Houston besonderen Werth legte. Als ihr HausVerwalter und im Besitze ihrer Vollmacht hatte ich das Recht, nicht nur diese, sondern so viel Gegenstände fortzuschaffen. als mir zu retten gelang. Sobald Frau Houston Rechenschaft darüber verlangt, werde ich sie ihr ablegen. Wenn man daraus, daß ich einige Stücke, die mir und meiner Herrin werth waren, in Sicherheit brachte, ein Strafverfahren gegen mich herleiten will ich sel,e ihm ruhig entgegen." Der Richter mußte -sich sagen, daß schließlich nicht ein einziger Verdachtsgründ bestehen geblieben. Natürlich waren auch die Geschehnisse am Nachmittag vor dem Brande Gegenstand sorgfältiger Prüfung gewesen. Die Abreise der .Damen gerade an diesem Abend war ersichtlich seit mehreren Tagen vorbereitet. Frau Houston hatte, bevor sie spät Abends abreiste, von ihrer Bank eine Schlußabrechnung empfangen, hatte alles, was noch an Werthpapieren im Hause war, jener Bank übergeben und zwar in einer Form, die es ihr möglich machte, den Depotschein überall und ohne Schwieriqkeiten g gen Saar umzusetzen. Sie hatte ihre gesummten Schmucksachen aus dem Hause entfernt. Alles Dienstpersonal' das direkt in der Villa wohnte, war entlassen worden und zwar derai . daß fast mit der Stunde der Abreis Ntf mand außer Weber im Hause verlieb. Und endlich hatte Mrs. Houston ein gewiß auffälliges Vorgehen! keine Adresse zurückgelassen, mit Ausnahme der Angabe, daß sie im Hotel Savoy wohnen würde wenn sie nach New Nork käme. Und fünf Stunden nachdem diese Frau unter solchen Vorkehrungen ihr Haus verlassen hatte, stand eS in hellen Flammen. Wenn also, was der Land gerichtsrath noch für höchst zweifelhaft hielt, Weber überhaupt an dem Verbre chen. betheiligt war, so .hatteer sicher
r S rius" , des Untersuchungsrichters von Anfang an hingewiesen. Frau Houston war, wenn nicht die Thäterin, so doch die intellektuelle" Urheberin des Verbrechens. Von ihr war es ausgegangen und in ihrem Interesse war es geschehen. Ob und wie weit Weber sich dazu hergegeben hatte, den lange vorbedachten Plan seiner Herrin auszuführen, das würde man von Niemandem anders als von ihm selbst erfahren könren. Fast alle Zeugen stimmten darin ubereln. daß Weber jeden Opfers für seine Gebieterin fähig war. Manche Andeutung ließ fchließen, daß es sich hie? um mehr als um treues Dienerthum handelte. Andererseits wurde allgemein betont, wie auz-ordentlich korrekt Weber sich bei de? Zerhandlungen am Taae vor dem Ärande benommen,und wie er Bedenken getragen habe, die Feuerversicherungspolice aus den Handen zu ceben. bevor nicht über den aus dem Hause entfernten Schmuck ein Vermerk auf ihr angebracht war. Sein Verhalten wies auf seine Unschuld, die Nebenumstande deuteten vielleicht auf seine Theilnahme hin die ganze Sachläge aber schien dem Untersuchungsrichter förmlich zuzuschreien: Die Hauptschuldige ist Emma Houston!" Zu dieser seiner Auffassung hatte der Landgerichtsrath auch den Staatsan walt zu bekehren gewußt. Das war ein jüngerer Herr, dem ein recht sensationeller Fall nicht unerwünscht käme. Gegen diesen Sekretär" vorzugehen. gegen eine immerhin untergeordnete Persönlichkeit von einigermaßen obskurem Vorleben, das, hatte wenig Verlockendes für den Herrn Staatsanwalt, der überdies sehr wohl wußte, auf wie schwachen Fußen eme Anklage gegen Weber stehen würde. Aber gegen die reiche Besitzerin der Villa Houston gegen eine Frau einzuschreiten, di? Schmuck im Werthe von 142.000 Mark besitzt und die in ihrer Handtasche Pa piere im Werthe von rund eine? Million Mark spazieren führte, das konnte ein Schlager" werden, ein Prozeß, durch den man oben" auf sich aufmerksam machte. Der Staatsanwalt acceptirte also nicht ungern die Meinung des erfahrenen Untersuchungsrichters. Ei fand auch dessen weiteren Aktionsplan ganz vortrefflich. Man wurde diesen Herrn Weber, wenn man doch nichts aus ihm herausbekäme, auf freien Fuß setzen würde ihn aber auf Schritt und Tritt von einigen ausgesuchten, mit allen Hunden gehetzten Detektivs beobachten lassen, würde seine Korrespondenz, seinen Verkehr überwachen und ihn in dem Augenblick von Neuem verhaften, wo nur das geringste Zeichen annehmen ließ, daß er entweder sich aus dem Staube machen oder auch nur irgendwelche Spuren zu verwischen suchen wollte. Heute hatte sich der Untersuchungsrichter den Angeschuldigten vorführen lassen. Weber hielt sich tadellos. Kein Zug an ihm, in diesem ehernen, verschlossenen Gesicht verrieth, was in dem Mann vorging. Er schien weder besonders vorsichtig, noch vergaß er, daß er unter schwerem Verdacht stand. War er der Brandstifter, so sagte sich der Richter, als der Mann jetzt wieder vor ihm stand in seiner ausrechten und doch nicht herausfordernden Haltung, mit seinem zwar stechenden aber nicht unfreien Blick, mit seinem festverschlossenen Munde und seiner Art, den Kopf zu tragen war dies ein Verbrecher, fo durste man ihn als ein Genie in seinem Fache bezeichnen. Der Rath hieß ihn Platz nehmen. Er selbst, der Richter, war von bescheidener Gestalt; er sah nicht gern zu denen hinauf, mit denen er verhandelte. Sie werden mir zugeben, Herr Weber, daß ich Sie loyal behandelt habe." begann der Landgerichtsrath. Da sollten Sie mir's auch nicht allzu schwer machen! Natürlich aus Gefälligkeit für mich werden Sie nichts einräumen, das weiß ich wohl. Aber vielleicht thäten Sie's aus Gefälligkeit für Jemanden anders?" Weber schien ihn nicht zu verstehen. Wollte man bei ihm etwa mit dem alten Kriminalistenkniff - wirken, sich auf Entdeckungen zu berufen, die man gemacht hatte? Wollte man ihm von Mitschuldigen erzählen, die gar nicht existirten? Es war fast Mitleid in dem Bljck, mit dem er den Richter ansah. Nehmen Sie doch einmal an, der Verdacht der Thäterschaft hätte sich neuerdings auch auf eine zweite Person ausgedehnt. Hätten Sie mir in diesem Falle nichts zu sagen?" Nein, Herr Landgerichtsrath 'schon deshalb nicht, weil ich an gar keine Thäterschaft' in dieser Sache glaube!" Natürlich! Sie bestreiten, daß eine Brandstiftung vorliegt. Wenn ich Ihnen nun aber sage, daß die That an sich, das heißt dieBrandstiftung nahezu unwiderleglich bewiesen ist?" Dann wissen Sie auch," versetzte Weber mit unerschütterlicher Sicherheit, wen Sie sür diese That verantwortlich zu machen haben." Nun, ich für meine Person glaube das ganz bestimmt zu Toissen. Und eben deshalb richte ich an Sie .die eindringliche Frage, ob Sie nicht vielleicht Grund hätten, jene Person zu schonen." Sie bemühen sich ganz umsonst, Herr Rath. Ich glaube fest an eine natürliche Entstehung deö Brandes ich kenne Niemanden, den ich für schuldig halten dürfte, auch wenn ich eine Brandstiftung für möglich hielte ich wüßte endlich NiemanSm. .den ich zu
im Auftrage oder doch in vollem Ein Verständniß der Frau Houston gehan delt. Auf diesen Wea hatte der Spu
fchonen Ursache hätte. Es ist schade um Ihre Mühe." Vielleicht doch nicht," beharrte der Richter. Gewisse, steh immer aufdringlicher bemerkbar machende Umstände weisen darauf hin, daß daß Frau Houston der Sache nicht fern steht." Ein böses, grimmiges Lächeln flog über das bis dahin fast unbewegliche Gesicht Webers. Beinahe fah es aus, als ob ihm diese unvermuthete Wendung der Dinge Vergnügen bereite. Der Richter memte, er habe emen Kernschuß gethan. Es war zum erstenmal in diesen vier Wochen, daß er überHaupt Eindruck gemacht hatte auf den Verdächtigen. Allerdings, entsprach dieser Eindruck zunächst ganz und gar nicht seinem Gedankengang. Weber schien freilich sagen zu wollen: Der würde ick's aönnen!" Aber er. .fertig, hatte jenen ja bei seinen besseren Empfindungen für . Mrs. Houston packen, nicht etwaige Rachegelüste in ihm aufstacheln wollen. Immerhin, da war ein schwacher Punkt ein Angriffspunkt. Und der Richter setzte von Neuem ein: Je weniger wir von Ihnen ersahren, um so mehr sehen wir uns gen'öthigt, auch nach jener Seite hin vorzugehen." Frau Houston ist in New tyoxl im Savoy-Hotel," sagte Weber mit einer gewissen Ungeduld. Vielleicht liefert man sie Ihnen aus auf die Verdachtsgründe hin, die Sie gegen sie geltend machen können." Wenn je in seinem Leben, so that der gewiegte Untersuchungsrichter in diesem Augenblick einen gewaltigen Fehlschuß. Dieses sardonische Lacheln vorher," so sagte sich Herr Herrig. hat nicht der Frau Houston gegolten sondern mir, den er hinter's Licht fülren wollte! Und da er dieselbe Adresse angibt, die wir ohnehin kennen da er sie ungefragt angibt, fo weiß er eine andere Adresse der Dame und wird nicht säumen, sich mit ihr in Verbindung jju setzen, sobald er wieder in Freiheit ist." Und laut erklärte er dem Gefangenen eine Unwahrheit: Die erforderlichen Schritte sind bereits eingeleitet." Ein Glück für Weber, daß der Richter sich eben, vielleicht, weil er sich der Lüge schämte, in die' Akten vertiefte. Sonst hätte Herr Herriq in diesem Augenblick von dem Gesicht des Delinquenten lesen können, daß jener ihn für einen Dummkopf hielt. Ueber den Verbleib Ihres zweiten Koffers und des Bildes sind Sie auch nicht xewillt, mir Aufklärungen zu geben?" begann er von Neuem. Es thut mir leid, Herr Rath, aber das Bild wird schwerlich früher wieder auftauchen, als bis die Eigenthümerin es von mir zurückfordert. Und was sonst in dem Koffer ist nun, ich hatte wenige Stunden vor Ausbruch des Brandes Werthgegenstände im Betrage von einer halben Million in meinen Händen. Wenn - ich zugreifen wollte, hatte ich's bequem. Ich sollte geschützt sein gegen die Annahme, als habe ich nun gerade aus dem 'brennenden Hause werthvolle Dinge entfernt, die ich vorher haben konnte, ohne mir die Finger zu verbrennen!" Eme Stunde später verließ .Doktor Wilhelm Weber, sein elegantes Kofferchen in der Hand, als freier Mann das rothe Haus in Moabit. Er wußte es nicht, aber er hielt es für selbstverständlich, daß jeder seiner Schritte streng bewacht wurde. Nun, er wollte es der Polizei leicht machen, wollte nicht in ein großes Hotel gehen, sondern in ein bekanntes amerikanisches Boarding House, das die armen Geheimpolizisten leichter überwachen könnten. In der Neuen Wilhelmstraße befand sich solch eine Pension; dort wohnten nur Amerikaner, zumeist Sportsleute. Es konnte nicht auffallen, daß er. der die Hälfte feines Lebens drüben" zugebracht hatte. Kreise aufsuchte, in denen er sich heimisch fühlte. Er nahm eine Droschke und fuhr zu Steward Gill, dem Herbergsvater aller englisch sprechenden Leute vom Turf. Aber er hatte das Haus zu unglücklicher Stunde betreten. Es war Lunchzeit und ihn verlangte nach vierwöchentlichem Fasten nach einer kräftigen, ausgiebigen Mahlzeit. So eilte er, naazdem er flüchtig in seinem Zimmer Toileite gemacht, in den Dining-Room." Man hatte zum Theil schon gespeist, die meisten der Gäste schickten sich zum Fortgehen an. Nur oben am Tische saß noch eine Gruppe von fünf Herren. Stock-Amerikaner, wie er sofort erkannte. Die Leute vollführten einen ungewöhnlichen Lärm. Am meisten schrie und tobte einer, den die andern Jim nannten ein Mann von etwa fünfundvicrzig Jahren, glatt rasirt, mit stark geröthetem Gesicht, aus dem jetzt die wasserblaucn Augen zornfunkelnd Keraussvrübten. (Fortsetzung folgt.) 'Wf i Wollte in' ö Gefängn i ß. Der 17jährige Zwangszögling Johann Steinbrech war innerhalb dreier Monate siebenmal aus der Erziehungsanstalt Klein-Zimmern, Hessen. entflohen. Um nicht mehr in die verhaßte Anstalt zu kommen, beschuldigte er sich, in Mainz mehrere Diebstähle verübt zu haben. Die Strafkammer mußte ihm seine Unschuld förmlich nachweisen. Er war aber nicht davon abzubringen, daß er gestöhlen habe. Er wurde fteigesprochen und kam in die Erziehungsanstalt nach Bonn.
Die Macht der Tonkunst. Der Komponist Georg Benda, um'S Jahr 1773 Kapellmeister in Gotha, war ein ebenso talentvoller Musiker wie schrullenbehasteter Mensch, immer zerstreut, weil vertieft in seine Kunst. Er komponirte eine Oper Romeo und Julia," deren Text der gleichfalls in Gotha wohnende Dichter Friedrich Wilhelm Gotter verfaßt hatte. Eine Arie, die er spät in der Nacht in Mu. sik setzte, gelang ihm so gut, daß er selbst ganz begeistert davon wurde. In solchem Zustande von Verzückung lief er mit der Komposition um zwei Uhr Nachts aus dem Hause und durch die dunklen Straßen direkt nach Gotters Wohnung. Er pochte heftig an die Hausthür. Nach einer Weile öffnete Gotter oben ein Fenster und neigte sich aus demselben. Wer klopft?" Ich, lieber Freund!" Sie, bester Benda? Was wünschen Sie denn?" Ihnen eine Arie aus unserer Oper vorzusingen, die mir brillant gelungen ist." Aber hätte das nicht Zeit gehab! bis morgen?" Nein, nein! So lange sollen Sie darauf nicht warten. Bitte, öffnen Sie die Hausthür!" Die Hausthür wurde aber nicht geöffnet, und nach einigen Minuten steckte Gotter wieder feinen Kopf oben aus dem Fenster. Jch vermag leider nicht zu öffnen, denn ich kann den Hausschlüssel nicht finden." Dann ist's auch einerlei," meinte Benda. Bitte, bleiben Sie da oben am Fenster. Ich werde Ihnen die Arie vorsingen." Und der Komponist, begann zu singen. Da nahte sich ein Nachtwächter. Das Singen auf der Straße und jeder andere ruhestörende Lärm bei Nachtzeit ist strenge verboten," rief er. Lassen Sie mich in Ruhe und hören Sie zu." Es darf nicht sein, Herr Kapellmeister." Da haben Sie ein Zehngroschen stück." Das lasse ich mir schon gefallen. Ich will nichts hören, werde mir beide Ohren zuhalten." Nein, thun Sie das nicht! Im Gegentheil, hören Sie mit Andacht zu." Benda sang nun ohne Störung die Arie zu Ende. Herrlich, herrlich!" rief oben entzückt der Dichter und klatschte in die Hände. Bravo! Bravissimo!" Ja, das Lied ist sehr schön und rührend," sagte der Nachtwächter. Bei Ihrem Singen sind mir die Thränen in die Augen gekommen. Und ich sollte von Ihnen Geld annehmen? Pfui, da müßte ich mich ja vor mir selbst schämen. Da haben Sie Ihr Zehngroscheustllck zurück!" Das ist die Macht Ihrer Tonlunst!" rief Gotter. Selbst den grimmigen Nachtwächter bezwingm, besänftigen und zähmen Sie dadurch, Sie neuer Orpheus!" Nun wollte Benda wieder nach Hause gehen. Der Nachtwächter schritt mit der Laterne hinter ihm her, und als er bemerkte, wie der stets zerstreute Kapellmeister an die verschlossene Thür eines Hauses pochte, rief er: He, wo wollen Sie denn hin?" In meine Wobnung will ich natürlich." Da wohnen Sie ja jetzt gar nicht mehr." Wahrhaftig, das ist richtig. Aber vor zwei Jahren habe ich doch in diesem Hause gewohnt. Ja, wo zum Henker wohne ich denn jetzt eigentlich?" Zum Glück weiß ich es," sagte der biedere Nachtwächter. Kommen Sie nur mit mir." Und er brachte ihn nach der richtigen
Wohnung. Die Oper Romeo und Julia" fand später viel Beifall. Einzelne Arien daraus, wie zum Beispiel Meinen Romeo zu sehen" und andere, wurden damals überall in ganz Deutschland gesungen, so beliebt waren sie bei dem sanges kundigen Publikum. Schreckensthat eines Irrsinnigen. In Sroßblitersdorf, Elsaß, verletzte ein aus der Irrenanstalt entwichener Irrsinniger seine Frau, die ihn nach der Anstalt zurückbringen wollte, schwer durch Messerstiche und ertränkte sich darauf. Pastor als Bürgermeist e r. In einer Stadtverordnetensitzung zu Juliusburg. PreußischSchlesien, wurde an Stelle des ausscheidenden Bürgermeisters Schwarz der emeritirte Pastor Dr. jur. Steffen auö Potsdam von 63 Bewerbern mit großer Majorität zum Stadtoberhaupt gewählt. Die Nase abgescknitten In Krems, Niederösierreich. diktirte der Rechnungsbeamte des BezirksarmenratheS, Scheidler, dem Infassen des Armenhauses, Josef Jung, einem als gewaltthätig gefürohteien Burschen, wegen eines Verstoßes gegen die Hausordnung Hausarrest. Darüber gerieth der Disziplinirte in solche Wuth, daß er einen Sessel zertrümmerte und mit einem Beine desselben auf den Beamten losschlug. AIS dieser ihm das Holzstück entreißen wollte, zog Jung sein Rebmesser und schnitt Schetdfo mit einem Schnitte die Nase an der Wurzel ab. Scheidler wurde in das Krankenhaus gebracht.
Seuer - Signale.
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Der 27jährige Kaufmann Nau' dorf in Freiberg, Sachsen, über dessen Vermögen der Konkurs eröffnet worden war, versuchte an einem Morgen seiner 22 Jahre alten Ehefrau die Kehle zu durchschneiden. Vor der That hatte er den Gashahn aufgedreht. Die Frau erwach '.e jedoch noch rechtzeitig und schrie ..m Hilfe. Sie erlitt eine Verletzung am Halse. Den Angreifer, der auf ihrer Brust kniete, konnte s zurückstoßen. Be: dem sich entspinnenden Kampfe verletzte sich dieser mit dem Messer an bei cnd. Als Nachbarn herbeieilten, flüchtete er sich in einen Schrank, um dann nach dem Krankenhause übergefübrt zu werden, o er verstarb. Die TooeSursache war Herzschlag. Naundorf litt bereits seit langerer Zeit an der Celbsucht.
