Indiana Tribüne, Volume 28, Number 272, Indianapolis, Marion County, 10 July 1905 — Page 6
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Jndiana Tribüne, I. Juli 1905
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Europäische Nachrichten.
Hesterreicy Ungarn. Wien. Der älteste Leibkammerdiener des Kaisers, Josef Hornung, ist im 91. Lebensjahre gestorben. Er erlag den Folgen der Verletzungen, die er erlitten hat, als er von einem Fleischerwagen niedergestoßen und überfahren wurde. Lm - Hause Koppstrafte No. 56 in Ottakring wurde in der Wohnung seiner Eltern ein neun Monate altes Kind todt aufgefunden und die eingeleiteten Erhebungen ergaben, daß das Kind von seinem eigenen Vater durch Ersticken getödtet worden war. In dem bezeichneten Hause wohnt der Arbeiter Alezander Huber. Sein neun Monate altes Kind siläft jede Nacht in einem Waschtrog, da es an einem Bett für das Kind mangelt. Letztens begann das Kind heftig zu schreien und zu weinen. Huber nahm das Kind aus dem improvistrten Bett, um es zu beruhigen, und warf es dann, als es nicht zu schreien aufhörte, wieder auf seine Lagerstätte zurück. Dabei fiel das Kind mit dem Kopfe an die harte Kante und begann noch mehr zu weinen. Nun legte Huber dem Kinde ein schweres Kissen auf das Gesicht, nd das Kind fand den Tod durch Ersticken. Später wurde die kleine Leiche von Nachbarn aufgefunden.AlexanderHuber ist flüchtig. Der Professor der experimentellen Pathologie an der hiesigen Universität, Dr. Samuel Ritter v. Basch, ist im 63. Lebensjahre gestorben. E g e r. Beide Beine abgefahren wurden auf dem hiesigen Gemeinschaftsbahnhofe dem - 44jährigen Bahnbediensteten der bayerischen Staatsbahn, Adam Walter, beim Nangiren. Der Unglückliche erlag bald darauf seinen Qualen. Er hinterläßt eine Wittwe und sechs unversorgte Kinder. H i r s ch b e r g. Nach langer schwerer Krankheit ist hier Franz Paw, Professor an der Grazer Handelsakademie. im 23. Lebensjahre gestorben. Die Leiche wurde nach Dauba überführt und dort bestattet. Karlsbad. Dieser Tage beging Rath Dr. Hans Pleschner mit seiner Gemahlin die silberne Hochzeit. Kürzlich verschied hier im 92. Lebensjähre der Wundarzt Karl Glaser. Bis zum Jahre 1889 versah er den Dienst eines Stadt-, Wund- und Armenarztes. Am 11. November 1885 feierte er sein 50jähriges Jubiläum als Arzt. Niederreut h. Der hier wohnende 69jährige Weber Gemeinhardt hat mit seinen beiden Töchtern sein Wohnhaus verlassen und hat mit ihnen Selbstmord verübt. Das WohnHaus sollte demnächst gerichtlich versteigert werden. Darüber waren der Greis und seine beiden Töchter sehr niedergeschlagen. Prag. Kürzlich wollte der 40 Jahre alte Arbeiter Fr. Hocke aus NK. 49 5 beim Karolinenthaler Hafen ausruhen. Er schwang sich auf das Geländer, welches die Brüstung der Ufergasse abschließt, um sich darauf niederzusejen. Allein er hatte seinen Rausch unberücksichtigt gelassen, den er sich zuvor angetrunken hatte. So kam es, daß er das Gleichgewicht verlor und vom Geländer auf die 4 Meter tiefer liegende Hafenrampe hinabstürzte, wo er mit zerschmettertem Schädel todt liegen blieb. Die Leiche wurde in das pathologische Institut geschafft. R u m b u r g. Ein Raubmordversuch wurde an dem 63 Jahre alten Landwirth Alois Lumpe verübt. Er hatte eine Kuh verkauft, wovon der erst dieser Tage aus der Strafanstalt entlassene 23 Jahre alte Bürstenbinder Neugebauer zufällig Kenntniß erlangt hatte. Neugebauer wollte dieses Geld stehlen, wurde aber von dem heimkehrenden Eigenthümer überrascht. Der ertappte Dieb schlug sofort mit einer Hacke, dann mit einer Sense und einem Beil auf Lumpe ein und verletzte ihn schwer am Kopfe und den Armen. Der Thäter ist flüchtig. N 0 s ch n a ii; Die 24jährige, nach Zubrzi zuständige Taglöhnerin Iranziska Spetka ist von der Gendarmerie verhaftet und dem hiesigen Bezirksgerichte eingeliefert worden, weil sie ihr Kind gleich nach der Geburt erdrosselte. Luxemburg. Luxemburg. Im Alter von 51 Jahren seiner zahlreichen Familie entrissen wurde der Postbeamte Math. Eiffes, ein Muster genauer Pflichterfüllung und nie versagender Zuvorkommenheit. Differdingen. Das zweijährige Söhnchen des Arbeiters G. Flick fiel in der Küche in eine Wasch, bütte und ehe die mit Wäscheaufhängen beschäftigte Mutter es bemerkte, war es ertrunken. Grevenmacher. Hier verschied nach kurzer Krankheit im Alter von 60 Jahren unser beliebte Gendarme-rie-Wachtmeister I. N. Neding. Hol l er ich. Zu Gasperherberg würde der 63jährige Wagenbauer Franz G.. der in den letzten Jahren etwas trübsinnig geworden war, von seiner Tochter auf dem Speicher an einem Balken erhängt aufgefunden. TcovnxA ?3randen0ura. Berlin. Der ordentliche Professor n der hiesigen Universität, Geheimer nLA..4.4& CTn sTsVr v"knrrr foT vUlHi,t iwti i
Nachfolger von Helmholtz, ist' zum Präsidenten der Physikalisch - Technischen Reichsanstalt ernannt worden. Kürzlich verletzte der 31 Jahre alte Arbeiter Robert Woyke vor dem Hause Thurmstraße 54 seine 23 Jahre alte Ehefrau durch einen Revolverschuß im Gesicht und versuchte darauf, sich selbst durch einen Schuß in den Kopf zu tödten. Der Schwerverletzte wurde von Vorübergehenden nach dem Krankenhause Moabit gebracht, während die Frau auf derUnfallstation einen Verband erhielt. Ehelicher Unfriede soll die Veranlassung zur That gewesen sein. Vor einiger Zeit brach der 24 Jahre alte Postbote Adolf Binde aus der Mariendorferstraße 19. der in der letzten Zeit einige Anfälle von Athemnoth gehabt hatte, auf dem Wege zum Dienste an der Ecke der Bellealliancestraße m ' des Tempelhofer Ufers plötzlich zus. -nrnen. Zwei Eollegen trugen ihn n der nahegelegenen Unfallstation 1, wo er nach kurzer Zeit starb. Der Verstorbene wollte demnächst seine Hochzeit seiern. Das physikalische Kabinett des bekannten Experimentators Professors Amberg von hier ist vom preußischen Staat käuflich erworben worden. Dieser Tage starb hier, 81 Jahre alt, Prof. Dr. Bruno Brückner, der früher als Mitglied des Oberkirchenraths, als Generalsuperintendent und Probst von .hier und als Professor der Theologie großen Einfluß in der Landeskirche ausübte. Er stammte aus dem Königreich Sachsen. In seiner im Erdgeschoß eines Hauses in der Straußberger Str. befindlichen Wohnung wurde der 63 Jahre alte Almosenempfänger Julius Salz von Hausbewohnern erhängt aufgefunden. Der Grund zur That dürfte in LebensÜberdruß infolge Krankheit zu suchen fein. Salz war seit 17 Jahren erblindet und litt auch an Rheumatismus. An der hiesigen akademischen Hochschule für die bildenden Künste sind die Herren Oswald Kühn, WilHelm Herwarth und Peter Breuer zu ordentlichen Professoren ernannt worden. Kühn leitet schon seit 1879 den Unterricht in der Klasse für Ornamentzeichen und dekorative Architektur, Maler Herwarth ist Hilfslehrer feit 1886 und Prof. Breuer wirkt feit 1892 als Hilfslehrer für den BildHaueraktsaal. Pots dam. Der als Numismatiker und historischer Schriftsteller - bekanntgewordene frühere hiesige Fleischermeister Julius Lange ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Charlottenburg. Der Musikschriftsteller Max Steuer ist nach schweren Krankenlager im fast vollendetem 57. Lebensjahre Hierselbst gestorben. Ein geborener Schlester, widmete er sich zunächst Itm Buchhandel und erhielt hierbei die ersten Anregungen zu literarischen und musikgeschichtlichen Studien. Bald gab er seinen Beruf ganz auf und ging zur musikkritischen Thätigkeit über. Frieden au. Von einem bebäuerlichen Unfall wurde der Bureaudiener Dau betroffen, der seit dreißig Jahren bei derGroßen Berliner Straßenbahn angestellt ist. Er war bei Verwandten in Berlin gewesen und kehrte sehr spät nach Hause zurück. Als er den hiesigen Bahnhof verlassen , ,,, t. n; -i- S.!
rooule, glitt er aus uno iiurzie uiz Treppe nach dem Tunnel hinunter. Der Verunglückte vermochte sich noch allein zu erheben und begab sich zu einem in der Nahe wohnenden Arzt, der äußere Verletzungen nicht feststellen konnte. Dau suchte sodann seine Wohnung auf. wo er kurz nach seiner Ankunft anscheinend an innerer Verblutung starb. Prenzlau. Vor einiger Zeit überfuhr ein Zug kurz vor der hiesigen Station das Fuhrwerk des Besitzers Lucht aus Weggun. Dem Führer wurden beide Beine unterm Knie abgefahren, er ist nach kurzer Zeit gestorben; die anderen Insassen sind schwer verletzt. Das Pferd blieb unbeschädigt. Rathenow. Letztens wurde der Weichensteller Wilhelm Ranke auf dem hiesigen Bahnhofe beim Rangirdienste überfahren und sofort getödtet. Steglitz. Durch Selbstmord geendet hat der hiesige Polizeiwachtmeister Schließe, eine im ganzen Orte bekannte Persönlichkeit. Er hat sich in einem Nebenraume der Polizeiwache mit seinem Dienstrevolver in dieSchläfe geschossen und war sofort todt. Ein schweres Nervenleiden hatte ihm, der als pflichttreuer und beliebter Beamter geschätzt war, die todtbringende Waffe in die Hand gedrückt. Provinz Hstpreußen. Königsberg. Das Fest der goldenen Hochzeit beging der Rentier Franz Rnck mit seiner Gattin. Der Festtag begann mit einem Ständchen des Sängervereins Thalia, dem eine große Zahl von Gratulationen folgten. Später fand die Einsegnung m der Neuroßgärte? Kirche statt, wobei Pfarrer Gundel die Ehejubiläumsmedaille überreichte. Besinnungslos aufgefunden wurde in der Schleusenstraße der Arbeiter Vorowski. Der Unfallwagen brachte ihn nach dem städtischen Krankenhause, doch ist er dort gleich nach seiner Einlieserung verstorden. Allenst-ein. Den Tod durch Gasvergiftung fand der Goldarbeitergehilfe Johannes Feind. Der Goldarbeit Lang, bei dem Feind in Ar beit stand, lies in die Küche einen
Gaskocher' aufstellen. Nach der Probe
wurde wohl der Gummischlauch vom Koche entfernt, aber der Hahn vom Gasrohr nicht geschlossen. Aus diesem strömte während der Nacht eine Menge Gas und drang aus der Küche durch eine breite Thürspalte in die Schlafstube des Feind. Dieser muß in der Nacht aufgewacht und aus dem Bett aufgestanden sein, wohl um-das Fenster zu öffnen. Das gelang ihm aber nicht mehr, er fiel nieder und wurde als Leiche gefunden. V r 0 d a u. Vor einiger Zeit brann ten hier die Gehöfte der Besitzer Friedrich Wenzlawski und Bolinski nieder. Die Wohnhäuser und sammtliche Wirthschaftsgebäude mit ihrem Inhalt wurden ein Raub der Flammen. Jäglack. Sechs große Wirthschaftsgebäude des hiesigen Gutes sind ein Raub der Flammen geworden. Nur das Herrenhaus, das Gärtnerhaus und der Speicher sind stehen geblieben. In den Flammen kamen 40 Schafe, alles Jungvieh und zw:i Mastochsen um. Gerettet konnten nur neun Stück Vieh werden. Es liegt Brandstiftuna vor. Lätzen. Im engsten Familienund Verwandtenkreise feierte das Selke'sche Ehepaar in geistiger Frische und verhältnißmäßig guter Rüstigkeit im Alter von 80 und 72 Jahren das Fest der goldenen Hochzeit. M e m e l. Dem hiesigen Vorschullehrer Wilhelm Hown ist der Kronenorden vierter Klasse verliehen worden. Ein fideles Gefängniß scheint das in Middlesbury, Vt., zu sein. In einem Prozesse gegen Henry McCormack, welcher angeklagt war, aus dem genannten Gefängnisse, woselbst er in Erwartung eines Prozesses wegen Fälschung geweilt hatte, ausgebrochen zu sein, wurde durch Zeugenaussagen die Thatsache enthüllt, daß I. W. Ketcham, der Bundesgefangene, welcher wegen seiner Antheilnahme an dem Ruine der Farmers' National Bank von Vergennes zu sieben Iahren Gefängniß verurtheilt worden war, in der genannten Anstalt die Vergünstigung gewährt wurde, als Unterschließer zu fungiren, daß er als solcher die Gefängnißschlüssel benützen durfte, und daß ihm sogar der sonst in 'derartigen Anstalten ungebräuchliche Luxus eines Kammerdieners eingeräumt worden war. McCormack verantwortete sich einfach dahin, daß er nicht aus dem Gefängnisse ausgebrochen sei, sondern daß er die Thüre offen gefunden und einfach Hinausgegangen sei. Ueber eine merkwürdige Geldsendung wird aus Louisville berichtet: Vor etwa zwei Jahren kam im hiesigen Postamt ein registrirter Brief an, der an den Postmeister adressirt war und $7.15 enthielt. Dem Brief lag kein- Schreiben bei, und Postmeister Baker vermochte trotz aller Bemühungen den Absender nicht festzustellen, noch konnte er sich natürlich erklären, für wen' das Geld be stimmt sein könne. Es meldete sich auch Niemand, und schließlich wurde das Geld an das Generalpostamt in Washington gesandt. Nun begann von dort aus eine Suche nach dem Absender, und dieser Tage empfing Dr. Baker von Washington ein amtliches Schreiben, daß man mit vieler Mühe festgestellt habe, daß der mittlerweile verstorbene Postmeister von Howell in Christian County der Absender des Geldes gewesen zu sein scheine. Der Mann hieß James Edwards, und die Postbehörden haben sich mit seinen Erben in Verbindung gefetzt, um ausfindig zu machen, warum das Geld nach Louisville gesandt wurde und um es eventuell an sie zurückzuzahlen. S aw a M 0 r 0 f 0 w, der russische Wollkönig", der in den letzten Bewegungen eine hervorragende Rolle gespielt hat, ist vor Kurzem im Alter von 44 Jahren gestorben. Er beschäftigte in seinen Etablissements über 70,000 Arbeiter, die er in humanster und freigebigster Weise behandelte. Viel bemerkt wurde seine muthige Haltung gegenüber den Vertretern der russischenAutokratie, denen er als Führer der Liberalen entgegentrat. Zu Beginn des Krieges spendete er hunderttausend Decken für tte mandschurische Armee. Kurz darauf wurde er durch die Mittheilung überrascht, er könne die Decken billig zurückkaufen. Die Beamten der Militär -Admini-stration hatten sie für sich zurllckbehalten und wollten sie durch ZwischenHändler zu Geld machen. Von nun an betheiligte sich Morosow an keiner Veranstaltung für Kriegszwecke. Vom Großfürsien Sergius zur Rede gestellt, erwiderte er ihm unumwunden, von den Spenden bekommen die Soldaten nichts. Als auch Trepow's Intervention sich als vergeblich erwies, übergab ihm der General einen Paß mit dem Bemerken, er solle freiwillig in's Ausland gehen, da seine Haltung illoyal sei. Morosow antwortete mit der Drohung, daß er seine Fabriken sperren lassen werde. Man ließ ihn unbehelligt. Der Verstorbene gehörte zu der Sekte der Altgläubigen, die erst jüngst die Gleichberechtigung erlangten und als bildungsfeindlich galten. Dennoch hatte Morosow das Doktorak der Naturwissenschaften erlangt und war ein durchaus fortschrittlicher Mann.
Heimkehr eines Verirrten
Dort unten liegt im Abendstrahl Mein lieber Heimathort. Vor fahren Grüßt' ich dieses Thal, Wo jetzt ich steh' zum letztenmal. Dann zog ich fröhlich fort. i Durchzog die Welt vom Fels zum Meer, Micd manch verlockend Spiel; Doch warf mich's Schicksal hin und her. Mein Widerstand schwand mehr und mehr Dann taucht' ich ins Gewühl; Trieb mit dem großen Strome brcit. Nach unten hin den Blick; Erlebte manckes mit der Zeit, Hatt' vieles Glück und noch mehr Leid: Jetzt kehr' ich müd' zurück. Dort unten liegt daZ Thal so still' Kein Lärm, kein Streit, nur Ruh ; Lang bin ich friedelos geirrt, Ich wein, dah mir hier Friede wird. Den giebst m:r, Hcimath, du! AufVrobc. Hnmorrske von Lina Rentier. Erika Hoffmann war nie meine spezielle Freundin; aber sie ist meiner Schwester Fanny Liebling, und wenn sie zu uns aus Besuch kommt, so saui mir für gewöhnlich die angenehme Aufgabe zu, sie zu unterhalten eine l 1 onrt : - f7" Xua oer ariigen planieren mein vsiu ster. Und ich fühle mich dann natürlich verpflichtet, mich so angenehm als möglich zu machen. Ich saß in -meinem Zimmer mit Briefschreiben beschäftigt, als es plötzlich an meiner Thür klopfte. Meine liebe Linn," sagte Erika Hoffmann bereintretend, noch ehe ich Zeit gehabt hatte, auf das Klopfen zu , "7 I V Jf. j l antworten, nu mu oocy nocn mcgi beschäftigt, nicht war? Nein? Ich bin so froh, denn ich möchte Dich um Rath fragen." Was gibt's?- fragte ich theilnehmend. Ach!" erwiderte sie unzufrieden, fast zornig aufseufzend, es ist zu ärgerlich! Denk Dir 'mal, übermorgen eine Hochzeit; und ich habe nichts zum Anziehen!" .Aber Dein graues Sammtkleid?" Zu warm; außerdem habe ich es bereits an einem Gesellschaftsabende getragen. Wie unüberlegt, im April zu heirathen," fügte sie verdrießlich hinzu. Zu spät für Winterkleider und zu früh für Sommergarderobe." Und Dein grünes Kleid?" Erni runzelte die Stirne. Ganz aus der Mode. Welch' komische Begriffe ihr Schriftstellerinnen doch in Toilettenfragen habt!" Ich kam mir durchaus nicht komisch vor, vielleicht bloß etwa? eingeschüchtert, und bemerkte leise: Bis jetzt war mir nicht bekannt, daß es aegen den Anstand verstößt, im gleichen Kleid zweimal in derselben Familie zu erscheinen." Es ist schlimmer als unanständig, es ist abgeschmackt," antwortete Erni feierlich. Erst letzte Woche", fuhr sie niedergeschlagen fort, machte die bissige Frau Lotter über mich die Bemerkung, daß sicherlich Eduard an der Börse gespielt habe, weil meine Toilette in der letzten Zeit so altmodisch geworden." Wer hinterbrachte Dir das?" Frau Weber." Wie abscheulich von ihr, das zu wiederholen. Ich glaube, die Leute, welche " Sie zuckte ungeduldig mit den Achseln. Aber sag Du mir, was ich übermorgen tragen soll, Linn; wird es doch eine so noble Hochzeit sein. Natllrlich", nachdenklich, könnte ich mein graues Kleid tragen, aber ich müßte dann ein neues Cape haben, und ich kann mir diesen Luxus nicht gestatten." Line Stunde später gingen wir langsam die Königsstraße hinunter. Neben meiner Freundin kam ich mir selbst etwas schäbig vor, war sie doch gar allerliebst in ihrem Kleid. Wie wir unter der Thüre von Leibbrands Geschäftshaus standen, begegneten wir Frau Lotter, welche eben aus dem Laden trat. Ah, wie geht's?" rief diese überschwänglich. Schon wieder auf der Suche nach einem neuen Kleid? Oh, Sie extravagantes Frauchen! Man sieht Sie doch nie zweimal in derselben Toilette." Nach dem, was ich gehört, überraschte und ärgerte mich diese Falschheit; aber Erni lächelte nur und sagte: Ja. eine Kleinigkeit für übermorqen. Man muß doch bei der Hochzeit der Baroneß Marchthaler anständig gekleidet sein. So viele Leute. Natürlich kommen Sie auch? Nein? Oh, wie schade! Wir hätten uns so gut unterhalten! Ich wünschte nur, Sie kämen. Adieu, Adieu!" Mit diesen Worten segelte sie in den großen Laden hinein mit dem tröstenden Bewußtsein, eine alte Schuld heimbe--zahlt zu haben. Erni begab sich hinauf in den Ausstellungsraum des großen Confektionsgeschäftes und ließ sich nachlässig in einem Fauteuil nieder, während der Kommis davoneilte, um Herrn Leibbrand, den Inhaber, zu rufen. Er pflegte Erni immer selbst zu bedienen, und das verwundert mich nicht. Sie hat eine hübsche Figur und ein einnehmendes Gesicht, und schon vom Standpunkt der Reklame aus muß sie dieses Vorzuges werth sein. Ein Cape, Madame?" sagte er. 5 trt ?A tntife ftlttt wz Ürmii
Xr " -" y g '"" J)N. üier!"
O. entzückend!" rief Ernt. Lassen Sie mich es anprobiren." Sie sah wirklich liebreizend, anmuthig darin aus. Wie theuer ist es?" fragte Erni nachlässig, und in ihrer Dtimme klang ein unangenehm scharfer Ton der Besorqnin. Hundertfünfundvierzig Mark.Madame," antwortete Herr Leibbrand. Sie blickte verdrießlich vor sich hin. O, unmöglich," sagte sie; es ist viel zu viel. Ich wollte höchstens siebzig bis achtzig Mark ausgeben." Herr Leibbrand sah sie erschrocken an. Aber sehen Sie doch, Madame, diese Spitzen Point de Gaze. Die Svitze allein ist fünfundsiebzig Mark wertb." Das schon,", stimmte Erni bei; aber es ist mehr, als ich wirklich ausgeben kann." Einen Augenblick blieb sie nachdenklich stehen, plötzlich huschte ein erlösender Gedanke freudig über ihre Züge. Könnten Sie es mir nicht zur Anprobe zuschicken," sagte sie, ich möchte es meinem Mann zeigen, ehe ich mich entschließe. Er könnte es vielleicht zu auffallend, zu grell in der Farbe finden in dieser Hinsicht ist er etwas eigen." Herr Leibbrand lächelte. Mit Vergnügen würde er es ihr zuschicken, da er doch sicher fei, daß es Madame behalten würde. Es kleide .sie ausgezeichnet. Welch' eine Wohlthat- ein Mann doch hin und wieder sein kann," bemerkte Erni auf der Straße; als ob mein Eduard je sich um dieFarbe meiner Kleider gekümmert hätte." Warum willst Du es ihm dann vorher zeigen?" fragte ich unschuldig. Das will ich doch nicht," antwortete sie, und wir schritten weiter. Zwei Tage nachher trug Erni ihr neues Cape. Es war wirklich reizend, und manch' ein bewundernder Blick folgte ihr, als sie das Schiff der Kirche hinaufschritt. Am Tag 'nach der Hochzeit gingen wir zusammen spazieren, und wie zufällig kamen wir an Leibbrand's Laden vorüber. Schon wieder ein Kleid?" fragte ich, als sie sich anschickte, in den Laden zu treten. Nein," antwortete sie; ich habe bloß des Capes wegen rasch einzutreten." Soll ich mitkommen?" Mir schien, als-hätte sie meine Frage etwas verwirrt. Sie zögerte einen Augenblick, dann antwortete sie leichthin: . O ja, natürlich, wenn Du Lust hast." Und wir traten zusammen in den Laden. Herr Leibbrand bediente eben einen anderen Kunden, und lächelte nur achtungsvoll, als wir an ihm vorüberschritten. Erni trat auf einen der Ladenkommis zu und fing an, fast etwas hastig zu sprechen: Ich habe das Cape, das Sie mir zur Ansicht geschickt, anprobirt; aber mein Mann meint, es passe mir nicht gut, so möchte ich es wieder zurückschicken." Ich rang nach Athem. Aha, das war es also, weshalb die Männer so nützlich sind. Ganz recht. Madame, ich werde es abholen lassen," erwiderte der Kommis. Erni entfuhr ein leichter Seufzer der Erleichterung, und ohne sich nach mir umzusehen, schritt sie der Thür zu. Im gleichen Augenblick kam Herr Leibbrand, die Dame, die er eben bediente, leise um Entschuldigung bittend, auf uns zu. Erni, die jetzt ihre 'Selbstbeherrschung wieder vollkommen erlangt hatte, sagte herzhaft: Ich werde das Cape zurückschicken, da mein Mann meint, es passe mir nicht gut. Ich werde aber bald wieder kommen, um ein anderes auszuwählen." Das ist wirklich schade, Madame", erwiderte Herr Leibbrand mit unverkennbar mißfälligem Lächeln; aber haben Sie sich nicht etwa getäuscht, daß es Ihnen nicht paßt? Mir selbst kam doch der Gedanke, wie schön es Sie kleide, als ich Sie gestern in dem Cape aus der Kirche kommen sah." Erni wurde kreidebleich, sie murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und eilte die Treppe hinunter. Ich fühlte mich sehr beschämt und kam mir vor, als hätte ich selbst unehrlich gehandelt. Erni behielt das Cape; aber sie geht nicht mehr zu Leibbrand. Was nicht überraschend ist. Schwieriger Pump. Rummel: Na, reagirte'Dein Alter?" Bummel: Hm aber sauer!" Ein Schlauer. Vater: Sage mal, Max, wie geht das zu, daß Du nie eine gute Zensur nach Hause bringst?" Max: Schau, Papa, wir sind zu Viele, und bis ich an die Reihe komme, sind die guten Zensuren natürlich schon alle weg." Unleugbar. A.: Meiner Meinung nach müßte entschieden die Prügelstrafe wieder eingeführt werden!" B.: Aber ich bisse Sie, wo bleibt das menschliche Gefühl?" A. Nun, das ist ja bei der Prügelstrafe doch gerade die Hauptfach!" DoppelteWahrheit. (Zeitungsnotiz.) Als jüngst der . Bürgermeister von X. seinen gewöhnlichen Nachmittagsspaziergang machte, wurde er auf freiem Felde von zwei Unbekannten angehalten und ordentlich geprügelt. Die fatale Angelegenheit hat, wie sich denken läßt, sehr viel Staub aufgewirbelt!" ... ,
