Indiana Tribüne, Volume 28, Number 269, Indianapolis, Marion County, 6 July 1905 — Page 7

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!Dcr vcrtrnucnsmnnni i i i Nomän von faul Ölurncnrcidj ; (Fortsetzung.) " M Mit einer Miene, die andeuten sollte, daß er auf diese Frage sehr wohl vorbereitet, ja, daß er vielleicht nur gekominen war, um sie zu beantworten, zog Weber ein Dokument aus der Tasche: eine in aller Form Rechtens vor Notar und Zeugen von Frau Emma Houston für den Doktor Wilhelm Weber ausgestellte Vollmacht, nach der es ihm zustand, alle den Haushalt, die Erhaltung des Hauses und seiner Einrichtung berührenden Maßregeln nach seinem Ermessen zu treffen, etwaige für die Vollmachtsgeberin ausstehende oder fällig werdende Einnahmen in Empfang zu nehmen und die ihm erforderlich scheinenden Zahlungen zu leisten. Der Anwalt las den Hauptsatz dieses Aktenstückes zweimal sehr aufmerksam durch. Dabei schien er mit einem, .ihm wie zufällig in die Hand getomnienen Bleistift zu spielen und kritzelte allerlei Zeichen auf die vor ihm ausgebreitete Schreibunterlage. Dem Doktor Weber war das entgangen. Reimers .hatte dasjenige aus dem Dokument, was ihm besonders auffiel, stenographisch festgehalten. . Jetzt reichte er das Schriftstück mit einer verbindlichen Verneiguna zurück. Ich sehe nur von neuem bestätigt, Herr Doktor, daß Sie mit bewundernswerther Umsicht an alle, aber lch wirklich an jede Möglichkeit gedacht haben, als Sie die Ahreise von Mrs. Houston vorbereiteten." Trotz der überaus liebenswürdigen Form dieser Anerkennung, glaubte Weder eine gewisse Schärfe herauszufühlen. Aber er schwieg. Seine ErsahruNg hatte ihn gelehrt, daß man mit Schweigen selten etwas verdirbt. Um so lebhafter hatte Herr Reimers das Bedürfniß, noch mancherlei zu erfahren. Er bot dem Doktor eine Cigarre an und war, er hätte selbst nicht sagen können, warum, ein wenig verwundert, daß jener ohne Weiteres zugriff und sein Feuerzeug hervorholte. Reimers hatte eben mit amerikanischen Verbrechern noch nicht zu verkehren" Ge legenheit gehabt. Ich war starr, als ich gestern das Abendblatt in die Hand bekam," be?;ann Reimersals die Cigarren brannen. Ich wollte meinen Augen nicht trauen! Dies entzückende Heim, dieser Tempel eines vornehmen Geschmacks, fiSA zerstört sein, noch ehe der per"s..1'iche Duft der Besitzerin sich daraus verflüchtigt haben konnte Ich hoffte noch immer, die schnell fertigen Reporter haben übertrieben" Er pausirte absichtlich, und diesmal zur rechten Zeit, denn Weber beeilte sich zu versichern: Nein! Leider nicht! Bis auf den Grund ist alles niedergebrannt!'' Jch weiß." sagte Reimers jetzt, ich war heute früh schon draußen, habe mir den noch immer schwelenden Trümmerhaufen angesehen! Eine Sekunde lang stutzte Webernur einen Augenblick. Wie konnten Sie noch hoffen, nachdem Sie auf der Brandstätte gewesen sind?- fragte er letzt mit emiaem Nachdruck. Sie Haben mich mißverstanden. Gestern, als ich die Zeitung las, hatt ich noch Hoffnung: heute natürlich " Sichtlich beruhigt zog Weber nun wieder an seiner Cigarre, die ausgehen wollte. Ja es war furchtbar! Ich hätte es nicht für möglich gehalten! Dieses alte eisenfesie, imprägairte Eichenholz neben dem es doch auch starke Steinkonstruktionen gab. Es ist eine bestia lische Macht, das Feuer!" .Und stimmen die Angaben der Zei tungen im Uebrigen? Wann kam der Brand aus?" , - Das ist schm zu sagen. Bemerkt hab' ich ihn etwas nach zwei Uhr. Sie wissen, meine beiden Zimmer lagen im ersten Stock nach der Straße hinaus. Ter eigentliche Brandherd durfte aber der nach dem Garten blickende Speisesaal gewesen sein. Doch ist das nur meine Vermuthung. Als ich zuerst Brandgeruch wahrnahm und an's Fenster meines Schlafzimmers eilte, sah ich auf dem Rasenbeet unten den Widerschein einer enormen Helligkeit, Ich warf etwas über und stürzte zur Treppe. Die . stand m hellen Flam men. Da das Feuer meine Räume noch nicht berührt hatte, konnte ich mich schnell fertig anziehen, konnte auch einiges von meinen Sachen zum Fenster hinauswerfen, zuletzt die Matratze und darauf die Betten. Dann sprang ich in Hut und Ueberzieher nach. Erst am Vfortnerhaus. wohin ich zuerst rannte um die Leute zu wecken, konnte ich sehen, welchen Umfang die Gluth schon gewonnen hatte. Wir stürzten zu dem kleinen Schuppen, in welchem unser Feuerloschapparat stand. Es war auch alles bei der Hand. Wasser tn der Vlaüt Und öinze richtete seinen Schlauch direkt in den Speisesaal, wahrend ich davonstürmte, um die Feuerwehr zu alarmrren. Aber bis die kam, mochte wohl mehr als eine Stunde vergangen mm T fi J 4-1.-1.- - sein. tocvon ats ra? zuruareyrie, brannte das Haus an allen vier Ecken, Die Fensterscheiben waren gesprungen, einzelne Fenster schon völlig ausge brannt und gleich flammenden Fahnen

chlugen die Äorhange heraus. Es $aT' en sich inzwischen auch Leute einaefun-

den, einige darunter .wohl PortierS aus den nachstgelegenen Villen, Denn ich ah nun aus drei oder vier Schlauchen Wasser gegen das Feuer schleudern. Aber natürlich vergeblich. Es war eben nn Holzbau, das war das Unglück." Freilich, ein Holzbau. Aber ich habe auf meiner Nordlandsreise ganze Kolonien, ganze Stadttheile von solchen Holzbauten gesehen, die zum großen Theil Jahrhunderte überdauerten. Bis sie endlich doch einmal in Flammen aufgehen." Der Anwalt ließ diesen Faden falen. Ziemlich unvermittelt fragte er nun: Und wie kommen die Zeitunaen dazu, von einer Brandstiftung zu reden?" Die Zeitungen! Was wollen Sie von den Zeitungen anders erwarten! Die brauchen Sensation! Es war das erste, was mir einer der Spritzenleute sagte: ,da werden mir wohl wieder gründlich .buddeln' müssen! Bei so was heißt es immer gleich, das Feuer n angelegt!' Schade! Man sollte die Nummer dieses Svritzenmannes wissen," warf Reimers yin. O, ich habe sie mir gemerkt." beeilte sich Weber zu antworten, Nummer 81 von der Charlottenburger Feuerwehr." Wiese Nummer 81 präg nm oem ungen Anwalt in's Hirn, als ob eine ätzende Säure sie darin eingrabe. Von der Versicherungsgesellschaft Thuringia,' wenn ich nicht irre ?" Der Anwalt wartete auf eine Bestätigung. Germania, berichtigte Weber, Stettiner Germania." Befriedigt, daß auch diese kleine List gelungen, beendete Reimers seine Frage: Von der .Germania' also haben Sie noch nichts gebort?" Wie sollte ick denn? Das besora: mein Freund OlserZ." Wieder spiel! der Anwalt mit seinem Bleistift. Er durfte dem Gedachtniß nicht zu viel zumuthen und stenographnte Olfers." Dabei hatte er chon wieder eine neue Frage bereit. .Sie saaten mir schon es war unmvgiicy, sieg mn 'trs. jpounon m' Einvernehmen zu versetzen? Unmöglich. Ich hade es fünfmal versucht." Gleich in der Nacht?-Sofort!-Richtig die Telegraphenstation Grunewald hat ja Nachtdienst" Ich Hab's auch beim Bahntelegraphen in Halensee versucht." Da ist freilich von zwei bis fünf Uhr geschlossen," meinte Reimers recht absichtslos. Zunächst versuchte ich. den Zug noch telegraphisch zu erreichen. Dann hab' ich an den Bahnhof Köln, an das Hotel Disch. w? Mrs. Houston absteigen wollte, falls sie in Köln bliebe, ferner nach Vlissingen telegraphirt und endlich heute früh an die .White Star Line' in London. Ueberall mit bezahlter Rückantwort. Aber es ,st noch kein einziger Bescheid eingelaufen." Das war die erste greifbare Unwahrheit, auf welcher der Rechtsanwalt den Doktor Weber ertappte. Sowohl die Bahnbehörde, welche man ersuchte, nach einer mit dem Neun-Uhr-Abend-Schnellzuge beförderten Mrs. Houston zu forschen, als auch der Bahnhof Köln mußten geantwortet haben. Das war übrigens auch vom Hotel Disch anzu nehmen. Die stenographischen Zeichen auf der Schreibunterlage mehrten sich. Und, wenn man fragen darf, was gedenken Sie nun zunächst zu thun? Ich bitte das nicht falsch aufzufassen: es ist ein Freund des Hauses Houston, tu so lebhaften Antheil an dem weiteren Verlauf der Dinge nimmt. Ganz flüchtig, nur wie ein aufzucken der Blitz, flog ein Lächeln über die bleichen Zuqe Webers, em satanisches Lacheln. Schon in der nächsten Sekunde hatten die Züge wieder den gewohnten, beherrschten Ausdruck, wenn man von dem krankhaften Vibriren der Muskeln um die äußeren Mundwinkel absah. Dies freilich schien heute stärker als sonst. Im Uebrigen aber war Webers Haltung tadellos. Er neigte zustimmend den Kopf: Ich weiß, wie nahe. Sie den Damen stehen, Her? Rechtsanwalt. Deshalb war ja auch mein erster Weg heute zu Ihnen. Um also auf Ihre Frage zu antworten: Ich muß natürlich vor allem den gegenwärtigen Aufenthalt der Damen erfahren, vorher läßt sich gar nichts sagen. Sind sie in Köln oder in London, so wird sich dies ja noch heute, spätestens morgen herausstellen. Heute Abend schon sind die Berliner Zeitungen in London, in Köln waren sie bereits heute früh. Auch wenn man annehmen wollte, daß Mrs. Houston selbst die betreffenden Artikel nicht liest, so können diese doch ihrem Hotelwirth oder jenen Herrschaften, die sie zu besuchen beabsichtigte, kaum entgehen. Dann aber wird Mrs. Houston sich melden. Schlimm freilich wäre es, wenn die Damen, die unter Umständen gestern Nachmittag in London eingetroffen fein können, dort nicht Aufenthalt nahmen und eines der heute früh auslaufenden Amerikaschiffe benützten. In diesem Falle wären sie jetzt schon auf hoher See und vor acht bis zehn Tagen nicht zu erreichen." In diesem Falle." ergänzte der Anwalt im Stillen, kann auch eine heute erst aufgegebene, frühestens jetzt dort anlangende Depesche an die ,White Star Line' keinen Zweck mehr haben." Bis ich also Nachricht habe," fuhr Weber fort, da seine Ausführungen

einzuleuchten schienen, kann ich nichts thun, als warten." Es ist nicht der Rede werth, was man retten konnte, sagten Sie?" Doch, einiges Mobiliar aus dem kleinen Salon, auch ein Paar Bilder und arößere Bronzen nicht eben viel. Glücklicherweise ist ja ein Hauptposte in Sicherheit, der Schmuck " Und das Silberzeug befand sich, wiemein Onkel mir sagte, in ewem feuersicheren Wandschrank." Feuersicker! Da hat sich der Baumeiste? wohl arg hinter's Licht führen lassen. Ich habe natürlich gleich gestern früh, während man noch löschte, auf den Schrank, vielmehr auf die Mauer, in der er steckte, hingewiesen. Man konnte nur mit Gefahr herankommen. Aber er war in sich zusammengefallen und inmitten zerrann das kochende Metall." Dem jungen Anwalt wurde ganz heiß bei dieser anschaulichen Schilderung. Alles vernichtet," rief er aus, die herrlichen Aufsätze! Diese kostbaren Musenstatuetten, die noch vorgestern Herr Römpler als Unica bezeichnete!" .Dafür Kab' ich sie. beiläufig be-

merkt, nie gehalten. Ich erinnere mich, den gleichen Satz irgendwo gesehen zu haben." Der Anwalt horchte auf. Wollte der Mann in diesem Augenblick mit seiner Kennerschaft prunken? Es schlug neun Uhr er erinnerte sich, daß er einen Termin wahrzunehmen habe. .Wohin darf ich Ihnen Nachricht geben, falls ich etwas erfahre, Herr Doktor?" ,Jn's Centralhotel, wenn ich bitten darf." Kaum hatte Weber das Bureau verlassen, als der Anwalt nach seinem ersten Beamten rief. .Nehmen Sie, bitte, die heutigen Arten. fahren Sie zum Gericht. Ich lasse den Herrn Justizrath Lehnwald bitten. mich heute zu vertreten. Beeilen S" sich, lind schicken Sie mir emen der jungen Leute!" Dem iunaen Menschen, der sofort eintrat, gab er die Weisung, ihn schnellsienS mit dem Rechtsanwalt OlserS ttlepyontfcy zu veroinoen. ls er an gerufen wurde, übertrug er die stenoaraphischen Aufzeichnungen in sein Taschenbuch. Nun klingelte es an seinem Mikrophon. Herr Kollege Olfers? Hier Rechtsanwalt und Notar Reimers. Hören Sie, verehrter Herr Kollege, der Doktor Weber war eben bei mir." Was für ein Weber?" fragte man zurück. Nun, der Sekretär und Bevollmächtigte jener Mrs. Houston, deren Villa im Grunewald gestern niedergebrannt ist." Ja so, der heißt Weber! Das hatte ich vergessen." Kannten Sie ihn denn nicht schon früher?" Diesen Weber? Keine Spur! Hab' ihn gestern Nachmittag zum erstenmal gesehen. Weiß nicht, wie er gerade zu mir kam mit der Geschichte " Nun, die Geschichte ist in guten Händen, Herr Kollege! Aber ich möchte Sie in der Angelegenheit sehr bald sprechen. Ich habe nämlich auch eine Vollmacht von Mrs. Houston!" Ich sag's ja! Da hat man schon die Konflikte! Ich hab' so 'was im Gefühl. Aber natürlich, ich stehe Ihnen zu Diensten. Paßt es Ihnen heute Abend? Nach Vureauschluß? Bei mir, bitte da kann ich meinen gewöhnten Rothen dabei trinken wird Ihnen auch schmecken! Also heute Abend! Schluß!" Lüge Nummer zwei!" monologisirte der Anwalt. Dieser vortreffliche Olfers mit feinem Rothen ist also nicht Ihr ,Freund,' mein lieber Herr Doktor! Ten Vorfall wollen wir einmal festnageln! Wie immer in solchen Fällen, erwies sich das Telephon als ein Bote mit hundert Füßen. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie gewisse Situationen zu bewältigen wären ohne diesen stets bereiten Zwischenträger." Fünf Minuten später wußte Reimers. daß die Telegraphenstation der Kolonie Grunewald keinen Nachtdienst habe und daß also des Doktors Depesche dort unmöglich sofort nach Ausbruch des Brandes aufgegeben sein konnte. Aber auch von einem dem vorgestrigen Neun-Uhr-Abend-Schnellzuge nachgesandten Telegramm war an den verschiedenen Stellen, die es hätten wissen müssen, absolut nichts bekannt. Allerdings, solche Erkundigungen führen nicht immer gleich zu endgiltigen Resultaten, wie sich Z auch auf irgend eme Weise er klären konnte, daß Weber auf die angeblich abgesandten Telegramme noch ohne Antwort war. Sogar jenes sofort" Webers durfte man nicht allzu genau nehmen. Wer will in der nur allzu begreiflichen Erregung darauf achten, ob er den Gang zum Telegra phenamt um fünf oder um sieben Uhr antrat? Schließlich wollte es dem Anwalt sogar erscheinen, als ob der Fall Olfers bei Weitem nicht so gegen We ber spräche, als der erste Eindruck glauden ließ. Das Nächstliegende war doch daß Weber vielleicht kein rechtes Vertrauen zu ihm, Reimers, hatte und daß er, um dies nicht offen emzuaestehen seine freundschaftliche Beziehung zu einem anderen Anwalt nur voraescho ben. Das wäre eher taktvoll gewesen als daß es zu einer Handhabe gegen jenen werden konnte. Ueberhaupt wie kam er eigentlich dazu, Handhaben gegen den Vertrauensmann der Mrs Houston zu suchen? Worauf stützte sich denn sem höchst unbestimmter Ver

dacht? Im Grunde genommen döch'nur

aus ein unwillkürliches, durchaus' Nicht näher zu begründendes Mißtrauen, das der Onkel gegen Weber beate. 5lbm elbst, dem Anwalt, war nicht das Allergeringste bekannt geworden, was hm em Recyt gab, sich solchem Vorurhell anzuschließen. Auch der Onkel wußte nichts Unvortheilhastes von Weder; er hatte, im Gegentheil wiederholt, wenn auch gegen seinen Willen, ich überzeugen müssen, daß jener es an vollendeter Korrektheit niemals babe ehlen lassen. Und dennoch man kann olchen Empfindungen nicht aebieten. ene Vollmacht, die Weber besaß, wies einen für die vorliegenden Verhältnisse ungewöhnlichen, einen auffälligen Wortlaut auf. Es stand auch außer Zweifel, daß Mrs. Houston selbst niemals darauf verfallen wäre, ihrem Seretar eme so weitgehende Vollmacht zu ertheilen. Es hätte vollkommen genllgt, wenn sie ihm, dem Rechtsanwalt die für die Erhaltung des Hauses, für Zahlung der Gehalte u. s. w. erforderichen Mittel angewiesen hatte, da er ohnehin ihr Geschäftsträger war, ihre Zinsen in Empfang zu nehmen pflegte und sie vielfach nach außen hin vertrat. Diese Vollmacht war also auf besonderes Verlangen des Herrn Weber ausgestellt worden. Das konnte freilich chon darin seinen Grund finden, daß Löeber während der, möglicherweise monatelang dauernden Abwesenheit seiner Hernn nicht von ihm, dem Anwalt, abbänaitt sein wollte... .Aber für diesen Zweck ging die Vollmacht zu weit abgesehen davon, daß sie mit der hm, Reimers, ertheilten kollihrte. Ganz plötzlich fiel dem Anwalt jetzt die Zahl 81 ein. Und einer momentanen Eingebung folgend, machte er sich auf den Weg nach Charlottenburg, um den prophetischen Spritzenmann zu interviewen." Der Zufall wollte, daß der Mann eben Wachtdienst gehabt hatte und nun ur einige Stunden frei wurde. In dem Herrn, der ihn wegen des Brandes im Grunewald zu sprechen wünschte, einen Zeitungsmenschen vermuthend von denen sind immer ein paar Mark zu verdienen folgte er mft Vergnügen der Einladung Reimers, mit ihm zu frühstücken. Er brauche noch einige Einzelheiten über das Brandunglück, begann der Anwalt, nachdem jen:r sich gestärkt hatte. Mir scheint, da war' viel druber zu sagen," meinte der Feuerwehrmann. Das haben Sie ja schon angedeuet jenem Herrn gegenüber, der zu dem niedergebrannten Hause gehörte nicht wahr? Sie sagten, die Zeitungen würden von Brandstiftung schreiben." Ist mir gar Nicht eingefallen! Was brauch' ich dazu die Zeitungen? Ich hab' von Zzitungen nicht gesprochen!" So, so dann ist es ein Irrthum. Aber es würde mich doch lebhaft mteressiren, recht genau zu wissen, wie das Wort Brandstiftung in's Gespräch kam." Sehr einfach! Ich habe gesagt: hier riecht es auf tausend Meter nach Brandstiftung!" Erinnern Sie sich dieser Worte ganz genau?" Ich habe sie sogar zweimal ausgesprachen, das ist so meine Manier. Erst hab' ich's einem Kameraden gesagt, dem Scholz, Nummer 104, und dann kam der Herr dazu und jammerte, wie das nur möglich wäre, daß so ein festes Haus so niederbrenne. Und darauf antwortete ich: das ist aar nicht zu verwundern! Ich hab's eben erst zu Scholz gesagt: das riecht hier auf tausend Meter nach Brandstiftung. Wahrend der Anwalt notirte, hatte er die Empfindung, als ob gerade diese Worte es waren, die Licht in die Sache bringen würden. Es war eigentlich ein unheimliches Gefühl: er hielt gleich sam den Schlüssel in der Hand zu einem Geheimmß, vor dessen Enthüllung ihm graute. Wir erschrecken vor nichts mehr, als vor einem plötzlichen Blick in den Abarund der Menschennatur. .aben Sie sonst noch etwas mit dem Herrn gesprochen?" forschte Rei mers weiter. Nun. er hat mich ein paarmal in das brennende Haus gehetzt, er wollte mit Gewalt ein Bild haben, das aus einer Staffelei in dem Zimmer vorn links, ich glaube, es war ein Damenzimmer, stand. Einmal hatte ich ihn falsch verstanden, konnte auch nicht weiter kommen. Dann führte er mich auswendig vor ein Fenster und nchh da drinnen stand in schwelendem Qualm eine Staffelei und ein Bild darauf in junges, blasses Mädchen. Der Rahmen glühte schon, auch der Ständer hing schon ganz zur Seite. Na, Sie wissen ja, wir fackeln nicht lange. Ich rief einem Kameraden, dem Schlauchführer, zu, einmal ordentlich Wasser in die Stube zu geben und dann riskirte ich's und kletterte durch's Fenster. Es war so dick verqualmt in der Stube, daß ich meinem Gott dankte, als ich. das brennheiße Bild in der Hand sehen Sie her da ist die Haut weg! wieder drauken war! 5ö letzte ein Zwanzigmarkstück." WWortsetzung folgt.) In Sachsen kommen 281 Seer c s wfMaAii ten aus me mavralmci:e, luviubtu in den übriaen Ländern des deutschen Ruches nur 104 Einwohner auf die Quadratmeile kommen. Den höchsten Preis, der je für eine Geige gezahlt wurde, erzielte letzthin ein von Joseph Guarnerius in Cremona gebautes Jnnrumenr London,- nämlich $18,000. m

Fora Jnlaude.

Asaht Kitigaki, Cadett in der japanischen Marine, meldete sich kürzlich in der Flotten - Akademie zu Annapolis als Schüler der kürzlich zusammengetretenen 4. Klasse. Die Bundesregierung hat ihm die Vergünstigung des Eintritts in die Akademie gewährt, und so wird Asahi Kitigaki der einzige gebürtige Japaner in der genannten Anstalt im kommendenSchuljähre sein. Die Staatsbehörde für Schafzucht in Montana hat soeben ihren jährlichen Bericht veröffentlicht. Derselbe ist für Schafzüchter von äußerster Wichtigkeit, da er unter Anderem auch das von der letzten Legislatur angenommene Gesetz bezüglich der Schafmspektlon enthalt. D Statistik zeigt, daß sich im Staate Montana an fünf Millionen Schafe und Lämmer befinden, die in 1904 34,500,000 Pfund Wolle lieferten. In diesem Jahre wird die Schur auf 40,000,000 Pfund veranschlagt. DervomComptrollervon Groß-New York, Grout. befürwortete Plan, $1.000.000 für Spielplätze in allen fünf Boroughs zu bewilligen und $300.000 für Turnplätze (Athletic Fields") in den Boroughs Bronx. Brooklyn, Richmond und Queens, wird wahrscheinlich verwirklicht werden. Herr Grout, sowie verschiedene Mitglieder des Bertheilungsrathes der übrigens die Gelder schon bewilligt waren dieser Tage im Stadtrath erschienen, um bei den Mitgliedern des Stadtraths, der unter dem Charter seinen Consens geben muß, Propaganda für das Projekt zu machen. Opponenten waren keine da, und es ist wahrscheinlich, daß Herr Grout seinen Plan realisiren wird. Ueber einen heldenmüthigen New Jorker Polizisten wird berichtet: Erst dreißig Jahre alt ist John I. Devan, und seit acht Jahren gehört er der Polizei der Stadt New Fork an. Schon öfters ist er öffentlich belobt worden für seinen bei ausgebrochenen Bränden bewiesenen Muth, schon öfters hat er bei solchen Gelegenheiten mehrere Menschenleben gerettet. Und vor einigen Wochen zeichnete er sich bei einem großen Feuer ganz besonders aus; er rettete mit größter eigener Lebensgefahr fünf Menschen vor dem Tode des Berbrennens und trug beim Rettungswerk so schlimme Berletzungen an den Armen davon, daß er sich heute noch auf der Krankenliste befindet. Jetzt ist ihm feierlich die für, hervorragende Rettungsthaten gestiftete goldene Medaille überreicht; sie besteht aus massivem Golde und außer dem Namen des Polizisten sind noch die Worte eingravirt: Ehre, dem Ehre gebührt. . Dem auf den Philippinen aufgenommenen Eensus zufolge besteht unsere asiatische Inselgruppe aus 42 einzelnen Inseln sehr verschiedener Große, und es wohnen au5 ihnen 7,635.426 Menschen, von denen 91 Prozent als civilisiit bezeichnet werden, wahrend 9 Prozent sich noch in. Zustande ursprünglicher Wildheit befanden. Aber auch bei den 91 Prozent geht die Civilisation Nicht so jveit, daß sie alle Schulbildung hätten. Weniger als die Hälfte aller Filipinos kann lesen, und die Kunst des Schreibens ist gar nur einem Viertel bekannt. Die schlechten Folqen einer Jahrhunderte währenden Mißwirtschaft lassen sich eben Nicht im Laufe weniger Jahre beseitigen. Aber es wird bald anders werden. Schon sind 2962 Schulen eröffnet, in denen. 811,715 Kinder nach amerttani Hen Prinzipien unmt m -f m m r "W terrichtet werden. 41 Zeitungen tragen dazu bei, moderne Anschauungen zu verbreiten und die Bevölkerung auf eine höhere Stufe zu heben. Wegebau ten und Bahnanlagen werden sich ebenfalls als ein Mittel zur Hebung des geistigen Niveaus erweisen. Der Polizei - Superintendent von Pittsburg erhielt dieser Tage ein Schreiben von Samuel Paxton von Shanaghan, Irland, das eigener Natur ist. Darin heißt es, daß ein gewisser Frank Meilrath, der in der Nähe von Balloolay. Irland, wohnt, in der Nähe von Pittsburg vor etwa 12 oder 14 Jahren vier oder fünf Mordthaten begangen haben soll. Wie der Schreiber in Erfahrung gebracht haben will, arbeitete Meilrath in den Pullman Car-Werkstätten eine Zeitlang an Waggonarbeiten. Meilrath soll sich seit 12 oder 14 Jahren in Jr land aufhalten, und der Schreiber kann ihn zu irgend einer Zeit den Behörden ausliefern. Je eher dies geschehe, desto besser sei es, denn Meilrath sei em gefährlicher Mensch und plundere und raube, wo, immer sich eine Ge legenheit biete. Im vorigen Sommer kam er mit dem Schreiber, der seinen Geschäften nachging, zusammen. In der Hand hielt Meurath ern großes gezogenes Taschenmesser, das er sicherlich dem Schreiber in den Leib versenk hätte, hätte ihn der Respekt vor dem Gesetze nicht daran verhindert. Trotzdem die Bekanntschaft zwischen Meilrath und Paxton nur von kurzer Dauer ist, glaubt der Schreiber das Gebühren des Mannes nicht verbergen zu dürfen. Der Brief schließt mit der Mittheilung, daß der Mann zu irgend einer Zeit zu haben sei. Die Polize weiß über den in dem Schreiben ge nannten Mann nichts, wird aber betreffs der in dem Briefe erwähnten Thaten Untersuchungen anstellen.

Beim Eintritt in den

russischen Staatsdienst haben gegenwärtig die Candidaten an Eidesatt christlich zu erklaren, daß sie zu keinerei geheimen Verbänden, Vereinigung gen oder Vereinen gehören und keinerei Verpflichtungen eingegangen sind. die zu den bestehenden Gesetzen in Widerspruch stehen. Die Auktion von Porzellan und Kunstgegenständen des ver torbenen Herzogs von Buckinghanr brachte bei Christ inLondon $56.090. Der Clou" des Tages war eine läng iche goldene Schnupftabaksdose a la Louis XV., etwa um das Jahr 1760 von I. P. Ducrollay in Paris gearbeiet, die für 87000 verkauft wurde. Die Seiten, der Deckel und Boden sind poychrom emaillirt und zeigen Genreszenen in der Art von Chardin. Zwei Miniaturen von Cosway und Oliver brachten $2,526 und 2,550, eine becherförmige Chelseaporzellanvase, 22 Zoll hoch, $4,730, ein paar alte chinesiche zylindrische Basen mit karmesinrohem Grunde. 1SV Zoll hoch, $5,106, und eine alte eiförmigeSevresvase, mit blauem Grund und Vergoldungen von Vincent, $3,762. - Ein schwerreicher Eng 'ander Namens Eyres bewohnt in der Avenue Kleber in Paris ein mit geradezu fürstlichem Luxus ausgestaUees Palais. Er hat zwar sehr viel Geld, aber sehr wenig Glück in der Liebe. Dreiaml war er verheirathet. dreimal wurde er geschieden und dreimal als der schuldige Theil erkannt. Er ließ sich aber nicht lumpen, er setzte der seiner geschiedenen Frauen eine Jahresrente von 60,000 Frank aus. Trotzdem war die dritte Geschiedene mit dieser Summe nicht zu frieden, sie behauptete, mit derBagatelle nitch auskommen zu können, und verklagte Mlster Eyres auf Zahlung von weiteren 60,000 Frank, eine Summe, die sie aus folgenden Posten zusammensetzte und mit beglaubigten Rechnungen vor Gericht belegte: Schneiderin 30,000, Juwelenhändler 9000, Modistin 6.470, Wagen 6,743, Geschirr 4,120. Wäsche 2,778, Zahnarzt 560, Schönheitsmittel 224 und Corsetts 180 Frank, das match zusammen 60,000 Frank und 75 Centimes. Diese Forderung war aber selbst dem weisen Eyres zu toll; er erklärte vor Gericht, daß er die Summe niemals bezahlen werde, und der Gerichtshof stellte sich dann auch auf seine Seite und wies die Klägerin ab. Eine lustiae Verwechs lungsszene spielte sich dieser Tage in der Wohnung der Madame Bouchard in Paris ab. Letztere unterhielt in ihrer Wohnung em geheimes Wettbureau und erzielte einen großen Gewinn aus diesem ungesetzlichen Gewerbe. Eines Tages, als sie gerade im Begriff war, nach Bois - Colombes abzureisen und die Tageslosung im Betrage von 5000 Franken mit sich nehmen wollte, erschien ein Herr bei ihr, erklärte, er sei Polizeikommissar, natm eine Haussuchung vor, bemächtigte sich auch der 5000 Franken und drohte der Bestürzten mit der ganzen Strenge des Eesetzes. Nach wenigen Tagen mußte ' Madame Bouchard einsehen, daß sie einem Schwindler zum Opfer gefallen war. Sie hütete sich aber, Anzeige bei der. Polizei zu erstatten, weil sie U fürchten mußte, daß dann der Betrieb des heimlichen Wettbureaus offenbar wurde. Inzwischen war jedoch diePolizei von anderer Seite auf das Wettbureau aufmerksam gemacht worden, und ein wirklicher Polizeikommissar stattete der Beschuldigten einen Be'iuch ab. Allein Madame war jetzt ge witzigt. Sie verweigerte dem Beamten den Eintritt in ihr Haus, indem sie meinte, sie falle doch nur einmal auf den Schwindel herein. Dem Komissar blieb nichts Anderes übrig, als sich mit Gewalt Zugang zu der Wohnung zu verschaffen und Frau Bouchard zu verhaften. Von ihrem Privatsekretär um 470.000 Lire beschwindelt wurde in Neapel die 70jährige Gräfin Lucia Cipriani, die ein nach Millionen zählendes Vermögen besitzt. Sie hatte dem Sekretär, einem gewissen Alfredo Ciaramella, volles Vertrauen geschenkt und ihm große Summen zum Ankauf von Werthpapieren gegeben. Er kaufte für einen verhältnißmäßig ' geringen Betrag italienische Staatsanleihen und verbrauchte das übrige Geld für sich. Die alte Gräfin wußte er im Glauben zu erhalten, daß er alles zu ihrem Nutzen angelegt habe. Er scheint zu ' diesem Zwecke in geschickter Weise die Werthzahlen auf den Rententiteln gefälscht zu haben. Als die Gräfin dieser Tage in einem Bankhause die Staatsschuld gegen andere WerthpaPiere eintauschen wollte, wurde der Betrug entdeckt. Ciaramella hatte inzwischen das Weite gesucht. In dem Schreibtisch des untreuen Sekretärs fand man zahllose Lottozettel, die darauf schließen lassen, daß er Tausende verspielt haben muß; er hoffte wahr scheinlich, durch einen hohen Gewinri die gestohlenen Geldsummen wieder er setzen zu können. In der Wohnung Ciaramellas wurden gefälschte Zinsscheine und ein Kontokorrent - Buch über 20,000 Lire, die bei der Banca d'Jtalia hinterlegt sind, in Beschlag genommen. Mit dem unterschlagenen Gelde hatte der Gauner antike Möbel, werthvolle Gemälde, etrus lischt Vasen und Aehnliches gekauft, um eine permanente Ausstellung- z eroffnen.

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