Indiana Tribüne, Volume 28, Number 266, Indianapolis, Marion County, 1 July 1905 — Page 7
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: Dcr Vertrauensmann Hornan von yaul Slumcnroirlx (Fortsetzung.) i 7 Houston war einer von denen, die aus dieser stoffgeschwängerten TreibHausatmosphäre nur das saugen, was ihrer Natur dienlich ist und sie zu voller Reife gelangen läßt. Er war ein treuer, bis in seine letzte Stunde zartsinnig der Seinen gedenkender Ehemann, ein liebevoller Vater ein nobler Mensch. Und gerade er fiel einem mörderischen Zufall zum Opfer. Sie waren wieder .einmal zu dreien in Berlin angekommen, Houston, seine fast noch schöner gewordene Frau und die eben zehn Jahre alte, ein wenig schwächliche, aber gerade in ihrer Zartheit reizende Margit. Wie gewöhnlich hatte man im Westminsterhotel eine Reihe von Zimmern bezogen, um hie? zu bleiben, bis über den diesmaligen Landaufenthalt entschieden war. Freilich, auf so reichen Besuch, wie in den letzten Jahren war längst nicht mehr zu rechnen. Frau Emmas Vater, dieser stattliche, erst inmitten der Fünfziger stehende Mann, war einem Schlaganfall erlegen. Und der Vruder Albert, der nun schon ein halbes Dutzend Kinder hatte und ein kleiner, armer Handwerker geblieben war, wie großherzig ihm auch die Schwester wiederholt aufgeholfen hatte, mochte nicht fort von Berlin nicht heraus aus seiner Armuthey," wieer sagte. In Wirklichkeit fesselte ihn seine Spielwuth an Berlin; und der Schwager Amerikaner verachtete innerlich die Spieler. Es war also nur auf Frau Emmas Mut5er Bedacht zu nehmen für die diesrnalige Sommerwohnung. Ihr zu Liebe wollte man nach Bad Landeck in Schlesien gehen, wo sie sich schon ein-, mal sehr erholt hatte. Mr. Houston reiste nach Landeck, um ein hübsches Landhaus zu miethen. Er fand eine kleine Villa, die eben neu eingerichtet, sogar, wie der Besitzer mit Stolz erwähnte, mit einer Gasleitung versehen worden war. Man wurde Handeleins, und Houston wollte nur diese Nacht in jLandeck bleiben, um morgen noch einige Veränderungen im Mobiliar, in dem hübschen, an den Verg sich lehnenden Garten anzuordnen und zu überwachen. Da sonst alles in dem Hause bereit war, entschloß er sich, dort zu übernachten. Er war die vorige ?Zacht hindurch gefahren, den Tag über auf der Wohnungssuche viel herumgelaufen, war todtmüde und begab sich frühzeitig zur Ruhe, hatte gar nicht erst Licht angezündet, um die Insekten fernzuhalten. Ueberdies war draußen Heller Mondschein. In wenigen Minuten war er eingeschlafen um nie wieder aufzuwachen! Das ungeschickte Landmäd'chen, das vorläufig die Bedienung übernommen hatte, war, als sie Abends das BeU für ihn richtete, dem Gashahn zu nahe gekommen oder hatte den Gasarm eingebogen und verletzt genug, als sie des Morgens kam, um die Kleider zum Reinigen zu holen, schlug ihr durchdringender Gasgeruch entgegen. Sie rief Hilfe herbei und man fand den Fremden entseelt im Bette liegen. Auf dem Tische lag eine elegante Schaukel, die er am Abend zuvor für Margit gekauft hatte, und noch am Morgen lieferte Jemand eine gestern bestellte und bezahlte Hängematte ab. Geliebt hatte Frau Emma ihren Gatten nicht, aber wohl nie ist ein Mann von seiner Frau heißer, inniger und schmerzlicher betrauert worden, als er. Als sie nach Landeck kam, um seine Leiche zu holen er besaß ein Erbbegräbniß auf dem wundervollen FriedHofe von Staten Island meinte sie nicht anders, als daß es nur eine Befreiung gäbe von dem dumpfen, all' ihr Denken lähmenden Druck nur eine Lösung für das Ungeheure, an das sie gestern noch nicht hatte glauben wollen; daß sie mit jenem Ruhe fände auf dem idyllischen Todtenacker beim Fort Wardsworth. Denn zu leben ohne ihn, zu athmen, nun er nicht mehr athmete, das erschien ihr wie Undank, wie ein Frevel an seiner Güte, an seiner Treue und Stetigkeit. Wie ein wandelndes Steinbild schritt sie einher neben dem Sarge, wie eine geistig Abwesende erfüllte sie die letzten, entsetzlichen Pflichten. Auf der langen Reise übe? Berlin, wo sie ih? Kind abholen mußte, über Bremen, über den Ozean, kam keine Thräne mehr in ihre Augen. Sie hatte noch einmal aufgeschluchzt, als man ihr die kleine Margit entgegenführte, das zarte blasse Geschöpfchen ganz in Schwarz, daß es nur noch wi? ein Schatten erschien. Aber sie lernte nun erst diesen Schatten recht lieben, weil er ein Vermächtniß des Unvergeßlichen war. Hatte ihr das Kind früher fast mehr Sorge gemacht als Freude, weil es in seiner blassen Schwächlichkeit so gar nichts von ihr selbst zu haben schien, so wurde Margit nun ihr Glück. Sie lernte es, den Schatten mit ihrer Liebe zu durchsonnen. Aber kaum war Joe Houston zur Ruhe gebettet auf Vanderbilts Hill," da zog ein Unwetter gegen die junge Wittwe an, dem sie sich nicht' gewachsen fühlte. Die Vermögensverhältnisse des Verstorbenen sollten sich in den kaum zwei Wochen seit seinem Tode furchtbar verschlechtert haben. Bei amerikanischen Börsenzustanden ist derlei wohlmöglich. Houston war ein füh-
render Mann an der Börse, ein Spekulant in großem Stile, eine Art Wettermacher gewesen. Sein plötzliches Ableben war natürlich an der New Forker Stock-Ezchange" eben in derselben Stunde bekannt, in der die ahnungslose Gattin zu Berlin davon überfallen wurde. Und eine wilde Kontremine stürzte sich auf die Spielwerthe, als deren Vertreter Joe Houston allgemein bekannt gewesen war. Unerhörte Kursstürze entwertheten binnen weniger Tage den großen Effektenbesitz des großen Mannes, und es hatte den drohenden Anschein, als würde Emma Houston als eine völlig Verarmte in ihrer zweiten Heimath landen. Da trat eine Persönlichkeit in den Vordergrund, die ihrem Leben eine neue Wendung geben sollte. Jim Houston, der einzige Bruder des Verstorbenen, ein Mensch von zweifelhaftem oder vielmehr geradezu schlechtem Ruf, hatte wie ein echter Jankee den rechten Augenblick erfaßt und sich zum Rechtsnachfolger und Bevollmächtigten seines Bruders aufgeworfen. Zwar hatte er seit Jahr und Tag das Haus Joes nicht betreten dürfen, war außer allem Verkehr mit ihm gewesen hatte nur von Zeit zu Zeit, wenn ihn Schmach und Schande bedrohte, Rettung durch jenen gefunden, und es war für jeden Eingeweihten eine ausgemachte Sache, daß der lebende Joe niemals seinem Bruder gestattet haben würde, geschäftlich für ihn einzutreten. War dieser doch ein gewissenloser, leichtsinniger, nur dem blinden Glück nachjagender haltloser Charakter, ein Mensch, der nie Vertrauen gefunden und noch weniger jemals sich vertrauenswerth gemacht hatte. Und dennoch hatte er drei Tage nach Joes Tode den äußerlich unanfechtbaren Beweis erbracht, daß der große Finanzmann ihn, den verkommenen Rennplatz-Marodeur, ihn, Jim Houston, dem kein Klubs-Steward mehr als zehn Tollars kreditirte, die weitestreichenden Vollmachten zurückgelassen hatte, bevor er seine letzte allerletzte! Eurovareise antrat. Die Geschäftswelt stutzte zwar einen Augenblick, als es hieß, Jim Houston sitze jetzt im Chefzimmer von Joes Kontor. Die Banken verlangten Nachweife, um mit diesem Rechtsnachfolger zu verhandeln, und die bisherigen Berufsfreunde des Herrn Jim. gewerbsmäßige Spieler und Wettschwindler, witterten einen der kühnsten Husarenstreiche, die man selbst in New Aork jemals erlebt aber es war nicht aus oer Welt zu schaffen, daß Jim Houston eine ordnungsgemäß ausgestellte, von Notar und Zeugen beglaubigte, mit einem Worte: eine rechtsgiltige &tnr ralvollmacht von Joe 'Houston besaß. Wie dieses bedeutsame Dokument zu Stande gekommen, welch' unerhörte Fälschung dabei mitgespielt hatte, danach zu fragen, hatte man augenblicklich um so weniger Grund, als die geschastlichen Chancen gegen die Firma Joe Houston standen. Wenn also Jim die Verluste, die schon in diesen ersten Tagen entstanden waren, aus dem Vermögen seines angeblichen Vollmachtgebers decken wollte, hatte Niemand Grund, ihn nicht als Rechtsnachfolger gelten zu lassen. Auch weiß Jeder-
mann, was in dem Hexenkessel der ame rikanischen Geschäftswelt alles möalicü ist wie leicht man in diesem Eldorado derBestechungNotar undZeugen kaufen und Jemanden finden konnte, der auch die Unterschrift des Todten glaubhaft nachzumachen verstand. In gewissen Kreisen grinste man sich gegenseitig an über das Gelingen dieser ungeheuerlichen Fälschung. Aber, wie gesagt, es war Niemand da. der ein Interesse hatte, sie anzufechten, was übrigens auch keinen geringen Geldaufwand erfordert hätte. Und besonders hätte es Zeit gekostet, Zeit, die auf diesem Boden wirklich werthvoller ist. als Geld. Mit starrem Entsetzen fand Emma Houston in der Villa an der Westseite des Parkes, die ihr Gatte sich zu einem wahren Tuskulum ausgestattet hatte, ihren Schwager, den ihr nur flüchtig bekannten, immer beinahe unheimlich gewesenen Jim Houston vor. Er hatte sich dort häuslich niedergelassen. Seine Vollmacht legitimirte ihn, überdies hatten auch die Zeitungen ihren Frieden geschlossen mit dem frechen Usurpator. Daß die Börse ihn als den Nachfolger seines Bruders anerkannt hatte, schnitt jeden weiteren Zweifel ab. Das hatte er auch der sprachlosen, wie, vor einem Einbruch stehenden Wittwe auseinandergesetzt. Auf ihre Erklärung, dieses Haus, das Eigenthum ihres Gatten unter keinen Umständen mit ihm gemeinsam bewohnen zu wollen, hatte er nur ein achselzuckendes Bedauern: dann würden die Räume, deren er nicht bedürfte, eben leer stehen! Emma Houston hatte seit fast vierzehn Tagen, seit dem Tode Joes. in dumpfem, stumpfem Tahinbrüten verbracht. Nun bäumte sich ihre junge starke Natur auf; sie wollte sich nicht vergewaltigen lassen. Noch am Tage ihrer Ankunft bezog sie einige Hotelzimmer. Es war ein Glück, und es entsprach durchaus der liebevollen Umsicht des Verstorbenen, daß er ihr längst ein eigenes, persönliches Bankkonto eröffnet hatte. Waren es auch keine Millionen, über die sie verfügte, so sah sie sich doch für den Moment, im Nothfall für ein Jatr unabhängig. Es war Hochsommer, und sie konnte, ohne ärgerliches Aufsehen zu erregen, sich in einen der nahe der Hauptstadt gelegenen Strandorte zurückziehen, dort der Pflege ihres Kindes leben und doch
Zeit 'finden, ihre Rechte gegen Jini Houston zu wahren. Denn sie zweifelte nicht einen Augenblick, daß die Vollmacht, mit der er prunkte, eine unverschämte Fälschung war. Der Anwalt, den sie zu Rathe zog er war auch der Sachwalter des Verstorbenen gewesen verhehlte ihr nicht, daß man vor einem verzweifelten Kampfe stand. Man würde groß: Mittel und einen gewaltigen Apparat aufwenden müssen, um den Gegner aus dem nun einmal angetretenen, van sehr wichtigen Faktoren den Banken bereits anerkannten Besitz zu vertreiben. Was das Allerschlimmste war: Jim Houston führte die Geschäfte seines Bruders weiter, ohne doch dessen ceniale U:b:rlegenheii. seine Kenntniß des Marktes, seine gediegene Tüchtigkeit zu besitzen. Der Abenteurer konnte sich über Nacht so sehr hineinreiten, daß man schließlich auch als gewinnender Theil das Nachsehen hatte. Nach monatelangem Hin- und Her-Verhan-deln hatte der Sachwalter d:n ersten leider auch den einzigen Erfolg zu verzeichnen. Es war ihm gelungen festzustellen, daß eine einzige Bank, mit der Joe nur gelegentlich Geschäfte zu machen pflegte, noch gar nicht befragt worden war, ob sie Jim anerkennen wollte oder nicht. Sie hatte wohl um die Zeit vor Joes Tode gerade nichts mit seiner Firma zu verrechnen gehabt; jedenfalls war das Guthaben, welches Joe bei ihr hatte, rund eine Million Tollars, noch nicht zurückgefordert worden. Da es Jedermann in diesen Kreisen bekannt war, daß Jim sich als der bevollmächtigte Rechtsnachfolger seines Bruders ausgewiesen hatte, trug die Bank mit Recht Bedenken, die bei ihr gutstehende Summe lediglich gegen die Quittung der Wittwe auszufolgen. Aber der Anwalt der Letzteren erreichte wenigstens das eine, daß diese Million gerichtlich mit Beschlag belegt wurde, bis zur Austragung des Streites zwischen Jim Houston und seiner Schwägerin. So war der -immerhin stattliche Betrag wenigstens vorläufig der Gier Jims entzogen. Und das erwies sich als ein Glück. Noch ehe ein Jahr vergangen war, hatte Jim, berathen von Leuten seines Gelichters, das nahezu sieben Millionen betragende Vermögen seines Bruders bis auf den letzten Cent verloren. Er hatte sich auf die wahnwitzigsten Spekulationen eingelassen, hatte gemeint, man brauche nur Geld zu haben, um gegen die Jntelligenz, gegen den soliden, gefestigten Besitz eines Rockefeller, eines Astor oder Vanderbilt Stur-..i laufen zu können. Ein letztes, haarsträubendes gewagtes Unternehmen hatte seiner Herrlichkeit ein schnelles Ende gemacht. Seine Mittel wann völlig erschöpft, die fürstliche Villa an der neunundfünfzigsten Straße schon in den Händen der Gläubiger. Aber einmal in jähem Sturze, war er auch zum Verbrecher geworden, hatte Checks ausgegeben, obwohl er kein Guthaben mehr yatte. Zym orohte schimpfliche Strafe. In dieser Nothlage kam ihm ein sublimer Gedanke: wenn er einen honetten, dauernden Frieden mit der Wittwe schlösse, würde wenigstens i,n, eine Million, auf die , das Gericht die Hand gelegt hatte, für ihn flüssig werden und er dem Gefängniß entgehen. Und es kam ein Tag, an dem Emma Houston noch Furchtbareres zu erleben glaubte, als der Tod ihres Gatten gewesen. Es waren nun etwa fünfzehn Monate vergangen, seit er sie so jählings verlassen. Ihre eigenen Mittel, an denen der kostspielige Prozeß mit dem Schnxlg.er zehrte, drohten zu Ende zu gehen. Ihre Tochter bedürfte nach wie vor besonderer Pflege; sie hätte einen plötzlichen Wechsel der äußeren Verhältnisse wohl nicht überlebt. Da erbat eines Tages Herr van Dyk, ihr Rechtsbeistand, ihren Besuch. Er war ein älterer, ruhiger Mann von durchaus vertrauenswürdigem Wesen. Dazu besaß er jene zwingend feine, überzeugende Art, die Dinge darzustellen, durch
die sich gerade der vornehme amenkanische Anwalt auszeichnet. Meine verehrte Frau." so begann er, was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen heute die Erklärung abgäbe, daß es einen Weg gibt, jene strittige Million, den Rest von dem Vermögen unseres vortrefflichen Joe, für Sie und Ihr Kind zu .retten?" Ein warmer Hoffnungsstrahl durchdrang die schwer geprüfte Frau sie wäre in einen Freudenruf ausgebrochen, hätte nicht das zwar milde, aber ernste Gesicht ihres Sachwalters ihr verrathen, daß der von ihm angedeutete Glücksfall vielleicht schwer erkauft werden müsse. Trotzdem antwortete sie unbedenklich: Ich wüßte kaum ein Opfer, das mir zu groß dafür wäre." Der alte Herr wußte ja, wie es um sie stand; er hatte keine andere Antwort erwartet. Und vorsichtig. Schritt für Schritt, damit sie Zeit finde, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, begann er ih? zu entwickeln, mit welchem Vo?schlage Jim Houston an ihn he?angetreten war. Jim bedürfte im Augenblick einer Summe, die wahrscheinlich schon durch die inzwischen aufgelaufenen Zinsen jener Million hinreichend zu decken wäre. Damit würde er dem Gefängniß entrinnen. Aber er stände auch dann vollkommen mittellos da er, der seit Jahr und Tag wie ein Millionär gelebt hatte. Deshalb sei er unter gewissen, nicht leicht zu nehmenden Bedingungen bereit, seinen Anspruch auf jene Million aufzugeben. Bestände irgend welche begründete Hoffnung, den schwebenden Prozeß n-absehbarer Zeit zu günstiger
Entscheidung zu bringen, ohne daß
man mit Herrn Jim paktirte, so kenne Mrs. Emma 'hnden Anwalt, genug, um zu wissen, daß er ihr mcht zu einem außergerichtlichen Ausgleich rathen wurde. Aber die Sachlaqe habe sich gerade durch das schnelle Abwärtsgleiten JimS durchaus nicht zu Gunsten dcr Wittwe geändert. Nicht nur. daß jene, Jim und seine Spießgesellen, heute mehr als je zu jedem falschen Eid, zu jeder noch schlimmeren Gewaltthat fahig wären, so werde es auch mit jedem Tage schwieriger, die Fälschung jener Vollmacht aufzudecken, weil die Betheiligten. die an dem wieder verarmten Jim keinen Halt mehr hatten, sich in alle Winde zerstreuten. So drohe der Prozeß einer von jenen zu werden, bei denen allein der dritte, das Gericht, der Staat gewinnt. Andererieits." fuhr Mr. van Dyk fort, ist die gestellte Bedingung eine so emporende, daß ich kaum den Muth finde, sie in Worte zu fassen." Nun, ich vermuthe, der Schurke will mit mir theilen," antwortete Mrs Houston. Ich wurde unbedenklich darauf eingehen würde nach Teutschland zuruckkehrcn. wo der Rest noch immer e:n ansehnliches Vermögen repräsentirt, das die Zukunft meiner Tochter sichern würde." Wenn es sich nur um Geld handelte, hätte es nicht so vieler Worte bedurft, meine verehrte Frau!" Nicht um Geld? Nicht? Ja, was kann er sonst von einer beinahe armen Frau verlangen?" Hören Sie mich ruhig an, liebe Freundin! Erschrecken Sie auch nicht! Ich würde das entscheidende Wort gar nicht aussprechen, wenn ich Ihnen nicht zugleich Mittel und Wege an die Hand geben könnte, das Schlimmste erträglich zu machen." Allmälig begann Frau Emma zu ahnen, wohin die vorsichtig vorbereitende Einleitung führen sollte. Sie lebte lange genug in Amerika, um sich über nichts mehr zu wundern. Und in der That: Jim Houston trug ih? die Ehe an! Sie schauderte, als Mr. van Dyk es endlich aussprach. Es war vielleicht nicht so sehr die körperliche Erscheinung. was ihr eine Vereinigung mit Jim Houston geradezu widerwärtig erscheinen ließ. Aber daß dieser jüngerc, zweifellos ansehnlichere Bruder ihres Gatten in demselben Maße ein Lump war, wie jener ein Ehrenmann gewesen; daß sie auf den Besitz dieses letzteren alles Recht hatte, stolz zu sein, während sie s?ch eines Jim würde schämen müssen; und endlich, daß das Wesen dieses verkommenen Menschen in ihrem Kinde die schöne, reine Erinnerung an den Vater für immer zu trüben im Stande wäre das ließ sie aufschreien vor Grauen, nun sie sich vor die drohende Gefahr gestellt sah. Nie, Mr. van Dyk niemals!" kam es aus ihrer angsterstickten Kehle. Ich habe Sie gebeten, ruhig zu bleiben, meine Liebe. Lassen Sie mich nur ein paar Worte über unsere Ehegesetze sagen. Die amerikanische Ehefrau vor allem die im Staate New Jork in den Ehestand getretene ist nicht ge zwungen, mit dem Gatten in Gemeinschaft zu leben. Die Ehe hat bei uns nicht, wie in anderen Ländern, einen ethischen Untergrund. Sie ist lediglich ein Vertragsverhältniß, das aber beiden Theilen gleiche Rechte sichert. Ja in der Praxis stellt sich das Recht der ftrau bei uns soaar als das weitera.--hende dar. Sie müssen Ihrem Gatten die Treue bewahren, wenn Sie nicht Ihrer Rechte verlustig gehen wollen. Aber kein Gesetz zwingt Sie. mit ihm zu leben oder auch nur mit ihm zu verkehren. Das entspricht unseren Grundanschauungen von der Freiheit der Persönlichkeit. Und daraus ergibt sich für unseren Fall, daß keine Macht der Welt Sie hindern könnte, von der Mairie, wo Sie den Ehevertrag unterzeichneten, zu gehen, wohin Sie nur Lust hätten, ohne Herrn Jim Houston auch nur den Finger gereicht zu haben." Mit Staunen hatte Mrs. Emma zugehört. Sie wagte nicht, an dcr Richtigkeit dieser Erklärungen zu zweifeln. Aber eine Frage drängte sich ihr auf die Lippen: Kennt Jim Houston diese gesetzlichen Bestimmungen? Und würde er sich ihnen fügen wollen?" Ich selbst kbe ihn an der Hand der Gesetze auf das Allergenaueste unterrichlet habe ihm aber nichts sagen können, was er nicht schon wußte." Dann, Mr. van Dyk, begreife ich nur eines nicht: welches Interesse kann er unter solchen Umständen daran haben, mich zu heirathen?" Mir wollen zunächst einmal mit der Menschennatur, mit der Mannesnatur und mit der Art dieses Mannes im Besonderen rechnen. Danach würde ich es nicht für ausgeschlossen halten, daß ein so ansehnlicher, immerhin Weltgewandter Mann von noch nicht vierzig Jahren sich sagt: ,Laß sie nur erst meine Frau sein! Laß mich nur erst Gelegenheit haben, ihr meine guten, oder doch liebenswürdigen Eigenschaften zu entwickeln dann wird sich das Weitere von selbst ergeben.' Er rechnet wohl auch damit, daß Sie selbst, meine liebe Freundin, gerade in den Jahren sieben, die ein großer Franzose die zweite, die schönste Blüthe der Frau genannt hat Sie lächeln, vcrehrteste Mrs. Houston Sie wollen mir sagen, daß ein Jim Houston Ihnen nicht gefährlich werden kann. Gewiß nicht! Ich bin davon überzeugt! Sonst hätte ich es nie übernommen, diese Angelegenheit mit Ihnen zu besprechen. Wenn wir aber von seinen geheimen Hofnungen nichts zu furchten .haben, können
wir um so' ruhiger das Hauptmotiv prüfen, das ihn zu seinem Antrage bestimmt. Es ist natürlich einzig und allein die Geldfrage." - Die Geldfrage! Damit fühlte Frau Emma wieder festen. Boden unter den Füßen, da sie ja zu jedem Opfer bereit war. Herr Jim Houston," setzte der bedächtige Anwalt wieder ein, hat augenblicklich gar kein Interesse daran, selbst Besitzer dieser Million zu werden. Er ist, abgesehen von jenen etwa vierzigtausend Dollars, die er auf betrügerische Weise, durch Ausgabe werthloser Checks, erlangt hat, reichlich drei! Millionen an Börsendifferenzen schuldig, von denen die gepfändete Villa Houston günstigenfalls den dritten Theil deckt. Sobald. ;s ruchbar würde, daß ihm das Verfügungsrecht über die jetzt strittige Million zugesprochen würde und das ist nicht geheim zu halten, da sowohl eine Bank, wie das Gericht, sein Advokat und nicht zuletzt ich selbst davon erfahren müßten würden seine Börsengläubiger auch diesen letzten Rest pfänden, und der ganze Reichthum wäre für ihn nur noch ein verklungenes Lied. Dieses Bild ändert sich sofort, sobald Sie, als seine Gattin, Besitzerin jener Million werden. Denn hier muß ich wieder das Gesetz zitiren unsere Gesetze über die Ehe bestimmen, daß jeder der Ehegatten nach Maßgabe seiner Kräfte und seines Vermögens erforderlichenfalls für einen standesgemäßen Unterhalt des andern Theils zu sorgen hat bei schwerer Strafe! Aber freilich ganz unabhängig davon, ob die Gatten gemeinsam leben oder nicht. Mr. Houston wäre also, da er das ,Erforderniß' leicht nachweisen könnte, für sein ganzes Leben sicher, von Ihnen standesgemäßen Unterhalt zu bekommen. Sie müssen ihm eine Jahresrente zusichern, die ungefähr den Zinsen aus der Hälfte Ihres Vermögens gleichzukommen hätte; hinreichend genug für ihn, um sorgenfrei zu leben und weiter seinen Sportpassionen zu huldigen! Daneben verlangt er bekanntlich, daß man ihn auch aus der augenblicklichen Klemme befreie. Sie sehen, Jim Houston hat allen Grund, Ihr Gatte werden zu wollen, auch wenn er Verstand genug besäße, zu wissen, daß Sie ihm niemals auch nur einen Blick vergönnen würden." (Fortsetzung folgt.) Selbstmordversuch einer G e i st e s g e st ö r t e n. In Königsbach, Baden, brach in einer Scheune Feuer aus. Aus dem Gebäude hörte man entsetzliches Jammern. Man fand darin die geistesgestörte 19jährige. Tochter des Landwirths Schmidt, die sich das Leben nehmen wollte und schon halb verbrannt war. Unter entsetzlichen Qualen ist die Unglückliche gestorben. Das Feuer wurde bald gelöscht. Zu Tode geschleift. In Weichersbach, Hessen-Nassau, wurde der 13jährige Sohn des Taglöhners Gärtner von einer Kuh, die er auf die Weide führen sollte, zu Tode geschleift.
tx Knabe hatte sich das Leltseil um den Leib geschlungen; plötzlich' scheute das Thier und raste davon, den Knaben hinter sich herschleifend. Schwere Schiffskollis i o n. Im Aermclkanal stieß das englische Schlachtschiff Caesar" im dichten Nebel auf die britische Bark Asghanistan," die von Hamburg nach San Diego unterwegs war. Die Bark sank innerhalb zwei Minuten. Von ihren 34 Mann Besatzung konnten nur elf gerettet werden. Bei Schießübungen erschössen wurden 33 Soldaten in der rumänischen Garnisonstadt Pitescht. Durch einen unglücklichen Zufall war eine Anzahl von Gewehren mit scharfen Patronen geladen worden. Grausige That einer Mutter. In Schlösselpeilau, Preu-ßisch-Schlesien. hatte die Frau eines Waarenlegers das Stillen ihres jüngsten Kindes eingestellt. An einem Nachmittag hörte plötzlich die Mutter der Frau l'ise Hilferufe eines Kindes. Sie fand die Wohnstube ihrer Tochter geschlössen und konnte nur durch Gewalt in die Stube dringen, wo sich ihr ein entsetzlicher Anblick bot. Ihre Tochter, sowie deren drei Kinder, von denen die ältesten drei und fünf Jahre zählten, hingen an verschiedenen Plätzen in der Stube, das jüngste an der Ofenthür. Das älteste Kind war so aufgeknüpft worden, daß es noch jammern konnte, und dadurch war die Großmutter aufmerksam geworden. Diese schnitt sofort alle vier ab, und es gelang dem Arzt, sie sämmtlich in's Leben zurückzurufen Die Frau gab als Grund ihrer That an, daß sie befürchtet habe, es werde nicht möglich sein, die drei Kinder zu ernähren. Der Ehemann hat jedoch guten Verdienst und ist sehr ordentlich. Die Frau hatte in einem Anfall von Geistesstörung gehandelt. Schlimme Folgen eines Sturmes. In der britisch-süd-afrikanischen Kolonie Natal hat ein heftiger Sturm großen Schaden. angerichtet. In Pinetown barst ein Wasserreservoir; ungefähr 200 Jndier und Eingeborene sind umgekommen. Die Verbindungen wurden unterbrochen; der Postzug nach Johannesburg mußte 13 Stunden südlich von Eastcourt liegen bleiben. Bei Umzinto ist das schwedische Schiff Trichera" wrack geworden. Neun Mann der Besatzung, einschließlich des Kapitäns, verloren ihr Leben.
Von einem Pan.y.r Paare zerfleischt
wurde rn Sevilla die Thierbändigerin Donna Felicia. Das grausame Ge schick der durch hervorragende Schönheit sich auszeichnenden Künstlerin hat kine ergreifende Vorgeschichte. Vor Jahren, als Donna Felicia noch jung und unerfahren war, hatte sie den Liebeseinflüsterungen des ebenso schönen wie reichen Edelmannes Don d'Almei da nicht widerstehen können und war lhm auf sein Schloß gefolgt. Bald war der Liebesrausch bei dem Galan verflogen und nun stand Donna Felicia. von den Ihrigen verstoßen, allein in der Welt. Sie wurde nach mannigfachen Abenteuern Thierbändigerin und trat jüngst im Zirkus zu Sevilla auf. Aus der jugendlichen Knospe war inzwischen eine voll aufgeblüht?, reife Frauenschönheit geworden. Don d'Almeida war zufällig imZirkus, und eine heiße Leidenschaft entflammte in ihm; nach der Vorstellung ging er zu der Bändigerin und brachte seine Liebeswerbung vor. Da plötzlich erkannte er die ehemalige Geliebte; kniefällig bat er sie um Verzeihung und schwor ihr von neuem ewige Treue. Donna Felicia ging scheinbar auf das Verlangen d'Almeidas ein; doch ein glühender Haß war der ehedem abgöttischen Liebe für den treulosen Marquis gefolgt. Ein Pantherpaar, das sie kürzlich erworben, sollte Rächer ihrer verschmähten Liebe werden. In der eigcnen Wohnung schuf sie ein Modell, das dcr Gestalt Ton d'Almeidas getreu lich nacbgebildet war, und hetzte die wilden Bestien darauf. Oft wieder bolte sie das furchtbare Schauspiel, bis sie den Tag der grausamen Rache für gekommen erachtete. Als Don d'Almeida im Boudoir der schonen Frau um ihre Liebe warb, öffneten sich plötzlich nach einem Druck auf ei uen elektrischen Apparat die Thüren und aus dem Vorzimmer stürmten die Bestien in wilder Gier auf den Edel mann los. Schon hoben sie die mäa tigen Pranken, um dem unglücklichen Edelmann ben Tod zu geben, da er wachte die alte, nie versiegte Liebe in Donna Felicia. Sie hob die Pritsche, stürzte sich zwischen den Gelieb ten und das Pantherpaar und schlug mit voller Wucht auf die Bestien ein. Die gereizten Thiere ließen von ihrem ersten Opfer ab und stürzten sich auf ihre Herrin, die in wenigen Sekunden zerfleischt war. Don d'Almeida, der, selbst schwer verwundet, in den letzten Zügen am Vodcn lag, konnte ihr keine Hilfe mehr leisten. Die Schöne mit dcm..Turchzicher. Ein Sprößling des Neapolitanischen Patriziraths und zwar aus dem glorreichen Hause derer von Pignatelli lenkt wieder einmal die Blicke des gesammten sensationslüsternen Italien auf sich. Und das kam so: Hektor hieß er. der junge Held, der sich ein Jahr hindurch mit einer improvisierten Andromache, einer Französin, in den vier Mauern von Troja-Monte Carlo herumtrieb, bis das Kleingeld alle war. Leergebrannt wie Jlion nach dem zehnten Jahre zog Hektor Marquis Pignatelli mit seiner Schönen Emilia Leumason nach dem Lande Italien zurück, um sich am MüITei busen der alten Marchesa auszuweinen und die Erzeugerin anzupumpen. Umsonst Frau Hekabe blieb unerbittlich, und die leichte Schöne wurde nach Rom abgeschoben. Lange aber f iiclt es aber der Marchese nicht ohne seine Flamme aus. Er reiste ihr nach und traf sie zufällig im Hause eines Freundes, der gleichfalls mit ihm in Monte Carlo gehaust und sich nunmehr in Rom auf den edlen Beruf des GeldVerleihers verlegte. Die schöne Emilia erblicken, auf ein daliegendes Rasiermesser zu stürzen und ihr nach Neapolitanischer Sitte das Gesicht nach allen Richtungen durchschneiden, war eins. Dann ergriff der edle Marquis die Flucht, während Emilia unter (St- : zeter ins Spital geschasst wurde. Fräulein Leumason, die auf der Bühne auftritt, wird m Zukunft ganz besonders für deutsche Studentenrollen wie Alt-Heidelb:rg" und dergleichen befahigt sein. Sie braucht sich keine künstlichen Schmisse" aufzumalen. Auf einem Dampfer unweit Werchnedneprowsk am Tnjepr erschoß der Millionär Grekolv den Kosakenoffizier Petrow. von dem er beleidigt und in s Gesicht geschlagen worden war. Er wurde verhaftet. Gegen das Tragen von KZeiderschleppen hat die Polizeiverwaltung in Nordhousen zur Verhütung von Gesundheitsgefahren und Velästigungen durch Staubenwickelung" eine Polieiverordnung erlassen. ZuwiderHandlungen werden mit 30, Mk. Geldstrafe oder entsprechender Haft aeahndet. Die Promenadenstrecken, für die das Verbot gilt, sind genau bezeichnet. Ein rei chsländischcs Blatt brachte kürzlich die Nachricht, daß am 1. Oktober d. I. in der Festung Bitsch eine Kriegsschule für Einjährig-Frei-willige der Infanterie zur Ausbildung von Reserveoffizieren eingerichtet werden solle; die am 1. Oktober zur Entlassung kommenden Einjährigen könnten die achtwöchige erste Uebung gleich anschließen; bewähre sich die Einrichtung. so solle sie auch auf andere Armee'korps ausgedehnt werden. Wie der Halbmonatsschrift für die Offiziere des Beurlaubtenstandes Allzeit bereit" von zuständiger Seite in Straßbürg mitgetheilt wird, ist dort von einem solchen Plane nichts bekannt.
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