Indiana Tribüne, Volume 28, Number 264, Indianapolis, Marion County, 29 June 1905 — Page 5
Vsv v Jndiana Dibüne, 29 Juni 1903 S
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Europäisches tsltpavtmttf F WVvv Ma W f Wechsel, CreMbriese. Postanweisungen. auf alle Städte Europas,
Kchiffsscheins von und nach Europa. An- unv Verkauf atI&tt&i scheu Geldes. H Mm Ro. 35 Süd Meridian Str. Merchants Xational Bank. shre Kinder sollten früh im Leben 3 den Werth der kleinen Ersparniste erkennen lernen. Die Wichtigkeit einer strengen Erziehung in dieser Hinficht kann nicht zu hoch geschätzt werden. Mit wenig oder gar keinen Kenntnissen über den Werth des Geldes und nur mit dem Wunsch beseelt, alle Pfennige in Schläckereien und anderer unnützen Weise auszugeben, haben die Kinder davon gar keinen Nutzen, sondern wirkt für sie nur schädlich. Fünf undzwanzig Cents eröffnen ein Conto mit unserer Gesellschaft für jedes Ihrer Kinder. Warum nicht heute beginnen ? Das Wachsen des Contos wird sich interessant und lehrreich erweisen. Indiana Trust Co., Caxitol $1,000,000 Uebnschub 75,000 Die Perfeet Gas Range wird zum Koftenpreise verkauft, abgeliefert und aufgestellt ohne Unkosten. Der sparsamste Ofen für Kunftgas. Sprechen Cie vor und sehen Sie dieselben im Gebrauch. THE INDIANAPOLIS GAS CO., 49 S. Pennsylvania Str. Politische Ankündigungen. Wm. Kaiser, empfiehlt sich den Stimmgebern der Stadt Indianapolis als andidat für Stadt.Elerk. Unterworfen der Entscheidung der republi kanifchen NominationS -Convention. John Lzeidenreich, ..Der Florist". Ecke Applegate und Iowa Straße, empfiehlt fich.den Stimmgebern der 13. Ward als andidat für Stadtrath, Unterworfen der Entscheidung der demokra tischen NominationS Convention. Michael Vinci, 5ommisnonS - Händler, 122 Süd Delaware Straße, empfiehlt sich den Stnnmgebern der Uten Ward ali andidat für den Stadtrath für diese Ward. Unterworfen der Entfchei dung der demokratischen NominationS Kon vention. Grundeigenthums - Uedertragungen. John B. Grifsey an Catherine R. BackuS, Theil von Lot 120, Reagan Park Add.. 5 bei 40 Fuß, vacant, nördliche Seite der 23. Str., westlich von BeÜefontaine Str. 700. William Ward an Henry Riesenberg, Lot 25, Block 30, Roach'S Nord Indianapolis, 30 bei 125s Fuß, verbessere, nördlich der 26. Str., westlich von Annette Str., $1,300. Mary S. Butler an Sarah R. Li fonitz, Lot 14, Johnson'S Subdivifion, Theil von Johnson's Erben Addition. 3100. ThoS. G. Harrison an Jrka Crane, Lot 3, Vail'S Oft Washington Str. Addition, 43.1 bei 50.90 Fuß, derb., Westseite der McKim Ave., südlich von Washington Str. $1600. Neue Zncorporatione. In der Office des StaatS.SekretärS wurden folgende Inkorporationen eingereicht: Die Mecca Publishing Co.-, Mecca; Capital 13000; Directoren: I. T. Towey, S. S. Jacob, I. A. Mendenhall, F. I. Crban und A. E. Coen.
Die Schlacht.
Ckizze von Arnulf Bolkmar. Der Heerwurm kroch durch die Lande, glitzernd im Sonnenbrand. Vorwärts und rückwärts, angeschmiegt an die Windungen der Straße, eine endlose Masse von Menschen, die allmählich verdämmerte in grauen Nebeln von Staub. Zur Seite breiteten sich saftgrüne Wiesen und reife Felder, der Sichel harrend. Weithin tönt der dumpfe Lärm der unzähligen Schritte. Singen hört man nicht, auch nicht viel Sprechen. Heute früh beim Abmarsch wie lang ist's doch her? 5 Uhr. jetzt ist's y2ll da haben sie geplaudert, als noch Morgenkühle den erwachenden Sommertag durchwehte. Aber jedt zu schwer legt sich der Brodem der Menschenmasse auf die Brust, zu heiß lastet die Sonnengluth. Sie sind nicht eigentlich müde, die Soldaten der 6. Kompagnie. Gerade so wenig wie die Anderen. Müde? Wer denkt daran? Wer denkt überHaupt etwas? Das Ganze ist ja nur eine große Maschine. Die Schrauben und Räder der Maschine haben da nichts zu denken, sie haben einfach da zu sein und im richtigen Gleichmaß ineinander zu greifen. Woher? Wohin? Die den Marsch befohlen haben, die Offiziere, die wissen es vielleicht. Doch der kleine Leutnant Sicherer und Oberleutnant Scholz und Hauptmann von &tomm wissen es auch nicht die anderen zlvei Leutnants liegen hinten im Lazarett am Typhus vielleicht sind sie auch schon todt man weiß nicht. Es ist glühheiß. Alles lechzt nach Erquickung, nach einem Tropfen Regen. In unbarmherzigem Blau aber leuchtet der Himmel; .Gott sei Dank," sagt Sicherer, es kommt ein Wetter. Man hört schon den Donner!" Ja, jetzt höre ich's auch. Es ist da vor uns im Westen. Wenn wir den Hügel hinauf sind, müffen wir die Wolken sehen." Es ist auch höchste Zeit. Die Leute können schon kaum mehr vor Hitze." Und Scholz wendet sich zu einem der schweißbedeckten Soldaten: .Na, geht's noch, Grandauer?" .Da feit si' nix, Herr Oberleutnant! Bal' wir's nur no erwischen, die Sackramenter!" Und wieder rollt der Donner, noch weit entfernt. .Straße frei!" tönt das Signal. Alles schließt nach rechts zusammen. Von rückwärts kommt's rasselnd gesaust. Lange Artilleriekolonnen in fliegendem Trab. Die Kanoniere krumpfen sich an ihre Sitze, jäh hinund hergeschleudert bei der wilden Fahrt. .Da schaug, die pressirt's!" .Sicherer, ich glaube, das ist kein Gewitter!" Hauptmann von Klamm wendet sich um: Leute wir haben sie!" .Zeit is!" Rasch eilt das Wort durch die Glieder, die Blicke heben sich vom Boden und starren nach vorwärts, dorthin, wo die Artillerie eben verschwunden ist, woher immer lauterer Lärm dröhnt. Alles ist wieder lebhaft, vergessen Müdigkeit und Hitze. Wir haben sie! Was nun? In fieberhafter Spannung blickt alles nach vorn. Jetzt, in der nächsten Sekunde mutz es kommen, irgend etwas Großes, Bedeutendes für jeden Einzelnen. Oder jetzt, wenn wir droben sind auf dem Hügel, jetzt müffen wir das sehen, worauf wir seit Tagen warten, die Schlacht. Sie sind auf der Höhe. Die Straße hinunter zieht sich die wimmelnde, glitzernde Kolonne zwischen dem Feldergrün, bis sie vorn im Walde verschwindet. Und weiterhin, irgendwo brüllen die Geschütze. Sonst Nichts! Oberleutnant Scholz wirft seine Blicke hinaus in die Landschaft. Was ihn die Erschöpfung, der Stumpfsinn des Marsches hatte vergessen lassen, das sieht er jetzt wieder: das goldene Licht, das auf dem Grase liegt, die tausendfarbigen Blumen, das wechselnde Jneinanderspielen von Hügel und Himmel, von Wald und Wiese, Häusern und Feldern, Schatten und Sonne mit der ewig gleichen und doch stets neuen Schönheit. Wie lange ist's her, seit er das zum letzten Mal so gesehen? Wohl sehr, sehr lange. Seit den Tagen, da er noch ganz jung war, da er den Kampf seine Lebens noch nicht begonnen hatte. Ein Sommerabend war es an einem See, zu dem von ferne die Felsen des Hochgebirges herüberdrohten. So ganz deutlich steht das Bild noch vor ihm, als hätte er all' sein Leben lang nichts Anderes gesehen. Und die znxi Schwestern. Betty Jordan, deren zierliche Gestalt, beweglich wie eine Eidechse, um die Stämme des Waldes schlüpfte. Er sieht wieder ihre schimmernden, ewig unsteten Augen, die wilde Rose, die sie ihm schelmisch überreicht, hört ihr silberklares Lachen. Und an einen Stamm gelehnt die andere, Hermine, die aus großen Augen mit schweigenden, verträumten Blicken in'S Blaue starrt. Was in seinem Herzen lebte seit vielen Woche.l. das wollte nun losbrechen, und doch zwang er es zumSchweigen, bis dieSonne allmählich versank und die ersten Sterne am rosigen Himmel emportauchten. Da schritt er an Bettys Seite, sie
schmiegte sich eng an ihn und ließ ihm gern ihre Hand. So war'S ohne Worte gesagt. Was war gesagt? WaS hatte Betty gefühlt in jener Stunde? Er weiß es heute noch nicht. Aber damals wähnte er's zu wissen. Es war der letzte Abend jugendfrohen Träumens. Des andern Morgens mußte er damals zurück in die Garnison. Als er die beiden Schwestern nach ein paar Wochen wiedersah, da gestand Betty ihm. .ihrem lieben alten Freund", ihre Liebe zu seinem Kameraden. An jenem Abend hatte sich Scholz sinnlos betrunken. Er fürchtete sich so vor dem Denken. Man stirbt ja nicht an dergleichen, aber in jener Stunde war etwas auf immer zerbrochen in seinem Leben, das fühlte er damals und fühlt es noch heute: der Jugendmuth und der Jugendglaube. Es begann der harte, eiserne, schweigende Kampf. Das nächste Ziel seiner Pflicht hatte er bald erreicht. Die beiden waren verlobt. Die entgegenstehenden pekuniären Schwierigkeiten hatte er beseitigen helfen, indem er Hermine überredete, auf einen Theil ihrer Mitgift zu verzichten, damit die ältere Schwester den vermögenslosen Offizier heirathcn konnte. Nun schien er sich des Glücks der beiden Verlobten am besten zu freuen. War er aber allein, dann brach das stolze Gebäude seiner Entsagung in traurige Trümmer. Irre Gedanken durchrasten ihn, heiße Sehnsucht glühte in ihm, sich wenigstens an ihrem Anblick zu berauschen, wenn er gleich wußte, daß jedes Wiedersehen sein Elend nur vermehrte. Und er sah sie nur zu oft. Es ging jäh bergab mit ihm. Aber er ging nicht unter. Langsam, langsam kam es wieder über ihn, der Trotz und der Trost. Der Trotz. Er wollte nicht untergelen. Nachdem er den Muth gehabt, wortlos zu entsagen im Gefühl seiner FreundesPflicht, wollte er auch die Kraft haben, die Folgen zu tragen in stolzer Trauer. Doch milde Wärme durchdrang den Dunst, und bleiche Sonnenstrahlen leuchteten durch den Nebel. So kam ihm der Trost, lange unbewußt und unverstanden. Allmählich gewann er Gestalt. Und eines Tages, als ihm im Haus der so sinnlos Geliebten die Verzweiflung fast übermannte, als er sich die Fäuste zerkrampfte, um nicht hinauszuschreien vor Weh. und unter gequälten Scherzen sein Elend zu verbergen suchte, da legte sich eine warme, weiche Hand in die seine, und er hörte die schlichten Worte: Sie thun mir so sehr, sehr leid, mein armer Freund!" Es war Hermine. Sie wußte alles. Er hatte die jüngere Schwester nie so recht beachtet. Wohl hatte er bemerkt, daß sie tiefe, sinnige Augen hatte, aber geblendet von Bettys Glanz Hatte er sie immer nur von oben herab, als das Kind, behandelt. Und nun sah er, daß sie allein sein ganzes Wesen verstand, daß si allein schon lange die lustige Maske durchschaut hatte, die sonst allen undurchdringlich war. In stets gleichem Mitleid ließ sie alle Launen seines Kampfes über sich ergehen, nur ein sanfter, bittender Blick bat manchmal um Schonung. Unter den Bäumen war der Schall des Gefechtes fast verstummt. Kam's vielleicht gar nicht zum Schlagen? Doch halt da vorn das Regiment biegt ja von der Straße ab, hinein in den hochstämmigen Wald. Wie wohl thut das linde Moos den schmerzenden Füßen, die stundenlang auf der steinhartenStraße marschirt waren! Nun aber stemmt sich mannshohes Jungholz, ein stachelbewehrter Wall den Vorschreitenden entgegen. Die Glieder lockern sich. Die Arme schützend vor's Gesicht haltend, drängen sich die Vordersten hinein. Ihnen nach die Anderen. Da, dort klirrt ein Helm zu Boden. Ein Tannenzweig peitscht mit klatschendem Schlag das Gesicht eines Soldaten ein unterdrückter Fluch und weiter! Endlich ist ein Holzweg erreicht mit tief eingefahrenen Gleisen. Alle athmen auf nach der Hetze durch den Wald. Allmählich sammeln sich die Abtheilungen wieder, hier unj) dort kommt noch einer mit plumpen Sprüngen nachgekeucht. Weiter geht der Marsch! Und weiter gehen die Gedanken. Scholz und Hermine hatten sich gefunden, ohne es zu wollen. Und als sie eines Tages erkannten, daß sie sich noch lange, lange nicht gehören konnten, da ja die Kaution nicht vorhanden war, und als ihnen der dumme Verstand sagte, das Beste sei, gleich auseinander zu gehen, da waren sie schon mit einander verwachsen auf Tod und Leben, daß sie nicht mehr sich von einander reißen konnten. Es war für ihn vielleicht nicht mehr dir fröhliche Leidenschaft wie einst für Betty, es war eine ruhige, milde Sonnenwärme, die nicht auflodert zu jähem Brand, ohne deren lindes Leuchten es aber kein Leden geben könnte. So traten sie ein in den stummen Kampf mit der schleichenden Zeit und warteten. Vorbei ging ihnen die erste Jugendblüthe sie warteten. Das Ziel kam näher. Sie warteten. Bis der Feldzug kam. Beim Abschied hatte sich Hermine in seine Arme gestürzt und hatte nicht lassen wollen von ihm. Aber die harte Pflicht rief. Er ging. Nun war er nahe am Ziel. Kam zurück, so war er sicher Hauptnrnnn, und sie konnte sein Weib werden.
Wenn er aber nicht zurückkam? Er wollte zurückkehren! Er wollte noch leben! Der Wald öffnete sich in ein schmales Wiesenthal. Sofort wird wieder Kanonendonner vernehmlich. Und neue Töne mengen sich in die gewaltige Symphonie der Schlacht. Hohes, gellendes Knarrni und Knattern neben dem dumpfen Brüllen von vorhin. Da verfliegen alle Gedanken. Weiß man etwas über das Gefecht, Herr Hauptmann?" Gar nichts. Aber es ist Ernst!" Sixt's, Huber, wir bleib'n wieder hinten!" ..Du. Thalhofer. bal' t' nimmer heimkumm' woaßt's ja eh' grüß' d' Moidl!" Die machen a g'sunde Musi d vorn!" Herrgott, Parzruger, jetz' war' n' frische Maß am Platz!" Da lachen sie alle. Wie endlos lange das Warten doch dauert! Und immer der gleiche Lärm! Da vorn ringen sie und kämpfen und bluten. Wir stehen ruhig und sicher in der Deckung. Warum doch? Warum helfen wir ihnen nicht? Da jagt's in athemlosen Galoppsprängen heran. Ein Adjutant macht seine Meldung. Was ist's? Man kann es nicht hören. Die Hauptleute sprengen zum Kommandeur. Und schon die erste und zweite schwärmen aus steigen die Höhe hinan verschwinden. Nun aber Schwärmen!" Das sind wir. Es geht wie auf dem Exerzierplatze, die Zugführer vor der Front, die Leute mit gleichmäßigen Zwischenräumen. Links von uns, auf der Höhe, steht die Artillerie. Nach vorwärts fällt das Gelände langsam ab ms zur großen Straße mit ihrer einzelnen Pappelreihe. Dort in den Gräben, angeschmiegt an ihre Windungen, eine lange, schwarze Linie unsere Schützenlinien. Dahinter zerstreut, in den Bodensenkungen gedeckt, größere und kleinere Trupps. Aber der Feind! Wo ist der Feind? Nach vorwärts dehnen sich leer die Felder bis zu den nächsten Hügeln und den dunklen Wäldern. Aber wo ist der Feind? Mühsam schreiten sie vorwärts durch den weichen Boden eines Kartoffelackers. Da vorn liegt einer lang ausgestreckt in einer Furche. Das Gesicht am Boden. Die Finger krallen sich in die Erde. Er ist todt! Was ist doch das für ein Heulen und Schwirren in der Luft, was für ein scharfer, schneidenderTon zwischen dem Knattern und Brüllen? Was hat denn der Grandauer? Der wirft plötzlich die Arme in die Luft und reckt sich hoch auf. Dann fällt er hin. Und noch ein paar. Es ist kein Kommando gefallen, kein Zeichen gegeben worden. Aber die ganze, lange Linie, unwillkürlich, läuft, rennt, stolpert vorwärts durch den tiefen, sandigen Boden. Hier und da ein Schrei einer bleibt liegen. Da sind endlich, endlich die Pappeln! Rechts von den anderen werfen sich die Soldaten, keuchend aus tiefster Brust, in den Straßengraben. Die Gewehre fliegen an die Wange. Aber man sieht ja nichts vom Feind! Und doch knattern schon die ersten Schüsse. Es ist eine Erlösung, das zu hören: wir dürfen uns jetzt wenigstens wehren! Oberleutnant Scholz reißt das Fernglas vom Auge. Dort am Waldrand! Visier 700!" schreit er seinen Nebenleuten in's Ohr. Einer mit verzerrten Zügen reißt den Mund weit auf. Ein Schmerzenschrei wahrscheinlich. Das hört man aber nicht bei dem Lärm auf allen Seiten. Kaum noch die Kanonen. Nur das unheimliche Schwirren tönt noch deutlich um die Ohren. Es ist ein heißes, zähneknirschendes Ringen aber nicht Brust gegen Brust sondern gegen jenes unsichtbare Etwas, das pfeifend die Luft zwischen der Straße und den Wäldern erfüllt. So geht es lang, lang weiter und immer gleich stark fliegt vom Waldrand das Verderben. Werden die denn gar nicht weniger? Oberleutnant Scholz will das Glas an die Augen führen der Arm gehorcht nicht. Da, am Oberarm färbt sich das Tuch roth. So, also verwundet! Mehr zu danken, ist keine Zeit. Er nimmt den Feldstecher in die Linke. Wieder wie am Anfang ein kurzes, keuchendes Laufen dann Hinwerfen Feuern! Rechts, links, überall gehen bald lange, bald kurze Linien vorwärts. Nur im Straßengraben hinten liegen sie noch dicht: das sind die, die nimmer aufstehen. Aber die Lebenden siegen! Noch ein Sprung! Immer wächst die Zuversicht, weicht die Beklemmung. Wir siegen! Alle drängt der Gedanke nach vorwärts. Sie wollen heran, wollen ein Ende machen, womöglich Mann gegen Mann. Mit blitzendem Bajonett. Wir siegen! Hermine, wir siegen! Das erste Mal, daß Scholz' Gedanken wieder vom Schlachtfeld weggehen. Ein hoher Jubel ist in ihm wie in Allen. Es geht vorwärts! Was macht's dabei, daß der rechte Arm schlaff herabhängt! Die Lebenden siegen! Es fallen von drüben nur noch ganz wenige Schüsse man kann die einzelnen fast unterscheiden, es ist nicht mehr das auf- und abwogende Rollen v n vorbin. Wir sieben!
mn dumpfer Schlag trifft dte Stirn des Oberleutnants. Drei Tage später drängen sich daheim in den illuminirten Straßen unzählige frohe Menschen. Man reißt sich um die Zeitungsblätter, in denen die genaueren Meldungen stehen über den ersten großen Sieg. Auch von den Gefallenen liest man es sind sehr viele. Haben Sie nicht auch den Oberleutnant Scholz gekannt?" Ja, ich trab's gelesen, er ist auch bei den Gefallenen." Es ist schade um ihn. Und seine Braut thut mir leid." Vielleicht ist er auch zu beneiden. Auf der Höhe seines Lebens, im Sieg für eine große Sache, ohne Leiden es mun ein schöner Tod sein." Sie mögen recht haben!" In dunklen Zimmern aber sitzen weinende Frauen und wissen nicht. was sie mit ihrem Leben nun noch an fangen sollen.
Dichter und Diplomat. Der im Alter von 81 Jahren verstarbene spanische Schriftsteller Don Juan Valera war nicht allein Poet, sondern auch Diplomat. Als solcher war er in Lissabon, in Rio de Janeiro, in Dresden, in Petersburg, m Washington, in Brüssel und zuletzt (18931895 als Botschafter) in Wien thätig. Einer seiner prächtigen Romane Pepita Jimenez" ist auch in deutscher Uebersetzung erschienen. Ob der Poet in ihm dem Diplomaten zuweilen in'? Handwerk pfuschte, können wir nicht beurtheilen, dagegen verdankt eine seiner reizendsten Novellen offenbar dem Umstand seine EntstehunK, daß er nicht bloß Dichter war, sondern auch . . . Diplomat. Diese Erzählung spielt selbstverständlich nicht in der Gegenwart ... so aufrichtig kann ein Diplomat nicht gut sein, .wenn er auch als Dichter die Wahrheit liebt. Da sie übrigens vermuthlich nur sehr wenigen Freunden der spanischen Literatur bekannt geworden ist, sei ihr Inhalt hier kurz skizzirt. Valera erzählt von einem Liebespaar aus der Zeit des Königs Salomo, das aber nicht im alten Jerusalem lebt, sondern an der Küste Spaniens in Jberien. Sie haben einander beide sehr lieb, die reizende Echaloria und der feurige Mutileder, und so ist der Jammer natürlich groß, als eines Tages Echaloria von einem phönizischen Seefahrer Namens Adherbal geraubt wird. Mutileder ist kühn genug, um ihr zu folgen, und nachdem er in Erfahrung gebracht hat, daß sie an den Hos des Königs Salomo gekommen ist, nimmt er Dienst in der Leibgarde seiner Majestät. Schon lächelt ihm das Glück und er ist nahe daran, Echaloria von Angesicht zu Angesicht zu sehen, da kommt die Königin von Saba zu Besuch und nun passirt Mutileder dasselbe, was schon Echaloria passirt ist. Diese hat sich von ihrem Herrn und Gebieter Salomo bethören lassen, Mutileder, in dessen schönes Rothhaar sich sofort die Königin von Saba verliebt, verliert sein Herz an die hohe Frau. Aber weder Echaloria noch Mutileder sind modern genug, um über solche Verirrungen leichten Herzens hinüberzukommen. Sie gehören ja auch der prähistorischen Zeit an. Und so wird der salomonische Gardeoffizier durch den Gedanken an Echaloria von seinem Glück zurückgehaMn und die salomonische Hofdame durch den Gedanken an Mutileder. Beide machen sich schwere Vorwürfe und furchtbar lastet auf ihnen die Treue. Ach diese Treue! Poeten wiegen sich in dem Traum, sie sei schon das Glück. Treue und Liebe sei ein und dasselbe Liebe ohne Treue sei keine Liebe, Treue ohne Liebe gebe es nicht. Die Novelle Don Juan Valeras aber wird von dem Diplomaten zu Ende geführt. Der Zauberer Abaris macht die Entdeckung, daß Echaloria und Mutileder seine Kinder sind. Theure Erinnerungen aus der schönen Zeit, da er angeblich an der iberischen Küste gelebt hat! Sie sind also Geschwister und haben keine Verpflichtung mehr zur Treue Echaloria wird mit Salomo glücklich, der Gardeoffizier mit seiner Königin. Ob Abaris für seine erfolgreichen Bemühungen zum Wirkl. Geh. Legaiionsrath mit dem Prädikat Excellenz ernannt wurde, verräth uns der schalkhafte Dichter nicht, aber vermuthlieh ist es also geschehen. Naiv. Patient:' Ich hätte gern, weil ich gerade hier in der Gegend bin, dem Doktor meinen Kehlkopf gezeigt; da er aber nicht zu Hause ist . . Diener: Hinterlassen können Sie ihn wohl nicht?" Etwas reichlich. Gast (nimmt im Restaurant allein am Tisch Platz und bestellt): Kellner, eine Flasche echten Champagner!" Kellner: Sehr wohl (geht ab. um das Verlangte zu holen). Gaft (ruft ihm nach): Extra Dry!" (Nach zwei Minuten.) Gast: Herrgott, was bringen Sie denn da? Das sind ja vier Flaschen!Kellner: Na ja, Sie hatten doch noch eztra drei bestellt! Hell muß es sein... Donnerwetter, ist das aber finster bei Ihnen; ich denke, Sie haben sich elek irische Beleuchtung angeschafft?!" Ja, ich suche eben nur die Streichhöl zcr, daß ich den Gasanzünder andren ne, womit ich die Flamme anstecke, bet der ich den elektrischen Druckknopf sinden kann!"
I n Eumberland. Md.. verlor vor zwei Jahren der 12 Jahre alte Knabe Clären Appold auf dem Wege zur Arbeit auf den Bahngeleisen seine beiden Beine, welche auf dem Friedhofe beerdigt wurden. Am letzten Gräberschmückungstage begab sich der Knabe noch dem Grabe und legte zwei Kränze auf die Stätte, wo seine Beine beerdigt wurden. Vor allzu großem Klei derprunk von Schülerinnen bei Schulfeierlichkeiten hat der Schulrath in Boston gewarnt; ländliche Schulbehörden in Massachusetts gingen sogar soweit, den Preis für das Kleid auf $3.50 als Höchstbetrag festzusetzen. Derartige Weisungen erfolgen Hauptsächlich aus Rücksicht auf solche Schulmädchen, deren Eltern ihnen die Mittel nicht geben können und die es bitter empfinden, wenn ihnen die Armuth durch den Putz und Prunk von Mitschülerinnen so fühlbar gemacht wird. Im letzten Dezember planten bekanntlich die BaumwoUpflanzer des Südens, einen gewissen Theil ihrer Baumwolle zu verbrennen, um den an geblichen Ueberschuß aus der Welt zu schaffen und die Preise in die Höhe zu treiben. Jetzt werden sie sehr froh darüber sein, daß sie diesen hitzigen Gedanken nicht ausführten. Sie sinden jetzt, daß sie bei der starken Nachfrage des Auslandes mit ihrem großen Vorrath zu billigeren Preisen besser fahren, als sie mit verkleinertem Vorrath und etwas höheren Preisen gefahren sein würden. Kürzlich wurde aus einem westlichen Orte gemeldet, daß Ratten ein Kindchen in der Wiege bissen. Noch weit ärger ist aber folgende Meldung aus Maryland: In der Nähe von Welsh Run bei Hagerstown ist das zwei Monate alte Kind von Noah Schenk und Frau von Ratten so schlimm zerbissen worden, daß es bald darauf starb. Das Kind lag auf zwei Stühlen, während die Eltern am Tisch saßen und durch das Geschrei des Kindes auf die Gefahr aufmerksam wurden. Die Ratten hatten dem Kinde die Fingerspitzen abgebissen und die Wangen und Augen ausgerissen. Ein Ausbruch von Gefanoenen aus dem Gefängniß in Oakland, Md., wurde dieser Tage entdeckt und verhindert. Der Arzt hatte für einen Irrsinnigen als Schlafmittel eine Dosis Opium verschrieben. Das Gift gelangte in die Hände der Gefangenen. und diefe zwangen unter Drohungen John Allen, der nur einen kurzen Termin abzusitzen hatte und als Schließer fungirte, das Gift einzunehmen, um diesen unschädlich zu machen. Die Dosis war aber zu groß und machte Allen krank. Seine Schmerzensrufe brachten den Sheriff auf die Scene. Dieser fand, daß ein Theil des Trottoirs entfernt worden, war und in wenigen Minuten der Ausbruch eine vollendete Thatsache gewesen wäre. Ein Arzt in Washington. D. C., behauptet, daß Kahlköpfige nie schwindsüchtig werden, und daß Leute, die ihre Haare in jungen Jahren verlieren, keine Gefahr laufen, ier Tuberkulosis zum Opfer zu fallen. Der 'betreffende Arzt hat seit fünf Jahren genaue Beschreibungen seiner an Schwindsucht leidenden Patienten aufbewahrt; er hatte mehr als 700 Patienten mit der gefährlichen Seuche, und nicht einer derselben war kahlköpfig. Ferner behauptet er, daß in einer Heilanstalt schon über 5000 Fälle von Tuberkulosis verzeichnet wurden, von denen ebenfalls keiner eine Glatze hatte. Der Doktor macht keinen Versuch, die Ursache wissenschaftlich zu begründen, sondern veröffentlicht nur das Resultat seiner statistischen Beob-.. achtungen. Eine neue Eisenbahn wird von Marinette County, Wis., nach Superior und Duluth gebaut. Dieselbe wird zwölf Counties berühren oder durchschneiden, wird 260 Meilen lang, reiche Gegenden einschließen und ganz bedeutend zur industriellen EntWicklung des nördlichen Wisconsin beitragen. Das Projekt, für welches das erforderliche Kapital auch schon gesichert ist, ist eine Verlängerung der Wisconsin & Michigan - Bahn. Die zwischen Marinette und Superior liegenden Counties, durch die die neue Bahn führen wird, sind Florence, Forest, Oneida, Vilos, Jron, Price, Ashland, Sawyer, ayfield, Wafhburn und Douglas. Die neue Bahn, deren Jnkorporationsartikel bereits beim Staatssekretär eingetragen wurden. erhält den Namen Muscauno & Northwestern - Bahn. Ein geheimnißvoller Selbstmord ist der von John Dammon, dem jungen Sohne eines acht Meilen von Glencoe, Minn., wohnhaften Farmers, am Abend vor seiner Hochzeit mit der Tochter des Nachbars, Frl. Dora Walter. Die jungen Leute waren nur wenige Tage von einander geboren und seit ihren Kindertagen Gespielen gewesen. Für eine großartige Hochzeit waren alle Anstalten getroffen und die mehr als 100 zählenden eingeladenen Gäste hatten bereits eine Menge schöner Geschenke gesandt; selbst die Braut befand sich im Hause der Schwiegereltern, als man Borgens den Bräutigam erhängt in er Scheune fand. Kein einziges hinterlasseneS Wort giebt Aufschluß über das Motiv der grausigen That. Da Begräbniß fand von der Kirche auS statt, wo die jungen Leute für's Leben vereinigt werden sollten.
