Indiana Tribüne, Volume 28, Number 263, Indianapolis, Marion County, 28 June 1905 — Page 3

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Die Marokko-Frage Gewinnt in Paris eine bessere Aussicht aus gütliche Lösung.

Teutschland's Antwort freundlich aber fest. Arbeitersperre in Geeftemünde. Sozialisten in Polen überrumpelt. Kämpfe in Deutsch-Südwestafnka. Agitation gegen die Ver. Staaten in China.

Frankreich. Bessere Aussichten. Paris, 27. Juni. Die deutschfranzösischen Beziehungen waren Ge genftand der heutigen Beiathungen des MinifterratheS. In Regierungskreisen ift man der Anficht, daß die Spannung zwischen beiden Ländern durch die Mittheilungen, welche der französische Botschafter in Berlin über die Stellung der deutschen Regierung gemacht hat, als bedeutend gemildert betrachtet wer den kann. Man weiß, daß die deutsche Note sehr freundschaftlich gehalten ift, aber dabei bleibt, daß die Marokko-Frage durch eine Konferenz der Signatarmächte der Madrider Convention geregelt werden sollte. Man freundliche Ton der Note eS Frankreich erleichtert, einer Conferenz zuzustimmen. Die deutsche Antwort will der Conferenz freien Spielraum für ihre Verhandlungen lassen, ift aber geeignet, die Grenzregulirung zwischen Marokko und Algier zu erleichtem. Wenn auch keine offizielle Erklärung bezüglich der Absichten Frankreichs erlaffen wurde, herrscht in diplomatischen Kreisen doch allgemein das Gefühl, daß' eine Vereinbarung auf der Basis einer Conferenz erreicht werden wird. Paris, 27. Juni. Die deutsche Antwort auf die französische Note wurde durch Botschafter Fürft Radolin dem Premierminifter Rouvier überreicht. ES folgte eine längere Unterredung zwischen beiden. Man glaubt, daß Rou vier vorbereitet ift, die Controverse durch Annahme der Konferenz oder durch Gegenvorschläge zu beenden. Er theilte dem Botschafter mit, daß keine Entscheidung getroffen werden könne, bis die deutsche Note dem Minifterrathe in seiner nächsten regelmäßigen Sitzung vorgelegen habe, die am Freitag statt finden werde. Daß als Gegenleistung für Frankreich's Verzicht in Marokko Deutschland dem französischen Einflüsse in Perfien Zugeständnisse machen wolle. wird in offiziellen Kreisen als unbegründet erklärt. Man wünscht dort nicht mit anderen Mächten, speziell Rußland in Konflikt zu gerathen. In deutschen Kreisen wird erklärt, daß Persien in den Verhandlungen überhaupt keine Rolle spiele. Diplomaten sind der Ansicht, daß Perfien eine gute Gelegenheit für einen Kompromiß bilden würde, da Frankich dort groß Interessen hat, wäh. rend Deutschland seinen Einfluß auf der Badgdad'Bahn zu stärken und einen Terminus am Perfischen Golfe zu erlangen sucht, wodurch dieselbe der britischen Linie nach dem Orient über Suez Konkurrenz machen könnte Die Aussichten eines solchen Kompromisses wurden von den Diplomaten, die dem Empfange auf der britischen Botschaft beiwohnten, lebhaft erörtert. Zufällig hält sich gegenwärtig zu Conterville auf und eS werden viele Einflüsse geltend gemacht, um ihn für verschiedene Eisenbahnprojekte iu Per fim günstig zu stimmen. Teutschland. Antwort an Frankreich. B e r l i n, 27. Juni. Die deutsche Antwort auf die französische Note be züglich einer internationalen Marokko Konferenz ift nach Paris abgegangen. Ein Beamter des auswärtigen Amte? sagte, die deutsche Antwort sei in der Form sehr freundlich, bestehe aber auf einer Konferenz und lehne eS ab, daß Deutschland zuvor daS Programm der Konferenz feststelle. Der Reichskanzler ift der Anficht, daß die Marokko-Frage eine internationale ift und daß Deutschland, nachdem eS die Einladung d:S Sultans zu einer Konferenz angenommen hat, nicht be rechtigt ift mit irgend einer einzeln m Macht Vereinbarungen darüber zu treffen, was auf der Konferenz diSkutirt werden kann oder nicht. Deutschland verlangt, daß Frankreich sich mit einer Konferenz einverstanden erklärt, bevor der Gegenstand der Diskussion nützer bestimmt wird.

Wenn Frankreich sein Einverftündniß erklärt bat, wird Deutschland bereit sein, seine Wünsche zu hören. Der Beamte sagte dann weiter: Die Thatsache, daß wir auf eine Konferenz dringen, ift ein klarer Beweis, daß wir keinen Krieg wünschen. Wenn eine Nation Krieg haben will, kann sie nicht gleichzeitig auf eine Konferenz dringen.

Delcasse's Rücktritt und die Uebernahme des Portefeuille des Auswärtigen durch Rouvier hat in deutschen offiziellen Krisen große Befriedigung erregt, weil wir darin eine Garantie besserer BeZiehungen erblickten." Kämpfe in SüdweftAfrika. Berlin, 27. Juni. Nachrichten aus Deutfch'Südweftafrika melden von einem heftigen Kampfe, der mit der Niederlage deSRebellenführerS Morenga endete. Major v. Kamptz stieß am 17. Juni auf Morenga in sehr schwierigem Gelünde am Karib-Flusse. Die EckertiAbtheilungen gelangten in Eilmärschen mit Kanonen auf den Schauplatz und nach 14-ftündigem Kampfe gelang eS, die Eingeborenen aus ihren Stellungen zu vertreiben. Die Deutschen hatten 15 Todte und 25 Verwundete; 3 Mann werden vermißt. Major Kamptz wurde verwundet. Hauptmann Ziebert verfolgte Morenga bis zu seinem Bollwerke bei NaruS am Karib-Flusse, das die Deutschen am 19. Juni nahmen. Die Hottentotten flohen in südlicher Richtung. DaS Gerücht von der Einnahme Warmbads durch die Hottentotten, das von Kapstadt aus in Umlauf gesetzt wurde, wird offiziell dementirt. Arbeitersperre in Geeftemünde. B e r l i n, 27. Juni. Aus Geeftemünde kommt die telegraphische Nachricht, daß die Schiffswerft der dortigen Firma Rickmers, ReiSmühlen-, Rhe-derei-und Schiffbau-Aktiengefellschaft, geschlossen worden ift. Die Veranlassung zu dieser Maßregel lag in ernsten Lohnftreitigkeiten zwischen der Firma und ihren Arbeitern. Da eine Einigung nicht zu erzielen, ordnete die Geschüftsführung die Schließung der Werft und die Aussperrung sämmtlicher Arbeiter an. Berlüumder bestraft. Halle, 27. Juni. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Ku nert wurde heute zu 3 Monaten Ge fängniß verurtheilt, weil er in einer Wahlrede von der deutschen Expedition nach Peking gesagt hatte: Unsere Soldaten plünderten in dem verwüsteten Lande und schändeten Frauen." Eine Anzahl früherer Mitglieder der Expedition waren als Zeugen vorgela den und machten sehr ausführliche Aussagen. Reiches Vermächtnis. Berlin, 27. Juni. In wahrhaft großartiger Weife hat die hier verstorbene Wittwe Haafe in ihrem Teftament der Armen und Bedrängten der Reichshauptstadt gedacht. Sie hat der Stadt Berlin ein Vermächtnis von H Million Mark hinterlassen, das ausschließlich für Zwecke der Wohlthätigkeit Verwendung finden soll. Bedenkliche Vergleiche. Berlin, 27. Juni. Die nichts weniger als zufriedenstellende EntWicklung der Marokko-Frage 'giebt dem Professor Derndurg von der juristischen Fakultät der hiesigen Universität Veranlassung, höchst lehrreiche Vergleiche zwischen dem Sommer 1870 und dem Krieg'in-Eicht-Artilel der Berliner Po?" vom 8. April 1875 sowie der heutigen Situation zu ziehen. Er weift auf das Phlegma und die Un gläubigkeit, welche die Berliner Kreise angesichts der beunruhigenden Lage bekunden, hin und stellt dieser Indolenz die fieberhafte Erregung der Pariser gegenüber. Zum Schluß seiner Ausführungen richtet er an die Deutschen die dringende Mahnung, sich nicht wieder durch die Ereignisse Überraschen zu lassen.

Echeidungsprozetz

Zwischen Schw den und Norwegen. Stockholm, 27. Juni. Beide Häuser des Riksdag haben heute ein gemeinsames Komite, um das Gesetz zu berathen, welches der schwedischen Regierung Vollmacht ertheilt, um mit dem norwegischen Storthing über die Bedingungen einer Trennung von Schweden und Norwegen zu verhandeln. Im Oberhause erklärte C. A. Berg, die Vorschlüge der schwedischen Regierung seien weiter Nichts als eine Unterwerfung unter die norwegischen Revolutionüre. Der RikSdag könne Nor wegen nicht als souveränen Staat anerkennen, bevor die gerechten Forderungen Schwedens erfüllt feien. Aehnlich sprachen sich andere Mitglieder der Rechten aus. Lelhander sagte, Schwedens Sicherheit und nationale Ehre verlangten energischen Widerstand gegen da? Vorgehen der norwegi schen Revolutionäre. AbsagedeSttönigS. Stockholm, 27. Juni. König Oskar hat den Hofmarschall zu folgender Erklärung ermächtigt bezüglich deS Gerüchtes, daß der König seine Zuftimmung zur Erhebung eines Prinzen aus dem Hause Bernadotte auf deu norwegischen Thron: Der König bill.gt nicht die Idee u. wird seine Zustimmung nicht geben. Die einzige Bedingung, unter der er diese Idee in Erwägung ziehen könnte, wäre die, wenn der RikSdag wider Erwarten den Wunsch ausdrückte, daß ein Prinz aus dem Hause Bernadotte den norwegischen Thron besteige." Mexico. Jndian erkämpfe. Tucson, Ariz..27.Juni. Zwölf Viehzüchter, mehrere Frauen und Km bet sind am San Miguel Flusse in der Provinz Sonora von einer Bande Vaqui-Jndianer abgeschlachtet worden. Von Pozo Station ift eine Hilföexpedition, bei der sich hauptsächlich amerikonische Bergleute befinden, unter Füh rung von Jos. Dewitt ausgezogen, um den Bedrohten jener Gegend Beistand zu leisten. Rußland. Linevitch in Schwuli täten. S t. P e t e r s b u r g. 27. Juni. Militärs geben sich bezüglich der Lage Gen. Linevitch'S keinen Täuschungen hin. Sie glauben nicht, daß er eingeschlossen werden kann, aber offenbar denken sie nicht an die Möglichkeit eines russischen Sieges. Linevitch'S Rückzug auf Harbin u" die Jsolirung Wladiwoftock'S werden als sicher angenommen. Nach den letzten Nachrichten hat Feld' marschall Oyama nun auch den russischen linken Flügel zurückgedrängt. nachdem er ein Gleiches mit dem rechten Flügel und dem Zentrum gethan hatte. Die Operationen gegen das Zentrum werden nur für eiie Finte gehalten, um entscheidende Operationen auf den Flügeln zu verhüllen. Aufruhr in Podolien. Warschau, 27. Juni. Alle Ge füngniffe find mit Gefangenen vollge pfropft. In den letzten 36 Stunden wurden nicht weniger wie 672 Perso nen, meistens Juden, verhaftet. Im Gouvernement Podolien find die Ardeiter auf 32 großen Zuckerrüben formen an Streik gegangen. Im Gouvernement Kovno nehmen die Bau ern den Großgrundbesitzern Weiden und anderes Land, das sie gebrauchen wollen, fort. Sozialiften überrumpelt. Warschau, 27. Juni. Zweihundert Sozialiften, welche in dem Waloe bei Sequerz, nahe Lodz eine ge Heime Versammlung hielten, wurden heute von Koffacken überrascht; 18 Sozialiften wurden verwundet, 180 ge fangen. Panama. Beulenpeft. Panama, 27. Juni. Gegen Laboca, wo neue Fülle von Beulenpeft vorgekommen find, ift strikte Quarantüne erklärt worden. Polizisten ver hindern jeden Verkehr mit dem Orte. DaS rasche und energische Eingreifen Col. GorgaS', des höchsten SanitütSbeamten der Kanalzone, wird allge mein gebilligt. Großbritannien. Kubelik nach Amerika. London, 27. Juni. Der Vio lin-Virtuofe Jan Kubelik hat einen Eontract für 100 Concerte in den Ver einigten Staaten unterzeichnet. Die Tournee beginnt am 1. Dezember.

Oesterreich'Ungarn.

Deutschlands Interesse an der Erhaltung Oesterreichs. Wien, 27. Juni. Die innere Zerfahrenheit in der österreichischen Monarchie und das unausgesetzte Sturmlaufen der Vertreter der nichtdeutschen Kronlünder im AbgeordnetenHause deS Reichsraths gegen das Einheitsprinzip liegen einem Artikel im Juni-Hefte der in Stuttgart erscheinenden Deutschen Revue" zu Grunde. Nachdem der Verfasser das Unberechtigte dieser Sonderbeftrebungen in überzeugender Weise nachgewiesen und betont hat, daß es die Pflicht der öfterreichischen Regierung sei, mit unablüf figer Wachsamkeit darauf zu achten, daß auch nicht ein einziges Steinchen von dem Reichsbau abgebröckelt werde, erörtert er in eingehender Weife die Stellung Deutschlands gegen alle ZerftUckelungsbemühungen. Seine Aasführungen gipfeln in der Erklärung, daß Deutschlands Interesse die Erhaltung Oesterreichs erfordere, und zwar in so hohem Grade, daß eS eventuell selbst mit Waffengewalt gegen alle Bemühungen, die schwarzgelbe Monarchie zu zerstückeln, in die Schranken treten müsse. Ueber die in diesem Artikel der Deutschen Revue" gestellten Forderungen mag man urtheilen, wie man wolle, so viel ift gewiß, daß er die Behauptungen gewisser französischer Blätter über Deutschlands Hintergedanken Oefterreich gegenüber als unwahr hinstellt. Italien. Beim Papst. Rom, 27. Juni. Der Papst empfing in Privataudienz Bischof C.Van denen von HatchitocheS, La., und den apostolischen Vicar deS Jndianer-Ter-ritoriums Theophile Meerschaert. China. Agitation gegen Ameri k a n e r. Peking, 27. Juni. Die Frage der Ausschließung von Chinesen aus den Ver. Staaten beschäftigt noch immer hauptsächlich die öffentliche Meinung. Die Ausdehnung und Tiefe der Bewegung setzt Ausländer in Er staunen und wird als ein Beweis an gesehen für das Erstarken des nationa len Gefühles. Chinesische Zeitungen verweigern die Aufnahme amerikanischer Anzeigen. Briefe und Telegramme aus allen Theilen China'S und vom Auslande laufen ein, welche die Zentralregierung ermähnen, fest zu bleiben. Die schwierigste Frage ift die Ausschließung von KuliS von Hawaii und den Philippinen. ES wird geltend gemacht, daß kein vernünftiger Grund für die Ausschließung der KuliS von Hawaii vorliege, wo dieselben amerikanischen Arbeitern keine Konkur renz machen, wührnd auf den Philip pinen schon lange Chinesen eingewandert seien. Diese Fragen betrachten die Chinesen als wesentlich, aber man glaubt nicht, daß die amerikanige Regierung in demselben nachgeben wird. Um eine Erledigung derselben zu er leichtem schlug gestern China vor. eine Sondergesellschaft nach Washington zu schicken, aber der amerikanische Gesandte Rockhill winkte ad. Der Boycott amerikanischer Waaren dauert inzwischen fort und die antiamerikanische Campagne geht inzwi schen weiter. Der amerikanische Ge sandte hat sich mit dem Ersuchen an das hiesige auswärtige Amt gewandt, der Bewegung Einhalt zu thun, und der Vicekönig der Provin CHMi, Yuan, hat auch in diesem Sinne eine Proklamation erlassen, ob sie aber etwas nützen wird, ift eine andere Frage. Neues Luftschiff. Toledo, O., 27. Juni. A. Roy Knabenshue machte heute mit seinem Luftschiffe Toledo No. 1" eine erfolg reiche Fahrt. Er fuhr 48 Minuten lang mit und gegen den Wind über die Stadt. DaS neue Luftschiff hat eine Gasmaschine von 10 Pferdekrüften. Zunahme der Schwind sucht. T o p e k a, Kan., 27. Juni. Der Jahresbericht der Staatögefundheitsbe' hörde konftatirt eine bedenkliche Zu nähme der Lungenschwindsucht in Kan faS. Die Behörde ift der Anficht, daß dieselbe den mangelhaften sanitären Zuständen der Personen und Pullman Schlafwagen zuzuschreiben ift, welche viele Schwindsüchtige au den östlichen Staaten durch KansaS nach westlichen Luftkurorten bringen.

Wie aus Marshalltown. Ja., berichtet wird, wurde dort auch Heuer wieder der Dandelion Day" gefeiert. An einem Samstag verwendeten die Kinder einen Theil des Tages dazu, um einzelne Lehnen von dem dort massenhaft vorkommenden Löwenzahn, der deshalb dort die gelbe Gefahr" genannt wird, zu befreien. Nach jahrelangen Versuchen, die Hunderttauscnde von Dollars verschlungen haben, hat die Carnegie Steel Co." den Beweis dafür erbracht, daß stählerne BahnschweÜen praktisch find und einen vortrefflichen Ersatz für hölzerne Schwellen bilden. Von der Pennsylvania- und der PittsburgBahn sind der Firma bereits Bestellungen auf 8 Meilen solcher Schwellen gegeben worden. Die Lake ShoreBahn hat die Schwellen bereits auf 10 Meilen ihrer Geleise in Benützung, und sie haben fich trefflich bewährt. Ein wohlhabender Farmer von Versailles Township, Pa., Oliver Evans mit Namen, hat für seine Tochter Nebekka, die neulich in einem Seminare in Birmingham, Ala., an der Tuberkulose erkrankte, ein be sonderes Haus erbauen lassen. Das Mädchen hielt daselbst mit mehreren Dienstmädchen und einer KrankenPflegerin Einzug. DasGebäude ist aus Hemlock gebaut und auf allen Seiten offen. Segeltuch schützt das Innere gegen Regen. Es enthält einen Par lor,' Bibliothek, Speisezimmer, KiNhe, Bade- und Schlafzimmer und steht am höchsten Punkte der Fall. Nur bei Regen wird das Segeltuch herabgelassen. Herr Evans ist der Ansicht, daß seine Tochter in einem luftigen Hause hier ebenso gut genesen kann wie in Colorado. Die Gesetzgebungvon Ca lifornicn hat jüngst ein Gesetz erlassen, wonach das vorsätzliche Ueberhören fremder Telephongespräche für criminell strafbar erklärt wird. In Pennsyloanien besteht bereits ein Gc setz vom Jahre 1901, welches für die ses Vergehen eine Strafe von zumindest $100 oder zuhöchst sechs Monaten Gefängniß festsetzt. Freilich ist dieses Gesetz bisher noch gar nicht zur AnWendung gelangt. Ein Angestellter der Bell Telephon Gesellschaft hat sich diesbezüglich dahin erklärt, daß geschäftli che Gespräche stets übers Telephon mit solcher Vorsicht geführt würden, daß ein Verstehen derselben seitens dritter nicht eingeweihter Personen nahezu unmöglich ist. Auch haben die Geschäftsfirmen zumeist einen eigenen Draht, der das Mithören anderer ausschließt. Was aber den sozialen Verkehr anbelangt, so dürfte es möglich sein, ein Privatgespräch zu be lauschen, doch ist nicht gut einzusehen, welchen Nutzen der Horcher hinter der Wand davon haben sollte. Dies erkläre auch zu Genüge, weshalb bisher keine Uebertretung des betreffenden Gesetzes zur Anzeige gebracht worden sei. Bitterrächtsichandem71 Jahre alten Johannes Frödel, welcher auf dem Dampfer Barbarossa" kürzlich in New Dork ankam, die Nachlässigkeit, daß er während der Zeit seines Aufenthalts in Amerika verabsäumt hatte, Bürger deS Landes zu werden.

Die Einwanderungsbehörde auf Ellis Island verfügte seine zwangsweise Rückkehr nach Deutschland. Die Geschichte, welche der Greis erzählte, ist traurig. Frödel kam im Jahre 1892 mit seinem Sohne Heinrich Frödel in's Land und kaufte in Norwood, Minn., für seinen Sohn eine Farm von 160 Acres. Der Sohn verunglückte im Juni 1901, und bald darauf verheirathete sich die Wittwe mit Heinrich Hörnemann. Die Heirath erregte das Mißfallen des alten Mannes, und er bcgab sich nach Deutschland zurück, wo er bei einer verheiratheten Tochter in Duisburg, Rheinprovinz, lebte. Jetzt kam er hierher, um zu sehen, was aus der Farm, welche er für seinen Sohn gekauft hatte, geworden ist, doch die Einwanderungs - Behörde hielt ihn auf Ellis Island fest, weil er alt und schwach geworden ist und möglicherweise einem Gemeinwesen zur Last sallen könnte, wenn sich die Schwiegertochter, von der er im Zorn geschieden ist, sich nicht seiner annehmen würde. Auf schreckliche Weise um's Leben kamen in Atlantic City. N. I., zwei kleine Knaben, der 7jährige Ordner I. Delaney und der 5jährige William Jeffries. Die beiden Jungen waren von jeher unzertrennliche Gefährten und fanden auch ein gemeinsames, tragisches Ende. Am Fuß der New Hampshire Ave. waren Massen von Tannenästen auf dem Strande aufgehäuft welche man bum Bau eines Dammes gebrauchen wollte. Dies erachteten die Kleinen als einen günstigen Spielplatz, krochen unter den Haufen und höhlten sich dort ein Loch in den Sand. Wahrscheinlich haben sie nun dort mit Streichhölzchen ein Feuer gemacht, denn plötzlich stand der ganze Haufen in Flammen und che die Kleincn wieder herauskriechen konnten, wurden sie verbrannt. Ihre verkohlten Leichen waren kaum mehr erkennbar. Als man den Brand entdeckte, wußte natürlich Niemand, daß die zwei Knaben sich unter dem Hausen befanden, und die herbeigecilte Feuerwehr machte erst die schreckliche Entdeckung, als einer der Schlauchleut das eine Ende des Haufens in die Höhe hob, um den Wasserstrom auf den Herd des FeuerS zu ruhten. In diesem Augenblick ent deckte er die beiden verbrannten Leichen nebeneinander liegen.

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