Indiana Tribüne, Volume 28, Number 262, Indianapolis, Marion County, 27 June 1905 — Page 7
Jndtana Tribüne, 27. Juni 190S
7
G S G
S S A G G G S E
rff
Der Vertraucnsmann G OSGSGGDG 1. Kapitel. ön der Villa Houston hatte eine 1 Art Abschiedsdiner stattgefunden. In engstem Kreile zwar, aber deshalb nicht minder splendid. sowohl was die Tafelgenüsse, als auch was die gediegene Pracht und Schönheit des modernen Silbergeräthes, des mit duftigen, farbigen Blumenguirlanden durchwebten Gedeckes, des feinen Berliner" Geschirrs und der wAndervoll irisirenden, venetianischen Trinkgläser betraf. Die Blockhaushütte stand ein wenig einsam an der Grenze der Grunewaldkolonie; in ihren kräftigen, originellen Formen blickte sie gleichsam trotzig hinüber auf das Rokokogetändel, das in einiger Entfernung einsetzte. Wenn man hier Glück und Behagen fand, war es auf eigene Art. Zehn Personen waren bei Tisch gewesen, und es war wohl einem liebenswürdigen Zufall zuzuschreiben, daß Jedermann, mit Ausnahme der am oberen Tischende thronenden Hausfrau, sich einer reizenden, in Silber getriebenen Statuette, eine der neun Musen darstellend, gegenübersah. Die gewissermaßen einen Reigen aufführenden Halbgöttinnen der Kenner sah, daß es gute alte Nürnberger Arbeit war hielten in hoch emporgehaltenen, graziös bewegten Armen ein zierliches Gewinde von weißen Rosen und merkwürdig gefärbten Orchideen, das den inneren Raum der Tafel umspannte. Jnmitttn standen stilverwandte Aufsätze. Was aber die hier entwickelte Pracht doppelt bemerkenswerth erscheinen ließ, war die Thatsache, daß Frau Houston mit ihrer einzigen Tochter Margit noch heute Abend eine Reise anzutreten gedachte, die sie in ihre zweite Heimath, nach New York, führen sollte. Wie geordnet, wie in jeder Hinsicht gesichert müssen Verhältnisse fein, die es gestatten, wenige Stunden vor dem Aufbruch zu einer Reise über das Weltmeer noch einmal in allem Behagen und sozusagen unter dem Schutze aller guten Geifter Gäste zu empfangen, und sie so zu bewirthen, wie dies nur in der Welt der Millionäre möglich ist. Dabei fiel noch in's Gewicht, daß Mrs. Houston, die von ihrem Gatten getrennt lebte, zum Hüter ihres herrlichen Besitztumes Niemanden zurücklassen würde, als einen verhältnißmähig noch jungen Mann, ihren Sekretär, dem sie freilich unbegrenztes Vertrauen schenkte. Nur er, Doktor Wilhelm Weber, unterstützt von dem zugleich als Gärtner thätigen Portier, der mit seiner Frau, der Köchin, in einem besonderen, gleich am Eingange zu dem großen Vorgarten stehenden Pförtnerhäuschen wohnte, würden hier zurückbleiben. Von dem übrigen Dienstpersonal waren alle, bis auf die Zofe, welche die Damen begleiten sollte, unter nobler Ablohnung heute entlassen worden. Das Diner war ihre letzte Arbeit hier im Hause gewesen. Pferde und Wagen hatte Mrs. Houston nicht gehalten; sie stand mit einem Leihstall in Verbindung, von dem sie jederzeit Fuhrwerk haben konnte. Im Grunde war dieses Abschiedsessen nur eine hübsche Form gewesen, den heute hier Erschienenen bis auf zwei zu danken. Es waren fast alles Leute, die Mrs. Houston zu geschäftliehen Zwecken hergebeten hatte. Aber die Villa lag so weit draußen zwischen Halensee und Hundekehle, daß eö der Frau des Hauses Pflicht schien, sich jenen gegenüber, die den immerhin beschwerlichen Weg nicht gescheut hatten, ein wenig erkenntlich zu zeigen. Neben den Hausgenossen, der Herrin, ihrer Tochter und dem Doktor Weber, war es zunächst der Hausarzt, den man heute nicht entbehren konnte. Fräulein Margit war von besonders zarter Konftitution, ihr Gesundheitszustand durchaus nicht einwandsfrei, obwohl man dem reizenden Geschöpfchen ein eigentliches Leiden nicht anmerkte. Sie war lebhaft und schien glücklich woran vielleicht ihr Tischnachbar nicht ganz unschuldig war. Aber der Arzt wußte, wie es um Margit stand. Er nahm auch Anlaß, der Mutter alle Vorsicht anzurathen. Der Zweck der Amerikareise war ihm bekannt, wie jedem hier am Tische: es sollte eine Auseinandersetzung mit Herrn Houston herbeigeführt werden; wenn notrid möglich, eine endgiltige Scheidung. Der leidenschaftliche Sportsmann hatte bereits mehr als Dreiviertel deö einst sehr bedeutenden Vermögens seiner Gattin auf den Rennplätzen und cm den Spieltischen der amerikanischen Klubs verloren. Nun sollte dem ein Ende gesetzt werden. Das würde nicht ohne Aufregungen abgehen, und deshalb mußte der gewissenhafte Arzt noch einmal nachdrücklichst daran erinnern, daß das beginnende, glücklicherweise noch im allerersten Stadium befindliche Herzleiden der perlmutterbleichen Margtt ein Erbtheil von ihrer Mama war. Dieser freilich sah man eine KrankHeit noch viel weniger an, als ihrer Tochter. Mrs. Houston war mit ihren nahezu vierzig Jahren noch immer eine schöne Frau. Groß und ein wenig zur Fülle neigend, trug sie den schön ge-
Roman von
Paul Blumenreich
&
T H
schnittenen Kopf stolz und vornehm au einem edelgeformten Halse. Sie mußt in ihrer Jugend von wahrhaft königlicher Schönheit gewesen sein, in ihrem noch heute vollen, dunklen Haar, mit ihren klugen, klaren, blauen A.lgen, d unter starken. hochgeschwungeneri Brauen, und beschattet von lanaen dichten Wimpern, ein stilles, tiefes Feuer ausstrahlten. Frau Houston liebte es, an ihren Kleiderärmeln weii herausfallende Spitzen zu tragen, unter denen die wundervolle Hand völlig verschwand. Vielleicht hatten zu oft bewundernde Blicke auf diesen Händen geruht. Der nächste Gast war der Architekt Harms, der die Villa Houston erbaui hatte und der nun während der Abwesenheit der Besitzerin außer einigen kleineren Neueinrichtungen auch einen umfassenden Anbau herstellen sollte. Hauptsächlich zur Aufnahme eines Wintergartens bestimmt. Dieser Baumeister Harms war eine in gewissem Sinne merkwürdige Persönlichkeit. Nicht, allein seine Schöpfungen, wie zum Beispiel dieses sonderbar hübsche Landhaus, sprachen für die Originalität seines Wesens; auch seine bis zur Verschwendung führende Leidenschaft für alterthümliche Architekturbestandtheile. Skulpturen, Schnitzereien, Gesimse. merkwürdige Pfeiler mußte auffallen bei einem Künstler, der sich eigentlich niemals an bestehende Formen anlehnte. der alles aus seinem eigenen Empfinden heraus gestaltete. Was ihn aber in seinen Kreisen und noch mehr in jenem Berlin W., für das er doch zumeist schuf, geradezu als einen Sonderling erscheinen ließ, war ein gewisser Zug in'ö Plebejische, ein Hang, seinen Verkehr unter seinem Stande zu sucben. Bei einem alten hölzernenHeiligenbilde kann ich ziemlich genau erkennen, wie ich mit ihm dran bin, und was es werth ist' pflegte er zu sagen, bei den .modernen' Menschen ist mir das schlechterdings unmöglich." Deshalb hielt er sich gern an Leute, die in der Kultur zurückge blieben" waren. Es war eine künstlerisch höchst kniffliche Aufgabe, in diesen vorwiegend aus schwedischem Eichenholz errichteten Villenbau die Eisenkonstruktionen einzufügen, welche für das Glasdach eines Palmenhaujes nothwendig wurden. Aber Meister Harms hatte die glücklichste Lösung gefunden. Bei Tis6e sprach er darüber, wie er denn gern über sein Schaffen plauderte. So wies er zum Beispiel mit schmunzelndem Behagen auf die eigenartige Beleuchtung hin, die er dem Speisesaal gegeben, in dem man jetzt saß. Die Bauherrin hatte einen unbezwinglichen Widerwillen gegen Gas ihr erster Gatte war auf der Reise infolge einer Gasausströmuna gestorben und elektrisches Licht hätte man vor fünf Jahren, als dieses LandHaus entstand, hier draußen nur dann haben können, wenn man den Strom dazu selbst erzeugen wollte. So blieb nichts, als eine geschmackvolle und möglichst verdeckte Petroleumbeleuchtuna einzuführen. Der Architekt hatte gläferne, gemusterte Halbkugeln in denPla-
sond des Sveisesaales eingefügt, melde
das Licht von gut konstruirten Petro
leumlampen durchscheinen ließen. Mit geschickt angebrachten, dem Rustikalstil des Ganzen angepaßten Wandleuchtern.
welche Kerzen trugen, vereinigt, erhell
ten die Oberlichter den Saal milder und anaenehmer als Glühlicht dies ver-
möcht hätte. Und die Herrin des Hauses hatte ihren Willen, brauchte sich weder
vor dem Gasgeruch, noch vor einer Ace-tylen-Explosion zu fürchten, noch das
Gerassel einer Maschmenanlage zu txtragen. Unter Umständen haben die einfachen Dinge den höchsten Reiz," sc schloß er seine Auseinandersetzung, die in erster Reihe einem an seiner Seite sitzenden, jungen Mädchen gegolten hatte. Fräulein -Martba Engelhard fiel a.l dieser Tafel, in dieser Umgebung du'ch die Schlichtheit ihrer Erscheinung aus. Zwar, .sie war schön und kräftig gewachsen, und ihre Züge hatten eine gewisse Familienähnlichkeit mit denen der Frau Houston, doch war das ganze Wesen in's Blonde. Bescheidene, vielleicht sogar ein wenig in's Gedrückte übertragen. Ihre schönen Augen leuckteten auf. wenn der Baumeister das Wort an sie richtete und er sprach fast nur zu ihr , aber mit dem Antwortcil schien es seine Schwierigkeiten zu haden. Manchmal sah es aus, als ob eine geradezu treffende Bemerkung ihr durch den Sinn ging und die etwas umwölkte Stirn klarer, freier erscheinen ließ; aber eine unbestimmte Furcht, sich im Gesprach mit dem hochgebildeten. Weltund wortgewandten Architekten eine Blöße zu geben, hieß sie schweigen. Der Baumeister, übrigens durchaus kein hübscher Mcnn, sah sie dann nur verwundert an und nickte lebhaft zustimmend. als hätte er von den Zögernden, zaghaften Lippen abgelesen, was sie sagen wollten. Seine Skizzen für den Um- und Anbau hatten der Hausfrau so sehr gefall len. daß diese lein Bedenken trug, ihm heute schon den weitaus größten Theil
der nicht unerheblichen Baukosten baär
zur Verfügung zu stellen. Das hierfür erforderliche Geld hatte ihr ein anderer Gast, der zu ihrer Rechten sitzende Prokurist der Berliner Bank. Herr Otto Reimers, gebracht einer jener musterhaften Beamten, für die Deutschland eine besonders geeignete Pflanzstätte zu fein scheint. Vielleicht sind sie Pedanten. Philister, sind sie engherzig und in gewissem Sinne auch kurzsichtig, aber man darf ihnen ungezählte Millionen anvertrauen. Herr Reimers entspra, durchaus diesem Typus; er vervollständiate dessen Eigenschaften sogar noch durch die dem Bankdeamten gern nachzusehende Neigung zum Mißtrauen. Wenn tx trotz alledem ein umgänglicher, 'uomentweise sogar liebenswürdiger Mann war. so mochte dies auf sein überaus glückliches Familienleben zurückzuführen sein. Er war geborener Familienmensch und hatte daneben nur noch eine kleine Privatschwäche: sich und andern die Dinge und Verhältniße möglichst klar machen zu wollen. Mit Das ist doch klar" pflegten dann auch seine Darlegungen regelmäßig zu schließen. Hier war ihm vieles nicht klar, wenn er sich auch mitRücksicht auf seine Bank, die in Mrs. Houston eine noble Rlientin besaß, sehr wohl hütete, davon zu reden. Aber eine zum zweiten Male verheirathete. jetzt von ihrem Manne getrennt lebende Frau sie hier in ihrem eleganten Heim, er. weih Gott, wo, in Amerika dabei augenscheinlich sehr vermögend, wenn man auch nich! wußte, aus welcher Quelle eine Villa, die für die größte Familie ausgereicht hätte, während hier doch nur Mutter und Tochter waren ein Luxus, der schon nahezu das Raffinement streifte kein Verkehr mit soliden Leuten, dafür aber dieser schöne, junge Sekretär," den mn behandelte, als gehöre er zum Hause nein, das war alles ganz und gar nicht klar. Anderer, eits gestand sich Herr Reimers ja ein, daß er irgend einen ernsteren Einwand gegen Frau Houston durchaus nicht zu begründen im Stande war. Er hatte noch nie ein unwahres Wort von ihr gehört, obwohl er nun seit drei Jahren m'.t ihr zu thun hatte. Auch was sie heute von ihm, oder eigentlich von seiner Bank wollte, erschien völlig korrekt und der Herr Sekretär, Doktor W?ber, bei gestern be? ihm im Bureau g'wesen war und die Wünsche seiner Herrin überbrachte, hatte auf jede Frage bereitwillig und befriedigend Rede gestanden. Trotz alledem Reimers mißtraute den Verhältnissen hier im Hause; nur war er ein zu korre,'ter. zu gerechter Mann, um sich nicht zu sagen, daß wahrscheinlich eine ganz unbegründete, instinktive Abneigur.a eben gegen diesen so wohlunterrichteten, so auskunftbereiten Sekretär sein Urtheil beeinflusse. Zu den ihm gestern vorgetragenen Wünschen der Frau Houston hatte auch gehört, dafc er seinen . Neffen, den Rechtsanwa't Leo Reimers mitbringe, der, obwohl nicht viel über dreißig Jahre alt, doch schon mit dem ehrenvollen Amte eines Notars betraut war. Man hatte es übrigens auch an einer direkten Einladung nicht 'ehlen lassen. Doktor Weer war auch bei dem Anwalt gewesen, hatte ihn über alles informirt, was für die heutigen VerHandlungen wissenswerth war. Man würde seiner für einen notariellen' Akt bedürfen. Ter Rechtsanwalt Reimers war weder ein Neuling noch ein seltener art in der Villa Houston. Schon vor etwa zwei Jahren durch seinen Onkel hier eingeführt, hatte er sich mit der Entschiedenheit des Soldaten, der die Ordre hat, einen bestimmten Platz zu besetzen, kein geringeres Ziel gesteckt, als Margits Besitz. Damals war sie kaum sechzehn, aber sie hatte ihn bezaubert, trotz ihrer Bleichsucht, trotz ihrer körperlichen Unreife, trotz einer gewissen Müdigkeit, die zu jener Zeit jede ihrer Bewegungen zu lähmen schien. Es war eine Art von exotischem Reiz, den sie auf ihn ausübte. Keineswegs sprach ihre Vermögenslage mit. als seine Neigung aufzukommen begann. Mehr noch als heute dein Onkel, erschienen anfangs auch dem Anwalt die Verhältnisse der Frau Houston nicht klar." Ein Guthaben von einer halben Million bei der Ban!
will nicht viel bedeuten, wenn man zwanzigtaus:nd Mark und mehr im
Jahr: verbraucht und immer m der Gefahr steht, mit einem geldbedürftigen Gatten in Prozeß zu gerathen. Auch hatte Mrs. Houston in der bündigsten Weise erklärt, daß ihre Tochter erst vollkommen gesund sein müsse, und daß ferner erst die Auseinandersetzung mit Herrn Houston zu erfolgen habe, bevor sie auch nur dem Gedanken, ihre Tomter zu verhtirathcn. Raum geben würde. Und diese Frau gehörte zu jenen, denen man glaubt, was sie sagen. Aber auch das hinderte nicht, daß der Anwalt irniffer sicherer wurde in dem Vorsatz: Margit wird meine Frau. Nun hat allerdings der Verkehr mit einem in Amerika aufgewachsenen jungen Mädchen etwas unbeschreiblich Verückendes für einen Mann, der mit seinen Bekanntschaften nicht über unsere höhere Tocbter hinausgekommen ist. Der Ton. die Haltung, die ganze Art des Umganges mit dem andern Geschlecht ist in Folge der amerikanischen Selbsterziehung eine ungleich anziehendere, reizvollere und bei alledem naivere, als wir es gewöhnt sind. Mag die junge Amerikanerin ihrer deutschen Schwester noch so sehr nachstehen an sogenannter Schulbildung sie at von
Kindesbeinen auf freier und unbehm
derter in's Leben schauen dürfen und können; sie hat es sich nicht einlernen lassen, wie man sich zu benehmen hat. sondern hat es ersaht im unbewußten, für Jede freien Wettkampf; und das hat ihr Halt gegeben in sich selbst. Festigkeit und Sicherheit für die Jugend mehr als genug, um Lebensfreude zu empfinden und zu wecken. So sah sich Leo Reimers von dem Zauber der vor seinen Augen sich langsam zur Jungfrau erschließenden Margit derart eingesponnen, daß er es bis heute noch gar nicht für nöthig gehalten hatte, ihr
von feiner Liebe zu sprechen. Sie!
konnte nicht rerzender sein im Verkehr mit ihm, auch wenn sie von seiner Liece wußte, auch nicht, wenn sie sie erwiderte. Wohl aber konnte dieser ideal reinen Beziehung etwas verloren gehen, wenn man zu früh sprach wie der duftige, flaumige Hauch von dem Pfirsich abgestreift wird, wenn man ihn fest anfaßt. Margit freute sich auf die Seereise, von der übrigens auch der Arzt vollständige Genesung für das junge Mädchen erhoffte. Und sie vecsprach dem ihren Worten lauschenden Anwalt, so kräftig zurückzukommen, daß sie mit ihm um die Wette Rad fahren könnte. Aber natürlich, die Aktenmappe dürfen Sie nicht mitbringen," scherzte sie. 25er ganze Mensch nichts als ein starker Wille, davonzufliegen das ist es, was ich meine!" Und er wurde innerlich so ganz Wille," daß er im Stande gewesen wäre, neben dem Ozeandampfer einherzuschwimmen, der sie ihm entführe , sollte. Rechts neben Margit saß Doktor Weber, an den sie auch hier und da einmal das Wort richtete, aber doch in ganz anderem Tone. Nicht etwa, daß sie ihn seine abhängige Stellung hätte fühlen lassen das wäre durchaus unamerikanisch! aber es war etwas Kaltes, Abweisendes, Zurückhaltendes in ihrer Art ihm gegenüber. Und doch war er äußerlich eine viel glänzendere Erscheinung als Leo Reimers. Ein hochgewachsener, breitschultriger Mann von der Haltung des preußischen Offiziers, mit einem energischen charaktervollen, in seiner Gesammtwirkung fast zu schönen Kopfe. Brünett, glattrasirt, das leicht gewellte Haar kurz gehalten, mit dunklen, eng aneinandergerückten, aber mit einer scharfen Konkavbrille bewaffneten Augen, hatte er ein vielleicht zu lebhaftes, von Zeit zu Zeit nervös erscheinendes Mienenspiel, das namentlich die energische Mundund Kinnpartie immer belebt erscheinen läßt. Margit brauchte ihn nur blitzartig mit dem Blick zu streifen, so glaubte sie zu wissen, welchen Eindruck die zuletzt gehörten Worte auf ihn gemacht hatten. Aber er sprach sehr wenig. sehr vorsichtig, und mit einem vielleicht allzusehr hervortretenden Anklang an das amerikanische Englisch. Er war ein Deutscher von Geburt, aber er that sich etwas darauf zu gute, mit seinem fünfzehnten Jahre allein und als Zwischendeckspassagier nach Amerika ausgewandert zu sein und es dort aus eigener Kraft zu einer immerhin nicht üblen Stellung gebracht zu haben. Ganz beiläufig berührte er auch wohl seine Studien, die es ihm ermöglichen würden, hier zum höheren Lehrfach überzugehen. Aber sein Doktortitel war doch wohl etwas dunkler Herkunft nicht viel besser, als der Colonel," womit man heute noch in Amerika jeden anredet, dem man keinen anderen Titel zu geben weiß. Immerhin, auch ohne Doktortitel wäre Weber eine blendend schöne Erscheinung. gewesen eine geradezu vollkommene, wenn nicht einerseits die Brille mit ihren dickgerandeten Gläsern und andererseits ein offenbar krankhaftes Zucken und Zwinkern um die Augenwinkel den Totaleindruck ein wenig abgeschwächt hätten. An dem allgemeinen Tischgespräch hatte er nur einmal und zwar in einer merkwürdigen, für Niemanden verständlichen Erregung theilgenommen. Sein Gegenüber an der Tafel war der Kunst- und Antiquitätenhändler Römpler, ein durchaus moderner Mensch, der sein Gewerbe, man wäre versucht zu sagen: wissenschaftlich betrieb. Er hatte sehr viel hierher gelie-
fert an intimen Kunstwerken, an Dmgen, du man nicht offen hinstellt, sondern nur dem Blicke Verständiger preisgibt. Mrs. Houston hatte Sinn für dergleichen; ihr erster Mann war es, der dieses Verständniß in ihr geweckt und großgezogen hatte. Herr Römpler war gebeten worden, sich während ihrer Reise um die hier aufgesammelten Kunstschätze zu kümmern Gegenstände zum Theil, die noch aus dem ersten Hausstand der Mrs. Houston herstammten, und unter denen sich einige Unika befanden. Auch sollte er eine Rechnung bezahlt bekommen; Frau Houston hatte gerade in der letzten Zeit besonders viel gekauft. ttl . Fortsetzung folgt.) Rückfak. .Der Dichter Mystikowski der nach längerem Aufenthalt im Irrenhause als geheilt entlassen wurde, soll ja einen Rückfall erlitten haben?" .Jawohl, er dichtet wieder." rtaram. K o n t o r i st : .Soll ich diesen Bogen noch verwenden? ES ist ein kleiner Tintenklecks d'rauf!" T h e f : Natürlich ... Sehen Sie halt, daß gerade ein i an diese Stelle kommt!-
Eifenvttizn - FnhrpMn.
vandalia Abgang St. LouiS Spcl., tagl s.. 1 50vm St LouiS Liw täglich sd&b 6 6)Lm Kapital Sxpreß tägl d.. 7 0053 St LouiS Ac tägl 7 2695m Eh St L Srpreß täglich äs. li 2Nm St Louis Expreß tägl 3 15N o T H Sjsinghsm Aec tägl. 4 00 m St L gast Mail täglich.. .. 8 35
kine. Ankunft Pittöbucg Spcl, täglich 8. .3 3)8 New Kork Erpreß täglich s d ß SSI Schneller Mail täglich .... 8 00 S Terre Haute Sfstng A:c täg 10 25s Keyftone Expreß täglich äs. 2 50X Atlantic Expreß täglich.. 4 4 The NS Limited tägl I 4 b 6 4k PittSbSxp, täglscl .... 6 56
VincenneS Division.
feairo k ineen Sxpr täglich 7 20m Spencer k edfsrd Ae, tägl. S 45ft Vincennes Erpreß tägl...... 8 50 Bineennes Srvrek täalick. . 10 o
Svenen k edford e. tägl. 4 45Nm Kairo Expreß täglich. . 15
vincennes Accom,nur TtgS. . .5 36Nm BmcenneS Accom, nur StgS..9 35Rm
CiepetanÖ, inciimatt, Chicago & St Cents Railw?. Eleveland tbifU.
WjQXI
American Expreß täglich 4 SOBm
k 8 8im täglich s d . . . 7 30Bm Klevland Accom ..10 45Vm nderson Exp 11 30Vm
5k S KV Am, tägl 6 g.. 24Mm Winona Flyer, p 3 10Nm Ft Wayne & Slkh Exp tSgl 5 50Nm
ffmeferbnrfer Vp tägl d Je 8 . . 6 559tm
Toledo & Detroit Exp tägl. 8 ZONm
St. Louik
Ein, Sndps & Bt Ö Exp tgl 12 05Bm
New Sork Ltd tag! 12 2053 rn St LouiS Accom 7 16Vm
Southweftern Lim tgl 6 . . .11 058
St LouiS Expre'', tägl ä ..11 45Bm
St. LouiS Ltd tägl äs 3 15Nm Terre Haute k Mat'n Aee.. 5 06m
American Expreß tägl. ..... 7 05Nm
Tineinnat
Antaaft New Sork Ltd tägl ä . ...12 ioB Detroit k Toledo Exp tägl s 7 55$ Fort Wayne k ßttk Exp tägl 10 ZK Southweftern Ltd tgl äs 11 KB Anderson Expreß p 2 45 St LouiS Ltd tgl ä s 3 00 Winona Fly r, p 610 American Expreß täglich .... S 459hL VHck Union Eity Accom. . . 8 15X Division.
American Expreß tgl 4 009 St L, Ein & Col ?! Exp tgl 6 4 2V St. LouiS Expreß tägl s.. .. 7 158 Mat'n k T Haute Aee .. .10 3 $ 9 & 8oftoa Lim tägl ä ft 40 St LouiS Accom.. 5 36 Washington Ezp, tägl p äs. 6 K Knickerbocker Sp tägl sä.... 6 45 i Division.
Ein se LouS Nachtexpreß tgl 3 46Vm CinemnatiAee 10
St Louö & ., Xachtexp tg, 4 30m Ernc u St L Ltd täg 10 Eineinnati Exp täg 7 30Vm Ehie k St LExpreß tg d fe pt 11 Cincinnatt Accom 1 OONm LouS St 86 Shiesgo Expreßll Eincinnati Lim tägl p 2 55Nm White Eith Spezial tägl p.. 3 Louisville Expreß 2 55 Indianapolis Accom täglich . 6
(5in innati Accom 4 ONm Eine k LouiSV Najtekp tgl 11
S.lnc & Wssh F tg ä S? p S 209C iEinc 3ndS St 8 Ex tg s . . 13
Chicago Division,
Chicago Nachterpreß tägl ..12 15V Eine Nachtezpreh, tügl 3
jknkakee Accom ...... 7 OOVm Kankakee Aeeom ..10 Ehicago Faft Expreß tgl S p 11 50 Eine Fast Erpreß tägl pd.jj White Eity Special d k p Mm La gsyette Aeen 5 LaFayette Aeeom 5 25 Eine Ze'Wash F 3., p 6 Michigan Division. vcnton Harbor Erpreß 7 3 3 Elkhart j2cf. Ü Michigan Mail Expreß p...!13vBm BentonHarbor Expreß p.... 2 Winona Flyer p 3 lüNm Winona Flyer p 6 Elkhart Aee täglich .... 5 60Nm Michigan Expreß... 8 $ etr ia D i d i s i o n w e ft l i ch Veoria Expreß täglich . ... 12 l5Vm EolumbuS k 6inc Exp tgl , Peoria Erpreß fc Mail. 7 2öBm Ehampaign Accom . ...10 WeÄern Expreß täglich p d. .11 5vBm 9 k Ohio Special 2 Ehampaign Aeeom ........ 4 10 Peoria Expreß täglich pH Pesria D i v i s i o n S ft l i ch. EolumbnS Erpreß tägl. 6 OvVm Lynn Acco .10 Ohio Speeial tägl 2 50m EslumbuS Expreß tägl 11 Lynn Accom . . 6 15m EolumbuS Expreß tägl ...12
30 553 3b? 35 05 40 50 00i 3S 30V ÄS' 05
308 45 10 15 509 3533 35 08 0035 308 00RtS
pittsbnrgh, Cinchrnati, Ctncccjo & St onis R. Indianapolis Division. Abgang Ankunft
PittSdurg Special, tägl s 3 40m St Louis Spezial tägl.... 145V
EolumbuS Accom tagl. . . 7 30 t LomS mm tagnch s a d. . ob?
8 lOVm Capital Expreß täglich scl. . . 7 0) 3 06m Chic k St L Expreß tgl d 8. 12 10 5 00 Indianapolis Accom 12 4 Mm 7 10m St LouiS Sxpr tägl dkt.. 8 05 7 2 Mm Nimmt keine Passagiere tgl- ft 50 Indianapolis Acc, täg 11 ISNm
New Sork Expreß täg S..
Keyftone Expreß tägl d & s. Atlantic Expreß täglich ... 9 Lim täglich s d b . . . . PittSburg Expreß, tägl g d. .
Ehicago Divisicn. Chicago Special, tglpd .. 1136V Southern Expr täglich 3 15V So k Ehi F Expr täglich 11 50Nm Chic k Sou Expr täglich p d 3 40 LsniSville Division.
Southern Expreß tägl ,. . . . 3 35V PittS Zc Lon F L tägl .... 7 OOVm Mad Aee nur Sonnt 7 30Vm Louiö v k Madison Aeesm.. 8 OSBm Ehieaao fc Lou F 8 täglich p b 8 55m Madison Neeom Uff 3 65Nm LomSville Aeeom tägl.. 7 OONm Madison Accom, nur StgS.. .7 OOBm
LouiSV k Madison Aee tägl 10 10? EhieFStäglpd 11 30V SouiSville u. Madison Aee.. 5 4X0tm LouiSV k PittSb F täglich , S 35 Madison Aceomm Sonntags 3 15V Lou & hiF Expr. täglich 11.3Sch,
rncinnatt, Hamilton & Vayton R. R. Eincinnati Division. Abgang Antatst Eincinnati eft täglich 4 OOBm Eineinnati eftibnle täglich 12 45 Fast Mail täglich 8 OöVm Faft Mail täglich , 6 35V Eine, Toledo, Det Exp p. . .10 40Vm Einc d Chic Exp täglich p.ll 45 Eineinnati k Det Expr p. . 3 OOVm Eincinnati Veft täglich d p 3 25 Cm k Dayton Lim tägl 6 p 5 00 Eine k Jndsls Aeeom p. . 7 24 Cm k Detroit Expreß täglich 7 COX Eine Spgfild & Dec Ex tg 10 45 Springsield Divisi on. Abgang Anmst Decatur Aow, nur', Sonnt. 7 00V Ein & Springf Expr tgl . . 3 458 Decatur Ma l & Expreß.... 8 OOVm Tuscola Accomm . .10 3535m Chic & Springf Sxp täz p .11 5 )Vm Decatur Aeeom, nur Sonnt. 11 SWm Tuscola Accomm 8 S) Einc & Springsield Ezp p. . 2 50 Decatur Accom, nu: Sonnt. 7 0)m Decatur Mitl Expreß... 4 55 Ein k Springf s tagl. .11 10 ?m v ecatur Accom, nur Sonnt. Li 30N Lake Lrie 3c Western R. R. Abgang Ankunft Mai! und Expreß .7 16 JndiannpoliS Expreß.. 10 158 T Det cd M E k täglich.. 1? 30 M lil k Expreß 3 205 Ehicago Sxpttß 8 5) Toledo Expreß S 40 Chicago, Indianapolis & lonisville Ry. Monon Route.) Abgang ntfcttft Ehi. ight Expreß tägl .. .1 55 Eincinnati Best tägl s...... 5 8i8tt gast Mail täglich 7 00 Faft Mail täglich , 7 50B Ehi Expreß, nur Sona pä. .11 50B Monon Aec, tägl auSgSsnn,10 008 e,hi k Mich Eith Best dp. . 3 85 Eincinnati Veft täglich dp 4 51 Monon Aee,. i 00 Via E.$. kt. , (Wey) nd sachdale.
CM! rttct n 11 50B Eincinnati Exvtti .. 1
8 wft ?. P-Parto C&i.
C B Baff et N Mt,ff Cm
