Indiana Tribüne, Volume 28, Number 260, Indianapolis, Marion County, 24 June 1905 — Page 5

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Nach antikem Muster. Humoreske von Adol? Thiele. Mißvergnügte haben meist rothe Nasen. Sind ihre Nasen roth, weil sie mißvergnügt sind, oder sind sie mißvergnügt, weil sie rothe Nasen haben? Wer möchte diese Frage entscheiden? Soviel jedoch steht fest: Mißvergnügte haben meist rothe Nasen. Auch die kleine Gesellschaft, die sich im lauschigen Hinterzimmer der Grauen Pudelmütze" zusammen zu finden pflegte, schien eine Blüthenlese von Unzufriedenen darzustellen. Wenn auch nicht anzunehmen war, daß sie die Werke des großen Mißvergnügten von Frankfurt gelesen hatten, so schien doch jeder von ihnen selbst ein echter Schoppenhauer" zu sein. Besonders Herr Strunzel, Wohlgeboren, einer der herabgekommensten Schuhmacher seiner Zeit, pflegte derartig in die Schoppen einzuhauen, daß man allgemein annahm, er habe einen Magen von Doppelsohlleder. Neben ihm saß der Korrektor Nonnenmann, der, wie es sein Beruf erforderte, seinen geradezu sündhaften Durft durch Trinken zu korrigiren bemüht war. Auch bei dem Gärtner Meier war dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wuchsen; was er am Tage mit seinen Rosen und Hyazinthen einnahm, ging Abends wieder darauf bei der Kultur jener knollenartigen Frucht, die sein Angesicht verzierte. Ferner war da ein ältlicher Mann, der ein ungemein geregeltes Leben führte. Er war Wittwer und Rentier; früher sollte er Krawattenfabrikannt gewesen sein; ob in wirklichem oder übertragenem Sinne, das wußte allerdings niemand genau. Vervollständigt wurde die S! mmgesellschaft durch einen Auktionator, der schon von seinem Beruf aus gewohnt war, die Summe immer um eins zu vermehren, und durch einen Kammerjäger. Es war an einem kühlen Herbstatnd, als sich die werthe Gesellschaft wie gewöhnlich versammelt hatte, vom Wirtye natürlich mit größter Ehrerbietung begrüßt. Nachdenkende, mäßige Männer, Freunde der Natur und des Studiums und ähnliche Lumpe, die sich bei zwei oder drei Glas Bier herumdrücken, kann ein Wirth von echtem Schrot und Korn selbstverständlich nicht achten. Ja, es geht nichts über ein regelmäßiges Leben," hatte der Rentier sieden gesagt. Wenn ich nicht täglich meine bestimmte Anzahl habe, also Vormittags vier Glas, Mittags drei. Nachmittags drei und Abends fünfzehn, so fehlt mir etwas." Kaum war diese diätische Bemerkung gemacht, als der Schuhmachermeist Häseke eintrat, von allen Freunden edler Geselligkeit lebhast begrüßt. Das ist ja reizend, Kamerad, daß Du auch wiederkommst!" rief ihm sein College Strunzel entgegen. ..Da, setze Dich nur gleich her!" Mit einem Jubel, wie ihn nur Mißvergnügte fertig bringen, nahm man den neuen Gast im Kreise auf. Es verdient bemerkt zu werden, daß Häseke, ein solider Bürger und Steuerzahler, nur zeitweise dem Zeresdienste huldigte. Während er sonst die Abende zu Hause in löblicher Mäßigkeit verlebte, kam alle zwei bis drei Monate eine Art Begeisterung über ihn. Er pflegte dann eine Woche lang nichts zu thun, als im Wirthshause zu sitzen und dabei sogar seine Kneipgenossen in den Schatten zu stellen. Auch heute schien er die besten Absichten Mitzubringen. Laßt mich doch erst einmal zu Athem kommen!" sagte er. Drei Glas!" rief er dann dem Wirthe zu. In drei Zügen leerte er die drei Gläser, und erst nachdem tc dergestalt zu Athem gekommen", betheiligte er sich am Gespräch. Unmöglich bereitete der bekannte Sünder, der Buße thut, den Engeln im Himmel mehr Vergnügen, als es Herrn Häseke's Zechgenossen bei der Rückkehr des soliden Meisters in ihren Kreis empfanden. Der ehrerbietige Wirth und sein flinker Kellner mußten rastlos abund zuspringen, um den geradezu musikantenhaften Durst der sieben wackeren Männer zu stillen, und es war bereits eine Hekatombe, eine volle Hundertzahl von Seideln, geopfert, als um zehn Uhr der Lehrjunge Häseke's erschien, um seinem Meister einen schönen Gruß von seiner Gattin auszurichten und sich zu erkundigen, wann er wohl heimzukehren gedächte. Ein infernalisches Hohngelächter, sähig, selbst einen Schusterjungen zu verblüffen, der doch an Knieriemenund ähnlicheSchicksalsschläge gewöhnt ist. empfing den Abgesandten. Meister Strunzel und Gärtner Meier ließen es sich nicht nehmen, ihn an die frische Luft zu befördern. Na, es scheint," sagte Strunzel, von dieser Motion zurückkehrend, es scheint, daß auch Du Ritter des verbreitetsten Ordens bist, des Hauskreuzes." Da bist Du auf dem Holzwege," riefe Häseke. Ich bin Herr in meinem Hause, hier habe ich das Scepter meiner Gewalt." Und dabei klopfte er mit einem neun Zoll langen Hausschlüssel auf den Tisch. Während dessen saß die ehrsame

rau Meisterin Häseke bitter betrübt lhrer hübschen Wohnstube. iur lhr etnztger Sohn, der Quar i, leistete ihr Gesellschaft. Doch hn Uhr forderte sie rhn auf, zur

Nun war sie allein mit ihren Gedanken. Sie hatte ja im Allgemeinen nicht über ihren Mann zu klagen; er verstand sein Fach, war häuslich, freundlich und zufrieden. Wenn er nur nicht manchmal, alle zwei bis drei Monate diesen Raptus bekommen hätte! War er aber wieder einmal in diese abscheuliche Gesellschaft gerathen, dann war es auf acht Tage vorbei mit ihm. das wußte sie schon. Ueber ihre Schwelle wagte sich natürlich keiner von der Etique, aber wenn sie ihren Mann nur hätte verhindern können, das Haus zu verlassen. Wenn es nur dafür ein Mittel gäbe! Um sich ein wenig zu zerstreuen, schlug sie das Buch auf, in dem ihr Sohn gelesen. Es war ein Lehrbuch der griechischen Geschichte, ein Fach, für das sich die Frau Meisterin nicht gerade interessirte, das aber immerhin angenehmer war als ihre gegenwärtigen Gedanken. Sie hatte zufällig die Lebensbeschreibung des Demosthenes aufgeschlagen. Etwas zerstreut las sie eine Weile, bis sie plötzlich sehr aufmerksam wurde. Sie schien etwas Unerwartetes gefunden zu haben, mehrmals las sie ein und dieselbe Stelle, und die Festigkeit, die sich endlich auf ihrem Antlitz ausprägte, deutete an, daß sie einen EntSchluß gefaßt hatte. Die Geisterstunde war schon vorüber, als der Korrektor Nonnenmann seine lange, in einen langen Rock gehüllte Gestalt erhob und mit seiner Grabesstimme sagte: Nun ist es wohl an der Zeit, daß" wir unsern Freund bestatten." Der so Bezeichnete war kein anderer als Häseke. Bereits dreimal war er unter den Tisch geglitten und jedesmal, nachdem man ihn aus dem Dunkel herausgefischt, hatte er nach einem Glase Bier verlangt. Jetzt saß er nun hübsch ruhig auf seinem Platze, rechts von seinem treuen Kriegskameraden Strunzel. links von dem Auktionator gehalten. Der Ex - Kravattenfabrikant hatte sich schon längst entfernt, da ihm seine geregelte Lebensweise nicht mehr als die gewohnten Fünfzehn" erlaubte, auch der frühaufstehende Gärtner war gleich einer Frühlingsblume verduftet. Der Kammerjäger spielte mit einem Fläschchen Gift und malte dem darauf befindlichen Todtenkopf mit Mostrich einen Schnurrbart, und der Korrektor hatte ein Zeitungsvapier, in dem zuvor Käse eingewickelt gewesen, vor sich gelegt und es gewissenhaft korrigirt. Endlich aber erhob er sich und gab somit das Zeichen zum Aufbruch. Häseke wurde durch einige drastische Mittel so weit ermuntert, daß er seine Zeche bezahlen konnte, und dann geleiteten Wirth und Kellner die Herren hinaus. Leider konnten sie nicht verhindern, daß infolge einer seltsamen Verkettung der Umstände und Beine die ganze Gesellschaft die drei Treppenstufen vor derHausthür hinunterpurzelte und sich unter Bekannten, das heißt unter diesen liegend, wiederfand. O meine Bürger, welch ein Fall war das!" zitirte der Korrektor, der zuerst seine lange Gestalt aus dem Knäuel hob. Da fielet ihr und ich, wir alle fielen." Häseke bewies nicht mehr Munterkeit als eine vierzehntägige Wasserleiche, er wurde daher von den barmherzigen Brüdern aufgepackt und gleich einem Frachtkollo seiner zweifelsohne sehr erfreuten Gattin vor's Haus getragen. Man legte ihn jedoch nicht, wie weiland Siegfried, auf der Schwelle nieder, sondern plazirte den sichtlich erheiterten" Mann im Hausflur, worauf die Festgenossen nicht verfehlten, sich mit einer ungemeinen Behendigkeit aus dem Bannkreise der Frau Meisterin zu entfernen. Frau Häseke hatte sich schon zur Ruhe begeben. Trotz der ohrenoerhüllenden Nachtmütze hatte sie den Lärm vernommen, mit dem sich die Gesellschaft ihres Gatten in empfehlende Erinnerung brachte. Mit einem Lichte in der Hand und einem entschlossenen Zuge auf dem Antlitz suchte sie den Meister. Sie fand ihn friedlich an der Wand sitzen. Zuerst entwand sie ihm den Neunzölligen, den ihm der ordnungsliebende Korrektor in die Hand gedrückt, und verschloß die Hausthür. Dann holte sie einen Blasebalg und blies ihrem Herrn Gemahl so lange in's Antlitz, bis er aufwachte, und endlich gelang es, den Vater des Hauses in's Bett zu bugsiren. Jetzt allerdings hätte ihn keine Macht der Erde mehr zu erwecken vermöcht. Doch das Werk der tüchtigem Hausfrau war noch nicht vollbracht. Sie trat zum Tisch und blickte noch einmal in das aufgeschlagene Buch. Noch einmal las sie die Stelle aus dem Leben des Demosthenes! Er schor sich das Haar auf einer Seite, um sich eine zeitlang jeden Ausgana unmöglich zu machen und ganz auf fein Studium angewiesen zu sein." Gleich darauf nahm sie ihre Scheere und schnitt dem bewußtlos Daliegenden das dichtgewachseneHaar ab, dann seifte sie ihm das Haupt ein, ergriff das schon bereit gehaltene Rasirmesser und barbirte die letzten Reste hinweg. . Freundlich wie ein neugeborenes Ei glänzte ihr der kahle Schädel entge-gen.

Du wirft mir die nächsten Tage

gab sich im Bewußtsem einer guten That zur Ruhe. Bei Tagesanbruch, zwischen Schlafen und Wachen, empfand Meister Häseke eine eigenartige Kühle auf seinem Haupte. Der ungewohnte Zustand ermunterte ihn endlich, wie aber erstaunte er, als er sich mit dem Embleme schöner Weiblichkeit geziert fand und gleich darauf entdeckte, daß zwischen seinem Haupte und seinem Knie in Bezug auf Haaresfülle kein Unterschied zu spüren war. Die moderne Delila, die mit Sorgfält alle Spuren ihrer Gewaltthat verborgen hatte, beobachtete dasErwachen ihres geschorenen Simson. Bist Du jetzt munter, mein Schotz?" rief sie. Sieh' nur, wie Dich Deine Zechbrüder zugerichtet haben!" Damit hielt sie ihm einen Handspiegel vor. Erschrocken bemerkte Herr Häseke, daß er wie Scipio Afrikanus keinHärchen auf dem Kopfe hatte. Das sind die gewesen? Euch soll doch dieser und jener," rief er zornig und sprang auf. Am liebsten wäre er gleich, wie er war, fortgestürzt, um diese Schmach zu rächen. Nicht doch, lieber Mann!" besänftigte Frau Häseke. So kannst Du ein paar Wochen gar nicht auf die Straße." Aber alles wird mich auslachen," tobte der Meister. Was sollen die Gesellen denkend Du trägst zu Hause ein Käppchen die Gesellen werden darüber nicht lachen und in einer Woche ist alles wieder gut." Aber die Kerle, der lange Nonnenmann und der Malefizkammerjäger und der verdammte Strunzel, denen muß ich's doch stecken." Thue das nicht, lieber Mann! Was willst Du ihnen anhaben? Sie werden Dich nur auslachen, wenn sie sehen, daß Du Dich ärgerst. Aber verkehren würde ich nicht mehr mit ilinen." Verkehren? Wie, verkehren? Merken lassen will ich mir nichts, aber ehe ich einen von der Bagage wieder ansehe, eher lasse ich mich noch einmal scheeren." Nachdem der verschwiegene Hausarzt, den Frau Häseke in ihr Geheimniß gezogen, vor allen Gesellen gar laut und lange über die Gefährlichkeit der Kopfrose gesprochen und endlich gegangen war, sagte sich Frau Häseke: So, das wäre eingefädelt. Was nicht die Kinder heutzutage alles in der Schule lernen! Der Demosthenes muß aber doch ein sehr gcscheiterMann gewesen fein. Ich möchte wirklich einmal eine von seinen übriggebliebenen Reden lesen, vielleicht könnte ich da auch noch etwas lernen." Die Kamelpofimarke.

Humoreske von Ferdinand Horst. Er war der beste Beckmesser: das stand bombenfest für die Einwohner von R. feit der ersten MeistersingerAufführung; bis dahin war er ein unbekannter Baß-Buffo gewesen! von jenem Tage an erhob er sich über das gewöhnliche Niveau hoch empor: er wurde unser Beckmesser" mit starker Betonung des persönlichen Fürworts. Er doch ich habe ja ganz vergessen, unseren Beckmesser" unter feinem bürgerlichen Namen vorzustellen; also: er hieß Richard Keller, wog circa 170 Pfund bei Mittelgröße, trug konstant einen braunen Anzug von geradezu kunstwidrigem Schnitt, hatte schlecht gescheiteltes Haar und ein Paar große Schellfisch - Augen. Er war wegen seiner Gutmüthigkeit beliebt beim ganzen Bühnenvölkchen und bei den Philatelisten; er sammelte nämlich leidenschaftlich Briefmarken; sonst hatte Keller wirklich nichts besonderes an sich; im Exterieur war er geradezu das Gegentheil eines Künstlers; sein Ruhm beruhte wie gesagt auf seinem Beckmesser. War es eine spezielle Beanlagung für diese eigenartige Figur des Bayreuther Meisters, dessen Vorname Keller mit einem gewissen Stolz trug oder war es eine besondere Hingabe, ein Versenken in die Rolle, welche dem Baß-Buffo den seltenen Erfolg eintrug? Wir haben uns oft die Köpfe darüber zerbrochen, bis uns eines Tages wie man so sagt der Staar gestochen wurde. Ein blutiger Ansänger mit ein paar hohen Tönen war vom Direktor als Walther Stolzing für ein dreimaliges Gastspiel gewonnen worden; bis zum zweiten Gastspiel kam er allerdings nicht; denn so vernichtend hatte die Kritik wohl selten über einen Sänger geschrieben, als über diesen Walther. Es war mir, als auch in unferem Blatte eine sehr abfällige Kritik über diesen Mimen erschien, nicht gerad.' angenehm, n einen gewohnten Plau beim Frühschoppen im Staditheaterkeller - Restaurant einzunehmen; denn daß der junge Mensch auch anwesend und sehr indignirt fein würde, war mir im Voraus klar; aber andererseits erwog ich. daß mich die Sache eigentlich nichts anging; denn ich hatte die Kritik nicht geschrieben, wenn auch für diese Nummer verantwortlich gezeichnet. Was ich ahnte, trat auch ein; der durchgefallene Walther Stolzing schimpfte nicht schlecht auf die Presse im Allgemeinen und auf unser Blatt im Besonderen. Schon wurde mir die Sache ungemüthlich und ich dachte daran, vor der gewohnten Zeit meinen Frühschoppen abzubrechen, als die Dlskusswn durch emen plötzlichen Seitensprung des gekränkten SängerS von

eine folcy minderwertytge Meinung, wie die des Baß-Buffo Keller als Beckmesser mit solch frenetischem Beifall auszuzeichnen. Anfangs war alles starr; unser Beckmesser sollte minderwerthig sein?! Nein, das war unerhört! Und nun fiel alles über den frechen Grünschnabel her. Aber dieser vertheidigte seine Ansicht mit solchem Wortschwall und mit einer solchen Reihe bestechender Argumente, daß man ihm unwillkürlich doch zuhörte, und daß manche so gznz langsam umsielsn. Der durchgefallene Walther führte nämlich aus, das Publikum verhimmle zu drei Viertheilen Wagner nur deshalb, weil dies jetzt eben vornehm und zum guten Tone gehörend sei; komme nun eine humoristische Scene, so athmeten diese musikalisehen Plebejer auf. lachten aus vollem Halse über ein paar komisch Bewegungen. die ihnen der Salonhumorist eines Varietes nicht bieten dürfte, und aus diesem Grunde gefiele jeder Beckmesser, und das Publikum jeder Provinzstadt rühme sich, den besten Beckmesser zu haben. Mehrere Sänger widersprachen zwar lebhaft, aber bei den braven Stammtisch - Spießern saß doch der Pfeil. Und in den nächsten Tagen brachten sie die neue Auffassung dem armen Richard Keller so allmählich bei. Keller war völlig niedergedonnert; das sagten ihm seine besten Freunde, das plapperten sie diesem Crünschnabel nach, der doch einen solch eklatanten Beweis seiner Unfähigkeit gegeben hatte: es war zum Heulen! Trösten Sie sich," sagte ich zu ihm, Sie sind und bleiben doch unser allgemein hochgeschätzter Beckmesser; den soll Ihnen mal jemand nachspielen." Uebrigens" so fuhr ich mit etwas gedämpfter Stimme fort, meinen Trumpf ausspielend ich kann Jhnen wahrscheinlich eine Kamelpostkarte besorgen." Mensch!" sagte Keller weiter nichts; aber in diesem einen Worte lag eine solche Fülle des Ausdrucks. Ich habe schon erwähnt, daß Keller ein großer Philatelist vor dem Herrn war; nun hatte er in unserem Blatte gelesen, daß in Nord-Afrika KamelPosten eingeführt seien und daß sogar eine Regierung welche, wußte ich selbst nicht mehr Reitkamelpostkarten eingeführt habe. Das Wort es ist so lang, daß s einen Schatten wirft, wie Mark Twain sagt hatte es Keller angethan; er mußte eine solche Marke haben, koste es was es wolle. Er hatte mich schon oft gebeten, ihm durch unser Blatt den Gegenstand seiner Wünsche zu besorgen. Ich betheuerte die Unmöglichkeit; es half aber nichts; ich hielt ihm vor, die Geschichte von der Reitkamelpost sei nichts weiter, als eine Zeitungsente, selbst das glaubte er mir nicht, obschon er von mehreren Briefmarkenhandlungen auf seine Anfrage die Mittheilung erhielt, daß ihres Wissens solche Marken nicht existirten. Wie es kam, daß ich in jener un glücklichen Frühschoppenstunde Keller die Marke in Aussicht stellte, weiß ich heute noch nicht; ich habe nur noch das Gefühl, daß ich ihn damals trösten wollte, ob der Unbill, die ihm, dem besten Beckmesser", widerfahren war. Ihn zu trösten war mir damals glänzend geglückt; denn Keller fand nach meinem Versprechen, ihm die Marke zu besorgen, sofort seine gute Laune wieder. Wie aber sollte ich nun an diese verflizte Briefmarke kommen, deren Existenz nicht einmal nachweislich war. Um den Nachfragen auszuweichen, ging ich ein paar Tage lang nicht zum Frühschoppen. Was ich befürchtete, trat ein: Keller suchte mich auf meiner Redaktion auf. Zuerst war er überaus höflich; dann aber, als ich allerlei Ausflüchte suchte, wurde er aufgeregt und zuletzt sogar grob. Da legte sich einer meiner älteren College ins Mittel, indem er mir ironisch lächelnd zurief: Aber, warum wollen Sie denn unserem Beckmesser den kleinen Gefallen nicht thun?.Jch denke, daß wir in fünf Tagen einen Brief unseres Spezialcorrespondenten mit einer solchen Marke erhalten." Keller dankte gerührt; kaum hatte er die Thüre von außen zugemacht, als ich auf meinen Collegen losfuhr: Wie wollen Sie denn eine Marke beschaffen, die höchst wahrscheinlich gar nicht existirt?" Nicht existirt? Dann machen wir eine!" sagte mein College ganz gemüthlich. Und wir machten eine . . . Auf der Geschäftsempfehlung einer Kameldeckenfabrik fanden wir die Abbildung einer Schutzmarke, die ein Kamel zeigte; das Format glich dem einer englischen Briefmarke. Die Zähnung wurde mit einem Perforier-Ap-parat nach einigen mißglückten Versuchen nothdürftig hergestellt, dann die Marke in Kaffeesatz gelegt, wodurch sie eine mattbraune Färbung erhielt und schließlich auf der Rückfeite etwas gummirt. auf ein Stück Papier aufgeklebt und nach einiger Zeit wieder forgfältig abgelöst. Schön war unsere Marke nicht; aber trotzdem waren wir stolz auf unser Fa brikat; die Stempelung. die unser Maschinenmeister besorgt hatte, erregte einige Bedenken; schlimmer noch war das Wort Trade mark" also Han-dels-oder Schutzmarke, welches unter dem Kamel prangte; aber Keller hatte ja doch keine Ahnung von der englischen Sprache. Die Ueberreichung der Kamelpostkarte gestaltete sich an unserem Frühschoppentisch zu eigner Staatsaktion; vorsichtshalber hatten wir nur wenige Stammtisch - Brüder in den frommen

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120-124 "'"!" .fl ins Philatelistenkränzchen gegangen und was dann folgte, kann man sich denken. Er schimpfte am anderen Tage auf der Bühne, beim Frühschoppen der College und ich waren ahnungsvoll weggeblieben beim Mittagessen: kurz und gut überall auf diese Gau ner von Preßmenschen". Selbstverständlich wurde dadurch der Scherz, den wir uns erlaubt hatten, in der ganzen Stadt bekannt, und Keller hieß bald nur noch die Kamelmarke". Er behielt diesen Spitznamen auch bis zu seinem Abschied von unserer Bühne, als er das Glück hatte, an eine kleinere Hofbühne berufen zu werden, nachdem er dort mit Erfolg gastirt hatte, selbstverständlich als Beckmesser. Einer der vielen Kränze, die ihm zum Abschied auf die Bühne reicht wurden, trug auf den Schleifen die Inschrift: Unserer lieben Kamelmarke der Stammtisch im Stadttheaterkeller". Der Geruch bestimmter Medikamente, vor allem ' Jodoformgeruch, haftet stark und andauernd an den Händen und ist durch gewöhnliche Waschmittel kaum zu entfernen. Am besten hat sich als Mittel dagegen das Senfmehl bewährt. Man nimmt davon etwas in die Hand, läßt einige Tropfen Wasser darauf laufen, so daß sich beim Waschen ein Brei bildet, und reibt mit diesem die Hände ab. Das sich bildende ätherische Senföl kommt so voll zur Wirkung. Auch Küchengeräthe, die vom Schälen und Schneider. der Zwiebeln, vom Arbeiten mit Petroleum, vom Schuppen und Ausnehmen der Fische den Händen anhaften, lassen sich mit Senfmehl besser entfernen, als mit den gewöhnlichen Wasch- und Reinigungsmitteln. Salzsäure als Reiniqungsmittel. Die Salzsäure ist ein gefährliches Gift, das nur in besonders gekennzeichneten Flaschen und unter Verschluß im Haushalte aufbewahrt werden soll. Als Reinigungsmittel ist sie jedoch unübertrefflich. Flaschen, denen nichts ihre ursprüngliche Klarheit wiederzugeben vermag, Steinkrüge mit nicht hinwegzufegendem Bodensatz, Porzellangesäße mit Flecken, grau oder schwarz gewordener Emaille in den beliebten emaillirten Töpfen, alle diese Unsauberkeiten und Flecke bringt die Salzsäure, mit etwas Sand versetzt, hinweg. Nach der Reinigung spüle man wiederholt mit reinem, oder noch besser mit Sodawasser nach. Eine Enkelin des berühmten Pariser VrauerS Santerre, Mme. Villain, hat dem Mus6e Carnavalet einen Bund hisiorischerSchMsel, die Schlüssel der Bastille, geschenkt, die das siegreiche Volk am 14. Juli 1789 ihrem Großvater geschenkt hatte. Es sind die Schlüssel zu der gro ßen Torder Bastille gegenüber der Rue des Tournelles und die Schlüssel zur Festung. Der Schlüssel des großen Thores, das neben dem Zeughaus lag, ist den Vereinigten Staaten von Lafayette geschenkt worden. Mme. Villain hat auch die Kesseln geschentt, die der Greis an den Händen trug, den man durch die Straßen von Paris führte, nachdem man ihn aus dem berühmten Gefängniß befreit hatte. FataleAehnlichkeit. DaS Automobil des Herrn Baron ist schon der reinste Dackel unter den Schnauferln!" Ja, wieso denn?

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