Indiana Tribüne, Volume 28, Number 260, Indianapolis, Marion County, 24 June 1905 — Page 1
F Zndinna Tribüne
Office: o Süd Delaware Straße. herausgegeben von der Gutenberg 0. Telephon -Alt und Neu-No. 26$. Jahrgang 28. (12 Seiten.) Indianapolis, Jndiana, Samstag, den 24. Juni 1905. (12 Seiten.) Nummer 26s). SerthvoUer Fund Nach einem Bahnungluck. Der Streik Angeblich so gut wie beendet.
Dic Verhandlungen Mit Rußland und Japan haben ein langsames Tempo angenommen.
Russische Verwundete werden in Manila abgeholt werden. Schiffskollision im St. Clair-Flusse in Michigan. Verfehlter Zugraub in Washington. Mysteriöses Schicksal eines Bankiers iu Philadelphia.
Langsame Fortschritte. Washington. 23. Juni. In Folge der Krankheit deS russischen Mi. nifterS v. LamSdorff ift in den Verhandlunzen zur Herbeiführung des Friedens eine Verzögerung eingetreten. doch keine Stockung. Präsident Roofevelt hat auf feine letzten Mittheilungen an Rußland be züglich eine? Waffenstillstandes noch keine Antwort erhalten. Sekretär Hay ift heute Nachmittag nach seiner Heimath in New Hampshire abgereift. Washington. 23. Juni. Der japanische Gesandte Takahiro hatte heute mit dem Präsidenten eine Konfe renz von dreiviertel Stunden. Als er fpüter bezüglich eines Waffenftillftandeö zwischen Rußland und Japan befragt wurde, wollte er sich auf eine Bespre chung nicht einlaffen und meinte nur, eS feien zuvor noch einige Dinge" zu regeln. Kein Waffenstillstand iu Sicht. St. Petersburg. 23. Juni. Wahrscheinlich werdm keine weiteren Schritte zur Herbeiführung eines Waf fenftillftandeS gethan, bis die Frage der Friedensunterhändler gelöst und der Zeitpunkt ihrer Versammlung be stimmt ift. Japan scheint nicht geneigt, irgend welche neue Fragen zu erörtern, bis jen? beiden Punkte erledigt find. ES bedeutet dies wohl, daß eine Einfiel lung der Feindseligkeiten vor dem Zu sammentritt der Bevollmächtigten nicht zu erwarten ift, aber eS scheint doch an zudeuten. daß Japan wenig geneigt ift. die strategischen Bortheile, die eS gegenwartig hat, aufzugeben. Die Verzögerung wird aber auch von Allen bedauert, die neues Blutvergie ßen vermieden sehen möchten. JedeS Lan ift willens. FriedenSver mittler zu ernennen, aber jedes möchte die Vertreter deS anderen kennen. Da der Minister des Innern von LamSdorff krank ift. konnte ihn der amerikanische Botschafter Meyer auch nicht sprechen, aber man glaubt, daß Mittheilungen von Washington schrift lich gemacht werden. ES heißt, idaß unter den russischen Bevollmächtigten ein hoher Militär sein wirb. Wer eS sein wird, weiß man noch nicht, jedenfalls aber nicht Kuro patkin. Möglicher Weife wird einer der Unterhändler Witte fein. Alexieff noch in Gnaden. St. Petersburg, 23. Juni. Das Amt eines Vizekönig des OftenS ist aufaeboben worden und Admiral Alexieff ift zum Mitglied deS Staats rathe? ernannt morden- er wird auch weiter Flügeladjutant des Kaisers bleiben. Japanische Offensive wird schwach. GunshuPaß, 23. Juni. Die Japaner bedrängen nicht länger die Südfront der Russen. Man weiß nicht ob dies das Borzei chen einer großen Schlacht oder ein diplomatisches Manöver ift. Die Hitze ift unerträglich; selbst die Nächte gewähren wenig Erholung.
Russische Verwundete abgeholt. Wa shington, 23. Juni. Rußland hat beschlossen, ein Hospitalschiff nach Manila zu schicken und die Verundeten von Admiral Enquist'S Ge schwader abzuholen. DieS wird mit Zustimmung der amerikanischen Regierung geschehen und diese hat die ja panische Regierung hiervon benach richtigt. Washington, 23. Juni. Bezüglich Abholung der verwundeten Ruf icn hat der KriegSfekretür an den Ge neralgouverneur der Philippinen folgende Ordre erlaffen: Sie können dem russischen Admiral erlauben seine verwundeten Offiziere und Mannschaften auf ein russisches Hospitalschiff zu dringen, das täglich zu erwarten ift, nachdem sie ihre Parole gegeben haben, sich am Kriege nicht
weiter zu betheiligen." Verfehlter Zugraub. T a c o m a, Wash., 23.Juni. Bahnrüuber machten einen vergeblichen Versuch den Nord Coaft Zug von St. Paul 3 Meilen westlich von Puvallup aufzu halten. An letzterem Platze hatte ein Mann den Zug bestiegen und dieser v I btteU dem Lokomotivführer den Zua bei einem Feuer zum Stillstände zu Krittln h2 k.mM.s.is. fcrnnnfo Ultllf VWV IIIVVII V(IIIV7VtVIV VtM.l.l.V I xw antnm fttfc Vtl vuiuiiiuiivuiii ! uyi u vi i uiu balbe Meile weiter. Der Räuber der. suchte den Zug zurückzufahren, aber er kannte die Masckine nickt in (Kann drinaen. Kr svrana ab und ver. w pjp w mm w mr m, wr www wr mm f 1 schwand, nachdem er verschiedeneSchüffe auf Zugbedienftete abgefeuert hatte. Mvneriöser Ball, i iilfciifti 9SL itm I Benjamin H. GaSkill,' der vor einem Monat Selbstmord begangen haben V soll, ift angeblich noch am Leben und erwartet in der Verborgenheit eine Ge legenheit nach dem Auslande zu entkom men. Seit seinem Verschwinden hat sich herausgestellt, daß er Fälschungen in
derHöhevon S850. 000 beging unddenleg unabhängiger Oel
Zusammenbruch der City Trust Co. verursachte. Gaökiü's Leiche wurde angeblich in der Nacht von Mittwoch auf dem Nortb fti rihfnf rtttÄrt.rtrrth-n iinM V U H I IJtVVVV HVMV MIIV I nach Boston üuc dauernden Beiseduna geschickt. T SchiffS'Collision. er I ; i oq Die aus Holz gebauten Dampfer City X-l U . i.UW. fc"- . .lUllli of Rome" und Linden" collidirten zu früher Morgenstunde im St. Clair River und beide sanken. Die City of Rome" hatte Eisenerz geladen und sank sofort. Vom Linden" ertranken der Koch und seine Frau. Gegen Rennwetten. St. LouiS. Mo.. 23. Juni. Stiiatsanwalt .obnon von St. öouis County begab sich heute auf Anweisung des Hilfs'GeneralanwaltS Kennish mit Detektiv nack der Delmar.Rennbabn und verhaftete den Buchmacher Max GumpertS und 2 Angestellte; H5000 wurden als Beweismaterial beschlag. nahmt. Die Verhafteten wurden nach Clayton gebracht und nach Stellung von je Z1000 Bürgschaft entlassen.
Cleveland, 23. Juni. Ein Beutel, welcher Juwelen im Werthe von 832.000 enthielt und Eigenthum von S. C. Beckwith von New York war, wurde nach dem Bahnunglücke zu Mento? vermißt. Frau Beckwith ver. anlaßte eingehende Nochforschungen nnd der Beutel wurde in Cleveland bei dem Bahnagenten gefunden, wo ihn der Finder abgeliefert hatte. Der Eigenthümer kam bei dem Un falle um.
Spanien. NeuS Cabinet. Madrid, 23. Juni. Das nme Cadinet setzt sich, wie folgt, zusammen: Premier, General Montero RioS; In nereS, Garcia Pietro; AeußereS, San chez Roman; Finanzen. Urzaiz; Krieg, General Weyler; Flotte, Btllanueva; Ackerbau, RamanoneS; Justiz; Gonza leg Pena; Unterrichtswesen, Mellardo. Oefterreich'Ungarn. Russische Deserteure. Wien, 23. Juni. Von Lemberg, Galizien wird berichtet, daß 169 Mann vom 67. russischen Uhlanen-Regiment über die Grenze gekommen find und Pferde sowie Waffen an die ruffischen Behörden abgeliefert haben. Die Leute wollen uicht nach der Mandschurei gehen. Bevorstehende fürstliche H e i r a t h. B e r l i n , 23. Juni. ES verlautet aus guter Quelle, daß die am 11. Juli 1 884 geborene Prinzessin Olga von umvertand, jungn echter oes yer. - rr n. am n n k. m r o nn ugun, nq mn oem Vroy Wzog Adolf Friedrich von Mecklen. dUra-Stttlitz VerMÜhlM WNd. dk? M letzten Samstag 23 Jahre alt wurde. - ... (elannlü) lfl Uiga s Schwester, Prin ussin Alexandra, fett einem Jahre die GemayttN oes Zungen Grovyerzogs ,rt . m r w Snedno) Sranz i v. von Mecklenburg Schwerin.) Untersuchung gegen den F l e i s ch t r u st. E h i c a g o , 23. Juni. Die BundeSgroßgefchworenen welche vertagten sich heute bis nächsten Mitt woch. Bis zum folgenden Samstag müssen fie ihre Arbeit vollendet haben. Man nimmt an. daß das Verhör von Zeugen beendet ift und daß Anklagen bald erfolgen werdm. g e s e l l s o) a s t e n. ! S t. P a u l. Minn., 23. Juni. Die unabhängigen Oelgesellschaften er fochten vor der staatlichen Eisenbahn UND LagtthaUS Kommission NiN "g I Ä. mWm. . mt . . ! le ommluare gewayrten iyr Ge such, daß Oelsendungen von weniger als einer Waggonladung von der 3. IN Wie tu e ucruvgu rcn. ik I i- wi. t n 1 rr . u ......r.i. ersi. dre tritt am 1. August in Kraft Kurze Notizen. Inland. Zu New York wurdm 7 Personen vom Blitzen, 3 bedenklich verletzt und großer Sachschaden angerichtet. Zu Philadelphia wurde ein weiterer Haftbefehl gegen John W. Hill. den früheren Chef der Filtrirwerke erlas sen. Er wird der Fälschung beschul digt. Hell steht nun unter S8000 Bürgschaft. Sland. Policeninhaber der Equitable Le benSverficherungSgesellschaft hielten hier eine Versammlung um ihre In I teressen zu schützen.
Chicago, 23. Juni. Alle Hin. dernisse, welcher einer Beilegung deS Streikes der Fuhrleute entgegenstanden, scheinen aus dem Wege geräumt zu fein und heute Abend scheint e, daß
5? z? f1 b"nbCrVeh! w.rd, wenn Nichts Unvorhergesehenes pasfirt. Bekanntlich war eS noch ein StreitPunkt, ob Union.Fuhrleuten gestattet sein solle, Unionabzeichen zu tragen. Der Vertreter des Verbandes der Ar beitgcber, Farwell, hat nun zugestan den. daß der Verband sich um diese Sache nicht kümmere, fondern fie den einzelnen Arbeitgebern überlassen werde. Wie die Arbeiterführer sagen, wer bm fie morgen eine Konferenz mit Fare well haben und die Sache zum Schlüsse bringen. Sie wird dann zur Abftim mung an alle Fuhrleute gehen, doch ift dies nur als Formsache anzusehen. Herzogin von Albany zieht nach Deutschland. K ob urg, 23. Juni. Die ver. wittwete Herzogin von Albany, Mutter deS am 19. Juli majorenn werdenden Herzogs Karl Eduard von Sachfen.Ko. bürg und Gotha, nimmt nach dem IHtgierungSantritt ihres Sohnes dauernd Wohnsitz in deutschen Landen. Sie wird das hübsche Koburger Bergschloß Kallenberg beziehen. WeitereKonflikte mit der P i , c i öln, 23. Juni. haben stch die trottn Rubtstdrunatn wirttttiolt und e, ist ,n nenem Blutvergießen getarnen. Dit Polizei, auch berittene. griff dermal, ein. und e, wurden diel. Personen verletzt. Der Schauplatz der yv w w , -wS, WWMMV! V Unruhen r auch diesmal der ChlodStudentischer Boycott. Halle. 23. Juni. Hier haben bie Burschenschaften den Sonnwend. Fackelzug zu Ehren des verewigten Alt Reichskanzlers Fürsten BiSmurck geboy. cottet, weil der katholischen Verbindung ' ff rr ä w rw Mi . TUesill' vte gUyrUNg zuerkannt war. Streik von zehntausend Mann. Nürnberg, 23. Juni. Gegen den Antrag der Verbandsleitung lehnte der deutsche Metallardeiterverband einen Kompromiß mit den Arbeitgebern ab und beschloß, in den Streik einzutreten, Dieser Beschluß benebt fich auf 10.000 'Arbeiter. Ente des Vorwärts". Berlin. 23. Juni. Der ..Vor. wärtS", das leitende Organ der Social' demokratle, behauptet, daß Fürst v. Bülow beim Generalftabe angefragt habe, ob Deutschland für einen Krieg mit Frankreich vorbereitet sei, wenn die gegenwärtige Krisis bezüglich Marokko'S zum Aeußerften führen sollte. Wettfahrt der Yachten. Kiel, 23. Juni. Yachten im Be fitze von Amerikanern, oder von Ameri kanern gebaut, errangen bei den heu tigen Wettfahrten Lorbeeren. ES wa ren vier und jede von ihnen gewann in ihrer Klasse die Wettfahrt. Es betbeiligten sich an der Wettfahrt Kaiser Wilhem mit Meteor III. Er führte die meiste Zeit das Steuer. Bei ihm auf der Yacht befanden sich Bot schafter Tower, Wilson Marshall. BeSSr V r . ?eorgeauoer. Besitzer des Endyumon". Prinz Heinrich von Preußen steuerte den Orion" gegen Ailfa" ein ameri kanifcheS Boot. Letzteres siegte. Die in Amerika gebaute Yacht Na vahoe" schlug Comet". m cr o o fSlJavn Ml rt vf Stet St nrntnm" hrni Vr hr Liverpool: Republic" nach Boston; Sylvania von Boston. '",u V"-" v i v vv.. v"" Glasgow: Parifian" nach New York,
Die französische ?!otc. Wird in der Berliner Presse als eine verhüllte Ablehnung der Konferenz bezeichnet. ;
Bergg. sey im preußische Herrenhause thtr in PMUtaart 2.,sra..iS wieder in Stuttgart. Besorgniß Teutschlaud. Gerüchte vom Deutschland. Lange französische Note. Berlin, 23. Juni. Die fraw zöfische Note über die Marokko-LIoN' ferenz wurde heute dem auswärtigen Amte übermittelt. Da dle Note von ungewöhnlicher Länge ift wurde fie nicht per Draht, sondern durch die Poft nach Berlin geschickt. Das auswärtige Amt gibt zu, daß die Note die Lage läßt, wie'fie war. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und Deutschland find nicht gehoben. Man glaubt, daß die Ver. Handlungen sich lange hinziehen wer den, btS ein positives Resultat erzielt wird. Deutschlands Antwort ift noch nicht in Erwägung gezogen worden. Es wird beträchtliche Zeit nehmen alle die aufgeworfenen Fragen zu besprechen. Unter gewöhnlichen Umständen wäre eine Verzögerung vielleicht von Bor theil, da sich inzwischen die Aufregung legen könnte, aber in Regierungskreisen weife man. daß von emflußreicher Seite im "n' st""' tn.i.4ort .iiHAlAnK imK .ahImIA . . 1"" T' . .!?" u" M"btn gg J ? b' " der Möglich e... daß das französische Volk durch jene Jn , . rnrnm, , T & B im ? Deutschland anw' wim Uttv uic uge ouourcy gesllyrüiy werden kann. m..ks.. Lg Premierministers Rouvier komme ner böstickcn aber verhüllten Absaae glch und die Bosfische Zeitung" stimmt mit der ..Post" überein. indem fi. sagt, Rouvier'S Note gleiche eher Ablehnung der Konferenz als einer Annabme. ! Die ..Nationalzeitung" macht in einem offenbar inspirirten Artikel darauf aufmerksam, wie die englische Presse sich bemüht die Lage kriegerisch zu malen, während deutscher Krieg, gedanken für unberechtigt halte. Letztere Zeitung prophezeit, daß Rouvier'S Vorschlag. Frankreich und Deutschland sollten über gewisse Punkte ein Sepe ratabkommen treffen, bevor fie die Ma rokko.Frage einer Konferenz vorlegen, zurückgewiesen werden würde. Die deutsche Presse ift sehr eifrig in ihrem Tone bemüht, die französische Empfind lichkeit nicht zu verletzen. B e r g g e s e tz. B e r l i n , 23. Juni. Die zuftün dige Kommission deS preußischen Her renhauses hat heute mit elf gegen acht Stimmen die erfte BergarbeiterNovelle angenommen und zwar in der Fassung des Abgeordnetenhauses ohne jegliche Aenderung. Dieses günstige Ergebniß, welches die Billigung der Vorlage im Plenum so gut wie gewiß macht, war "2. " "'"7'' noa 001 wzmKn cn 'ut W un" möglich gehalten worden. Aber das entschiedene Eintreten der Regierung, besonders des Reichskanzlers Fürftm v. Bülow. für die Maßregel hat feine Lm.,.. mn ucy oie Zweite Novelle, welche fich auf die Still legung der Zechen bezieht, vor den Au. gen der Kommission Gnade finden wird und daß innerhalb zweier Wochen beide STlnrsrt An unir nnS aA A.d.iAi I uunuuni m...v m..v quuj uiviuiu I 'W f.;M U...W. u.MM.X4 v:. (u.: it V"" w"n' wuvamm m seinerzeit den Streikern im RuHrgediet gegebenes Wort eingelöst haben würde.
angenommen. - General von Wfter in Ra w.. s,, ZlJ. J.
in Paris wegen der Spannung mit Rücktritte v. Lamßdorff's. General v. Pfifter wieder daheim. Stuttgart, 23. Juni. Gene ralmajor v. Pfifter, welcher so hervor ragenden Antheil an den Schillerfeiern in den Ver. Staaten nahm, ift in der Heimath wieder eingetroffen. Er er stattete dem K0' Wilhelm unverweilt Bericht und ift von seinem Aufenthalt in Amerika auf'S Höchste befriedigt. Frankreich. Die Marokko Frage. Paris, 23. Juni. Trotz des zuversichtlichen Tones der offiziellen Mittheilung, die nach der CabinetS Sitzung gemacht wurde, herrscht doch im Publikum Besorgniß wegen der ge spannten Beziehungen zwischen Frank reich und Deutschland. An der Börse wurde dies Gefühl getheilt i.nd Renten fielen in bedenklichem Grade. In parlamentarischen Kreisen herrschte Unruhe und diese wurde .'vermehrt durch Karten m den SensationS Blättern, welche die Verkeilung fran Zöfifcher und deutscher Truppen längs der Grenze zeigen, und durch Andeu tungen. daß die Schwierigkeiten der Regierung fich durch Deutschlands Ant wort mehren würden. Das Journal des DebatS" und andere einflußreiche Abendblätter ra then dringend Ruhe an und erklären eS für eine gebieterische Pflcht, die Re gierung moralisch zu unterstützen. Eine halboffizielle Erklärung erschien heute Abend. Sie sagt, die Note an Deutschland suche nicht eine Konferenz zu vermelden, sondern er strebe einen Austausch von An sichten, woraus deutlich hervorgehe, daß Frankreich im Prinzip eine Conferenz nicht verwerfe. RuKland. LamSdorff angeblich amtS müde. St. Petersburg, 23. Juni. Graf LamSdorff'S Krankheit hat das Gerücht veranlaßt, daß er im Begriffe stehe zurückzutreten. Als Nachfolger werden bereits Botschafter Murawieff und der Geiandte zu Kopenhagen d'SowolSky genannt, aber eS ift Nichts vorhanden was diesen Gerüchten mehr Glauben verleiht wie früheren. Auf Befehl der T e rr $ riften? St. Petersburg, 23. Juni . Es ift hier da Gerücht im Umlau Großfürst AlersS habe am Tage, bevor er von einem Ponen zurücktrat eine formelle Aufforderung von den Terro riften erhalten, seinen Posten niederzu legen, andeSnfalls werde er verurtheilt und getödtet werden. Panik. Lodz. 23. Juni. Seit heute Mor. gen herrscht PanI! in der ganzen Stadt. Der Streik ift allgemein und alle Fabriken find geschlossen. Fortwährend fillen Gewehr, und Revolverschüffe. Viele Personen wurden getödtet oder verwundet, doch ist ihre Zahl bis jetzt nicht festgestellt. Mann mit Bombe ver haftet. Warschau. 23. Juni. Ein Mann, welcher eine Bombe bei fich trug, wurde heute Morgen von Beam ten der MalewkiPolizeiftation verhaf tet. Er verweigerte jede Auskunft über fich.
