Indiana Tribüne, Volume 28, Number 258, Indianapolis, Marion County, 22 June 1905 — Page 10

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Jndiana Tribüne, Donnerstag, den 22. Juni 1903.

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Aerzte.

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Ein unangenehmer Mensch.

i HVVK VVII VV WH wVi Beim ersten Diner an Bord wurde kam sfan Aitn Tnm oerens Die gedruckte Paagiertitte vertheilt. Ralf Hüstermann unterbrach das Gespräch mit seiner Tischdame v.utm fürchterlich gebildeten älteren F räulein, das eine herbe Laune des Oberstewards ihm als Nachbarin bescheert. Er vertiefte sich sofort in die Lektüre der interessanten Schrift. 'Auch an den andern T.schen ver- , stammte die Unterhaltung, die ohnehin Nfir stockend und oberflächlich geführt Worden war. Man kannte sich ja noch j so wenig. Eigentlich gar nicht. Erst ' d e Passagierliste konnte in etwas jen's höfliche Mißtrauen beseitigen, das eine bunt zusammengewürfelte Reise-! . r .xtr js. . n c . i c i ! gtieusazasl in oen siunoen uniereinai der beobachtet. Gabcl und Fischmesser ruhten unthätig aus den gebackenen Heilbutt- ; sämitten. Die wohlgeschulten Tisch-j stewards hielten mit Serviren inne. ' ti n paar Minuten hörte man in dem rrächtigen Speifesalon der Dampf- ' Yacht nichts, als ein leises, geschäftig neugieriges Blättern und wie von ' fernher das erregte Athmen der 3ee, die ihre ersten Spritzer gegen die ensterluken spülte. Nachdem jeder zunächst festgestellt. ob er selbst richtig und mit seinem gcxizen Titel aufgeführt war, suchte m$n nach Namen". Weshalb sollte Grstav Frenffen einen Theil der bedei :enden Einkünfte aus seinem Jrn Hhi" nicht auch einmal in einer !)clrdlandrelje anlegen! ajoer eine Tteaterzröße, fern von allen Gastspelverführungen, hier Erholung su-' chei? Und mancher, wenn auch nicht ' brennend berühmte, so doch interessaUe Name wurde entdeckt. ,Verzeihen Sie," wandte sich Ralf ' Hintermann an seinen Nachbarn zur Liiken. hier ist ein Oberst G. aufgefükrt. Ob das wohl derselbe ist, der zur Schutztruppe commandirt, dann aber wegen seiner Empfindlichkeit dem GUlverneur gegenüber gleich wieder abrerufen wurde?" Der alte Herr streifte ihn mit einem Blick, in dem nicht gerade sonnige Enpfindungen sich spiegelten. Er legte die Liste beiseite und stocherte mit der Heftigkeit eines gereizten Menschen in seinem Fisch herum. Erst nachdem er seinen Bissen, den er sich sozusagen in den Mund geworfen, hinuntergewürgt, antvortete er angestrengt: Derselbe. Ganz recht. Nur in einem Punkte sind Sie im Irrthum, mei Herr. Ich bin durchaus nicht empfindlich. Gar nicht. Wenn ich das wäre, so müßte ich Ihnen grob werden, weil Sie gedankenlos nachbeten, was die dummen Zeitungen daherr:den. Empfindlich...!" Ein wüthendes Achselzucken. Der Oberst bearbeitete seinen Keller mit eine: Energie, als wenn auch der Heilbutt ihm Empfindlichkeit vorgeworfen hätte. Ralf Hüstermann hatte das Gefühl, sich bei dem alten Herrn sehr angenehm eingeführt zu haben. Des öfteren schon war ihm sein Talent aufgefallen, im Hau''e des Gehängten vom Strick zu reden. Nachdem er einige Entschuldigunaen gemurmelt, suchte er sich über die peinliche Situation dadurch hinwegzubringen, daß er die Liste weitercommentirte. Allerdings mehr nach rechts kin, da er dem Unempfindlichen Zeit lassen mußte, sich innerlich auszutoben. lZine sehr interessante, vielgestaltige (Gesellschaft." bemerkte er zu seiner Nach arin. Sogar einen weiblichen Arzt haben wir an Bord. Sapperlot dem Namen nach muß das die bekann Volksrednerin und Frauenrechtlcrin sein!" Schon möglich " erwiderte die Dame mit bedeutungsvoll hochgezogenen Augenbrauen. F:äulein Doktor med. klingt doch eigentlich recht drollig, nicht wahr?" Seeehr drollig." Ueberhaupt muß ich gestehen, daß mich das Eindringen der Frau in unsere praktischen Wissensgebiete immer etwas fremdartig anmuthet. Um nicht zu sagen abstoßend. Ich finde, daß die einzig berechtigte Frauenbewegu, g ein schöner Walzer ist. Meinen Sie nicht auch. Gnädigste?" Die Dame ließ die Brauen sinken und machte ganz kleine Augen. Das gab dem Blick etwas Kritisches, unendlich Ueberlegenes. Ihre Stimme war ein Messer, das sich dem Unglücklichen pitz und scharf zwischen die kurzen Rippen bohrte. Be ?aure nein. Ich werde niemals ine Meinung theilen, die sich auf ingst überwundenen Gemeinplätze, bewegt." Da ,it gab sie sich einen starken Ruck i den Schultern und schaute starr t r sich hin. Jeder Zoll ein Eiszapfen Selbst den Stewar) übersah sie lils wenn der von ihm servirte Lendenbraten auch ein längst überwunderer Gemeinplatz wäre. Ralf Hüstermann calculirte ebenso richtig wie zu spät, daß er es auch auf seiner grünen Seite sehr schön getrofsen habe insofern, als die fürchterlich gebildete Dame das Fräulein Doktor med. in Person war. Wiederum murmelte er einige entschuldigende Worte. Im Slillen faßte er den Entschluß, sich in dieser Weise nicht weiter beliebt zu machen. Um sich für längere Zeit zum Schweigen zu zwingen, nahm er eine doppelte Portion Lendenbraten. Und da er seine Augen weder nach rechts noch nach links schweifen zu lassen wagte, richtete er sie abermals auf die Passagierliste, deren Studium man im übrigen bereits beendet hatte. Die allaemeine Unterbaltuna war

terer, zutraulicher, als vorher. Im einzelnen hatte die Unterhaltung sogar etwas forcirt Uebermüthiges, KrampfHaftes da die See ziemlich hoch ging und immer dräuender an die Fenster klopfte. Eine schlan?gewachsene, majestätische Dame vutre deux ages, die dem Unempfindlichen gegenüber saß, lachte hell auf wie ein Backfisch über jede, auch die harmloseste Bemerkung ihres Nachbarn, der ob dieses Mirakels schon ganz verstört dreinschaute. Wenn sie aber nicht lachte, dann führte die Dame ihr Foulard an die feuchte Stirn und die bleichen Lippen und sah sich verstohlen nach dem Ausgang um. Ralf Hüstermanns Gegenüber ein spärlicher kleiner Herr mit noch spärlicheren grauen Bartkoteletten folgte mit dem Oberkörperchen jeder Bewegung des Schiffes und lächelte das stille, todestraurige Lächeln eines Menschen, der sich hinsichtlich seiner nächsten Zukunft keinerlei Illusionen mehr hingibt. Ralf Hüstermann beachtete das alles nicht. Nach den bisherigen Erfahrungen lehnte er es zunächst ab, sich um seine Umgebung zu kümmern. Des weiteren war er als Commodore des Stettiner Segelclubs Ahoi" und Mitglied des Norddeutschen RegattaVereins ein seebefahrener Mensch, dem es gar nicht in den Sinn kam, daß so ein bischen Dünung jemand unbequem werden könnte. Und schließlich stieß er in der Fremdenliste noch uf einen Namen, der ihm einen Ausruf freudiger Uebcrraschung entlockte. Emil Pärschke ! Ralf Hüstermann erhob sich, um mit den Augen alle Tische und den ganzen Raum nach seinem alten Freund Pärschke abzusuchen. Das geschah so jäb und temperamentvoll, daß er einer silbernen Schale mit Apfelsinen und Bananen nicht achtete, die ihm foeben servirt wurde. Die Schale machte einen gewaltigen Hops und ihr Inhalt trudelte über den Tisch. Während die majestätische Dame in ein convulsivisches Lachen ausbrach, um gleich darauf mit verglastem Blick die Entfernung bis zur Treppe auszumessen, sank der dürftige Herr völlig in sich zusammen. Schreck und Kälte sind zwei Dinge, die die Disposition zur Seekrankheit außerordentlich erhöhen. Und er hatte einen fürchterlichen Schreck bekommen. Eine Apfelsine war ihm auf den Teller gefallen und rollte dort wie irrsinnig umher. Verzeihen Sie, meine Herrschaften," entschuldigte Ralf Hüstermann sich summarisch und ziemlich oberflächlich, da er immer noch umherspähte; aber wenn man unvermuthet sich in der Nähe eines lieben Freundes weiß, den man acht Jahre nicht gesehen hat, so geht die Freude ein weniges mit einem durch. Steward!" Befehlen ?" Hier ist ein Herr Emil Pärschke, Stadtrath aus Zillewitz in Sachsen, aufgeführt. Wo hat der Herr seinen Tischplatz?" Ihnen schräg gegenüber, wenn ich nicht irre. Jener leere Stuhl. Der Herr erklärte, zum Essen heute nicht erscheinen zu wollen, da ihm die See zu bewegt ist " Natürlich!" lachte Ralf Hüstermann vergnügt. Daran erkenne ich meinen Freund Pärschke trotz Zillewitz und seines Stadtrathstitels. Ich danke Ihnen, Steward. Werde den Herrn nachher in seiner Kabine aufsuchen. Was sagen Sie zu diesem drolligen Zufalle, meine Herrschaften!" wandte er sich aufgekratzt an seine Tischgesellschaft. Der Unempfindliche und das Fräulein Doktor sagten gar nichts. Dagegen schien der dürftige Herr ein gewisses melancholisches Interesse zu bekunden. An ihn richtete Ralf Hüstermann seine ganze Freude und Begeisterung. Neben Ihnen also würde er gesessen haben, wenn er nicht immer noch an seiner unglücklichen Magenschwäche litte! Ich behaupte nämlich, daß die Seekrankheit, wie überhaupt alle mit Brechreiz verbundenen Schwindelerscheinungen wie bemerkten gnädige Frau ?" Die majestätische Frau unterdrückte einen gurgelnden Laut mit ihrem Taschentuche und schüttelte kaum merklich den Kopf. Ralf Hüstermann folgerte daraus, daß die Dame nichts einzuwenden wünsche. Er fuhr fort: Ich meine also, daß die Seekrankheit nicht, wie vielfach behauptet wird, eine Jrritirung der Kopfnerven ist, sondern lediglich eine Schwäche der Magennerven in Erscheinung bringt. Darauf deutet alles hin. Sie werden das möglicherweise noch an sich selbst beobachten. Achten Sie dann nur, bitte, darauf, wie bei vollkommen klarem Kopfe plötzlich ein fürchterliches Würgen eintritt, das den Magen zunächst zu erweitern, dann aber mit eherner Gewalt zusammenzuziehen scheint und auch thatsächlich zusammenzieht wie gewisse Folgeerscheinungen das zur Evidenz beweisen." Ralf Hüstermann unterbrach seine interessanten Ausführungen für einen Moment, da die majestätische Dame unter Erstickungsanfällen in ihr Taschentuch gehustet und stch erhoben hatte. Zwei Stewards sprangen herzu, um die Schwankende zu stützen und an die frische Luft zu geleiten. Da keine Krankheit so ansteckend wirkt wie das mal de mer, schlössen sich mehrere anderePassagiere dem TransPort an. Die einen langsam und vorsichtig, als wenn sie etwas zu verschütten fürchteten: die andern miter sie

berhaften Hast von Menschen, die auch nicht eine Sekunde mehr verlieren t dürfen. I Ralf Hüstermann schüttelte ver- ' ständnißlos den Kopf. Er begriff we-

die verschiedenen unfreundlichen, verzagten oder anklagenden Blicke, die ihn getroffen. Der ganze Tisch war leer. Nur der dürftige Herr saß ihm noch gegenüber ein winziges Häuflein grün und gelb schillernden Unglücks. Wer es nicht vertragen kann, der soll eben nicht zur See fahren, nicht wahr?" nahm Ralf Hüstermann die Unterhaltung freundlich wieder auf. Wie mein Freund Pärschke sich zu dieser Reise entschließen tonnte, ist mir einfach unbegreiflich. Da muß eine höhere Gewalt aus thn eingewirkt haben. Er konnte früher nicht einmal das Rückwärtsfahren auf der Eisenbahn vertragen, und wenn er in der Ferne nur die Drehorgel eines Karussels hörte, wurde ihm schon schwindlig. Dazu seine hyperästethisehe Anlage. Wenn er sich ankleidete, verhing er alle Spiegel. Ich habe ihm nicht einmal, nein zehnmal gesagt: Pärschke, wenn sich wirklich einmal ein Dummer findet, der dir seine Tochter zur Frau geben will, so Heirathe trotzdem nicht. Du paßt schon nicht mehr in die Welt, geschweige denn deine Nachkommenschaft. Inzwischen ist er Stadtrath geworden. Stadtrath ! Ich habe mal einen andern Bekannten gehabt, der im Leben nichts werden konnte. Absolut nichts. Endlich erbte

er einige Häuser in eimr kleinen Stadt und es vergingen keine fünf Jahre, da war er verzeihen Sle gütigst, Sie sind doch nicht Stadtrath ?" Der kleine Herr verneinte zunächst nur mit den todestraurigen Augen. Dann aber gab er sich einen Ruck, schluckte ein paarmal gewaltsam und würgte hervor: Ich nicht. Mein Schwiegersöhn " Ralf Hüstermann drückte sich im Geiste die Hand ob der klugen Vorsicht, die er in diesem Falle beobachtet. Ihr Herr Schwiegersohn!" rief er begeistert. Da gratulire ich von Herzen. Es gibt thatsächlich nichts Schoneres und Ehrenvolleres, als sich im Dienste des Gemeinwohls zu bethätigen. Und wo ist Ihr Herr Schwiegersöhn Stadtrath, wenn ich fragen darf?" In Zillewitz," wimmerte der Kleine und das war das Letzte. Die beiden Stewards, die schon längst ihr Augenmerk auf ihn gerichtet, sprangen berzu und trugen ihn vorsichtig davon. Der Wunsch, sich selbst zu prügeln und wenn er noch so ernst und lebhaft ist , stößt immer auf Schwierigkeiten. Deshalb gab ihn Ralf Hüstermann alsbald auf. Er schaute noch eine Weile tiefsinnig vor sich hin bis sein Blick wieder auf die unglückliche Passagierliste fiel. Mit einem Kernfluche schleuderte er sie beifeite und verließ den Tempel. An Deck wurde ihm erst in vollem Umfange klar, wie sehr er sich beliebt gemacht. Eine Gruppe von Herren, die sich vor dem Rauchzimmer etablirt und deren Mittelpunkt der Herr Oberst war, schnitt ihn so unzweideu tig, daß er gar nicht erst den Versuch machte, hier vor Anker zu gehen. An der Steuerbordseite hatte der Schiffsarzt eine Erholungsstätte für diejenigen Damen eingerichtet, die seinem Rathe gefolgt und nicht in die Kabinen geflüchtet waren. Bleich und hilflos lagen sie auf den Lattenstühlen ode? hingen über der Reeling in verzweifelter Zwiesprache mit dem Herrn dtt Fluthen. Sie achteten nicht daraus, daß der Wind ihr Haar zerzauste und die Spritzer ihre Toilette durchfeuchte ten. Wohl aber ging es wie eine lt dende apathische Abwehr durch d Reihen, als der unangenehme Mens sich näherte, von dem das Fräulein Doktor soeben erzählt hatte. Ralf Hüstermann fühlte den Übeln Eindruck seines Erscheinens sehr deUlich. Aber er mußte die Colonie Pas siren, wenn er Emil Pärschkes Kabine aufsuchen wollte; und er mußte ErnU Pärschkes Kabine aufsuchen ein mal, um sich wegen des Schwiegervn ters zu entschuldigen, und dann vor allen Dingen, um in dem Wiedersehen mit dem alten Freunde Entschädigung zu suchen für alle erlittene Unbill. Durch Emil Pärschke würden es dann auch die andern erfahren, daß Ralf Hüstermann nicht der unangenehme Mensch war, als der er sich eingeführt, sondern lediglich ein Pechvogel, der schon vor fünfzehn Jahren im juristischen Staatsexamen bloß deshalb durchgefallen war, weil er sich auf d Kommentare eines Rechtsgelehrten berufen, der mit dem examinirend: Professor in bitterer wissenschaftlicher Fehde lebte. Unter Deck erwischte Ralf Hüstermann einen der Kammerstewards, die mit Bromselter. mit Citronen, mit Eimern und Wischlappen in wilder Geschäftigkeit durch die Gänge huschten. Sie können mir wohl sagen, wo Herr Stadtrath Pärschke aus Zillewitz nquartirt ist?" Sehr wohl. Kabine sünfundsechzig. Dritter Seitengang rechts. Ich bitte jedoch, nicht hineinzugehen, da der Herr Stadtrath ausdrücklich gewünscht hat, ungestört zu bleiben." Einem alten Freunde gegenüber wird dieser Ukas nicht gelten " Ich glaube doch. Der Herr Stadtrath blieb vor dem Diner sogar für seinen Herrn Schwiegervater nicht zu sprechen." Das sieht ihm ähnlich, diesem zimperlichen Menschen," lachte Ralf Hüstermann vor sich hin. Dann drückte er dem Steward ein Geldstück in die Hand. Also gehen e mal hin r.nd fragen Sie " v .Bedaure i leider un-

jeyr krank und außerdem hochgradig aervös. Seit die Dünung eingesetzt hat, erwartet er zeden Augenblick den Untergang des Dampfers. Und ich darf ihn nur stören, sobald wirklich Gefahr im Anzüge ist " Aber das ist doch heller Unsinn!" Der Steward antwortete nur mit einem bedauernden Achselzucken und verschwand in einer der nächsten Kabinen. aus der man in lanaaezoqenen

KlagelautSa nach ihm gerufen. Unsinn ist das!" wiederholte Ralf Hüstermann zu sich selbst. Blödsinn! In die Kabine zu kriechen, wo doch frische Lust das einzige Heilmittel ist! Dazu ein Menscb, der an Hallucinationen leidet! Schon einem Wildfremden gegenüber wäre es Pflicht, hier einzugreifen. Man hat Exempel von Beispielen, daß Leute tobsüchtig geworden sind, wenn man sie in .solcher Lage sich selbst überlassen hat. Und um Emil Pärschke sollte es mir leid thun. Ich werde dem armen Kerl helfen und wenn es sein muß, gegen seinen Willen." Damit trat er in den ihm bezeichneten Seitengang und zählte die Kakinennummern ab. Dreiundsechzig vier- sünfundsechzig. Die äußerste war's. Direkt gegenüber lag eine Kabine, deren Thür offen stand und durch eine Portiere ersetzt war. Wahrscheinlich der besseren Luft wegen. Nach den Lauten, die herausklangen, mußte hier eine Dame logiren, die ebenfalls sehr krank war. Deshalb dämpfte Ralf Hüstermann seine Stimme, als er unter diskretem Pochen seinen Freund anrief: Pärschke!" Zuerst nichts. Dann plötzlich ein wildes Auffahren drinnen und ein Lärm, als wenn jemand das gesammte bewegliche Inventar der Kabine durcheinanderwllrfe. So ist's recht, Pärschke," rief Ralf Hüstermann vergnügt. Er dachte nicht anders, als daß der Freund ihn an der Stimme erkannt und sich nun fürchterlich beeile, ihm in die Arme zu sinken. 'Raus so schnell als nur irgend möglich! Es ist dein Untergang, wenn du auch nur eine Minute länger " Untergang!" gellte es m Nummer fünfundsechzig auf. In demselben Moment wurde auch die Thür aufgerissen und Emil Pärschke stürzte heraus angstverzerrten Antlitzes und eine Korkweste über einem Negljg6. in dem man eben nur bei dringendster Feuers- oder Wassersnoth sich unter Menschen wagt. Anstatt den Freund zu begrüßen, rannte er ihn so heftig an, daß Ralf Hüstermann erstens sich empfindlich in die Zunge biß und zweitens mit bedeutender Rasanz durch die Portiere in die gegenüberliegende Kabine stürzte. Es hätte gar nicht der lauten Hilft rufe bedurft, um ihn zu veranlassen, diesen raschen Besuch sofort abzubrechen. Mußte er doch dem verdrehten Menschen, dem Pärschke, nach, ehe dieser an Deck kam und in die Colonie leidender Damen hineinplatzte. Ein fürchterlicher Tumult, der sich oben erhob, belehrte ihn, daß es zu spät war. Ralf Hüstermann schlich in seine Kabine. Er schärfte dem Steward besonders ein, daß er für niemand zu sprechen sei am wenigsten aber für Leute, die etwa die Absicht äußern sollten, ihn zu prügeln. Er wollte keinen Menschen mebr sehen und keinen mehr hören. Er wünsche nur verständigt zu werden, wenn das Schiff untergeben sollte was hoffentlich bald der Fall sein werde. Sin gescheiter Junge. Bei der Prüfung der Konfirmanden in der Kirche einer Dresdener Vorstadt gab ein Schüler auf die Frage des Pastors, was zur heiligen Taufe alles nöthig sei, die Antwort: Wasser !' Nun, und . . .?" fragte der geistliche Herr weiter. Das Kind!" ergänzte der Konfirmand. Vorschlag zur Güte. Postbeamter: Achtzig Pfennige kostet das Paket!" H a u s i r e r (vertraulich) : Ich werd' Ihnen geben fünfzig, Herr Offizial, uild einen schönen neuen Taschenkämm dazu!" Erhöhter Genuß. Freundin (zur andern): Wie man nur einen Stotterer als Verehrer haben kann!" O, das ist ja gerade das Nette daran. . . Zur Liebeserklärung hat er gegen zwei Stunden gebraucht!" Das Schrecklichste. Sie waren also auch bei dem EisenbahnUnglück dabei, gnädige Frau, und wurden verletzt?" Ja, denken Sie sich nur, wie schrecklich! Durch die Wucht des Stoßes bin ich von der zweiten Klasse m Bit dritte geschleudert wor-

Zugtt-CsMfion. I 3 Mann todt, 2 schwer verletzt.

N e w j n g t o n , Conn., 21. Juni. Eine leichte Lokomotive stieß hier mit einem einem schweren, östlich gehenden Frachtzuge an der Stelle zusammen, wo zwei Schienenftrünge sich vereinigen. Getödtet wurden der Bremser LewiS Stratton sowie die Heizer Geo. I. Schladenhofer und Herbert B.'rnSlow. Der verletzte Lokomotivführer E. F. Pruett wird sterben, sein College Wilcoi mag wieder hergestellt werden. ,. k i b s ch l ö g e. Pittsburg, 21. Juni. Die Hitze während der letzten 4 Tage hat zahlreiche Unfälle zur Folge gehabt und die Zahl derselben wächst stetig. Um 7 Uhr Morgen? zeigte das Thermometer 81 Grad. Schauergeschichten. Seattle, Wash., 21. Juni. Nachrichten aus Nome zufolge herrschen auf den Diorme-Jnseln während der letzten Tage schauderhafte Zustände, die dadurch herbeigeführt wuid n. daß Walfischfänger große Quantitäten von Schnaps für Pelze und Elfenbein vertauschten und die Eingeborenen fortwährend betrunken hielten. Nicht weniger wie acht Schiffe waren während der gräflichen Orgien in der Nähe der In seln verankert. Eine junge EskimoFrau wurde bei lebendigem Leibe ver. brannt, ein Mann wurde gehenkt und drei andere wurden erschossen. Polizei ches Kutzeena war den Unruhen nicht mehr gewachsen, da er von den Wal fischfängern selbst fortwährend betrun ken gemacht wurde. Ein Dampfer, die Louise". welche vor zwei Wochen mit großen Quantitäten Whiskey befrachtet anlangte und nun mit werthvollen Pel zen und Elfenbein beladen ist, wurde nach einer Untersuchung durch Beamte der Bundesregierung mit Beschlag belegt. MM & APPEL. Versicherung, Grundeigenthum, Miethe und Anleihen. 131 Oft Market Str. FEDERAL UNION SURETY CO., kemcke Gebäude, Indianapolis. Leistet Bürgschafte aller Arte. Bürgschaften für Angestellte in Vertrau ensstellen Bürgschaften an allen Sorten Gebäude und Konstruktions-Arbeiten. Bürgschschasten für Administratoren, or münder etc. Bürgschaften für Logen und VereinsBeamten. Wirersuchen um Zuspruch unserer deutschen Freunde. No. 449 Oft Washington Str. r,mn Hi Office: 8338 9t. ttnttt ,e Neues Telephon 6485. Die Perfeet Gas Range wird zum Koftenpreise verkauft, abgeliefert und aufgestellt ohne Unkosten. Der sparsamste Ofen für Kunftgas. Sprechen Sie vor und sehen Sie dieselben im Gebrauch. THE INDIANAPOLIS 6AS CO., S. Pennsylvania Str. l)r L. A. (Z reiner, empfiehlt sich für die Thiere. er ranke Pfe erhall beffere bUlllung. 14 1

Aug. Diener,

JohnWolsiffer für Stadtrath der 13. Ward, unterworfen der Entscheidung der demokratiicben Nominationsottvennon.

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