Indiana Tribüne, Volume 28, Number 256, Indianapolis, Marion County, 20 June 1905 — Page 6
Indiana Tribüne, 20. Juni 1905.
6
Warum nicht S S S S S sparen beim Einkaufe Ihrer Möbel . . . .und. . . . Teppiche . . . .sowie. . . . ....Garland Oefcn.... und bei WILLIQ'S ...Msbel-Handlnng... 141 West Washington Straß. BksteUen ZU Ihren Aizng oder Neberzieher ..von. w. G. Schneider da erhalten Sie perfettes Passen und die feinste Arbeit zu den rnd rigsten Preisen. An;üae oder Uebcrzicher auf Bestellung. 4fr 4 c FZd siAA und J9 Hosen $3.50, $4, $9, aufwart, und ausmärt! 38 MonnAent Platz. Die Perfeet Gas Range wird zum Koftenpreife verkauft, abgeliefert und aufgestellt ohne Unkosten. Der sparsamste Ofen für Kunftgas. Sprechen Sie vor und sehen Sie dieselben ta Gebrauch. TUE INDIANAPOLIS 6AS CO., 49 G. Pennsylvania Str. Dtcbmann & Gradhoru, Ml ortkanten von sein, Schau Käften. $iai Ladentische und Cigarren -Tische n cm alhingto trahe. tn Vd lat,l l. CENTRAL COLLEGE OF MUSIG, 550 Rord Meridian Stt. .Schule jetzt eröffnet.... ag-Schüln sowie auswärtige Schuln lche hier im College völlige Aufnahm, Zuche, können zu jeder Zeit eintreten. Vn oderne gut ausgerüstete Institut, vollSndig in allen Abtheilungen deö Lernen der Kunst der Musik und den verwandt Saften, atalog frei. Edward Taylor, Direktor. Dr. J. A. Sutcliffe. Wimd'Arzt, Geschlechts., Urin- nnl ReeWw Xrankbeiten. Oflce ; 155 O Market Stt. Tel. Arfrte : I d i, 18 Uhr . : , II 4DH. eg Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. VchdeU alle akute und chronisch rank betten, eburtthittfe Spezialität. OsGes: 14 Weft Ohio Cts. oynua: um KtMfra v. prechftnnbe : 7 1 tt . tag I achm. ohuung tlephone t lt. MM; Itft, MM 19 11 5 ! je-iojo B. I AKE ERiE & WESTERN R. R. . . . . Fahrzeit der Züge.. Ibfcktzrt Ins un , hlcao und tchiga r?reH .t 7. 16 tio M Detroit und khuago Lim im t s.ll a ity. Wunctt u.Lasar,etteplf IM f!0.U glich t u,enot omrtag.
Die ti enVele.
Von der Verfasserin der Briefe, die ihn nicht erreichten". Wie war es nur gekommen? Wer hatte zuerst vorgeschlagen, von dem Theater aus, wo die Jahresrevue gegeben wurde, noch ein Stündchen beieinander zu bleibe!,' Das erinnerte sich nachher keiner. Auch Allan nicht. Auf der Schwelle des Theaters stehend, hatten sie den Gassenhauerrefrain von vorhin, der ihnen allen noch in den Ohren lag, vor sich hingesummt: Lass' ihn nur erst beginnen, wirst du bei Scherl gewinnen." Sie waren unschlüssig gewesen, in welches Lokal zu gehen. In den Klub," hatte einer Zesagt, .'s ist noch das Beste." Und sie waren hingegangen und hatten Allan mitgenommen, der sonst den Klub nie besuchte. Es war etwas getrunken worden. Dann hatte es geheißen: Wollen doch mal nachsehen, wer heute jeut?" So hatten sie den Weg in denSpielsaal gesunden. Eine Baccaratpartie war imGange. .Ah, Master ist da," sagte einer der Neuangekommenen leise, ,da kann's was zu sehen geben." Man drängte an den Tisch. Da saßen die Spieler. Die einen interessirt, aber doch kühl und im Stande, abzubrechen, wann sie wollten die Kartenflirter; die anderen, derenZüge sich zu starren tragischen Masken verwandelt hatten, deren Augen glühten wie gierigeFlammen, die Leidenschaftlichen, für die Spiel einziger Ernst ist. Mit einem Mal saß Allan zwischen ihnen. Wie war er. der doch seit Jahren keine Karten mehr anrührte, nur an diesen Tisch gekommen? War es geWesen, weil er unter den Spielern den Mann erblickt hatte, den er früher einmal in einem ganz anderen Lebensspiele als Gegner vor sich gehabt und überwunden hatte? War es Schicksal, daß er ihn in diesem Kreise unerwartet wieder sah? Mußte er sich noch einmal mit ihm messen und ihm die Gelegenheit zu später Revanche die ten? AlsGraf Masier aufblickend fragte: .Was. Sie hier, Lord Allan? Haben uns ja lange nicht gesehen. Setzen Sie gegen mich?", da klang es ihm wie eine persönliche Herausforderung, der man sich stellen muß. Er nahm die Karten, u'ld sobald er sie in Händen hielt, vergaß er alUs Andere, und es durchrieselte ihn auch schon das Gefühl, das er seitJahren nicht mehr emPfunden war es Schmerz, war es Wonne? Das wußte er nicht aber es war das eine,' das einzige wie hatte er es je ohne dies, was allein wirkliches volles Leb:n ist, aushalten können? Ihr Spiel begann. Allmälig fielen die bloßen Flirter ab. Ne, Kinder, das ist ein Tempo, wo einem die Puste verjeht," meinte heimgehend ein Weiser. Zu einem Rennen ward die Partie, wo weit vor dem übrigen Felde zwei Favorits laufen, mit beinahe gleichen Chancen. Sie ward zum Zweikampf; zwei Riesen standen sich gegenüber inmitten einer Schlacht von Pygmäen. Und die Pygmäen begannen zu fühlen, daß da etwas vor sich ging, was sie nicht verstanden, etwas Unheimliches, auf das sie gebannt blicken mußten und das sie nicht enträthseln konnten. Das war kein gewöhnliches Spiel, das war ein bitterböses Ringen, ein Duell um einen Grund, den keiner der beiden je nennen würde. Gleich grausamem Stahl kreuzten sich ihre Blicke, und sie fühlten, daß sie beide dasselbe dachten. Unentschieden schwankte lange der Kampf. Doch da trat, für alle unsichtbar, eine neue Gestalt in das Zimmer und stellte sich dicht neben des Grafen Stuhl. Die Göttin des sinnlosen Zufalls war es, die so oft fett samer Vergeltung dient. Die mischte dem Grafen die Karten. Und er gewann, gewann gewann die ganze Nacht. Es fing beinahe an, peinlich zu werden, so viel zu gewinnen, dachte er. Und er blieb länger sitzen, damit der Andere doch .auch eine Gelegenheit habe. Jetzt haßte er den Anderen gar nicht mehr er that ihm beinahe leid. Und die Frau von damals in der fernen grauen Stadt? Seltsam, wie so etwas plötzlich wieder aufglimmen kann eigentlich hatten sie die wohl beide längst veraessen. Aber die Göttin des sinnlosen Zufalls wandte sich nicht in dieser Nacht, sondern blieb' starr neben dem Grafen stehen. Und es wuchsen m'd wuchsen Allan'3 Verluste. Als die Herren endlich aufstanden, dämmerte der Morgen schon. An den Ritzen der zusammengezogenen Vorhänge entlang stahl sich fahles Licht in den Saal. Lord Allan hörte kaum die genaue Summe, die er schuldig blieb und die nock im Laufe des schon hereinbrechenden Tages bezahlt werden mußte. Es war ja auch völlig einerlei. Es war nun alles einerlei. Draußen wehte ihm die Frühluft entgegen. Sie war merkwürdig milde für die Jahreszeit, aber ihn fröstelte. Ob all die weißen Figuren draußen tat Park jetzt auch so fröstelte? Plötzlich fiel ihm ein. daß die GraSaltowska, an ihrem mit Nippej
oeoeattn Ramin sitzend, neulich mal gesagt hatte: Wissen Sie, alle Morgen früh um 5 Uhr kommen die königlichen Regierungsputzweiber anmarschirt, singen patriotische Lieder und scheuern die Statuen ab." Das sollte man sich mal anschauen." batte der Vicomte Merveille at antwortet, und er selbst hatte gesagt: Das muß ja eine der Sehenswürdigleiten derStadt sein, aber 5 Uhr früh? brr da schlafen respektable Menschen doch schon." Heute hätte er mal nachsehen können. Aber nun stand er bereits vor seiner Hausthür. Er ließ sich r'n. Draußen war es schon hell gewesen. Drinnen im Flur war es noch dunkel. Sachte stieg er die Treppen hinauf, an den verschiedenen Thüren vorbei, wie er es so manche Nacht gethan. Hier wohnte die Generalin v. Greifenhart, die immer noch darauf wartete, von ihrer Tochter zur Schwiegermutter gemacht zu werden. Hier die Gräfin Febrile, die darauf wartete, daß die Unfähigkeit des Gesandten in Nicaragua endlich erkannt würde und ihr Mann an seine Stelle rücke. Rechts der Tenor, der auf ein Engagement, links der Autor, der auf die Uraufführung seines Stückes wartete. Hier endlich die Equilibristin, die darauf wartete, daß die Kollegin im Cirkus bei dem Purzelbaum über den Baby eleph.nten endlich mal zu Schaden käme, so daß ihr die Rolle zuertheilt würde. Was doch viel auf der Welt gewartet wird, dachte Allem, so durch alle Stockwerke der menschlichen Gesellschaft hinauf! und eigentlich immer darauf, daß einem Anderen etwas Unangenehmes geschehen möge. Worauf wartete er denn 'elbst? Ah ja, richtig, er wartete darauf, seinen Wohnungsschlüssel endlich im Schloß herumgedreht zu haben. Nun war er bei sich zu Hause. Er trat vom Gang direkt tVs Schlafzimmer, zog den Frack aus und schlüpfte in eine weiche Morgenjacke. Das Bett war aufgedeckt; aber schlafen? nein und er empfand doch plötzlich eine lähmende Müdigkeit. Er ging in das vordere Wohnzimmer, wo sein Schreibtisch stand und auf einem Schrank die vielen chinesischen Vasen aufgestellt waren, die er aus Peking mitgebracht hatte. Aus Peking, wohin er vor Jahren auf Betreiben seiner Eltern versetzt worden war weil er auch damals beim Spiel Riesensummen verloren hatte. In Paris war er gewesen. Der Vater hatte damals gezahlt, und vor der Abreise nach China hatte er ihm das Versprechen abgenommen, nie wieder Hazard zu spielen. Und in Peking hatte er sein Wort gehalten; anfänglich, weil sich überhaupt keine Gelegenheit bot, es zu brechen, später, weil jenes andere Spiel in sein Leben gekommen war, neben dem, was sich mit Karten gewinnen läßt, gering erschien. Damals war es gewesen, daß er den Grafen Masier besiegt. Dort drüben stand ihr Bild. Ja, es waren schöne Jahre gewesen, in der fernen grauen Stadt! Aann wurde er auf einen anderen Posten ernannt. Heute schien ihr Bild so blaß wie eine Erinnerung, die keine Gewalt mehr über uns besitzt. Aber so am frühen Morgen sah alles farblos und seltsam aus. Draußen waren die Laternenlichter erloschen. Aus dem Dunst, der über dem Baumgewirr des Parkes lagerte, ragten die Umrisse des großen Palastes der Volksvertreter und das Denkmal der Siege dieses Volkes gespenstisch auf. Allan setzte sich in einen Sessel neben dem Ofen, der noch etwas Wärme ausströmte; er wollte nachdenken, aber er fiel sofort n einen blei?rnenSchlaf. Doch bald schreckte er wieder auf, in dem Wahn, die Schulzeit verschlafen zu haben, und daß heute Examen sei, bei dem er bestehen müsse. Nun fiel ihm alles wieder ein, aber doch wie ein ferner, wüster Traum. Zahlen. Geld schaffen. Woher? Allan's Blicke schweiften suchend durch das Zimmer. Wer konnte ihm das Geld geben? Dort die Freunde in den Uniformen der verschiedensten Länder oder gar die schönen Frauen, deren Bilder fächerförmig die eine Wand zierten? O wch, die hatten ja selbst immer einen Pfennig zu wenig da stimmte die Rechnung auch nie. Auf dem Schreibtisch standen die Bilder der Eltern. Der Vat mit dem jovialen Gesicht, das aber so leicht cholerisch werden konnte. Typus Heinrich VIll. Im rothen Rock war er abgebildet, wie Allan ihn so oft gesehen hatt;, daheim bei Jagden, wenn man an nebligen Herbstmorgn durch feuchte Wiesen und über breite Gräben den Hunden nachreitet. Die Mutter war im Hofkleid dargestellt, das sie zurKrönung des Königs getragen und das so gut zu ihren kalten strengen Zügen paßte. Ja. Vater und Mutter, die können sicher noch einmal helfen. Hingehen? Sie bitten? Aber würden sie verstehen können, was er selbst kaum begriff, wie es überhaupt möglich gewesen? Würden sie helfen wollen? DaZ levtemal hatten sie so hart gesagt: nie wieder. Und doch war es die einzige Möglichkeit, die einzige Rettung. Ec mußte zu ihnen. Er wollte aufspringen Aber da war es Allan. als kröche
von rückwärts ein seltsames ungeheuer an seinem Sessel entlang, als legte es die Tatzen auf seine Schultern und zwänge ihn. regungslos im Sessel sitzen zu bleiben.' Wo hatte er diese unheimliche Gestalt denn schon gesehen? Er besann sich. Richtig, nun fiel es ihm ein. Neulich in der Sezesfion war es gewesen; da kroch auf einem Bilde dieser selbe lange, weiße Lindwurm über einen Bergrand und glotzte mit großen grünen Augen hinab auf ein kleines Dorf, das wieNürnberger Spielzeug am Fuße des Abhanges stand. Komisch! Wie war das Unaetbüm nur aus der Ausstellung entschlüpft und durch die Straßen bis in sein Wohnzimmer gedrungen, an allen Schutzleuten vorbei? Jetzt schob es sich weiter am Sessol in die Höhe, reckte sich über ihn und umklammerre ihn mit eisernem Griff, daß er sich nicht mehr bewegen konnte. Und er mußte sich doch eilen und suchen, von irgend woher Geld zu schaffen. Aber der weiße Lindwurm ließ ihn Nicht los. Wo sollte er Geld hernehmen? Ach, warum machte man ihm dies Examen denn so schwer, dachte er unwillig, e? mußte es doch bestehen. Und wie ein Rechenexempel wiederholte er mehrmals: Wenn Allan um ein Uhr viel Geld braucht und keines hat, woher nimmt er es? Woher nimmt er es?" Aber woran hatte er denn gedacht? Es mußte ja alles ganz einfach zu machen fein. Niemand brauchte überHaupt davon zu wissen, auch die Eltern nicht. Er selbst besaß doch so viel Geld. Oh, wie ihm der Kopf schmerzte! Wo hatte er es denn nur hin versteckt? Wenn es ihm doch einfallen wollte, rasch, rasch, ehe die Frist verrann. Unstät irrten seine flackerndenBlicke durch das Zimmer und blieben auf den chinesischen Vaftn hasten. Wie frohes Erkennen leuchtete es in feinen Zügen. Richtig, dort in der ersten großen Vase, die auf blauem Grunde die chinesischen Schriftzeichen des Glückes und des langen Lebens trug in der hatte er Haufen Goldes versteckt. Jetzt rasch hineingreifen, die brennenden Hände kühlen an all den glatten kalten Mü.zen! Oh, wenn man doch ganz untertauchen könnte in einem Bach solch eisig rieselnder Goldstücke, die alle Schuld tilgen, so daß man doch noch besteht! Aber wie an die Vase herankommen? Wie sie von dort oben herabnehmen und das Geld herausholen? Unmöglich auszustehen, das weiße Ungeheuer drückte ihn ja in denSessel. Nur so viel vermochte er noch sich ünter den Klauen zu rühren, daß er behutsam dieHand in den Kasten streckte, der auf einem Tische neben ihm stand und in dem die geladenen Revolver lagen. Jetzt wußte er, wie es ging. Und Allan, der einen der Revolver ergriffen hatte, hob ihn und zielte nach der Vase mit dem Zeichen langen Lebens so war es möglich, so überlistete er den Lindwurm nun nur treffen, dann würden die glänzenden Münzen schon zu ihm gerollt kommen. Der Schuß ging los. In Scherben lag die Vase. Aber sie war leer. Er hatte sich wohl geirrt, das Geld mußte in einer anderen liegen. Es bereitete ihm eine Art fieberhaft erwartungsvoller Lust, schnell und schneller zu schießen und das Krachen und Zerbrechen des feinen Porzellans zu hören. Jetzt flog die schwarzeVase nieder, auf der die rothen Päonien seit Kangschi's Tagen blühten, als gäbe es für sie kein Verwelken; nun folgte die weiße, auf der die Göttin Si Wang Mu, den Phönix reitend, durch die Lüfte flog und ihre Lippen zu Jahrhunderte altem Lächeln kräuselte. Lauter Treffer, lauter Treffer und einer bringt den großen Preis! Allan griff nach dem zweiten Revoloer. Aber keine der Vasen enthielt Gold. Und nun besann er sich. Der Schatz war ja nie in den Vasen gewesen. Wie dumm, so etwas auch rur einen Augenblick geglaubt zu haben, da hätte ihn ja ein jeder stehlen können. Er mußte laut lachen über en komischen Einfall, den er gehabt hafte! Nein, der Familienschatz, die goldenen Humpen und Schüsseln, die daheim in dem Eßsaal prangten, und der alte gleißende Schmuck das alles wurde denn doch besser gehütet. Immer unruhiger, mit dem Ausdruck verfolgten, abgehetzten Wildes schaute er um stch. Und da war es ihm, als erspähe er, wie die Bilder der Eltern dort auf dem Schreibtisch sich verstohlen und überlegen .mit den Augen zuwinkten, als lächelten sie belustigt über sein langes Suchen. Also doch die Eltern! Ja. die die waren reich! Die hüteten den Schatz. Dort, hinter ihren Bildern lag er nun war es ganz klar. Aber wie die Bilder umwenden? Das Ungeheuer hielt ihn jetzt ja noch fester, drückte die Tatze gerade auf seine Brust, daß er nach Athem rang. Er vermochte sich nicht zu rühren und mußte doch das Geld haben, mußte. mußte. Wie konnte er bis an das Herz der Eltern dringen, daß sie ihm von dem Schatze gaben? Nur ein Weg blieb. Ja, so konnte er die Bilder wenden und das Glück und Alles wenden. Er hob die Hand mit dem Revolver, sie zittette ein wenig. Ruhig, Allan, lter Junge, ruhig," murmelte er, unwillkürlich die Worte wiederholend, die der Vater zu ihm gesagt, wie er als
Junge zum erstenmal mit auf die Hülj
nerjagd ging, ruhig. Allan, alter Junge, ruhig". Er zielte nach dem Bild seines Vaters Allan. du mußt, mußt. mußt".... er drückte los ... . zahlen." Die Photographie fiel getroffen herab. Aber von dem Sessel aus, in dem e? wie unter Ketten keuchend saß, konnte er es gleich sehen gar kein Geld hatte dahinter gelegen. Hätt' es wissen können, daß mir der nie helfen würde," sagte Allan bitter, aber nun versuch' ich es bei der Mutter." Und er zielte auf die Frau in Perlen und Diademschmuck. Das Bild sank herab. Verdammt!" Auch hinter der Mutter verbargen sich keine Schätze. Aber was war das? Da hörte er lärmen und rufen und man rüttelte draußen an der Thür? Wer konnte das jetzt schon fem? Es war doch eben noch Nacht gewesen. Sicher Leute, die ihm den Schatz entwenden wollten! Aber wo konnte das viele Geld nur vergraben sein? Wo? Wo? Und da fiel es ihm plötzlich ein: in seinem eigenen Kopf hatte er es ja versteckt! Ha, ha! wie hatte er das nur vergessen können! Es rollte und klopfte und hämmerte ja in seinem Schädel, das viele Gold, und wollte heraus! Nun aber schnell, ehe die Leute, die da draußen polterten, herein kamen. Hatte er denn noch eine Kugel? Ja, die letzte! Rasch, rasch, die Pistole an die Schläfe, den Schatz zu heben Da fiel "der letzte Schuß. in Besuch dei Jules Bern,. Von einem Besuche bei Jules Verne erzählte Charles Dawbarn im Jahre 1901 interessante Dinge, die uns Wefen und Anschauungen des verstorbenen Dichters deutlich vor Augen führen. Er sprach davon, wie die Wirklichkeit seine auf dem Papier auserdachten Pläne und Abenteuer überholt habe. Seine Reise um die Welt in 80 Tagen" sei schon zweimal in der Kürze der Zeit geschlagen worden, das eine Mal von Gustav Stiegler. der in 63, das andere Mal von Nellie Bly, die in 72 Tagen die Welt umfahren hütten. Es sei nie seine Absicht gewesen, etwa als Prophet und als Erfinder zu gelten oder als Pionier der Wissenschaft. Als er seine 20.000 Meilen unter dem Meere" schrieb, habe er die Entdeckung des Unterseebootes benutzt und danach seine Erzählung eingerichtet. Zu seinem Roman Fünf Wochen im Luftballon" habe er nur eine einzige Stunde im Ballon verbracht, indem er von Amiens aus aufgestiegen sei. Trotz seiner genauen und farbenprächtigen Beschreibungen Indiens und des fernen Ostens" hat er seine Reise nie über Europa und das Mittelländische Meer ausgedehnt. Dawbarn beschreibt den verstorbenen Romancier folgendermaßen: Jules Verne hat die Züge und das Aussehen eines Schotten, aber seine Seele ist die eines Franzosen. Er spricht keine andere Sprache als seine eigene. Sein Bart ist schneeweiß, und von der unermüdlichen Arbeit hat er den Schreibkrampf bekommen." Meine schönsten Jugendeindrücke," erklärte Verne, verdanke ich Sterne; seine empfindsame Reise" hat meine eigene Reiselust geschürt. Wie oft habe ich die Romane von Fennimore Cooper gelesen, alle dreißig Bände." Für den so oft neben ihm genannten H. G. Wells, den englischen Verne", hatte er viel Sympathie, aber ihre Methode ist nach seiner Meinung eine durchaus verschiedene. Ich glaube, ich bin von uns beiden der wahrere Schilderer; meine Phantasien beruhen auf realerer Grundlage. Mr. Wells bedient sich zur Durchführung gewisser Dinge unmöglicher Mittel. Wenn er z. B. seinen Helden durch den Luftraum befördern will, dann erfindet er ein gewichtloses Metall. Wenn ich meinen Mann nach dem Monde schicken will, dann schicke ich ihn durch eine Kanone hinauf." Er las täglich zwanzig Zeitschriften und fand in ihnen den Stoff für feine romantischen Reisen. Der Roman, den er damals gerade schrie, sollte den Automobilsport zur Grundlage haben, und er fällte dabei ein ziemlich hartes Urtheil über diesen modernsten Sport. Man fährt also nun noch schneller als mit der Eisenbahn, aber ist das auch wirklich ein Fortschritt?" fragte er. All' diesen Sport, dem sich der junge Franzose heute so eifrig hingibt, halte ich nicht für segcnbringend. Er ist ein Zeichen von Dekadenz. Es ist viel besfer, tüchtige Gehirne zu bekommen, als kräftige Arme und Schenkel." GeldspieltkeineRolle. Junger Gatte: Ja, Liebchen, Du bist herzig, entzückend in dieser Toilette, aber sie hat auch ein Heidengeld gekostet." Junge Gattin: Ach. Dick. was frag' ich nach dem Gelde, wenn es sich darum handelt, Dir eine Freude z machen." Galant Dame (nach dem Diner zu ihrem Tischhn): Ich wundere mich, daß der Gafigeber gar keine Blumen auf die Tafel gestellt hat." Herr: Aber, gnädiges Fräulein, das ist ja gar nicht aufgefallen, wo fo viele reizende Blumen an der Tafel gesessen haben."
Wie durch die Verlob u n g des Kronprinzen das Glück eines anderen Paares begründet wurde, darüber wird folgende hübsche Geschichte gemeldet: Als sich der Kronprinz verlobt hatte und das Brautpaar auf dem Jagdschlosse Gelbensande weilte, brachte ihm die höhere Töchterschule von Ribnitz eine Huldigung dar, der sich viele Ribnitzer angeschlossen hatten. Bei dieser Huldigung hatten sich die Herzen zweier Liebenden gefunden, und somit war durch das Glück des kronprinzlichen Brautpaares auch das der beiden anderen begründet worden. Durch einen Zufall hatte der Kronprinz, als er unlängst in Schwerin weilte, wo auch der Ribnitzer Bräutigam beschäftigt ist, von der damals erfolgten Ver lobung Kenntniß erhalten; dieser Tage erhielt der Letztere von dem hohen Brautpaar folgendes Telegramm: In dankbarer Erinnerung an die schönen Nachmittagsstunden des 9. September v. I. gratuliren Nachtraglich Ihnen und Ihrem Bräutchen herzlichst. Ihnen eine segensreiche ZuZunft wünschend. Wilhelm. Cecilie." Ferner ging am nächsten Tage noch ein mit der eigenhändigen Unterschrift des Kronprinzen und seiner Braut versehenes Bild ein. Als der italienische Ministerpräsident Fortis noch Republikaner war, wurde er mit mehreren Gesinnungsgenossen wegen Theilnahme an einer Verschwörung in der Villa Rufi verhaftet und in Spoleto für einige Zeit gefangen gehalten. Der Carabinieri - Wachtmeister, der den politischen Flüchtling damals eskortirte, war ein liebenswürdiger Mann, so daß der junge Fortis ihm beim Abschied die Hand drückte und ihm für die gute Behandlung dankte, indem er hinzufügte, wenn er sich einmal in einer Stellung befände, die es ermöglichte, ihm zu nützen, so werde er, Fortis, sich gern seines Wachtmannes erinnern. Die Zeit für den jetzt alt gewordenen Carabinieriwachtmeister ist gekommen, und Locatelli. so heißt der Brave, ließ in diesen Tagen dem Ministerprästdenten Fortis durch den Deputirten seines Wahlkreises eine Bittschrift überreichen, in der er den Gefangenen der Villa Rufi an sein Versprechen, ihm zu nützen, erinnerte. Er habe seinen Posten als Gefangenenwärter von Osimo verloren, weil ihm zwei Haftlinge entlaufen seien, und sei nun auf seine Carabinieripension von 25 Lire angewiesen. Davon könne er nicht leben, und er bäte seinen Freund, der jetzt eine so mächtige Stellung innehabe, ihm beizustehen. Fortis befahl, über den Bittsteller Erkundigungen einzuziehen, um dessen Bitte, wenn er dessen würdig ist. zu erfüllen. Auf einem Wiener Rennplatz verhaftet wurde ein geriebener Hochstapler Namens Alois Ritter, der die kurzen Zeitabschnitte seines Lebens, die er nicht hinter den schwedischen Gardinen zubringt, zu außerordentlich frechen Schwindeleien ausnutzt. Ritter war einst Kadett, im Alter von 13 Jahren bereits bestahl er einen Kameraden und manderte dafür auf fünf Jahre in den Kerker. Kaum war er entlassen, als er auf den Wiener Rennplätzen erschien und den Versuch machte, sich unter zahlreichen Schwindeleien einen Rennstall einzurichten. Bald mußte der Varon Ritter" fliehen; er reiste in Offiziersuniform nach Brünn, wo er auf der Straße einen Einjährigen ansprach und ihn um 50 Gulden anpumpte. In Prag war er bereits zum Grafen Szepticki" avancirt und entlockte einem General eine größere Summe. In Eger wurde er verhaftet. In der gegen ihn geführten BerHandlung sagte er: Was hätte ich thun sollen? Tagschreiber werden mit einem Gulden täglich? Da habe ich in der Strafanstalt mehr verdient." Darauf wanderte er auf sechs Jahre in den Kerker. Vor einigen Wochen kam er aus dem Gefängniß. Er ging nach Wien, wo er sich alsbald auf den Rennplätzen einfand und sich einer Gruppe von Kavallerie - Offizieren anschloß. Er nahm von einigen Wetten an, zahlte aber den Gewinn nicht aus, sondern verschwand mit ein paar tausend Gulden. Merkwürdigerweise erschien er am nächsten Tage wieder auf dem Turf, worauf seine Verhaftuna erfolgte. Eine merkwürdige Plage hat kürzlich die Stadt Cardiff (England) befallen. Es wird darüber berichtet: Millionen von Fliegen belagern die Docks. Nach fortgesetzten Angriffen haben sie die meisten Haupt straßen besetzt, so daß man den Verkehr nach Nebenstraßen ablenken mußte. Anfangs widerstanden die Schließer am Pier und die Dockpolizisten stundenlang tapfer den Angreifern. Aber die Fliegen kamen in Wolken wie Heuschreckenschwärme. Vergebens erschlug man sie zu Hunderten. Schließlich siegten sie durch die Ueberzahl; die Leute flohen und schlössen sich in die Wachthäuser ein. Auch die Ladende sitzer führen laute Klage, und viele Bureaus sind von den Thieren besetzt worden. Die jungen Leute an den Pul ten können sich unmöglich gegen die Fliegen vertheidigen. Die Insekten sind größer als die britischen Fliegen, kriechen sehr langsam und stechen sehr. Man glaubt, daß ein Fischerboot sie eingeführt hat, während die Sanitäts behörden meinen, daß ein südliches Wind sie mitgeführt hat.
" f
H
