Indiana Tribüne, Volume 28, Number 255, Indianapolis, Marion County, 19 June 1905 — Page 5

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G G & H A G S G G S G E (Schluß.) )er Arzt, der ihn von Anfang an behandelt hatte, kam hin und wieder heran, vm nach ihm zu sehen. Er war ein Freund von Professor Hartner. Also er arbeitet?" sagte er verwundert zu der jungen Frau, die ihn in dem ungeheizten Zimmer empfing. Das geht ja unverhofft gut. Und mit Eiser und Ausdauer, sagten Sie?" Seit einigen Tagen mutz er sich schonen. Er hat Kopfschmerzen. Ich erlaube nicht, datz er malt." o, so. Na, wir werden sehen. Und wie steht es mit Ihnen, Frauchen V O, ich bin wieder fest zu Wege, denn ich macbe es mir jetzt leicht. Einen Tag ivirthschafte ich, und den anderen male ich. so kommt man doch zu etwas." Ter Doktor schüttelte mitzbilligend den Kopf, ür Ihre Konstitution immer noch zu viel. Können Sie die Malerei nicht an den Nagel hängen wenigstens so lange, wie Ihr Mann noch hm -ie mehr in Anspruch nimmt?" Nein, lieber Doktor, das kann ich nicht." Er wandte den Kopf, um nicht den traurigen Blick ihrer eingesunkenen Augen und das wehmüthige Zucken ihrer blassen Lippen zu sehen. Dabei erinnerte er sich, was Professor Hartner ihm noch neulich gesagt hatte: Sie hat ein schönes, reiches Talent, diese kleine Frau; aber die Armuth und ihr unglücklicher Mann werden es todtschlagen." Im Atelier fanden sie Ernst im Lehnstuh! vor seinem verhüllten Gemälde sitzen. Der Doktor blieb eine Weile da. Sie plauderten lebhaft zusammen; Natalie däuchte es aber, als ob er unaufhörlich, wenn auch verstehlen, ihren Mann beobachtete. Als er fortging, versprach er bald wiederzukommen, denn ihnen Beiden thäte ärztliche Behandlung noth. Er scherzte natürlich. Den Abend sagte Ernst verdrießlich: Es riecht heute bei uns abscheulich nach Terpcnnn. Tu mutzt besser lüften. Nata!" Ich habe seit mehreren Tagen nichts gebraucht, Erni," cntgegnete sie verwundert. Um ihn aber zu beruhigen. trug sie sämmtliche Terpentinund Lackfläschchm in die Küche. Es wurde trotzdem nicht besser. Ernst klagte, datz der ewige Farbengeruch ihn belästige: die ganze Alelierluft fand er fchliehlich unerträglich. Er konnte Nachts nicht mehr schlafen. Es wurde so arg, datz Natalie sich nicht anders Rath wutzte, als ihn in dem möblirten Zimmer unterzubringen; er kam sonst aus der Uebelkeit und dem Ekel nicht heraus. Da nun bei Erni geheizt werden mutzte, blieb es im Atelier kalt. Ich halte es schon aus. dachte Natalie. wenn sie vor ihrer Staffelei stand, den Kopf heitz und Hände und Fühe fast erstarrt. Die Thür zwischen den beiden Räumen stand ja offen. Ernst that es nickt anders, wenn sie malte und er drüben am Fenster saß, ein Tischchen vor sich, auf dem alles Platz fand, was er im Laufe des Tages verlangte. Der Arzt kam in der That bald wieder. Als er hörte, warum Ernst ausgezogen war. sagte er: Ja, ja, die bösen Gerüche, die fallen schließlich lästig. Na, lieber Holms, dann lassen Sie nur die ganze Malerei für's Erste bleiben!" I wo," entgegnete der junge Mann, halb zerstreut, halb großspurig. ..Ich maa mich nur nicht ewig abrackern. Bis zur Ausstellung bin ich fix und fertig. Saaen Sie Hartner doch ge legernlich, er foll sich auf ein Meisterwerk aefatzt machen. Na, bravo, bravo!" Der Arzt rieb sich anscheinend erfreut die Hände. Er verabschiedete sich aber bald. Em an deres Mal hätte er wohl mehr Zeit. Dabei sah er der jungen Frau so sprechend in s Gesicht, datz sie ihn hinausbegleitete. Sie haben gewitz noch eine neue Anordnung sür mich in petto, Dok tor?" Er machte vorsichtig die Thüre zu. Tann ergriff er auf dem halbdunklen Korridor ihre Hand und sagte stockend: Man weitz ja. was für ein tapferes Herz die kleine Frau hat. sonst würde man ihr noch eme Weile 'was heucheln; aber Geduld, liebe Frau Holms! Mit Ihrem Manne nein, mcht er schrecken, Kindchen! Man war ja von Anfang an darauf gefatzt. Es ist nichts mehr zu hoffen Gehirnerweichung Ncualie schwankte hin und her wie ein entwurzelter Halm; aber der alte Herr hielt sie fest, und so sank sie nur vorn über mit dem Gesicht auf seine Schulter. Er fühlte, datz sie hineinbitz, um nicht laut zu schreien. Nur zu. dachte er, ohne sich zu rühren, das arme Weib erstickt sonst. Endlich rang sich ein leises Weinen aus ihrer Brust. Gut, gut so! murmelte der alte :rr erleichtert. Nachher gewinnt

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S 5 ctus dem 3flnflscufcöcu G voll Anton Andrea $ $ G S G 0 O S O S -, man Fassung. Wie lange Sie ihn noch haben werden? Es kann jährelang dauern, liebe, kleine Frau. Es sann auch in ein paar Wochen zu Ende sein. Und dann sehen Sie der Hartner war doch früher 'mal Ihr Lehr?r (5r ist troy seiner Schroffheiten der deite Mensch. Er weiN, wie es hier steht. Ich soll Ihnen sagen, Sie dürften über ibn verfügen, als wäre er Ihr älterer Bruder. Ihrem Manne wird es hoffentlich angenebm sein, wenn Hartner ihn öfters besucht. Na. und Ihnen thut's noth, daß Sie 'mal mit einem guten Freund über alles sprechen." Diese Nacht lag Natalie in grenzenWien Dualen, ueoer iyrem iQaupi schwebte das unsichtbare Entsetzen, und sie sollte sich zwingen, ihm entgegenzusehen, ihm die Thür zu öffnen und zu sagen: Tritt ein, Verhängnitz! Ich bin gefatzt. Aber sie war es noch Nicht. Sie rang noch mit ihm. Vielleicht? Ist och selbst der Tod schon von der Schwelle gedrängt worden, aus der er sich bereits niedergelassen hatte. Doch dieses namenlose Entsetzen war schlimmer. Es trug mit Flammenschrift das Unabwendbar" an seiner düsteren Stirn. Ach. der Tod erschien dem armen, jungen Weibe dagegen wie ein Friedensengel in milder Dämmerungsschöne. Als der Tag graute, erhob sich Natalie, zerschlagen, zum Sterben müde und matt; aber sie war gefatzt. Leise trat sie an das Bett ihres Mannes. Er schlief fest; ein wenig schnarchte er. Das klang wie ein Röcheln. Vorsichtiq schloß sie die Thür und begann im Atelier aufzuräumen. Ihre Siaffelei rückte sie näher an's Fenster. Sobald es Heller wurde, wollte sie arbellen und nebenbei das Frühstück bereiten. Der Petroleumkocher war wieder in Wirksamkeit getreten. Einen Augenblick schaute sie in das kalte Dämmern. Sie war ganz ruhig. In dieser Nacht war aus den Trummern ihres Liebcsglücks etwas Neues emporgesprotzt groß war es und unantastbar. Sie fand keinen Namen dafür. War es die Schaffenskraft der wahren Künstlerin oder die Allgewalt entsagender, erbarmender Liebe? . Ein gelblicher Schein leuchtete durch das Gewölk im Osten. Er ergoß sich über den ganzen Horizont, drang in das dämmerige Gemach und kroch zitternd, allmalig erblassend, über den verwaschenen Vorhang, der Ernis Staffelei verhüllte. Natalie erschauerte; dann, wie von einer unsichtbaren Hand vorwärts gedrangt, trat sie schnell hinzu und ritz ihn herab. Ja. war sie denn mit Blindheit geschlagen? Eine beschmierte, verwischte Leinwand starrte sie mit leerem Ausdruck an, und vor Monaten war es doch schon ein Bild über das erste Entstehen hinaus gewesen. Jetzt war alles wie überpinselt, abgerieben, von Neuem beschmiert und überwischt. Da flammte der gelbe Morgenschein noch einmal auf, gerade über der Leinwand, und Natalie entdeckte die Umrisse der beiden Hauptfiguren, den Mann am Tische sitzend und das Weib, leicht über ihn geneigt, an feiner Seite. Noch mehr! Aus den verschwommenen Farben trat deutlich, fast unverletzt das Gesicht der Frau hervor. Es trug Nataliens Züge. Ganz unten am Rande stand, mit fast kindischer Sorgfalt und Unbeholfenheit ausgeführt: Kunst ohne Gunst." Wie auf einer Lampe das Del verbrennt, langsam und stetig, so wurde immer weniger, was einst der vernünftige Geist von Ernst Holms gewesen war. Still und geduldig, mit zunehmender Theilnahmlosigkeit satz er in seinem Lehnstuhl am Fenster. Autzer Essen und Trinken erfreute ihn nichts mehr, selbst nicht die häufigen Besuche seiner Freunde und ehemaligen Kollegen. Sie sprachen dann zu Natalie und untereinander. Ihrem Gespräch folgen konnte er längst nicht mehr. Natalie arbeitete stundenlang im Atelier, ohne datz Ernst sie vermitzt hätte. Nur wenn die Essenszeit herankam, wurde er unruhig. Die Thür zwischen dem Atelier und seiner Stube stand immer offen. Ihn störte kein Farben- und Terpentingeruch mehr. Für ihn lag das Atelier weit, weit ab. Einmal sagte er. den weiten Weg dorthin könne er nicht unternehmen. Tu hast flinkere Fütze. Nata!" bemerkte er. als Natalie ihn fragte, ob er nicht einen kleinen Gang durch die Wohnung machen wollte. Ich kann das Ende nicht gehen. Immer noch bei Deinen ,Gang baren'?" fragte er einmal mit einem pfiffigen Lächeln, das dem armen Weibe n die Seele schnitt. Freilich, Schatz," erwiderte sie unbefangen. Die ,Tieferen' kommen später an die Reihe. .Ach Du, die Überlatz mir. Datz Du mir aber nicht hinter den Vorhang guckst!" Natalie erbleichte. Er bemerkte aber

nichts, denn er stierte schon wieder gedankenlos in's Leere. Es wurde Frühling. Ernst beachtete es nicht. Natalie kam von einem Gange zurück und brachte ihm einen Veilchenstrautz mit. Er schien sich zu freuen. Das sind ja Rosen," sagte er und lächelte wie ein Kind. Weitzt Du noch, als wir unsere Hochzeitsreise nach Italien machten, da schenkte ich Dir welche. Schade, datz sie nicht riechen!" Und doch erfüllte das Strautzchen das ganze Zimmer mit süfzem Duft. 'Natalie vernichte ihn lur die Ausstellunq zu interessiren. So oft sie aber damit begann, wurde er verdrietzlich. Mach' Tu nur, datz Du 'was .Gangbares' fertig bringst!" sagte er. Ich schufte schon genug. Was meinst Du fo'n arotzes Bild. Na, sie werden Augen machen, die Herren von der Jury!" War es aut. datz er nichts ahnten Sollte sie es ihm fagen? Nein. Natalie behielt es für sich, warum sie die aarne Zeit, viele schwere Wochen lang. jnit fast' übermenschlicher Energie gearbeitet hatte. Ihre ..Gangbaren" waren Abends das Ausruhen für sie gewesen. Vfir eigentliches Werk war die BollenDuiiQ oes jemen: Kunst ohne Gunst." Sie wollte es auf die Ausstellung bringen nicht als ihr, sondern als sein Gemälde. Ende März schrieb sie an Professor Hartner. Sie bat ihn zu kommen. Es handele sich um die letzte Arbeit ihres Mannes. Von ihm wollte sie hören, ob sie es zur Ausstellung einsenden dürfte. Er kam gleich den folgenden Tag. Als ei die junge Frau sah, erschrak er vor der Blajle ihrer Wangen und vor ihren hohlen Augen. Sie führte ihn in das Atelier, wo sie in der Eile wenigstens das Küchengeschirr fortgeräuml hatte. Nur der schwere Petroleumkocher war stehen geblieben oder vergessen worden. Professor Hartner bemerkte nichts von alledem. Die Sonne schien durch das offene Fenster gerade auf Natalie, die den Vorhang von einer grotzen Staffelei zog. Dies ist es," saote sie stockend. Er aber schaute nur auf sie, auf ihr feines Köpfchen. In dem hellen Lichte sah er etwas, das ihn bis auf den Grund erschütterte. Auf ihrem lockigen Scheitel lag es wie Mehlstaub. Die schwere Hand des Schicksals hatte ihre Spuren für immer darauf gedrückt. ..Nun? Seien Sie ganz ehrlich!" drängte Natalie ungeduldig. ..Ja so-natürlich!" Jetzt erst schaute er auf das Bild, zerstreut noch, fassungslos über ihren Anblick. Plötzlich wurde er aufmerksam. In seinen Zügen begann es wunderlich zu arbeiten. I, das ist doch wirklich das Bild Ihres M innes? Hat er es fertig bekommen? Wunderbar! Sie wollen es ausstellen? Na. gewitz! Keine Juto hatte das Zeug, es zuruckzuweiser.. Dann sprach er sicherer, immer bewegter: Dafür brauchen Sie meine Empfehlung nicht. Sagen Sie nur, wann es abgeholt werden kann. Für all's Uebrige bin ich da." Wieder schaute er auf Natalie, dann zurück auf das Bild. Die Wangen der jungen Frau glühten. Ihre Augen waren immer grötzer und glänzender geworden. Sie meinen also, datz datz es 'was werth ist?" fragte sie schüchtern. Ein Meisteriverk ist es!" Da lösten ein paar Thränen sich aus ihren Wimpern und rollten schwer über ihre schmalen, blassen Wangen. Sie wandte sich hastig ab; aber Professor Hartner hatte es doch gesehen. Er wischte sich die Stirn. Ihm war siedend heitz geworden. Dieses Bild ihr ergrautes Haar diese heiligen Thränen! Er stand vor einem Räthsel. Ich möchte aber nicht, datz mein Mann etwas davon erfahrt, ehe es nicht verkauft ist. Verkaufen will ich es um jeden Preis!" Gut, wie Sie wollen. Den Preis aber lassen Sie mich stellen. Also, Sie haben nur zu befehlen, wann ich es abholen lassen darf." Der Mai war zu Ende; aber sein Duft und sein Glanz erfüllten noch die Welt. Da stürmte Professor Hartner vergnügt bei Holms herein. Na, Frau Natalie, Holms, alter Knabe, was sagt Ihr nun? Ihr Bild ,Kunlt ohne Gunst' ist glänzend verkauft!" Ernst!" Natalie stützte sich auf die Lehne seines Stuhls. Sie war leichenblatz; aber sie lächelte: Nun bekommst Du Dein Sopha mit türkischen Decken und einem Tigerfell." Er starrte verständnißlos auf den Professor. Plötzlich schien er sich zu besinnen. Mein Bild? Mein grohcs Werk? Na, das werden die Herren Kritiker mir nicht todtschlagen können. Aber was faseln Sie. Professor? So 'was verkauft man nicht." Na, wissen Sie, Holms fünfzehntausend Mark ist doch ein Stück Geld," entgegnete Hartner gutmüthig. Aber wir verkaufen's nicht, was, Nata? Gott, was haben wir geschuftet! Nicht wahr, Nata? Sie immer geduldig. immer freundlich. Das Modellstehen ist doch keine Kleinigkeit. So ein Aufgeblasenes, Falsches, das 'war nichts für mich. Ich brauchte 'was Echtes." Lächelnd drehte er sich hierauf um, schüttete eine Streichholzschachtel aus, die auf seinem Tischchen stand, und begann mit den Zündhölzchen zu spielen. Im Atelier verweilte der Professor noch ein wenig. Er sprach auf Natalie ein. Selbstverständlich bliebe es bei

dem Verkauf; fünfzehntausend Mark weist ein vernünftiger Mensch aus reinem Künstlerstolz nicht von der Hand. Sagen Sie nur, liebe Frau Natalie, wann hat Ihr Mann dieses Herrliche Gemälde zu Stande gebracht? Es ist eine andere Art als die üblichen Holms so viel mehr Seele und Schönheit darin." Natalie stand vor ihm, einer Ohnmacht nahe. Es war ihr unmöglich. ein Wort zu reden. Alles, was sie in dieser kurzen Zeit gelitten, erduldet. entbehrt, gehofft und über ihre Kräf:e geleistet hatte, das machte sich in ihrem Organismus fühlbar, und aus ihrer armen Seele brach es mit Macht hervor, wie der Strom aus dem verschlofsencn Felsen. Ueberwältigt sank sie auf einen Stuhl und brach in leises, aber krampfhaftes Scklucbzen aus (in paar Sage spater schriev 9ta talie wieder an Professor Hartner. Verehrter Freund und Lehrer, ich bin rathlos. Ernst will durchaus sein Gemälde sehen. Wenn es nicht hier ist, will er nach der Ausstellung. Ich fürchte das Aeutzerste, wenn wir es ihm nicht ermöglichen. Da das Bild an den Eiaenthümer noch nicht abaegangen ist, tonnte es vielleicht zurua zu uns geschafft werden. Ich würde es alsdann verpacken und abschicken." Statt einer Antwort langte am nächsten Tage das Gemälde, fertig zum Transport verpackt, nur die Kiste noch nicht vernagelt, bei Natalie an. Gleich hinterher kam Professor Hartner in einer Droschke gefahren. Er wollte selbst das Bild im Atelier aufstellen. Inzwischen bereitete Natalie ihren Mann darauf vor. Erni, Dein Bild ist hier! Professor Hartner hat es selbst gebracht. Es steht auf Deiner Staffelei. Willst Du herüberkommcn i" Schön, fchön!" Er wollte aufstehen, fiel aber schwerfallig in seinen Stuhl zurück. Ich bin nicht mehr so gut zu Futz," murmelte er kleinlaut. Könnten wir nicht lieber fahren, Nata?" Wohin, lieber Schatz? Das Bild ist ja in unserem Atelier." Nun kam Hartner herein. Er that äutzerst aufgeräumt. Na, brav, Holms, datz Sie Ihr Werk nochmal besehen, ehe Sie es in die Welt schicken. Vielleicht haben Sie hier und da, am Interieur, noch ein paar Pinselstriche zu machen. Die Leute wollen nun einmal alles glatt und geleckt haben. Sie nennen das .fertig.' Wenn Sie erlauben, fasse ich Sie unter." Ernst sah mürrisch aus. Die Anstrengung des Gehens gefiel ihm nicbt. Trotzdem schlurrte er zwischen Hartner und seiner Frau durch das Zimmer. An der Schwelle des Ateliers sträubte er sich. Lauft nickt so!" keuchte er. während der Schweiß ihm die Stirn bedeckte. Ich mutz mich verpusten. Da,' über den Berg, soll ich 'rüber? Na, denn los!" Mit dem Berg meinte er die Schwelle. Als er sie überschritten hatte, freute er sich. So, da wären wir. Wo ist denn unser Petroleumkocher. Nata? Ach Gott." Das letztere war ein Seufzer. Er stand vor dem Gemälde. Hartner und Natalie stützten ihn noch immer. Ungeduldig machte er sich los, und die Linke auf die Lehne des Stuhles gestützt, den man für ihn hingestellt hatte, stand er kerzengerade, wie Natalie ihn lanae nicht gesehen hatte. Er betrachtete das Gemälde. In seinen eingefallenen Zügen malten sich Erstaunen, Zufriedenheit. Ein Licht ging in ihnen auf bc.s Licht der aufflackernden Flamme vor oem völligen Erlöschen. Mit einem Sck lage war es dahin. Ein kindisches Lächeln blieb zurück, das sein Antlitz verzerrte. Was soll das sein?" Dein Gemälde, Erni," flüsterte Natalie, sich ängstlich an ihn schmie-

gend. Ach nee." Plötzlich zuckte es fürchterlich in feiner Miene auf. Brutal stietz er sein Weib zurück: Mein Gemälde das? Es ist nicht wahr. In meinem Leben habe ich das nicht gemalt!" Ja, wer denn?" fragte Hartner, einen feuchten, leuchtenden Blick auf Natalie geheftet. Wer denn?" schrie Ernst wüthend. Natalie fatzte seine gesunde Linke. Erni, lieber Mann sei nicht böse ich matte es fertig." Der Unglückliche brach in ein schrilles Lachen aus und schlug rücklings um. Ehe der Professor ihn halten konnte, lag er am Boden wie ein gefällter Baum. Im Atelier, an der grotzen Wand, stand Ernis Ruhebett; aber nicht türkische Decken wallten daran hernieder, sondern schwarze Bahrtücher, und am Boden, anstatt des Tigerfelles, lagen welke, lveitze Blumen, die nach dem Friedhof dufteten. Als der Tag sich neigte, trugen sie ihn still hinaus und legten ihn der Erde in den Schootz. Ein paar Freunde und Kollegen gaben ihm das Geleit. Still gingen sie nachher auseinander. Hier war ein tragisches Geschick, das alle mit Ehrfurcht und Schauer erfüllte. Der jungen Wittwe wagten sie kaum ein Wort zu sagen; alles erschien für sie zu leicht, zu banal. Sie wutzten, lvas sie gelitten, und welch' einen erhabenen Aufschwung ihr freundliches, anmuthiges Talent genommen hatte; der Taube waren im Unglück Adlerschwingen gewachsen. Einer allein blieb an Nataliens Seite. Mit einem stummen, festen Händedruck schied er vor ihrer Thür. Es war Hartner. Allein kehrte Natalie in ihr Atelier zurück. Hin war

alles unheimlich peinlich gesäubert und geordnet; das machte es wohl so leer. Wohin sie auch blickte, immer schien etwas Wesentliches zu fehlen. Es dämmerte schon. Düsteres Gewölk hatte sich am Abendhimmel gehäuft; wie ausgelöscht war die Sonne dahinter versunken. Plötzlich that es sich auf. Eine flammende Gluth brach hervor, die das ganze Atelier überströmte. Ein Wehen und Säufeln ging durch die Luft und drang durch das breite Fenster. Dann verblich das Glühen draußen; aber drinnen blieb noch ein matter, rosiger Schein, der an der leeren, langen Wand hin und her zitterte. Es war wie das Flattern einer Seele, die sich aus dem Dunkel der Erde zum Licht des Himmels erheben will. Erni, geliebte Seele!" flüsterte das junge Weib, meine Verlassenheit darf Deinen Frieden nicht stören. Unser kurzes Glück hast Du zwar mit hinweggenommen; aber ein ganzes Leben ist mir geblieben. Ich werde an meiner Kunst gesunden steige Du zur Sonne emvor?"

Anti-Krinolinen-Nga." w Kamps gram die ied?eifIrg et .rinol!,,c' i England. Es gibt etwas in der Welt, das selbst die entente cordiale" zwischen England und Frankreich nicht zustande bringen kann, und das ist, der Engländerin das Joch derKrinoline aufzuzwängen. Seit Jahren bemühen sich die geheimnitzvollen Wesen, die die Mode machen," die Krinoline wieder einzuführen. Die sehr weiten Röcke in diesem Jahre und die Bemühungen der Modistinnen, die Röcke weit stehen zu lassen, deuten nur zu deutlich darauf hin, datz man auf diesem Wege immer weiter gehen will. Man hält die Gefahr schon für so nahe, datz in England die Anti-Krinolinen-Liga." die zwölf Jahre in Frieden geschlummert hat, wieder zu neuem Leben erwacht ist. In Paris, wo die gefürchtete Wiederbelebung der Krinoline ihren Ursprung nimmt, hat sich Sarah Bernhardt im Namen ihrer französischen Schwestern dagegen erklärt; in London leitet Frau Arthur Stanard, die unter dem Namen John Strange Winter" als Romanschriftstellerin bekannt ist, den Feldzug. Schon einmal vor zwölf Jahren, als die Gefahr auch sehr drohend war, wandte sie sich an die Frauen Englands und forderte sie auf. ihr Wort zu geben, datz sie sich nie der so gefährlichen und unbequemen Mode unterwerfen würden. In wenigen Wochen hatten 21.000 Damen sich in die Listen eingezeichnet, und der Versuch zur Wiedereinführung der Krinoline war im Keim erstickt. Jetzt droht uns wieder dieselbe schreckliche und aefährliche Mode." schreibt John Strange Winter, und einige Mitglieder der , Anti-Krinolinen-Liga' haben mich schon aufgefordert, sie vor diesem Moloch der Mode zu retten. Obgleich ich eine sehr beschäftigte Frau bin. halte ich es doch für meine Pflicht, meinen Schwestern beizustehen. Aber es müssen sich nicht 21,000, sondern 121.000 Mitglieder melden, die sich nur schriftlich verpflichten sollen, alles zu thun, was in ihrer Macht steht, um der Einführung von Krinolinen Widerstand entgegenzusetzen." In den grotzen Londoner Modehäufern wird übrigens bestätigt, datz die Gegnerinnen der Krinoline Anlatz zur Beunruhigung haben. Die enganliegenden Schleppröcke der letzten Jahre gefallen nicht mehr, und die weiten Röcke sowie die Paniers der neuen französischen Modelle weisen darauf hin, datz man sich zur Zeit wieder der Krinoline nähert. Der Ricsendampfer Amerika." Der unlängst in Belfast, Jrlat'.d. vom Stapel gelaufene neue Riesendampfer Amerika" von der Hamburg-Amerika-Linie ist für 600 Kajütspafsagiere erster Klasse, 300 zweiter Klasse. 250 dritter Klasse und 2300 Zwischendeckspassagiere erbaut. Er wird mit einer ganz ungewöhnlich grotzen Zahl Luxus- und Staatsgemächer ausgerüstet, derart, datz von fünf übereinander liegenden Decks, die für die Passagiere in Frage kommen, eines, nämlich das untere Promenadendeck, dessen Ausdehnung nicht weniger als 1100 Quadratyards beträgt, ausschließlich als Staatszimmerdeck zu gelten hat. An Steuer- und Backbord werden zusammen nicht weniger als 30 solcher erstklassigen Wohnzimmer mit Zubehör angelegt; sie beanspruchen einen Raum von 540 Quadratyards. Die schönsten Räume sind die Kaisergemacher (alon, Schlafzimmer, An-kleide-. Frühstückszimmer, Bad); ihnen schließen sich zusammenhängende Fluchten von prachtvoll ausgestatteten Staatszimmern an, sämmtlich so miteinander verbunden, daß nach Bedarf beliebige Kombinationen größerer oder kleinerer Wohnungen für Einzelreisende oder ganze Familien hergestellt werden können. Mehr als irgend ein anderes Schiff wird die Amerika" in Zukunft als Beförderungsmittel der anspruchsvollsten Weltnisenden in Frage kommen. Nach dem Vogtländer Anzeiger wurden Eduard und Hermann Neumann, die am 15. Februar bei Vogtsgrün den Landwuth Former aus Thotzfell beraubt und ermordet hatten, vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt.

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Mmimmiii H-J-f I Haus, Hus und Land r T..T..T....T..T-T ......'.. --'-?--. . . ,.,.,.. 4 G e ae n Ohrenkikeln. welches gewöhnlich durch Erkältungen hervorgebracht wird. Necke man sich kleine Kügelchen von Watte in die Ohren, in deren Mitte man ganz wenig Salz gestreut hat. Glänzende Lackstiefel. Dieselben erhält man recht glänzend, wenn man sie mit einer Zwiebelscheibe abreibt. Nachdem dies geschehen, kann man sie auch noch mit einem wollenen Tuch nachreiben. Gegen Insektenstiche. Es dient dagegen eine Einreibung von Petersilienb!ätter; besonders aber entfernt das Einreiben mit Salmiakgeist oder scharsem Salzwasser den Schmerz. und verhindert das Anschwellen. Kampferspiritus ist ein gutes Zertheilungsmittel bei Quetschungen und Verstauchungen. Man befeuchte leinene Lappen mit dem Kampferspiritus und lege dann dieselben auf die leidenden Stellen. Holzwürmer in Möbeln kann man durch mehrmaliges Auftragen einer Lösung von Naphtalin in Leinöl tödten. Ein anderes Mittel besteht im Eingietzen von Benzin oder Schwefelkohlenstoff in die Wurmlöcher. Vor dem weiteren Eindringen der Würmer kann man Holz durch Tränken mit Quecksilbersublimatlösung schützen. Die Dämpfe des letztgenannten Stoffes dürfen, weil giftig, nicht eingeathmet werden. Zum Kochen der Krebse. Mehrfach wird empfohlen, Krebse in kaltem Wasser auf das Feuer zu stellen und sie auf diese Art bis zum Rothwerden zu kochen. Diese grausame Tödtungsweise ist unter allen Umständen zu verwerfen. Der Krebs bleibt ebenso wohlschmeckend, wenn man ihn in kochendes Wasser wirft, das ihn sofort tödtet. Es empfiehlt sich also für unsere Hausfrauen, die oben angeführte Thierquälerei nicht anzuwenden. Blumenkohl mit Kalbf l e i s ch f a r c e. Eine mit Butter ausgestrichene Kuppelform wird mit. halbweich gekochten Blumenkohlröschen ausgelegt, die leere Mitte mit einer feinen. nur mit Salz und Muskatnutz gewürzten Kalbfleischfarce angefüllt und wieder mit Blumenkohl bedeckt. Dann gietzt man eine Tasse sehr traf tige Fleischbrühe mit dem nöthigen Salz daran, schließt die Form unfr kocht den Blumenkohl wie einen Pudding in zwei Stunden gar. Tis Gericht wird vorsichtig auf eine tiefe Schüssel gestürzt und warm servirt. Wer an Schlaflosigkeit, leidet und besonders solche Personen, welche leicht erregt und nervös sind, mögen eine zweckmätzige Lebensweise führen und keine zu reichliche und reizende , Abendkost genietzen, keine solche, welche zu viel Fleischnahrung, enthält, zu sehr gewürzt ist. und mögen dabei Thee, Kaffee und Wein vermeiden. Die Abendmahlzeit soll also einfach und mätzig sein, leicht verdauliche Speisen enthalten und mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Zur Beförderung des Schlafes dient der Genutz eines Glases dünnen Haferschleims oder eines Glases Zuckerwasser. Geb'ratene Schinkenscheiden. Von einem recht mild geräucherten, rohen Schinken schneidet man Scheiben, halb so dick wie ein Finger, und legt sie über Nacht in Milch. Vor dem Braten trocknet man sie gut ab, wälzt sie in Ei und geriebe--ner Semmel und brät sie in der: Pfanne wie Koteletts. Inzwischen hat man eine gute Portion feingewiegter Zwiebeln in Butter geschwitzt, gibt sützen Rahm, in dem etwas Gustin verquirlt toxftbt, daran und lätzt die Sauce aufkochen, salzt sie nach Geschmack und fügt auch eine Prise rothen Pfeffer hinzu. Die Sauce wird sofort über die Schinkenscheiben gegeben und die Schüssel recht heitz aufgetragen. Zur Schonung der Augen. Wer gute Augen hat. denkt selten genügend daran, sie zu schonen, und doch ist dies so dringend räthig. wenn man die Augen gut und gesund erhalten will. Nachfolgend einige gute Winke hierfür. Hat man augenanstrengende Arbeit zu verrichten, z. B. Sticken und Nähen, oder eine kleine Schrift zu lesen, so versäume man nicht, von Zeit zu Zeit die Augen in die Ferne schweifen zu lassen, damit sie ausruhen, namentlich der Blick in's Grüne ist autzerordentlich heilsam. Man halte das Buch nicht näher an das Auge, als zum rnnen scharfen Sehen der Buchstaben unbedingt nothwendig ist. Man versuche niemals während des Fahren zu lesen, das bedeutet eine direkte Mißhandlung der Augenmuskeln. Das Gleiche gilt, wenn man in nahezu wagerechter Lage liest. Man lese niemals, wenn man müd? und schläfrig ist; denn dann sind die Muskeln erschlafft und bedürfen der Ruhe; werden sie durch Lesen unnöthigerweise gereizt, so entsteht Blutandrang nach dem Augapfel und ein brennendes Gefühl. Scheint das Sonnenlicht von vorne auf das Papier, dann unterlasse man das Lesen des scharfen Reflexes wegen. Man lefe auch nicht in der Dämmerung oder in schlecht beleuchteten Räumen. Das vom Lesen Gesagte gilt in gleicher Weise auch für das Schreiben.

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