Indiana Tribüne, Volume 28, Number 253, Indianapolis, Marion County, 16 June 1905 — Page 5
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n Aic u Inrcht Liebe ? 44 !4 4 SS VT (Schluß.) Ich habe die Liebe anfänglich veräckilich zur Seite geschoben, ich habe mich erhaben gefühlt über diese Leidenckaft, die nur in Büchern schön und edel geschildert wird, in Wirtlichkeit jedoch gerade das Gegentheil davon ist. doch dann, später, als ich älter wurde und manches gesehen und gehört, da hat sich dieses Gefühl bei mir geändert. Ich sah Mädchen, stolze, edle Eharaktere, ihren Stolz beugen, sich an Leib und Seele erniedrigen, und sah manche poetische, keusche Mädchenseele in dem Moraste des Alltäglichen zu Grunde gehen; und an alldem war die Liebe schuld. Es mutzte also doch etwas daran sein, an dieser vielbesungenen, vielgelaüerten Liebe: etwas Dämonisches, Unwiderstehliches, das in dem Menschen alles ertödtet, was sich ihm feindlich gegenüberstellt: Stolz, Ehre, Moral und Vernunft. Xa habe ich die Liebe fürchten gelernt." Während sie sprach, hatte sich ihm ein Gedanke aufgedrängt, zwar ein wenig absonderlich, doch gefiel er ihm derart, daß er ihm sofort Ausdruck derlieh. Fräulein Felicitas," jagte er, ,,'ete gestatten, daß ich Sie so nenne? Ich möcbte Ihnen gerne einen Vorschlag machen. Doch zur Vorsicht will ich vorausschicken, daß sich unsere beiderfertigen Schicksale in ihrem Endresultäte gleichen. Sie haben Furcht vor der Liebe ich bin ihr auch nicht sonderlich hold. Und nun zu meinem Vorschlage: ich hoffe, es wird Sie nicht verletzen, wenn ich Sie ersuche, bei mir die Stelle als als ja wie soll ich's nur nennen? sagen wir: als Hausrepräsentanjin anzunehmen. Doch mache ich ie aufmerksam, datz ich gesonnen bin. Sommer und Winter in diesem Häuschen zu bleiben, und datz es in Folge dessen mit der Repräsentation ziemlich schlecht bestellt sein wird. Doch nach dem, was Sie mir mitgetheilt, glaube ich kaum, daß Sie besondert erpicht auf die Zerstreuungen der Welt sein werden und hoffe deshalb in unserem beiderseitigen Interesse eine bejahende Antwort. Nun V Sie antwortete nicht, und als er näher hinsah, bemerkte er, daß ein heftiges Weinen ihren Körper erschütterte. Erschrocken stand er auf und legte beruhigend feine Hand auf ihre Schotter; da ergriff sie dieselbe mit beiden Händen und zog sie dankbar an ihre Lippen. Aber Fräulein, um Gottes willen, was fällt Ihnen denn ein?" sagte er verwirrt, es ist ja der pure Egoismus, der mich dazu veranlaßt. Wo fände ich denn noch ein intelligentes Mädchen, das seine Zeit bei einem trübseligen Kranken, in einer weltentlegenen Einschicht verbringen wollte. Doch," fuhr er, um über das Peinliche der Situation hinwegzuhelfen, scherzend fort, wir werden uns die Zeit schon zu vertreiben suchen, und wenn uns einmal der Stoff zum Plaudern ausgegangen, dann ziehen wir halt über unsere gemeinsame Feindin los: über die Liebe." Die Aufwartefrau, die nach wie vor die gröberen Arbeiten verrichtete Richard duldete es nicht, daß Felicitas selbst Hand anlegte, sie durfte sich nur mit seiner persönlichen Pflege, sowie der Leitung des kleinen Haushaltes befassen hatte nicht geschwiegen, und bald wußte man es in dem ganzen Städtchen, an dessen Rande das Häuschcn lag, daß der Herr Baron," wie ihn die Leute nannten, sich eine Wirthschafterin" genommen habe. Die näheren Umstände blieben selbstverständlich ein Geheimniß, denn Rolf, der einzige Mitwisser, war sehr diskret und plauderte nichts aus. (5r schien sogar eine große Vorliebe für seine Gerettete gefaßt zu haben, denn er begleitete sie überall hin und vernachlässigic sogar öfters seinen Herrn. Dieser stellte Betrachtungen über die Unbeständigkeit des Zuneiflungsgefühls an, die sich sogar auf Thiere erstreckt, war aber im Großen und Ganzen nicht ungehalten darüber. Er war mit der Umwälzung, die in seinem Hauswesen stattgefunden, sehr zufrieden. Eine angenehme Behaglichkeit umgab ihn, er wurde gebegt und gepflegt, brauchte sich um nichts zu kümmern. Er hatte nicht mehr das neu-gierig-dumme Gesicht der Aufwartefrau vor sich, brauchte, wenn ihm die Lust zum Sprechen kam. nicht mit Rolf einseitige Gespräche zu fuhren; er konnte seinem Verlangen nach Weltabgeschlossenheit nachgeben, ohne darum einsam und verbittert zu sein. felicitas hielt sich streng in dem Rahmen ihrer Stellung; sie sorgte für seine Bedürfntsse und befolgte seme Wünsche, wie man Befehlen gehorcht Nie betrat sie ungerufen sein Zimmer, niemals sprach sie unaufgefordert. wenn er sie mancbesmal. und in snaterer nt soaar reckt oft. in ein Ke-
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tt TT n tt vor der lOUCUc UCrtt L oka Margukies V? .. . . 44 4 . . T 44 . ff iT spräch verwickelte, da that es ihm immer m.ehr leid, daß ein Mädchen mit solch' schönen Anlagen, mH einem, für ein Mädchen sogar bedeutenden Bildungsgrad, vom Schicksal so mißhandelt wurde, daß es für das ruhige, bescheidene Plätzchen dankbar war. Sie suchte ihre Dankbarkeit auf jede mögliche Art zu bethätigen, doch dabei war in ihrem Wesen nichts Allzudevotes. Kriecherisches; trotz der untergeordneten Lebenslagen, in denen sie sich schon befunden, hatte sie sich eine gewisse Haltung bewahrt, die Achtung einflößte. Ihre anfängliche Scheu war geschwunden und hatte einer bescheidenen Ruhe Platz gemacht; ihre Augen blickten wohl ernst und traurig, doch das Gehetzte, Rathlose war nicht mehr in ihnen zu sehen. Jbre eingefallenen Wangen waren im Laufe der Int etwas voller geworden, das Gesicht zeigte in Folge dessen ein hübsches Qoal. und manchmal, wenn sie bei irgend einer Debatte etwas erregter wurde, sueg lhr ein leichtes Roth in die Wangen, das sie jünger erscheinen ließ. Einmal horte er ste sogar lachen, ein leises, melodisches Lachen. Er saß beim Fenster: ein Wetter war kurz vorher niedergegangen, und er durfte deshalb nicht m den Garten, der oas Hauschen von rückwärts umschloß, ur verfolgte Felicitas mit den Augen, wie sie langsam den Kiesweg ernhergmg und mit sorgender Hand die Schäden beseitigte, die der heftige Regen anqencyle: yane. ikoit. trottete als iteter Begleiter nebenher. Es war ein anmuchlges Bild der Ruhe nach dem Sturme. Richard verglich das Schicksal seines Schützlings mit der Naturerscheinung, auch sie genoß jetzt endlich Ruhe, nachdem der turm des Lebens sie fast zu Boden geworfen halle. Cnn eigenthümliches Gefühl erfaßte ihn, es war fält Zärtlichkeit zu nennen. So ein fuße Mitleid mit diesem Mädchen, das doch eigentlich sein Geschöpf war, denn er hatte sie dem Leben wiedergegeben. Da klang ihr Lachen an sein Odr; dieses leise, schluchzende Lachen, wie ein Kind, das unter Thränen über das Spielzeug lacht, das man ihm zur Beruhigung hinhalt. Sie lachte über Rolf, der unter allerhand Kapriolen ihr sein Zuzethansern beweisen wollte, indem er sich auf die Hintersüße stellte, und die Vorderfüße auf ihre Schultern legte. Rolf, Rolf," lachte sie abwehrend. Tu wirfst mich ja um." Rolf! da herein!" rief Richard laut hinunter, da er sah, daß sie sich des großen Tbieres kaum erwehren konnte. Mit lustigem Bellen sprang der Hund in das Haus und legte sich zu Füßen semes yerrn meder. Ich hörte Sie soeben das erste Mal. lacken," sagte Richard, als Felicitas näber kam, und ich will hoffen, daß es sich von nun an öfter wiederholen wird." Rolf ist ein gutes Thier." sagte sie leise, wie sich entschuldigend, er ist mein Lebensretter; ohne ihn läge ich schon längst ruhig und still und wüßte nichts mehr von der schönen Welt." Es war das erste Mal, daß sie diesen unseligen Vorfall erwähnte, und die Erinnerung daran legte sich wie ein Schatten über ihr eben noch heiteres Gesicht. Doch Richard hielt sich an ihre letzten Worte. Also Sie finden jetzt die Welt schön?" fragte er mit freudigem Erstaunen. Die Welt war immer schön," erwiderte sie, aber ich konnte ihre Schönheit nicht genießen, mir kehrte sie immer ihre Schattenseite zu. Doch, daß ich es jetzt kann, das danke ich Ihnen, und wenn ich auch vorhin sagte: Rolf hat mir das Leben gerettet, so war ich nicht undankbar gegen Sie, denn Ihnen verdanke ich viel, viel mehr: Sie haben meine Seele gerettet. Durch Ihre Güte lernte ich wieder an Gott und Menschen glauben und mich des Lebens freuen." Wenn ich etwas für Sie gethan," sagte Richard, so bin ich durch dieses Geständniß überreich belohnt. Und dafür will ich Ihnen einen Gedanken mittheilen, der mir vorhin durch den Kopf geschaffen. Ich will mit Rolf konkurriren; ich will versuchen, ob auch ich Sie zum Lachen bringen kann, vielleicht lerne ich es dabei selbst. Wissen Sie was," fuhr er herzlich fort, beugte sich aus dem Fenster und streckte ihr die Hand entgegen, schließen wir einen Pakt: lassen wir das Verhältniß, in dem wir zu einander stehen, ganz beiseite, werden wir Freunde, treue, herzliche Kameraden, die es sich zur Lebensaufgäbe machen, die Wunden, die ihnen das Schicksal geschlagen, gegenseitig vergessen zu machen." Sie schlug nicht ein in die dargebotene Hand, ihr Gesicht war tief erblaßt, und in den scheu niedergeschlagenen Augen erschien der alte, furchtsame, gequälte Aiisdruck. Mit einigen unverständlich gemurmelten Worten ging sie in's Haus.
Mißmutig saß Richard bei Tische und stocherte in dem Essen herum, das ihm, so gut es auch zubereitet war, gar nicht munden wollte. Seit dem letzten Gespräche hatte er Felicitas nicht bewegen können, sich mit ihm zu Tische zu setzen. Ihr Benehmen, das in der legten Zeit schon freier, furchtloser gewesen, war jetzt scheuer denn je: ihre gtttchi, die eine Zeit hindurch geschlummert, schien wieder erwacht. Er verwünschte sein unvorsichtiges Anerbieten, das zwar den reinsten Hintergrund hatte, bei FäkUas jedoch, die infolge ihrer leidvolZcn Erlebnisse überaus feinfühlig war, hätte er andere Worte wählcn müssen, denn die Schlagworte Freundschaft," Kameradschaft" sind nur allzu oft der Deckmantel der sögenannten freien Liebe." Richard zerquälte sich den Kopf, wie er das angerichtete Unheil wieder gut machen könne, doch er fand keinen Ausweg. Wenn er, wie er sich zuerst vorgenommen, sein Benebmen änderte, den Abstand zwischen dem Herrn und der Wienerin verjcbärfte. so bätte es Felicitas in ihrem Mißtrauen leicht als kleinliche Rache für gescheiterte, unschöne Absichten aufaffen können. Blieb er sich jedo gleich in seiner Freundlichkeit, so mußte er fürchten, daß sie es für Beharrlichkeit ansah, vor der sie. wie schon oft, flüchten müsse. Nein, dieser Fall durfte nicht eintreten; dieses arme, vielgeprüfte Mädchen, durfte diesen Zufluchtsort, an dem sie sich bis jetzt augenscheinlich wohlaefühlt, nicht ver lieren. Und auf einmal durchblitzte ein rettender Gedanke sein Gehirn; er wollte abreisen, auf einige Wochen oder Monate. Bis er dann zurückkam, hatte sie sich gewiß beruhigt, und er würde sich in .u?unft wohl hüten, davon zu reden. Es war zwar ein großes Opfer, daö zu bringen er im Begriffe war, denn er hatte gar kein Verlangen nach den Zerstreuungen der Residenz, das Einsiedler- respektive Zweisiedlerleben" hatte ihm unendlich behagt, aber schon, aus Egoismus mußte er es bringen, denn mit der Behaglichkeit war es vorbei, wenn nicht Felicitas dafür sorgte, und mit plötzlichem Schrecken erkannte er, daß ihm Felicitas uncntbehrlich g?wr"en, daß ihm der Gedanke: ohne sie zu sein, Schmerz bereite. Ja. liebe ich sie denn?" fragte er sich fassungslos. Unsinn, dieses traurige, verschüchterte Mädchen erweckt in mir eine mitleidsvolle Zärtlichkeit, sonst nichts." Um sich zu beruhigen, wiederholte er es sich im Stillen immer und immer wieder. Ich tauge nicht zum Einsiedler," sagte Richard an einem der nächsten Tage zu Felicitas, die gerade im Zimmer war, ich sehe es immer mehr ein. Eine förmliche Sehnsucht nach Menfchen, nach Zerstreuungen hat mich erfaßt, ich bin im Stande und fahre eines .schönen Tages über Hals und Kopf in die Residenz." Sie hob den Kopf, den sie über eine Arbeit gebeugt hatte und blickte ihn erstaunt, überrascht an. Etwas wie
schmerzliche BnterkeU lag m diesem Blicke. Richard glaubte sich durchschaut. Ich möchte Sie ersuchen," fügte er deshalb schnell hinzu, meine Sachen in Stand zu setzen, und zwar alle, denn ich gedenke längere Zeit auszubleiben." Sie erhob sich sofort. Aber bleiben Sie nur sitzen," sagte er etwas ärgerlich über die Eile, mit der sie ihn loshaben wollte, gar so presiant ist es nicht. Ich sagte es Ihnen nur, damit Sie es wissen und alles in Ordnung ist, wenn ich reisen will. Aber Sie," fuhr er freundlicher fort, da er bemerkte, daß sein ungewohnt barscher Ton sie erschreckte, werden Sie sich nicht fürchten, so ganz allein, wird es Ihnen nicht gar zu einsam sein?" Er ertappte sich auf dem Wunsche, von ihr irgend ein Wort des Bedauerns über seine Abreise zu vernehmen. Mich schreckt das Alleinsein nicht." erwiderte sie, wer seelisch einsam ist, für den bat die äußere Einsamkeit keinen Stachel mehr. Nur möchte ich Sie bitten" Sie stockte und ein sprechender Blick flog hinüber zu Rolf, der im Garten lag und blinzelnd zu ihnen aufblickte. ,.AH. ich verstehe." sagte Richard, ich soll Ihnen Rolf hier lassen. Ich habe mich zwar sehr an das Thier gewohnt, es begleitet mich seit Jahren auf Schritt und Tritt, doch " Nein." unterbrach sie ihn abwehrend, dann nicbt. Verzeihen Sie w?ine unbescheidene Bitte, doch ich habe Rolf sehr liebgewonnen." Er konnte die Bemerkung, die sich ihm auf die Zunge drängte, nicht unterdrücken. Und warum," fragte er, wenn Sie das Bedürfniß nach Zärtlichkeit haben, warum verschwenden Sie sie an ein Thier? Warum wollen Sie für die Menschen nicht ebenso empfinden?" Diesmal wich sie nicht aus. Weil die Menschen es weder verdienen, noch anerkennen," sagte sie gereizt. Weil sie dieses Gefühl weder bedingungslos empfinden, noch annehmen, wie doch das Thier es thut. Bei dem Menschen lauert noch immer eine Nebenabsicht, eine egoistische Triebfedcr, und in demselben Maße, in dem diese die Spannkraft verliert, verliert auch das Gefühl an Stärke." Und ist es bei dem Thier nicht ebenso?" erwiderte Richard. Nehmen wir gleich Rolf zum Beispiel. Kennt er mich nicht um Jahre länger, als Sie, bm ich ihm nicht ein guter, freund
licher Herr gewesen, ist' er mir nicht auf Schritt und Tritt nachgelaufen und hat mich mit feinen Zärtlichkeitsbeweisen fast erdrückt? Und jetzt all' seine Aufmerksamkeit gilt Ihnen, und ich glaube, Ihre Bitte, ihn bei meiner Abreise hier zu lassen, war völlig unnöthig; er ginge gar nicht mit mir. Ich glaube, er würde mir aus dem Wagen springen und zu Ihnen zurücktehren. Und dabei nimmt man den Hund als Sinnbild der Treue." Er hatte mit einer gewissen Bitterkeit gesprochen, und er fühlte sie auch. Es erging ihm wie seinem Hunde. Auch er fühlte sich zu Felicitas hingezogen; er hätte es ihr gerne gezeigt und gesagt, doch sie hatte sich in ihr Vorurtheil, ifl ihr Mißtrauen eingesponnen und ließ ihn nicht an sich herankommen. Etwas wie Zorn stieg in ihm auf; mit einer heftigen Bewegung stand er auf und verließ das Zimmer. Traurig blickte ihm Felicitas nach. Sie fühlte: es war etwas zwischen sie getreten; sie hatte ihn gekränkt, verletzt wo er doch stets so gut, so edel gegen sie gewesen. Ihren Verdaut hatte sie ihm im stillen schon längst abgelesen: er war ja durch seinen Ent-
schl'.iß, abzureisen, haltlos geworden. Thränen stiegen ihr in die Augen. Zum ersten Mal, seitdem sie hier eine Zufluchtsstätte gesunden, fühlte sie wieder eine solch' hoffnungslose Traurigkeit, ihr ganzes Leben stieg vor ihr auf, mit seinem ewigen Aufderlauerliegen," mit der fortwährenden Kampfbereitschaft. Sie war müde, so sterbensmüde, wie damals, als sie jenen traurigen Entschlusi gefaßt hatte und doch was sie jetzt fühlte, war anders wohl nicht minder schmerzlich, aber doch verschieden von dem müden Abgestorbensein" von damals. Es war eine Unruhe in ihr, die sie sich nicht erklären konnte: eine wilde, schmerzliche Sehnsucht, ein quälendes, marterndes Gefühl. Eine eigenthümliche Angst erfaßte sie, und mit einem Male da wußte sie es: sie liebte ihn. Sie preßte beide clnfe auf den Mund, um den wilden Aufschrei zu unterdrücken, den ihr diese Entdeckung erpreßte, doch dabei stieg es in ihr auf, so süß, so verheißend, ein unerklärlich weihevolles Gefühl. Aufschluchzend barg sie das Gesicht in den Händen. Fräulein Felicitas, warum weinen Sie?" klang da Richards Stimme, er war vom Garten in's Zimmer'getreten. Oh. es ist nichts, gar nichts," sagte sie, sich verlegen die Augen trocknend, so eine vorübergehende, weiche StimMUNg." ..In weicher Stimmung, Sie? Ich kannte Sie bisher nur als Herbheit in Person. Doch es ist mir lieb zu hören, denn ich fürchtete schon, daß ich Sie vorhin durch meine Schroffheit verletzt hätte; und ich möchte doch, wenn ich abreise, einen guten Eindruck bei Ihnen zurücklassen." Also Sie wollen wirklich fort?" fragte sie stockend, mit abgewandtem Gesicht. Warum fragen Sie?" gab er gespannt zurück. Nun, ich dachte," sagte sie, daß Sie" Sie brach jäh ab. Was dachten Sie, Felicitas?" fragte er weich. Ein eigenthümliches Gefühl hatte ihn überkommen; es war ihm, als müßte er dieses vielgeprüfte, arme Weib in seine Arme nehmen und ihr zurufen: Was Du Dir auch denken mc.gst, es ist nicht das Richtige, denn an das Eine, Wahre, denkst Du doch nicht: daß ich Dich liebe, heiß und innig liebe, wenn ich es mir auch selbst nicht eingeftehen will und es Dir niemals fagen werde, denn Du möchtest mir dann fortfliegen, wie ein scheuer Vogel, darum muß ich schweigen. Er trat näher an sie heran. Was dachten Sie?" fragte er nochmals, da sie noch immer fchwieg. Ich dachte, daß ich vielleicht schuld daran bin," sagte sie hastig, verwirrt, daß Sie meinethalben fort wollen, wegen meiner wie soll ich's nur nennen? wegen meiner dummen Empfindlichkeit. Das ist sehr edel von Ihnen, so edel, wie Sie immer gegen mich waren. Aber ich darf dieses Opfer nicht annehmen, denn ein Opfer ist es für Sie. Sie haben Ihre stille Waldeinsamkeit zu lieb gewonnen, um sie ohne Leid zu verlassen. Und ich soll Sie daraus verdrängen, ich, die Geduldete? Nein, das darf nicht sein wenn Eines fort muß, dann will ich es sein" Sie stand bittend, mit thränenden Augen vor ihm; ein weicher Zug, der ihren strengen Zügen einen wundersamen Ausdruck verlieh, verschönte ihr Gesicht. Richard fühlte seine Standhaftigkeit schwinden. Nein, Felicitas," sagte er, Sie sollen nicht fort, denn damit wäre mir nicht geholfen. Sie haben recht: dieses kleine Häuscken ist mir unendlich lieb geworden, aber durch Sie, Felicitas, nur durch Sie! Und wenn Sie nicht mehr hier wären, dann möchte es mir so öde sein, so traurig wie damals, bevor ich Sie kannte. Doch nein, viel, viel trostloser, denn damals trauerte ich nur um eine zerstörte Illusion, während ich jetzt meinem vernichteten Lebensglück nachweinen müßte. Felicitas! Sie nannten mich vorhin edel; das bin ich nicht, aber schlecht bin ich auch nicht. Wollen Sie mir vertrauen, sich mir anvertrauen, für das ganze Leben? Felicitas, wollen Sie mein Weib werden?" Er hatte mit inniger, vor Aufregung zitternder Stimme aesvrochen und
stand jetzt mit ausgestreckten Händen vor ihr, Antwort erwartend. Doch sie sprach nicht; nur so wie damals in jener Unglücksnacht, ergriff sie mit einer demüthig dankbaren Bewegung feine Hand und wollte sie an ihre Lippen führen. Da zog er sie zu sich empor in feine Arr.le. Eine lange, heilige Stille folgte; diese beiden Menschen, welche die Liebe gefürchtet, gehaßt und geflohen, diese hatten sich in Liebe gefunden. Nun, mein Lieb," fragte Richard, endlich das Schweigen brechend, hast Du noch Furcht vor der Liebe?" Nein!" sagte sie und blickte dankbar und glücklich zu ihm hinauf, diese Liebe fürchte ich nicht!" Wilhelm I. und das Telephon. Kürzlich beging man das 25jährige Jubiläum des Gcbrauchstelephons, das bekanntlich seine Erfindung Graham Bell in Boston verdankt, während die erste praktische Lösung des Problecks auf den Deutschen Philipp Reis zurückzuführen ist. Bei dieser Gelegenheit sei an ein hübsches Wort Kaiser Wilhelms I. erinnert. Der Staatssekretär Heinrich v. Stephan ordnete praktische Versuche an, und das erste Gebrauchstelephon, das im November 1877 hergestellt wurde, erhielt der alte Kaiser. Die Leitung verband sein Wohnzimmer mit einem weit abgelegenenRaum im töniglichen Palais. Zur ersten Probe war Excellenz Stephan befohlen worden. Dieser hatte in dem entfernt gelegene'.: Raum einen Violinspieler an dem Ap parat postirt. Als der Kaiser an dc:? Hörapparat in seinem Zimmer trat und das Geigenspiel vernahm, äußerte ec sein lebhaftes Erstaunen und sagte: Ihr Glück, Stephan, daß Sie das nicht vor vier Jahrhunderten gemacht haben, sonst wären Sie als Hexenmei ster verbrannt worden!" Belohnte B r a v o u r. Ein verineaener Räuber drang neulich um
Mitkernacht bei Bearmouth. Mont., in einen Zug der Northern Pacisicbahn ein, befahl dem Expreßboten Laub unter Vorhalten einer Pistole, den Expreßwagen zu verlaffen, und sprengte dann mit 25 Pfund Dynamit den im Expreßwagen befindlichen Kassenschrank auf. wobei die eine Seite des Wagens zertrümmert und die Thür des Schranks weggerissen wurde. Nachdem drei Explosionen des Sprengstoffs erfolgt waren, zwang der Räuber den Lokomotivführer Wilson in den vor dem öxpreßwagen befindlichen Wagen zu steigen; ebenso den Expreßboten Laub. Dort strich Wilson ein Schwer felholz an. wodurch Laub genau sehen konnte, wo der Räuber stand; Wilson blies das Schwefelholz rasch wieder aus und Laub versetzte dem Räuber in der Dunkelheit mit einem schweren Stück Eisen einen gewaltigen Schlag auf den Kopf, fo daß derselbe bewußtlos zu Boden stürzte. Laub und Wilson legten dem Räuber hierauf Fesseln an und brachten ihn als Gefangenen nach Drummond, wo er den Behörden überantwortet wurde. Laub und Wilson erhielten von der Bahngesellschaft für ihr wackeres Verhalten eine Belohnung von je $1000. Zwei Drillingsgeburt e n. In Long Island City, N. 2)., entwickelte dieser Tage der Storch einen phänomenalen Eifer. Wahrscheinlich glaubte er, ein gewisser Michael Newman und dessen Frau Katie hätten nicht genug an ihren vier kleinen Kindern, denn als er sich nach einem lauten Klappern auf dem Dach ihres Hauses in die Lüste schwang, da hatte er nicht ein einzelnes Baby abgeliefert oder gar ein Zwillingspaar, sondern gleich ein ganzes schreiendes Kleeblatt zwei Mädchen und einen Buben. Nicht mit dieser einen Heldenleistung zufrieden, flog der große Vogel hinüber nach dem benachbarten Flushing, verschwand in einem Hause, kam wieder hervor, klapperte wieder so laut und lustig wie vorher, und, stehe da! bei einer Frau Lena Walters wiederholte sich das Schauspiel: zwei Mädchen und ein Knäblein zappelten und schrieen. Sie werden nicht an Nahrungsmangel leiden, denn Papa Walters ist Milchfahrer. Seltene Rüstigkeit bc kündete dieser Tage der 119 Jahre alte Lewis Joung in Nicholas County. W. Va.. der trotz seines hohen Alters eine Reise zu seiner in Oskoleosa, Ja., lebenden Tochter unternahm und die ersten 30 Meilen sogar noch zu Fuß zurücklegte. Er wurde zehn Jahre nach Erlaß der Unabhängigkeitserklärung geboren und hat somit alle Präsidenten mit Ausnahme des ersten im Amt gesehen. Mit seiner ersten Frau hat er 40 Jahre lang gelebt. Im Ganzen war er drei Mal verheirathet. Zum letzten Mal trat er in's Joch der Ehe, als er 70 Jahre zählte Erdöl statt Mineralw a f s e r. Eine Ueberraschung wurde unlängst den Eigenthümern des Mine-ral-Badehauses in Port Huron, Mich., zutheil. Die Pumpe war außer Ordnung und Reparaturen wurden vorgenommen. Als jüngst zum ersten Mal die Pumpe wieder in Betrieb gesetzt wurde, kam anstatt Mineralwasser Erdöl zum Vorschein und es wird behauptet. daß die Flüssigkeit 90 Prozent Rohöl enthalte. Merkwürdigerweise hatte man in der Mineralquelle noch nie vorher Spuren von Oel entdeckt. Die Sache wird jetzt genauer untersucht, und es herrscht infolge der gemachten Entdeckung riesige Aufregung in dem Städtchen.
Allerlei füc's HauS.
Fleckenreinigen. Schon beim Einseifen der Wäschchmuß man sich vergewissern, ob sich in derselben nicht Flecke von Obst, Eisen, Tinte, Rothwein und dergleichen befinden, um dieselben noch vorher entfernen zu körnetV Obst- und Weinflecke beseitigt man durch Anwendung des Bleichwassers; Flecke von Oelfarbe befeuchtet man mit Benzin oder Terpentinöl, welches die Oelfarbe auflöst, Theerflecke bestreicht man mit Butter und ebenfalls mitBenzin. Tintenflecke beseitigt man durch Sauerkleesalz, indem man erst die fleckige Stelle mit Wasser befeuchtet, dann ein wenig von dem Salze auf den Fleck gibt, und tüchtig auswäscht. B ü r st e n z u e r h a l t e n. Die Bürsten können doppelt so lange erhalten werden, wenn man sie nicht, meist aus Unkenntniß. selbst verdirbt. Die Bürste soll stets auf die Borsten gelegt werden, weil sich sonst derStaub sehr leicht dazwischen setzt und die Bürste aus diesem Grunde sehr oft gereinigt werden muß. Da Nässe die Borsten weich macht, wird die Bürste sehr bald unbrauchbar. Es gibt jetzt eigens ein zum Reinigen der Bürsten bestimmtes Pulver, das bei nasser Reinigung vorzügliche Dienste thut. Fettflecke in Milchglasscheiben werden einfach mit warmem Wasser und Seife weggewaschen; nöthigenfalls ist dem Wasser noch etwas Soda zuzusetzen. GuteMittelgegennervöses Herzklopfen stnd Einreibung der Herzgegend mit Senfspiritus, kalte Umschläge auf der Herzgegend, allgemeine kühle Abreibungen. Baldrianthee, Baldriantropfen ind Sastoreumtropfen zu gleichen Theilen gemischt, Trinken von Zuckerwasser mit Hoffmannstropfen, Brausepulver. In schwereren Fällen wendet man Senfteig oder Senfpapier an oder legt geriebenen Meerrettich auf. Zum Ausbessern zerrissener Gummischuhe verwendet man Kautschukleim. Man übergießt, um diesen herzustellen, fein zerschnittenen Kautschuk mit dem 5- bis öfachen Gewicht Schwefelkohlenstoff, welcher vorher mit Chlorcalcium entwässert wurde, verschließt die Flasche gut und befördert die Lösung, ohne zu erwärmen, durch häufiges Schütteln. Mit diesem Leim kann man auch die Absätze wieder ankleben. Cssig aus Kartoffeln. Man benutze dazu gefrorene Kartoffeln und Wasche dieselben mit kaltem Wasser ab, koch sie hierauf in einem Faf) mit Wasserdampf; sind sie gar. fo zerstoße man sie mit einer hölzernen Keule (Stößel). Die Masse wird nun mit Zusatz von etwas Gerstenschrot oder geschrotenem Malz gehörig mit warmem Wasser eingemaischt, mit Hefen in Gährung gebracht, nach Ausgährung aber die Flüssigkeit durchgegössen, in Säuerungsgefäße gefüllt, worin sie mit etwas Essig versetzt liegen bleibt, bis der Essig fertig ist. Gegen Kopffchinnen nützt Waschen der Kopfhaut mit Kampferspiritus. Dieser wird am besten durch einen Ansatz, wie ihn eine Parfümflasche trägt, aufgespritzt. Steckt man den Ansatz in die Haare hinein bis auf den Haarboden, dann wird nur die Kopfhaut von dem Kampferspiritus befeuchtet, während die übn gen Haare trocken bleiben. Das Verfahren ist daher auch bei langen Frauenhaaren zu empfehlen. Zu einem guten Stärkek leiste?, um Bilder auf Glas aufzukleben, löst man Dextrin in warmem Wasser auf. Der erkalteten Lösung wird Stä-rkemehl zugerührt, bis die gewünschte Consistenz erlangt ist. Dann erhitzt man die Masse bis zur Kleisterbeschaffenheit und rührt in die heiße Masse einen Löffel dicken Terventin. Vcywarze Seidenbänder we neu zu reinigen. Zunächst wäschi mn alle Flecke mit Benzin aus. Dann legt man das Band auf ein Brett oder einen weißen Tisch und reibt es auf beiden Seiten mit Regenwasser mittelst eines Schwammes sehr gründlich ab. Es muß auf dem Platze liegend trocknen 'und ist dann wieder wie neu. Nüsse einzumachen. Nüsse macht man ein, solange man sie noch mit einer Nadel völlig durchstechen kann. Man durchsticht sie also verschiedene Male und legt sie dann 14 Tage in kaltes Wasser, das man täglich wechselt. Dann kocht man sie langsam so weich, daß sie nicht mehr an der Nadel hängen bleiben, wässert sie wieder eine Nacht und giebt sie dann trocken in eine Schüssel, in der man sie mit kochendem Zucker (1 Pfund Nüsse, fünf Viertelpfund Zucker, ein Pint Wasser) übergietzt. Diesen Zucker gießt man sechs Tage hintereinander ab. kocht ihn auf und gießt ihn wieder über die Nüsse. Am siebenten Tage kocht man ihn zum Faden ein, kocht die Nüsse darin auf und füllt sie dann in Gläser. Hierbei kann man Zimmt und Gewürznelken dazwischen packen, um den Geschmack zu beeinflussen. . rWiderspruch. A.: Na, cst Ihr Junge noch immer so unartig? B.: Ach, je fester ich ihn anpacke, um so loser wird er! B als -Opfer. Erster Lieutenant: Habe mich gestern auf dem Ball fast geopfert! Zweiter: Aha. also: Bal's - Opfer!
