Indiana Tribüne, Volume 28, Number 250, Indianapolis, Marion County, 13 June 1905 — Page 5

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rpisches fflggjjggj Wechsel. Creditbriese, Postanweisungen, auf alle Städte Europas. Kchtffsschetne von und nach Europa.

n- und Rertauf ausländischen Geldes. Ro. 35 Süd Meridian Str. Merchants National Bank. ic kennen vielleicht einige Ihrer Freunde, welche sich zu einer Zelt . . r r " a in emen ganz ncyeren'IunoungS' Vorschlag" einließen von welchem denselben glaubhaft gemacht wurde, daß sie großeDividenden von den ihnen ausgestellten grellfarbigen Aktien-Certift-taten ziehen würden, die zu solch verlockend niedrigen Preisen verkauft wur den, daß sie der Anlage nicht widerstehen konnten. Nach einer derartigen Erfahrung, ist es nicht schwer Jemand zu überzeugen, daß die einzige sichere und verständige Methode, Geld zu ersparen, darin besteht, solches mit unserer Gesellschaft zu deponiren, wo beides, das Kapital und Zinsen stets sicher, und wenn nöthig, zu haben sind. Indiana Trust Co., Capital $1,000,000 Ueberschutz 1275,000 Politische Ankündigungen. lvm. Kaiser, empfiehlt sich den Stimmgebern der Stadt Indianapolis als andidat für Stadt. Clerk. Unterworfen der Entscheidung der republikanischen Nominations-Convention. John kzeidenreich, ..Der Florift", Ecke Applegate und Iowa Straße, empfiehlt fich.den Stimmgebern der 13. Ward als andidat für Stadtrath, Unterworfen der Entscheidung der demokratischen Nominations Convention. ZNichael Vinci, Commisnons - Händler, 122 Süd Delaware Straße, empfiehlt fich oen Stimmgebern der Uten Ward als Kandidat fiir den Stadttath für diese Ward. Unterworfen der Entschei dung der demokratischen Nominationö-Kon vention. In Frankreich sind im Jahre 1904 924,593.000 Gallonen Holunderbeerwein erzielt worden, mehr als in irgend einem der vorhergehenden zehn Jahre. Den Nechtsanwälten in alter Zeit lag es ob, beim richterlieben Zweikampf den Kampfplatz abzustecken und bei der Keffelprobe Kessel und Hano zu prüfen. Die britische Münze hat .Narthmas" praqen lassen, die vorwieaend in Englands Kolonien in Cirkulatlon gesetzt werden sollen, um zur 7rsamkelt anzuregen. 1 e l b st m ö r d e r k l u b. In I ti r 'tl -.ftri ? yernoerg, uaiijien, x exn elvumvr'erklub entdeckt worden. Er zählt jetzt sieben Mialieder. darunter befinden sich Akademiker und Schauspieler. Einmal im Jahre wird durch das Loos bestimmt, welches Mitalied ich das Mi den nehmen soll. Das Urtheil wird dem Ausaeloosten unter Trauerceremo nien zugestellt. Bis jetzt hat sich noch kein ausgelöstes Mitglied dem Urtheile entzogen. Die Mitglieder des Klubs traaen aeyeime. nur wnen be kannte Abzeichen. Die Sitzungen des Klubs werden in einem kletnen vtestau rant aebalten: ein M'taiied spielt hier bei auf einer Zither Todtenmärsche. Von hier aus begeben sich die Mitglieder auf den Fri"dhof zum Grabe eines Mitgliedes, das sein Gelübde erfüllt hat. werden Trauerreden gehaltat. Von einer Ratte ge4 ö d i t t. Eine Ratte führte dieser Tage den Tod eines vier Wochen alten 5indes von Henry Dantes m Kolum bus. C, herbei. Die Mutter hatte das Stinb in die Wiege gelegt und war nach einem anderen Theil der Wohnung gegangen, wo sie sich mit hässlichen Arbtiten beschäftigte. Als sie zurückkam. saß eine Ratte auf dem Gesicht des schreienden Kindes, dessen Nase halb !7 . CC fT Tl . P Y l . im? c.

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Brothers,

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abgenenen uno oenen eiicni mn in wunden bedeckt war.

.' !-:-!-:-!-! !-! !' rieöet. Erzählung von Foliritas QoTe. ..j..;,,:..;,.;,.;..:..;..;..;..;,.;.,;..;,.;, I .t.. ;;;;;,.;, Melde gehorsamst, Herr Bürgermeister, die .Urschel' ist heute Nacht gestorben." Der Amtsmener Dietnch sagte es in ziemlich strammer Haltung, aber ein etwas lauernder Blick flog zum Gestrengen hinüber. ,ös ist gut," sagte der Vurgermeister, und ein ganz unbewegtes Gesicht machte er dazu, so kam der Amtsdiener auch heute nicht dahinter, ob es wahr sei, was die Leute gemunkelt hatten. Als der Bürgermeister allein war, sprang er auf. Gott sei Dank!" seufzte er mit einem recht erleichterten Aufathmen, hat diese Geschichte doch auch einmal ein Ende!" Sie war so dumm, so alltägliö), so einfach und dabei lang, lang verjährt und doch batte sie ihn mn tiefem Unbehagen erfüllt, ja gepeinigt die Geschichte der Urschel." Uriula Wendler war em mnges. schönes Mädchen gewesen und fromm und ehrbar dazu. Das wußten auch die jungen Leute im Städtchen und begnügten sich, einen ehrerbietigen Gruß zu dem Fenster mit den brennend ro then Geranien mnauf zu senden, an dem die schöne Ursula mit einer Arhext saß. Nur dem flotten, blldhubschen Referendar genügte das nlcht, er ruhte icht, bis die rothen Lippen des Mädchens ihm zuflüsterten: Ich hab' Dich lieb, so lieb!" Was dann kam. war sehr häßlich und sehr kompromittirend für den Herrn Referendar. Der Vater des Mädchens, der strenge, ehrliebende Webermeister, überraschte sie bei einem Stelldichein und die zitternde Ursula erklärte den Herrn Referendar für ihren Bräutigam. Oh, es war wirklich peinlich gewesen, aber seine Versetzung kam bald darauf und die Ursula genaß von dem Nervenfieber, in das sie damals fiel. Die Summe Geldes, die er unter großen Opfern flüssig gemacht hatte, wanderte in seine Hände zurück und dann horte er nichts mehr von der alten Geschichte, bis er nach langen Jahren als gesetzter Herr Bürgermeister in das Städtchen zurückkam. Da war aus der schönen Ursula die verblühte Urschel geworden, die sogar mcht ganz richtig im Kopfe war. Man erzählte ihm bei seiner Nachfrage, daß die Urschel einen Knaben bei sich aufgenommen habe, den Zigeuner oder fahrende Spielleute als Säugling vor ihre Thüre gelegt hätten; es gehe ordentlich und reinlich in dem Häuschen zu, denn die Urschel scheure den ganzen Tag, angeblich, weil sie ihren Bräutigam zur Hochzeit erwarte. Man hatte sehr laut am Stammtische darüber gelacht und der Herr Bürgermeister am lautesten. Und nun war sie kalt, die Ursula Wendler und der Friede!" fiel der Gemeinde zur Last. Einen Augenblick, aber auch nur einen Augenblick dachte der Herr Bürgermeister daran, den Friede! in sem eigenes Haus Unnnn! Auf welch' verrückte Gedanken man doch verfallen kann. Der Bürgermeister klingelte und der Amtsdiener stürzte wieder herein. Schassen Sie mir den, den v: : . an..KT ...... rir u tfllCUHUJ iLDCUUlCt glll, VlCUC. Wieder traf den Bürgermeister ein lauernder Blick; Sehr wohl, Herr!" Die Feder des Gestrengen raschelte über das Papier, aber so recht bei der Sache war er nicht. Immer trat ein Bild vor seine Augen Himmel, wird man nur die dummen Erinnerungen nicht los? Dann hörte er, wie hmter ihm die Thür geöffnet wurde, hörte ein Scharren, wie wenn Jemand Widerstand leistete, ein wildes Aufschluchzen und einen derben Fluch des Amtsdieners. Er drehte sich herum. Sie können gehen, Dietrich!" Sehr wohl, Herr Bürgermeister." Tritt näher. Friedrich Wendler!" Keine Antwort. Der Knabe machte auch keine Anstalten, von seinem Platze fortzugehen, er drückte sich eng gegen die Wand.. Der Bürgermeister packte ihn ziemlich derb am Arm und zog den heftig Widerstrebenden an das Fenster. Sieh mich an, Friedrich Wendler. Ein Blick des Knaben traf ihn. so voll Haß, daß er einen Augenblick zurückwich. Du siehst ja abscheulich aus," fuhr er den Knaben an, der richtige Zigeuner. Stell' Dich jetzt her zu mir und beantworte gewissenhaft meine Fragen. Zuerst wann ist Deine Deine Mutter gestorben? Friedrich Wendler rührte sich Nicht. Die großen, schwarzen Augen hielt er mit demselben haßerfüllten Ausdruck auf den Fragenden gerichtet und au 's seinem Gesicht lag eine tiefe Blässe. Der Bürgermeister räusperte sich. Gut. lassen wir das wie alt bist Du?" Keine Antwort. Friedrich zerknüllte die Mütze in seiner Hand und ab und zu warf er mit einer raschen Kopfbewegung die Locke zurück, die auf seine Stirn fiel. Ueber seine trl'tzig zusammengepreßten Lippen kam kein Laut. In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür zum Nebenzimmer und em

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kleines Mädchen von ungefähr acht Jahren erschien auf der Schwelle. C ein Zigeuner!" rief sie überrascht und betrachtete den Knaben von oben bis unten. Ein süßes, blondes Ding war Kleinnaebcrg und des Vaters Blick hing mit unverhohlener Zärtlichkeit an der zierlichen Gestalt, an dem herzigen Gesicht, das eine Fülle goldener Locken einrahmte. Die strahlenden Blauäugen musterten noch immer den Knaben. Bist Du ein Zigeuner?" Nein!" preßte er trotzig hervor. Kannst Du nun reden?" rief der Bürgermeister. Es wird Zeit sage mir endlich, wie alt Du bist." Keine Antwort. O sag' es doch!" bat Jngeborg. Sag' es mir." ..Fünfzehn Jahre," sagte der Knabe leise. Der Bürgermeister athmete etwas rascher. Bist Du konfirmirt?" fragte er rauh. . Keine Antwort. Himmel, bist Du eine Unart!" sagte Klein-Jnge und griff nach seiner Hand. Gleich sagst Du mir. ob Du konfirmirt bist." Bin's nicht!" Tann bist Du ja ein Heide! Zigeuner sind immer Heiden." Ich bin kein Zigeuner!" Doch, doch! Sicher! Sieh Dich nur 'mal im Spiegel. Guten Tag, Zigeunerlein!" Sie lachte ihn schelmisch an. Sag' 'mal. da weißt Du wohl auch gar nichts vom lieben Gott?" Der Knabe schüttelte den Kopf. Es gibt keinen hat die Mutter gesagt," stieß er hervor. Inge, geh' hinaus!" geöot der Bürgermeister erschreckt. Oh. Väterchen ich möchte " Geh' hinaus, Inge!" Die Kleine gehorchte. Der Knabe sah ihr nach und als sie hinaus war, seufzte er schmerzlich auf. Ich werde Tßch zu guten Leuten in Kost und Pflege thun." wandte sich der Bürgermeister an den Knaben. Unser Amtsdiener Dietrich will Dich gegen ein geringes Entgeld bei sich aufnehmen." Friedrich Wendler zuckte zusammen; er wollte sprechen, aber seine Lippen preßten sich wieder aufeinander. Und nun kannst Du gehen." Der Knabe schoß wie ein Pfeil zur Thür hinaus, wurde aber draußen vom Amtsdiener in empfang genommen. Hol' Deine Sachen, Zigeuner," gebot er barsch. Du sollst gleich bei uns bleiben." Ich will nicht," stieß der Junge heraus ich will zur Mutter." Deine Mutter ist todt." sagte Dietrich mitleidlos, und Dein Herrenleben hat nun ein Ende. Arbeiten sollst Du; und nun mach' keine Geschichten, hol' Deine Sachen viel werden's nicht sein. Lumpenpack!" setzte er verächtlich hinzu. Ein wilder Schrei kam aus des Knaben Kehle; er schlug blind auf den Amtsdie aer ein. Einen Augenblick war dieser erschrocken, dann aber gebrauchte er schonungslos seine Kräfte. Da erhielt Friedrich Wendler plötzlich uner-

wartete Hilfe. Klern-Jnge kam aus dem Garten die Treppe heraufgestürmt und warf sich zwischen die Kämpfenden. Pfui, Dietrich," rief sie athemlos, nicht das Zigeunerlein schlagen weißt Du nicht, daß sem Mutterchen gestorben ist?" Ein Satan ist's," murmelte der Amtsdiener und zog seine in Unordnung gerathenen Kleider zurecht, aber warte nur, Du sollst schon bei uns zahm werden." Ich will nicht zu ihm." stöhnte der Junge und faßte plötzlich Inges Hand. Sag' ihm, daß ich nicht komme, sag's ihm. er ist schlecht, o so schlecht, er hat die Mutter geschimpft oh !" Er schluchzte auf. Komm mit mir," fagte Inge und faßte seine Hand. Weine nicht, sieh', ich hab' die Schürze voll Blumen, da binden wir emen Kranz für Deine Mutter." Der Knabe gehorchte still; er ließ sich von dem Kinde fortziehen und schaute auch nicht zurück, als der Amtsdiener laut und hämisch hinter ihnen drein lachte. Nur Inge drehte sich herum und zeigte dem Diener blitzge schwind ihre kleine, rothe Zunge. Das thue ich immer," sagte sie entschuldigend zu Friedrich Wendler, schimpfen darf ich nicht und schlagen auch nicht. Die beiden Kinder traten in das Wohnzimmer. Sieh' Mutti, da bring' ich den Zigeuner," sagte Inge. Seine Mutti ist todt und er will mcht zu dem alten bö'en Dietrich. Laß ihn ganz bei mir bleiben, Mutti, ich hab' Zigeuner so gern und Bruder Albert ist ja Nie bei mir und spielt auch nicht gern mit mir." Die zarte, blasse Frau, die am Jenster mit einer Handarbeit saß, zog den Knaben zu sich heran. Unendlich gute, blaue Augen schauten ihn an, und eine sanfte, weiche Stimme fragte: Wam starb Deine Mutter, mein armer Friebei?" Heut Nacht," sagte der Knabe ge preßt. Ich hatte noch lang bei ihr ge sessen, aber dann wurde sie müde und ich auch und wie ich im Bette lag. sah ich die Mutter noch lesen in ihrem kleineu Schreibbuch, was sie immer bei sich hat, und dann dann fielen mir du Augen zu und heut früh Der Schmerz überwältigte ihn, und

er schlug die Hände vor das Gesicht. Dann, nach einer Weile fragte er leise:

Darf ich nun gehen? Darf ich bei der Mutter bleiben, bis bis sie ist so allein." Inges Mutter nickte. Ja, geh' nur, Friede!, ich will's schon verantworten, und morgen mit dem Frühsten bist Du wieder hier, dann wollen wir weiter sehen." . Da, sagte Inge, und drückte ihm inen unförmlichen Strauß, den sie chnell zusammengebunden, in die Hand, bring's Deiner Mutter!" Friede! schlich hinaus, draußen auf dem Korridor sah er sich scheu um und ies dann wie gejagt die Treppen hernter, zum Hause hinaus und im tollen Lauf nach dem kleinen Hause, das bis etzt seine Heimath war. Vor der Thür stand die alte Frau Heinrich, die während der Krankheit seiner Mutter die Sorgen des Haushaltes mit übernommen hatte. Thu' sachte," sagte sie und hielt den Heranstürmenden auf, der Herr Pfarer ist drinnen. Friede! schlich leise in die Stube. Da lag die Mutter noch immer so still, so still und vor ihr stand der Pfarer des Stadlchens, em noch junger Mann mit blassem, angenehmen Geicht. Er streckte Friedel seme Hand hin und dieser legte scheu die seine hinein. Du bist der Friede!? Das sind raurige Stunden für Dich, armes Kind. Ich bin gleich hergekommen, als man mir sagte, Deine Mutter sei gestorben. Du weiht, ich durfte zu hren Lebzeiten nie in dies Haus, aber ch weiß trotz Allem, daß Ursula Wendler ein braves Weib war, wenn auch ihr armer, kranker Kopf die Segnungen der Religion Nicht begriff." Fnedel sah ihn dankbar an. Ja, Mutter war brav," fagte er eye. Und doch schmerzt es mich furchtbar," fuhr der Pfarrer fort, daß sie Dich so aufwachsen ließ, daß ich Dich nicht in die Reihen der erwachsenen Christen aufnehmen durfte. Das holen wir NUN alles nach, nicht wahr, Friedel?" Ich darf nicht." sagte der Knabe eise, ich hab's der Mutter schwören Nüssen" Was Friede!? Was mußtest Du chwören?" Der Knabe erschrak, und wollte nicht antworten, aber der Pfarrer zog ihn :ebevoll zu sich heran. Sag' mir alles, Friede!, ich meine es gut mit Dir. Was mußtest Du chwören, wann war das alles?" Gestern Abend," gestand Friedel. Die Mutter hatte lange in dem kleinen Schreibbuch gelesen, ein ganz altes Buch ist's, und sie schrieb früher immer selbst d'rm mit einmal wurde ihr Angst und ich mußt mich zu ihr fetzen und da und da " Weiter, Friedel, sprich weiter, erleichtere Dich, armes Kind!" Und da mußt ich ihr schworen nie sollt' ich einen Menschen lieb haben. sie wären alle, alle schlecht, und me sollt' ich mich an den Herrgott klammern, der hätte sie verlassen im Leben und im Sterben. Und einen Menschen " des Knaben Gesicht nahm einen bösen Ausdruck an, einen sollt' ich hassen, hassen" er ballte beide Hände ich sollt' ihm von Stund' an jedes Böse thun" Oh. wie furchtbar," brach der Pfarrer los, wie furchtbar! Wie konnte sie " er fchwieg und sah auf die Todte. So still und friedlich lag sie da. Richtet nicht, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet." sprach der stumme Mund. Der Pfarrer strich sanft über Friedels Lockenkopf. Und auf Deine armen, schwachen Schultern legte sie dies Vermachtniß des Hasses?" sagte er traurig. Und wen wen sollst Du Darf ich's wissen. Friedel?" Der Knabe schüttelte den Kops, er sah furchtbar gequält aus. Und das Buch, Friede!. Das kleme Buch darf ich's nicht fehen?" Fnedel erschrak. Nem. ach nein," bat er, ich ich foll es immer bei mir tragen immer d'rin lesen soll ich damit damit " Weshalb, Friedel?" Damit ich den Haß nicht vergesse." O Du armes, armes Kind, o Du armes Weib!" Der Pfarrer war tief erschüttert, er umfaßte den Kopf des Knaben mit beiden Händen. Könnt' ich den Haß von Dir nehmen. Friedel. könnt' ich Dich zu Gott führen! Versuch es, Kind, den All mächtigen. Allgütigen. Allweisen zu erkennen, versuch' es. Ihn lieb zu haben, und Deine todte Mutter wird Dir nicht zürnen. Denn was sie hier zu Dir gesprochen. das sprach sie als irdischer. sündiger Mensch jetzt ist sie verklärt, jetzt kennt sie keinen Haß mehr fühlt nichts als Frieden. Versuch' es, Friedel. die Menschen alle, alle zu lieben. Was sie auch Deiner Mutter getyan,mein ist die Rache' spricht Gott. Und ich will Dir helfen. Friedel. will Dir immer zur Seite stehen, will Dir vom Heiland erzählen, den die Menschen gemartert mit tausend Martern und de doch sagte: .Liebet Eure Feinde, thuet wohl denen, die Euch fluchen, bittet für die, so Euch beleidigen und verfolgen Des Knaben Blick hing an dem be geisterten Antlitz des Predigers, sein Ohr lauschte den nie gehörten Worten Im gemüthlichen Wohnzimmer des Bürgermeisters saß das Ehepaar im traulichen Plaudern beisammen. Die Dämmerung war schon hereingebro-

chen, aber noch keine Lampe angezün-

bet; Klein-Jnge war zu Bett gebracht worden, und nun wurden die Erernnisse des Tages besprochen. Der Bürgermeister hatte den Arm um seine Gattin geschlungen und sie lehnte ihren Kopf an ihn. Wirtlich, Gustav, es ist ein großer Wunsch von mir, Friedel zu uns zu nehmen." sagte sie jetzt, es ist unmögVI JE L Y rs. - pr am icu, inn oei ieincus zu lassen. Unmöglich, unmöglich?" wiederholte der Bürgermeister. Wie Ihr Frauen doch immer gleich mit SchlagWörtern bereit seid. Ich meine gerade, daß die straffe Zucht des Dietrich dem gänzlich ungezogenen, heftigen, bösen Burschen gut thun wird." Du kennst ihn nlcht, Gustav, er ist nichts von alledem. Gegen mich und Inge ist er sanft und gefügig, voll Aufmerk amteit für kleme Wünsche, er athmet auf wenn er unfer Zimmer betritt, und hat es auch wahrlich aar zu hart bei Dietrichs. Wie unbarmherzig wird er oft geschlagen; es ist so grauam, gerade jetzt, wo das Weh um seine odte Mutter noch so lebendig in ihm st. Er muß sie abgöttisch geliebt haben, seine Pflegemutter Urfula Wender. Du kanntest sie von früher?" Der Bürgermeister fuhr zusammen. Wer sagt das?" fragte er heftig. Aber Gustav," lachte seine Gattin. Du erschreckst mich ja. Wer es mir gesagt hat? Ich meine, Frau Dietrich st's gewesen." Alte Schwätzerin, die Dietrich! Was was sagte sie noch?" Oh. sie erzählte, wie wunderschön die Ursula gewesen fei und daß Ihr damals ihr alle nachgelaufen wäret. Ist's wahr. Gustav?" setzte die Bürgermeisterin schelmisch hinzu. Er lachte nervös Das kann sein," sagte er, ich erinnere mich nicht mehr so genau übrigens, Anne, wünsche ich nicht, daß Du Dich auf Dienstbotengechwatz einlaßt." Das hab' ich doch noch nie gethan." entgegnete Frau Anne gekränkt es machte sich ganz von selbst, dies harmGesprach. Zieh die Stirn mcht so kraus, Gustav; es ist ja mcht der Ned: werth. Gib mir einen Hu Her zensmann und die Erlaubniß. daß Friede! zu uns kommen darf." Fängst Du schon wieder an? Der Bursche bleibt wo er ist. Ich ich will gern das Kostgeld für ihn zahlen, meinetwegen auch spater das Lehrgeld. Kleider, Schuhe alles " Du bist so sonderbar, Gustav," sagte Frau Anne erschrocken, das ist ja weit mehr, als ich beanspruche. Ich meine, die Gemeinde kann das alles ruhig tragen, aber Liebe braucht der arme Junge, er thut mir so leid." Willst Du ein Asyl für verwahrloste Kinder einrichten?" fragte der Bürgermeister spöttisch. Es geht nicht, Anne, sei verständig. Die Leute würden darüber reden " er stockte; die Sache ist abgethan." Frau Anne seufzte. Inge wird sehr traurig sein, und Albert hätte doch auch einen Spielgefährten gehabt." Albert? Nun, der wurde sich wenig um den Buben kümmern, dazu ist er zu stolz." .Zu stolz?" fragte Frau Anne bitter, er hat keine Ursache, stolz zu sein, unser Albert." Nun, nun," sagte der Bürgermeister unbehaglich, so schlimm ist es doch nicht mit ihm. Gegen Dein eigen Fleisch und Blut bist Du ungerecht. Jugend will austoben. Jährender Most gibt guten Wem. Albert macht mir furchtbare Sorge," fagte Frau Anne, ich zittere bei jedem Brief, der vom Direktor eintrifft, weil ich immer vermuthe, er wird auch von der Anstalt fortgewiesen, wie von allen früheren. Woher er'ihn nur hat. diesen unstäten Flattersinn, diese Unwahrhaftigkeit; mir ist ja von jeher jede Lüge ein Greuel gewesen, und von Dir" sie blickte zärtlich zu dem Gattcn auf hat er's auch nicht, Du Muster von einem Manne." Er antwortete nicht, er drückte sie an sich und starrte über ihren Kopf hinweg in's Leere. Wie ich Dich lieb habe, Gustav," sagte feine Gattin leise, wie ich Dich verehre! Ach, es ist doch das höchste Glück, die Gattin eines Ehrenmannes z.; sein. Und, will's Gott, schlägt Albert jetzt gut ein, er soll werden, wie sein Vater, gelt Du?" Sie küßte ihn zärtlich, er machte sich von ihr los. Ich habe noch ganz nothwendig zu arbeiten," sagte er hastig, laß die Lampe bringen, Anne." Sie sah ihm kopfschüttelnd nach, als er das Zimmer verließ, und ging dann auch sinnend hinaus. Ein paar Tage später stand Friede! in dem kleinen Holzschuppen des RathHauses und hackte Holz. Seit sie seine Mutter begraben hatten, war sein Gesicht noch finsterer geworden; ein Schmerzenszug lag um seinen Mund. der bei einem so jungen Menschenkinde unnatürlich war. Seine Arbeit ging Nicht sehr rasch von Statten, der Arm schien ihm weh zu thun, er ließ ihn öfters ruhen, und der Schmerzenszug in femem Gesicht trat scharfer hervor. Jetzt fiel ein Sonnenstrahl quer in den Schuppen, die kleine Thür öffnete sich und Inge schlupfte herem. Da bist Du ja," sagte sie fröhlich, ich hab' Dich im ganzen Hause gesucht was fehlt Dir. hast Du Schmerzen. Zigeunerlein?" Sie umschlang ihn mit bel)en Aermchen. Sie haben mich wieder geschlagen, brach Friedel los, o so geschlagenund nun soll ich Holz hacken, und ich kann's doch nicht, mein Arm ist lahm

und blutet. (Schluß folgt.)

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:-!-:-! mW l : :-: Inland Behält den Zopf. Der Chinese Ny Jung in St. Louis, Mo., wurde jüngst wegen Verausgabung von Falschgeld zu 90 Tagen Gefängniß verurtheilt. Er ist der erste Strafling, dem die Haare nicht abgeschnitten wurden. Jung erklärte dem Richter, daß die Beibehaltung seines Zopfes eine religiöse Sache sei und daraufhin erließ der Richter die Verfügung, in dieser Beziehung mit oem Chinesen eine Ausnahme zu machen. Erschoß seinen Vater Während er seine Mutter gegen die Angriffe feines durch Getränke rasend gwordenen Vaters vertheidigte, erschoß der 18 Jahre alte Joseph Connell in Vellport. N. I.. seinen Vater. Nach der Angabe der Frau Connell. begann ihr Gatte sie zu schlagen, und als seine beiden Söhne Frieden zu stiften versuchten, griff Connell seinen ältesten Sohn mit einer Axt an. Diefer zog einen Revolver und schoß auf seinen Vater. Die Kugel drang durch dessen Herz und verursachte feinen sofortigen Tod. Opferte sein Leben. Der 55jährige Bahnwächter John Morris in Hartford, Conn., büßte beim Versuche, einer unbekannten Frau das Leben zu retten, sein eigenes Leben ein. Die Frau befand sich mitten auf dem Geleise an einem Bahnübergange, als ein Zug heranbrauste; schnell entschlossen stürzte Moiris auf die Frau zu und warf sie bei Seite, konnte aber selbst nicht mehr rechtzeitig entkommen, sondern wurde von der Lokomotive erfaßt und getödtet. Die Frau und deren Begleiter verschwanden, ohne ihre Identität bekannt gemacht zu haben. Gefährliche Fahrt. In Los Angeles, Kal., wurde der Luftschiffer William, als er in einem Bal lon in die Höhe steigen wollte, gegen einen Telegraphenpfosten geschleudert und so schwer verletzt, daß er das Bewußtsein verlor. Er war aber am Fallschirm festgebunden, weshalb er nicht abstürzte. Während der Ballon. schnell in die Höhe stieg, hing der Körper des bewußtlosen Mannes herab, zum Schrecken der Zuschauermenge, welche gekommen war, um sich den Aufstieg anzusehen. Indeß entwich das Gas und der Ballon sank langsam herab. Morton streifte dabei die Zweige eines Baumes, doch trug er keine weitere Verletzung davon und erholte sich rasch wieder. Von einem Pferoe geschleift. Das Opfer eines grauenhaften Unfalles ist eine gewisse Anrne Thesklison in Chadds Ford, Pa.. geworden. Das erst 16 Jahre alte Mädchen führte ein Pferd an einem langen Seile und ließ es auf der Wiese hinter dem Farmhause grasen. Plötzlich scheute das Pferd und rannte davon. Der Zufall wollte es, daß sich das Seil derart um einen Fuß des Mädchens schlang, daß eine feste Schleife gebildet wurde. Das unglückliche Madchen wurde über Felder und Straßen bis fast in die Ortschaft Chadds Ford hinein, etwa zwei Meilen weit, geschleift. Das Pferd war früher m Chadds Ford gestanden und wollte offenbar nach seinem alten Stalle zurückkehren. Ehe es jedoch den Stall erreicht hatte, kollidirte es mit einem Wagen und kam zum Stillstand. Die Leute, die sich im Wagen befanden, waren entsetzt, als sie die Gestalt des Mädchens auf dem Boden fahen. Der Körper war kaum noch menschenähnlich. Irrsinniger mordet. Ein gräßliches Ende war Frau Michael Hammernick in Trenton. Mich., beschieden; von einem Irrsinnigen Namens Frank Lesner, dessen Pathin die Unglückliche war, wurde sie im Schlafe ermordet. Nach VerÜbung der Blutthat begab sich der Wahnsinnige auf die Straße und erzählte einem Polizisten, daß er Frau Hammernick getödtet, weil sie ihn und seine Familie behext habe. Dabei fragte er nach dem Wege zur Bahnstation, da er sich zur Arbeit in der Milcherei des Asyls für kriminelle Irrsinnige in Jonica begeben wolle. Frau Hammernick wurde von ihrem Gatten, als er von einem Besuch bei Nachbarn zurückkehrte, todt im Bette gefunden. Der Körper war von fünf Kugeln durchdrungen und der Schädel mit einem Stuhl eingeschlagen. Harter Schädel. Vor Kurzem schoß sich ein gewisser George Horsch in Baltimore. Md., in selbstmörderischer Absicht in den Kopf, aber zum Erstaunen der Aerzte ist der Patient nicht nur noch am Leben, sondern sogar wieder ganz genesen. Von den Kugeln drang eine über dem rechten Ohr. die andere unter der rechten Schläfe in den Schädel und jede derselben war genügend, den Tod herbeizuführen, während Horsch nur an zeitweiliger Lähmung litt, die aber jetzt auch verschwunden ist. Schon vom zweiten Tag an kam Horsch wieder zu vollem Bewußtsein und nach fünf Tagen rauchte er wieder eine Ciga're. Sein Gedächtniß ist normal und er versteht Alles, was um ihn vorgeht. In Mexiko trat kürzlich die Goldwährung in Kraft, ohne die geringsten Störungen im Geschäftsbetriebe zu verursachen. Der jetzige Pesq hat einen Werth von 60 Cents w GolH