Indiana Tribüne, Volume 28, Number 249, Indianapolis, Marion County, 12 June 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 12. Juni 1903

Die Jagd nach j dcm Mann ttornan von Maseimilian SSrtcver I

(Fortsedung.) rTie Herrin des Hauses hatte selbst Posten gestanden, al- der Baron vorfuhr. Es war ein sommerlich heiher Tag. wie ber Herbst in seiner wunderZichen Laune ihn öfters schickt, und Frau Röschen litt Höllenqualen in ber drangvoll-furchterlichen (nge des Korfetts, das man mit vereinten Kräften so lanae zusammengeschnürt hatte, bis endlick? die 2rur eines Taillenansatzes nöitax geworden war. Nun eilte sie pucnd zur Thür, rief d:m Kutscher: .Hermann, Hermann, der Freiherr kommt!" zu, schob Finchen mit de Worten: ehalte Tich brav!" in den Salon und ließ dann, gänzlich txschöpft von so viel Anstrengung, ihr? zweieinhalb Centner auf das ächzende Sofa fallen. Fachen, die im Talon vor den hohen Pfeilerspiegel getreten war, um rasch noch einmal den weißen Atlaseinsatz ihres feuerrothen Tuchkleides zurechtzuzupfen, athmete schwer, als sie drauhen die Klingel anschlagen hörte. Mein Gott gewiß sie hatte sich dem armen Brömel ja eigentlich heimlich versprochen, aber konnte es ihr ein Mensch verdenken, wenn sie lieber einen Baron als einen Provisor haben wollte? Ueberdies die Eltern würden eine Heirath mit Brömel ja doch nun und nimmermehr zugegeben haben Hermann öffnete mit einem grandiösen Wuppdich die Thür und rief, wie es ihm einstudirt war, mit Stentorstimme: .Der Herr Baron v. Weistritz'" Bodo trat mit höflicher Verbeugung über die Schwelle. Fräulein Brennert, nicht wahr?" fragte er verbindlich. Finnen neigte mit einem bestrickenden Lächeln den rothbraunen Krausköpf. .Ihr Herr Papa war gestern bei mir, gnädiges Fräulein, und hat mich leider verfehlt. Nun hätte ich gern erfahren, was mir die Ehre seines Besuches verschafft hat." sollen Sie nickt, bitte, Platz nehmen, Herr Baron." Finchen ließ ihren berühmten Augenaufschlag spielen, den ihre Freundinnen den tödtlichen" nannten und rief dem noch an der Thür weiterer Befehle harrenden Diener zu: Gehen Sie rasch in die Fabrik hinüber, den Herrn zu holen, verständigen Sie aber vorher die gnädige Frau!" O, wenn der Papa beschäftigt ist," suchte Bodo abzulehnen. ,ch möchte durchaus nicht stören und komme schon ein andermal mit beran." Nein, nein! Meine Eltern würden untrönlich sein, würden es mir nie dergeben, wenn ich Sie gehen ließe," protestirte Finchen und nahm ihm kurzentschlossen den Hut aus der Hand, um ihn abseits auf einem vergoldeten Marmortischchen niederzulegen. Der Baron ließ sich mit einem unterdrückten Seufzer auf einen Sessel nieder. .Ich kann Ihnen gar nicht sagen," hub Finchen wieder mit ihrem tödtliehen Augenaufschlag an, wie glücklich ganz Ebersthal darüber ist, daß sich die Nachricht von Ihrem Tode nicht bewahrheitet hat, Herr Baron. Wir haben alle Ihren hohen persönlichen Muth so sehr bewundert. Ihre Sympathien gebörten doch auch dem armen Bauernvölkchen, nicht wahr? Und wir haben die Stunde Ihrer Heimkehr geradezu herbeigesehnt, denn in solchem Nest verdurstet man förmlich vor Verlanqen nach anreaendem geistigem Verkehr!" Bodo wußte nicht recht, was er auf diese nicht ungewandte Schmeichelei antworten sollte. Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, bis zu dem modernen Bechsteinflügel hin und fragte schließlich, etwas sprunghaft: Spielen Sie Klavier, gnädiges Fräulein V Finchen rümpfte das Stumpfnäschen. ja " gab sie gedehnt zurück, aber nicht gern. Es wird heutzutage so schrecklich viel Klavier gespielt, alle Mädcken mitunter selbst die Dienstmädchen spielen Klavier. Da wird einem das Gehämmer schließlich über. Jedenfalls ziehe ich das Violinspicl vor," schloß sie. als sie sah, daß der Baron sie mit einer gewissen Verwunderung anblickte. .Spielen Sie selbst Violine?" fragte er, als sie nun scm?ieg und mit ihren langen Nägeln knipste, die hübsch spitz zugeschnitten und rosig polirt waren. Soso lala," kam die burschikose Antwort. Früher hab' ich allerdings hohe Pläne gehabt, dachte mich zur Virtuosin ausbilden zu lassen, aber meine Eltern legten ihr Veto ein, sie wollten nicht, daß ich mit der Fiedel umherzöge von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Aber Sie, der Welterfahrene Mann, sind gewiß über derartige Vorurtheile erhaben?" unterbrach sie sich und sah den Baron groß an, wobei sie ihre kleinen blitzblanken Zähnchen kokett in die volle rothe Unterlippe grub. Nicht so ganz," gab Bodo zurück. Jedenfalls um ein Beispiel anzuführen möchte ich mir meine Frau auch mal lieber aus dem Burgfrieden eines stillen Elternhauses als aus

einem geräuschvollen Konzertsaal holen." Finchen lachte ein kurzes, echt silbern klingendes Lachen. Ach, die Männer sind Egoisten alle miteinander!" Dabei vollführten ihre bellbraunen Sitzbubenaugen wieder den berühmten Aufschlag, der wirklich von bestrickendem Rei war: erst ein ganz bedächtiges, gleichsam verschleiertes H?ben der feinbewimperten, halbgesenkten Lider, dann eine langsame Qrerwanderung der glänzenden Augäpfel und plötzlicki ein blitzartiges Aufzucken des Blickes schräg nach oben, mitten in die Augen des Gegenübers hinein. Egoisten wieso?" fragte der Baron in lebhaftem Ton. Er. der jährelang keinerlei Verkebr mit Damn gehabt, fühlte sich, wohl auch infolge der trüben Erfahrungen, die er im Fleidner'schen Hause gemacht, durch Fräulein Brennert entschieden angeregt. Finchen sah auch wirklich sehr hübsch aus in dem rothen Kleid mit dcm weiren Einsatz: alles an ihrer Erscheinung deutete auf peinlichste Pklege hin, ihre Hände zum Beispiel erinnerten Bodo soaac unlrilllürlich an die Hände feirer Mutter, und der ein wenig pikante Ausdruck ihres Gesichts, der teo'l yaupnachllch von oem roiyoraunen Krauskopf und dem vollen rothen Mund herkam, wurde angenehm gemildcrt dmch die Schmalheit der zarten Wangen, wie durch die edle Schlankheit der durchaus harmonischen und eidechsenhafl biegsamen Genalt überhaupt. .Nun ja," antwortete Finchen, indem sie sich weit in ihrem Sessel zurücklehnte, was würden die Herren der Schöpfung denn wohl sagen, wenn wir Frauen etwa von ihnen verlangten, sie

müßten sozusagen geradeswegs aus dem Kloster kommen, falls sie mit ihrer Bewerbung um uns Gnade vor unseren Augen finden wollten?" Dem Baron blieb die Antwort auf diese Doktorfraze erspart, denn Frau Brennert, in resedafarbenem Plüsch mit knisternder Seide darunter, rauschte in Zimmer. Sie spottete zwar immer über die Sucht ihrer lieben Franke, sich mit Schmuck zu behängen, hatte aber heut selbst alle Ringe auf die Finger und eine tha!.cgroße Brillantbrosche an den Kragenschlutz gesteckt, um auch dadurch dem Freiherrn den soliden Wohlstand ihrz Hauses vor Augen zu rücken. Sie streckte ihm die glitzernde Hand zum Willkommen hin und konnte nicht Worte genug finden, ihrer großen Freude gebührenden Ausdruck zu verleiben. Da Vodo sie natürlich nach ihrem Herrn Gemahl fragte, nahm sie sofort die günstige Gelegenheit wahr, um sich über des Theuren allzu große Jnanspruchnahme durch den gewaltigen" Betrieb seiner Fabrik auszulassen. Ja," schloß sie mit einem tiefen Seufzer, wenn wir einen Sobn ffoA ten, so hätte sich mein Mann gewiß längst schon zur Ruhe gesetzt, denn er hat für seine Familie genug und übergenug erworben. Abcr das Wert seines Lebens, das er sozusagen aus dem Nichts herausgeschaffen, in fremde Hände zu geben das bringt er nicht über sich." Das verseinerte Fincbsn fand es at schmacklos, vor einem Aristokraten, der seinen Stammbaum fünfJabrhundsrte weit zurückführen konnte, mit dem ölduftenden Glanz einer Fabrik prunken zu wollen, und sie bombardirte ihre Mutter mit mißbilligenden Blicken. Frau Brennert aber war nicht zu halten, sie fühlte sich allzu sehr durchdrungen von dem Werth und der Würde der Frau, die es- von der Ladenmamsell bis reichlich zur halben Millionärin gebracht hat, gab dem Baron eil.en kurzen Abriß ihrer Lebensgeschichte und sprach dann wieder in verblümten Ausdrücken von dem vielen Geld, das ihr Mann verdiente. Man mußte es dem Freiersmann doch einigermaßen deutlich machen, daß die hunderttausend Mark, die seine künftige Frau ihm als Mitgift bringen sollte, hier ohne weiteres zur Disposition standen. Bodo sah sich schließlich genöthigt, zu fragen: Was für eine Fabrik betreibt Ihr Herr Gemahl eigentlich?" Ah kennen Sie denn nicht die berühmten BrennertschenParsümerien? Auch nicht das Brennertsche Veilchenparfüm. das heutzutage einen Weltruf genießt, und das wir sogar nach Frankreich liefern?" Sie griff nach einem goldenen Fläschchen, das ihr neben an--derem Krimskrams am Gürtel baumelte, und schraubte den Verschluß lose. Weil es so großen Erfolg gehabt hat," fuhr sie dabei andachtsvoll fort, trage ich immer ein Pröbchen bei mir gewissermaßen aus Pietät!" Mit liebenswürdigem Lächeln spritzte sie dem Bzron ein paar Tropfen auf den Rock. Ten Duft durch die Nase ziehend, erwiderte er. scheinbar sehr ernsthaft: In der That sehr schön, ganz wie frische blühende Parmaveilchen." Da lachte ste hell auf und schloß: Das ist das Komische dabei e sind nämlich gar keine Veilchen zu dem Odeur verwendet. Nicht möglich!" Ja, de.iken Sie sich, es ist meinem Mann nach vielen mühseligen Versuchen gelungen, ein ätherisches Cel zu destilliren. das genau wie Veilchen duftet. obgleich gar keine drin sind." Finchen saß bei dem Geschwätz ihrer Mutter wie auf Kohlen. Ein paarmal schon hatte sie den Blick zur Decke emporgeschlagen, und jetzt fragte sie mit einer Hast, in der sie die Ironie deutlich betonte: Die Bekanntschaft meiner verehrten Tante, der Frau Postmeister

Franke, haben Sie ja' wohl schon gemacht, Herr Baron?" Bodo sann nach. Eigentlich wußte ich nicht. Das heißt gesehen, flüchtig geseben. habe ich die Dame schon einmal, im Bureau des Justizratys Raumann. Aber die Ehre, ihr vorgestellt zu werden, hatte ich noch nicht!" So, so." Frau Brennert blinzelte ibre Tochter, halb entrüstet, halb schadenfroh an. Da hat sie also wieder mal geflunkcrt!" Endlich, als Bodo sich schon ans dem Staub machen wollte, kam der Fabrikbesitzer. Er begrüßte den Gast wie einen alten lieben Freund und sagte, sich vor Vergnügen die Hände reibend: Ich wollte Sie neulich schon etwas fragen. Sie erinnern sich gewiß nicht mehr unserer alten Bekanntschaft von vor fünf Jahren, gelegentlich der Fahnenweihe unseres Kriegeroereins? ch hatte damals die l?bre. auf ßi als auf den Angehörigen unseres schneidigsten Kavallerie - Regim.ents, einen Toast auszubringen. Aber wenn ich mir ein llrtheil erlauben oas in Civil gefallen Sie mir doch noch bei Weitem besser als damals in der Uniform, lind " Er ließ eine kilometerlange Rede los, tet oer oen aron nur das eme in Verwunderung setzte, daß ihm nicht der Athem wegblieb. Zum Schluß brachte er die Einladung zum Stifiungsfst des Äerschönerungsverei'.lS in so lie-benswürdig-verbindlicher Form vor, daß der Baron, wollte er nicht unhöflich sein, sein Erscheinen schlechterdings zusagen mußte. So verlief der Besuch ganz pro grammmäßig und zur vollsten Zufriedenheit Frau Röschens. Nur das eine that ihr leid, daß der Freiherr jede, auch die kleinste Erfrischung dantend ablehnte, und daß folglich Hermann mit seinem silbernen Präsentirbrett und den weißen Baumwollhandschuhen nicht in Aktion treten konnte. Bodo war kaum ein Viert-lstündchen von Brennerts fort, als Frau Franke, geborene v. Jsebiel, mit Zorn geladen, die gastliche Schwelle überschritt. Von ihrem Mädchen, das einen Gang zum Kaufmann gemacht, hatte sie erfahren, daß der Wagen des Aarons mindestens eine halbe Stunde vor der Thür des Fabrikbesitzers gehalten hätte. Nun?" fragte sie ihre liebe Kousme. die inzwischen Plüschkleid und Stiefel schleunigst wieder mit Morgenrock und Pantoffeln vertauscht hatte, auf welche Weise habt Jhr's denn zuwege aebracht, den Baron an Euch zu locken?" Auf welche Weise?" fragte Frau Recken spöttisch zurück. Das will ich Dir gern verrathen. Der Herr Baron ist gestern Abend einsam und unerkannt durch die Straßen unserer Stadt geaangen, um heimliche Beobachtungen anzustellen. Da hat er meine Töcbter das Beetboven'sck'e Trio für Klavier, Violine und Harfe spielen hören, und ist nun zu uns herausge kommen, um zu erfahren " Haha! Weistritz als Harun al Ra-

fchid!" unterbrach die Postmeisterin mit giftigem Lachen. Wer Dir wohl solchen Unnn glauben soll!" Das N'lpferd" zuckte die Achseln. Aber lieble Sophie, Du mußt doch nicht immer von Dir auf andere schließen." Sie räusperte sich und fuhr fort: Ich brachte das Gespräch mit dem Baron, der sich sei uns sehr wohl zu fühlen schien, auch auf Tich. Er konnte sich aber durchaus nicht an seine Bekanntsckaft mit Dir erinnern, von der Du uns neulich erzählt hast!" Da muß der Herr wohl ein sehr schlechtes Gedächtniß haben," versetzte Frau Franke, deren Nase schon wieder ganz weiß und spitz geworden war. Da sie es abcr meisterhaft verstand, Trumpf mit Trumpf zu bedienen, so fragte sie gleich mit heuchlerischer Antbeilnahme .weiter: Emma. Flora und Finchen haben ihm also vorgespielt?" Gewiß!" Aha nun versteh' ich auch, weshalb er nachher so eilig in seinen Wagen sprang und den Kutscher auf die Pferde einHauen ließ, als wären die Furien binter ihm her!" .Weißt Tu. Tante, Deine Grobheiten kannst Du Dir schenken," ereiferte sich Emma, die Dreißigjährige, die auf ihre Art, die Harfe zu meistern, sehr stolz war. Doch die Postmeisterin hatte noch lange nicht all ihre Galle ausgespieen. Sie musterte Finchen, die sich gern putzte und deshalb, dem Befehl der sparsamen Mutter trotzend, die rothe Paradegarnitur noch nicht abgelegt hatte, mit einem prüfenden Blick und fragte: Finchen hat den Besuch des Barons wohl vorhergeahnt, daß sie sich schon vor Tisch in Gala befindet? Uebrigens ich bin auf dem Wege hierher in die Apotheke mit herangesprungen, um mir meine Antipyrinpulver neu machen zu lassen. Der Provisor, der auch schon von des Barons Besuch bei Euch unterrichtet war, scheint rasend eifersüchtig. Wenigstens lief er hinter dein Ladentisch herum wie ein Löwe im Käsig. Ich will meine Antipyrinvulver lieber noch einmal von Meinhardt selbst prüfen lassen, ehe ich sie einnehme. Schließlich hat mir Brömel in seiner Verzweiflung Strhchnin anstatt Antipyrin eingemacht." Finchen, die sich, wie immer, bequem hintenübergelehnt im Sessel gerekelt hatte, bog ihrd eidechsenhafte Gestalt langsam und bechtig weit vornüber, so daß sie Frau Franke von unten herauf mit einem feindselig-lauernden Blick in's, Gesicht sehen konnte, und

schlang dabei die feinen weißen Finger lässig ineinander. Liebe Tante," sprach sie mit einem eigenthümlichen, gleichgiltig-gemessenen Ton, neulich hab' ich Dein Geschwätz über mich und den Meinbardt'scken Provisor einfach ianorirt. Da Du aber heute auf Deine Anzapfung zurückkommst, so mutz ich Dir doch sagen, daß Du endlich das schöne Sprichwort: .Jeder fege vor seiner Tbär!' beherzigen lernen solltest. Deine Elfriede, die ich sonst wirklich sehr gern habe, ist nahe daran, sich mit der stillen Verehrung, die sie dem albernen Hans Fleidner entgegenbringt, unsterblich lächerlich zu machen." Du bist wohl toll!" fuhr die geborene v. Jsebiel sehr unaristokratisch auf, machte aber, nachdem sie nou) einige weitere verwandtschaftliche Aufklärungen empfangen hatte, daß sie davon kam. Und während die Bre:'nert'schen Damen über die Abfertigung. die sie dem Telegrapbenbureau" endlich einmal hatten angedeiben lassen können, in eitel Lust und Wonne schwammen, ergoß sich im Franke'sckcn Hause über das Haupt der armen verliebten Elfriede ein Ungewitter, bei dem es soaar zum Einscklaacn kam. 9. K a p i t e l. it jedem Tag, ja mit jeder Stunde, die Bodo, emsig thätig von früh bis spät, in den Feldern und Wäldern von Ebersthal und Hcrbartshöhe zubrachte, wuchs ihm das Erbe seines Onkels mehr an's Herz. Besonders thaten es ihm, dcm leidenschaftlichen Jäger, die Wälder an, deren Umfang doppelt so groß war als der des Ackergeländes. Jetzt, da die Nächte anfin gen, kühler zu werden, begannen in den Schluchten und Gründen des seit vielen Jahrzehnten liebevoll geschonten Reviers die Hirsche ihren gröhlenden Brunstschrei auszustoßen; und in ihrer ruhelosen Eifersucht auf die reichlich vorhandene Nebenbuhlerschaft boten selbst die heimlichsten und verschlagensten von ihnen, die sich sonst Sommer und Winter von keinem Menschenauge seben ließen, die Möglichkeit erfolgreichen Anbirschens. Der Gedanke: ein kurzes Jahr und alle Herrlichkeit bat wieder ein Ende, der Bodo schon zum ständigen Begleiter geworden war, der spät am Abend mit ihm schlafen ging und im frühen Morgendämmern mit ihm aufstand, zeichnete in sein lebensprühendes Gesicht bald den Ausdruck grollender Bitterkeit. Ob er durch die Wälder schritt, oder über die Felder ritt, ob er die Wirthschaft inspizirte oder an seiner einsamen Tafel saß, immer hatte er die Brauen herabgezogen, immer die Stirn in Falten. Administrator Schrötcr hatte das natürlich bald weg, und eines nebligen Oktobermorgens, als Bodo trotz eines ganz außergewöhnlichen WeidmannsHeils nicht Heller blickte, zauste sich der Alte nach Erledigung des FrührapPorts ein Weilchen seinen Bart und hub dann an: Sie müssen sich det nich so zu Herzen nehmen, Herr Baron ick meine die Jeschichte mit die . . . na, mit die verdrehte Testamentsbe-

stimmung. Ihr Herr Onkel muß sie woll in 'ner sehr wunderlichen Stunde ausgesetzt baben, denn seine wunderlichcn Stunden hat er nu mal jehabt det weeß ick am besten." Er hielt inne und sah seinem Herrn, an dessen Seite er den steilen Fußweg vom Schloß zum Gutsgehöft hinabstieg, mit einem rafchen Blick in's Gesicht, um sich zu vergewissern, ob seine Anspielung auch nicht etwa krumm genommen würde. Doch Bodo, dem es sehr lieb, fast eine Art Herzensbedürfniß war, über den Konflikt, der ihm das Leben schwer machte, einmal die Meinung eines alten, welterfahrenen Mannes zu hören, sagte freundlich: Reden Sie nur getrost weiter, lieber Schröter." 4& (Portsetzung folgt.) 3 Drahtlose Hilfe in Geldnotb. Den Werth der drahtlosen Telegriphie zu erproben, hatte jüngst ein Reisender des Schnelldampfers Kaiser Wilhelm II." vom Norddeutschen Lloyd Gelegenheit. Als nämlich das Schiff schon zur Abfahrt in Bremerhaven bereit war, entdeckte er zu seinem nicht geringen Schrecken, dcch er seine ganze Baarschafl im Werthe von 2400 Mark in dem Hotelzimmer in Bremen, wo er abgestiegen war, hatte liegen lassen. In größter Bestürzung theilte er dem Kapitän fein Unglück mit, du gerade noch vor der Abfahrt des Dampfers die Vertretung des Norddeutschen Lloyds in Bremerhaven beauftragen konnte, telephonisch in dem Bremer Hotel über den Verbleib des Geldes nach zufragen. Während nun der Dampfer weserabwärts dem Meere zufuhr, traf auf ihm, schon eine halbe Stunde nach seiner Abfahrt, mit drahtloser Telegraphie die Nachricht ein, daß die Geldsumme in dem Hotelzimmer (sie lag fürforglich verwahrt und unversehrt unter dem Kopfkissen) gefunden worden sei und daß der Betrag von dem Zahlmeister des Dampfers an den Neisenden auszuzahlen sei. Hasernenlso?blütt?on. Hauptmann: Kerls, das Karree, das Ihr gebildet habt, sieht ja aus wie ein Schweinestall! Laßt mich 'mal 'raus!Sergeant: Seht 'mal, Leute, wer nie Soldat gewesen ist, mutz sich ohne richtige Knie- und Rumpsbeugen erlernt zu haben durch'ö Leben stümpern."

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