Indiana Tribüne, Volume 28, Number 248, Indianapolis, Marion County, 10 June 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 1. Juni 1905.
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Die Jagd nach j
dem Mgnn l Vornan von Ittaxtmilian ättdrer i I (Fortsetzung.) .Das Geweih soll einen Ehrenplatz über meinem Schreibtisch haben, als Trophäe des ersten Jagdbaren von der eigenen Scholle!" überlegte er im Ueberschwanq seines Frohsinns. Plötzlich fiel ihm ein, datz Ebersthal ia nie seine eigene Scholle werden sollte, daß er sich ja vorgenommen hatte, Martha zuliebe dem Erbe zn entsagen, daß er ja nur ein Jahr lang bleiben wollte, um sich wenigstens für diese fure Sranne die Einkünfte aus dem Weistritz'schen Vermögen zu sichern und unter Schröters Leitung etwas Tüchtiges von der Landwirthschüft zu lernen. Seine Brauen zogen sich zusammen, seine daseinsfreudige Stimmung war wie weggewischt; übellaunig trat er den Heimweg an. Längs der schäumenden Weistritz ging er dahin, aus deren lichtklarem Wasser hie und da eine Forelle emporschnellte. Es ist gerade, als wenn sich die Blauschwän,e mit ihren Luftsprüngen über mich lustig machen wollen!" dachte er und schlug zornig mit seinem Jagdstock in die pfeilschnell dabinschießende Fluth. In den Wiesen dicht an der Chaussee, die noch nicht gemäht waren, sprang ein starker Rehbock aus dem brusthohen Grase und stellte sich auf dem Fußvfad schußrecht vor ihm aus. Doch Bodo nahm die Büchse nicht von der Schulter. Mach, daß Du nach Hause kommst. Tölpel!" rief er dem Bock zu, der staunend den zierlich-klu-gen Kopf aufwarf und dann in toller Flucht durch Ried und Rüben den dunklen Forst zu gewinnen strebte. Die Sonne ging auf, rosig legte sich ihr Licht über das bunte Feld. Bodo aber hielt den Blick krampfhaft vor sich auf die Chaussee gesenkt. Nur nichts sehen, nichts sehen von all der jungen Morgenherrlichkeit! Eine Weile war er dumpf brütend dahingegangen, als das Geräusch sich nähernder, schwerer Schritte ihn aufschauen machte. Schnitter waren es. Die Llanken Sensen über den Schultern, zogen sie aus, die letzten Wiesen zu mäben. Schon von Weitem grüßten sie ihn mit unterthanigem: Guten Msrgen, gnädiger Herr!" Hundert Schritte hinter ihnen bog eine Kolonne Arbeiter undArbeiterinnen mit Hacken. Körben und Säcken beladen, in einen Seitenweq ein. Sie gingen in die Kartoffelfelder; ein Unterinspektor führte sie; ihre braunen Gesichter glänzten im Frühlicht. Alles seine Leute von heute bis über's Jahr! Bon fernher tönte das Getriebe des Wirthschaftshofes an Bodos Ohr: das Sausen der Lokomobile, die eine surrende Dreschmaschine trieb, das Brüllen der Kühe, das Geblök der Schafe, das Krähen, Gackern. Schnattern und Gurren des Federviehs. Als er näher kam, hörte er Schröters Stimme, der mit einem DonnerWetter" nach dem andern den Pslügern aus )ie Beine half. Nun zogen sie durch den breiten Thorweg hinaus, eine schier endlose Reibe. Auqstiere. bayrischer u?.d ostpreußischer Rasse, zu zweien und zweien, das Joch auf dem Nacken, schwerwandelnd" wie sie Homer genannt, wohl zwanzig Paare. Tann die Pferde in Bierergefpannen, Braune, Rappen, Schimmel, bunt durcheinander, wohl auch gegen vierzig an der Zahl. Und ebensoviele gingen um diese Stunde von Herbartshöhe und den Vorwerken Wilhelmsruh und Tiefensee ihrem Tagewerk entgegen. Und alle waren sie sein Eigenthum auf zwölf Monate! Bodo wollte sich am Wirthschaftshof vorbeistehlen, aber der Administrator, dessen helle Augen überall waren, rief ihn an und fragte, ob der Herr Baron nicht einen Augenblick zur DreschMaschine mitkommen möchte, um sich den Weizen anzusehen, der in diesem Jahre so herrlich gerathen wäre wie seit lange nicht. Und Bodo sah die goldene Frucht aus den Trichtern in die Säcke rinnen, die. immer im Nu voll, von geschäftigen Händen zum Speicher geschafft wurden; er sah die Scheunen, deren rothe Mauern den weiten Wirthschaftshof wie eine Schutzwehr gegen Noth und harte Zeit umgaben, und die von der Banse bis zum Dachfirst vollgestopft waren mit raschelnden, körnerschweren Garben. Und Sckröter schleppte ihn weiter zu Kühen und Schweinen, bei denen Wer Nacht zwei Kälber und ein Dutzend Ferkel angekommen waren, und dann in den Sckafstall. in dem weit über tausend Schafe standen, und auf dessen Gebälk Hunderte von Tauben nisteten. Zuletzt, bei den Fohlen, fragte der Alte, ob er nicht ein Paar von den Vlermo rigen. die von der englischen Stute und dem Trakehner Hengst stammten, zu Galakutschpferden einfahren und die Rappstute, die ganz ohne Abzeichen war. zum Reservereitpferd für den Herrn Baron zurechtmachen lassen solle. Zfmn Sie, wie Sie wollen," ant wortete Bodo, griff grüßend an seinen Lodenhut und ging davon. Als er den steilen Berg zum Schloß hinaufstieg, lag der Widerschein der Morgensonne mit rothgoldenem Ge-
blitz und Gefunkel auf' den blanken
Fensterscheiben, so daß es aussah, als wäre Feuer in den Räumen dahinter. Illumination zu Ehren des neueingezo,7enen Schloßberrn," dachte Bodo mt bissigem Humor; heute über s Jahr kann Frau Sonne zu meinem Abschied illuminiren." Am Kaffeetisch, den Johann auf der nach dem See hinausliegenden Terrasse gedeckt hatte, hielt er sich nicht lange auf. An die Arbeil. an die Arbeit!" rief's in ihm; die Gedanken übertäuben, müde werden und dann Abends einschlafen, ohne daß sie wieder Macht über dich gewinnen können. Und morgen wieder mit dem frühesten 'raus nur nicht zur Besinnung kommen!" Er ging xu dos ganz mit Marmor ausgeschlagene Badezimmer, um in die Wanne zu steigen, und dachte: Vorm Jahr hast du im Modder-, und Rietfluß gebadet, und nächstes Jahr wirst du wohl irgendwo auf emer ervarmlichen Pachtklitsche in eine verbeulte Wanne aus ehemals weihlackirtem Blech klettern. Na, immer zu!" Tann warf er sich auf's Pferd und galoppirte in die Felder. Am Nachmittag ging die Fahrt wie gewöhnlich nach Herbartshöhe. Es trieb Bodo. das weiße Herrenhaus zu betreten das sehr viel jünger, aoer auch sehr viel kleiner war als der alte Kasten" in Ebersthal. Die eme Hälfte bewohnte Inspektor Tepper mit seiner Familie, die andere war fast leer. Nur wenige Raume, das Schlaf- und das Wohnzimmer seiner Mutter, die Arbeitsitube seines Vaters und einen kleinen Ecksalon, hatte Onkel Armin pietätroll in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Bodo wurde es schwer um's Herz, als er die alten, lieben Räura durch schritt. Im Schlafzimmer mit der Rosenmalerei an den Wänden und den hellblauen Seidenvorc)ängen stand noch die vergoldete Wiege, in der er die ersten Monde seines Lebens zugebracht. Im grünen Ecksalon über dem Kamin hing em Oelbild seiner Mutter. Kmdheitserinner'ingen stürmten auf Bodo ein. Er sah die blasse, schlanke Frau, die ihn geboren, aus dem Bildrahmen steigen, er hörte ihre leise Stimme, die immer gedruckt geklunqen hatte von Qual und &oxqt um des Gatten leicht sinniges Treiben; es war ihm, als strichen der Mutter feine, weiche Hände ihm, dem Knaben, noch einmal über die vom tollen Spiel erhitzten Wangen. Und er gedachte des Tages, an dem sie nebenan, im großen Salon, der nun ganz leer war. unter Kränzen und Blumen gelegen. Im weißen Kleide. still und stumm, und die Kandelaber mit den vielen brennenden Lichtern zu Häupten. Neun Jahre war er alt geween, als sie von ihm gmg. Auch des Vaters gedachte Bodo. War der auch nie im Stande gewesen, sein wildes Blut zu zügeln, er blieb darum sein Vater; noch heute hatte er ihn lieb, und es stand ihm nicht zu. über die Fehler des Todten zu rechten. Wie schön." überlegte Bodo, wen .: du die geweihten Räume hegen und pflegen könntest gleich einem Tempel. Wenn du immer dafür sorgen könntest, daß es hier nie an den Blumen fehlt, die deine Eltern so gern hatten Rosen die Mutter. Nelken der Vater. Und daß anch die Gräber draußen im Park wieder ihre rechte Pflege hätten." Wieder stieg der heiße Groll gegen Onkel Armlnius in ihm auf. Warum die verrückte Klausel im Testament, obgleich es dem Alten doch kein Geheimniß gewesen sein konnte, daß Martha Fehlow ihn liebte und er Martha Fehlow? Warum nur in aller Welt? Wenn er wenigstens wüßte, ar wen Ebersthal und Herbartshöhe fallen sollten, falls er die gestellte Heirathsbedingung njcht erfüllte,! Al er enolicy icylasen ging, war er doch nicht müde, trotz des langen TageWerkes, das er bis in die späte Nacht hinein ausgedehnt hatte. Ruhelos wälzte er sich im Bett und dachte immer wieder: Hol's der Henker! Es wird mir verflucht sauer werden, all die Herrlichkeit hier über's Jahr im Stich lassen zu müssen!" Am nächsten Tage, gegen Mittag, ließ er die Kalesche anspannen, um nach Ebersthal zu fahren und Frau Fleidner seine Antrittsvisite zu machen. In dem inhaltsschweren Gespräch bei Raumann hatte er Martha den Besuch schon für den vergangenen Tag versprochen, und er hatte nicht Wort gehalten, weil Groll und Mißstimmung zu stark in ihm gewesen waren. Nun trieben ihn Gewissensbisse und heiße Sehnsucht mit gleicher Gewalt zu der Geliebten. Die Kommerzienräthin. die seit des Barons Rückkehr mehr denn je auf ihre Schönheit bedacht war. plagte sich noch mit der Toilette, und die übrigen Herrschaften wiometen sich ebenfalls noch ihren verschiedenen privaten Bestrebungen, als der Weistritzsche Wagen am weißen Sckloß" verfuhr. Hans dichtete im Schweiße seines Angesichts an einem Prolog für das Fest oes Verschönerungsvereins. Da er sich dabei an einen ganz bestimmten Vorwurf halten mußte der Reinertrag des Festes sollte der Umgestaltung des Marktplatzes dienen und sich also alles symbolistischen Gefasels enthalten mußte, so wollte ihm die Arbeit durchaus nicht glücken, obgleich er schon aus dem blauen Milieu seines Allerheiligsten auf den .Diwan seines türlischt eingerichteten Salons geflohen war und dort wieder einmal zu Rheinwein und Cigarren seine Zuflucht genommen hatte. Fräulein Gertrude beantwortete den
letzten sechzehn Quartseiten langen Brief ihres nie gesehenen Wiener Seelenfreundes. der um ein Darlehen von tausend Gulden gebeten hatte, um seine Werke drucken lassen zu können, für die er keinen Verleger fand; und Klara erholte sich auf der Chaiselongue bei sechs Kaviarbrötchen und einer Ramt Eierbou'cllon von den Strapazen ihrer zweistündigen Bergbesteigung." So hatte Bodo das Glück, von Martha allein empfangen zu werden. Ich bitte Dich," sprach er nach der Begrüßung ohne jede Einleitung, gib mir mein Wort zurück. Laß mich fort von hier je eher, je lieber. Der Zauber der Heimathscholle und die Macht alles dessen, was ich mir einst als Ziel meiner Wünsche erträumt habe, ist zu stark. Wenn ich dem Einfluß auch nicht unterliegen werde Dich zu haben, wird immer mein höchstes Glück bleiben , so fürchte ich doch, es kostet mir mein halbes Leben, Ebersthal lassen zu müssen, nachdem ich ein Jahr lang wieder Wurzel geschlagen habe in seinem Boden." Martha warf das blonde Haupt zurück. Aber ... ich verstehe Dich nicht! Wo willst Tu denn hin? Jn's Blaue hinein als Volontär auf irgend ein Gut, wo das Interesse, das man Dir entgegnbringt, sich in die Frage fassen läßt: Wird er auch die vereinbarte Pensionssumme an jedem Monatsersten pünktlich zahlen? . . . Nirgends kannst Tu doch bessere und billigere Gelegenheit haben, Ordentliches zu lernen. als unter Schröters Leitung. All das schöne Geld, das Du anderswo
verbrauchen würdest, kannst Du hier ersparen und zurücklegen als angenehmen Zuschuß für den späteren Kauf eines Gütchens oder für die Uebernähme einer Pachtung. Ein kleiner Landwirth, wie Du's später sein wirst, muß mit jedem Thaler rechnen, wieviel mehr noch mit jedem Tausendmarkschein. Alle Vortheile gelten!" In Bodos Brust stieg eine quälende Empfindung auf. Ist sie wirklich nu? auf eine'nlözlichst sorgenlose Zukunft für mich bedacht, oder denkt sie auch an ihren eigenen Nutzen? Ist sie etwa gar eine berechnende, geldgierige Natur?" Doch ehe er ihr noch antworten konnte, begann der Empfangssalon sich zu bevölkern. Gertrude hatte darüber, ob sie die erbetenen tausend Mark schicken solle oder nicht, durchaus nicht mit sich in's reine kommen können, denn am Gelde hingen die Fleidners infolge erblicher Belastung vom Vater her alle; sie war überlegend an's Fenster getreten, hatte des Barons Wagen vorfahren sehen und sofort ihren mehr in einer Wolke von Tabaksqualm als in höheren Regionen schwimmenden Bruder verstandigt. Gefahr für die pietätvolle Wittwenschaft seiner jungen Stiefmutter witternd, beeilte sich der, mit Gertrude in's Parterre hinabzusteigen, und wirklich mußte er zu seinem Entsetzen gewahren, daß Frau Ilse, auch eben eingetreten, ihren vornehmen Gast mit herausfordernder Herzlichkeit" 6e grüßte und dabei ein neues Hauskleid aus hellgelber japanischer Seide trug, das die Schneiderin wohl gerade erst gebracht hatte, denn es war Hans bis her noch nie vor Augen gekommen. Er schickte der Pflichtvergessenen einen zurnen den Blick zu, den sie sich indessen nicht sehr zu Herzen zu nehmen schien, und begann dann sofort, als der weltbewanderte Mann, für den er sich hielt, den Baron in ein politisches Gesprach zu verwickeln. Doch Bodo konnte sis, nicht mit der lanaen blonden Mäfjre und der aold gelben Sammtjoppe abfinden, die seinem Geschmack geradezu in's Gesicht schlug, und er fragte ablenkend: Sind Sie Maler, Herr Fleidner?" O nein." gab Hans mit einem geschmeick,elten Lächeln zurück, denn er glaubte, der Gast hätte ihm bereits angesehen, daß der Genius der Kunst auf seiner Stirn throne, ich bin hm Schriftsteller, denn Dichter darf man sich ja wohl heutzutage nicht mehr nennen. ohne in das Odium der Lächerliche fett zu gerathen. ..Also Poet sehr interessant! Schreiben Sie Romane oder Stücke, wenn ich fragen darf?" Nur Dramen," kam die stolze Antwort, und auch die nicht sowohl des äußeren Erfolges willen, als vielmehr aus unbesiegbarem inneren Dränge." Bodo sah, daß Gertrudes Blick mit Entzücken auf ihrem Bruder ruhte, und verneigte sich ein wenig. Ich vorstehe. Leider habe ich selbst nicht das geringste poetische Aederchen. Aber ich denke mir, wenn man sich nicht um den Erwerb zu sorgen braucht, muß das Dichten sehr viel Vergnügen machen!" Hans setzte ein maliziöses Lächeln auf und geb spöttisch zurück: Nun. was das Vergnügen betrifft, da möcht" ich mir doch das Skatspielen vorziehen!" Da hast Du Deine Abfertigung," sagte sich der Baron belustigt und wollte sich .gerade an. die in ein talarartiges Reformgewand gekleidete Gertrude wenden, um auch bei ihr zu ergründen, wes Geistes Kind sie wohl sei, als die hundertfünfzigpsimdige Klara sie hatte trotz Doktor Sindings Entfettungskur in der letzten Woche wieder ein Kilo zugenommen mit der Schüchternheit eines Vögelchens durch die Thür getrippelt kam. Die Köchin, ihre ganz spezielle Freundin, hatte sie aus dem Behagen der Frühstückssiesta mit den Worten aufgescheucht: Fix. fix, gnädiges Fräulein! Der Baron j da sicker auf Freiers-
füßen. Und Ihnen gönn' ich 'n lieber als Ihrer Schwester!" So gab es also erst noch eine neue Vorstellung zu überstehen. Dann aber fanr Gertrude Bodo zuvor, indem sie, ihre Augen mit verschleiertem Ausdruck auf fein Gesicht heftend, fragte: Haben Sie sich schon einmal mit Spirilismus beschäftigt, Herr Baron?" Weistritz nickte. Wenigstens insoweit, als ich mich davon überzeugt habe, daß meine Ansicht, die Sache basire auf Einbildung oder Betrug, rich tig ist," erwiderte er. Hans stand mit ärgerlichem Rauspern von seinem SeM auf und trat an's Fenster. Gertrudes Miene war eisig geworden. So halten Sie es für puren Zufall," fragte sie. ..daß Sie nach langen Lebensirrfahrten und großen Fährnissen wieder in Ihre alte Heimath zurückgekommen sind?" Sagen wir: freundliche Schicksalsfügung," war Bodos Antwort. Sie irren sich," gab Gertrude entschieden zurück. Nichts auf der Welt ist Zufall. Jeder Mensch hat seinen ganz bestimmten, persönlichen Schutzgeist, der ihn beschirmt, der ihn leitet und lenkt!" Der meinige hat sich mir leider noch nicht vorgestellt," versetzte Weistritz mit leisem Lächeln. Eben, weil Sie sich noch nicht um seine Bekanntschaft bemüht haben," warf Hans, halb über die Schulter weg, dazwischen. Martha Fehlow aber nahm die Gelegenheit wahr, sich mit schicklichem Vorwand aus dem Zimmer zu entfernen. Allerdings das muß ich zugestehen," sagte der Baron ein wenig herb, denn es verdroß ihn, daß die Geliebte davongegangen war. So sollten Sie's einmal thun," ereiferte sich nun wieder Gertrude. Unsere Friseurin, Fräulein Henriette Baden, ist ein vorzügliches spiristischcs Medium und hält, wenn wir sie sehr bitten, dann und wann in unserem Hause eine Sitzung ab. Aber nicht gegen Entgelt," betonte sie. Hm" machte Weistritz mit unklarer Betonung, Ihnen, gnädiges Fräulein, hat diese talentvolle Friseurin
offenbar die nähere Bekanntschaft mit Ihrem persönlichen Schutzgeist schon vermittelt?" Gewiß selbstverständlich," er widerte Gertrude voll heiligster Ueberzeugung. Mein Schutzgeist, der mich nie verläßt, ist der im zarten Jünglingsalter verstorbene Sohn eines Hamburger Rabbiners aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Er" Es war ein Glück, daß in diesem Augenblick der Knabe Siegfried, der nur bis zwölf Uhr Schule gehabt, m den Salon stürmte. Sofort brach die wunderliche Unterhaltung ab. denn Hans stand auf dem erziehenden Standpunkt, daß Kinder von solchen Sachen" noch nichts zu wissen braucken, und um das Gespräch mit deutlicher Betonung der Absicht auf ein anderes Thema zu bringen, fragte er den Gast: Es gefällt Ihnen doch noch in unserem alten, lieben, verträumten Ebersthal, SSerr Baron?" Frau Ilse setzte, nicht eb?n besonders geistreich, hinzu: Die Einwohnerzahl ist in der letzten Zeit Nicht unerheblich gestiegen." Ter Herr Quartaner, ohne seine Vorstellung abzuwarten, ergänzte sehr prompt: Wir haben nämlich einen neuen Lehrer gekriegt, der dreizehn lebendiae Kinder hat." Auch in der Folge that er noch manchen drastischen Ausspruch, obgleich der Dichter, der gar keinen Humor besaß, ihn wiederholt mit gestrenger Hausvatermiene zur Ordnung rief. Der Baron dehnte seinen Besuch ziemlich lange aus, weil er hoffte, Martha würde mit ebenso schicklichem Vorwande, wie sie gegangen, noch einmal zurüuommeN vamil er ior HX nigstens Adieu sagen könnte. Aber sie blieb verschwunden, und er mußte sich schließlich verabschieden, ohne sie noch einmal gesehen zu haben, worüber ein Gefühl bitteren Grolles sich ihm auf's Herz legte. Auch sonst hatte ihn die nähere Bekanntschaft mit der Familie Fleidner nicht gerade entzückt. Der Knabe Siegfried zwar war ja einigermaßen amüfant, obgleich die Schlagfertigkeit seiner Rede zuletzt schon zur Schnoddrigkeit geworden war, und Frau Ilse war ja auch ein ganz nettes Frauchen wenn auch offenbar nicht gerade mit großen Geistesgaben gesegnet, so doch ansprechend durch eine hübsche äußere Erscheinung und durch ein vornehmliebenswürdiges Wesen. Aber die jungen Damen, Gertrude und Klara, die eine mit verschwimmenden seelischen, die andere mit verschwimmenden !örperlichen Konturen o Schrecken! Falls diese beiden die einzigen wären, die mir zwecks Erfüllung der TestamentsklausezurWahl ständen." dachte Bodo, ich qlaube. ich ließe das ganze schöne Erbe schießen und liefe davon auch wenn ich nicht an Martha gevunden wäre! Und nun erst dieser verunglückte Dichtersmann!" Zu dem Spott, der Bodos Stimmung gegen ihn von Anfang an beherrschte, hatte I"j. - - , , 0- '1 icg oaio ein gui iincu egiucyc ziuiiauna qesellt. War es seinen hellen Augen doch nicht entgangen, daß der Dramatiker aus innerem Dränge" sobald er sich unbeobachtet geglaubt Martha Fehlow mit scheu-verliebten Blicken geradezu verschlungen hatte. Alles in allem eine Menge peinlicher Empfindungen im Gefolge meines er
sten Besuchs." dachte der Baron, und
als allerpeinlichste kommt hinzu, daß du deine Braut ein ganzes langes Jahr nicht anders denn als Angestellte dieses Hauses sehen sollst, und daß du. wenn du Glück hast, vielleicht immer dreimal Besuch machen mußt, bis du einmal zwei Worte ungestört mit ihr reden kannst!" In nicht gerade glänzender Laune stieg er in seinen Wagen und gab dem Kutscher Auftrag, zu Brennerts zu fahren. Im Rath dieser ehrenwerthen Familie war man übereingekommen, den jüngsten Sprossen, das kraushaarige Soubrcttenköpfchen Finchen, dem Frau Fama durchaus eine Liebschaft mit dem Provisor Brömel aufschwatzen wollte, gegen den Baron in's Vordertreffen zu schicken. Emma, die Dreißigjährige, war großmüthig odt vernünftig genug gewesen, aus eigenem Antrieb auf den Wettbewerb zu verzichten; Flora aber, das schlanke Kind von viermal sieben Jahren, hatte sich nur dadurch zum Resigniren bewegen lassen, daß Mutter und Schwester ihr einredeten, der Assessor v. Bogenschütz hätte zweifellos ein Auge auf sie geworfen, sie müsse blind sein, sonst hätte sie das selbst längst schon gemerkt, und der Sperling in der Hand sei noch allemal besser gewesen als die Taube auf dem Dache. Für den nach Brennerts Kartenabgäbe mit Bestimmtheit erwarteten Besuch des Barons war folgender Tagesbefehl ausgegeben worden: Im Flur und Salon peinlichste Ordnung und Sauberkeit, Paradcanzug für alle vier Damen von früh bis spät, da man ja nicht wissen konnte, um welch: Zeit der Freiherr anrücken würde Einleitung des Geplänkels durch Finchen; später Aufmarsch des schweren Geschützes Frau Röschen selbst und zuletzt Kavallerieattacke des flotten und liebens-würdig-bercdten Herrn des Hauses. Emma und Florchen sollten vorläufig in der Reserve bleiben, und den eventuellen Munitionstransport sollte der in eine funkelnagelneue Dienerlivree gesteckte Kutscher besorgen. Zu guter Letzt gab Frau Röschen dann noch die Ordre aus, daß dieser und nicht wie ursprünglich vorgesehen das m't Häubchen und weißer Latzschürze auf's sauberste herausgeputzte Madchen dem nahenden Freiherrn die Thüren zu ös,nen hatte. Denn auf den ersten Emdruck kommt's an; der erste Eindruck ist oft für's ganze Leben bestimmend," sagte die kluge Mutter. Damit aber durch einen plötzlichen und unvorhergesehenen Ueberfall des Feindes keine Panik in das für die Kriegsoperationen also auf's trefflichste gerüstete Lager getragen werden konnte, wurden im Wohnzimmer zwischen den beiden Fensterspiegeln, in denen man die ganze Straße überblickte, Vorposten ausgestellt. M (Fortsetzung folgt.) Indiskretionen der ruff. Prcffe. Im russischen Hauptquartier des Generals Linewitsch ist man wenig erbaut von dem Eifer eines Theils der russischen Tageblätter, wie auch der offiziellen Militarblatter. wie Invalid und Raswjedschik, die gar zu offen über neu abgehende Truppentheile nach dem Kriegsschauplatz berichten, so daß man in Japan besser über russischeVerHältnisse unterrichtet ist, als man wünschen kann. Die japanische Zeitung Doidsisimpo" veröffentlichte verblüfsend genaue Daten über den Bestand der russischen Armee auf dem Kriegsschauplatz, wobei jeder einzelne Kommandeur mit dem richtigen Namen genannt wurde, wogegen die japanische Presse vollstes Schweigen über ihre eigene Armee beobachtet. Es wäre wünschenswerth. daß die Militärgeheimnisse in Rußland ebenso gewahrt würden. Im Stab des Moskauer Militärbezirks ist ein Befehl vom Kommandeur der Arrieregarde der Mandschu-rei-Armee eingetroffen.Ausländern mit Ausnahme der Militäragenten und offiziellen Berichterstatter das Reisen in der Mandschurei und im TransbaikalGebiet, angefangen von Jrkutsk, streng zu untersagen. Der apolcon der Tschuntschusen. Tulisan. das Haupt der Tschuntschusen. ist ein Mann von seltenem Talent, der bisher noch nie sein Wort aebrocken bat. Tulisan kommandirt heute eine Armee von 15.000 wohlausgebildeten Soldaten, die den zu stellenden Anforderungen mehr entsprechen als die regulären chinesischen Truppen. Tulisan ist sich seiner Macht bewußt und überzeugt, datz es nur eins Rufes von ihm bedürfe, damit die ganze Mandschurei von SchanghaiHuan? bis Sinmintin sich um seine Fahne schare. Kam doch zu ihm mit respektvollem Gruße ?)uanschikai! Sogar der Oberbefehlshaber der chinesischen Truppen. General Ma. steht in freundschaftliözen Beziehungen zu ihm. Die Russen stc nden anfangs mit Tulisan in Unterhandlungen; er verlangte 40.000 Rubel; plötzlich jagte man ihn einiger Formalitäten wegen fort. Die russischen Unterhänder benahmen sich jedenfalls nicht ehrlich dabei. denn der Napoleon der Tschuntschusen rief damals entrüstet aus: Die russischen Beamten haben weder Ehre noch Ehrenwort! i Die Zweite schwedische Kammer lehnte alle Vorschlage m der Stimmrechtsfrage ab, sodaß die Wahlrechtsreform in der jetzigen
Reichstaassesslon gescheitert ist.
Feuer - Signale.
Tta I MWVHDW UKl 3Xsli rcc I English's Oper' Haus East und Nl, York 1 Noble und Michigan 9 N. J1y u. SFlaff t i Pine und Rorth I tarftt und int I Vermont nahe Saft C No. 8 Spritzenhaut Mass vc nahe Nb! t Tnaware und Walnut 4 N. Jersey ukenrral. Maq. und CerneP v 6 Äsh u, d 11. Strafte I Park Ave und 12 6tx I Columbia und HlUfid Highland vu.Pratt 1 Jllino und St. Jo Zknnsylv. und Pratt 4 Keridian und 11. S 5 fU. 6 Spritzenhaus 16. ' aaye JllinolS 6 Senate Ave u. LtSlatr ? Illinois und Vkchigan f- De tshlvania und 14. Senate Ave. und 11. 4 No. 1 Spritzachau Jnv Kve naheMichiga Meridia und Walnut i kalifornia u Vermont 5 Blake und New gort .3 Ind. Zv. u. et latr 7 Etty Hospital 8 Vlak und Norty v ittichigan und kgnes 1 Ro. e Spritzenhans ashington nahe Veft 2 Gsendorf u Wash .Ä Missouri u New Dort 6 Meridian u Wafh Jlllmns und OHU ? Eapitol 31. u Wash mgan'ö Porkhau ? Straßenbahn StSlle W. Wqfhington,SU 'i No. 10 Lvritzenhaut Jllinoiö u errM S Illinois u Louifiana West und South X West und c Tarth tt Senate Ave. u Henry 37 Meridian und Aay No. 4 Spritzenhaus Madison Vv. u Morris Madtson v. u Duulop 5 No2Hakm Leiterdaui South nahe Delawar, 6 fettn, u Merrill Delawar u. rEarttz M Wa? und MeTarttz New Zersetz. 7 Birg. 2v. u radstza aft und Prospekt icking und High n 31. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Hur t fast und eorgt 7 Eedar und El 74 Davidson u Georgia 7 nglish v. u Pin 7 heldh und Bates 8 910.1 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelbtz Kletchn v. u Shelbtz i Market u. New Jersey 42 Delawarr und Wash. S-ft u Washington 04 New York u. David' Taubftummm Anstalt $6 Ler. Staaten rsenaZ ?7 Orient! und Wash. 59 Frauen-Rekormat. Ro. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. Z2 Meridian , Aeoraia. 13 Meridian und South M Pennsvlö u. Louisiana 6 Virginia Ave u. Lllab. iß Hauptquartier. il Grand Hctel. 98 Capital Ave und CffU 3 No. 16 Spritzenhaus 1. und Ash. 4 Alabama und 1. 36 Central Ave und 15. 6 Nndes und 15. 7 Brookfid und Juyet 28 Central Ave und 17. 2 Delawar und 1. 31 Alabama und 11. 33 Bellesontain und 5. 34 College Ave und s. 16 Delatvare und 13. 36 Alabama und North 37 Net?mann und IS. 38 College Ave und 14. 3? Cornell Ave und IS. 41 ZZande unl 1. v2 Highland Ave und 10, 43 Decumseh und 10. 46 New Jersey und 3. 4 lvord und 17. 47 N. 2 Spritzenhaus Hikftde Ave und 48 College Ave und . 49 College Ave und 37. 52 Park Ave und 33. Ui L E u. Bahnn. 3s. 64 Ramse? Ave und 1. 66 Stoughton u Newman 67 Atlas und Pike. . 68 Blotzd und Paiopa. No. il Spritzenhaus Ariahtoov .5 A.'den und Depot 65 Brigötwood und 24. 64 Rural und Sloyd St. Clrnr u. eystom 7 Arsenal Ave unk SS. 68 ellesontatn und 16 Par, Ave S IT. 13 Capital Ave und ,7. 13 Pennsplv. . uhiaa 14 JllmotS und 36. 16 Senate Ave und 21. 16 Pnmsslvania und t 917 Veridia und 1. 318 Cavital Ave und 26. is Broadway und 10. 31 Illinois und Rcöea 154 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30, 235 Illinois und 53. 236 Annetta und 30 37 No. Spritzenhaus Udell und Raver 38 Ndell Ladber or 2 Jsabel und 7. 41 Meridian und 24. 4 JlknoiS u St. öl 243 Elvridge und 33 51 eft und alnut 813 Weft und 12. 314 Howard und 1. 315 Dot-bet und Paca 316 Capital Ave und IK 17 Northwestern Ave vM 818 Gent und 18. 319 Canal und 10. S Cerealin Werks 24 Vermont und Ltzn 825 BlSmaks'u SrandvieA s6 No. 0 Spritzenhaus Hauahville. 37 nhigan u. H,les, 28 Michigan u. korb 41 West und McJnttzre 412 Siiflouri u. Varyland 413 Missouri und Ohio 416 Capital Ave - Leorgia 416 Missouri u Kentucky A. 417 Senate Ave u. ash. 421 P und E slundaus S. Washington. 4 Jrnn-Hospital. 424 Muev Aveu. JDnT 426 Wash and Harr 426 No. 18 Sptzenhs . Washington 427 Oliver und Birch 8 Oliver und OSoov 420 Nordhke und Vor 431 Hadley Ave u. Starrt 43 Nwer Ave u. vrris 434 River Ave und Nutz 4 Harding u. ig4? 436 Harding und DOM 417 No. 19 prttzenhO MorriS und fii Sttsn mm Cft - - oz M0B3) turn IM 468 ftorrtt und am! und 467 Roedvk Ave u. atott Works 61 eft und Nay 1 entueiy Ave u.! 614 Verivian und MorrW 61 Illinois nd Amte 617 orris und Dakota 618 Morris vaJb durch 619 Capital u cCan 621 Meridian und Polnc 683 Pin und Lord 624 Madison Av u LiNttj 68 Meridian und Bell 7 Carlos und Ratz 62 Meridian und Art 628 Meridian u. Nahond 631 Meridian u. 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HtghunT SIS Market u Arsenal A 817 Ost et. tair und Union Bahn Zeleise. 88i Pan Handle Shops 883 Bernunit und ako 884 Wash. und tat Atz. 886 Madden's Lounge Fad 8s rueker nd Tornetz 8,7 ash. und evitz, 888 No. 1, Spritznhau4 Bevtlle nah MtchisM 881 Southkafter Ave 8 oodftd, 6l Safy. und Dearroe, 684 Soucheafter 5 Arsenal des. 886 Rkw Kork nd ZtaU 18 Isinots und Raryi. 818 Jlktnois und artet. 814 Penn. 915 Delawar Spezial.Sißnale. srft s Schlage, zweite? arm, Zweiten Schlag, dritter Aurnn, Dritten Schlag, vierter AUnn. i-6-l, Feuer aus und Schlauch ausser. i Schlage. Wasserdruck ab. Schlage, 1 Uhr Rittags. Die to bezeichneten Signale werden nur Ächter angegeben da an den btt'ftude reujungeu keine Alarm lüften In W i s c o n s i n besteht, ebenso wie im Staate New Fort, ein Gesetz, wodurch es bei Strafe von $10 bis $500 oder einem Jahr Gefängniß verboten wird, Bediensteten von Hotels, wie Aufwörtern. Hausknechten und Stieftlputzern, sowie Angestellten von anderen Geschäften, Trinkgelder zu geben, um dieselben zu Gunsten des Gebers zu beeinflussen. D i e merkwürdigste Ers ch e i n u n g unter den Vögeln Deutschlands ist wohl der Buchfink. Da scheiden sich die Geschlechter im Herbst. Die Weibchen ziehen fort nach dem Süden, die Männchen bleiben zu Hause trotz Schnee und Eis. So wie der Vorbote des Frühlings, die Lerche ,j in Deutschland erscheint, machen sich' die Männchen auf und ziehen ihren besseren Hälften entgegen.
