Indiana Tribüne, Volume 28, Number 246, Indianapolis, Marion County, 8 June 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne, 8. Juni 1905.

Indianapolis Sffm Samstag, 10. Juni Weß Washington Ztr. Gründen. 111 & BAILEI VröKte Schanftellnng der Welt Einzige repräsentative Schanftellnng in Amerika. Die größten Wunder der Erde vorführend. Dreifacher Circus, 2 Menagerien, Hippodrome, Luftkünftler, Museums, Menagerie 'audeville Unterhaltung.

Der Todes-Sprung Eine Tame überspringt mit einem Automobile eine Lücke. Volo die Vilotante überfliegt eine Schlucht mit Verachtung des TodeS. Eine vollständige Heerde irassen, 3 Heerden von Elephanten, 8 Heerden von ttameelen Herrliches überrasckendes Schauspiel Des reichen Durbar. Hoch'yrinqendeVferde. desperate Wettrennen, gymnastische Ausführungen, akrobatische Thaten. Lustwunder, milde Thiere, 500 Pferde, 12 Zelte, trainirte Thiere, kuriose Kreaturen etc. Feinfte Menagerie der Welt 100 Aufführungen von 300 Meister -ArtiSen. Für inder find spezielle Schauspiele vorgesehen. 2 schauftellunken, um 2 und 8 Uhr Thür-Oeffaung eine Stunde frühe?. öintrittsprcis gi Allem mit Sitz 50c. Kinder unter 10 Jahren die Halste. Kußftüyen mit allen Z Yen. PrivatL?gen und reservirte Sitze ertra. je nnch der LoknUtät. Reservlrte Litze werden verkauft in Huder'? potheke. Pennsylvania und Washington Lkratze, und aas b:m Grund eine Stunde vor der Erönung. Alle kicket werden zum regulären Preis verkaust, Bit warnen vor Perfone die mehr dV rechnen. Aus den Buche: des Landamtes ergiebt sich, wie aus Chamberlain, S. D., berichtet wird, daß seit Beginn des Jahres 1905 bis Anfangs Mai 3800 Eintragungen für Heimstatten in dem Chamberlain - Lernt) Distrikt stattgefunden haben. Die riesige Nachfrage für Land hat keine Parallele seit dem Boom Anfangs der 80er Jahre, und unter diesen Umständen wird alles Bundesland, das nur irgendwie von Werth ist. bald aufgenommen sein. Heimstätten mit wenig Berbeffezungen finden willige Käufer für $1500 bis $1800. In Bezug auf die Landsucher ist auch ein Unterschied gegen früher; die jetzt kommen, sind wirkliche Ansiedler, die sich auch dauernd auf den Heimstätten niederlassen. Ein polnischer Jude Namens L. H. Gratner in Fort Dodge, Ja., hat sich 134 Quadratzoll Haut abziehen lassen, um das Leben feines Töchterleins zu retten, das vor einigen Tagen schreckliche Brandwunden erlitt. Ter Vater ließ sich zwei Hautstreifen von je einem Fuß Länge und fünf Zoll Breite von beiden Oberschensein abnehmen, um sie auf sein Kind zu verpflanzen. Zwei kleinere Hautstreifen wurden einem kleinen Bruder des Kindes entnommen und ein kleines Stückchen gab eine der Hospitalschwestern her. Das Opfer des Vaters war ein erhabener Beweis von Vaterliebe, und sein Heroismus wird allgemein bewundert. Ohne sein Opfer würde das Kind unrettbar dem Tode Versallen sein, aber auch so ist das Wiederaufkommen der Kleinen noch Zweifelhaft. Dem Kinde waren die Kleider beim Spielen um ein Bouseuer in Brand aeratbei BoshafteBestätigung. Dame (die ein Paar Schuhe, welche neue Absätze brauchen, zum Ausbesfern in eine Schuster - Werkstatt trägt): Na. wie geht's Geschäft?Schumacher: Ach, liebes Fräulein, mein Absatz läßt sehr viel zu wünschen übrig.- Dame: Ja, das finde ich auch."

Die neue feyrerin. Novellette von Gerhard Walter. Haben Sie's denn schon gehört. Daß die kleine Wedelsprung fort geht?" fragte der Assessor Blume den Referendar, mit dem er. bisher nur zu zweien, am Stammtisch saß. Ich wüßte nichts, was mir gleichgültiger wäre!" antwortete der Angeredete gelangweilt. Nach vierzehn Tagen, wie die Herbstferien vorbei waren, kam die neue Lehrerin, vielseitig mit Spannung erwartet; seitens der Kinder einmal, und dann auch seitens der Herren der Gesellschaft. - Die neue Lehrerin ist da!" rief der Assessor Blume, in die Tanne" tretend, den Herren zu, die um den Tisch versammelt saßen. Ich wüßte nichts, was mir gleichgültiger wäre!" schnarrte der Referendar wieder. Na, na, reden Sie sich nichts an den Hals!" entgegnete der Assessor; ich habe sie vorhin bei Oberpfarrers gesehen; dagegen ist die vorige ja ein Waisenkind!" Wieso?" ging es interessirt im Kreise. Erstlich ist sie bildhübsch!" fuhr der Assessor fort. Keine engelmäßige Schönheit, aber etwas beautö du diuble". Sie ist außerdem tadellos gewachsen, und dann ein Gesicht, auf dem alles liegt: Schalkheit, Frohsinn, Humor, und ihre Augen sind ja die eines Sprühteusels. Dabei ist sie aschblond, mit einer unglaublichen Fülle von Haar und hat schwarze Augenbrauen und schwarze Wimpern." Na, da kann man ihr wohl gleich zur Verlobung gratuliren." sagte der Rechtsanwalt in seiner trockenen Art. Die Woche fängt gut an, sagte der Dieb. Da wurde er am Montag gehängt." Ach, gehen Sie doch," gab der Asseffor ärgerlich zurück. Dazu gehört mehr; fröhlichen Umtrunk!" Die Humpen klirrten zusammen. Aus das Wohl der neuen Schönheit!" rief einer. Aber es war nicht der ANcssor. Es wurde in den nächsten Wochen fast nur von dem Fräulein gesprochen. Sie hatte aber auch etwas ganz Berückendes. Heute Abend war der erste Ball in der Harmonie. Sie wurde mit Amtsrichters erwartet, in deren Nähe sie wohnte. Der Saal füllte sich früh mit den tanzbaren Herren, und alle schauten, so oft sie sich aufthat, nach der Thür, durch die das Fräulein von Block denn so hieß sie eintreten mußte. Soll aber ein armer Deubel sein, trotz ihres Adels!" sagte ein junger Krautjunker der Umgegend. Hoho!" antwortete ein andrer, fehlgeschossen! Noch hat sie nichts, aber wenn die Tante stirbt, erbt sie ein patentes Vermögen! Ich weiß es. Sie ist aus meiner Gegend!" Nun wurde sie mit doppelter Spannung erwartet. Jetzt ging die Thür wirklich vor ihr auf, und bildschön erschien sie unter dem zurückrauschenden Thürvorhang; aber ohne eine einzige Spur von Schmuck an sich zu tra-

gen. Es entstand eine starke Bewegung im Saale, als sie eintrat. Den schonen blonden Kopf ein wenig zur Seite geneigt und in den Stacken gelegt, kam sie daher in ihrem ganzen Liebreiz an der Selte der Frau Amtsrichter. Ein patentes Mädel!" flüsterten die Herren einander zu, und manch leises Donnerwetter" entfuhr unhörbar den Llppen. Sie sah unendlich ruhig aus; nur die Augen blitzten tn feuchtem Glanz. die prächtigen Augen mit den schwarzen Brauen und Wlmpern. Ich möchte bloß wissen, warum die Herren sich so haben um die!" sagte die Tochter des Amtsraths übelgelaunt und laut genug; ich finde, sie sieht lmpertment aus! Die bildet sich wohl was auf ihren Adel ein? klang eine andere Stimme: Dumme Gans!" Und fortan hieß sie unter den jün geren und älteren Mädchen nur noch mit diesem anmuthigen Namen; einige nannten sie auch die Schulmamsel". Wo sie einem jungen Mädchen vorge stellt wurde, fiel die Begrüßung sehr kühl aus. Anders bei den Herren Es dauerte nicht lange, da war ihre Tanzkarte voll besetzt. Ich finde das einfach schmachvoll!" sagte die Tochter des Kreisarztes, als der Assessor Blume mit ihr den Ball eröffnete. Wie tanzt sie?" hieß es erwar tungsvoll. Und sie tanzte prachtvoll. Aber shocking fand cs die Frau Ju stizrath, daß sie während des Tanzens mit ihrem Herrn sprach und dabei ihre wundervollen Zahne zwischen den ro then Lippen glänzen und leuchten ließ. Das ist ja ein ganz ekelhast kokettes Frauenzimmer!" klang es unter all denen, die sitzen geblieben waren. Und sie selbst blieb nicht ein einziges Mal sitzen. Aber anzumerken war ihr nichts von der Anstrengung solchen Tanzens. Es gab an dem Abend nur zwei Parteien im Saal; die eine war sich einig darin: Werft das Scheusal in die Wolfsschlucht!" und die andere war bereit, jede Lanze für sie zu brechen nach dem Vorgang des Assessors. So eine haben wir noch nicht gehabt!

sagte ec überzeugungsgewiß und

machte thr rasend mt Cour. Nachher aina es zu Tisch. Der Assessor war jetzt schon ganz und gar in ibrem Bann und übertraf sich selbst m Ritterlichkeiten unterhaltender Art. Einmal lachte dabei Fraulem von Block so hell auf. daß eswie ein Helles Glockengeläut klang. Es war wirklich 111 n jr. ... jc. jenes gollttcye Lacyen unenoiiajeii Frohsinns. Alles sah nach ihr hin. So lachen Kellnerinnen!" sagte die Frau Oberpfarrer erzürnt. Weiter unten am Tisch steckten einige mittelalterliche Damen die Köpfe zusammen und tuschelten eifrig. Na, wissen Sie, ich will keine star ken Ausdrücke gebrauchen, aber ich finde das zum wenigsten unerhört! Sie hat ihre Schultern geschminkt! Besonders, wenn man so stark ist ". Es wurde heftig gehustet unten am Tisch. Ich finde sie reizend!" sagte nur Die Frau Apotheker harmlos. Sie wußte das alles: und sie horte alles mit dem feinen Gehör der Seele; aber noch stolzer tanzte sie dahin nach Tisch und sieghafter noch tönte ihr Lachen. Sie war der Mittelpunkt der ganzen Festfreude. Und die andern langweilten sich. Und das vergaben sie ihr nicht. Es war eine Stärkere, Lieblichere als sie alle zusammen über die Gesellschaft der Frauen und Mädchen gekommen. Am nächsten Tage begegnete ihr der Oberpfarrer. Er grüßte kühl und rief sie dann zurück. Fräulein von Block, ich muß Sie zu meinem Bedauern darauf aufmerksam machen, daß Sie sich gestern Abend nach dem Urtheil der Damen reichlich weit vorgewagt haben Sie sah ihn an wie eine hochmüthige Königin, mit zurückgeworfenem Nacken: Ich bin es nicht gewohnt, mir auf offener Straße Vorstellungen machen zu lassen," sagte sie heftig, und ich verbitte mir das!" Auch er wurde roth: Und ich nicht, mich von meinen Lehrerinnen zur Rede stellen zu lassen." Es schoß wie ein Blitz aus den Augen mit den Sprühteufelchen: Ich danke Ihnen! Ich werde gehen, sobald Sie einen Ersatz haben!" Sie wandte ihm kurz den Rücken und ging davon. Unerhört!" sagte er und sah ihr verwirrt nach. Stolz erhobenen Hauptes, mit federndem Schritt ging sie weiter; ihre Brust wogte stürmisch im Zorn. Sie ging draußen durch den Wiesengrund, am rauschenden Fluß entlang. Da sah sie plötzlich den Assessor sich entgegen kommen. Erst blieb sie unschlüssig stehen. Dann ging sie ruhig weiter. Sein Herz schlug hoch auf. Er liebte das Madchen letzt mtt voller, weißer Gluth. Aber was war das? Sie ging ja gerade auf ihn zu. Herr Assessor, eben ist mir gekün digt worden!" Ihr Mund lachte mit seinem süßesten Lächeln, aber ihre Stimme zitterte doch noch in bebendem Zorn. ..Was?" rief er entsetzt. Wie ich Ihnen sagte," entgegnete sie; vor einer Viertelstunde! Ich gehe, sobald Ersatz gefunden ist. Nein, bei allen guten Geistern, nein! Sie Holdseliaste von allen! So lasse ich Sie nicht fort! Sie denken ja freundlich über mich, das weiß ich, aber Die Frauen und Mädchen hassen mich, obwohl ich ihnen nichts gethan Er stand vor ihr, lodernd in Liebe, Zorn und Leidenschaft. Und die Schmach soll über uns ergehen, daß man Sie hinausweist? Dann weiß ich noch eine Stelle für Sie, Sie einziges, prächtiges Weib. An meinem Herzen, in meinem Hause!" Sie sah ihn innig an und schüttelte leicht das blonde Haupt. Nein, Herr Assessor; ich will mir nicht mein ganzes Leben lang Vorwürfe machen und machen lassen, daß ich schwach war einem Manne gegenüber wie Sie! Glauben Sie ja nicht, daß ich einmal reich werde ich bin und bleibe ein armes Mädchen, das von seiner Arbeit lebt." Es lohte auf in seinem Herzen und tn semen Augen: Du süßes Weib!" sagte er mit lei ser Stimme und sah sie an. Dann fügte er hinzu: Nun höre: Und wenn ich dick vor versammeltem Kriegsvolk auf memen Armen aus dem Gefech tragen sollte bei Gott ich thäte es. Ich kenne kein Besinnen, ich kenne nur dich in deiner Lieblichkeit!" Sie wich vor ihm zurück. Erbarmen!" rief sie und hob die Hände. Da fuhr es hell über sein Gesicht. Sehen Sie, wer da kommt?" fragte er. Sie schaute zurück und erschrak, daß sie blaß wurde: Um Gotteswillen; der Herr Oberpfarrer mit seiner Frau; nun bin ich verloren! Da lachte der Assessor mit hellem Siegfriedslachen und seligem Herzen auf: Vertrauen Sie mir? 5a? Dann ist's gut! Dann kommen Sie!" Der Assessor zog vor den Daherkommenden tief den Hut. Fräulein von Block sah ihnen stolz und femdseng entgegen. Ich habe mich soeben mit Fräulein von Block verlobt und möchte Ihnen davon die erste Anzeige machen zul Vermeidung von Irrthümern!

Wo sah Lots Weib aus, als nc

zur Salzsäule wurde!" dachte Hedwig von Block, und es trat ern Lächeln um ihren Mund. Und nun, Herr Oberpfarrer, bitte ich, daß wir unsere Verlobung bei Jhnen feiern dürfen; wir sind beide obne Vater und Mutter; und lch kenne Ihr freundliches Herz!" Ste sollen sich darin nicht abtauscht faoen!" sagte der Oberpfarrer mit schneller Herzlichkeit und streckte ihnen die ftände bin: ..und Sie. Fräulein von Block, können Sie verzeihen?" Sie konnte es in ihrem Glück! Als sie auseinander gingen, sagte der Oberpfarrer: Mit dem Versetzenassen, das überlegen Sie sich nur; ich meinestheils bin dagegen! Ich habe viel gelernt heute Abend!" Ich auch!" rief seine Frau. Aber zum Glück sah sie es doch nicht, wie er seine Braut küßte vor ihrer Hausthür auf der stillen Straße. Das hätte ihr doch wohl zu lange gedauert. Sie mußten sich aber schnell trennen. l5 kam zemano die strafte yerunter. Es war der Referendar. Der Assessor ging auf ihn zu. Ich habe mich mit Fräulein von Block verlobt. - Wenn Sie nun aber sagen: Ich wüßte nichts, was mir gleichgültiger wäre," dann verhaue ich Sie nach aller Form rechtens!" Nein, erwiderte der Referendar, da sage ich nur: Hat der Kerl emen Dusel! Denn gegen Ihr Fräulein Braut war die kleine Wedelsprung allerdings nur ein Waisenkind. Und die war auch nicht von Kakao! Gute Nacht!" Des Todten Rache. Von Guy de Teramond. Autorisierte Ueberfetzung von Wilhelm Thal. Der Vater Baudruche war ein lustiger Geselle, der das Leben leicht nahm, ohne nch übermäßig aufzuregen. Er war stets vergnügt und befolgte den Grundsatz des guten Meisters Nabelais, daß das Lachen die beste Medizin ist. Zahllos waren die Leute, die er gefoppt, und sein Kapital an losen Streichen unerschöpflich; auf zwanzig Meilen in der Runde stand sein Ruf fest begründet, und wenn man von dem Spaßvogel von Vater Baudruche gesprechen, so hatte man alles gesagt. Daher paßte man auch scharf auf, wenn man ihm irgendwo begegnete, namentlich in der Schenke, die er kaum noch verließ; der gute Mann verwickelte jeden in eine Mystifikation, legte einen in eine Falle, aus der man nur unter allgemeinem Gelächter herauskam, was für die empfindliche Eigenliebe innrer sehr verletzend ist. Vater Baudruche, wenn der Tod an Eure Thür klopft, Ihr findet am Ende noch ein Mittel, um ihn umzuwerfen." Der Vater Baudruche. der ein Greis von neunzig Jahren und dabei kräftig wie ein Eichbaum war, steckte sich eine tüchtige Prise Schnupftabak in die Nase, wischte sie sich dann mit dem Handrücken ab und versetzte: Mag er doch kommen, dieser Kerl, wir wollen doch sehen, ob ich ihm nicht die Lust benehme, auf längere Zeit wieder vor mir zu erscheinen!" Die Sache hatte sich in der ganzen Gegend verbreitet. Der Vater Baudruche," sagte man. wird uns noch nach seinem Tode einen Streich spielen!" Und die Legende hatte so festen Boden gefunden, daß Niemand bei der Leiche wachen wollte, als der große Mäher den Greis bat, ihm in das dü stere Land zu folgen, vqn des Bezirk kein Wanderer wiederkehrt . Indessen war in der Dorfherberqe ein Student abgestiegen, ein Mediziner, der hier übernachten wollte. Am nächsten Morgen wollte er den Omnibus benutzen, der ihn zu einer seiner Tanten bringen sollte, die einige Meilen weiter wohnte. Er hörte natürlich auch von dem Vater Baudruche, und wie sich die Nachbarn vor seiner Leiche ängstigten. Er war ein starker Geist, zuckte über die Leichtgläubigkeit der Bauern die Achseln und erbot sich prahlerisch, bis zum Tagesanbruch bei der Leiche zu bleiben. Ich habe keine Furcht vor Todten; ich habe zu viele in meinem Leben gesehen und an ihnen gearbeitet, um zu wissen, was an ihnen ist; euer Vater Baudruche mag noch so tolles Zeug mit mir anstellen, es wird nicht im Entferntesten an das heranreichen, was die Studenten in den Sezirsalen zuwellen anrichten " Man ging auf den Vorschlag mit Begeisterung ein und führte den Stu denten in die kleine Hütte, die der Ver storbeiiö am Ende des Dorfes besessen hatte. Der Vater Baudruche lag auf sei nem Bett und schlief den letzten Schlummer unter dem Leichentuch; auf dem Tische, neben dem von dem Pfarrer geliehenen Kruzifix, warf eine rauchige Kerze ihren fahlen, zitternden Schein in das Zimmer. Der Mediziner näherte sich der Leiche und hob die Decke hoch; der Va ter Baudruche war wahr und wahrhaftiq todt; der Leichnam war kalt, und die Verwesung begann bereits ihr Werk. Gute Nacht!- sagten die Bauern. die ängstlich auf der Schwelle stehen geblieben waren, und zogen sich zurück.

Besten Dank, meine Freunde, und schlaft wohl!" Im tiefsten Herzen jubelten sie; denn sie waren fest überzeugt, der Va ter Baudruche würde schon ein Mittel finden, diesem Grünschnabel von Pariser eine Lektion zu ertheilen, der klüger als sie fein wollte, und dessen verLchtlicher Skeptizismus sich über ihre Fahnenflüchtigkeit lustig machte, uoq aarn 3ioo 'qjnqa in&" ihnen, der der allgemeinen Ansicht Ausdruck gab, noch ist nicht aller Tage Abend; warten wir bis morgen!" Indessen legte der Student, der sich entschlossen hatte, die Nacht bei der

Leiche zu verbringen, feine Bücher in einen Winkel und zündete die kleine Lampe an, die man ihm geliehen hate. Doch bevor er sich setzte, öffnete er das Fenster und lehnte sich hinaus. Der Abend war warm; Tausende von goldenen Sternen gliZerten an der olauen Wölbung des Firmaments; ein Stern huschte von Zeit zu Zeit durch; er tauchte aus dem großen, unbekannten Etwas auf, um wieder in die Unendlichkeit zu versinken. Das war das Bild des Lebens. Wo kommt man her? Wo geht man hin? Niemand weiß es, ein jeder beschreibt feinen Kreis im weiten Raum und verschwindet fast sofort wieder, ohne daß in der Unendlichkeit der Zeit auch nur das Geringsie von ihm zurückbleibt. Und im Schweigen der tiefen Nacht, neben diesem der Verwesung geweihten Leichnam, der ihn an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnerte, dachte der junge Mann an das Alles, bis er, des Träumens müde, wieder zu seinen Büchern zurückkehrte. Plötzlich, als er die Augen zufällig erhob, glaubte er zu bemerken, daß das Leichentuch sich leicht bewegte; das war jedenfalls der Wind; dabei aber hatte die Flamme der Kerze sich nicht' gerührt; vielleicht hatte er auch nur falh gesehen. Doch mehrmals hintereinander ereignete sich dasselbe Phänomen. Das ist merkwürdig," sagte er, ging an das Fenster und schloß es. Indessen schien sich das Leichentuch des Vaters Baudruche immer lebhafter zu bewegen; bald hob sich die dünne Leinwand wie unter einem Athem, bald schien eine Kugel über seinen Körper zu rollen. Ich träume doch nicht," sagte sich der Student und fuhr sich mit der Hand über die Stirn, dieser Mann ist wirklich todt, das unterliegt keinem Zweifel; ich brauche keine Furcht zu haben das ist ja lächerlich!" Doch trotzdem mußte er unwillkürlich an die Angst denken, die ein Jeder vor dem Vater Baudruche hatte, und dieser Gedanke quälte ihn am meisten. Endlich beschloß er, sich Klarheit zu verschaffen; doch alles hatte wieder die Unbeweglichkeit der Vernichtung angenommen. Ich habe mich von einer Sinnestäuschung ängstigen lassen; diese Leute sind ja toll mit ihrer Summen Leichtgläubigkeit; schließlich hätte ich auch geglaubt, ihr Vater Baudruche wolle mir einen Streich spielen! Doch er hatte noch nicht seinen Sessel erreicht, als das Tuch sich von Neuem zu bewegen begann. Wieder ging er zu dem Todten. Diesmal war kein Zweifel möglich; seine Augen hatten ihn nicht getäuscht: unter dem Leichentuch bewegte sich etwas. Er packte mit fester Hand zu, während er mit der anderen das Linnen hochhob. Doch in demselben Augenblick stieß er einen lauten Schrei aus; eine schwarze Masse sprang ihm mit einem Satz in's Gesicht und verursachte ihm einen heftigen Schmerz. Bei der vertheidigenden Bewegung, die er machte, warf er den Tisch und die Kerze um, verlor dann selbst das Gleichgewicht, als er sie im Fallen fassen wollte, und stürzte auf die kleine Lampe, die eben falls niederfiel und das Zimmer in tiefer Dunkelheit begrub, während das unbekannte Thier, wie eine Kugel hin und herspringend, durch das Zimmer raste und wie toll fauchend Stühle und Teller herunterriß. Als am nächsten Morgen die Leute mit dem Sarge kamen, fanden sie den Studenten der Lange nach auf dem Fußboden unter den umgerissenen Möbeln mit zerkratztem Gesicht, während auf dem Fenstersims du kleine Katze des Verstorbenen saß und sich in der Sonne vergnügt die Pfoten leckte. Schonung der Auge. Dieses Aufsatzthema wurde der 2. Klasse einer deutschen Gemeindeschule gestellt und brachte u. a. folgende Stil blüthen hervor: Wenn Jemand schwache Augen und wenn er lange liest und wenn es vor seinen Augen flimmert und wenn er merkt, daß es vor seinen Augen flim mert und wenn es nicht aufhört, trifft die Augenschwache ein. Ferner muß man noch beachten, daß bei Tage das Lichi und bei Abend die Lampe von links auf unsere Arbeit fällt. Um das Auge vor Zug zu hüten, darf man sich während der Fahrt nicht aus den beiden Wagenfenstern hinaus lehnen. Man soll den Kindern, wenn sie im Bett liegen, nichts von hinten zeigen, denn die Kinder müssen dabei ih Äu

gen zu sehr verdrehen.

Philadelphias Bürgermeister. Sein Zhq im Kamps gegen den dortige republikanische tHiitg." Der Matior John Weaver von Philadelphia, dessen Sieg im Kampfe gegen den dortigen republikanischen Ring" in der Angelegenheit der VerPachtung der städtischen Gasanstalt im ganzen Lande die höchste Aufmerksam keit erregt, ist 43 Jahre alt und Engländer von Geburt. Er kam im Alter von 10 Jahren nach Amerika

John Weaver. und bethätigte sich in Philadelphia zunächst als Officejunge, sowie hierauf als Clerk in einem TepartementSladen. John Weaver erlernte die Stenograpme, studirte die Rechte, wurde zur Barre zugelassen und übte zehn Jahre lang die Advokatenpraxis aus. Zum Distriktsanwalt erwählt, führte er als solcher einen energischen Kampf gegen Wahlschwindler. Bürgermeister der Stadt der Bruderliebe" ist Weaver seit 1903. John Weaver ist ein eifriger Nachtsmann und der erste Engländer von Geburt, der in einer großen amerikaNischen Stadt das hohe Amt eines Bürgermeisters bekleidet. Kronprätendent als polarfahrcr. Der Herzog von Orleans und sein neucstc gefahrvolles Unternehme. Fast gleichzeitig mit der Nachricht von dem Ableben des als Förderer der Nordpolarforschungen bekannten Millionärs William Ziealer auf Great Jsland, Conn., traf die Kunde von der Abfahrt der Velgica" von Tromsoe. Norwegen, ein. An Bord des Fahrzcuges befindet sich der französische Kronprätendent Louis Philippe Robert Herzog von Orleans, der die Belgica" Der Herzog von Qrlezn. gekauft und auf seine Kosten ausgerüstet hat. Sein Programm besteht in der Aufsuchung der unter der Leitung Anthony Fialas stehenden Ziegler'schen Nordpolarexpedition, die vor zwei Jahren auf der America" Tromsoe verließ und verschollen ist. Zwei seitdem abgegangene Hilfsexpeditionen haben vergeblich Umschau nach der America" gehalten. Des Weiteren will der Herzog einen Vorstoß nach dem Nordpol versuchen. Die Belgica," ein Dampf-Walfisch-fänger, ist ein bewährtes Schiff. Auf ihr führte eine belgische Expedition in den Jahren 1897 bis 1899 eine antarktische Reise aus. Der Kapitän, die Mannschaft und der wissenschaftliche Stab des Fahrzeuges besitzen reiche Erfahrungen hinsichtlich der Verhältnisse und Gefabren der Polargegenden. Der Herzog von Orleans.' der jetzt 36 Jahre zählt, wurde in Twickenham. England, geboren. Er war zwei Jahre alt. als in Frankreich das Exilirungsgesetz gegen seine Familie aufgehoben wurde und seine Eltern mit ihm nach der Heimath zurückkehrten. Louis Phikippe Robert absolvirte hier das Jesui-ten-Kolleg Stanislaus und wollte eben in die Pariser Universität eintreten, als das Exilirungsgesetz erneuert ward und die Familie wieder nach England ging. Louis Philippe Robert besuchte dort das Royal Military College in Sandhurst und diente ein Jahr als Leutnant in der englischen Armee. In der Absicht, sich als Gemeiner in das französische Heer einstellen zu lassen, besuchte er eines Tages Frankreich, wo er zu zwei Jahren Haft verurtbeilt. nach vier Monaten jedoch freigelassen wurde. Der Herzog von Orleans ist seit 1890 mit der Erzherzogin Maria Dorothea von Oesterreich vermählt.