Indiana Tribüne, Volume 28, Number 244, Indianapolis, Marion County, 6 June 1905 — Page 6

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Aug. Diener,

Europäische Nachrichten.

Provinz Schkesten. B r e s l a u. Als der 19 Jahre alte Tischleraeselle Max Stephan auf einem Anschlußgeleise der Oberschlesischen Bahn mit dem Verladen von Wellblecktheilen beschäftigt war, erlitt er eine schwere Quetschung der linken Brustseite. Er wurde im KrankenHause der Barmherzigen Brüder untergebracht, wo er bald darauf derstorben ist. Dieser Tage feierte Mechaniker August Wolf, der Inhaber des bekannten Jnstallationsgeschäfts für Fernjprechanlagen, ausieegraphen etc., Viktoriastraße 114, das Jubiläum des 25jährigen Bestehens seines Geschäftes. Vriesnitz. Das 3V2 Jahre alte Töchterchen Martha des Arbeiters Nentwig, das in einem unbewachten Augenblick auf einen mit Eis bedeckten Teich ging, gerieth in ein offenes Loch und ertrank. X! u b o m. Vor einiger Zeit ist der frübere Landtagsabgeordnete für den Kreis Ratibor, Holzkaufmann Franz Segeih Hierselbst, gestorben. Er dertrat den Wahlkreis Ratibor im Abgeordnetenhause in 'den Jahren 1894 bis 1898. Seit dem 1. Januar 1886 war er Kreistagsabgeordneter, seit 1902 Amtsvorsteher - Stellvertreter. Myslowitz. Zu Tode verunglückt ist auf der Mylowitzer-Grube der Bergmann Wendrowski von hier. Wendrowski wurde von herabstürzenden Kohlenmaffen erschlaaen. O st r o g. Der in der hiesigen Klose'schen Ziegelei beschäftigte Kutscher Michna fuhr Ziegel für einen Besitzer in Raschütz. In der Dorfgassc schritt Michna neben dem Wagen. An einer engen Stelle der Straße wurde er plötzlich von dem Wagen derart gegen den Zaun eines Gehöfts gequetscht, daß er nach wenigen Augenblicken den Geist arfgab. Wüstewaltersdorf. Der bekannte Großindustrielle Geh. Kommerzienrath Dr. Egmond Websky ist hier gestorben. Dr. Websky ist 77 Iahre alt geworden. Provinz 'Aosen. Brückenkopf. Arbeiter Przybylski, der bei tem Unternehmen Alexander Draheim hierselbst als Knetyt sungirte, offano M lllrzlicy auf der Chaussee von Exin nach der Netzefähre, um daselbst Sleine abzuliefern. Als Przybylski vom Wagen steigen wollte, blieb er mit einem Beine an demselben hängen, gerieth unter die Räder und erhielt schwere Verletzungen, so daß er nach kurzer Zeit seinen Geist aufgab. Przybylski hinterläßt eine Frau und ein Kind. Gnesen. Vor Kurzem starb hier die Arbeitermittwe Wierzbinski im Alter von 103 Jahren. Die Verstorbene hatte noch volles schwarzes Haar und war bis zur letzten Stunde bei voller Besinnung. Sie hatte ein so gutes Gedächtniß, daß sie aus ihrer Jugendzeit noch Vieles zu erzählen wußte. Kaisersdorf. Einen schweren Unfall erlitt der Käthner Nimke von hier, indem er Don einem Holzfuhrwerk, das infolge der Glätte in's Schlenkern gerathen war, herabgeschleudert wurde. Nimke, der bewußtlos liegen blieb, mußte in ein nahegelegenes Haus getraaen und später in seine Wohnung gefahren werden. Er hat schwere innere Verletzungen erlitten. Krone. Kürzlich starb hier die fast 100 Jahre alte Wittwe Bertha norm. L i s s a. Der Brauereioesitzer Bo gatsch sandte seinen Kutscher mit Bier zu seiner Kundschaft über Land. Wohl fiel es auf, daß der Kutscher nach längerer Zeit noch nicht heimgekehrt war, doch glaubte man, er habe sich verspätet. Später fand man die Pferde mit dem Waaen vor dem Stall stehen, doch der Kutscher fehlte. Die Polizei wurde sofort benachrichtigt imo bald darauf fand man den Kui scher mit zerquetschtem Schädel todt auf der Chaussee im Reisener Walde liegen. Geldtasche und Inhalt waren unversehrt. Die Leiche wurde von dir Polizei beschlagnahmt und in's Kran kenhaus gebracht, um secirt zu weroen. O b o r n t k. In aller Stille wurde der hiesige Kriegsoeteran Jaspar, dessen Name und Thaten vor vierzig Jahren allgemein bekannt waren, bc graben. Er hatte als Soldat im dä nischen Kriege 1846 sich dadurch ausgezeichnet, daß er bei dem Sturme auf die Duppeler Schanzen als erster auf einer Schanze die preußische Fahne auspflanzte. S a m t e r. An Lungenentzündung infolge von Influenza starb Bürger Meister Hartman im Alter von 57 Jahren nach 24 Voriger Amtsthätigkeit. U s h. Den Eheleuten August und Bertha Runge wurde aus Anlaß ihrer goldenen Hochzeit bei der kirchlichen Einsegnung vom Pfarrer Hennig die goldene Ehejubiläumsmedaille überreicht. 'Arsvinz xcu$ietu Erlangen. Vor einiger Zeit stürzte der Dachdecker Hempel von hier von dem Dache eines Hauses auf dem Klosterplatze, auf dem t Dachdeckerarbeiten ausführte, hinab. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopfe und anscheinend auch schwere innere Ver-

letzungen, so daß er unverzüglich nach dem städtischen Krankenhause gebracht werden mußte. Erfurt. Von der Straßenbahn überfahren wurde hier der 77jährige Schuhmachermeister Friedrich Wend. Der Verunglückte hat auf wiederholte Signale des Führers, die er infolge von Schwerhörigkeit nicht wahrnahm, das Geleise nicht verlassen. Ein sofortiges Halten war auf den schlüpfngen Schienen nicht möglich, und Wend wurde angestoßen und mit großer Wucht auf's Pflaster geschleudert, so daß er einen Schädelbruch erlitt. Der Tod trat auf der Stelle ein.

Gardelegen. Der Rentier Wilhelm Zaber beging mit seiner Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit. H a r b k e. Die Obersteiger Uhe, Thomas und Niemann der hiesigen Kohlenwerke erhielten für mehr als 25jährige treue Dienste in ihrem Berufe goldene Uhren mit Widmung zum Geschenk. Liebenwerd a. Auf dem Eisenwerk Lauchhammer stolperte der Zormerlehrling Stoltze, als er flüssi ges Eisen transportirte. Die Masse ergoß sich auf seinen Körper, sodaß er furchtbare Brandwunden erlitt. Nordhau'en. Das hieiige Schwurgericht verurtheilte den BuchHalter Curtius wegen Ermordung der Wittwe Günther aus Lutter zum Tode. Curtius war vom hiesiqen chwurgericht bereits zum Tode verurtheilt, aber das Reichsgericht hatte auf den Revisionsantrag des Angeklagten die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Schwurgericht Hierselbst zurückverwiesen. Sangerhausen. Das Fest der aoldenenHochzeit feierten im Kreise der Angehörigen der Landwirth Friedrich Franke und seine Gemahlin. Die Einsegnung des Jubclpaaes vollzog Pastor Nittschalk. W e i ß e n f e l s. Stadtältester von Rakowski starb kürzlich im Alter von 73 Jahren. Provinz Kannover. Hannover. Die goldene Hochzeit feierten in aller Rüstigkeit im engsten Familien- und Freundeskreise die Eheleute Modelltischler Joachim Carl Gottschalk und Frau, Sophie, geb. Steinweden. Hier überfuhr ein Straßenbahnzug auf derCeller Chaussee den fünfjährigen Jungen des Bäckermeisters Heuer. Es wurde dem Kinde der Kopf abgefahren und ein Arm ausgerissen. Es war sofort todt. Das 25jährige Dienstjubiläum feierte der städtische Aufseher Hermann Oppermann. Alfred. Ein bedeutendes Schadenfeuer entstand imHause des Schuhmackermeisters Greve amMarkt. Das Feuer kam als Dachstuhlbrand aus und ergriff infolge des starken Windes das benachbarte Gasthaus zur Deutschen Eiche". Beide Häuser waren Fachwerksgebäude und brannten mit sämmtlichen Hintergebäuden total nieder. 8 Familien sind obdachlos. Groß - Burgwedel. Hier brannten die 'Stallungen und Wagenremise des Hofbesitzers Heinrich Germs nieder. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Hoheneggelfen. - Gastwirth Ferdinand Gehrs feierte dieser Tage seinen hundertsten Geburtstag in geistiaer und körperlicher Frische. I s e n b ü t t e l. Die alte Mutter des hiesigen Landwirths Seinecke warf sich in einem Ansall geistiger Umnachtung in einen offenen Brunnen. Als man sie herauszog, war sie bereits eine Leiche. Kurz zuvor erhängte sich die Ehefrau des Landwirths Wolter hier in ihrer Schlafkammer. Auch diese That wird auf Geistesstörung zurückgeführt. Lamspringe. Auf schreckliche Weise zu Tode gekommen ist die drei Jahre alte Tochter der Lohgerber Ullrichschen Eheleute. Das Kind fiel im unbeaufsichtigten Augenblick in dik Grube, in der das Leder gegerbt wird In der Lohe fand das Kind nach weni gen Augenblicken seinen Tod. Nordgeorgsfeh n. Letzten! beging die Hebamme Mindrup ihr 50' jähriges Jubiläum als solche. S a r ft e v t. Ende Mai fand die 25jährige Jubelfeier der hiesigen freiwilligen Feuerwehr statt. Vrovinz Wcstfcrren. B o m m e r n. Das etwa dreijährige Söhnchen des Bergarbeiters Schuhmacher machte sich, als die Mutter für einen Augenblick das Zimmer verladen hatte, an emem auf zwe: stuhlen stehenden Waschfaß zu schaffen, das mit heißem Wasser gefüllt war. Das Faß stürzte um und der Inhalt ergoß sich auf den Kleinen. Die erlittenen Brandwunden waren derart, daß das Kind nach wenigen Augenblicken starb. Brunnrnghausen. Der Kutschwagen des Brauereibesitzers Thomas von hier wurde von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn an einer Wegekreuzung erfaßt und vollständig zertrümmert. Thomas sowie ein anderer Insasse wurden schwer netzt, der Kutscher blieb unversehrt. D ü l m e n. Dem früheren hiesiaen Magazmverwalter ftnto Gründel bach wurde das Allgemeine yrenzel chen verliehen. Hagen. Einen Selbstmord durch Vergiftung mit Lysol verübte hier der 26 Jahre alte Student Rudolf Wegner. Er wurde schon längere Zett vermißt. Kürzlich fand man ihn als Leiche in seinem Schlafzimmer. Die ärztliche Untersuchung ergab Selbst

mord durch Lysol. Die Veranlassung zu der That ist unbekannt. Der Vater des Wegner, der Rentner Wegner, wurde vor Jahresfrist bei Hohenlimbürg als Leiche aufgefunden, wo er durch einen Sturz in das Flußbett

seinen Tod gefunden hatte. Horn. Hier fuhr der Blitz in die Besitzung des Kaufmanns H. Eisenberg. Im Nu stand das Haus in hellen Flammen. Von dem Inventar konnte nichts gerettet werden. Die Bewohner waren vielmehr froh, daß sie ihr nacktes Leben in Sicherheit brachten. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. S i ch t i g v o r. Eine Familientragödie schlimmster Art ereignete sich hier. Der angetrunkene Arbeiter Berghoff stach infolge eines geringen WortWechsels seinen 19jährigen Sohn mit einem Brotmesser am Mittagstische in den Unterleib, sodaß der Verwundete hoffnungslos darniederliegt. Hierauf wurde der Thäter von seinen Söhnen und hinzugekommenen Nachbarn derart verprügelt, daß ihm eine Anzahl Zähne aus dem Munde fiel. Vater und Sohn mußten im Krankenhause aufgenommen werden. V o r m h o l z. Hier ist ein Brautpaar aus unserer Gemeinde in den heiligen Ehestand getreten, welches zusammen das schöne Alter von 149 Jahren repräsentirt. Er," ein Jungae elle, ist 84 Jahre alt, erfreut sich aber trotzdem der besten Gesundheit und Rüstigkeit. Seine Auserkorene ist eine blühende Wittwe von 65 Iahren. 'Rheinprcrinz. Köln. Der sechzehnjährige MilchHändlerssohn Matthias Mahlberg aus der Follerstraße spielte auf dem Holzmarkt mit einem Revolver. Er wollte einen Schuß in die Luft abfeuern, der aber nicht losging. Als sich der Junge von der Ursache des Versagens der Waffe überzeugen wollte, entlud sich plötzlich der Revolver, und die Kugel drang dem gegenüberstehenden siebzehnjährigen Max Eidneyer, Sohn eines Rheinaröeiters, in's Herz. Der Getroffene sank auf der Stelle todt zusammen. Die Polizei brachte den Thäter in's Gefängniß. Man fand bei ihm zwei Revolver und noch 200 Patronen vor. Düsseldorf. Die Eheleute Heinr. Keulerz und Frau Barbara, geb. Keller, Zitadellstraße 17 wohnhaft, feiern demnächst das seltene est der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist seit 42 Jahren im Hafen angestellt, er versieht noch täglich in völliger körperlicher und geistiger Frische seinen Dienst. Vor zwei Jahren erhielt Keulerz das Allgemeine Ehrenzeichen. Elberfeld. Kürzlich ist die 11jährige Hulda Beckhaus in der Wohnung Beckmannshofstraße 5 beim Spielen am Kochherd vom Feuer erfaßt und im Gesicht und am ganzen Körper stark verbrannt worden. Bald darauf ist das Kind im städtischen Krankenhause an den Brandverletzungen gestorben. Essen. Einer Blutvergiftung erlag der Reichsbankkassirer Ohly. Er hatte sich mit einem Hundertmarkschein den Finger geritzt. L e n n e p. Vor einiger Zeit ereignete sich im hiesigen Bahnhof in dem Einschnitt in der Ausfahrt nach Luttringhausen ein gräßliches Unglück. Der Arbeiter Wenzel Diblik aus Soptnitz in Böhmen, der mit Aufladen von Erdmassen beschäftigt war, wurde plötzlich von einer herabstürzenden Felsmasse erschlagen und arg verstümmelt, sodaß der Tod sofort eintrat. M ü l h e i m. Der Rentner Michael Hirsch von hier beging m Verhältnißmäßig großer Rüstigkeit und Frische semen hundertundzweiten Geburtstag Der ehrwürdige Greis, dessen Appetit ein vorzüglicher ist, ist im Jahre 1803 in Hömel, Kreis Gummersbach, geboren. Im Jahre 1834 siedelte er nach hier über. 1836 heirathete er und qründete hier ein Metzgergeschäft. Seine Lieblingsbeschäftigung ist, die Pfeife zu rauchen und Spaziergänge zu machen. Ein Sumbert - Prozeß im kleinen, der insofern eines gewissen kuriosen Interesses nicht entbehrt, als Fredenc Humbei:t darin als Änlia aer auftrat und am Schlüsse der Ver bandluna eine Summe von 255 Franken zugesprochen erhielt, beschäftigte unlängst das Pariser Civilgericht. Der Advokat der Humberts Lrns Th6venet batte auf Antraa seines Klienten gegen einen Bäcker aus Neuilly Klage erhoben. Als die Humberts noch Eiaentbümer des Gutes Celeyrau in der Nähe von Neuilly waren, bezogen sie verschiedene Einkünfte aus der Landwirthschaft, indem sie unter anderem weißen und rothen Wein verkauften. Unter den Abnehmern befand sich auch ein Bäcker aus Neuilly, von dem aber keine Bezahlung zu erlangen war, iedenfalls. weil der brave Meister glaubte, einem Zuchthäusler brauche man seme Schulden nicht zu vezaylen. Der Gerichtshof stellte sich natürlich auf einen anderen Standpunkt und verurtheilte den saumigen L?cyuioner zur Zahlung von 255 Franken an Frederic HumvftVModern. Helene empfano plötzlich lebhaftes Interesse für alle möglichen Zlrten von Sport und trug lebhaftes Verlangen, zu studnen und ihren Doktor" zu machen kurzum, in der lungfraulichen Seele war der Mann erwachs"

Schicksal. Novellette von Thomas P. Krag. Aus dem Norwegischen von Julia Koppel. Sind Sie jemals einen altbekannten Weg entlang gewandert, wo Alles,

was Sie sahen, unlösbar mit Ihrer Kindheit verknüpft war sind Sie dann plötzlich überrascht stehen gebheden und haben sich selbst rathlos gefragt: Was ist das? Was in aller Welt ist das? Habe ich mich im Weg geirrt? Alles ist ja verändert! Wie gut ich mich der alten Allee er innerte, die zu dem großen, weißen Schloß hinaufführte! Ich erinnerte mich des Schlosses selbst mit der prunklosen Fontäne davor, mit dem großen Garten und dem Teich, auf dem die drei weißen Schwäne schwammen. Alles dessen erinnerte ich mich, als ich an einem Nachmittage in diese altbekannte Gegend kam, und ich bereitete mich darauf vor, alles wiederzusehen. Da stockts. plötzlich mem Fuß. Was war das? Alles verschwunden. Schloß und Garten und alles Andere! Und statt dessen erhoben sich rund umher kleine naseweise Villen im Hokus-Po-kusstil. Das war zu viel! Ich setzte mich an den Grabenrand, um mich von meiner Enttäuschung zu erholen und um die Zerstörung näher in Augenschein zu nehmen. Da kam eine alte Frau des Weges, blieb vor mir stehen und begann mich auszufragen. Es endigte denn auch damit, daß sie alle interessanten Daten über mich zu wissen bekam, als da sind Geburtsjahr, Heimath und Familie. Und dafür erfuhr ich, daß sie in dieser Gegend zu Hause und daß sie in dem Schloß, das hier gelegen hatte, in Dienst gewesen war . Ja, nun war es ja fort, und die Familie hatte es selbjt gewünscht. Die eigentliche Erbin h&t nichts zu sagen. Die kümmerte sich m nichts hing ihren traurigen Gedanken nach wohnte bei Verwandten. Was fehlt ihr?" fragte ich. Ach, die hat mit dem Leben abgeschlössen. Ach Gott ja! War einstmals jung und schön. Da kam einer, den sie gern hatte Friedrich Böge, und sie verlobten sich miteinander, und bald sollte die Hochzeit sein, denn sie brauchten ja auf nichts zu warten. Waren beide so schön und so glücklich, daß es ihnen nur so aus den Augen strahlte. Die alte Frau hielt inne und schüttelte lange nachdenklich den Kopf. Na," fragte ich, wie ging es dann weiter?" Hm, wie es weiter ging, mein guter Herr? Schief ging es, so schief wie nur möglich. Denn das junge Fräulein war nicht nur schön und herrlich, sie hatte auch einen steifen Nacken, das hatte sie von ihrem Vater selig geerbt. Und so kam es, daß die beiden jungen Leute sich erzürnten, gewiß über eine ganze Kleinigkeit. Wir konnten es ja alle sehen, daß sie sich gram waren. Was war da zu thun? Wissen Sie, was die alte Ane Lisbeth that? Sie war -über fünfzig Jahre im Dienst gewefen und konnte sich schon was herausnehmen. Sie ging also eines Tages auf den jungen Herrn zu, als er einsam und allein im Garten spazierte, und sagte zu ihm: Sie dürfen den Muth nicht verlieren! Thun Sie nur den ersten Schritt, dann wird sie schon wieder gut werden." Und der junge Herr lächelte ganz wenig: Danke, Ane Lisbeth," sagte er, aber ich glaube nicht, daß es etwas nützt " Nein, es nützte wohl nichts. Einer von den Dienstboten hatte ihn mit Thränen und Klagen bitten hören, aber es hatte nichts geholfen. Gott weiß, was in sie gefahren war. Er hatte wohl etwas gethan, was sie ihm schwer verzeihen konnte, sonst wäre sie wohl nicht so hart gegen ihn gewesen, denn daß sie ihn liebte, das wußten wir alle. Und eines Morgens reiste er ab. Da schüttelte die alte Gnädige den Kopf und sagte: Minna, Minna, bist Du nicht zu hart gewesen?" Und das .Fräulein selbst sagte kein Wort, aber ich sah, wie es um sie bestellt war. Sie war ganz blaß, und ihre Augen glänzten wie bei Fieberkranken. Und Sie mögen es glauben oder nicht: zweimal hieß sie den Wagen anspannen, und während der Kutscher damit beschäftigt war, ging sie rathlos auf und nieder. Aber was nützte es, daß der Kutscher den Wagen anspannte! Sie knotete die Hände ineinander und rief im letzt :n Augenblick: Rein, ich will doch nicht fahren " Ja, das sagte sie, ob"gleich wir alle sahen, wie diese Worte ihr gleichsam Blut und Kraft aussogen. Ich bin nur eine arme, einfältige Frau und. habe vielleicht gar kein Recht, die Handlungen eines solch feinen, stolzen Fräuleins zu bekritteln. Aber so viel darf ich wohl sagen: Wer so handelt, wie unser Fräulein, der thut nicht recht. Sie wollte ihrem Geliebten nacheilen und hieß den Wagen vorspannen, und es war wohl ihr guter Engel, der es ihr zugeflüstert hatte. Aber aus Hoffärtigkeit ließ sie den Wagen wieder ausfpannen. So lebte sie denn weiter wie sonst und that, al5 ob nichts los wäre. Sie war ein schönes Menschenkind, mit ein Paar Augen imKopf, wie man sie nicht oft sieht; und ich glaube nicht, daß sie trübe wurden von den Thränen, die sie weinte denn Thränen weinte sie sicher. Man sah eö ihr an so voll Kummer, von dem man nicht spricht

i bewahre, die Vornehmheit mußte ja gewahrt bleiben! Nur nicht nachgeben, wenn man auch inwendig verblutet. Eines Tages kam ein Herr zu Besuch, den wir nicht kannten. Er schien aber die alte Gnädige zu kennen, und sie sprachen lange zusammen. Sie saßen im Garten, und als eines der Mädchen mit dem Kaffee kam, sah sie, daß die alte Gnädige weinte, und sie hörte den fremden Herrn murmeln: Er geht zugrunde bei dem Leben, das

er führt, er setzt seine Gesundheit dabei zu und das alles wegen solcher AI bernheiten ja, ich sage Albernheiten! Sie waren ja so glücklich miteinander. Die verdammte Klatscherei " Was weiter geschah, weiß ich nicht genau. Aber irgend etwas mußte sich wohl ereignet haben, denn kaum ein Vierteljahr nachdem der fremde Herr dagewesen war ging Fräulein Minna eines Tages so glücklich und lächelnd umher, daß wir alle merkten, daß etwas geschehen sei. Und am nächsten Tage kam er. Ja, er war es, und er war es doch wieder nicht. Sonst war er wie der junge Morgen gewesen, so froh und munter aber jetzt war er nachdenklich und ernst. Er konnte wohl lachen , aber der Gram feiner Züge wollte trotzdem nicht weichen. Jetzt zeigte es sich aber, wie viel Fräulein Minna von ihm hielt. Sie blickte gleichsam auf, wenn sie an seiner Seite ging: Jetzt wirst Du bald wieder wie früher die Sehnsucht noch mir hat Dich so traurig gemacht, bald wirst Du wieder wie früher." Ich aber dachte bei mir, weil ich eine alte und erfahrene Frau war, daß ihm vielleicht Allbekannte Dinge zugestoßen seien, in der Zeit, in der sie ihn verstoßen hatte. Vielleicht hatte er sein Leben ruinirt. Es passirt ja so oft in der Welt und das wurde mir später immer klarer Denn eines Abends gab es einen wahren Höllenspektakel. Was war gefchehen? Rund heraus gesagt, der Herr wollte Fräulein Minna in Raserei und Tobsucht erdrosseln. Wir mußten alle herbei, um ihn zu halten. Sie hat mich gemordet!" schrie er. Und jetzt ruf: sie mich wieder, obgleich ich ein todter Mann bin. Weshalb hat sie damals so gehandelt, das verdammte Weib, weshalb hieß sie mich gehen " Nach und nach aber wurde er stiller und weinte nur herzbrechend. Wie er weinte! Ich hatte nie die Worte, die in der heiligen Schrift stehen, von den blutigen Thränen, verstanden jetzt aber verstand ich sie. Minna," sagte er, Du hast keine Schuld es ist mein Verhängniß. Es sollte so sein, daß ich der unglücklichste Mensch von der Welt werde. Jetzt wage ich es nicht, Dich an mich zu fesseln." Am nächsten Tage aber kehrte seine Raserei wieder, und er wurde gefährlich für seine Umgebung. Er glaubte dann, daß das Fräulein ihn verfolge und ihm ein Leids anthun werde. Seit der Zeit ist sein Verstand umnachtet gewesen. Wenn er jetzt seine lichte Augenblicke hat, geht er durch den KrankenhausGarten und jagt hinter einem Vogel her und wenn Jemand ihn fragt: Na, Herr Friedrich Böge, haben Sie den Vogel gefangen?" dann schüttelt er den Kopf. Aber hier sind doch so viele!" Ja, hier sind viele," sagt er ernst, aber sie taugen alle nichts. Keiner ist wie der, den ich einmal als Hei ner Junge fing. Das war ein herrlicher Vogel, ganz aus Gold aus purem Gold. Ich nahm ihn und bewahrte ihn auf, aber er kam doch weg, ich verlor ihn, obgleich er vielleicht mein Glück war," ja, fo spricht er obgleich er vielleicht mein Glück war. Jetzt suche ich ihn und wenn ich ihn gefunden habe, will ich weit fort reisen und ihn besser aufbewahren." Ja, so spricht er man versteht ja nicht, was er damit meint; aber wer kann das Gerede Irrsinniger verstehen? Hin und wieder singt er. Manchmal mitten in der Nacht. Gott, was haben solche Menschen für seltsame Töne in der Brust! Ganz anders wie andere. Ja, ja, ihm ist es schlecht ergangen, und den herrlichen Goldvogel findet er wohl nie. Fräulein Minna? Ja, gesund ist sie, aber sie wurde starr und bleich seit jenem Tage. Sie lebt bei Verwandten und sie soll bei vollem Verstände sein, aber für gewöhnlich ist sie still und sagt nur das Nothwendigste sie kann stundenlang sitzen, ohne sich vom Fleck zu rühren. Ja, und nun hat die Familie das Besitzthum verkauft, und hier wird gegraben und gebaut. Reiche Leute aus der Stadt sollen hier im Sommer wohnen. Ich kann mich nicht recht darein finden. Nein, wie Sie sagen das alte Schloß hätte stehen bleiben müssen! E i n Grobian. Junger Ehemann: Meinst Du nicht auch, daß P'k Gardinen durch mein starkes Rauchen leiden?" Frau Du bist doch der beste, sorgsamste Mann, natürlich leiden sie darunter!" Mann: Dann nimm' sie ab!" r Verschnappt. Fräulein: Von meinen sieben Schwestern habe ich auch, unter uns gesagt, die größte Mitgift!" Hrr: .Na, das habe ich mir gleich gedacht."

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