Indiana Tribüne, Volume 28, Number 243, Indianapolis, Marion County, 5 June 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, S Juni 1905.

Dic Jagd nach j

t vem Mann t Kornan von Maximilian Köttrtier 1 (Fortsetzung.) f Der Justizrath depeschirte an die Redaktion des Herald" und bat uni Bestätigung dieser Nachricht. Sie wurde ihm unverzüglich gegeben. Er sandte also Herrn Wvndham seine leicht verdienten fünfhundert Mark und kabelte an Oliver Smith in Johannesburg: Sie sind von Ihrem kürzlich verftorbenen Onkel Armin v. Weistritz unter gewissen Einschränkungen und Bedingung' zum Universalerben eingesetzt worden und werden ersucht, un Kerzüglich hierher zu kommen, da das Testament nur in Ihrem Beisein geöffnet werden soll." Worauf folgende Antwort anlangte: Bin lau: Vertrag bis Ende des Jabres an meinen Posten gebunden. Weistritz." Hm," dackte Raumann, da mir der alte Baron die denkbar rascheste Erledigung seiner Nachlatzbestimmungen zur Pflicht gemacht bat. damit die von ibm irr4 Legaten Bedachten möalichst bald zm ihrem Gelde kommen, so will ich dock) zusehen, ob ich für diese Leute und für den vseudonymen Herrn Oliver Smith selbst nicht ein wenig Vorsehung spielen kann." Und er fragte bei dem Chefredakteur des New f,oxl Herald" an, ob er nickt geneigt wäre, seinen südafrikanischen Kriegsreporter gegen eine angemessene Entschädigung aus seinem VertragsVerhältniß zu entlassen. Ter Heraldmann aber wollte sich auf nichts einlassen, und so legte der Justizrath das Telegramm zu den Akten. Ta die von ihm in australischen Blättern aufgegebenen Anzeigen mochten gerade erschienen sein traf aus Melbourne ein Telegramm ein, in dem zu lesen stand: Der gesuchte Freiherr Bodo v. Weistritz verbüßt hier zur Zeit eine vierjährige Gefängnißstrafe wegen zweimaligen Tiebstahls und dreifachen Betrugs. Hurley, Direktor der Strafanstalt." Nun, einer von beiden hoffentlich der Australier ist der falsche Bodo," dachte Raumann. Da ich aber auf meine alten Tage weder nach Johannesburg noch nach Melbourne fahren kann, um den echten zu rekoanosziren. so werde ich wohl warten müssen, bis er kommt, und bis dahin Weistritz' Hinterlassenschaft auf dem Halse behalten." Er ließ sich also vom Gericht als Nachlaßpfleger bestätigen, verabschiedete als der sparsam-gewissenhafte Mann, der er war, bis auf wenige zu? Instandhaltung des Schlosses unentbehrliche Leute die zahlreiche Dienersckaft, die in Ebersthal dem lieben Gott den Tag abstahl, auch verkaufte er die Mehrzahl ' x Luruspferde und -Hunde, deren Onkel Armin eine große Menge gehalten hatte, und die nun ohne allen ersichtlichen Zweck das theure Futter fraßen. Den Administrator und den Oberförster bat er, sie möchten die ihnen unterstellten Wirth-schafts-und Forstbeamten zur Ehrlichkeit und Pflichttreue ermähnen; soviel an ihm läge, würde er dafür sorgen, daß der neue Herr beim Antritt seines Erbes jeden seiner Leute nach Verdienst belohne. Auf den Feldern wuchs die Saat und wurde reif, auf den Gutsböfen Ebersthal und Herbartshöhe füllten sich die Scheunen mit dem goldenen Erntesegen es ging alles feinen ge wohnten Gang, und nichts im ewig gleichen Getriebe des Alltags verrieth, daß der nicht da war. für den so viele ihre Hände regten, ja, daß man nicht einmal genau wußte, ob er jemals zurückkommen würde. Der Justizrath, dem es nicht in den Kopf wollte, daß ein Weistritz wegen ehrenrühriger Vergehen im Gefängniß sitzen sollte, und der deshalb beharrlich den südafrikanischen Kriegsberichterstatte? für den echten Bodo hielt, hatte gleich nach dem Eintreffen der Melbourne? Nachricht noch einmal an Mr. Oliver Smith depefchirt, ihm da Sachverhalt mitgetheilt und ihn ersucht, er möchte seine Identität durch Einsendung seiner Papiere und seiner Photographie nachweisen. Aber weder Papiere noch Photographie waren eingetroffen, ja nicht einmal zu einem Protest qeaen die australische Nebenbuhlerschaft hatte sich dieser Mr. Oliver Smith herbeigelassen. - Raumann wußte nicht, was er sagen sollte. Mein Gott, man konnte schließlich nicht wissen und er wollte sich schon mit der Bitte um freundliche Mitwirkung an den deutschen Konsul in Melbourne wenden, als er auf dem Umweg über oas Auswärtige Amt in Berlin ein voluminöses Schreiben der australischen Regierung erhielt, in dem mitgetheilt wurde, der im Staats?fängniß inhaftirte Freiherr v. Weistritz sei bei einem waghalsigen Fluchtversuch zu Tode gekommen, die Regierung verlange aus seinem Erbe Befriedigung Är die fünf Leute, die er durch Diebtahl und Betrug um etwa vierzigtauend Mark geschädigt hätte, sowie die tinfhunoert Mark Belohnung für Mr. Hurley; zum Beweise der Berechtigung ihrer Ansprüche und der Identität des

Verstorben ' überreiche sie das Proto-

koll der gegen den Frecherrn v. Wei stritz stattgehabten Gerichtsverhandlung und seine Ausweispapiere. Der Justizrath besah diese Papiere von vorn und hinten. Ja, es war alles in Ordnuna. daran konnte kein Zwei fel fein: Militär- und Auswanderungspatz mit dem richtigen Namen, den richtigen Daten und den echten Stempeln, etwas angegilbte Visitenkarten mit der Titelunterschrift Oberleutnant im Regiment Gardedu corps, Potsdam," ein preußischer Jagdschein aus dem Jahre 1897, ebenfalls in Potsdam ausgestellt, selbst d-e Brieftasche aus Saffianleder mit dem Monogramm B. W. und der sieben zackigen Krone darüber und eine kleine Photographie von Fräulein Martha Feblow. Der Justizrath schüttelte sein schwarzlockiges Haupt. Die Sack; mußte einen Haken haben sie mußte! Ein Weistritz konnte sich, wenn seine Noth auf's Höchste geft'?gen war. eine Kugel vor den Kopf schießen, aber er konnte nicht stehlen und betrügen. Nun und nimme-mehr! So aus der Art schlug ein Weistritz nicht. Am wenigsten Bodo. der immer besonders stolz gewesen war. der abgesehen von der verflixten Spielgeschichte im Punkt der Ehre peinlich streng auf sich gehal ten hatte. Er antwortete also der australischen Regierung höflich, aber entschieden, fthäte ihm sebr leid aber man brauche sich in der Angelegenheit nicht weiter ju bemüben. Der bei der Flucht aus dem Melbourne? Gefängniß zu Todgekommene Uebelthäter wäre unter fal scher Flagge gesegelt, offenbar hätte er die bei ihm vorgefundenen Papiere d:m eckten Freiherrn v. Weistritz gestohlen. xtti, der einzige zur Führung Dtt Namens und zum Antritt der Erbschaft Berechtigte, sei bereits gefunden. Er hielte sich zur Zeit in Südafrika auf und würde bei Beginn des neuen Jahres nach Deutschland zurückkehren. Am Stammtisch in der Krone" und auf den Kaffeekränzchen, welche die Ebersthaler Damenwelt als ihre liebste Nachmittagsunterhaltung in fchier ununterbrochener Folge zu veranstalten pflegte, wollten die Gemü ther nicht zur Ruhe kommen. Aus Raumann war zwar nach wie vor nichts herauszuholen; sobald das Gespräch auf die Weistritz'sche Erbschaftsangelegenheit kam, schien er plötzlich taub und stumm geworden zu sein. Und auch aus seinem Bureau dahin hatte er feine Leute mit unerbittlicher Strenge gedrillt drang nun und nimmer etwas über die Angelegenheit seiner Klienten an die Oeffentlickkeit. Daß die Gestllsckaft von Eberstbal sich trotzdem über die Ereignisse so ziemlich auf dem Laufenden befand, mußte daher eigentlich wundernehmen. Aber es ging ganz einfach zu. Gerade daran aber, bajj der Postmeister Franke beim Aufwerfen der schon reinweg zur Stammtisch' plage gewordenen Frage: Na, was Neues vom Bodo?" stets eine total vereiste Miene aufzusetzen und unheimlich reservirt die Achseln zu zucken pflegte, schloß der pfiffige Justizrath, daß der kleine kahlköpfige Cbef der Ebersthaler Neuiqkeitsanstalt" in Betreff Wahrung des Amtsgeheimnisses kein ganz reines Gewissen hatte. Hätte Raumann indessen eine so große, hübsche und neugierige Frau gehabt wie Frau Postmeister Franke, geborene v. Jsebiel es war, wer weiß, ob er sich im Zauber häuslicher Zwiesamkeit nicht auch von ihr die intimsten Angelegenheiten seiner Mandanten hätte abschmeicheln lassen. Erzählten sich doch böe Zungen von Frau Franke sogar, sie habe es früher, in den wortkargen Tagen gelegentlicher Ehezwiste, nicht einmal verschmäht, die Assistenten ihres Gatten über interessante Posteingänge auszuforschen. War es da also dem kleinen kahlköpfigen Mann, der ebenso zur Eifersucht wie zum Embon point neigte, allzusehr zu verdenken, daß er es vorzog, den schier unersättlichen Wissensdrang seiner besseren Hälfte lieber selbst zu befriedigen? Nackdem der Justizrath auf sein letztes an Mr. Oliver Smüh gerichtetes Telegramm vier Wochen lang vergeblich auf Antwort gewartet hatte, beschloß er. noch einmal bei dem ..New York Herald" um Auskunft über Verbleib und Befinden des Verschollenen anzufragen. Der Bescheid, den er mit amerikanischer Pünktlichkeit erhielt er hatte die Antwort natürlich vorher bezahlt machte ihn erschrecken. Hm, hm." murmelte er, die arme Martha Fehlow! Aber vielleicht, vielleicht . . . Na. jedenfalls, solange kein amtlicher Bescheid da ist, braucht sie ja nichts zu erfahren." Und er schloß das Telegramm, ohne daß diesmal sein alter treuer Bureauvorsteher von dem Inhalt Kenntniß genommen, in das Geheimfach seines Geldschrankes. Natürlich hatte aber Frau Postmeiste? Franke, wenn auch unter Versicherung größter Diskretion, bereits außeramtlich Kunde von der ominösen Botschaft erhalten; und in dem stolzen Bewußtfein, eine ebenso geheime wie erschütternde Neuigkeit auf Lager zu haben, erschien sie diesmal auf dem obligaten Kaffeekränzchen, das gerade bei Frau Kommerzienrath Fleidner an der Reihe war. mit noch vornehmerer Verspätung als gewöhnlich. Während der schier endlosen Klagen über die Dienstboten, in denen sich die versammelten Damen gewohnterweise die übervollen Herzen auszuschütten vfleaten. laa Krau Kranke lknae im

heißen Kampfe mit ihrem besseren

Selbst. Sollte sie verrathen, was sie wußte, oder sollte sie schweigen? Sie hatte sich ihrem Gatten, der vom Justizrath ers! kürzlich mit einer zweideu-tig-sarkastiscken Bemerkung gewarnt worden war. ehrenwörtlich zum Mundhalten verpflichten müssen, aber das Herz rumorte doch gar zu sehr dagegen, daß es ein Geheimniß allein tragen sollte, und die große Neuigkeit verbrannte ihr geradezu die Zunge. Zu allem Unglück fragte dann auch noch Frau Apotheker Meinhardt: Sie sind wohl beute durch irgend etwas bedrückt, liele Frau Postmeister? Oder warum sind Sie sonst so schweigsam?" Da konnte Frau Franke nicht anders. Sie setzte die Miene eines Zauberkünstlers auf. der seine Zuschauer mit einer besonders packenden Nummer verblüffen will, und antwortete: In der That, meine Liebe, ich fühle mich bedrückt, im allgemein menschlichen Sinne bedrückt, durch eine Hiobspo'. deren Mitwisserin ich durch einen sonderbaren Zufall geworden bin!" Ach WH, bitte, erzählen Sie!" Sie ersckrecken mich!" Es gebt doch hoffentlich keine von uns an?" ..Sie werden uns doch nicht auf die Folter spannen wollen?" schwirrte es durcheinander. ..Nein, meine Damen, ich will S'e mit meiner Neuigkeit nicht auf die Folter spannen, ganz gewiß nickt. Dock, müßte ich vorher bitten, daß Sie mir allesammt ehrenwörtlich unbedingtes Diskretion zusichern, auch gegen Ihre nächsten Angehörigen," parlamentire Frau Franke, die eigentlich von si selbst hätte wissen müssen, daß für mancke Frau auch das Ehrenwort Wmt inbedingte Verpflichtung zum Schweien bedeutet. Das allgemeine Ehrenwort wurde mit einstimmigem Gemurmel gegeden. Also." sprach Frau Franke mit einem tiefen Seufzer, die Sache Weistritz ist auf recht schmerzliche Art nunmehr zu einem definitiven Abschluß gelangt." Abschluß?" Wie?" Was?" Wieio?" Ist Bodo etwas zugestoßen?" Die goldenen Mokkaloffelchen und die Obertassen klirrten auf die Untersätze. T:e Frau Postmeister tastete sich mit den großen, aber wohlgepflegten und von Ringen übersäten Händen über das reiche goldblonde Haar, von dem ihre Neiderinnen behaupteten, es sei im früheren Anstellungsort ihres Mannes braun gewesen, und weidete sich erst noch einen Augenblick an der athemlosen Spannung ihrer Genossinnen. Nur das eine sah sie nicht, daß Fraulem Martha Fehlow, die der Kommerzienrätbin helfen mußte, die Honneurs zu machen, und die der Frau Apotheker Meinhardt gerade die tbente Tasse einschenkte, blaß geworden war bis in die Lippen. Wie hätte auch eine geborene v. Jsebiel auf die untergeordnete Existenz einer Erzieherin achten sollen! Ja Bodo ist allerdings etwaczugestoßen," begann Frau Franke, als die Spannung aufs Höchste gestiegen war. Er kommt nie mehr zurück. Er ist todt. Das heißt, wenn der südafrikanische Mr. Oliver Smith der echte Bodo ist. Denn wenn es der Ausiralier gewesen sein sollte, ist er ja natürlich suion lange todt. Wie gesagt also: Heute ist über New Dork die Nachricht gekommen, daß Mr. Oliver Smith wahrscheinlich bet Pretoria gefallen ist." Fräulein Martha Fehlow fand kaum die Kraft, der Apothekerin das gefüllte Mokkaschälchen über den Tisch hinüberzureichen. Ihre feinen schmalen Hände zitterten, ihr Antlitz war leichenblaß, und in ihren Füßen hatte sie eine Empfindung, als bräche der Boden unter ihnen zusammen. Ich möchte einmal hinaus, nach Sieglinde zu sehen," wollte sie sagen, aber sie brachte kein Wort über d;e zuckenden Lippen. Lautlos, mit unsicheren Schritten ging sie zur Thür und schwankte in ihr Zimmer, wo sie mit einem dumpfen Wehlaut niedersank. Keine von den Damen hatte weiter auf sie acht gegeben; die Nachricht von Oliver Smiths Tod war zwischen sie gefahren, lähmend wie ejn Blitz. Welche Sensationen, welche interessanten Enthüllungen hatte man nicht noch von dieser Weistritz'schen Erbschaftsgeschichte erhofft! Und nun kam der triviale Tod und zog einem den Vorhang vor der Nase zu, ehe noch das Schauspiel selbst begonnen. Man erfuhr wohl nimt einmal mit Sicherheit, ob der Melbourne? Verbrecher oder der amerikanische Kriegsreporter der echte Weistritz gewesen war, und man war doch in gegensätzlichen Schlüssen und Behauptungen darüber oft genug hart aneinander gerathen. In Frau Ilses hübschen Augen glänzten sogar zwei Thränen. Ihre in den letzten Wocken schon wieder in Vergessenheit gerathene Schwärmerei für Bodo war jählings von Neuem erwacht. Mein Gott, also wirklich wie sie's auf der Fahrt nach Schloß Ebersthal in einer Art Einaebunq gedacht todt! Der schöne Bodo todt! Dem Zuge des Herzens folgend, hatte sie immer zu der Partei gehört, die darauf schwor, daß der Afrikaner der echte Weistritz wäre. Und sie freute sich aus einmal gar nicht mehr darauf, daß gegen Abend die Herren komm-n sollten, ihre Damen abzuholen, und daß auch Voaenschütz mit seinem

schmachtendsten "Handkuß und seiner

hinschmelzendsten Verbeugung sein Erscheinen zugesagt hatte. 4. Kapitel. echs bis sieben Wochen nach diesem Kaffeekränzchen auf der Ebersthaler Feldmark pfiff der Wind fchon üöer die Haferstoppeln machte Martha Fehlow eines Spätnachmittags ihren gewohnten Spaziergana in dem varkäbnlicken Wäldchen, das sich zwischen der Fleidner schen vhua und dem ziemlich weit inau-qeoauten Bahnhof des Stadtchens hinzog. Das Herz war ihr an jenem Tage schwerer denn je, und mit umflorten Augen blickte sie auf den lvestlichen Himmel, an dem die Sonne allzu früh hinter einer schwarzen AZolkenwano verschwunden war, deren gezackten Rand sie mit goldfunkelnder Borte säumte. Ein fächerförmiges Bündel breiter purpurner Strahler fchoß über den flimmernden Rand bn dunklen Wand, die schwarzem Samn vnlich lernen, fast bis zum Aen,th d mattblauen öimmels empor, der Licktaussendun eines vieltheiligen, riesigen Sckemwerrs vergleichbar. Auch die Sonne meines Lebens ist von einer finsteren Wolke verhüllt." dachte Martha. Und wenn meine Hoffnung auch immer noch mit sehsuchtsvo"7 Flammen gen Himmel schläat wie lanae wird es dauern. bis die Nacht der traurigen Gewißheit ihr letztes mattes Leuchten verschlunaen hat?" Vom Bahnhof her aellte der lanaaezoqene Sßfiff einer Lokomotive in die Dämmerstille des völlia menschenleeren Wäldchens, in dessen Zweigen schon der Wind, der Vorbote des nahenden Unwetters, rauschte. Der Schnellzug aus Berlin!" durchzuckte es die Brust des jungen Mädchens. Wie oft in den vier Monaten, die sie nun schon zum Fleidner'schen Hause gehörte, war sie um diese Stunde die wenig belebte Straße bis in die Nahe des Bahnhofs dahingegangen, immer in dem Gedanken: Vielleicht kehrt Bodo heimlich zurück. von Niemand sonst als von Dir erwartet. Vielleicht kannst Du ihm beim ersten Sckritt, den er in die alte Heimath setzt, entgegentreten und ihm die Schuld abbitten, die Du gegen ihn aus Dich geladen hast." Jedesmal war ihre Hoffnung zu nichte geworden, und immer wieder hatte sie m dem Gedanken, der ihr die Kraft zum Leren gab, den sie begte wie einen Talisman, den Gang gethan bis zu jenem schlimmen Tage, an dem sie aus dem Munde der Postmeisterin die Schreckenskunde vom Tode des Geliebten vernommen. Von da an war sie lange, lange zu Lause geblieben. Gram und Verzweiflung im Herzen, bis ihr der Justizrath gelegentlich einer zufälligen Begegnung gesagt hatte, der New York Herald" hatte in seinem Telegramm lediglich die Vermuthung ausgesprochen, daß Baron Weistritz wohl gefallen sein müsse, denn seit Anfang Juni wäre keinerlei Nachricht von ihm bei der Redaktion eingetroffen und Erkundigungen beim englischen Kriegsamt und beim Generalkommando der Buren hätten ergeben, daß er weder in Gefangenschaft gerathen sei, noch als Verwundeter in irgend einem Hospital oder Lazareth läge. Trotzdem so hatte Raumann, allerdings nicht sonderlich überzeugungsvoll, geschlossen trotzdem brauche man sich durchaus nicht mit dem Gedanken abzufinden, daß Bodo wirklich todt wäre; und überdies sei in Kriegszeiten schon mancher todt gesagt worden, der nach Monaten, ja nach Jahren, ganz plötzlich alle Welt durch sein Wiederkommen überrascht hätte. So hatte Martha Fehlow denn, von neuerwachter Hoffnung beseelt, ihre Spätnachmittagsgänge die Eisenbahnstraße hinunter wieder aufgenommen immer umfonst, immer umsonst. Und schließlich war sie von der Enttäuschung, die Tag für Tag wie ein kalter Reif auf ihr Herz fiel, müde gew.cden und nun fchon seit vier oder fünf Tagen dem gewohnten Weg fern geblieben. Auch heute wollte sie ihn meiden, nur abseits in den lauschigen Pfaden des Wäldchens, auf die der Herbst schon die bunten Blätter streute, ein wenig frische Luft schöpfen, ein wenig sich zu sammeln suchen, damit Fleidne-s nicht wieder Grund hätten zu fragen, ob ihr etwas fehle, und ob sie krank wäre. Als die Lokomotive aber bei der Weiterfahrt oes Zuges, der in Ebersthal nur eine Minute hielt, zum zweiten Male ihren gellenden Pfiff ausstieß, trieb es Martha doch wieder mit unbesiegbarer Gewalt der Verkehrs straße entgegen. Nur einmal, einmal noch wollte sie ihr Glück auf die Probe stellen zum letzten Male. Und wenn ihre Hoffnung, die kaum noch Hoffnung war, heute wieder trog, dann wollte sie annehmen, daß Bodo wirklich todt wäre, dann sich still in ihr Schicksal finden, es als Strafe nehmen für die Lieblosigkeit, zu der sie sich in einer schlimmen Stunde sie wußte selbst nicht, wie hatte hinreißen lassen. In dem peinigenden Empfinden aber, dan irqend ein Passant, der sie vielleicht schon öfter beobachtet, sich heimlich über ihre Dämmerungsgänge belustigen oder gar Schlechtes von ihr denken könnte, wenn er sie schon wieder auf dem alten Posten sähe, hielt sie sich einige Schritte seitlich des Trottoirs. hinter den schon in trübes Grau getauchten Stämmen der Akazien und Platanen halb verborgen. Mit aro-

ßen Augen blickte sie die stille Straße entlang, auf die nun, da die schwarze Wolkenwand sich höher emporgeschoben hatte, ein feiner Regen herniederzupeitschen begann, und ihr Herz klopfte so heftig, daß sie seinen Schlag ganz deutlich in den Adern des Halses und der Schläfen spürte. Von fern tönte noch das Rattern des weitersausenden Zuges, das Schnauben der Lokomotive herüber. Ein paar von den Droschken, auf die Ebersthal nicht gerade stolz sein konnte, kamen, die schäbigen Verdecke hochgeklapvr. im langsamen Zotteltrab vom Bahnhof daher. Sie waren leer bis auf eine, in der ein kleines spitzbärtiges Männchen saß. ein Geschäftsreisender wohl. Danach polterte der gelbe Postwagen vorbei; und dann war es wieder still, ganz still auf der breiten Eisenbahnstraße, deren jung angepflanzte Lindenbäumchen sich unter dem harten Griff des Windes ängstlich bogen. Der Verkehr, der Ebersthal mit der Welt da draußen verband, sickerte nur wie ein dünnes Rinnsal. Schon wollte Martha in einer Stimmung tiefster Schwermuth, die lähmend irc bleiernen Arme um sie schlang, den trüben, hoffnungsleercn Heimweg antreten, als sie mit eim... letzten, gleichsam abschiednehmenden Blick, den sie die Straße entlang schickte, ehe Männerqestalt gewahrte, die allein vom Bahnhof daberkam. Von Zeit zu Zeit blieb der Fremd? stehen, wandte den Kopf nach rechts oder links, als suche oder bewundere er

etwas, wie es wohl Leute thun, die, nach langer Abwesenheit heimkehrend, in zedem Baume, in jedem Strauche auf ihrem Wege ein Denkmal lieber Erinnerungen schauen. Ter Harrenden war es. als blicke sie durch wallende Nebel; sie strengte ihre Sehkraft auf's Aeußerste an. verschlang das Bild des Nahenden gleichsam mit den Augen. Mem Gott... sollte es möglich jein!" Noch vierzig, fünfzig Schritte that der Fremde, und dann war er für die, die da mit hochgehender Brust im Dämmerlicht des Wäldchens stand, kein fremder mehr. Z. ; Fortsetzung folgt.) 35 Rußlands Bevölkerung. Nach der letzten Volkszählung beträgt die Bevölkerung Rußlands 125,640.021. Davon sind Großrussen 55.667.469. Kleinrussen 22.380.551. Weißrussen 5.885.547. Zusammen Russen 83.933.567. also 66.79 Prozent. Von den Fremdvölkern sind Polen 7,931.307. Juden 5.063.156. Kirgisen und Kaissaken 4.084.139, Tataren 3.737.627. Baschkiren und Tegtjaren 1.439.136. Grusier 1.336.448. Deutsche 1.790.489. Litauer 1.210.510. Letten 1,435,937. Esten 1,002,738, Moldauer und Rumänen 1,121,669, Armenier 1,173,096. In Centralasien bildet die russische Bevölkerung nur 8.9 Prozent und am kleinsten ist die Zahl der Russen in den Weichsel - Gouvernements, nur 6.7 Prozent vertreten. Von den Russen können lesen und schreiben Männer 30.6 Prozent. Frauen 9.3 Prozent. Nach den Ständen geordnet leben in Rußland Bauern 96.916.644. Kleinbürger 13.386.392. Erbliche Edelleute 1.220.169. Persönliche Edelleute und Beamten 630.119, Personen geistlichen Standes 588.497, Erbliche und Persönliche Ehrenbürger 342,927, Kaufleute 281,179 und ausländische Unterthanen 605,500. DaS Alter des Menschen. Jeder Mensch soll 100 Jahre leben, das ist die Lehre eines Dr. Mulheron. Nur ererbte Schwäche will dieser Arzt als Entschuldigung gelten lassen, wenn Jemand früher zu sterben sich unterfängt. Nach der Meinung dieses Arztes hat der Mensch noch viel vom Thier zu lernen. Das Leben eines Thieres ist im Allgemeinen, wie Dr. Mulheron festgestellt haben will, immer fünfmal so lang wie seine Wachsthumsperiode. Ein Pferd z. B. erreicht feine volle Größe mit vier Iahren und lebt 20 Jahre, ein Elephant wächst bis zum 20. Jahre und lebt 100 Jahre. Statt sollte nun der Mensch, der auch etwa bis zum 20. Jahre wächst, im Durchschnitt nur 40 bis 50 Jahre erreichen? Den Hauptgrund des frühzeitigen Todes oder wenigstens einen der Hauptgründe sieht Dr. Mulheron im Zuvielessen. Ein Mensch, der 25 Jahre alt geworden ist, sollte nicht drei volle Mahlzeiten am Tage zu sich nehmen. Der menschliche Körper werde bei seinem Ausgang für eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgerüstet, und es liege an einer Verletzung der Naturgesetze durch den Menschen selbst, wenn er nicht so lange vorhalte. Wenn der Mensch der Natur zu gehorchen lernt, dann wird er am Ende seines 100jährigen Lebens dahinschwinden, ohne eine Krankheit kennen gelernt zu haben. DerDresdenerArbeiterVerband hat 750 Arbeiter auf mehrere Tage ausgesperrt, weil sie infolge bc: Theilnahme an der Maifeier die Arbeit versäumten. Einzelne Unternehmtt haben diese Aussperrung auf län aere Seit ausaedehnt. Boshaft. XirnfTcr Ehrenmann (zu einem Bekannten): Uno was mein Tobn ietzt für ein feiner Kerl geworden ist, der trägt sogar ein Armband'." Ter Bekannte: Aus Gold oder Eism!"

Feuer - Signale.

Hennsyiv im Startet . Tngllsh'S Opa' Hau I Tast und Nw York I Noble und Vichigan I N. J1ey u. Mass t I Pin und North I Startet und Pme Bennont naht Eafi No. 8 Spritzenbaus Vaff,naht N"bk - Devaware und Sainut 4 5!.J1y u Stntral. t Mast, und Korne? Sft ui b li. trai ' Park Avt und li 6tt - Columbia undHUIfid 6 High land Ave u. P,at! l Jllinoi und St. I 'S Pennsvlv. und Pratt 4 Äeridian und 11. E ;6 ZW. 6 Lpripenhau 16. nah Jlline Senate Av u. StElatr 7 JUinsi und Mchigan M Pesylvania und 14. Senate ve. und U. No. l Spritzenhaut JlZKnaheichiga t Meridian und Balratt Ealifonua u amont 6 las und New Dort m Ind. Ad. u. St. (f laix 7 Eity Holvital Blake und Norch 5 Michigan und Lgne No. 6 Spritzenhaus afhingten nahe 9eft Ssendorf u Baft. U ffouri u New Dort Meridian u Vsff .s JlKno und Cbio 7 Eapitvi v. u äff ingan'S Porthaul Straßenbahn Stall S. WaHingwi,Stt ii Ro. 10 Spritzenhaus Jllino u errill Jllino u Louisiana West und South West und McTarzy M Senat Ave, u Henry Meridian und Aay Ro. 4 Eprttzmb adrson v. orri adiion v.u Dunlop n No Haken Leitnbau South nahe Delaware Vn.uerriU M9 Part SU d i. Si Capital Ave und 17. 813 Pennstzk. .chiW 14 JllinoiS Kd ss. 916 Senate ve und N. 916 Pennsvlvania und SS 917 Meridian und 1. 91 Capital ve und SS. 919 Broadway und 10. 131 Illinois und cLtt 234 Ro. 14 Spritzenhaus Aenwood und 30. 36 Illinois und 35 z Annetta und 30. 937 No. 9. Spritzenhaus Uoell und Nader 938 UdeU Ladder Sor 939 Jsabel und 97. 941 Meridian und 94. 949 JllinoiS u St. ClaöU 94 Eldridge und 83 318 West uud alnut 13 st und 12. 14 Howard und 16. i Tordet und Paca 1 Capital ve und r. 17 Northwoftern Ave mM 18 Gnt und 18. l anal und IS. tu erealine Wort 894 Vermont und Lp, 26 BlSmareZu SrandvteS 94 No. 9V Spritzenhaus Haughville. 97 Michigan u. Holrnefi, 388 Mrchigan Concord 341 Best und McJnivre 418 Missouri u. MarvlanZ 41 Missouri und tthi, 416 Capital KuJoctfi 416 Rifiouxtu Rentucky Si. 417 Senats Äre n Bath. 421 P und C flundSsM W. Washington. 483 Jrren-Hospital. 424 Mileh Ave u. I DZ6. 496 Wash und Hat 496 No. 18 SvrttznchMch W Washington 497 Oliver und Birch 488 Oliver und OSaoaS 499 Nordhke und $ort 43i Hadley v u. 432 Rwer Slv u. 4M wer ve und atz 455 Harding u. Big 4 f 436 Harding und DOM 417 o. 19 6drtntaj Delawan u. SS Net HWDH n. 1 4? Virg. Av. u radHaw 55 Saft und Prrtpeet SS Bicking und High fl S. 11 Eftttznthaut ir Ave. nahe Hur, 11 ckft und eorai 7 ed und Sln 74 Dasidson u eorgia 7 Englisb Ad. u PiNk 76 Shrtdy und BateS 'S No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelbtz 19 Fletcher v. u Shelbtz artet u. New Jersey ii Dlaware und Wash. 0-n u Washtngto 54 New Fort u. David'? i Taubstummen Anstalt X Ver. Staaten Arsenal TT Ortental und Wasch. 90 FrauenResormat. n No. is Spritzenhaus Marpland nahe er. n Meridian u. GeoraT. 3Z Meridian und Souih 4 PennhK u. Louiftana 95 Virgini Ave u. Alad. )t HaiHtquartier. 97 Grand Hotel. 38 Capital Ave uitdüht 23 No. 16 Spritzenhaus 18 und A'h. ii Alabama und 16. 16 Centra! ve und 15. .2 Hand und IS. 2? Brookstd und Achtre, 2S Sentral Ave und 17. Lg Deaware und IS. 1 Alabama und 11. 38 Vellesontaw ud . 34 College ve und SS. 36 Tlaware und 13. 16 Alabama und Sisrth .37 Newmann und 19. 3 College ve und 14. 3 CorncU Ave und 18. 41 Z)andS und IS. 48 Highland Ave und IS. 43 Tcumsh und 1. 45 New Jersey und 82. 46 lvord und 17. 47 No. 3 Spritzenhaus HiKfide Ave und IS. -48 College v und 3. .49 College ve und 7. 52 Part Ave und 88. U 3 u, Sehn . SS. .64 SMett ve Und 19. .6 Stoughton u Nevma 67 AtlaS und Pik. 56 Blotzd und Paiopaw. 69 No. 21 Spritzenhaus Lrighrwood Si rden und Depot 63 Brigptwood und it. 64 Rural und Slohd 6 St. Clair u. Ikepfton 67 Arsenal ve und 95. 68 elkssntam und fc 461 SetSrKt und :m Hrtvard mk SS orrtS und Lamdstt und Vesszss 7 RordtzSe ve . 3to ? 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Highla 16 artet u rsenal 3 1T Oft 6. wir 8, Union Sah Zeleise. 881 Pa Handle Shops 89 Vermont und BaKoti 8,4 Wash. und State 686 Maddm'sLourige? 86 Tker und Dorsch ' 7 astz. und 8Zvi 8 SU7.ueritzkM BctnO nah UtztWSL 811 Southeafter SS un, Boodsidc , Wash. und Darbon 8S4 Eoutheafter w 86 Ne Kor? nd Tempi , Iis und Marpl. 91,' ZSvno OTU 14 Penn, ed 911 Telawan m Speztal. Signale. ersten s Sehlö, weiter Alarm, Zweit Schläge, dritter Alarm. Dritten Schläge, vierter Alarm. .-9-1, Feuer aus und Schlauch Schläge. Wasserdruck ab. 8 Schlage, 1 Uhr Mittag. Die w bezeichnete Signale werd Wächter angegeben da an den reuungen keine Alarnikönen angebracht ftnd. Bienenstiche. Die schädliche Wirkung des Bienenstichs ist bei den Menschen nickt immer gleich. Während die meisten brennende Schmerzen und starke Anschwellung der gestochenen Stelle bekommen, ja manche sogar ohnmächtig werden und einige Tage unpäßlich sind, werden andere davon n:r wenig alterirt. Je länger der Bienenftachel in der Wunde bleibt, desto mehr entleert sich das Gift, das sich in der Stachelröhre befindet. Darum ist der Stachel zunächst zu entfernen, die Wunde eventuell auszusaugen oder auszudrücken und mit einem der folgenden Mittel, wie süßer Milch. feuchter Erde. Zwiebel- oder Tabaksaft, Salzwaffer. Essig. Arnica-Tmk-tur zu bestreichen; auch geschabte Kartoffeln. Sauerampfer oder zerdrückte Petersilienblätter pflegen von guter Wirkung zu sein.

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