Indiana Tribüne, Volume 28, Number 243, Indianapolis, Marion County, 5 June 1905 — Page 6

Indiana Tribüne. S Juni 1905

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A.x$g Diener,

Europäische Nachrichten.

-otnt5 Wrandenbrerg. Berlin. Im Alter von 33 Iahren ist der außerordentliche Professor der klassischen Philologie an der Berliner Universität, Dr. phtt. Paul von Winterfeld, gestorben. Er bekleidete seit Ostern 190 ein neuerrichtctes Ertraordinariat für lateinische mittelalterliche Literatur. Der Kellner Ramm, der in dem Verdacht sieht, bei dem Gastwirth Grabow eingebrochen und dabei den Sohn Grabows erstochen und eine Tochter schwer verwundet zu haben, wurde durch Zufall festgenommen. Er giebt zu, der Kellner Ramm zu sein, bestreiket jedoch, daß er mit dem Einbruch bei Grabow und mit dem Morde irgend etwas zu thun habe. Aus Liebeskummer in den Tod gegangen sind der 22jährige Friseur Karl Roggenbuck und der mit ihm befreundete 18jährige Schrittsetzerlehrlrng Otto Harot, weil tt mir ihren Bewerbungen um zwei junge Mädchen, von denen das eine Hardt's Schwester ist, abgewiesen worden wa- . i r . c Ort ...CT..... ren. te teilten icy an oer mdudzui Insel im Thiergarten mit ihrem Rücken an den Rand des Wassers und leerten jeder eine Flasche Lysol. Hardt stürzte sofort rücklings in den See; Roggenbuck aber blieb, die geleerte Lysolflasche festhaltend, am Ufer liegen. Er wurde aufgefunden und nach dem Krankenhause Moabit gebracht; sein Tod trat bald darauf ein. Das 100jährige Geschäftsjubiläum beging die in der Uniformbranche bekannte Firma Hensel und Schumann, Gold- und Silberwaaren - Manusaktur und Militär - Effekten - Fabrik, Niederwallstraße 34. Durch einen Reooloerschuß versuchte der 35 Jahre alte Chemiker Rudolf Tietzsch, Luisenstratze 6, seinem Leben vtn Ende zu machen. Er hatte schon seit vier Monaten keine Stellung mehr uttd war in Schulden aerathen. Schwer vermundet wurde er nach der Charite gebracht, wo er starb. Sein 50jähr:ges Berufsjubiläum beging der Goldfchmiedemeister Theodor LabarreSkalitzerstratze 144. Ein Berliner, der 54 Jahre alte Schuhmachermeister Kluae, hat sich auf der schönen Ruine des Klosters Eldena bel Straljund erschössen. Kluge stammt aus Greifswald und war erst kurz vor der That i m oer eimaty eingelrossen, um nocy einmal das Vaterbaus zu seben. Der , v , , Beweggrund zur That ist unbekannt. Potsdam. In dem Betriebe der Viergroßhandlung und Schaumweinfabrik des Reichstagsabgeordneten Frölich feierte der Inspektor Heinrich Thönert das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit, während dßren er sich vom Flaschenspüler bis zu feiner Heutigen angesehenen Stellung emporgearbeitet hat. Bärwalde (Neumark). Ertrunken ist in einem, hinter seinem Grundstück belegenen Torfgraben der 68 Jahre alte Sattlermeister Schönfeldt, welcher infolge geistiger Umnachtung verunglückt sein dürfte. Charlottenburg. Tödtlich verunglückt beim Besteigen eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens ist der Telegraphen - Sekretär H. Krüger. Kr e m m e n. Ein schweres Brandunglück hat unsere Stadt heimgesucht. Die Gebäude auf dem Grundstück des Gastwirths Hartwig am Canal, der auch einen Holz- und Kohlenhandel betreibt, sind ein Raub der Flammen geworden. Seine 16jährige Tochter und ein 13jährtges Mädchen, das von der Familie Hartwig inPflege genommen war. sind verbrannt. M a l l n o w. Der Vrunnenmacher Karl Gefche wurde, als er bei dem Besitzer Schindler daselbst einen Brunnen reparirte, durch giftige Gase getobtet. Gesche hatte zuvor einen Arbeiter, der in Erstickungsgefahr war, gerettet. Schöneberg. Ein Vauunglück, das sich hier ereignete, hatte leider die schlimmsten Folgen. Der von dem Mörtelkasten getroffene BauherrWunderlich ist bereits im Elisabeth-Kran-kenhause gestorben. Die gleichfalls verunglückt? Frau Schenk liegt in dem Krankenhause hoffnungslos darnieder. Wilhelmshagen. Während ihr Mann und ihr Sohn in den Stuben nebenan schliefen, schnitt sich die Frau des Hausdieners Stolpmann mit einem Rasirmeffer den Hals ab. Provinz Hstpreußen. Königsberg. Eduard Hermes, der beliebte Liederfreuno der Männergesangvereine, ist in seiner Vaterstadt hier gestorben. 8? Jahre ist Hermes alt geworden. Selbstmord beging der erst seit Kurzem dienende Einjähr.g - Freiwillige Karl Wieccockiewiz von der 2. (Compagnie des 32. Regtments. Er hatte Sublimat getrunken und sich dann mit einem Revolver tinen Schuß m die linke Brust beigebracht. Was den jungen Mann, der von Beruf Buchhändler war, zu der That getrieben hat, konnte nicht festgepellt werden. Alezkehmen. Ertrunken ist im Dobubflusse der fünf Jahre alte Knabe desSchuhmachermeisters Gäfke. Desselwethen (Stallupönen). Das dreijährige Kind des Gärtners Starrat, das ohne Aufsicht in der elterlichen Wohnung zurückgelassen worden war, kam dem Ofen zu nahe, das Kleidchen ftng Feuer und das ungluck liche Geschöpf erlitt derartige Ver-

letzungen, daß es kurze Zeit darauf verstarb. Hohenstein (Allenstein). Im Garten des Bäckermeisters Wiewiorra wurde beim Graben ein Grab mit fünf menschlichen Skeletten gefunden. Neben den Skeletten lagen zwei Metallknöpfe. Man nimmt an, dah die Skelette aus den Jahren 1806 07 herrühren und daß man es hier mit einem Massengrab zu thun hat. K u l s e n. Hier erhängte sich m der Scheune der Eigenkäthner Peterschun. Der Grund soll m Schwermuth liegen. Nordenburg. In der Jnsterburger Vorstadt brannten die Gerberei Rohde und ein angrenzendes Hintergebäude nieder. R a st e n b u r g. Sein 2jähriges Geschäftsjubiläum feierte Fabrikbesitzer Stadtältester Lentz. Die Beamten und Arbeiter der Fabrik ließen durch den Aeltesten eine werthvolle Schreibmappe mit Widmung überreichen. Unter' den Gratulanten befand sich auch eine Abordnung der stödtisehen Körperschaften. W i l l u d d e n. Beim Roggendreschen ging die Maschine des Besitzers Lukat in Trümmer. Von den herumgeschleuderten Stüaen wurde die Ehefrau des Lukat getroffen und erlitt dabei einen Armbruch und Verletzungen an der Brust. Provinz Westpreußen. D a n z i g. Hier starb der etatsmäßige Professor der chemischen Technologie und Vorsteher der Abtheilung für Chemie an der neuen technischen Hochschule, Dr. Paul Behrend, im noch nicht vollendeten 52. Lebensjähre. An feiner Stellt ist Professor Dr. Wülfing zum Vorsteher der Abtheilung V der techntjchen Hochschule gewählt worden. Der Sohn des Kasernenwärters Wegner vom 2.LeibHusarenregiment, der 17jährige ObertertianerEugen Wegner von der PetriOberrealschule, verletzte sich durch einen Schuß in die Brust, weil er nicht nach Untersekunda versetzt war. Er liegt hoffnungslos im Lazarett). Graudenz. Das 60jährige Freimaurerjubiläum, ein sehr seltenes Jubiläum noch seltener als die diamantene Hochzeit im Familienleben, zumal da vor vollendetem 25. Lebensjahre memand in die Loge aus-

genommen w:rd feierte Rentier A Nonnenberg im Alter jon 85 Jahren unb in verkältnimä5ia aroner fax sche. w WM mt w w Kulm. Der Inhaber der Firma Otto Peters, Kaufmann Kandczik, konnte sein 26jähriges Jubiläum als Bürger unserer Stadt feiern. Es wurden ihm verschiedene Ehrungen erwiesen. Marienburg. Durch Kohlengas betäubt wizrden die Maurer Gebrüder Otto und Paul Kunkel und der Maurerbursche Äßmann in ihrem Schlafraum gefunden. Otto Kunkel ist jetzt im Alter von 30 Jahren an den Folgen der Gasvergiftung im Marienkrankenhaus, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, gestorben. Die Ursache des Unfalls ist wohl darin zu suchen, daß das Ofenrohr mit Lumpen verstopft war, damit die warme Luft nicht abziehen konnte. P e l p l i n. Oberlehrer Dr. Frydrvchowicz vom Bischöflichen Progymnasium feierte sein 25jähriges öehrerjubiläum. Aus diesem Anlaß hat ihm der Bischof die Würde eines Dekans verliehen. Dieselbe Auszeichnung wurde Professor Zielinski zutheil. Thorn. Tödtlich verunglückt ist der etwa 16jährige Sohn des Besitzers Lau in Adl. - Neudorf. Er beaufsichtigte in Abwesenheit feines B?uders dessen Mühle und gerieth bei dem Aufbringen eines Sackes Getreide mit dem Fahrstuhl durch Unvorsichtigkeit mit dem Hals zwischen den Rand des Fahrstuhls und einen Balken, sodatz er erdrückt wurde. Provinz Sommern. Berg - Dievenow. Dem Fischer Emil Dobberphul von hier wurde die Rettungsmedaille am Bande verliehen. K l a d o w. Hier wurde der 18 Jahre alte, bei dem Bauerhofsbesitzer Bähr Bedienstete Knecht Brederlow beim Abholzen eines Baumes von einem niederbrechenden schweren Ast getroffen und so schwer verletzt, daß er alsbald verstarb. Millienhagen. Bor einiger Zeit starb hier der Altsitzer Erich im Alter von 102 Jahren. Er hielt sich selbst stets um fünf Jahre jünger, erst nach seinem Tode wurde aus den Kirchenbüchern sein Alter festgestellt. Der Greis war bis zu seinem Tode sehr rüstig. Rügenwalde. Durch Kohlendunst erstickt ist die Wittwe Bertha Schmidt, g?b. Villnow, in der Erbstraße Hierselbst. Die Verunglückte hatte Heizmaterial herangeholt, Feucr angemacht und sich dann jedenfalls wieder zu Bett gelegt in der Meinung, beim Erwachen die Stube warm zu finden. Als sie aber zur gewohnten Zeit nicht sichtbar wurde, fiel es den Nachbarn auf, sie drangen gewaltsam in die Stube und fanden Frau Schmidt vollkommen leblos vor. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur den bereits einaetretenen Tod feststellen. S t r a l s u n d. Kürzlich fiel der Fischer Kasch von hier, der mit seinem Boot im unde bei Venövitz (Rügen) lag. bei dem Versuche, den Anker hochzuziehen, über Bord und ertrank. trotzdem er ein guter Schwimmer

war. Der am Steuer sttzende Junge konnte ihm keine Hilfe bringen. Der Verunglückte war 40 Jahre alt und hinterläßt Frau und einen zwölf Iahre alten Sohn. S t e ck l i n. Von einem großen Brande wurde unser Dorf heimgesucht. Es sind das Wohnhaus und die Scheune des Freimanns Gustav Ladwia. das Saus der Wittwe Wol-

ter, das Wohnhaus desZimmermanns Schröder, das Haus und der Stall des Eigenthümers Franz Rosenfeldt abgebrannt. Mobiliar, Futtervorräthe, zwei Schweine und Federvieh sielen dem Feuer zum Opfer. W e l s ch e n b u r g. Einen schweren Unglücksfall erlitt vor einiger Zeit der Deputant Kraan Hierselbst, der bei dem Mühlenbesitzer Thiede in Diensten steht. Er war mit Häckselschneiden beschäftigt. Um die Maschine, die von der Mühle aus durch eine Welle in Bewegung gesetzt wird, zum Stehen zu bringen, suchte er den Riemen auf die lose Scheibe zu leiten. Dabei wurde er von dem Riemen und der Welle gefaßt und mehrmals um die Welle geworfen; er erlitt einen Bruch des Rückgrats und mehrere Quetschungen. Provinz Schreswig-Kolstein. Schleswig. Der am Jägerplatz wohnende Arbeiter Robert Hamer trank eine ganze Flasche Kümmel leer und erreichte dann noch seine Woh- . . . . , . . . nung. Dort siel er plotzlicy um uns war todt. A r n i s. Kürzlich feierte Maurermeister Clausen und Frau hierselbst das Fest der goldenen Hochzeit. E ck e r f ö r d e. Vor einiger Zeit stürzte der Fischer Mergenberg von hier infolge Hirnschlags aus seinem Fischerboot in den Hafen und ertrank. H a d e r s l e b e n. Ein neues Zeitungsunternehmen trat in Hadersie ben in Wirksamkeit. Herausgeber des neuen Blattes ist der frühere Redakteur der Tonderner Nachrichten", Olesen. Erschossen hat sich der hiesige Zimmermeister Toft. Heide. Die hiesige Firma Franz Schober feierte den Tag ihres 75jährigen Bestehens. Johannes Josef Schober, 'der Großvater des jetzigen Jnl?abers, ließ sich im Jahre 1830 als Uhrmacher hier nieder. H u s u m. Die hiesige Schmiedeund Schlosser-Jnnung feierte ihr 25jähriges Bestehen. Kulpin. Arbeiter Flink wurde von dem Göpelwerk einer Dreschmaschiue an dtn Kleidern erfaßt und so schrecklich zugerichtet, daß er auf dem Wege nach dem Krankenhause starb. P r e e tz. Zum Fldeikommiß-Jn-spektor für Dobersdorf ist in diesen Tagen Inspektor Olde von Noer bei Gettorf ernannt worden. W i l st e r. Letztens brannte das am Steindamm belegene Gewese desLandmannes Braker vollständig nieder. Eine größere Partie Futtervorräthe verbrannte. Ueber die Ursache des Feuers ist nichts bekannt. Ein Gemüthsmensch. Sie: Du warst heute wieder in der Weinstube und hast Austern gegessen! Er: Ich mußte mir zwanziq Mark wechseln lassen. Sie: Na, die hätten sie Dir auch wo anders gewechselt. Er: Aber nicht so gerne. Empfehlung. Die Form wie auch der Stoff der Krawatte sind das Allerneueste." Wirklich?" Der Chef trägt sie selbst seit Iahren. Englische Geographie. Die Times" hat herausbekommen, daß es einen deutschen Ort Namens Tangermünde giebt. Da haben wir's," sagte sie, und nun wissen wir, daß Deutschland in Marokko schon festen Fuß gefaßt hat. Wo kann Tangermünde denn anders liegen als vor Tanger?" Boshaft. Ich glaube, die Kellnerin liebt mich, weil sie von mir kein Auge wendet. Oder sie hält Dich für einen Hochstapler, der mrt der Zeche durchbrennen wlll.

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Hit! ritt. (5ttf?rtTflit an hrr T t) ' vrww Wand. Die einen schönen ihn bei Weitem zu hoch ein und widmen ihm zu viel kostbare Zeit, die andern achten ihn zu gering und gönnen ihm kaum einen Blick während des Tages. Dem Spiegel nämlich. Und beide Parteien haben Unrecht. Zu de? ersten Klasse der derSpiegelüöer.chätzer gehören in der Hauptsache und sogar ausschließlich zene weiblichen Wesen, die man in der Jugend halb scherzend als kleine Zieräffchen bezeichnet, und die der böse Leumund im späteren Alter höchst drastisch unter die alten Koketten zählt. Man verzeihe das harte Wort! Wie in allen Dinqen, so ist auch auf diesem Gebiet ein kluges Maßhalten das einzig Richtige. Es wäre schlimm, wenn Jugend nicht danach trachtete, sich so anmuthig und ansprechend wie möglich zu geben. Der Spieael ist ein unumgängliches Veraty bei der Bethätigung dieses Trachtens. Ist er doch ein erbarmungsloser, unnachsichtiger Kritiker, der uns zu einem gewiß stets nützlichen und wohl angebrachten Erkenne-Dick-selbst verhilft. Er zeigt uns rechtzeitig diese oder jene Nachlässigkeit bei der Toilette, er ist unserLehrmeister bei der durchaus nicht leicht zu lösenden Vekleidungsfrage. Dies oder jenes Kostüm hat uns beispielsweise im Modejournal ganz au-gezeichnet gefallen, irgend ein Kleid uns bei einer Bekannten oder in der Schaufensterauslage namenlos entzückt, und nun wir das gleiche Modell am eigenen Körper prüfend betrachten, sagt uns vielleicht der Spiegel: Aber nein, meine Liebe, das geht wirklich nicht. Ein solcher Rock, eine solche Bluse sind doch nur für ganz schlanke Damen geeignet. Du bei Deinem fürchterlichen Embonpoint kannst doch derlei unmöglich tragen. Und dann diese ??arbenzusammenstellung! Für eine Blondine der Gipfel der Geschmacklosigkeit." Der Spiegel 'dient uns in solchen Fällen als Warnung. Er zeigt sich als Bildner des guten Geschmacks das heißt, freilich nur für solche, die seine aufrichtige Sprache verstehen wollen. Und dann wollen wir uns ein junges Mädchen denken, das trotz seiner sonstigen Klugheit an einer maßlosen Eitelkeit krankt. Ihre Umgebung schürt und nährt diese Untugend nach Kräften. Dient dem jungen Mädchen doch ein großer Geldsack als Unterlage und Stützpunkt, und wie es nun einmal im Leben geht der Tanz um das goldene Kalb hat sich von der biMischen Epistel bis auf die Jetztzeit übertragen. Doch ein paar Stunden ernster Betrachtung vor dem großen Spiegel des Umkleideziwmers haben unsere kleine Eitle zur Vernunft gebracht. Sie sieht ein, daß sie wohl ein ganz niedliches Lärvchen besitzt, deshalb jedoch noch keineswegs Grund hat, sich ob unwiderstehlicher Schönheit wie ein Pfau zu gebärden. Und diese Erkenntniß führt die also Belehrte des weiteren zu einer richtigenEinschätzung der schmeichelnden Umgebung. Vernunft und guter Geschmack haben hier über kleinliche Eitelkeit gesiegt, und der Spiegel hat gewissermaßen eine philosophische Mission erfüllt. Wer allerdings in blinder Bewunderuna vor seinem eigenen, herrlichen Ich auf den Knieen rutscht, der wird die Spiegelsprache nicht verstehen, und er wird das hineinlegen, was er gern vernehmen möchte. Mag ihm dasGlas auch ein Bild zurückwerfen, das recht sehr verbesserungsbedürftig und durchaus nicht sonderlich liebreizend ist, so wird das Original, sofern es eine Sie" ist, sich dennoch für eine Verms halten. All dies soll uns aber nicht hindern, die vorhandenen guten Eigenschaften des Spiegels zu erkennen. Da fällt uns beispielsweise ein niedliches Backfischchen ein, das hübscheGesichtszüge, einen rosigen Teint, lebhaft blickende Augen und alle sonstigenVorzüge hat, die zu einem hübschen Menschenkind erforderlich sind. Wenn die Kleine nur das entsetzliche Grimassenschneiden lassen könnte! Die Mutter mahnte in einem fort in Güte, in Strenge. Es n.'itzt nichts. Schließlich hat die Mutter d'n trefflichen Einfall, ihr den Spiegel v)r das verzerrte Gesicht zu halten. Und das hilft. Fortan ist aus dem fratzenschneidenden, kleinen Geschöpf eine sehr vernünftige junge Dame geworden, die man dann und wann in ernster Zwiesprache mit dem Spiegel überraschen kann. Und wie stellst Du Dich nun, verehrte Hausfrau, zu dem so oft verlästerten und falsch verstandenen Spiegel? Deine Zeit wird es Dir wohl kaum erlauben, ihm eine gar zu weitgehende Aufmerksamkeit zu widmen. Die sonstigen Pflichten könnten darunter am Ende leiden. Unter dieser Voraussetzung genügt dann meist ein kurzer, prüfender Blick in das Glas, um Kleidung. Erscheinung u. s. w. sorgsam zu kritisiren. Und hierzu sollte sich jedeHausfrau, auch die vielbeschäftigte, Muhe gönnen. Mahnt uns der Spiegel doch, einen gewissen Werth auf den Anzug daheim zu legen. Alles in allem ist der Spiegel ein treuer, zuverlässiger Berather und Freund. Man muß sich nur Mühe ge ben, seine Sprache zu verstehen und darf sich nicht gegen die Wahrheit verschließen, die er uns verkündet.

Bom Auslande.

DieMitglieder des Bundes gegen den Mißbrauch alkoholischer Getränke in Berlin haben seit einigen Tagen eine lebhafte Agitation in die Wege geleitet, um die Bezeichnung Trinkgeld" aus der Welt zu schaffen. Sie gehen von der Ansicht aus, daß der Empfänger bei der Uebergabe des Trinkgeldes" als solches direkt zum Alkoholgenuß aufgefordert werde. Die Mitglieder des Bundes glauben nun, daß sie durck die Einführung des Wortes Dankgeld" Wandel schaffen werden. Die Boten und Kellner nehmen Trinkgelder" sicherlich ebenso gern wie Dankgelder" an und verwenden sie nach Belieben. Eine Stunde der Todesangst verlebte ein Schiffer -ausNor-den, Ostfriesland, der mit seinen beiden drei- und fünfjährigen Söhnen eine Bootfahrt machte. Das Boot kenterte beim dortigen Siel, und der Mann stand nun lange bis zur Brust in dem eiskalten Wasser inmitten des Canals, wo er wegen des Schlammes nicht vor- und rückwärts konnte. Der ältere Junge war ihm auf die Schulter ' geklettert, den andern hielt er imArme. bis der Gastwirth Haak gegen Mittag zufällig zur Schleusenbrücke kam und die dem Versinken nahe Menschengruppe bemerkte. Haak sprang rasch in ein Boot und ruderte aus allen Leibeskräften zu der Unglücksstelle. Cs gelang ihm auch, alle drei zu bergen. Eine Unters uchung w egen Bestechung ist gegen den früheren Stadtbaumeister Henrisch in Trier eröffnet worden. Henrisch hatte -egen den Redakteur des Trierischen Kladderadatsch Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, im Laufe der Verhandlung den Antrag jedoch wieder zurückgezogen, da die Zeugenvernehmung bestätigte, daß thatsächlich, wie der Angeklagte behauptet hatte, in der Amtsführung des Klägers Unregelmäßigleiten bei der Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferungen vorgekommen sind und Henrisch von den Lieferanten undBauausführenden Geschenke angenommen hatte. Die Folge der zurückgezogenen Klage war, daß Henrisch sofort ohne Pension verabschiedet wurde. Den Werth der drahtlosen Telegraphie zu erproben, hatte jüngst ein Reisender des Schnelldampfers des Norddeutschen Lloyds Kaiser Wilhelm II." Gelegenheit. Als nämlich das Schiff schon zur Abfahrt in Bremerhaven bereit war, entdeckte er zu seinem nicht geringen Schrecken, daß er seine ganze Baarschaft im Werthe von 2400 Mark in dem Hotelzimmer in Bremen, wo er abgestiegen war, hatte liegen lassen. In größter Bestürzung theilte er dem Kapitän sein Unglück mit, der gerade noch vor der Abfahrt des Dampfers die Vertretung des Norddeutschen Lloyds in Bremerhaven beauftragen konnte, telephonisch in dem Bremer Hotel über den Ver bleib des Geldes nachzufragen. Während nun der Dampfer weserabwärts dem Meere zufuhr, traf auf ihm schon eine halbe Stunde nach seiner Abfahrt mit drahtloser Telegraphie die Nachricht ein, daß die Geldsumme in dem Hotelzimmer (sie lag fürsorglich verwahrt und unversehrt unter dem Kopfkissen) gefunden worden fei und daß der Betrag von dem Zarsimeister des Dampfers an den Reisenden auszuzahlen sei. Daß der letztere sich nicht wenig freute, so schnell wieder in den Besitz seines Geldes gelangt zu fein, läßt sich denken. ' Einem gefährlichen Sport zum Opfer gefallen ist ein siebzigjähriger Sonderling, ein DeutschRusse Johann Kugler, der seit langen Jahren in Tislis seinen Wohnsitz hatte. Aus einer sehr begüterten BergWerksbesitzerfamilie stammend, zeigte er von Jugend auf eine große Vorliebe für jede Art von absonderlichemSport. Als seine Eltern starben und ihm ein großes Vermögen hinterließen, zog er sich von seinen Mitmenschen fast ganz zurück. Seine einzige Unterhaltung bildeten die Wodkiflasche und eine große Zahl oon Bären, mit denen er jahraus, jahrein Ringkämpfe zu veranstalten pflegte. Der Sonderling, eine herkulisch gebaute Figur, ging meist als Sieger aus diesen wenig zärtlichen Umarmungen hervor. Die Bestien selbst theilten die Vorliebe ihres Herrn für den Alkoholgenuß und lebten einträchtig neben ihm. Nur ein Bär, den sich Kugler vor zwei Jahren aus dem Kaukasus hatte kommen lassen, zeigte sich störrisch und widerspenstig; er hatte seinem Besitzer, dessen Kräfte infolge des hohen Alters und des fortgesetzten Alkoholgenusses abzunehmen begannen, bereits mehrere recht blutige Niederlagen im Ringkämpf beigebracht. Nichtsdestowenic,er suchte kürzlich der Sonderling die I.ampfeswuth des mächtigen Thieres durch dieEinflößung von' Alkohol noch zu erhöhen. Es sollte der letzte Ring-ka.-npf sein. Mit großer Erbitterung ging das erhitzte Thier auf seinen Gegner los, und als dieser sah, daß seine Kräfte schwanden, schlug er mit einer Eisenstange auf "die Bestie ein. Dadurch gerieth der Bär in solche Wuth, daß er mit mächtigem Anprall seinen Herrn zu Boden warf und ihm mit seinen gewaltigen Pranken die Brust zerfleischte. Nicht eher ruhte das gereizte Thier, als bis der Leichnam des Sonderlings vollständig zerstückelt unter seinen Füßen lag. "