Indiana Tribüne, Volume 28, Number 240, Indianapolis, Marion County, 1 June 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, R. Juni 1905
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(Schluß.) ü Es schien fast, als habe er ihre Worte gar nicht gehört. Tu hast sie ja auch gut gekannt . . . diese Dame. Vielleicht besser gekannt als ich. jedenfalls besser erkannt. Aber das weißt Du wohl doch kaum, daß sie uns alle in's Unglück gestürzt hat. Wir verdienten's freilich nicht besser." Laß sie. Willy. Ihre Strafe trifft sie. Wozu von ihr reden?" Ich will aber von ihr sprechen. Gerade zu Dir. Jawohl mach nur nicht so stolze Augen gerade zu Dir. Ich wollt's schon lange. Nun ist's gut. daß sich's so fügt. Das ist der rechte Ort dazu. Du sollst nicht denken. daß ich dies Geschöpf dort je geliebt habe " Willy, was geht das mich an!" Laß mich sprechen." rief Willy. Es muß einmal vom Herzen herunter. Ich habe sie so wenig geliebt, wie sie mich. Aber sie verstand die satanische Kunst, mich trotzdem am Gängelbande zu führen, meinen thörichten Ehrgeiz aufzustacheln, mich mit schönen Worten pi umschmeicheln mich Narren. Bis 'zuletzt. Denn auch das sollst Du wissen, damit ich ganz klein vor Dir werde, Lora: daß sie ihren ganzen Vesitz an Aktien plötzlich, in der schlimmsten Stunde, die es geben konnte, auf den Markt warf daran war ich allein schuld. Damals in Rom wuß:c sie aus mir herauszulocken, in welcher Lage wir uns befanden und so brach die Katastrophe über uns herein." Auch ob:ledem tOütt der Zusammenbruch nicht ausgeblieben, Willy." Vielleicht. Aber wahrscheinlich würde eine ruhigere Abwicklung möglich geworden sein. Nein nein ich bin an allem schuld. Ich und die dort mit ihrer unersättlichen Gier, dem eiskalten Herzen und der lodernden Leidenschaft nach Gold und Brillanten, nach Luxus und Tand. Die ihr Kind verließ, die ihren Mann, der zum Betrüger und Bettler geworden war durch sie, von sich stoßen konnte und am selben Abend in Seide und Spitzen am grünen Tisch saß und dreimal das Maximum gewann. Ich Thor. Ich erbärmlicher Thor! " Willy, was nützt es, wenn Du Dich heute noch in Selbstvorwürfen verzehrst. Geschehenes läßt sich nicht ungeschehen machen. Aber Geschehenes läßt sich gut machen. Daran mußt Du denken." Nein Geschehenes läßt sich nicht ungeschehen machen. Ganz recht. Aber gerade darum kann ich den Gedanken nicht los werden, der mich jagt und foltert: warum mußte es denn geschehen?" Er stand einen Augenblick mit tief gesenktem Kopf, mit sich kämpfend. Und dann trat er plötzlich auf Lora zu und raunte, ohne sie anzusehen, mit heißer, bebender Stimme: Auch das muß heute gesagt werden, Lora. Auch Tu die Kluge, Reine auch Du bist nicht frei von Schuld! Jawohl Tu Tu! Ich lechzte damals nach einem guten Wort von Dir. nach einem freundlichen Blick, nach einem Zeichen, daß ich Dir nicht gleichgiltig sei Willy !" schrie sie auf. Aber er faßte ihre Hand und hielt sie fest. Und er bat: Laß mich weiter sprechen. Nur dies eine Mal. Ich war ja auch da ein Narr. Ohne Entschlußkraft. ohne festen Willen Rohr im Winde. Heute liegt das alles weit hinter mir ich weiß ich weiß. Aber wie anders wäre alles gekommen, Lora, wenn wenn " Schweig!" Mit einer heftigen Bewegung riß sie sich los und wich bis zur Wand zurück. Du vergißt, mit wem Tu sprichst! Kein Wort weiter ich verbiete es Dir!" Ihr ganzer Körper bebte. Aber sie stand hoch erhobenen Kopfes, mit blitzenden Augen, die Arme wie zur Abwehr ausgestreckt, die Hände im Zorn geballt Nie vergeben würde ich mir, wenn ich Dir je . . . auch nur unwissentlich Veranlassung zu dieser Stunde geqeben hätte. Deinem guten, edlen Vater könnte ich nie wieder unter d.e Augen treten. Mitleid hab' ich mit Dir gehabt, schwesterliches Mitleid willst Du auch das todten!" Lora, ich schwöre Dir . . . Tu hast mich mißverstanden ..." Nein! Ich habe Dich nicht mißverstanden. Das traue ich Dir nicht zu. daß Tu die Frau Deines Vaters beleidigen wolltest mit bewußtem Wi!len. Aber Teine Haltlosigkeit kennt keine Grenzen." Lora, ich höre nichts anderes, als immer wieder: ,Tu bist so gut Warum hab' ich keinen Antheil an Deiner Güte ich allein " Sie schlug die Arme über der Brust zusammen und athmete tief auf. Ich sollte jetzt wohl gehen und Dich allein lassen daß die Erkenntniß Dir von selbst käme. Aber ich fürchte, damit versäumte ich eine Pflicht. Denn ich muß Dir das sagen: Güte will verdient werden. Als Geschenk ist sie werthlos. Mitleid hab' ich mit Dir gehabt und habe ich auch jetzt noch. Aber meine volle Achtung wirst Du
Dir erst wieder erwerben müssen wenn Du kannst. Ich kenne Dich, Willy! Tu bist geradezu der Typ dieser jungen Männer, die so stolz durch die Welt gehen, immer meinend: ihre Straße sei die gerade, die rechte und die doch nur durch die Welt taumeln. Ihr arbeitet o ja! aber selbst die Arbeit ist Euch mehr ein vornehmer Sport. Ich will nicht sagen: Ihr seid schlecht im Kern. Nein! Aber was gut in Euch ist. das erstickt Ihr mit Eurer eitlen, korrekten Wohlgefälligkeit. Klug seid Ihr, Ziele habt Ihr, aber kein ?iel. Ihr glaubt nur die Hände ausstrecken zu müssen, um Glück zu ernten. Und wenn das Unglück kommt, dann brecht Ihr willenlos zusammen. Wo wärst Du, Willy, wenn nicht Dein Vater Dir in der schwersten Stunde rettend zur Seite getreten wäre! Er, über dessen Lipven kaum ein Wort des Vorwurfs gegen Dich gekommen ist! Er hat im Unglück nicht die Spannkraft der Seele verloren aber Tu hast Dich beugen lassen, als könntest Du Dich nie wieder aufrichten. Und Du könntest es. Die Fähigkei: dazu liegt in Dir, nur der feste Wille, der auch Kraft ist, fehlt. Ich hab' Dir vorhin schon gesagt, vergiß! Richtiger noch: raffe Dich auf! Ueberwinde! Wolle! Mit Selbstvorwürfen und träumendem Hinbrüten ist nichts gethan. Aber der Welt wieder fest als Mann entgegentreten, kampfbereit, wenn es sein muß das ist's, woraus es ankommt " Lora hatte zuletzt in lebhaften Accenten gesprochen, mit erbobener Stimme. Wie eine Mahnerin stand sie vor Willy. Was sie sagte, kam ihr aus tiefster Seele; sie wog die Worte nicht mehr, in einem starken Strome flutheten sie übe? ihn hm. Nun sah sie Willy an mit ihren großen, klaren, fragenden Augen und wartete. Auf seinem Gesicht war zuerst ein Zug des Trotzes aufgestiegen, ein Zucken um den Mund, ein Hochziehen der Brauen. Aber je weiter sie sprach, desto stärker packte sie ihn. So hatte noch Niemand zu ihm gesprochen, so
frank, so frei, so rückhaltlos. Er fühl:e aus aller Schärfe, und gerade in ifcr öas große Wohlwollen, die Güte, die er begehrte, heraus. Doch nicht nur Mitleid, wie sie sagte, sondern herzlichste Antheilnahme. Alles mit schärfstem Verständniß gepaart. Das that wohl weh aber es that auch gut. Langsam richtete er sich auf. Er wollte ihr danken Aber anstatt eines Dankeswortes kam eine Klage: Lora . . . wenn Du recht hast und Du hast recht . . . dann muß ich ja, im andern Sinne, wiederholen, was Dich vorhin so verletzte, weshalb ich Teine Vergebung nicht genug erflehen kann. Das: was bin ich ohne Halt und Stütze ich Rohr im Winde." Ueber Loras schönes, stolzes Gesicht flog ein Lächeln. Halt und Stütze,Willy? Ich könnte Dir wohl sagen: die suche in Dir selbst. Aber ich glaube Dich anders und besser zu verstehen. Du suchst ein treues Herz, das mit Dir lacht, wenn Du fröhlich bist, das mit Dir trägt, wenn das Leben Dich schüttelt. Sieh mich nicht so verwundert an es wird schon so sein. Nun, Willy, gehe nicht mehr mit geschlossenen Augen durch die Welt . . . und durch dies Haus. Oeffne Teine Augen und öffne Dein Herz dann wird Dir werden, was Du suchst " Sie schwieg. Eine mädchenhafte Röthe stieg in ihre Wangen, um gleich wieder zu ebben. Er sah noch immer, mit unsicherem Blick,' zu ihr auf. ...Frzge nicht! Heute nicht!" schloß sie i'bnell. Ueberhaupt nicht solch Glück darf man nur selber finden. sonst verlier t's an Werth. Und jetzt jetzt geh! Und laß uns alles begraben, was in bk'zx Stunde zwischen uns gesprachen wurde. Bis auf das eme. letzte und beste, was ich Dir so recht aus vollem Herzen wünsche Gib mir Deine Hand und nun gute Nacht, Willy " Schnitter Krach hatte die Sense niederaelegt. Sein Werk war gethan fü: dieses Mal. Aus tausend Wunden aber blutete noch immer das Erwerbsleben. Ganz langsam nur, ganz allmälig konnten sie sich schließen und verharschen. Und auch das nur, wenn der Sinn für Mäßigung und weise Beschränkung Einzug hielt allenthalben Immer wieder betonte das MöllerSieghard. Er übersah die gegenwärtige Lage ganz klar und auch die geschäftliche Zukunft . . . soweit überhaupt für den Kaufmann ein Blick hinter die Schleier des Kommenden möglich ist. Im jähen Sturz, mit verheerender Gewalt war die Welle niedergebraust. Nun hob sie sich wieder in sachtem, vorsichtigem Anschwellen. Die Lager der Händler hatten sich geleert in den langen Monaten, derBedarf an Waare wuchs und führte der Industrie neue Beschäftigung zu; die EinnahmenachWeisungen der Eisenbahnen wiesen stetgende Zahlen auf; Gruben, Hütten, Fabriken bekamen zu thun und konnten und mußten wieder die Mithilfe der Banken in Anspruch nehmen, der großen Kreditgeber. Die Hunderttausende von Arbeitern, deren fleißige Hände brach gelegen hatten oder die doch die Verkürzung der Betriebszeit schwer empfunden hatten, verdienten und konnten wieder verbrauchen. Der
Verbrauch der Massen aber bedeutet Umsatz der Werthe. Auch die große Weltpolitik war in ruhigere Bahnen eingelenkt. Der Janustempel war geschlossen. Ein starkes Friedensbedürfniß erfüllte Herrscher und Völker. Schon wurden die größten Goldlieferanten der Erde, die Minen von Johannesburg, wieder in Betrieb gesetzt. In Ostasien boten sich dem Unternebmunasgeist unter neu gesicherten Verhältnissen breite Bahnen. Und die Riesenrepublik der Neuen Welt erlebte einen Aufschwung, der zur Zeit auch die Geldmärkte des alten Kontinents befruchten half, wennschon man für die spätere Zukunft mit schwerer Besorgniß den Wetteifer des gigantischen Konkurrenten abwog. Der Handel von Erdtheil zu Erdtheil, der schwe? erschüttert gewesen war, wuchs. Die Schifffahrt blübte auf. Auf den Helligen der Werfte reihte sich Neubau an Neubau. Das allgemeine Vertrauen erstarkte. Große und kleine Sparer, die in der Periode des Niederganges mit ihren Anlagen gezögert hatten, brachten ihre Kapitalien auf den Markt. Die Kurse begannen langsam von dem Punkt ihres größten Tiefstandes wieder auszusteigen. Die allgemeine Geldflüssigkeit kam Handel und Industrie zu Hilfe - Man athmete auf, vom langen Druck befreit. Auch im Hause Möller-Sieghards war das Schwerste überwunden. Nicht ohne Rückschläge freilich. Nicht ohne Stunden, in denen selbst Eberhards Zuversicht zu brechen drohte und er schwer bekümmerten Herzens die breite Trepve hinaufstieg, n ''ich bei seiner jungen Frau neuen Muth und neue Kampfeslust zu holen. Die Salester'sche Bank war unrettbar verloren, jeder Versuch einer Hilfsaktion vergeblich; für die Aktionäre kamen voraussichtlich nur wenige Prozent zur Vertheilung. Aber die Prometheusaesellschaft ließ sich durch Zu-
sammenlegen der Aktien, durch theilweisen Verzicht der Obliaationsinhaber. durch eranzicbuna der bastvflicktigen Aufsichtsrathsmitglieder rekon strurren auch Willy hatte seme Haftpflicht mit schweren Opfern einlösen müssen. Seit das neue, aufsehenerregende Prall'sche Patent für die Gesellschaft gesichert war, hatte sie ja nach der technischen Seite hin ein festes, gesundes Fundament eine sichere Zukunft. Erschwert wurde die Sanirung nur durch den Wirrwarr, die zahllosen Verschleierungen in den Büchern. Baldin blieb verschollen. Und der einzige Mann, der außer ihm einen wirklichen Einblick in die verwickelten Verhältnisse besitzen mochte, Salester, starb ganz plötzlich in der Untersuchungshaft, noch ehe er vor seine irdischen Richter getreten war. Bei dem riefenstarken, scheinbar vor Gesundheit strotzenden Manne hatten sich in der Enge seiner Zelle nervöse Störungen, mit völliger Schlaflosigkeit gepaart, eingestellt. Der Gefängnißarzt gab ihm Betäubungsmittel. Die Dosis mochte ihm aber nickt genügend erscheinen, und er mußte sich durch Bestechungen oder Versprechungen es kam nicht heraus, durch wessen Hilfe selbst eine Quantität Morphium verschafft haben. Man fand ihn eines Morgens todt in sner Zelle, das fast geleerte Medizinfläschchcn auf dem Tisch neben sich, nachdem er noch am Abend vorher stundenlang an seiner Vertheidigungsschrift gearbeitet hatte. Das war wenige Tage bevor, ehe Konrad mit Hardi sich nach Südwestafrika einschiffte. So schritt er noch hinter dem Sarge seines Vaters her. Nur der Anstaltsgeistliche und der Sohn. Mir war es," sagte er nachher zu seinem Schwiegervater. ..als habe ich meine ganze Jugend mit eingesargt" Ter Herbst war gekommen. Ein milder Herbst. Im Garten hinter dem einstöckigen grauen Hause färbten sich die Buchenwipfel schon goldigbraun. Aber durch die weitgeöffneten Fenster der Galleriesäle fwthete der Sonnenschein. Graf Weüried trippelte, das Notizbuch in der Hand, u:uuhig von einem Raum in den andern. Seine Aufgabe war eigentlich erledigt. Er hatte für die einzelnen Gemälde die Mindestforderungen festgestellt, zu denen sie in nächster Woche zur Auktion gebracht werden sollten. Er hätte längst zu den andern nach vorn geyen können, aber er mochte sich nicht trennen von den ihm so lieb gewordenen Sälen, von diesen Bildern, bei deren Ankauf er vielfach mitgewirkt, deren jedes für ihn eine kleine Geschichte hatte. Das om nun in alle Winde verstreut werden, in die Hände von Thoren kommen und Protzen! Und da vorn lachten sie! Wahrhaftig, sie lachten! Wenn der alte Graban dabei war, herrschte ja immer Heiterkeit. Sogar die kleine feine Frau Salester, mit oen traurigen Augen, hatte ein wenig gelächelt. Vorhin wie war das doch gewesen? als die Depesche die glückliche Ankunft von Konrad und Hardi in Windboek meldete, hatte die alte Excellenz so schön über die Kolonieen gebrummelt. Diese Kolonieen! Und die Flotte! Unfug! Ter Große König wußte, was es hieß, die Kräfte zu konsolidiren, alles auf das Landheer zu verwenden, auf die Säule des Staates." Ein ganz unmoderner Mensch, diese grause Kriegs aurael. Ein Kun
barbar! Recht "ist es, daß Du die alten Schinken losschlägst. Geheimräthchen. Nur um den Menzel thut's mir leid. Vor dem Excellenzkollegen hab' ich Respekt. Aber warum Du dies gräßliche Ding, den Rochegrosse, partout behalten willst nimm's mir nicht übel, das versteh' ich nicht. Solch Unglücksbild." Der Graf blickte in seine Notizen. Fast eine kalbe Million mochte wohl herauskommen, wenn die Sache einigermaßen gut verlief. Und das würde sie wohl. Solch eine Sammlung war ja seit Jahrzehnten nicht auf den Markt gekommen. Alle Vertreter der großen Staatsgallerieen hatten sich schon zur Auktion angemeldet. Nun ja sie wußten: geraöe hier konnten sie ihre klaffenden" Lücken ausfüllen. Möller war doch ein feiner Kenner gewesen... und sein eigener Rath auch nicht übel ... wie damals, als sie in Paris die beiden Corots kauften und den Pracht-Daubigny. von dem noch Niemand recht etwas halten wollte.
Und da die drei Lenbachs . . . und der köstliche Leibl . . . Plötzlich standen Lora und Eberhard vor dem kleinen alten Herrn. Sie lachten Beide nicht. Ernst sahen sie aus. Fast feierlich ernst. ... Ob man's nicht doch noch einmal versuchte . . . ? In letzter Stunde. Lieber Geheimrath! Haben Sie doch Einsicht! Es ist ja' eine Barbarei, das so zerflattern zu lassen. Das Herz kehrt sich mir im Leibe um ... Du bist doch in meiner Schule, sozusagen, groß geworden, Lora! Sprich Du ein Wort für diese Schatze. Mein Himmel, ich verstehe ja alles. Aber bester Herr Geheimrath, so verkaufen Sie doch diesen alten Kasten hier und behalten Sie die Sammlung " Möller schüttelte den Kopf. Nein, lieber Graf," sagte er bestimmt. Diese Sammlung habe ich erworben über die kann ich verfngen. Dies alte Haus aber, das gehört gar nicht mir. Das ist von meinen Vätern ererbt, und ich muß es kommenden Generationen überliefern. Die Sammlung sie war mir gewiß an's Herz gewachsen ist ein schöner Luxus. Ich kann ihn entbehren. Auf diesem Hause aber ruht die Tradition und ruht damit ein stiller Segen. Das hab' ich so recht empfunden in dem letzten schweren und doch fo glücklichen Jahr." Graf Wellried ging. Er fühlte, auch diese Beiden wollten Abschied nehmen allein Dicht nebeneinander schritten sie von Gemälde zu Gemälde. Sie sprachen wenig miteinander. Nur hier und dort erzählte Eberhard mit knappen Worten, was ihn einst zum Ankauf bestimmt hatte. Zuletzt traten sie vor den Röchegrosse. Du verstehst, Lora, warum ich mich von diesem Bilde nicht trennen mag wie Du ja alles verstehst. Es soll mir und den Meinen stets wie eti c Warnung vor Augen stehen, eine ernste Warnung vor den Gefahren gerade unsres Berufs. Aber das ist es doch nicht allein; ich will dies Bild behalten als Erinnerung an den Abend, an dem ich Dich zuerst recht kennen lernte " Sie hatte seine Hand genommen und ihren Kopf an seine Schulter gelegt. Zärtlich sah sie zu ihm empor, in seine ruhigen, klugen Augen. Der Sturm ist über uns hingerauscht " sprach er sinnend weiter. Er hat uns gebeugt, aber nicht gebrochen. Wir können uns wieder aufrichten. Wir werden es. Hardi wissen wir im sicheren Hafen. Nur Willy . . . Willy . . Lora lächelte still: Sorge Dich nicht, Eberhard. Teine Herzensgüte hat auch das Glück in's Haus gebracht, an dem er genesen wird " Maria " Ja . . . Heimchen!" Es wäre wie eine Fügung " Alles ist Fügung, Eberhard Sie wandten sich und schritten langsam, Arm in Arm, längs der Fensterreihe zurück. Toch plötzlich blieb Lora stehen. Sie lachte so fröhlich, daß er sie verwundert ansah. Aber Eberhard! Eberhard! Was seh' ich denn da! Da an Deinen Schläfen. Ganz weiß " Ja, Lora - es hilft nichts. Soll ich färben?" scherzte er. Das fehlte gerade noch! Du wirst mir doch nicht eitel werden ?" Nur auf Dich, Lora. Aber zu ändern ist's nicht Du hast Dir eben einen alten Mann geheirathet." Da lachte sie wieder. Wie nur sie lachen konnte: ein stilles, kaum hörbares Lachen, aus dem es herausklang wie Elockenton. Und sie legte ihre Arme um seine Schultern und küßte ihn und lachte wieder: Du Narr Tn lieber, lieber Narr! Tu m d alt! Ja . . . wie ein edler Wein wie Firnewein bist Du! Und die weißen Haare dort! Die will ich gerade lieb haben! Das sind Ehrenzeichen, Eberhard. Ter Sturm ist über uns hingebraust, sagtest Du. Uns hat er erst recht zueinander gcführt. Tie jungen Schößlinge mochte er knicken. Du bist aufrecht gebneben mein Stolz und mein Glück!" Ende. Mißlungene Ansrede. ,Cerr Meier, wie können Sie sich unterstehen, mit meiner Tochter vom Heirathen zu reden?" Entschuldigen Sie, Herr Direktor, ich hab's ja gar I mcht ernst gemeint!" .
r usllsche Adclösüdrik. Ei gewiegter Schwindler und wie er die Poli.ei überlistete. Was im Kaukasus alles passiren kann, erzählt die Petersburger Zeitung." Vor längerer Zeit war berichtet worden, daß in Kutais fabrikmäßig" von einer Verbrecherbande Adelsdiplome des alten Zaren Salomon von Jmeretien und der Herrscher von Mingrelien, Fürsten Dadiani gefälscht wurden. Als der Hauptschuldige erwies sich ein gewisser Aschortia, und die Zahl derjenigen, die durch ihn in den Fürstenstand erhoben wurden, ist ungeheuer. Als seine frechen und im größten Maßstabe betriebenen Fälschungen aufgedeckt wurden, verduftete Aschortia plötzlich spurlos, und bald hieß es, er sei während eines Sturmes auf dem Schwarzen Meer umgekommen. Wie nun die Ruß" erfährt, kam es kürzlich
in Baku zwischen einem Herrn in kaukasischer Tracht und einem Schutzmann zu einem Zusammenstoß, der zur Folge hatte, daß sich der Unbekannte als ein Gen!,armenoffizier namens Sedgenidse leglttmrrte und Dokumente vorwies, aus denen zu ersehen war, daß er einen geheimen wichtigenAuftrag auszuführen hatte. Diese Enthüllung wirkte auf die Polize: wie ein Donnerschlag, und der hohe Unbekannte wurde mit vielen Entschuldigungen freigelassen. Er begab sich darauf auf einen nach Lenkoran gehenden Dampfer. Nun hatte der Bakusche Polizeiminister die anonvme Mittheilung erhalten, daß sich auf diesem Dampfer der todtgeglaubte Falscher Aschortia befinde. Es wurde darauf eine Beobachtung der Fahrgäste, die sich auf dem Dampfer befanden. vorgenommen, wobei sich herausstellte, daß der vermeintliche Gendarmenoffizier Aschortia war. Er wurde verhaft tet und in das Gefängniß gesperrt, wo er frech erklärte, daß er berechtigt war, die Verwaltung der Expedition zur Anfertigung gefälschter Adelsdiplome" zu leiten. Nachdem der geriebene Schwindler mehrere Tage im Gefängniß verbracht hatte, traf an den Gefängnißaufseher ein amtliches Schreiben von der Polizei ein, in dem angeordnet wurde, daß Aschortia in Freiheit zu setzen sei, weil das Verfahren gegen ihn bereits vor längerer Zeit eingestellt worden wäre. Als dem Verbreche? dies mitgetheilt und er in Freiheit gesetzt wurde, zündete er sich höh nisch lächelnd eine Papyros an, verabschiedete sich von der Gefängnißverwaltung, ließ sich einen schmucken Wagen holen und fuhr davon. Bald stellte sich heraus, daß das erwähnte amtliche Schreiben mit allen Siegeln und Unterschriften gefälscht war. Kaffeefälschungen. Im Moniteur Scientifique" bespricht E. Bertarelli die Gewichtsfälschungen gerösteten Kaffees durch Zufatz von Wasser und Borax. Chemiker, welche Gutachten über gerösteten Kaffee abzugeben haben, beschäftigen sich gewöhnlich nur wenig mit der Frage, ob diesem Wasser zugefetzt worden ist. und zwar weil er solches überhaupt sehr schlecht in sich aufnimmt. Rohkaffee geringerer Sorte verliert beim Brennen über 20 Prozent seines Gewichts, und ein Ersatz dieses Verlustes durch Wasser bei oder nach dem Rösten bedeutet also für den Händler einen bedeutenden Gewinn. Einfach befeuchteter Kaffee ist jedoch schon daran zu erkennen, daß er beim Mahlen klebrig und teigig wird. Fälscher helfen diesem Uebelstande dadurch ab, daß sie dem Kaffee noch Borax zusetzen, der den Wasserüberschuß verdeckt und obendrein das Gewicht noch weiter erhöht. Eine vier- bis fünfprozentige Boraxlösnnz soll den Kaffee nämlich bis zwölf Prozent schwerer machen. Bertarelli hält jeden gerösteten Kaffee mit mehr als vier Prozent Wassergehalt für gefälscht. Deutschlands Schifffahrt. Durch den fortgeschrittenen Ausbau der deutschen Handelsflotte hat auch der Seeverkehr in den deutschen Häfen rüstige Fortschritte gemacht. Während im Jahre 1877 mit Ladung 17,732 Schiffe von 747,566 RegisterTonnen in den deutschen Häfen ankamen, waren dies 1903 78,271 Schiffe mit 18,414,221 Register-Ton-nen. Abgegangen sind aus deutschen Häfen 1877 16,229 Schiffe mit 727,567 Register-Tonnen, 1903 dagegen 65,234 mit 13.517,272 Register-Ton-nen. Von den Seereisen kamen 1877 73.6 vom Hundert, 1903 84.5 vom Hundert auf beladene Schiffe. Auch die Binnenschifffahrt hat sich ganz erheblich gehoben. Die Zahl der Fluß schiffe hat sich von 7164 im Jahre 1877 auf 24,817 Ende 1903 vermehrt. Unter den Flußschiffen befanden sich 1877 570 Dampfer, 1903 2604. Eine E r ! n n e r u n g s m e -d a i l l e an die erste deutsche VolksVersammlung" ist dem Archiv des sozialdemokratischen Vereins in Aremerhaven überwiesen worden. Die Münze ist in der Größe eines FünfMarkstückes aus Blei hergestellt. Auf der Vorderseite weist sie innerhalb eines zweitheiligen durch eine Schleife zus ammengehaltenen Lorbeerkranzes folgende Inschrift auf: Erste Deutsche Volksversammlung Frankfurt a. M. am 18. Mai 1848? Die Rückseite zeigt in ihrer unteren Hälfte ein Wappenbild mit dem Doppeladler, das auf wolkigem oder welligem Hintergrunde ruht.
Feuer - Signale.
PkMsylV und . Engkff'sOpenuHaus ; East und 9tt Vor? 1 Noble und Michigan R. Jersch u. 3Jlafl Av i Pine und Storch I Market und Pin l Vermont nahe Gast . No. 8 Spritzenhaus Naff Ave nabe Nble Dnawar und Walnut 4 Jersey ullentralA. 5 Watt, und CarneP Av s Äsh m.d 11. StraHe .' 4?ark Älve und 12 Str Eoli'mbia undHillsid, 3 High land Ave u. Pratt :i Jllinoi und St. Jo 3 Pennsvlv. und Pratt M Meridian und 11. Str :6 5 Sprieenhaus 15. nahe JllinoiS '. Senate Sveu. StSIair :7 JllinoiS undVKchigan Bksylvania und lt. ;9 Senate Ave. und IS. No. l Spritzenhaus Jno SvenaheMichiga L Meridian und Walnnt California u Vermont 6 Blak: und New Kork Ind. Av. u. St. lair .7 Eity Hospital s Biake und Norch -9 Michigan und Lgnes .X o. 6 Sprihendaus Sashington nah We I SZendorf u Stafc il Missouri New Aork & Meridian u Wafh ,s JlknoiS und Ohio 9 Eapitol Ad. u Wash W tngan'S Porchau m Straßenbahn Stall W. WaFhingtonStt o. 10 Spritzenbau JllinoiS u Merrill il Illinois u Louisiana i West und South 4 West und RcTarty 5 Senate Ab., u Henrtz 97 Meridian und Ray No. s Spritzenhaus Radison v. u Morris adison v. u Dunlop Ro Haken Leiterhaus South nahe Delawan Penn, u Merrill u Ttlaware u. WcSartH 3C Mast und 9to6cxt9 New Jersey u. 7 Birg. Av. u radsha Eaft und Prospekt 9 Btcking und High n 9to. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Hur f ast und Georgia 7 Tedar und El 74 Davidson u Georqia n English Av. Pin 7 Sheldy und Bates '? No, 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelbh 19 Jletcher Av. u helby ZI Market u. New Zerjeh Delaware und Mach. 93 91 u Washington New Zu. David Taubstummen Anstalt er. Staaten Arsenal Oriental und Wash. i9 ivrauen-Reformat. n No. 13 Spntenhaus Msrvland nah Mer. 3 Meridian u. Heorqia. n Meridian und South M Pennsvlv u. Louisiana ib Biraini Ave u. Lllat. :s Hauptquartier. S7 Grand Hctel. IS Capital Ave und 0his No. 16 Spritzenhaus 16 und Ajb. Zi Alabama und 18. 2 ftttol Av und 16, 2C Jandcs und 16. 27 Brookside und JupU Eentral Ave und 17. 26 Delaware und 19. Ll t isma und ll. 3 Bellesontawe und V. 34 . -je Av und X 5 Delawar und 15. ZI Alabama und Nerty Vf ?5?:ann und 19. SL College Ave und 14. 3 Cornell Ave und 13. il YaZtdes und 19. .2 Highland Ave und 10. tZ Tecumsch und 10. 45 New Jersey and SZ 4 Alöord und 17. 47 No. Spritzenhaus Hiltside Ave und 1. 4S Cc liege Ave und , .i' Tcllege v und 27. SS Part Ave und . S5 LEu. W Bahnn. 2. 64 Namsey Ave und 19 66 Stoughton u Newman 67 StlaS und Pike. 68 Blodd und Paiopaw. 65 No. 21 Sprttzerchsus Brightwoov Mi A7dcn und Lepot 3 Brightwood und 2S, 4 Rural und Bloyd 66 St. Clair u. evston f Arsenal Km unh j. SS tllefsntaine unt : M9 Vark k nkii 112 Kapital I und IT. 13 Pennsylv. u. Rtttzip 214 Illinois und 20. 215 Senat Ave und 21. 21 Pennsvlvama und 2 217 Meridian und l. 218 Capital Ave und 2. 219 Broadway und 10. 21 JllinoiS und McLes 134 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30, 235 JllinoiS und 33 6 Annetta und 30. 237 No. 9. Lpritzenha Ndell und Raser 233 Udetl Ladver Vor 239 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24 242 JllinoiS u St. te, 243 Eldridae und 23 812 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 1. 515 Toi-bet und Paca 816 Capital Ave und ZK 817 Nortbweftan Ave M 818 Gent und IS. 819 Canal und 10. 3! Serealine orks 324 Lermont und Lvna 825 Bima,surandVA S2S No. 20 Svtzenhaus Haughville. L27 Michigan u. Helmes, S2S Michigan u. Koncord 41 West und McJntvn 41 Miffouri u. Marylan 4,13 Missouri und Ohio 415 Capital 6eorgt 416 Missouri sientiutvA. 417 Senate Av u. WasK. 421 P und E 5ddSus W. Washinssw. 423 Jrren-Hospital. 424 Milch Ave u. I D 425 Wach nd Harr 426 No. 18 Eprchenhach . 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In Greenbank sollte dieser Tage Charles Thorn gehängt werden, weil er angeblich vor achtzehn Jahren George D. Farra von New Castle County ermordet hate. Der Galgen war bereits aufgeschlagen und der Todescandidat hatte nur noch wenige Stunden zur Verfügung Da traf Ashby G. Green, ein Aufseher der Southern Bahn, an Ort und Stelle ein. Er erkannte in dem vermeintlichen Thorn einen gewissen John Williams, der zur Zeit der That, im December 1897, in Pinners Point, Va., beim Bahnbau geschafft hatte und gar nicht in New Castle County sein konnte. Gouverneur Lee ordnete sofort eine Verschiebung der Urtheilsvollstreckung bis zum 13. October an. In der Zwischenzeit wird Thorn den Versuch machen, einen neuen Prozeß zu erlangen.
Stoechards
