Indiana Tribüne, Volume 28, Number 240, Indianapolis, Marion County, 1 June 1905 — Page 6
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Europäische Nachrichten
Wayern. München. Als Nachfolger für den zum Erzbischof von Bamberq ernannten Professor Dr. Albert auf dem Lehrstuhle für Dogmatik und christliche Symbolik an der hiesigen Umversität hat die theologische Fakultät in Vorschlag gebracht: die Lyzealprofessoren aus Passau Dr. August Nagele und Dr. Franz Xaver Kiefl und Universstätsprofessor Dr. Jof. Zahn in Straßburg. Nach längerem Leiden ist im Alter von 69 Jahren der hiesige französische Konsul, Karl Royer, verschieden. Der Verstorbene durfte hier fast als Einheimischer, gelten, so bekannt war er in weiteren Kreisen. Der durch mehr als 30jährige Thätigkeit an der Höheren Töchterschule weiteren Kreisen bekannte Hauptlehrer Anton Wismeyer ist verschieden, ein Schlaganfall setzte seinem reichen Wirken ein rasches Ende. Augsburg. Der Kohlenhändler Johann Schlögl hat sich erschossen. Bei der Kohlengroßhandlung Friedrich Steiger wurden große, auf mehrere Jahre zurückreichende Unterschleife entdeckt, an denen Schlögl als Hehler betheiligt war. Darin dürfte der Grund des Selbstmordes zu suchen sein. B a m b e r g. Der verheirathete Turnwärter Loch wurde im hiesigen Bahnhofe, als er einer Rangirmaschine auswich und sich zu diesem Zwecke in ein anderes Geleise begab, von der Lokomotive eines von Nürnberg kommenden Personenzuges erfaßt und auf das Geleise geschleudert, wodurch ihm der Kopf zerschmettert wurde. Der rasch herbeigeholte Arzt konnte nur den sofort eingetretenen Tod constatiren. Der Bedauernswerthe hatte die von rückwärts erfolgte Annäherung des Personenzuges nicht wahrgenommen. E i ch st ä t t. Der beim hiesigen Schotterwerke Eichstätt - Bahnhos beschäftigte Arbeiter Joh. Uebel von Egweil gerieth beim Verschieben von Wagen mit dem Kopf zwischen die Puffer und erlitt eine Verletzung, die den sofortigen Tod zur ftolge hatte. K r o n a ch. Im hiesigen Bahnhof wurde durch einen einfahrenden Zug in nächster Nähe des Betriebsgebäudes der Zugführer Löffler von Lichtenfels, der den Zug begleitete, überfahren und vollständig zermalmt. Nürnberg. Die von Commerzienrath Vertheimer und seinen in Amerika lebenden Söhnen zur Errichtung eines Volksbildungsheimes zur Verfügung gestellte Summe beträgt 300.000 Mark. Oberstdorf. Der ledige Bauer Aloys Tauscher wurde beim Schlittenfahren derart an einen Zaun geschleudert, daß die Gehirnschale zerschmettert wurde und der sofortige Tod eintrat. Schwandorf. Vier Knaben, die an einemWassergraben in der Nähe der Regensburger Eisenbahn - Unterfllhrung spielten, aßen dort befindliche Dotterblumenwurzeln. Sofort trat Vergiftung ein; der etwa zehnjährige Sohn des Jmprägnierarbeiters Weigl ist nach einer Stunde trotz sofortiger ärztlicher Hilfe unter den gräßlichsten Schmerzen nach eingetreter Herz- und Gehirnlehmung verstorben. Die anderen deri Knaben sind außer Gefahr. Württemberg. Stuttgart. Anläßlich der Vereinigung von Cannstatt mit Stuttgart ist Oberbürgermeister Nast das Ehrenkreuz des Kronenordens verliehen worden. Stadtpfleger Bürkle, Rathsschreiber Mehl und Rathsschreiber Schaal in Cannstatt erhielten das silberne Verdienstkreuz, Schultheiß Fiechtner in Untertürkheim das Ritterkreuz 2. Klasse des Friedrichsordens. In Gegennwart des Königs wurde das von Professor Jassoy erbaute neue Rathhaus feierlich eingeweiht. Gleichzeitig vollzog sich die Vereinigung von Cannstatt, Untertürkheim und Wangen mit unserer Stadt, das dadurch auf eine Einwohnerzahl von rund 240,000 gebracht wird. A l t e n st e i g. Die 20 Jahre alte Kleidernäherin Agathe Großmann von Garrweiler, die sich an einem hier stattfindenden Blumenkurs beiheiligte, verletzte sich beim Fertigen der Papierblumen ganz unbedeutend an einem Finger. Sie mußte deshalb m das hiesige Krankenhaus verbracht werden, wo sie bald darauf an Blutvergiftung verstarb. B a n a n g. Vor einiger Zeit gerieth der hiesige Ziegler Sannwald in Sulzbach a. M. unteA die Räder seines Wagens und brach den Fuß mebUre Male. Letztens wurde das verletzte Bein amputirt, und kurz nach der Operation ist Ziegler gestorben. Göppingen. Hier hat sich der 37 Jahre alte Wirth Vaummüller zum Greifen in seiner Küche erhängt. Mißliche Familienverhältnisse sollen der Beweggrund oer That sein. Klein - Jngersheim. Kürzlich wurde hier der älteste Bürger, der 81 Jahre alte Gemeindepfleger Eisele, beerdigt, der 44 Jahre laug, bis zu seinem Tode, dieses Amt verwaltethat. j Auch war er viele Jahre Stiftungsund Kirchenpfleger, sowie Wollwarthscher Gutsverwalter. M ü n s i n g e n. Auf die seit October 1903 erledigte zweite StadtPfarrstelle hier, mit der der Dienst in der Nachbargemeinde Auingen und im Barackenlager verbunden ist, wurde Repetent Leube in Tübingen ernannt. P e t e r z e l l (Schramberg). Hier brannte das große, von drei Familien
bewohnte Wohn- und Oekonomiegebäude des Bauern Andreas Scharz vollständig nieder. R o t t w e i l. Im Alter von 97V2 Jahren verstarb hier die älteste Person der Stadt, die Wittwe Xaveria Geiser, Altpfulwirthin. Von ihren 17 Kindern sind nur noch drei am Leben: dagegen hinterläßt sie eine größere Zahl von Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln. Tuttlingen. Kürzlich waren es 23 Jahre, seit Oberlehrer Strohm an der hiesigen Volksschule thätig war. Neben seiner anerkannten Tüchtigkeit als Lehrer hat er sich im öffentlichen Leben der hiesigen Stadt in mehrfacher Beziehung Verdienste erworben., W a l d d o r f. Dem Metzger und Sonnenwirth Faßnacht hier glitt bei der Arbeit das Messer aus und drang ihm in den Leib; an seinen schweren Verletzungen ist der Unglückliche nun gestorben. Waden. Karlsruhe. Geheimer Hosrath Dr. Julius Neßler, eine der ersten deutschen Autoritäten der Agrikulturchemie, namentlich im Weinbau, ist, 77 Jahre alt, gestorben. Baitenhaufen (Ueberlingen). Hier brannte das Anwesen des Gemeinderechners Nestle nieder. Die Gemeindekasse nebst Rechnungen und Akten konnten gerettet werden. Der Schaden beträgt etwa 13,000 Mark und ist durch Versicherung gedeckt. B ö tz i n g e n. Im Steinbruch wurde der Landwirth und Steinbrecher Joh. Jak. Höfslin durch einen Sprengschutz tödtlich verletzt. Ettlingen. Das Gefährt des Reisenden der hiesigen Firma August Deubel, Namens Obert, wurde beim Bruchhauser Uebergang vom Schnellzug erfaßt. Der Wagen wurde zertrümmert, der Reisende sofort getödtet. Die Schranken waren nichl verschlössen. Der Ablöser wurde verhaftet. F r e i b u r g i. V r. In voller Frische und Rüstigkeit hat der bekannte Staatsmann und frühere badische Minister Franz Frhr. v. Roggenbach seinen 80. Geburtstag gefeiert. Unter den nationalen Patrioten, welche die Erhebung und Einigung Deutschlands vorbereiteten, steht er in erster Linie. Großherzog Friedrich hat ihn stets durch fein volles Vertrauen ausgezeichnet, und bekanntlich schenkte ihm auch Kaiser Friedrich eine ehrende Freundschaft. Heidelberg. In großes Leid wurde die in der Unterenstraße wohnende Familie des Schrewers Sporer versetzt, indem sich deren jüngster Sohn im Alter von 17 Jahren mittelst Revolver erschossen hat. L i m p a ch (Ueberlingen). Hauptlehrer Rehmann, der seit 12 Jahren hier segensreich wirkte und bei der ganzen Gemeinde, wie bei seinen Collegen beliebt ist, wurde nach Wallburg (A. Ettenheim) versetzt. Nenzingen. Das Anwesen des Landwirths Bregenzer brannte bis auf den Grund nieder. Der versicherte Schaden beträgt etwa 16,000 Mark. Der Beschädigte war in der Scheuer mit Einschwefeln eines Fasses beschäftigt, wobei dieses explodirte und das herumliegende Stroh und Heu rasch Feuer fing. Tannenkirch. Hier fiel das 7 Jahre alte Söhnchen des Landwirths Gräßlin infolge Scheuwerdens der Pferde vom Wagen herunter und gerieth unter die Räder. Er starb alsbald. Waldshut. Hier fand man den verheiratheten kathol. Kirchendiener Ferdinand Kramer, der sich in letzter Zeit dem Trunke ergeben hatte und vermißt wurde, in seiner Wohnung erhängt vor. 'Röeinpfcr5z. S p e i e r. Der verstorbene Bischof Dr. v. Ehrler hat in seinem Testament den hiesigen Dom als Universalerben eingesetzt. Seine Verwandten bekommen Legate, seine Vaterstadt Mittenberg eine Stipendienstiftung, seine Dienerschaft eine Leibrente. Die von Dr. v. Ehrler erbaute Sommerwohnung in Landstuhl ist sammt Mobiliar dem bischöflichen Stuhl für seine jeweiligen Nachfolger hermacht worden, ebenso seine reichhaltige Bibliothek. A l b e r s w e i l e r. Bei St. Goarshausen wurde oberhalb der Loreley die Leiche des Steuermannes Konrad Nägle von hier geländet. Nägle ist beim Böllerschießen in der Neujahrsnacht von seinem Schiffe Teutonia" bei Bacharach in den Rhein gestürzt. Bruchmühlbach. Eine bei Mittelberbach aus der Blies gezogene männliche Leiche wurde festgestellt als die des ledigen Schuhmachers H. Schäfer von hier. Motiv der That unbekannt. Feil. Hier ertrank der 5 Jahre alte Knabe von Jakob Blätz in einem Steinbruch, in welchem sich Wasser angesammelt hatte. Ludwigshafen. Der 16 Jahre alte Fabrikarbeiter Wilhelm Ulrich von Friesenheim erlitt in der hiesigen Anilinfabrik den Tod durch Fahrlässigkeit eines Maschinenführers. Letzterer hatte ein Faß durch Luftdruck auf seine Widerstandsfähigkeit zu prüfen, unterließ es aber, einen eisernen Reif anzulegen. Der Deckel sprang ab und flog dem oben genannten Ulrich an den Kopf. N e u h o f e n. Dem 16 Jahre alten Arbeiter Joh. Kuntz von hier, bei der Firma I. Frey, Backsteinfabri-
kant, in Rheingönheim in Arbeit stehend, wurde durch Unglücksfall im Betrieb das Bein unterhalb des Knies vollständig durchschlagen. Z w e i b r ü ck e . Das hiesige Schwurgericht verurtheilte die Dienstmagd Elisabeth Fischer von Kerzenheim, die im Walde ihr ljähriges Kind erwürgt und in der Erde vergraden hatte, zu 12 Jahren Zuchthaus. Krsaß Lotyringen. Straßburg. Der älteste Mann der hiesigen Stadt Stratzburg, der seit Jahren im Diakonissenhause lebende Pensionär Karl Farny, Vater des französischen Generals a. D. Farny, ist nahezu 100 Jahre alt, gestorben. A r t o l s h e i m. Landwirth Loß wurde in seinem Hause ermordet aufgefunden. Loß. der wohlhabend, Sonderling und Knauser war, bewohnte das Haus allein. Mit seinen Angehörigen war er verfeindet. Die That ist mit einem Beile, das Loß gehörte, begangen. Raubmord liegt nicht nicht vor. Als der That verdächtig ist Loß' Neffe, Joses Schreiber, verhaftet worden. Das Motiv des Mordes ist angeblich eine Erbverschreibung, welche diese Woche durch einen notariellen Akt erfolgen sollte. K ö n i g s m a ch e r n. Der Gutsbesitzer Bredinus wurde von seinem ehemaligen Knecht durch Messerstiche ermordet. Der Knecht ist flüchtig. Metz. Seit kurzem wurde der Oberleutnant Skeuren von dem hier garnisonirenden Infanterieregiment 145 vermißt. Jetzt wurde sein Leichnam 100 Meter oberhalb der Schleuse des Moselkanals aufgefunden. Man vermuthet einen Unglücksfall. S ch l e t t st a d t. Der verstorbene Bibliothekar Dr. Geny hat der hiesigen Stadtbibliothek seine reichhaltige Privatbibliothek hinterlassen. It7eckrenburg. Grevesmühlen. Commerzienrath Pelzer feierte sein Mjähriges Jubiläum als Chef der Firma A. Pelzer und gleichzeitig auch als Bürger unserer Stadt. Von dem Großher-
l zöge wurde dem Jubilar der Titel eis m rt . . 1 I 5 , nes Geyeimen ommerzienralyes verliehen und die Stadt hat Pelzer zum Ehrenbürger ernannt. Hasselförde. Vor einiger Zeit wurde hier der 76jährige Rentenempfänger Karin leblos in einem Graben aufgefunden. Es ist festgestellt, daß der alte Mann ertrunken ist. Karin war bei Bearbeitung seines Ackers beschäftigt, durch den derGraben fließt; er ist vermuthlich infolge einesSchwindelanfalles in den Graben hineingefallen und hat sich mit eigener Kraft nicht wieder heraushelfen können. L u d w i g s l u st. Hier starb im Alter von 81 Jahren der Gartenwächter Haacker. Er nahm 1849 an dem Feldzuge nach Baden theil und erhielt das Militärverdienftkreuz. Im großherzoglichen Dienste war er 52 Jahre im hiesigen Schloßgarten, besonders als Aufseher des Schweizerhauses, thätig. Marnitz. Beim Fällen einer Pappel verunglückte der Gastwirth Menk in dem nahen Porep. Die herunterfallende Pappel hatte ihm das Kreuz durchschlagen, so daß der Bedauernswerthe, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, nach einigen Augenblicken verschied. N e u st r e l i tz. Der großherzogliche Sattelmeister Baresel konnte sein 50jähriges Dienstjubiläum begehen. Aus diesem Anlaß ernannte der GroßHerzog den Jubilar zum Ober-Leib-Sattelmeister und überreichte ihm eigenhändig das silberne Verdienstkreuz des Hausordens der wendischen Krone. P r i tz i e r. Kürzlich ertrank hier das 3jährZge Kind des Taqelöhners Puls, das sich auf kurze Zeit aus der elterlichen Wohnung entfernt hatte, in dem Dorfteich. R o st o ck. Der Vertreter der neutestamentlichen Tbeologie an der hiesigen Universität, Konsistorialrath Prof. Dr. Noesgen, feierte letztens seinen 70. Geburtstag. Ueber den S e l b st m o r v des Grafen Carlo Bakunin, der in Nizza seinem Leben durch Ertränken ein Ende gemacht hat, werden folgende nähere Mittheilungen gemacht: Der Verschwundene ließ ein Schreiben an seine Frau zurück, in dem er ihr seinen Entschluß, sich das Leben zu nehmen, zu erkennen gab. Am Sonntag miethete er gegen Abend ein Boot, indem er vorschützte, fischen zu wollen. Er nahm einen langen und starken Strick und einen großen Stein mit, wobei er auf die Frage des Besitzers des Bootes nach dem Zweck dieser Gegenstände erklärte, er wolle sie zum Ankern benutzen. Die leere Barke wurde in der Nacht aufgefunden. Der Graf muß gegen Morgen, nachdem er Hut und Rock abgelegt hatte, mit dem Steine an den Füßen oder um den Hals in das Meer gestürzt haben. Bis jetzt ist sein Leichnam noch nicht aufgefunden worden. Der Graf Bakunin lftitte sich in Rom mit einer sehr vornehmen Italienerin verheirathet, und diesem Bunde sind drei Kinder entsprossen. Er hielt sich seit zwei Jahren in Nizza auf, wo er sich philosophischen Studien hingab. Die Veranlassung zu dem Selbstmorde soll der Verlust seines ganzen Vermögens in der Spielhölle von Monaco gegeben haben, obgleich er in dem sehr pathetischen, vier eng geschriebene Seiten umfassenden Abfchiedsschreiben an feine Frau andere Gründe politischer und auch persönlicher Natur angegeben hat.
Meik Dabersack's Schreibebrief.
Ko o94. Seöhrter Miste? Edithor! Bis jetzt hen ich noch nicks von Jhne gehört un for den Riesen nemm ich an, daß Se mein letzte Brief kriegt hen. Well, ich hen noch e harte Zelt gehabt in den Prissen un ich denke, es is e Schehm, wann mer en Zittisen von die Juneitet S:ehts den Weg triete duht. Wisse Se, was se mich hen zu drinke gewwe? Ganz schlabberiges Wasser! Un Sie wisse doch, wie ich den Stoff hehte duhn! Well, wann der Mensch awwerDorscht Hot, dann drinkt er auch Wasser, wann er nicks annerschter Hot. Am zweite Dag is en Affisser zu mich komme un Hot gesagt, ich sollt mich reddig mache for in die Kohrt zu gehn. Es Hot nit lang genomme, mich reddiz zu mache, bikahs ich hen mein füll Dreß Suht nit mit mich gehabt. In e Minnit sin ich in die Kohrt gewese un do Hot mich der Dfchotsch gefragt, wie mein Name es. Ich hen gesagt: Meik Häbersäck", un do hen se in den Buch nachgesehn; der Tschotsch Hot awwer mein Name nit sinne könne; ich denke, es war bikahs ich hen ihn englisch prohnaunzt. Do hen ich Widder e wenig Körretsch kriegt. Jehs, hen ich gesagt, do wer'n Se noch lang suche könne. Der Feller, wo Sie suche, das is e entferntes Geschwisterkind gewese, awwer ich kenne ihn gar nit. Well, Hot der Tschodsch gesagt, dann müsse mer e wenig inwestigehte. Wo sin Sie gebore? Ich hen ihm gesagt, ich wär in Aeppel Jäck, Holie Terrer Kauntie, gebore. Wann sin Sie von die alte Kontrie nach die Juneitet Stehts ausgewandert? Hot er gefragt. O, well, hen ich gesagt, das müsse so ebaut verzig Jahr zurick sein, un das is.'wo ich en Meßtehk gemacht hen. Ei sieh. Hot er gesagt, Sie sin, wie Se so ebaut zehn Jahr alt Ware, nach Amerika ausgewannert un dann sin Se in Appel Jäck gebore morde. Dabei Hot er gelacht wie en Ruhster. Das annere war schnell abgemacht; ich hen zugewwe, daß ich ausgeriss sin, wie ich zu die Sohlschers eingerufe morde sin, awwer ich wär' nur deshalb fort, bikahs ich kann kein Blut sehn un dann sin ich auch e wenig engbrüstig un der Schmohk von den Pauder gibt mich immer e Pehn. Ich hen doch auch en Onkel in Amerika, wo so hohmsick nach mich war, daß ich unner alle Umstände hingemußt hen. Do Hot der Tschotsch gesagt: Was Sie da sage, das is all Bahsch. Sie sin einfach ausgerisss un jetzt kommt das Ponnifchment. In die erschte Lein trete Sie morge früh um sechs Uhr in die Käsern an un diene e Jahr lang un wann Se dann mit dorch sin, dann bezahle Se die Fein, wo mer Jhne dicktehte werde. Wann Sie mit den Jahr dorch sin, dann hen Se en schwiete Schapp hinner sich." Jetzt hen ich Widder for e Tschehnsch in mei Sell gehn derfe un was ich dort gedenkt hen, das könne Se sich von Ihre kühnste Phantasie ausmole losse. Am nächste Morgen sin ich nach die Käsern gebracht worde un se hen mich in e Juniform gesteckt un dann hen ich langsame Schritt mache müsse. So ebbes Hartes hen ich in mei ganzes Lewe noch nit gkfehn. Ich hen immer den rechte Vorderfuß in die Luft strecke müsse un mit den linke Hinnerfuß tipptoh stehn müsse. Jetzt möcht ich emol sehn, wie das en Mensch stende kann. Ich sin auch mehrschtendeils umgefalle, awwer do is immer gleich der Unneroffezier da gewese, wo mit en Gewehrkolwe in freundlichster Weise eim suppohrtet Hot. Es geht nämlich so en Unneroffezier gege den Strich, wann einer von seine Rekruts umfalle duht. Er Hot mich sewieriel Teims mit den Kolwe gege mei Schinns gekloppt, daß ich gedenkt hen, es deht in mei Sißtem e vollständige Umwälzung vorgehn, das meint, meine Jnseit deht sich autseit drehe. Jwwer mei Schicksal nachzudenke hen ich auch kein? Tschehns gehabt; in die erschte Lein is das Denke bei en deitsche Sohlscher streng Verbote un mer könnt in schwere Trubel komme, wann mer bei en Gedanke geketscht wer'n deht; dann Hot mer awwer auch bei die geistreiche Arleit von den langsame Schritt gar keine Zeit, sein Geist noch mit annere profane Sache zu beschäftige. Es Hot mehrere Dage genomme, bis ich's so weit gebracht hen, daß ich nit mehr umgefalle sin un mein Unneroffezier Hot mei Jmpruhfment so gegliche, daß ich Obends mit ihn in den Saluhn gehn un seine Drinks bezahle hen derfe. Er is e arig einnehmendes Wese gewese un so Obends hen ich immer gedenkt, von 'etzt an hätt ich e gute Zeit. Er Hot sogar kein Wort gesagt, wie ick ihn emol Obends mit en ganz gehörig Duft heimgebracht hen un hen ihn mitaus daß ich e Wort gesagt hen. e zwan zig Markstück in sei Packet gestoche, Awwer am nächste Morgen, do Hot er mich gar nit mehr gekennt un Hot mich
ein Rindvieh nach den annere gerufe un Hot gesagt, wann's noch viele so Kameeler in Amerika gewwe deht, dann müßt mcr'sch den Kohlumpus heut noch iwwel nehme, daß er das Land diskowwert hätt un er wär schubr. wann er mich an den Schobr gesehn hätt, wie die Sohlschers von sein Boot: Land Land! gehallert hätte, dann hätt er sein Boot gleich Gege - Stiem gewwe un wär Widder nach das Land, wo der Peffer wackse duht, zurückgefahre. Sehn Se, das hen ich mich alles sage müsse losse un hen noch nit mei verehrtes Maul uffmache derfe. Wann Se den Christ Baldrian sehn, dann sage Se ihn, wann er mich nit befor lang zu meine Freiheit verhelfe duht, dann deht ich ihn, wann ich nach Aeppel Jäck zurückkomme, distschartfche. Ich denke, daß ich in e Woch odder so Nachricht von den Mister Pressendent kriege un dann wolle mer emol sehn, was es dann gibt. Awwer wann ich Widder frei komme, dann kann sich der Unneroffezier uff ebbes gefaßt mache. Mit beste Riegahrds Juhrs turlie, Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Apple Jack, Holie Terrer kauntie. Ein kleines humoristlsches Mißverständniß, das kürzlich oeim Signalisiren im Geschwader passirte, kursirt augenblicklich in der deutschen Marine. Bei den Uebungen bei Kiel wurde die Gallionsfigur des Linienschiffes Wittelsbach", ein vergoldeter Engel, beschädigt, so das beide Arme brachen und ins Wasser fielen. Man setzte sofort die Boote aus, um womöglich noch die Arme zu bergen, was aber nicht gelang. Das Aussetzen der Boote wurde von einem anderen Linienschiff bemerkt, das nun signalisirte: Warum werden die Boote ausgefetzt?" Die Antwort lautete lakonisch: Michael (der Engel war damit gemeint) hat beide Arme verloren!" Viel Heiterkeit entstand an Bord der Wittelsbach", als nun dieFrage kam: Wie heißt der Leutnant?" Vorungefährzwei Iahren erwarb ein belgisches Syndikat die Concession zum Bau eines Casinos und eines Bades, sowie zum Anlegen prächtiger Vergnügungsgärten in Korfu, in der Absicht, dort eine Spielbank zu errichten. Der griechische Premierminister hat nunmehr erklärt, daß die Regierung die Einrichtung einer Spielhölle nicht dulden könne, da eine derartige Concession den Prinzipien der griechischen Nation zuwiderlaufe. Diese Entscheidung trifft das belgische Syndikat um so schwerer, als das Kasino bereits gebaut ist und die großen Badeeinrichtungen ihm Vollendung entgegengehen. Es wird sehr bezweifelt, daß Korfu auch ohneSpielHölle eine genügende Anziehungskraft für die vornehme Welt besitzt, um das Unternehmen rentabel zu gestalten. Ein hübsches Frühlings - Idyll wird aus Berlin berichtet: Auf der Loggia eines Hauses der Kaiser - All hat in den Zweigen eines Weihnachtsbaumes, öen man nach Weihnachten hinausgestellt hatte, ein Drosselpaar sein Nest gebaut. Nachdem die erste Brüt bereits ein paar Wochen flügge geworden, brütet das Drosselweibchen nun zum zweiten Male, trotzdem der Tannerbaum inzwischen fast alle Nadeln verloren hat. Das Männchen trägt ihm tagsüber die Nahrung zu und findet sich dann am Abend bei seiner Gattin ein, um auf einem Ast dicht neben dem Nest zu übernachten. Das Drosselpaar läßt sich in seinen häuslichen Gewohnheiten durch das Getriebe auf der Loggia in keiner Weise stören, ja, das Weibchen bleibt ruhig im Nest sitzen, wenn neben ihm Betten oder Polstermöbel geklopft werden. Eine Liebestragödie hat sich in einem Gasthause zu Hildesheim abgespielt. Dort hatte sich ein soeben von auswärts zugereistes Paar einlogirt. Als die Fremden am anderen Morgen nicht zum Vorschein kamen und auch auf wiederholtes Klopfen keine Antwort gsben, wurde auf Veranlassung der Polizei die Thür des Zimmers durch einen Schlosser geöffnet. Man fand nun die beiden Personen, vollständig angekleidet und elz umschlungen, über dem Bette liegend, auf; ihre Gesichtszüge waren gräßlich entstellt. Bei dem Manne war bereits der Tod eingetreten, während seine Begleiterin noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Sie wurde sofort nach dem städtischen Krankenhaufe gebracht, wo sie bald nach ihrer Einlieferung verstarb. In den Todten wurden später der 38jährige, verheirathet gewesene Polizeisergeant Kirchberg aus Celle und das 19jährige Dienstmädchen Staubinger aus Erfurt erkannt. Beide hatten seit längerer Zeit ein Liebesverhältniß unterhalten. Wie festgestellt wurde, hat das Paar zur Ausführung des geplanten Doppelselbstmordes in einer Hildesheimer Apotheke sich eine Quantität concentrirter Karbolsäure zu verschaffen gewußt und diese mit Wein vermischt zu sich genommen, nachdem beide Abschiedsbriefe an ihre Angehörigen hinterlassen hatten. Auf dem Tisch des Gastzimmers lag außerdem ein geladener sechsläufiger Revolver.
CorrrgZrt. Arzt: J&a Mann trinkt wohl gewohnheitsmäßig?" Arbeitersfrau: Im Gegentheil, Herr Doktor, gewohnheitsunmäßig!-
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