Indiana Tribüne, Volume 28, Number 238, Indianapolis, Marion County, 30 May 1905 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
Provinz hHNßftMWW B r e s l a u. Der 28 Jahre alte Llusschänker Emil Kosubek kam in dem Haufe Hubenstratze 82 auf der Treppe zu Fall und zog sich einen schweren Schädelbruch zu. Nach kurzer Zeit ist er verschieden. Die Firma Carl Zweig hier, Schuhwaarenhaus an der Schweidnitzerstraße, No. 28, beging kürzlich ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. Grotz-Kunzendorf. In dem Hoffmannschen Marmor - Steinbruch Hierselbst verunglückten die Arbeiter Hanke aus Kohlsdorf und Arthur Wiesner aus Niklasdorf. Im Bruch sollte ein großer Marmorstein in die Höhe gehoben werden. Plötzlich riß das Seil und der Stein fiel auf beide Arbeiter. Hanke erlitt einen Beinbruch und Wiesnet wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf in seiner Wohnung verstarb. H a i n a u. Seinen 100 Geburtstag konnte der pensionirte Steuereinnehmer Gregor Müller Hierselbst feiern. In dem benachbarten Bischdorf im Jahre 1805 als Sohn eines Mühlenbesitzers geboren, erlebte er als Knabe die kriegerischen Ereignisse von 1812 und 1813, die damals seine Eltern nöthigten, aus dem Heimathsdorfe zu flüchten. K r u m m ö l s. In der hiesigen Groschefskischen Schneidemühle ereignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall. Dem Sollte des Besitzers wurde von der Kreissäge, an der er beschäftigt war, die linke Hand durchschnitten. L ä h n. Letztens verunglückte tjodt lich beim Langholzfahren auf der Waltersdorfer Chaussee der Kutscher Siebeneichner von hier. Er hinterläßt eine Wittwe mit zwei kleinen Kindern. M i k u l t s ch ü tz. Erschlagen worden ist auf der LudwtgSgruve von yerabstürzendem Gestein der Füller Franz Gritzmann von hier. Der Tod trat auf der Stelle ein. Ober-Langenöls. Am Welkersdorfer Uebergange wurde der etwa 80 Jahre alte Schankwärter Bieder bei Ausübung seines Berufes von einem Schnellzuge überfahren und sofort getödtet. Salzbrunn. Der Maschinist Hippe von hier, welcher sich kürzlich an seinem Hochzeitstage die Adern durchschnitten hatte, ist im Waldenburger Kreiskrankenhause gestorben. Frovinz Tgofen. P o s e n. Zu Sekretären bei der kgl. Ansiedlungs-Commission sind ernannt worden: die Civil - Supernumerare Wilde, Langner, Blech, Hentschel und die Militäranwärter Schorstein, Fellmann, Radtke. Vom st. Der seit längerer Zeit vermißte Brenner Karl Dederke von hier ist dieser Tage im Ära - Canal bei Kranz als Leiche aufgefunden worden. Dederke scheint vom Wege abgekommen und in den Canal gerathen zu sein. Krone. Die unter dem Verdacht, ihr neugeborenes Kind bei der Geburt getödtet zu haben, in Haft genommene Arbeiterin Appolonia Tatulska ist wieder freigelassen worden. Die Sektion hat ergeben, daß das Kind bereits todt zur Welt gekommen war. K o st e n. Letztens kam der achtjährige Sohn der Michael Sobiechschen Eheleute Namens Peter auf der am Obra-Canal belegenen Promenade der Canalböschung zu nahe, verlor das Gleichgewicht und stürzte ins Wasser, wobei er ertrank. Die mitspielenden zwei Kinder liefen fort, ohne hiervon etwas zu sagen. Erst später nach langem Suchen erfuhren die betrübten Eltern von dem Vorfalle, stellten nach ihrem Sohne sofort Ermittelungen an und brachten ihn als Leiche aus dem Wasser heraus. P t u r k e. Vor einiger Zeit befand sich der Arbeiter Reinhold Fiedler mit einigen anderen Personen im hiesigen Krug. Nach längerem Aufenthalt verließ die Gesellschaft, unter ihnen auch Fiedler, die Gastwirthschaft. Fiedler ging aber nicht nach Hause, sondern wandte sich vielmehr der Netze zu, zerschlug mit einem Spaten, den er bei sich führte, das Schloß des im Flusse am Ufer stehenden Fischerkahnes, löste ihn los und fuhr damit die Netze hinunter bis in die Nähe des Politzer Sees. Dort hatte der Fischereipächter Malkowski aus Bartschin Netze ausgefteckt. Dttfc untersuchte Fiedler, um sich die Fische anzueignen. Bei dieser Arbeit fiel er ins Wasser und erkrank. Schneidemühl. Sein 50jähriges Meisterjubiläum feierte Schmiede. meister Pagel von hier. Pagel ist auch zugleich Odermeister der Schmiedeinnung und verwaltet dieses Amt bereits seit 36 Jahren. Dem Jubilar wurden viele Ehrungen erwiesen. T rem essen. Das Ljährige Söhnchen des Hausbesitzers Kasse hierselbst stieg während kurzer Abwesenheit seiner Mutter aus dem Bett und spielte am Ofen. Das Hemd fing Feuer und der Knabe erlag den Brandwunden. Provinz Sachsen. Magdeburg. Dem Weichenstelker Louis Polter ist bei seinem Eintritt in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Burgörner. Der Bergmann Karl Klose erlitt auf dem Niewandschast beim Streckenchießen an der Hand eine Verletzung, die zunächst unbedeutend erschien. Er mußte st
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Osliaba", doch einige Zeit darauf in das ge'werkschaftliche Krankenhaus in Hettstedt begeben und ist dort einer rapide fortschreitenden Blutvergiftung erlegen. Eisleben. Der Arbeiter Joseph Urbanski, der bei einer Messerstecherei in Wormsleben schwer verletzt worden war, ist im hiesigen städtischen Krankenhause feinen Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Großbodungen. Dem 20jährigen Gutsbesitzerssohn Spieß, der mit einer Holzfuhre unterwegs war, ging in der Nähe unseres Ortes, am sog. Zolle, das Pferd durch, wobei er vom Wagen geschleudert wurde. Er trug lebensgefährliche Verletzungen davon. Hötensleben. Kürzlich feierten die beiden Beamten Schirmer und Görke von der hiesigen Zuckerfabrik ihr 40jähriges Dienstjubiläum. Klein - Quenstedt. Der Rangirarbeiter Bährecke von hier wurde beim Rangiren überfahren; die Verletzung ist lebensgefährlich. Leine selbe. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde der Bahnarbeiter Edmund Bose überfahren. Der Verletzte, dem ein Bein und ein Arm vom Körper getrennt wurde, wurde nach Heiligenstadt befördert, woselbst er im evangelischen Krankenhause Aufnahme gefunden hat. Nordhausen. In unserer Gegend haben kürzlich ihr goldenes Hochzeitsfest gefeiert: In Straßburg das D. Quenselsche Ehepaar, Tilleda das Karl Bayerische Ehepaar und in Sundhausen das Hintersättler Fnedrich Ziegenfuß'sche Ehepaar. Quedlinburg. Auf dem hiesigen Bahnhof gerieth der Arbeiter Scharff beim Rangiren zwischen die Puffer zweier Wagen und erlitt schwere Verletzungen. Er wurde in das städtische Krankenhaus übergeführt. Sterbal. Auf dem hiesigen Bahnhof ist der Bahnunterhaltungsarbeite? Liebrecht beim Ueberschrerten der Geleise von einer leerfahrenden Maschine derart erfaßt worden, daß ihm beide Beide abgefahren wurden. Er ist seinen Verletzungen erlegen. Wahren. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich bei den hiesigen Bahnerweiterungsbauten. Der 13 Jahre alte Schlossergeselle Otto Köhler aus Halle sturtzte beim Legen von Leitungen zur elektrischen Lichtanlage etwa 2 Meter hoch von einer Leiter herab und erlitt hierbei außer einer Quetschung der Wirbelsäule eine schwere Gehirnerschütterung. F'rovinz Kannover. Hannover. Verunglückt ist auf dem Neubau Ecke Vödeker- und Oskar Winterstraße der Maurer H. Winkler. Infolge eines Fehltrittes stürzte er aus einer Höhe von 5 Metern herab und erlitt schwere innere Verletzungen, so daß er in's Krankenhaus geschafft werden mußte. A st e n b e ck. Der Verwalter Rudert putzte kürzlich einen geladenenRevolver. Der Schuß ging plötzlich los und die Ladung drang dem Rudert in die Hand. Sie wurde verbunden, verschlimmerte sich aber derartig, dcch er sich in's Krankenhaus nach Braunschweig begab, wo er verstorben ist. GoSlar. Todt zu Tage gefördert wurde der Arbeiter Graf, der in der Sandgrube am Petersberge verschüttet worden war. Die Arbeiter der Ziegelei Brauns & Schulze hatten unablässig gegraben, um zu dem Verschütteten zu gelangen. Der Verunglückte stand mit gebücktem Oberkörper ziemlich auf dem Boden der Sandgrübe, von Sandmaffen umgeben. Sein Kopf zeigte am Ohr, an der einen Backe und an der Nase Verletzungen. Der Tod ist jedenfalls bald durcf Erstickung eingetreten. H a m e l n. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf der Schiffswerft von icvaror. er Lekrlina
das stärkste Schiff in Nebogawff's
mann kam eier Welle zu nahe und wurde 6on dem Getriebe erfaßt, wobei dem Unglüälichen ein Arm ausgerissen wurde. Leer. Der 40jährige jüdische Handelsmann Rosenberg Hierselbst, der gemüthskrank war, ertrank in einem Graben neben dem jüdischen Friedhofe. Lüneburg. Dieser Tage wurde der in der hiesigen Wachsbleiche angestellte Chemiker Franz Börner aus Düsseldorf todt in seinem Bette ausgefunden. Börner hatte sich mit Cyankali vergiftet. Der Grund zu der bedauerlichen That dürfte in unheilbarer Krankheit des erst 21 Jahre alten Börner zu suchen sein. M i s b u r g. Auf der Cementfabrik Germania hier gerieth der Avbeiter Bülke aus Hannover zwischen die Walzen und wurde total zerquetscht. Der Tod trat auf der Stelle ein. Werden. Buchstäblich verhungert aufgefunden wurde dieser Tage der arbeitslose Bureaugehilfe Otto Koch aus Dortmund. Er war schon längere Zeit auf der Walze und verfügte infolgedessen über keine Baarmittel. Von der Herberge Hierselbst war er fortgegangen und wurde in dem nahen Morsum bewußtlos aufgefunden. Bald nachher verstarb er. Arovinz Wostfaken. Bochum. Ueber den Tod deS Gastwirthes Romberg in Hostskede kursiren in der Bürgerschaft dunkk Gerüchte. Romberg wurde mit durchschossener Schläfe in seinem Bette aufgefunden, und es hieß, daß er selbst Hand an sich Gelegt habe. Gewisse Umstände lassen diese Annahme aber als anfechtbar erscheinen: man neigt mehr und mehr der Ansicht zu, daß hier verbrecherische Hände im Spiel gewesen sind. B u r b a ch. Auf der nahe gelegenen Eisengrube Peterszeche wurde der Bergmann Chr. Schott aus Emmershausen (ein Familienvater) von herabfallenden Gesteinmassnr verschüttet und getödtet. Grevenbrück. Ein 700jähriges Alterthum wird demnächst hier der Vergessenheit anheimfallen, nämlich die hiesige Johannesbrücke. Bei dem zeitigen Riesenverkehr ist sie ihren Anforderungen nicht mehr gewachsen und soll durch eine neue moderne Brücke ersetzt werden. Hagen. Der in der Wirthschaft Ahrens in Eckesey eingekehrte Arbeiter Stippe von hier wurde von einem Schlaganfall betroffen und fiel sofort todt zu Boden. Die Leiche wurde in die Altenhagener Leichenhalle übergeführt. Herdringen. In dem vor zwei Jahren mit einem Aufwande von einer Million ausgebauten, durch seine architektonischen Schönheiten bekannten Schloß deS Grafen Fürstenberg hievselbst brach kürzlich Feuer aus. Es gelang, das Feuer auf den Dachstuhl und das Obergeschoß zu beschränken, die zerstört wurden; auch sämmtliches Inventar konnte gerettet werden. Da gegen haben die vom Feuer verschont gebliebenen Theile des Schlosses, hauptsächlich die neu erbauten, durch Wasser sehr gelitten. Hüingsen. Der Fabrikarbeiter Johann Bettermann wurde an ein versteckten Stelle in der Nähe seines Wohnhauses erschösse aufgefunden. Der Mord mu an einer , anderen Stelle, wo sich Blutspuren vorfanden, geschehen sein. W der That verdächtig ist der Arbeiter Fricke verhaftet worden er hat eingestanden, Bettermann versehentlich erschossen zu haben. Fricke ist ein mehrmals vorbestrafter Wilddieb, der in der Dunkelheit den Erschossenen für ein Reh hielt. Er und Bettermann sind gute Freunde ge wesen. Minden. Seinen Verletzungen erlegen ist im hiesigen Krankenhause der Lokomotivführer Bierbaum, der
Geschwader.
kürzlich einen schweren Unfall erlitten hatte. Bierbaum benutzte auf dem Wege von seinem Dienst die über die Weserniederung führende Kleinbahnbrücke, an der durch den Sturm ein Bohlenverschlag losgerissen war. Bierbäum stürzte auf dem verbotenen Wege durch die entstandene Lücke und fiel in die Tiefe. W e r n e. Verliehen ist dem Portier Heinrich Gürshoff das Allgemeine Ehrenzeichen. Ein jugendlicher Schillerbund wurde gelegentlich der Vorberei, tungen für die Gedenkfeier in Baltimore gegründet und besteht aus Knaben und Mädchen der sechs obersten Klassen der öffentlichen Schule No. 98. Es ist diese Schule die größte der Stadt; in drei Gebäuden in der Baltimore Straße befinden sich über 1500 Schüler, wovon etwa die Hälfte deutscher Abkunft sind. Zweck dieses Schillerbundes ist, eine nähere Bekanntschaft Jung - Amerikas mit Schiller anzubahnen. Der Bund ist nach den sechs betheiliaten Schulklassen in sechs Sektionen eingetheilt, deren jede ihre eigenen Beamten durch Stimmzettel gewählt hat. Als Abzeichen tragen die Mitglieder hübsche Knöpfe mit einem gut ausgeführten Bilde Schiller's, die sie sich eigens anfertigen liehen; die Beamten tragen dazu noch kleine schwarzrothe Schleifen. Einen solchen Knopf überreichte ein Comite dem Schulsuperintendenten Wise, der ihn dankend entgegennahm und seitdem auch im Knopfloch trägt. Auch die anderen Lehrer helfen dem Bund. Aus ihren Ausflügen w's Freie singen die Mitglieder deutsche Lieder. - EinguterJunge. Meister (zum Lehrjungen): Warum warstDu denn beinahe drei Stunden lang nach der Ziehungsliste, Du miserabler Lausbub?" Lehrling (verlegen) : Ich wollte Sie halt länger in der Hoffnung leben lassen!" Komische Mittheilung. In Dijon hat kürzlich der Elektrotcchniker Gardes mit einem von ihm erfundenen Drachenflieger einen FluchVersuch unternommen." Das Fluchen wird ihm geglückt sein, denn er ist mit seinem Drachenflieger aus der Luft heruntergefallen und hat einen Beinbruch erlitten. Probates Mittel. Frau Neumann (ihren Hausarzt auf der Straße treffend): Ach, Herr Doktor, ein Glück, daß ich Sie treffe, ich fühle feit einiger Zeit solche große Schwäche, jedesmal, wenn ich ausgehe, überkommt mich eine unendliche Müdigkeit, kann ich nichts dagegen nehmen?" Arzt: Gewiß, eine Droschke,"
Moderne Tensattonsgttr. Im Pariser Casino" ist Mlle Marcelle Randal mitten in einem Todeswirbel", einer Art Looping the loop" mit einem Automobil, von einem Schlagansall betroffen worden und kurz darauf verschieden. Tiefer Vorfall giebt dein Gaulois" Anlaß zu Betrachtungen über die moderne Sensationsgier. Er vergleicht unsere Zirtusschaufviele mit den Zirkusfpie len der alten Römer und den sparn schcri Stierkämpfen, die wir so gern als Barbarei verschreien. Wenn man zu einem Duell Tribünen errichtete und Plätze für 25 Francs und 3 Francs verkaufte, so würde dieMenge sich dazu drängen: man sieht ja be reits, wie sich Leute mit photograpm schen Apparaten dam einfinden. Aber wir haben ja genug Schauspiele, bei denen der Zuschauer seinen Senfa tioushunger befriedigen kann. Früder drängte man sich schaarenweife herzu, um Leotard, den fliegendem Mann" zu sehen, der hoch oben im Zirkus mit schwindelndem Schwünge von eim'in Trapez zum anderen imt der Leichtigkeit eines Balles flog. Seitdein fuhren viele Akrobaten die. ses Kunststück aus: einige machen der, Sprung in der Luft, andere lassen sich von einer Höhe von vier Stock in fctK' Nev fallen. Blondin wurde weit beriibmt, weil er auf gefpanntemeil die Magarafalle überschritt. Unzählige haben dieses Schauspiel genossen, das die Gemüther lange in Aufrc gung hielt. Man sah ihn zögern, schwanken und wieder weiterschreiten. Cö wurde gewettet: Fällt er. Fällt er nicht." Er ist nie gefallen und hat sogar in einer Schubkarre ei' neu Mann hinübergebracht. Andere Leute wollten ihn noch übertrumpfen. Ein gewisser Smith wollte in einer Tonne die Niagarafälls hinunteriah ren. Tausende eilten herbei und sahen, wie er in die Tonne ging. Tann erschien das Faß im Strudel oben, in der Mitte und unten und dann nicht Wieder. Man durchforschte alle Stromschnellen, ohne jemals wieder etwas zu finden. Gewonnen hatte, wer auf den Tod gewettet hatte. Ein anderer wollte die Strudel durch schwimmen, die der Niagara nach dem Fall bildet. Er warf sich tapfer in's Wasser, verschwand, tauchte weiterhin wieder auf, verschwand wieder und ward nie mehr gesehen. Eine Akro batin, die in Paris auftrat, hing an den Beinen imd trug an einem Leder riemen, den sie zwischen den Zähnen hielt, einen Mann. Gewöhnlich trug sie in dieser Weise mit der ftratt ih res Gebisses ihren Ehemann. Ein mal aber mußte sie niesen, und der Mann fiel zerschmettert zii Boden. Ter Fischmensch" blieb ziemlich laj ge unter Wasser und hielt eine vrcu nende Zigarette im Munde. Einmal bekam er vor den Augen des Publi kums einen Schlaganfall und ertraiik in feinem Aquarium. Auch die Thier bündiger leben davon, das; die moder nen Menschen so viel Geschmack an starken Nervenerregungen findeii. Das Märtyrerthum der Thierbändi ger ist lang, und man begreift den sa genhaften, phlegmatischen und ge langweilten Engländer, der gleichsam die personifizirte Sensationsgier des Publikums war, der einem Bändiger überallhin folgte und allen Vontel lungcn beiwohnte, in der Hoffnung, daß er eines Tages don den Thieren zerrissen würde! Und wie traurig sind die Spiele, die man für die am wenigsten gefährlichen hält! In dem alten Parifer öippodrom machten zwei englische Clowns, zwei Brüder, die tollsten Possen und gefährlichste.: Sprünge. Plötzlich stürzte der eine zu Boden und blieb lang ausgestreckt aus dem Boden liegen. Der andere stürzte sich auf ihn, rief ihn, fchüttelte ihn und stieß herzzerreißende Schreie aus. Alle Zuschauer lachten und klatschten Beifall, die Komödie war wirklich vortrefflich gefpielt. Aber der arme Svaßmacher war gestorben. Der 1 mterfchied zwischen unseren modernen Vergnügungen und den Zirkuöfpielen im alten Rom ist nicht so groß. Freilich galt damals das Fest nur als vollendet, wenn es Todte gab. Heutzutage sollen die Leute nicht sterben: aber man setzt sie der Todesgefahr aus, und da die Konturrenz auch auf diesem Gebiete sehr groß ist, inuß jeder bemüht fein, die Gefahr auf das Höchste zu steigern, damit das Wagniß am aufregendsten wirk,:.
Der zweitjängste Bruder des Sultans, Prinz Ahmed Kemal ed Din. der seit Monaten krank war, ist in Konstantinopel gestorben. Als Prinz Ludwig Fer dinand in sejnem Automobil von Nymphenburg nach München fuhr, wurde der Major a. T. Ludwig Be Harn, der mit Epilepsie behaitet 'ein soll, an einer Haltestelle der Frrahe' bahn in Neuhausen von dem Automobil gestreift und zu Boden gerissen. Der Prinz brachte den Verlebten nach der benachbarten Hillsltelle des Rothen Kreuzes. An Pensionen für Kriegsveterauen wurden unter Präsident Grant im Durchschnitt jährlich $28,000.000 aus der Bundeskasse gezahlt. Unter Hayes stellte sich der Betrag auf $41,000.000. unter Garfield auf $59,000,000. unter Harrison auf $129.000.000 und unter McKinley auf $140,000,000. Die fünf genannten Präsidenten hat ten selbst den Bürgerkrieg mitgemct.
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