Indiana Tribüne, Volume 28, Number 238, Indianapolis, Marion County, 30 May 1905 — Page 5
Jndiana Tribüne, 30. Mai 1905,
Baden-Baden Von Zös. Briefe aus Paris sind immer ein Ereigniß für die Damen," spottet der Asieffor, mit vollen Backen kauend, sogar im Zeitalter der drahrlosen Telegraphie. Ganz versanken bist du Theuerste, in das Schreiben! Vergeflen ist der Gatte, der sich selbst die Brötchen streichen muß was schreibt denn das junge Paar? Natürlich Liebe. Liebe, Liebe im Superlano! Gott sei Dank, daß wir den Rummel hinter uns haben," neckt er, eine neue PortionThee in Angriff nehmend, und schon auf der zweitenStation, beim dicken Stammhalter ange-' langt sind. Da weiß man doch gleich wo und wie!" . . . Sie aufmerksam betrachtend, gewahrt er etwas wie leise Resignation in dem feinen Gesicht. Rrrrr .... die elektrische Klingel! Ein blondes Dienstmädchen steckt den Kopf durch die Thür. Ist Bubi noch nicht wach? Will der süße Lump nicht zum Papa?" Wir kommen schon," kichert das Mädchen, ein prächtiges Kindchen heranschleppend, das beim Anblick des Vaters in förmliche Zappelwuth geräth. Komm, Thronfolger! Mama ist heut in Paris, du mußt mir Gesellschaft leisten. Ritsch! Die Morgenzeitung. Gerade der politische Leitartikel! Was kommt nun ran? Mein Augenglas? Meine nagelneue Krawatte?" Das Badewasser, gnädige Frau!" mahnt das Mädchen. Ehe Bubi ins Bad steigt, machen wir noch eine Extratour." Nach gepfiffener Melodie walzen sie an der Bibliothek, am Nähtisch vorüber, von dem die seidenen Fäden Hochwirbeln. Papa tanzt etwas schwerfällig, aber mit Verve der Kleine mit weit aufgerissenen, strahlenden Augen, sehr entzückt von der neuen Programmnummer. Unmöglich bei dem Lärm zu lesen," schmollt Lola, die Blätter zusammensuchend. Erlaube jütigst," berlinert er. sich Zmmer noch drehend, des is doller wie verrückt jleich ne janze Vroschüre zu schicken." Ein vorwurfsvoller Blick trifft das lachende Mädchen. Ach, gnä Frau, der Herr ist zum Schreien." Er macht sich zum Clown," murrt sie innerlich. Ueberhaupt, so lieb sie ihn hat, diesen braven, tüchtigen Mensehen ihr Genre ist er eigentlich nicht. Sie schwärmte immer mehr für das Blasirte, Negative, Weltmüde, das fdjr durch große Leidenschaften aufzusatteln ist. Aber er kam, sah, siegte, denn er legte ihr seinen hübschen Asseffortitel und sein gutes Herz zu Füßen. Lola ist sehr schlank geworden seit der Geburt des Kindes. Das helle Morgentleid hängt ein wenig salopp, jeden Augenblick wickeln sich Schleppe und Volants um die Füße der Trägerin. Aetherisch, zerbrechlich erscheint sie wie theures Spielzeug, das man nur behutsam anfassen darf. Gehört sie in die Kategorie der unverstandenen Frauen? Im Grunde nicht. Aber Spieglein an der Wand behauptet: Als kleine, nervöse Märtyrerin machst du dich allerliebst. Melancholie liegt über den dunklen Augen, die sich wunderbar von der bleichen Haut abheben; aber jauchzende Lebensfreude funkelt in ihnen, wenn ein reizender Gedanke wie eben jetzt durch den Sinn schwirrt. Gerd," flüstert sie mit zärtlichem Augenaufschlag, ich habe einen großen Wunsch." -Große Wünsche liebe ich," lacht er, indem er sie küßt, denn nur Lumpe sind bescheiden. Aber faß dich kurz. Ist es der Chiffonhut der Frau Soundso, der dich nicht ruhen läßt?" Schon schlüpft er in den Paletot, um der Attacke zu entfliehen. Baden - Baden!" schmeichelt sie in bittendem Ton. Himmel, kommst du damit? Ist die fixe Idee noch nicht überwunden? Und jetzt, wo ich in Eile bin, forderst du mich zur Debatte? Mittags?!" Sie präparirt eine Rede, die einem Staatsanwalt Ehre machen dürfte. Weiß sie doch, daß er ihrem Geplau?r gern lauscht. Frühlingssonnenfchein vergoldet die Welt die Reise-Sehn-sucht erwacht und wenn er sie ein bißchen lieb hat, woran kein Zweisei ... . Also Baden - Baden!" töhnt der Assessor mit der Miene eines Mannes, der geköpft, gehängt oder gerädert werden soll. Muß es denn gerade dieses theure Pflaster sein?" Du weißt, Gerd, daß es seit drei Jahren mein höchster Wunsch ist. Als Bräutigam schon versprachst du es mir." Ein Bräutigam ist nicht ernst zu nehmen." Die Hochzeitsreise unterblieb" 5,Weil meine Lola keine halbe Million mitbrachte. Sonst wäre es ein leichtes gewesen, dich im D - Zug bis an den Südpol zu führen." Es ist nicht taktvoll von dir, das zu erwähnen."
So wenig es taktvoll von dir ist, lieber Schatz, Wünsche zu äußern, die über unsern Etat gehen. Jm erstenJahr, wenn wir un8 von der Möbel - Rechnung erholt hätten, sollte die Reise stattfinden"
,Da meldete sich Bubi an, und
wenn so etwas Sutzes unterwegs
ist" Aber jetzt ist Bubi 16 Monate alt. Wir haben ein zuverlässiges Mädchen, und Großmama kann auch öfter nach ihm sehen." Und warum gerade Baden - Baden? W!e denkst du dir das .Paradies?" Selbst eine materielle Natur ohne Phantasie hört er sie gern schwärmen. Paßt es doch so gut zu ibrer feinen, nervösen Art! Wie ich es mir denke? Märchnhaft! Abenteuerlich! Wie ein Potpourri, bestehend aus Beethoven, Wagner, Strauß, Lassen. Schäumendes Leben Sprachengewirr! Die Soubrette neben der Herzogin Weltenbummler und Könige grüßen sich! Weiße Autos, schlanke Dogcarts jagen durch die Llchtenthaler Allee Zigeunermusik! Flirt Leiden schaft Elend Reichthum Glück Jerichorosen!" Gerd thut einen langen Zug aus seiner Cigarre, ehe er zu sagen wagt: Es kann nicht sein, Schatz es reicht nicht." Lola's Enthusiasmus ist geknickt. Wie lange soll ich noch warten?" Bis einer meiner Erbonkels stirbt - ich kann nicht dafür, daß es so lange dauert. Tröste dich BaLenBaden kann höchstens schöner werden." Aber ich nicht," sprudelt sie eifrig hervor. In zehn Jahren sieht sich kein Mensch mehr nach mir um. Jetzt bin ich jung jetzt gefalle ich kann mich bewundern lassen." Sooo ist es gemeint, giebt er gedehnt zurück, während sich maßloses Erstaunen in seinen Zügen spiegelt. Darin seid ihr merkwürdigerweise alle gleich, mögt ihr nun höhere Töchter sein oder aus der Portierloge stammen. Ein Mann genügt euch nicht, ihr braucht einen Hofstaat! Wetter müssen vor Neid erblassen, Gecken müssen sich die Hälse verrenken! Liegt euch der Gatte nicht mehr zu FüZen, weil er Wichtigeres zu thun hat, so gelüstet's euch nach außerehelichen Huldigungen. Deine Fügsamkeit, Naivität hatte mich entzückt bis heute war ich in demWahn, dein Leben ganz auszufüllen Thorheit! Dröhnend fliegt die Thür hinter ihm zu, denn dicht bei seiner Gutmüthigkeit wohnt der Jähzorn. Lola fühlt sich ganz als Märtvrerin, als unverstandene Frau. Sie schluchzt noch eine Wette, - bis es ihr zum Bewußtsein kommt, daß. sie zu der ehelichen Differenz Stellung, nehmen mutz. Trotz oder Reue? schwankt sie und wählt mit weiblicher Intelligenz das letztere. Dcrn zwbiMos wie ein Brummbär nach Hause kommen wird, soll er durch Zärtlichkeiten entwaffnet werden. Diese Ueberraschung! Keine Zornessalte auf seiner Stirn, als er heimkehrt. Veranuat, als sei nichts qewesen, zieht er ein Blättchen aus der Tasche. Denke dir, heute Nachmittag ins Bureau kommend, finde ich einen Tausendmarkjchein auf meinem Tisch, vom Himmel geschneit! Eine alte Sache, die ich mit meinem früheren Sozius zusammen leitete. Ich wußte nicht, wie viel auf mein Conto kommt, und hatte die Geschichte beinahe vergessen. Heute sendet er das Geld mit der nöthigen Aufklärung. Nein! Nicht diese stürmische Zärtlichkeit," wehrt er lachend ab, wenn ich im Schweiße meines Angesichts gearbeitet hätte, wäre sie ja am Platze so aber ist das Geld gefunden, und die Badener Reise kann stattfinden. Wann hängt in erster Linie von deiner Schneiderin ab. Hier sind 300 Mark, damit du dich arrangiren kannst. Es ist ja nicht viel" .... Ein Vermögen ist es!" jubelt Lola, ihn aufs Neue umarmend. Ich kaufe Berlin dafür." Nun rast und fliegt die kleine Frau durch die tonangebenden Modegeschäfte, prüft alles mit dem schnellen Blick der Großstädterin und wählt das Schönste. Eines Abends jagt sie in einer Droschke an ihm vorüber. Eine auffallende, interessante Erscheinung, die Niemand unbeachtet läßt. Wie geschaffen zu galanten Abenteuern", dnkt er stirnrunzelnd, aber als Mutter meines Jungen gefällt sie mit nicht." Unter dem hellen, losen Frühjahrsmantel wirbeln die Volants eines dünnen Foulardkleides. Ein großec Veilchenhut senkt sich tief beschattend in die Stirn, Perlenschnüre und Chatelaines geben jenen pikanten Reiz, der die Signatur der heutigen Mode ist. Er bezahlt den Kutscher und versenkt die vielen Kleinigkeiten in seine unergründlichen Paletottaschen. -Schläft Bubi schon?" fragt er sie im Hinaufgehen. Ich nahm ja deshalb eine Droschke, um ihn noch wach anzutreffen. Seit Mittag habe ich ihn nicht mehr gesehen." Bubi schläft schon. Ein dickesBeinchen, das sich herausgestrampelt hat, wird vom Papa sorgfältig zugedeckt. Dabei wendet er das Köpfchen, und zwei große, dicke Thränen kullern von den Backen herunter. Hat das Kind geweint?" jragtLola bestürzt Eine ganze Stunde, gnä' Frau, ich konnte ihn nicht zurRuhe bringen, eben erst isfer eingeschlafen. Beide Eltern wechseln, einen traurigen Blick. Ich möchte ihn wecken und fragen," seufzt sie lerse. Unsinn," giebt er rauh zurück, ob-
wohl er denselben Gedanken hat, das Kind mufc sich eben an fremde Leute
gewöhnen. Wenn wir erst fort sind." Eine bedruckende Stille ist zwischen thnen. während sie au Abend essen und gleichgültige Worte wechseln. Erst am andern Moraen. als Bubi frisch und gesund denEltern entgegenlacht, weicht der Bann. Also wenn deine Schneide rin bis Dienstag liefert, können wir Mittwoch reifen," saat der Assessor. sich zum Aufbruch rüstend. ,,Ga' Frau, das Badewasser steht bereit." Schön . . . Mittwoch reisen?" Feucht schimmert es in ihren Au gen, wahrend sie den Kopf an Bubre Hals preßt. Es ist dir zu früh? Wie? Aeunerc dich doch." Ueberrascht tritt er näher, halb gläubig, halb unqlaublq. Was st dir. Lola? Weinst du etwa?" Gerd. rase, wüthe schilt mick dumm oder verrückt aber ich kanr nicht! Seit drei Tagen liegt es mh wie Blei m den Gliedern. Ich kann den nicht!" Was kannst du nicht?" fraat er bedenklich, einen Stuhl heranziehend. ,,ch kann Bubi nicht verlassen . . . ich stürbe vor Sehnsucht!" .Ist das wahr?" fraat er sanft, mit aufwallender Zärtlichkeit. So theuer m dir das Kind? So viel ßen Mutterherz besitzt meine Lola? Will ihrem Junaen Baden - Baden opfern?" Baden, baden!" schreit Bubi, nach dem großen schwamm zappelnd, der schon im Wasser schwimmt. Sonst wird das Bad kalt, anä' Frau," mahnt das eintretende Mädchen. Ihren Ktfvf aufrichtend, blickt er Lola liebevoll in die Augen. Mir ist. als hatte ich dich wiedergefunden. Die Badener Reise ist ja für tausend Mark immer zu haben eine Mutter aber. die sich von ihren Jungen nicht trennen kann steht hoher im Kurs!" Baden, baden! iammert der Thronfolger, dem die Geschichte längwenig wird. Sohn seiner Mutter! Hat dieselben Passionen. Alle Uhren schlagen neun. Heiliger Brahma! Diese Familienscene kostet mich eine Droschke!" Und den strampelnden Buben in das Bad setzend, stöhnt sie leise vor sich hin: Ach, meine schöne KorsoToilette: Die farbenwechselnde Rose. Die Chinesen, Japaner und Siamesen sind besonders geschickt in botanisehen Künsteleien. Eins ihrer erstaunlichsten Kunststücke ist als die färbenwechselnde Rose" bekannt. Diese Blume sieht im Schatten weiß, im Sonnenlichte roth aus. In der Nacht oder einem ganz dunkeln Raume erscheint dieses Wunder der Rosenfamilie als reine wachsweiße Blüthe. Bringt man sie in die freie Luft, so beginnt sie sofort sich zu verändern, und die Zeit, in der ihre weiße Farbe vollkommen in eine rothe übergeht, hängt von der Intensität des Sonnenlichts und der Wärme ab. Zuerst nehmen die Blumenblätter eine verwaschene, blaßbläuliche Farbe an, die bald ins Röthliche übergeht. Diese Farbe wird dann intensiver, bis man die vor einer Stunde lilienweiße Rose so roth wie die rötheste Päonie vor sich sieht. Der mitzverftandene Defregger. Man erzählt sich in München: In einer internationalen Kunstausstellung der 80er Jahre war im Glaspalast zu München ein Defregger ausgestellt, das ausgezeichnete Bildniß des Prinz-Regenten Luitpold, das den hohen Herrn in kurzer Wichs", Lodenjoppe, Lodenhut, die Büchse unter dem Arm, darstellt. Im Saal befand sich ein norddeutsches Ehepaar; die Gattin stand bewundernd vor dem Defregger, während der Mann, ihr den Rücken zukehrend, an der anderen Wand die Kunstwerke betrachtete. Sieh doch 'mal im Katalog nach, liebes Männchen. was ist denn Nr. . .?" Der Mann blätterte nach, ohne sich umzusehen und sagte: Nr. . . ist von Defregger." Ach richtig der Salontiroler," fiel die kunstverständige Gattin ein... ' W -chM Schlimm und nicht schlim. Es ist nicht schlimm: wenn ein Musikus flöten" geht; wenn ein Steuereinnehmer von uns nichts wissen Wii7"; wenn ein Steinhauer in die Brüche" geht; wenn's einem Anstreiche: grün und gelb vor den Au qen" wird. Es ist aber schlimm: wenn ein Luftschiffer nicht in die Höhe" kommen kann; wenn eineSchildwache nicht aus dem Häuschen" zu bringen ist; wenn ein Schornsteinfeger Feuer und Flamme" ist; wenn ein Bankier den Schein meidet"; wenn ein Scharfrichter jemandem den Hals bricht"; wenn einem Weinhändler alles zuWasser wud;wenn emSonn tagsjäger tüchtig verschossen" ist; wenn mich mein Barbier beim Begeg nen schneidet"; wenn dem Tischler al les aus dem Leime" geht. Derb. Müller: Herr Doktor. ich habe Sie rufen lassen, aber ich muß Ihnen offen gestehen, daß ich gar kein Vertrauen zur modernen Heilkunst ha be." Arzt: O, das macht gar nichts, lieber Herr Müller, der Ochse hat uch kein Vertrauen zum Thierarzt, dn kurirt ibn doch."
l?lne Tchatzinsel
befindet sich im Atlantischen Ozean und gehört zum Archipel der Kotosinseln. die zwischen den Galapagosinseln und der Landenge von Panama liegen. Es ist fast sicher nachgewiesen worden, daß hier zweimal ein Schatz von vielen Millionen in Gold versenkt worden ist. Das erste Mal im Jahre 1821 von englischen Piraten, die gefangen genommen und gehängt wurden, lich aber standhaft weigerten, zu erklären, wo sie das von ihnen zusammenaeraubte Gold im Betrage von etwa 80 Millionen gelassen hatten, und im Jahre 1635 wurde ein anderer Sckatz unter folgenden Umständen versenkt: Die peruanische Negierung, welche erwartete, die chilenische Flotte würde Callao bombardiren und einnehmen, lieft eine Summe von 50 bis 60 Millionen in Gold von der Bemannung einer englischen Vark nach den Kokosinseln transportiren und dort vergraben. Die Bemannung wurde von den peruanischen Truppen gefangen genommen. am nächsten Tage bis auf den letzten Mann erschossen, und Niemand erfuhr je, wo der Schatz vergraben worden war. Man kann sich denken, dah zahlreiche Nachforschungen angestellt wurden. 5m Jahre 1897 wühlte der enalische Admiral Palliser den Erdboden mit seinen Matrosen um. fand aber nichts. Im Jahre 1901 bildete sich eine Gesellschaft zu gleichen Zwecken in Pre. toria, doch auch diese vermochte nichts zu entdecken. Kürzlich hat ein amerikanischer Schooner. Hermann", aber ebenfalls vergeblich, auf mehr als zwanzig Inseln nachgegraben. schließlich hat sich ein Deutscher, ein gewisser Giehler, ständig auf dem Archipel niedergelassen und versucht hier, die Millionen zu finden. Er behauptet, über den Ursprung des Schatzes genaue Angaben zu besitzen, und erklärt außerdem, ein spanischer Pirat, der Kapitän Benita. hätte 1820 auf einer der Inseln mehrere Tonnen Silber. 733 Barren Gold. 273 mit Diamanten besetzte Schwerter und mehrere Kessel mit Goldstücken vergraben. Bis heute ist ti aber auch ihm nicht möglich gewesen, auch nur das geringste zu entdecken. Die vcrräthcr. schen Beilchen. Eine Kopenhaqener Zeituna wein ein hübsches Geschichtchen zu erzählen. Die Prinzessin Waldemar. Tochter des Herzogs von Chartres, hegte schon seit längerer Zeit den Verdacht, baß ihre Briefe an die Herzogin, ihre Mutter. nachdem sie die sranzojilcye Grenze passirt hatten, von amtswegen geöffnet und gelesen wurden; man uber wacht ja zur Zeit in Frankreich mit groger Gewissenhaftigkeit alles, was mit den ..Vrätendentenfamilien" in Verbindung steht. Die Prinzessin entschloß sich deshalb vor einigen Tagen. eine Krieqslist in Anwendung zu dringen: sie Ichrieo iyrer Mutter einen Brief, begreiflicherwelle mn emem Posiskriptum ausgestattet, worin es Kiek: ..Liebe Mama, ich lege noch die ersten dänischenVeilchen bei, vente meiner. wenn sie duften . . . aver )t legte keine Veilchen bei! Umgehend erhielt sie jedoch den mütterlichen Dank für die hübschen Blümchen. Die Prinzessin ist nunmehr fest überzeugt, iraend ein offizieller Vriefmarder habe das Schreiben gelesen und in der Meinung. die dänischen Veilchen seien beim Oeffnen abhanden gekommen, franzöfische Veilchen als Ersatz hineingelegt, bevor er den Brief wieder zumachte". DasGeschichten ist, schreibt die Franksürter Zeitung", in der That sehr artig. kleidet aber nur eine altere Anekdote in eine neue Form. l?rft unlängst war von einem ähnlichen Vorfall die Rede gewesen. Da hatte der Empfänger eines Briefes in irgend einem Lande es muh nicht gerade Frankreich gewesen sein in dem Schreiben sogar eine Banknote gefunden, die der Absender hineinzulegen vergessen hatte. Der zweite Bezirkstag des Vereins deutscher Kaufleute in Süd-Deutschland beschloß in Fürth. den dritten Bezirkstag im Jahre 1906 in Karlsruhe abzuhalten. Schon manches kleine r e -solute Bürschchen, das sich in seinen kindlichen Nöthen mit offenherziger Bitte an den Kaifer wandte, hat stin Vertrauen bohnt gesehen. So ist es jetzt wieder i ' zwölfjährigen Sohne des bei einem Fuhrherrn Wagner in Pankow bei Berlin beschäftigten Arbeiters Krause gegangen, der die erste Klasse der Pankower Gemeindeschule besucht. Da der aufgeweckte Knabe gern eine höhere Schulbildung genieitn möchte, faßte er den Muth, an den Kaiser folgendes Schreiben zu richten: .Lieber Herr Kaiser! Ich sitze hier in Pankow dank der Bemühungen meiner Herren Lehrer als zwölfjähriger Schüler in der ersten Klasse der Gemeindeschule. Ich möchte so sehr gerne weiterkommen, aber Mutter und Vater können es nicht schaffen. Da ich nun wie Du. lieber Kaiser, auch Wiltylm heiße und auch am 27. Januar geboren bin. habe ich die große Bitte, helfe mir." Die Bitte aus Knabenmund ist nickt unaebört verhallt. Der Kaiser ließ, wie wir im Tag" lesen. rr . V -f3 S.:
rrunoigungen einziehen, unu in uic Maaten sicb bewahrleiicten, erhielten die Eltern die Nachricht, daß ihr Sohn aus Koski' der kaiserlichen Schatulle seine Weiterausbildung in der Pan kower Realschule erhalten soll.
Sin seltsames Schauspiel. In einem großen Pariser Gebäude mit Glasdach, dicht vor den Thoren der Stadt, spielte sich dieser Tage im obersten Stockwerk, wo das Licht gut 'st, ein seltsames Schauspiel ab. Das Gebäude gehört der Firma Path und Frres. Ter Raum war in eine Arena verwandelt worden, und es sollte mit dem Kinematographen eine Szene im römischen Zirkus" aufgenommen werden. In der Ecke der Arena lag ein umgestürzter Wagen; Pferde aus Pappe standen daneben. Dicht dabei lag ein todter Krieger, Helme. Schwerter und andere Sachen waren über den Boden verstreut. Auf der kaiserlichen Tribüne sah Nero unter seinen Gunstlingen. Als der Kinematograph zur Aufnahme fertig war. traten drei Sklaven, barhaupt und mit naclten Leinen, auf. rollten ein Wagenrad fort und trugen den todten Römer heraus. Dann erhob Nero die Hand, und der Aufzug der Sklaven und Soldaten begann. Die Sklaven waren nur dürftig gekleidet und trugen Sandalen an sen Füßen. Die Soldaten hatten Ketlenpanzer angelegt und waren mit Schilden, Beinschienen und Helmen Jusgerüstet. In ihrer Mitte ging ein edelaussehender. weißer ..Gefangener". Als der Zug einmal die Arena umschritten hatte, machte er vor der kaiserlichen Tribüne Halt, die Sklaven und der Gefangene knieten vor Nero nieder
und riefen ihr Morituri te salutam". Dann sprangen zwei Wachen vor. packten den Gefangenen, zogen ihn zu dem Pfahl in der Mitte der Arena und banden ihn daran fest. Der Kinematograph hörte jetzt zu klappern auf. Nunmehr wurde der Gefangene befreit und durch eine Strohpuppe ersetzt, an die mehrere, frisch in Blut getauchte Stücke Fleisch gebunden wurden. Nero winkte wieder, und der Löwenbändige? Juliano, der wie ein Gladiator gekleidet war. betrat mit vier lebenden Löwen die Arena. Sie sahen sich suchend nach einem Opfer um, und vlötzlich erblickte einer den an den Pfahl gebundenen Christen". Heulend stürzte sich das Thier auf ihn und zerriß ihn in Stücke. Diese Szene hatte natürlich der Kinematograph aufgenommen. und in sehr kurzer Zeit lag eine sehr realistisch wirkende Darstellung des ..Todes eines Märtyrers in der Arena" in dielen Films vor. Kartätschen -Affärc bei der Waffcr: weik,e. Der Großfüist Wladimir hat an die Truppen der Garde und des Petersburger Militärbezirks in der bekannten Kartätschenaffäre bei der Wasserroeihe folgenden interessanten Tagesbefehl gerichtet: Die bei der Untersuchung der Kartätschenangelegenheit zu Tage getretenen Umstände dieses traurigen unerhörten Ereignisses charakteristren in genügendem Grade die innere Ordnung und das Verhalten des gesammten Personals des erwähnten GardeTruppentheils zu seinen dienstlichen Pflichten. ..Das Pflichtbewußtsein mangelt vollständig, an dessen Stelle Fahrlässigkeit und Nachlässigkeit sich breit machen. Auf die Zulassung einer so empörenden Unordnung mache ich den Kommandeur des Gardekorps, Generaladjutanten Fürsten Wafsiltschikow aufmerksam. Dem Chef der Artillerie des Gardelorps, Generalleutnant Chitrowo und dem Kommandirenden der reitenden Garde - Artillerie - Brigade, Obersten Fürsten Massalski ertheile ich einen Verweis für den Mangel an nothwendiger Aufsicht bei den Uebungen und der inneren Ordnung in dem ihnen unterstehenden Gardetruppentheil. Dem Kommandeur der 1. Division der Garde - Artillerie - Brigade, Obersten Gasparini, diktire ich einen monatlichen Arrest auf der Hauptwache zu. Ich fordere die Vorgesetzten aller Grade auf, die allerernsteste Aufmerksamkcit und zwar in jeglicher Veziehung auf die ihnen anvertrauten Truppentheile zu richten, und erinnere sie daran, daß der Dienst aller Chargen des Bezirkes mit Einschluß de3 letzten Gemeinen auf die genaue Befolgung des Diensteides und auf ein streng bewußtes Verhalten zur DienstPflicht begründet sein muß, abgesehen davon, ob die Dienstpflichten in Anoder Abwesenheit der Obrigkeit ausgeführt werden. Nur bei einem derartigen vernjjnftigen und gewissenhaften Verhalten zur Pflicht wird das Entstehen eines solchen Zufalles, wie der bei be: Gardeartillerie vorgekommene, vollkommen unmöglich werden." Im Vregenzer Walde ging ein aus Paris kommender Luftballon mit den Herren Voulanger und Jauet nieder. Die Luftschiffer erreichten bei 6 Grad Kälte eine Höhe von über 5000 Meter. Ihr ursprüngliches Reiseziel war Wien. Der Wagen des Fürsten Troubetzkoi, Attache bei der russischen Botschaft in Paris, überfuhr einen Polizeiagenten. der sich auf einem Rade befand. Die Räder des Wagens gingen dem Beamten über die Beine und die Brust. Ein Zufall will es. daß der Ueberfahrene gerade derjenige Volizeiagent ist, der vor einiger Zeit die vor dem Pariser Hotel des Prinzen niedergelegte Bombe aufgefunden und durch sein schnelles Handeln eine Erplosion verhindert hat.
Europäisches DeKartegnck
Wechsel, Creditbriese, Postanweisungen, auf alle Städte Europas. Kchisssscheine von und nach Europa. n- und Verkauf ausiändi schen Geldes. No. 35 Süd Meridian Str. M rchants National Bank. ie Unbedachtsamkeit einer großen Anzahl Leute ist nicht zurückzuführen auf den Wunsch einen jeden Cent.den sie verdienen auch zu verausgaben, sondern auf das mangelnde Verständniß, den Werth kleiner Ersparniffe zu schätzen. Ein Anfang, ohne Unterschied wie klein der Betrag, jede Woche oder Monat zurückgelegt, ist die beste Lehre in Sparsamkeit. Beginnen Sie ein Spar Conto mit uns sofort, einerlei wie klein die Summe. Diese starke Gesellschaft wird Ihnen freudigst sparen helfen. Inäiana Vrust Co., Capitl $1,000,000 Ueber schüfe $275,000 l! VI XlUWUVIMilUMNl w ...RechtsaiMalt... lFrkhn t aat Santo alt) 323-325 Zudiana Trust Geb äd e Telephon (neu) 150. Chinesin erhält den Doktorhut. Am Medico-Chirur-gical College in Philadelphia graduirte dieser Tage unter anderen auch eine Chinesin, Fräulein Li Bi Cu auS Hinahua, die zweite Tochter des himmlischen Reiches, die in diesem Lande Medizin studirte. Miß Cu ist die Tochter eines zum Christenthum übergetretenen chinesischen Geschäftsmannes. Cie hat acht Jahre lang in Amerika studirt, zuerst auf dem Hertimcr Missions-College zu New Dort und dann in Philadelphia. Sie wird nach Empfang des Doktortitels nach China zurückkehren, um dort Medizin zu praktiziren. Sucht ihre Eltern. Vor 48 Jahren von ihren Eltern verlassen, forscht nun Fräulein Annie B. Keßler in Reading, Pa., nach dem Verbleib derselben. Seit 48 Jahren wohnte Frl. Keßler bei Heinrich und Marie Keßler in Reading, die sie stets für ihre Eltern gehalten, bis vor Kurzem durch das Testament von Frau Keßler die Wahrheit ihr bekannt wurde. Unter den Effekten fand sie eine Philadelphiaer Zeitung, welche berichtet, wie dort ein Kind auf der Straße verlassen und in ein Kinderasyl gebracht worden, worauf es von Henry Keßler von Reading am 23. November 1858 adoptirt worden sei. Was man nicht todten soll. Gar manche Geschöpfe, die ganz besonders berufen sind, dem Menschen unersetzlichen und unberechenbaren Nutzen zu bringen, werden von unverständigen Leuten getödtet, weil sie nicht nur nicht die guten Eigenschaften dieser Thiere kennen, sondern dieselben geradezu für schädliche Geschöpfe halten. Zu diesen meist verkannten Wohlthätern der Menschen, namentlich der Gartenbautreibenden, ' gehört erstens der Igel; er lebt meistens von Mäusen, kleinen Nagethieren, Wegschnecken und Engerlingen. Zweitens ist zu nennen die Kröte; sie ist eine wahre Gehilfin des Landmannes: denn sie vertilgt pro Stunde 20 bis 30 Insekten, darunter allerdings auch Bienen. Schutz gebührt drittens dem Maulwurf; er verzehrt unabläfsig Engerlinge, Larven, Raupen und andere dem Ackerbau schädliche Insekten. Noch niemals hat man in seinem Magen Pflanzentheile vorgefunden, und doch werden ihm Milei Schandthaten an den Gemüsepflanzen nachgesagt. Man tödte viertens keinen Äogel, denn diese sind die erbittertsten Feinde der rfesten und dadurch die besten Gehilfen im Kampfe gegen die Schädlinge der Gemüsepflanzen und Obstbäume. Schließlich sei noch das Marienkäferchen erwähnt, das ebenfalls der beste Freund der Feldbauer und Gärtner ist, indem es die Blattläuse in Massen verzehrt und so die Gewächse vor dem Verderben schützt. Namentlich die Juger.d muß unter Bekanntgabe obiger Gründe vor dem leichtsinnigen und unverständigen Todten nützlicher Geschöpfe abgehalten werden.
Wm
mm
Joi
Ml
y .
