Indiana Tribüne, Volume 28, Number 237, Indianapolis, Marion County, 29 May 1905 — Page 5

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Tie unbekannte Brnnt.

Oder: Der Nothhelfer, dem geholfen ward. Bon H. S. 1. Es toci eine nasse und sturmgepeitschte Märznacht in einer westlichen Großstadt, und die Fußgänger auf den Straßen hatten schlimme Zeiten, auch wenn sie mit den Regendach bewaffnet waren. Der junge Richmond Carlisle achtete auf die Witterungsunbilden nur wenig, während er auf dem glitschengen Pflaster dahinschritt. Denn noch grauer, als am Himmel, sah es in seincrn Innern aus, ohne auch nur einen einzigen Lichtblick! Gestern früh noch war er eines Millionärs einziger Sohn, und heute Abend konnte er keinen Dollar sein eigen nennen. Er. der Junior - Theilhaber des, bisher so angesehenen Hauses Carlis & Carlisle, ein Bettler geworden, der manchen gewöhnlichen Bettler um sein Loos beneiden durfte! Denn sein Vater, zu dem er wie zu einem höheren Wesen hinaufgeschaut, und über den er nie ein abträgliches Wort gehört hatte, noch geduldet haben würde, sein Vater war ein Defraudant und Fälscher und jetzt ein Justizflüchtling, und er, der Sohn, der sich nienials hatte träumen lassen, daß er am Rande eines fürchterlichen Abgrundes stand, er sollte jetzt die ganze Wucht der Catastrophe allein tragen! Kein Mutterherz mehr auf der Welt, an das er sich lehnen konnte, ind seine halbe Verlobte? Ha, wie durfte er an die noch denken? Selbst wenn Constantia ihr stolzes Haupt zu einem Bettler herablassen würde, aber zu einem Entehrten nimmermehr! Er würde das auch gar nicht zulassen; denn es war seine Ueberzeugung, daß ein Gatte seiner Gattin gleichstehen sollte, oder Beide nicht glücklich sein könnten. Er tastete mit der Hand in der Tasche nach einem Streichholz, um sich eine Verzweiflungscigarre anzuzünden. Dabei fiel ein Briefchen in feine Hand, das er achtlos eingesteckt hatte, als es ihm zuging; er konnte sich ja denken, woher es kam. Einen Augenblick nahm er sich die Mühe, es beim Schein einer Straßenlaterne zu entfalten. Es war glattes, veilchenparfümirtes Papier, auf welchem gedruckt stand: Mrs. Drexel ersucht um das Veranügen Ihrer Anwesenheit um 8 Uhr Abends. Tanz und Karten." Und darunter war in zierlicher Mädchenhand geschrieben: Ausgewählte Gesellschaft." Constantias Mutter hatte die Einladung gesandt. In der That, das wäre eine ausgewählte Gesellschaft, wenn er, derSohn eines flüchtigen Verbrecher? an ihr theilnehmen würde! Er lachte bitter und stampfte in ohnmächtiger Wuth mit dem Fuße auf. Alles verloren, nichts als Schande und Noth mehr für ihn in dieser Welt. Nein, das will ich nicht tragen, das brauche ich nicht zu tragen!" stieß er trotzig hervor: ein Schritt in den Fluß, und die ganze Posse hat ein Ende. Warum ihn nicht thun? Für wen und für was soll ich noch lefcen?" Mit hastigeren Schritten näherte er sich dem Flußuser, und so wenig kümmerte er sich um das, was rechts und links von ihm war, daß er beinahe eine Frau angerannt hätte. Die Frau trug einen langen Regenmantel, und ihr Gesicht war in einen dichten Schleier gehüllt, aus welchem nur ein Paar schwarzer Augen durchdringend blitzte. Sie warf einen prüfenden Blick auf die Züge des jungen Mannes. und sie streckte ihr Hand aus und berührte leicht seinen Arm. Sie sind in einer verzweifelten Lage", sagte sie in fliegenden Worten, ich lese es aus Ihrem Gesicht: Aber Sie sind noch zu jung zu jung, um in den Wellen Trost zu suchen. Sagen Sie mir die Wahrheit: Haben S i e etwas Unrechtes gethan oder leiden Sie für Sünden eines Andern?" Weiß Gott, ich habe nichts Unrechtes gethan", erwiderte er dumpf. Er wunderte sich fast über sich selbst, daß er eine Antwort gab- aber der Blick aus dem Schleier übt; einen magnetischen Zwang auf ihn aus. Sind Sie verheirathet?" frug sie. Verheirathet? Gott behüte!" Sie legte ihren Arm in den seinen und zog ihn durch ihr bloße Willenskraft vorwärts, ihn wie einen Blinden führend. Es erschien ihm einfach unmöglich, ihr zu widerstehen. Ich suche nach einem Mann", sagte sie in ganz geschäftlichem Tone, der ledig und frei ist, und der seine Hand zu einem Plane bieten will, einem Plan zur Abwendung eines schweren und jammervollen Unrechts! Es muß ein Mann sein, der reinen Mundhalten kann, und der bereit ist, nach Erledigung der Angelegenheit das Andenken an Alles auszuwischen, womit er diesen Abend zu thun haben mag." Sie sprechen in lauter Räthseln", sagte Carlisle ungeduldig; erklären Sie mir doch geradeheraus, was Sie von mir haben wollen." Ich wünsche, daß Sie ein Weib heirathen, das Sie nie gesehen, und das Sie auch nie wieder sehen sollen. Solches mag Ihnen sonderbar klingen, aber das ist meine Sache. Und für

Ihre Gefälligkeit erhalten Sie 50,000 Dollars." Heirathen? Ich? Aber werthe Frau, ich bin gar nicht in einer solchen Stellung " Stellung?" wiederholte sie in verächtlichem Tone; wer hat etwas von Stellung gesagls u ,mo ein Vrun, und das ist Alles, was ich brauch:. Sie können Ihrer Angetrauten den Namen und Titel einer Gattin geben; einen anderen Anspruch wird sie nicht an Sie stellen. Im Laufe der Zeit können Sie ohne alles Aufheben eine Scheidung erhalten, und Sie sind wieder ein freier Mann." Aber zu welchem Zweck soll ich diese Unbekannte heiraten?" Um sie vor der Macht eines Schurken zu retten. Kommen Sie nur; ich sehe, Sie sind schon mehr, als halb überredet. Kommen Sie mit mir, das ist besser, als der Fluß." Carlisle war in einem Zustand, in welchem der Mensch auf Alles eingeht, was ihn von seinen eigenen Gedanken ablenken kann. Die Frau führte ihn durch enge, dunkle Seitengassen noch einem zerfallenen, halb von Buschwerk verborgenen Hause, schloß die Vorderthüre auf und schob ihn in einen dunklen Flur, an dessen Ende eine offene Stubenthür das behagliche Licht eines Herdfeuers zeigte. Vor dem Feuer saß ein weißgekleidetes Mädchen von schlanker Gestalt, den Kopf in die Hände gestützt; reiches goldiges Haar fiel auf ihre schönen Schultern. Als sie Schritte hörte, fuhr sie auf und verbarg ihr Antlitz durch einen Spitzenshawl. Carlisle's Führerin trat vor und sprach einige Worte mit ihr, worauf sie sich umwandte und durch die Maschen des Shcrwls ihn musterte. Aus einem anstoßenden Zimmer kamen zwei andere Frauenspersonen, offenbar Dienstboten, und Hinter ihnen schritt ein Mann von hoher Gestalt, im Talar eines katholischen Priesters. Er warf einen raschen Blick auf Carlisle und sagte dann halblaut zu ihm: Lassen Sie mich genau verstehen, heirathen Sie dieses Weib, aus eigenem freien Willen?" Jawohl", erwiderte Carlisle, durch die zauberischen Einflüsse seiner Umgebung ganz erregt, aus eigenem freien Willen." Da erhob sich das Mädchen und ging auf ihn zu. Die Hand, welche sie in diejenige Carlisles legte, war kalt wie Eis. Nur wenige Augenblicke bedurfte es, ihn zum Gatten eines Weibes zu machen, das er nicht einmal dem Namen nach kannte: denn der Name wurde bei der Ceremonie unhörbar leise gesprochen. Der Priester überreichte der Braut einen Trauschein, und die Führerin Carlisle's übergab diesem ein kleines Päckchen. Und darf ich nicht das Antlitz meiner Gattin sehen, nicht ihren Namen wissen?" fragte der Vermählte, noch immer die weiße Hand festhaltend, die nicht ungern in der seinen zu ruhen schien. Nein", erwiderte seine Führerin; das ist eine ungewöhnliche Angelegenheit, und Sie erhalten einen ungewohnlichen Preis für die Beherrschung Ihrer Neugierde. Gehen Sie ruhig Ihres Weges; bleiben Sie drei Monate unthätig, und wenn Sie dann die Adresse aufsuchen, welche Sie in dem Päckchen finden, wird Ihnen eine Scheidung besorgt werben. Ich bin Ihnen sehr verbunden. Gute Nacht." Sie führte ihn zur Thüre, schob ihn sanft hinaus und riegelte hinter ihm zu. Draußen stand er nun im Regen und wußte nicht, ob er das Alles geträumt hatte. Während er noch dastand, öffnete sich leis ein Fenster über ihm, und eine musikalische Stimme rief durch die tiefe Dunkelheit: Herr Carlisle". Er blickte auf, und eine weiße Hand streckte sich ihm furchtsam hin. Ich danke Ihnen o, wie ich Ihnen danke! Gott segne Sie für den Dienst, den Sie mir geleistet! Leben Sie wohl." Dann zog sich die Hand zurück, und das Fenster schloß sich wieder sanft. 2. Als Carlisle sein Zimmer erreichte und das Gas andrehte, fand er im Spiegel seine Wangen fieberh. zi geröthet, und seine Augen glänzten seltsam. Er hätte aufs Neue die Wirklichkeit des soeben Erlebten bezweifelt, wäre nicht das Päckchen gewesen, das richtig in seiner Tasche steckte. Als er es öffnete, fand er die Adresse eines bekannten Rechtsanwaltes einer Nochbarstadt sowie einen beglaubigten Check" auf $50,000, welcher auf eine der besten Bankgesellschaften ausgesteigt war. Er hatte keine Schwierigkeit, ihn am andern Morgen einzukassiren, konnte aber von den Bankiers nichts über die Herkunft der GeldanWeisung erfahren. Es trieb ihn. noch im Lauf des Vormittags den Schauplatz seines nächtlichen Abenteuers wieder aufzusuchen; er fand das Haus, aber nichts deutete darauf, daß irgend Jemand seit Iahren diese Schwelle überschritten hatte! Gerade als er sich entfernte, hörte er einen Jungen ein Extrablatt ausrufen: Alles über das schreckliche Eisenbahnunglück auf der Western Continental!" Er kaufte das Vlatt und warf eirnn Blick auf die dicken schwarzen Lettern obenan ja, was stand da die Lettern schienen vor seinen Augen noch schwärzer zu werden: Henry I. sXarüäl. bt rri&t !tmi)0rtCUl UNd

Jndiana Tribune,

Grotzysnoier, augenouanH getootet!" Und dann folgte eine Reihe Sätzk in dem bekannten amerikanischen Sensai'onsstil. Der junge Mann war tief erschüttert, aber noch andere Gefühle durchstürmten seine Brust. Kein Zweifel: Sein Vater war todt, war der irdischen Gerechtigkeit entrückt! Und seine Schuld war noch gar nicht bekannt geworden: nur er und der Buchhalter wußten davon! $50, 000 konnten wahrscheinlich den Fehlbetrag decken und seines Vaters guten Namen retten, und die hatte er ia. Aber wie wird sich der Buchhalter dazu stellen? Marston Blake war in seinen alltäglichen Geschäften, was man heutzutage so gern Correct" nennt, aber ein kalter und unsäglich selbstsüchtiger Mensch, und im Verfol&n eines Zieles, das er sich gesteckt, von rücksichtsloser Beharrlichkeit. Wird er bewogen werden können, reinen Mund zu halten?. . . Das Begräbniß war vorüber. Henry Carlisles Testament hinterließ Alles seinem Sohn. Beim Verles war auch Blake zugegen, und er verweilte etwas länger, als die Andern. Als er mit Richmond Carlisle allein war, begann er: Sie werden es von mir als Vertrautem Ihres Vaters wohl nicht sonderbar finden, wenn ich frage, was Sie zu thun gedenken." Das kann ich noch nicht bestimmt sagen," erwiderte Carlisle, vielleicht mache ich das Geschäft zu, und " Dann bin ich also einfach beiseite geworfen", versetzte Blake. Nun, Sie waren 15 Jahre bei meinem Vater in Stellung, haben ohne Zweifel ein hübsches Sümmchen zurückgelegt und könnten nicht schwer anderswo Stellung bekommen." Mag sein, aber vielleicht paßt es mir nicht, anderswohin zu gehen. Hr. Carlisle, kommen Sie mit mir in's Freie, die Wände haben Ohren!" Carlisle erhob sich, und die Beiden gingen hinaus. Blake ging voran, bis nach einer einsamen und dunklen Stelle an einem der Hügel, die sich über dem Fluß erhoben. Sich umwendend, hub er endlich an: Wir wissen Beide, was wir hier verhandeln wollen. Sagen Sie mir gerade heraus: Wieviel geben Sie mir dafür, daß ich über Ihres Vaters Maschenschaften schweige?" Was sind Ihre Bedingungen?" frug Carlisle, seine Fassung unter Zähneknirschen wahrend. Hunderttausend Dollars und Halbtheil am Geschäft." Hr. Blake, Sie sollten wissen, daß ich unmöglich derartige Forderungen erfüllen kann. Das Geschäft ist bankerott " Nicht wenn ich die Leitung ergreife", sagte Blake, etwas sanfter; ich kann Capital genug hineinbringen, um es auf die alte Grundlage zu stellen, und aus den Profiten können Sie mir jährlich das Verlangte abzahlen. Natürlich erwarte ich, daß der Firmaname Blake & Carlisle sein wird " Und wenn ich nun nicht will?" warf Carlisle ein. Dann gebe ich die ganze Geschichte den Zeitungen." Sie sind ein Schurke, für den der Strick noch zu gut ist!" Sachte, junger Mann" Vlakes Augen funkelten unheimlich der Sohn eines Verbrechers sollte verd t vorsichtig sein, wenn er einen ehrlichen Mann anredet." Ich wiederhole es", stieß Carlisle heftig hervor, und wenn ich meine Hand mit einem solchen Halunken, wie Sie, beschmutzen wollte " Mit einem Fluch sprang Blake auf ihn los, und die 2?äen rangen derzweifelt. Blake war schwerer gebaut, aber Carlisle war sehnig, und der Ausgang schien zweifelhaft, da kam Blake dem Hügelrand etwas zu nahe, die Erde rutschte unter seinen Füßen, und mit einem wilden Schrei rollte er hinab und verschwand in den Wellen! Carlisle schauderte. Es fiel ihm ein, daß !3lacke nicht schwimmen konnte, und vas Wasser war tief und schlammig. In athemloser Hast lief er einen Pfad hinab, der etwas weiter oben nach dem Wasser führte; aber nichts war zu sehen, und nichts sagten ihm die rauschenden Wogen! 3. Zwei Monate darnach landeten Fischer fünf Meilen stromabwärts eine, bis zur Unkenntlichkeit verweste Leiche. Sie wurde aber von Erben Blake's identificirt, denen sehr daran gelegen war, die Thatsache seines Todes festzustellen. Nun ging der Streit um den Nachlaß los, und die Behörden forschten nach den Umständen des Todes. Es kam heraus, daß Blake zuletzt in Carlisle's Gesellschaft lebendig gesehen worden war. Hinterlassene Papiere des Buchhalters stellten Carlisle's Vater als Fälscher blos, aus 'diesen und anderen Umständen ließ sich bald eine Anklagekette gegen den jungen Mann schmieden, und dieser wurde verhaftet! Am nächsten Morgen erhielt er einzierliches Absagebriefchen von Constantia. Er lachte grimmig. Die vorgebrachten Umstandsbeweise gegen ihn waren derart, daß seinen Freunden er hatte noch einige sehr bange um ihn war. Schon begann der sechste Tag des Prozesses; man erwartete vor Abend einen Wahn'pruch. Gerade als die

99. Mai I9ö3.

Verhanolung wleoer begann, erschienen zwei verschleierte fremdeDamen imGerichtssaal.Die eine ging ganz unmittelbar auf den Richter zu, sah ihn, den Schleier zurückwerfend, mit durchdringenden schwarzen Augen an und. sagte in gebietendem Tone: Machen Sie dieser Posse ein Ende! Der Mann, wegen dessen der Angeklagte festgehalten wird ist a m L e b e n!" Allgemeine Bewegung. Frau, erklären Sie sich!" rief ihr der Staatsanmalt streng zu. Die Erklärung ist einfach. Blake stürzte in's Wasser; aber es gelang ihm, ein, in der Nähe verankertes Boot zu erreichen, und so entkam er. Beim Sturz hatte er den Kopf verletzt; aber er schleppte sich nach meinem Haus, wo er lige krank lag. In seinem Delirium enthüllte er Alles." Aber wer sind Sie denn", frug der Richter. Ich bin Marston Blake's Schwester. So ungern ich es sage: mein Bruder ist ein dunkler Charakter! Ich kann alle meine Angaben beweisen,und die junge Dame, die mit mir gekommen, Frl. Lucille Forsythe, kann bestätigen, was ich sage." Neue Bewegung im ganzen Publikum bei der Nennung dieses Namens! War es doch der Name einer jungen, schönen Erbin, die vor 12 Monaten in einer Nachbarschaft plötzlich verschwunden war. Frl. Forsythe, wollen Sie, bitte, den Schleier heben?" fragte der Richter in seinem sanftesten Ton. Das Mädchen entsprach der Aufforderung, blickte aber nicht nach dem Nichter, sondern nach dem blassen und erregten Gefangenen. Carlisle erwiderte diesen Blick mit ganzer Seele: Es war das Weib, mit dem er getraut worden, das fühlte er augenblicklich! Nach Erledigung verschiedener Formalitäten war Carlisle ein freier Mann, und ein glücklicher dazu. Bald erhielt er auch volle Aufklärung über die mysteriöse Trauung. Lucille's Vater hatte ihr ein großes Eigenthum hinterlassen, und ihr Vormund war Marston Blacke, dessen Charakter der Vater nicht kannte, den er aber wegen seines geschäftlichen Rufes hierfür bestimmte. Blake selber trachtete nach der Hand Lucilles; sie aber verabscheute ihn, und als er nicht aufhörte, sie zu belästigen, floh sie und suchte Zuflucht bei ihrer vormaligen Wärterin, welche Blakes Schwester war. Blake aber spürte sie aus. Lucille brauchte eine große Geldsumme, um Jemanden zu helfen, der ihrem Vater einen unschätzbaren Dienst erwiesen; aber sie konnte laut Testament erst durch Heirath in den vollen Besitz ihres Eigenthums gelangen, und nur so konnte sie sich auch von Blake befreien. Ihre Wärterin besorgte den Mann. Sie hatte einmal gesehen, wie Richmond Carlisle ein armes Kätzchen auf der Straße grausamen Jungen entriß, und die Scene blieb ihr, einer großen Thierfreundin, unvergeßlich. So verfiel sie auf ihn. lucille!" sagte Carlisle zärtlich, als sie ihm diese Eröffnungen gemacht, und küßte ihr die Hand, mein Herz gehörte Dir von dem Augenblick an, als ich Deine Hand an jenem Abend berührte! O, schicke mich nicht wieder fort!" Nicht, wenn Du bleiben willst", sagte sie, hold lächelnd. Blake ist im fernsten Westen für immer verduftet. LoganSport, 29. Mai. Als Folge eines rohen Scherzes liegt jetzt der 45 Jahre alte Herman Siegmund schwer verstümmelt auf dem Kranken lager. Stegmund hatte, seiner Erzählung nach, vor mehreren Tagen ein gestanden, daß er zufällig vor langen Jahren einen Leihftall anzündete und mehrere Leute sollen ihn dann am Frei tag auf eine große Kifte gestellt und ihm einen Strick um den Hals gelegt haben, indem sie ihm sagten, er solle für die That gehängt werden. Sieg mund entfloh, lief nach Hause und sagte in einem Schreiben an seine Frau, daß er sie vor Schande bewahren werde, indem er sich das Leben nehme. Er wurde gleich darauf durch einenZug überfahren aufgefunden, und seine fürchterlichen Verletzungen lassen fast keine Hoffnung, daß er genesen wird. L a f a y e t t e, 28. Mai. Prof. L. M. Beleker von Toledo machte geftern eine Ballonfahrt, die er wohl so bald nicht vergessen wird. Eine ungeheure Menschenmenge waren Zuschauer, als er mit dem Ballon in rasender Schnelligkeit in die Höhe stieg und ge. gen die scharfe Kante eine hohen Ge bäudeS geschleudert wurde, daß er so fort die Besinnung verlor. Infolge deö Anpralles entftrßmte das GaS dem Behälter und der Ballon sank rapide, sich dann in die Telephondrahte ver fangend. Der Profeffor war inzwischen wieder zur Besinnung gekommen und versuchte sich zu befreien, wobei er stürzte, unten aber von bereit stehenden Männern aufgefangen wurde, sodaß er nicht nur mit dem Leben, sondern sogar mit nur leichten Verletzungen davon kam.

Russichc Flotte vernichtet. (Fortsetzung von der 1. Seite.) unbekannten amerikanischen Dampfer an der Küste von Formosa zum Sinken brackte. Es wird aber zugegeben, daß der Admiral in der Lage gewesen sein mag, zu einer solchen Maßregel zu greifen. Um zu verhindern, daß durch ein neutrales Schiff vielleicht Nachrich. ten über den Aufenthalt der russischen Flotte an die Japaner gelangten, mag er die Mannschaft des Schiffes an Bord seiner Fahrzeuge genommen und den amerikanischen Dampfer zerstört haben. Solche Maßregeln scheinen hart, ftnd aber in Anbertacht Dessen, was auf dem Spiele fthet, nicht zu vermeiden. Die Kosten wird natürlich Rußland be zahlen. Rußland. Keine Aenderung in der Mandschurei. St. Petersburg, 2. Mai. Gen. Linevitch berichtet in einer Depesche vom 28., daß in der Stellung der Armeen in der Mandschurei keine Aenderung eingetreten ist. Lodz, 23. Mai. Bei Ruheftö rungen in der Nachbarschaft der Syna goge feuerten Truppen in die Menschen masse und tüdteten zwei Juden. Am Samstag Abend wurde ein Ar beiter, den man für einen Spion hielt, erstochen. Die Stimmung in der Arbeiterbevölkerung ist sehr schlimm. ES ftnd mehr Truppen hier angekommen. Neueste Reform. St. Pe te rSburg, 28. Mai. Die Jgnatieft'Kommission, welche mit Revidirung der russischen AusnahmeGesetze betraut ist, befürwortet die gänzliche Abschaffung deS sogenannten kleinen Belagerungszustandes, der stets verhängt wird, wenn sich in einer Stadt ernste Unruhen ereignen. Die Kommisston erklärt, daß er regelmäßig mehr Unheil als Nutzen stifte, da die Militär-Behörden ihre Machtbefugnisse mißbrauchen und dadurch die unter dem Volke herrschende Erbitterung noch ver mehren. Wo die Civilbehörden nicht mehr im Stande sind, die Ordnung aufrecht zu erhalten, sollte nach der Anficht dar Kommission das Standrecht proklamirt, in keinem Falle jedoch länger in Kraft belassen werden, als unbe dingt nöthig ist. Frankreich. Für alle Eventualitäten. P a r i S, 28. Mai. Der Marineminister Thompson machte in einer im

Elisee abgehaltenen KabinetSfitzung die Mittheilung, daß er Anordnungen für die Absenkung einer zweiten, auS zwölf kleinen Kriegsschiffen bestehenden DiViston nach Jndo-China getroffen hat. Die Division wird im August absahren und aus zwei Unterseebooten, vier mit Torpedorohren versehenen Depeschenbooten und sechs flach gehenden Torpedobooten erster Klasse, die für die seichten Gewässer der indo-chinesischen Küste bestimmt find, bestehen. Die Diviston wird im November in Saigon eintreffen und dort zu einer im verflossenen Jahr abgeschickten ähnlichen DiVision stoßen, wodurch Frankreich'S Streitkraft zur See im fernen Osten eine bedeutende Verstärkung erfahren wird. Sekretär H a y. Paris, 28. Mai. Sekretär Hay langte heute hier an und will 3 Tage verweilen. Bon Mitgliedern der amerikanischen Botschaft wurde er am Bahnhofe empfangen; später begrüßten ihn in seinem Hotel Botschafter McCormick und der frühere Botschafter Porter, sowie eine Anzahl der Freunde auS der amerikanischen Kolonie. Alle Besucher beglückwünschten den Sekretär zu dem außerordentlichen Erfolg der Kur, die er in Bad Nauheim unter dem berühmten Professor Grödel durchgemacht hat. Spanien. Silvela im Sterben. -Madrid, 23. Mai. Don Fran ciSco Silvela, der hervorragende Staatsmann und früherer Premier minister, liegt im Sterben. Serbien. Neue Ministeriums. Belgrad, 28. Mai. Das neue Kabinet ist wie folgt zusammengesetzt: Justiz, M. NikolicS; Ackerbau, M. PatsevicS; Finanz, M. MarkovicS; Minister für öffentliche Werke, M. To. korovicS; Kriegsminister, Col. ZsovdovicS. Alle neue Minister gehören zur ex. trem-radikalen Partei.

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