Indiana Tribüne, Volume 28, Number 237, Indianapolis, Marion County, 29 May 1905 — Page 3

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Ausland-Depeschen. Deutschland. Zur Verletzung der Kaiserin. Berlin, 28. Mai. AuS guter Quelle wird mir mitgetheilt, daß die Verletzung der Kaiserin auf einen tölpelhaften Pagen zurückzuführen ist. Der junge Mann, der dem Hause der HohenauSchnellingen verwandt ist, trat auf die Schleppe Ihrer Majestät, als diese sich auf der Treppe befand und führte so ihren Fall herbei. Die Verletzungen find nicht bedeutend, der unftalteten aber zeitweilig die Kaiserin derart, daß sie gezwungen war, das Zimmer zu hüten. Kadunen wird auch in diesem Jahre der Sommeraufenthalt der Kaiserin und der jüngsten Kinder sein. Die Familie wird voraussichtlich am 9. Juli im Schloß eintreffen. Die Hundert Ehrenjung stauen. Berlin. 28. Mai. Die Hof. leute, denen die schwierige Aufgabe wurde, die Pläne zum Einzug der Kronprinzenbraut zu redidiren, gutzuheißen oder zu verwerfen, haben sich g:zwungen gesehen einen gordischen Knoten zu durchschneiden. Bekanntlich soll die Herzogin Cäcilie bei ihrem Ein zuge am Brandenburger Thor von 100 Jungfrauen begrüßt werden. Schon bei der Auswahl dieser jungen Damen stellten sich allerlei Schwierigkeiten ein, denn jede hochstehende Familie des Bürgerthums Berlins, das über eine jungfräuliche Tochter verfügt, wollte mit dabei" fein. Nach langen diplomatischen Verhandlungen gelang es endlich die Enttäuschten zu beschwichti gen und schon freute man sich, daß alles in Ordnung fei, als die Frage der Huldigungsansprache auf'S Tapet kam. Da war unter den Hundert keine, die nicht deklamiren wollte. Nun ist die Ansprache überhaupt auS dem Programm gestrichen worden. Fräulein Kürschner allein, die Tochter deS OberbürgcrmeifterS, wird sich besonderer Auszeichnung erfreuen dürfen, indem sie der Braut einen Blumenstrauß überreichen soll. O e st e r r e i ch.U ngarn schreit e t ein. Berlin, 28. Mai. Die schwarzgelbe Regierung hat sich der 86 Ungarn angenommen, die seinerzeit für die Potsdamer Bauunternehmer Gesellschaft den Streik brechen wollten, durch Steine und Knüppel gezwungen wurden, ihr Werkzeug niederzulegen und nun Bezah'ung für die in Potsdam verpulverte Zeit verlangen. ES han delt sich um mehr als 30,000 Mark und m großen Erstaunen der Unter neh ..c fanden deren Anwälte im Gerichte, wo der Ersatzfall zum Austrag kommen sollte, sich einem Vertreter deS österreichisch ungarischen Konsulats gegenüber. Die GenickSftarre-Epl-d e m i e. Berlin, 28. Mai. Laut einem RegierungSdericht find in Deutschland seit dem 1. März 1,345 Fülle von Ge nickSftarre vorgekommen. Hiervon Verliesen 312 tödtlich. Die Regie. rungSkommiffion, die nun verschiedene Landestheile bereift um den Grund der Epidemie zu ermitteln und Heilversuche anzustellen, hat bisher noch keinen Bericht eingereicht. DaS Berg. Gesetz. Berlin, 28. Mai. DaS preußische Abgeordnetenhaus hat die Berg. gefetzNovelle angenommen, nachdem man sich in der Commission und im Plenum abgemüht hatte, sie umzumodeln. In der elften Stunde wurde noch ein Compromiß auögcheckt, um t: Stimmen des Centrums zu geww' nen, welches, wie bekannt, für den Fall des Scheiterns der Novelle im Land tage schon einen Gesetzentwurf im Reichstage eingebracht hat, der die Einführung eines Maximal Arbeitstages und die Einrichtung von Arbeiterauö schaffen vorsieht. Dieser Kompromiß Verfügt die Einrichtung von obligato. rischen Arbeiterauöschüffen in Betrieben mit über hundert Arbeitern. Ferner tritt an die Stelle des öffentlichen das geheime Wahlrecht zu den Arbeiterauö. schüffei, auch soll den Mitgliedern der Ausschüsse politische Thätigkeit nicht verboten sein, aber der Aufsichtsbehörde steht das Auflösungsrecht zu. In die fer Compromißgefialt wurde die Bor läge mit großer Mehrheit angenommen. Die Conservativen stimmten geschloffen dagegen, ebenso einzelne Abgeordnete anderer Couleur.

Reichskanzler Graf v. Bülow hatte die Schlußdebatte mit einer längeren Rede eingeleitet, in welcher er zur Eile mahnte, damit das von der Regierung den Arbeitern gegebene Versprechen end lich eingelöst werde. Selbstmord aus Gram. Berlin, 28. Mai. Aus Neuftre. litz in Mecklenburg wird ein tragischer Selbstmord telegraphisch gemeldet. Oberstleutnant a. D. Freiherr Dietrich von Stenglin hatte vor einiger Zeit auf der Jagd daö Unglück, einen Treiber zu erschießen. ES wurde ihm wegen fahrlässiger Tödtung der Prozeß gemacht, aber nach kurzer Verhandlung erfolgte seine Freisprechung. Stenglin war seit dem unseligen Zufall nicht mehr derselbe. Er verfiel in Schwer muth und aus Gram legte er heute Hand an sich. (Freiherr von Steng. lin stand im 61. Lebensjahre und war Wittmer. Sein einziger Sohn ist Leutnant im großherzogl. mecklenburgischen Grenadier-Regiment No. 89 zu Neuftrelitz.) t General d e r Ins. von Woelckern. t Stuttgart, 28. Mai. General der Infanterie v. Woelckern ist ge. ftorben. Er war bis zum Jahre 1895 kommandirender General de? XIII. (Kgl. Württemd.) Armeekorps und stand zuletzt a 1a suits des Infanterie Regiments Kaiser Friedrich, König von Preußen (7. Württemd.) No. 125. Wilhelm Krauß verur theilt. Stuttgart, 28. Mai. In Heilbronn ist der Metzger Wilhelm Krauß, der seinerzeit als reicherBrauer Crouse" aus Amerika zurückgekehrt war. wegen zahlreicher Gaunereien zu zehn Jahren Gefängniß verurtheilt worden. Er hatte in ganz Württemberg geschwindelt, und die Zahl der von ihm Gerupften war Legion. Schill-Denkmal für S t r al f u nd. S t r a l s u n d, 28. Mai. Hier ist ein Komite zusammengetreten, welcheS einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für den Freiheitskämpfer Ferdinand v. Schill eriaffen hat, der dort an der Spitze feines kleinen Korps am 31. Mai 1809 mit den meisten seiner Genoffen fiel. Japanische Hochzeit SGäste. Berlin, 23. Mai. Prinz und Prinzessin Ansugawa. die den Mikado bei der Hochzeit deS Kronprinzen Friedrich Wilhelm vertreten werden, werden als die ersten fürstlichen Gäste am Montag Abend hier eintreffen und an dem Bahnhofe mit großem Pomp em pfangen werden. Die frühe Ankunft soll ouf speziellen Wunsch deS Kaisers erfolgen. Derselbe hat den Kammer Herrn v. Mohl speziell beauftragt, dafür zu sorgen, daß die japanischen Gäste befriedigt werden, da der Kammerherr mit der japanischen Etikette speziell vertraut ist. Italien. Der Vesuv meldet sich. Neapel, 28. Mai. Der AuS. bruch deS Vesuvs hält an. An den Seiten haben sich mehrere neue Oeffnungen gebildet, aus denen Lava strömt. Die Umgegend des Vesuvs trägt die Spuren des Aschenregens. Die Zahnradbahn hat den Betrieb eingegellt.

Base-Ball. AmericanAssociation. Milwaukee, 28. Mai. Milwaukee 0 0 0 0 0 0 3 0 3 Indianapolis. .00000010 01 Batterien Hickey und Beville; Reidy und Roth. Mi.ineapoliö, 28. Mai. MinneapoliS. . .2 1003000 6 EolumbuS 0 0000041 0 5 Batterien HyneS und Schmidt ; Dorner und Ryan. KanfaS Eity. 28. Mai. KansaS City 100301 5 LouiSville 30110106 Batterien Morgan und Butler; Ferguson und Schriever. St. Paul, 23. Mai. St. Paul 3 20002 1 1 9 Toledo 1 0 0 1 00 1 1 04 Batterien Sorbett und Slagle ; Veager und ZaluSky. National Liga. Eincinnati, 23. Mai. Sincinnati ....32002050 KrU PittSburg 001 002 00 0- 3 Batterien Overall und Schlei; Howard, Leever, Philip und Carish.

Oefterreich'Ungarn. Prinzessin Luise von Kobürg nach Bad Elfter. Wien, 23. Mai. Prinzessin Luise von Koburg, die von den Pariser Sach verständigen für geistig gesund erklärt worden ist, hat ihr Eintreffen zur Kur in Bad Elfter, Sachsen, angekündigt. Bon dort bewerkstelligte sie bekanntlich seinerzeit mit Hülfe ihres Geliebten, des Er-Leutnants Grafen Mattachich, ihre sensationelle Flucht aus der Obhut des SanitätSrathS Dr. Pierson. Großbritannien. t I a m e S O ' B r i e n , M. P. f London, 23. Mai. JameS FranciS Xaver O'Brien, Mitglied der Nationalpartei für Cork, ist heute plötz. lich gestorben. Er wurde im Jahre 1831 geboren.

Tie Sonne scheint. Skizze von A. Burg. Die Sonne scheint, Mutter; ich will mit Lieschen ein bißchen auf den Gartenplatz gehen!" Fast athemlos kam Frieda die Kellertreppe hinuntergestolpert und stieß die Thür zur elterlichen Wohnung auf. Ja, hier merkte man nichts von der Märzsonne, die draußen schon mit Hellem Schein die grauen eintönigen Häuserfronten vergoldete und auf den Zweigen der noch unbelaubten Bäume spielte. Sie verirrte sich nicht einmal in den langen Sommertagen über den zweiten Hof des großen Miethshauses, kaum, daß ein Streifen des Nachmittags auf den düstern, engen Hof fiel, der davon erzählte, daß das Haus vor der neuen, Ende des achtzehnten Jahrhunderts eingeführten Bauordnung entstanden war. Der dicke Wrasen, der die kleine Küche erfüllte, machte es Frieda zunächst unmöglich, die Mutter zu sehen, die das Waschfaß dicht vor das kleine Fenster geschoben hatte, und eifrig mit der Seife hantirte. Die schlanke, noch jugendliche Frau schaute sich nach der Kinderstimme um, und wie das blonde kleine Mädchen in ihrer hellen, sauberen Schürzen mit einem Male vor ihr stand, war's, als wenn wirklich ein Sonnenstrahl den ärmlichen Raum erhellte. Ich nehme Lieschen mit, Mutter, es ist zu schön in der Sonne, wir haben auf dem Hofe Reigen gespielt, anstatt in der Turnhalle, ach das war schön. . ." Aus der Ecke, in der der Kinderwagen stand, erhob sich eine jauchzende Kinderstimme. Frieda stellte die Mappe beiseite und umschlang die kleine zweijährige Schwester: Lieschen kommt mit, nicht wahr? Mutter hilft mir den Wagen die Stufen 'rauf, und dann fahren wir heidi." Die Kleine, die mit bunten Lappen und einigen Holztellern gespielt hatte, ließ alle diese Herrlichkeiten fallen und lallte ihr mit mit." Bleibe aber nicht zu lange, Frieda", sagte die Mutter. Da auf dem Tisch liegt eine Schrippe, die kannst du draußen essen, Lieschen hat ihre Flasche getrunken. Wenn ich die Wäsche im Spülwasser habe, koche ich Kartoffeln." Eine falbe Stunde später war Frieda mif V n Wagen und ihrem Lieschen auf dem Gartenplatz. Sorgsam schob sie den Wagen vor sich her. Die Kleine saß ganz still in den Kissen, über die Frieda noch Mutters graues Umschlagtuch gebreitet hatte, sah mit Kroßen Augen um sich und sog, unbcwußt, mit vollem Athem die stille, milde Luft ein. Es gab so viel zu se- " ,:.,....::.. ew-Z- ,; ' '.-':

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Der Vermittler im Lquitable ZNuddle. Wm. Nelson Cromwsld ist zum Vermittler zwischen den streitigen Parteien der Squitable Life Affurance Co. berufen worden. Er ist eine Autorität auf dem Gebiete des Versicherungswesens.

hen. Die Sonnenstrahlen tanzten und zitterten über den Häusern, und die Menschen schienen froh und heiter. Die Kinder hüpften nach Steinen, spielten Kreisel und Murmel, und die, die es haben konnten, trieben bunt gestrichene Reifen vor sich her. Auf den kleinen Gesichtern, die von Wintersnoth und Stubenluft erzählten, lag ein Abglänz der Märzsonne, die Ausblicke verhieß auf künftige Sommersonne. Und dann begann Lieschen zu jauchzen vor Entzücken, es war alles so hell, so freundlich. . . Von der Thurmuhr tönten 4 Schlage. ein kühler Hauch zog über den Platz, die Sonne war im Sinken. Schatten deckten die Stellen, die sie vorhin so hell bestrahlt hatte. Bleiben bleiben!" schrie Lieschen, als Frieda den Platz verließ und den Wagen in die stille graue Straße schieben wollte. Ein merkwürdig wehes Gefühl beschlich Friedas kleines Herz, sie wendete den Blick nach der Richtung, wo die rothen, verschwimmenden Wolken zeigten, daß die Sonne sich geneigt hatte. Es war auch gar nicht warm mehr, und das kleine Mädchen zog fröstelnd die zu kurzen Aermel der ausgewachsenen Jacke herunter. Die Sonne ist nun fort, Lieschen, wir müssen nach Hause, Mutter änzstigt sich sonst." Die Sonne ist fort, Mutter!" rief Frieda, als sie die kleine Küche betrat, aus der der Waschwrasen sich verzogen hatte, und in deren Kochmaschine ein lustiges Feuer prasselte, auf dem die Kartoffeln dampften und brodelten. Aber morgen scheint sie wieder", setzte sie tröstend hinzu, als sie Lieschens betrübtes Gesicht sah, der es gar nicht in der Dunkelheit zu gefallen schien. . . . .Morgen scheint sie wieder!" Es klang der verhärmten jungen Frau wie eine Verheißung, als ihr blondlockiges Kind das sagte. Sie meinte so oft, daß aller Sonnenschein aus ihrem Leben verschwunden sei, es war weiter nichts mehr als ein Kampf um's Brot. . . . und ich helfe dir morgen die Wäsche spülen dann bist du fertig, und Mittags kommst du mit auf den Gartenplatz in die Sonne." . . . in die Sonne." Sie wartete auf keine Sonne mehr, jeder neue Tag brachte Arbeit und Plage. Und doch war's, als sei mit einem Male die kleine Küche hell geworden, als spiele ein vergessener Sonnenstrahl darin, der von Friedas blonden Zöpfen kam; und als sie auf die Mutter zusprang und ihr Gesicht zärtlich an das der Mutter legte und ihre kleinen Arme das Haupt der Mutter umschlangen, da fühlte die müde, abgearbeitete Frau, daß ihre Frieda ein sonniges Kind sei, und ihr, in der Noth des Lebens verkümmertes Herz wärmte sich an diesem Sonnenstrahl.

Die Sonne scheint, gnädige Frau, ich werde mit Baby in den Thiergarten fahren." Selbstbewußt und sicher stand die geputzte Spreewälderin im Salon der jungen Herrin, die, umgeben von einer Confektionsdame und der Jungfer, beschäftigt war, eine stilvolle Toilette zum nächsten Wohlthätigkeitsfest zusammenzustellen. Sie hörte kaum hin auf das, was die Marie sagte, ihre Augen hingen an dem kostbaren Ueberkleide von weißen Spitzen mit Perlmutterpailetten, welches das Confektionsfräulein soeben über ein weißes Atlaskleid zog. Die Sonne fluthete durch die modern und mit weißen Vorhängen geschmückten Fenster in das große Gemach und warf blitzende, blendende Strahlen auf den kostbaren rothen Teppich und auf das Kleid, dessen Pailetten tausendfach funkelten. I

So also es ist schönes Wetter na dann gehen Sie nur. . ." Marie hörte gar nicht hin; wenn die Herrin gesagt hätte: gehen Sie nicht, so würde sie sie doch überzeugt haben, daß das Wetter gut genug für Baby sei, denn sie mußte heute doch die Ländsmännin treffen, um sich zum morgenden Tanz in den Stephaniesälen zu verabreden. Sie blickte dabei unverwandt in den großen Wandspiegel, der ihre ganze Erscheinung zurückstrahlte, und stellte fest, daß sie eigentlich für den HorkaHeinrich daheim in Burg viel zu schade sei. Eine Viertelhufnerin wo sie hier in Berlin mit jedem Hochgewachsenen Gardegrenadier oder Gardedragoner tanzen konnte. Mit diesen Gedanken beschäftigt, kleidete sie Baby in die weißen, seidengefütterten Sachen, machte den stilvollen englischen Wagen zurecht und beorderte das Küchenmädchen und den Diener zum Herunterhelfen, während sie Baby ergriff, nachdem sie festgestellt hatte, daß die Lackschuhe untadelhaft saßen und das neue weiße Kopftuch sehr kleidsam war. Q wie belebt der Thiergarten war. Ueberall geputzte frohe Menschen, die Zeit zum Spazierengehen hatten, viele Babys in Kinderwagen mit ihren Wärterinnen, Kinderfraulein mit größeren Knaben und Mädchen, die aeradewegs aus dem neuesten Modejournal geschnitten schienen, alte Herrschaften, die ihren Gesundheitsspaziergang machten, mancher alte Krieger auf seinen Stock einherhumpelnd. Marie kümmerte das kaum. Unentwegt spähte sie nach ihren Landsmänninnen aus, fuhr geradewegs auf den alten, an Krücken gehenden Mann los. der mühsam in der Mitte der Straße daherkam, lachte über die in schlichte, unauffällige Tracht gekleideten englischen Kinderwärterinnen und kam zu dem Entschluß, dem Horka - Heinrich den Laufpaß zu geben. Der fesche Gardedragoner am vorigen Sonntag hatte sie doch um ein Wiedersehen gebeten was würde der sagen, wenn er wüßte, daß sie die Braut einesViertelhufbauern war. Und sie selbst fühlte sich, nach dreivierteljährigem Dienst in Berlin, viel zu schade, später Kühe zu melken, Schweine und Hühner zu füttern. Die Landsmänninnen waren noch nicht zur Stelle, Baby schlief im festverdeckten Wagen, eine Bank lud zum Ausruhen ein. Die Sonne sah durch die kahlen Baumgipfel auf den grünen Waldboden und malte da seitsame Figuren so schien jetzt die Sonne auch daheim und die Frauen und Mädchen gingen mit ins Feld, die Saat zu richten, und die Kinder spielten auf der Dorfstraße, und die Sonne schien auf die Kirche und auf das kleine elterliche Gehöft. Und die Großmutter, die sonst immer spinnend am Ofen saß, kam wohl aus ihrer Ecke hervor und nahm sich die kleine Maika, band ihr ein rothes Kopftuch um und zog ihr dicke Pantöffelchen über die blauen Strümpfe. Ja blaue grobe Strümpfe die Marie aus Berlin geschickt hatte, hatte die Ahne still in der Lade ver. wahrt. Was denkt die Marie, soll die Maika mit solchen firlefanzigen Strümpfen laufen und sich den Tod holen?" Und dann nimmt sie Maika an die Hand und geht mit ihr in die Sonne : Sieh, Maika, so scheint die Sonne auch in Berlin, sag' ihr, daß sie die Mutter grüßen soll. . ." Marie fröstelt's, hat sie geträumt der Gruß von Hause durch die Sonne war ihr sehr unbequem. Und mit den Landsmänninnen, die sich indessen eingefunden haben,lachend und scherzend, schiebt sie den Wagen heim mit hochgeschobenem Verdeck und geschlossenen Gardinen Baby hat nichts davon gemerkt,daß die Sonne scheint.

Die Sonne scheint, ich möchte am Fenster sitzen ", sagt das kranke Madeben mit schwacher Stimme. Der Bruder trägt die gebrechliche Gestalt in den Lehnstuhl und die Mut ter deckt sie soralich zu. Die glänzenden Augen irren über die stille Straße und bleiben an den Vorgärten haften, in denen die ersten Frühlingsblumen, Krokus und Hya zinthen, blühen. Wenn ''ch erst hinauskann, werde ich bald gesund," sagt sie mit ihrer leisen gebrochenen Stimme und dann reisen wir Mutter, nicht wahr dann bin ich kräftig genug zum Reisen." Die stille Frau, deren noch jugendschönes Antlife strenae Schmerzenslinien durchziehen, legt das Gesicht ans Fenster, um ihr Kind nicht anblicken 2U müssen. Ja Leni dann reisen wir.Aw du kommst mit Mutter!Ein gewaltsamer Krampf droht das Mutterherz zu ersticken es weiß auf der Reise, die ihrem Kinde bestimmt ist, wird sie eS nicht begleiten dürfen. . . Aber das Mutterherz hätte ja keine Kraft zum Ertragen, wenn sie nicht auch hierzu bejahend den Kopf neigm konnte. Die Sonne trifft mit ihrem matt aoldenen Schein das Haupt der Kranken und zeigt, welche ernste Hand eö abzeichnet hat zum Scheiden. Paß

Leni des Hauses Sonnenstrahl einst selbst war, ehe das tücksche Leiden sie ergriff, das bleibt die schmerzvoll-süße Erinnerung dieses blutenden Mutter Herzens. Es ist dunkel im Zimmer geworden. Die Sonne ist fort, Mutter; ich möchte zu Bette. Aber morgen kommt sie wieder dann sitze ich wieder am Fenster. Da sieht man doch etwas vom Leben draußen und ich hab' den ganzen Winter nichts gesehen. . . Die Sonne ist fort" die schlanke Frau überläuft ein Frösteln, sie weih es, der Tag ist nicht fern, wo ihr Sonnenstrahl versinkt. Die Sonne ist fort.

Kulant. Fremder: Jessas, Jessas, was Haben's hier für 'ne dicke Luft? Kneipwirth: Und dafür wird nicht das Geringste extra berechnet: Anstatt einer SchilferB ü st e wird die Residenzstadt Potsdam die Büste des GroßkaufmannS Eisenhart aus dem Platze am königli chen Schauspielhause aufstellen. Viele Einwok ner hatten den Magistrat und die Stadtverordneten ersucht, auf diesem Platze eine Büste des Dichters aufzustellen. Schiller wird aber keine Büste in Potsdam erhalten. Dagegen soll der 1846 verstorbene Eisenhart, der verschiedene Stiftungen (KrankenHaus, Schulen) der Stadt zugute kommen ließ, auf dem Platze beim Schauspielhause eine Büste erhalten, obgleich bereits eineStraße seinen Namen trägt. Ebenso w i e in Deutschland leitet man jetzt auch in Frankreich eine Reform" der Orthographie in die Wege. Damit nicht genug, will man in Frankreich jetzt auch die Schreibtechnik, die Art und Weise des Schreibens einer Neuordnung und Eintheilung unterziehen. Eine große Anzahl französischer Lehrer und Erzieher hält die augenblickliche, seit langen Jahren bestehende Schreibtechnik, die bekanntlich ein Neigen der Buchstaben aufweift, für falsch, verkehrt und gegen die Hygiene. Man will statt dessen die aufrechte Schreibweise eingeführt wissen, bei der die einzelnen Buchstaben gerade und ganz aufrecht stehen und genau parallel aneinander gereiht werden. Man hat in Paris bereits ein Comite gebildet, das die einzelnen Normen und Leitsätze ausarbeiten und dem französischen Unterrichtsministerium zur Begutachtung vorlegen soll. Die Bevölkerungszahl Berlins hat in diesem Frühjahr in vier Wochen, von Mitte März bis gegen Mitte April, sich um rund 6400 Personen vermindert. Die allwöchentlich ausgeführten Fortschreibungen hatten ergeben, daß den Winter hindurch die Bevölkerung auf 2,009,418 Personen angewachsen war. Diese Zahl wurde für den 12. März herausgerechnet. Dann begann die Abnahme, die fast in jedem Jahr um diese Zeit eintritt, und für den 8. April stellte sich die BeVölkerungszahl nach der Fortschreibung auf nur noch 2,003,064 Personen. Nach den Erfahrungen der vorhergebenden Jahre ist kaum anzunehmen. daß die weitere Verminderung, die etwa die zweite und dritte Woche des April noch gebracht haben, so erheblich sein wird, daß die Fortschreibung einen Rückgang der Bevölkerungszahl Berlin noch einmal bis unter zwei Millionen ergeben könnte. Eine Anzahl w e r t h v o ller Napoleon-Reliquien wurde am hellen Tage aus dem Mayer-Museum in Liverpool gestohlen. Die Behörden haben sofort eine Belohnung von $1000 ausgesetzt für jede Nachricht, die zur Entdeckung der vermißten Gegenstände führt. Die Reliquien haben einen sehr großen Werth und gehören zu einer Juwelen-, Porzellan- und Antikensammlung, die der Liverpooler Juwelier Mayer der Stadt vermacht hatte. Zu den gestohlenen Gegenständen gehören: Eine Schnupftabaksdose Sy2 zu 2 Zoll aus Gold und Email. In" den Deckel ist ein Sardonyx gesetzt und ein erhabenes Porträt von Napoleern, Marie Luise und vom König von Rom geschnitzt. Die Dose ist mit Lapislazuli, kleinen Diamanten und anderen Edelsteinen geschmückt. Ein Ring mit einem Sardonyx. Eine Kamee von Napoleon, in klassischem Gewand, mit einem Lorbeerkranz. Eine Kamee mit einem kleinen Diamantring, ein Geschenk Napoleons und Marie Luises für Mme. Ney. Eine Schnupftabaksdose, die Marschall Ney als Geschenk erhalten hat. Ein goldenes Siegel mit Miniaturbild und dem kaiserlichen Monogramm X. Die Reliquien sind aus einem verschlossenen Schrank, der übrigen noch andere werthvolle Schmuckgegenstände und Edelsteine enthält, herausgenommen worden, ohne daß die zahlreichen Besucher und Aufseher etwas bemerkt baben. .. - -.1Vor sieben Jahren fand Frau Ernst Reff von Cicero, Wis., ihren Gatten, einen wohlhabendenFarmer, in der Scheune an einem Strick hängen; sie schnitt ihn ab und es gelang ihr, sein Leben zu retten. Seitdem dankte ihr derMann wiederholt für ihre Geistesgegenwart. Als aber kürzlich Frau Reff ihren Gatten vermißte und suchte, fand sie ihn in der Scheune an derselben Stelle hängen. Diesmal kam sie zu spät, denn ihr Mann war todt. .