Indiana Tribüne, Volume 28, Number 232, Indianapolis, Marion County, 23 May 1905 — Page 5

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ei der Revision.

Humoreske von Adolf Thiele. Was hast Du, Väterchen? Ist Dir etwas Unangenehmes passirt?" Das junge Mädchen, das diese Worte sprach, hob ihre schönen Augen von ihrer Näharbeit auf und blickte ihren Vater an. Der HerrGerichtssekretär und Revisor Klattermann kehrte allerdings mit sehr mißmuthigem Gesichte heim. Dies hinderte ihn jedoch nicht, seinen Stock genau in die Mitte zwischen zwei andere zu stellen und seinen Hut, nachdem er ihn mit einer Bürste überstrichen, sehr ordentlich aufzuhängen. Es ist nichts von Bedeutung, mein Kind!" sagte er hieraus, betrat das Nebenzimmer und vertauschte seinen schwarzen Rock mit einem leichten Hausgewande. Bald darauf wurde das Mittagessen von der ffrau Zekretär und ihrem Mädchen aufgetragen, und die kleine Familie nahm am Tische Platz. Auch der Frau Klattermann fiel der finstere Gesichtsausdruck ihres Gatten auf. Nun, lieber Karl," ftyfe sie, Du hast gewiß wieder eine Revlsionsreise vor?" Na ja!" brummte derSekretär und gupfte an seiner schwarzen Halsbinde. Und wohin geht es denn?" Nach Blankheim." Das junge Mädchen zuckte zusammen und erröthete, auch ihre Mutter erschrak ein wenig. Die Gerichtskasse zu revidiren?" fragte sie nach kurzer Pause. Was denn sonst? Ich soll doch nicht etwa dort die Hühner controlliren, ob sie Eier legen?" Wiewohl ergrimmt, fetzte sich der Vater der Familie doch nach Tische, wie dies feine Gewohnheit war, in eine Ecke des Sopha's, nahm einige Augen voll Schlaf und zündete sich dann eine Cigarre an. Wie alle Tage, ließ sich dann auch sein hübsches Töchterlein im Nebenzimmer am Klavier nieder, um ihrem Väterchen" die Sorgen wegzuspielen. Heute gelang ihr dies nicht: düsteren Antlitzes starrte der Herr Sekretär seinen Rauchwölkchen nach. Endlich fühlte er das Bedürfniß, sich auszusprechen. Diese Revision ist mir besonders fatal," begann er, weil ich natürlich mit dem Assessor Herber zusammentreffen muß." Nun," entgegnete Frau Klattermann, er wird Dir doch gewiß wie immer höflich und liebenswürdig entgegenkommen." Das schon, aber Du weißt, ich kann ihn nicht leiden, er hat keinen Ordnungssinn, und dann diese Liebelei mit Bertha, als er noch hier arbeitete " Nun, gestatte mir, die beiden haben sich gern, es wäre ein ansehnlicher Schwiegersohn " Höre mir damit auf!" erwiderte der Sekretär erregt. Nun und nimmer! Da könnte ich ja womöglich in die Lage kommen, meinen Schwiegersobn als Vorgesetzten begrüßen zu müssen. Das wäre mein Letztes!" Was findest Du nur Schlimmes dabei?" fuhr die Gattin fort, auf demselben besprochenen Thema verharrend. Der Assessor ist unabhängig, Bertha ist unsere Einzige " Nein, und abermals nein!" rief da der Sekretär sehr resolut, indem er emporsprang und mit großen Schritten auf und ab ging. Und nun kein Wort mehr davon!" Mit einem stillen Seufzer ergab sich Frau Klattermann in das Unabänderliche. Genau dreizehn Minuten vor drei Uhr erh?b sich nach seiner Gepflogenheit der Herr Sekretär aus seiner Sophaecke, in die er mittlerweile wieder zurückgesunken war, zog den schwarzen Rock an. ergriff Hut und Stock und begab sich würdevoll nach dem Bureau. Bertha beschäftigte sich wieder mit Arbeit, doch manches Mal rasteten die fleißigen feinen Finger und der Blick des hübschen Mädchens hing traumverloren an den Blumen, die den Fenstersitz schmückten. Mitzlich kam es wie eine Eingebung übt sie. eine neue Idee schien sich ihrer zu bemächtigen. Sie lachte auf, sah sich dann scheu um, ob dieMutter nicht in der Nähe wäre, sann mit erglühenden Wangen nach und erhob sich endlich, um einen Brie zu schreiben. Mancher Seufzer drängte sich dabei über ihre Lippen. Nachdem sie den Brief vollendet hatte, trug sie ihn selbst zum nächsten Briefkasten. Am anderen Morgen, genau fünfzehn Minuten vor Abgang des Zuges, erschien Klattermann auf dem BahnHofe. Im Coupee blickte er bisweilen nach seiner stets richtig gehenden Uhr, um die Frühstückszeit genau einzuhalten. Dem Gerichtsboten, der ihn am Bahnhofe in Blankheim erwartete, übergab er seine Reisetasche mit der Ermahnung, sie nicht zu schütteln. Mit dem festen Vorsätze, seiner Würde nicht das mindeste zu vergeben, am wenigsten dem Assessor Herber gegenüber, trat er den Weg zum Amtsgericht an. Zunächst stellte er sich dem Amtsgerichtsrath, einem jovialen Herrn, sehr förmlich vor, und begab sich dann ins Kassenzimmer, um in Gegenwart des Kassirers die Revision zu beginnen.

Zuerst legte er seine Reisetasche, die

der Amtsdiener gebracht hatte, sehr ordentlich auf den Tisch und schloß sie ernst und feierlich auf. Hierauf griff der Herr Gerichtssekretär langsam und würdevoll in das Innere der Tasche und holte eine ganze Hand voll Stricknadeln, Stickereien, Musikalien, sowie einen FingerHut hervor. Erstaunte nun der daneben stehende Kasscnbeamte ob dieses seltsamen Schreibgeräths. so entsetzte sich derSekretär geradezu darüber. Endlich, nachdem er eine Zeit lang völlig verstummt gewesen war. fand er Worte. ..Dieser boauerliche Irrthum beruht auf einem Versehen von Seiten meiner Tochter, der ich den Auftrag ertheilt hatte, meine Schreibmaterialken in vorliegende Reisetasche zu packen. Ich ersuche Sie, werther Herr College, über den so unliebsamen Zwischenfall Stillschweigen zu bewahren." Der Kassenbeamte, der mit einem Lachanfalle kämpfte, versprach dies, war jedoch froh, als der Revisor die Tasche einer gründlichen Prüfung unterzog und er hinter seinemRücken sein Lachen ausschütten konnte. Der eingetretene Zwischenfall ist um so peinlicher." fuhr Klattermann fort, als ich seit Beginn meiner Beamtenlaufbahn gewöhnt bin, nur mit ganz bestimmten Federn und Haltern zu schreiben. Hierzu kommt noch, daß ich leider auch meine Brille vermisse, deren ich bei meiner Arbeit nothwenbig bedarf." Hierauf versank der Herr Sekretär in ein momentanes Schweigen. Plötzlich ging die Thür auf und ein intelligent aussehender Herr trat herein. Guten Morgen, Herr Sekrelär." sagte er freundlich. ..Verzeihen Sie. daß ich störe. Sie revidiren heute?" Allerdings. Herr Assessor!" entgegnete der Sekretär nach einer sehr steifen und kühlen Begrüßung. Nun, ich will nicht weiter stören, geehrter Herr Sekretär! Ich möchte mir jedoch noch eine Bemerkung gestatten. Sie theilten mir einmal mit, als ich noch drüben bei Ihnen arbeitete. daß Sie nur mit der G-Feder schrieben. Ich habe dieselbe nun auch versucht und ich sage Ihnen, ich könnte keine andere mehr benutzen." Die G-Feder?" rief der Sekretär, befliß sich gleich darauf aber wieder kühler Zurückhaltung. Ja. diese hier." sagte der Assessor Herber und nahm ein paar Federn aus einem Büchschen, das er in der Tasche trug. Und dann es ist komisch habe ich noch eine Ihrer Gewohnheiten als praktisch erkannt: das Schreiben mit dicken Rohrhaltern. Sehen Sie, solche Halter!" Dabei griff er in dieBrusttasche und holte einen heraus. ..Mit solchen schreiben Sie doch auch?" Allerdings. Herr Assessor," sagte der Sekretär, aber es klang ganz anders als vorhin, viel weicher und freundlicher. Sind Sie heute damit versehen oder darf ich Ihnen aushelfen?" Der Sekretär zögerte, seine Würde dem zurückgewiesenen Freier gegenüber stand auf dem Spiele, aber sein Blick war auf die G-Federn und auf den dicken Rohrhalter gebannt. Sie sind sehr liebenswürdig," sagte er. Ich habe Federn und Halter nicht bei mir. Leider fehlt mir nun auch noch meine Brille; ich muß zusehen, ob ich hier im Orte eine passende finde." Eine Brille, hm!" machte der Assessor. Nun, es wäre ein merkwürdiger Zufall. Drüben in meinem Bureau liegt nämlich eine, die einer meiner Vorgänger liegen gelassen hat." Ach," rief der Sekretär, ich brauche eine ganz besondere, nämlich convexe Brille, auf dem rechten Auge Nummer 20, auf dem linken Nummer 24." Der Assessor entfernte sich sofort und kehrte gleich darauf mit der Brille zurul?. Nun, eS Ist nicht ganz genau meine Nummer, aber es macht sich," sagte Klattermann dann gut gelaunt; gleich darauf besann er sich aber und sagte etwas kühl: Ich sage Ihnen meinen tzerbindlichsten Dank, Herr Assessor!" Mlt einer unnachahmlich feierlichen Amtsmiene begann er darauf die ReVision, während der Assessor in sein Bureau zurückkehrte. Indessen sah der Amtsgerichtsrath in seinem Geschäftszimmer eine Anzahl Kassenordres durch, die ihm der Assessor Herber soeben überreicht hatte und die der Sekretär ebenfalls revidiren sollte. Plötzlich stutzte er und feine klugen Augen, die so freundlich aus dem rothbäckigen Antlitz herausschauten, durchflogen ein rosafarbenes Papier, das sich unter den anderen befand. Es war ein Briefchen und lautete: Liebster Arthur! Morgen revidirt Papa dort. Ich packe aus Versehen (Du verstehst wohl?) seine Schreibmaterialien und Brille nicht in die Reisetasche. Versieh Dich daher mit G-Federn und einem dicken Rohrhalter, auch für eine Brille mit Nummer 24 kannst Tu sorgen. Vielleicht machst Du Dich bei ihm beliebt, wenn Du ihm auö der Verlegenheit hilfst. In Eile mit tausend Küssen Deine Bertha. Nachschrift. Papa braucht zwar 20

und 24, aber es darf nicht zu sehr aus-

fallen." Schmunzelnd hielt der Amtsge richtsrath das zarte Briefchen in der Hand und sprach vor sich hin: Habe mir schon immer so etwas gedacht. Na, warte!" Hierauf erhob er sich. Herr Assessor, darf ich einen Augenblick bitten?" Der Assessor trat ein. Hier unter diesen Papieren," be gann der Amtsgerichtsrath ernst, sinde ich ein Schriftstück von demokratisch - rothem Pavier. dessen Inhalt auf geheime Verbindungen hinweist und also gegen Paragraph 128 des Strafgesetzbuches verstößt." Der Assessor sah den Brief und wurde dunkelroth. Er machte den Versuch, sich zu entschuldigen, doch da Rath unterbrach ihn. Bitte, machen Sie sich keine Schwierigkeiten!" sagte er freundlich. Ich sehe schon, wie der Hase läuft. Wenn es Ihnen nicht unlieb ist, will ich mit meiner schwachen Kraft auch dazu beitragen, den Herrn Sekretär umzustimmen. Was hat er denn übngens. wenn die Frage gestattet ist, gegen diese Verbindung?" Er fürchtet, daß er einmal in die Lage kommen könnte, mich als seinen Vorgesetzten ansehen zu müssen; in diese Idee hat er sich förmlich verrannt." Sie ist also gewissermaßen sein geistiges Hühnerauge, auf das man nicht treten darf." lächelte der Gerichtsrath. Ich bitte Sie heute zu Tische. Herr Assessor, der gestrenge Herr Sekretär kommt auch." An der gastlichen Tafel des Gerichtsraths trafen sich die Parteien. Der Assessor war die Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit selbst, der Gastgeber zog alle Saiten seiner Jovialität auf und selbst seine inzwischen eingeweihte Gattin arbeitete mit so klugem Takte an dem reservirten Wesen des pedantischen alten Herrn, daß er all seine Zugeknöpftheit ganz oergaß. und als nun der Herr Rath einen Toast auf das Was wir lieben!" ausbrachte, da wurde der letzte Rest von Widerstand des Herrn Klattermann überwunden und der entzückte Assessor als begünstigter Bewerber um das hübsche Berthchen jubelnd proklamirt. Später, als Herr Klattermann in animirter Laune mit der Gattin des Gerichtsraths über seine häuslichen Verhältnisse plauderte, nahm der Wirth des Hauses den Assessor in ein Nebenzimmer. Nochmals wünsche ich Ihnen Glück." sagte er. Der Alte war ja ein bischen zähe, aber wie es scheint, hatten Sie schon gut vorgearbeitet mit der G-Feder. Aber nichts geht doch über Weiberlist!" fuhr der Amtsgerichtsrath fort. Der alte Ordnungsfanatiker würde übrigens kein übleS Gesicht gemacht haben, wenn er das rosa Brieflein unter den Kassenordres gefunden hätte." Mein Aufregung " fiel Herber ein. Leicht begreiflich! Aber ohne dies Versehen wären Sie doch vielleicht nicht so schnell zum Ziele gekommen, trotz der G-Feder und des dicken RohrHalters!" Spruchweisheit. Gast: Sie haben den Muth, dieses Gesüffe Wein zu nennen?" Wirth: Warum denn nicht? Dem Muthigen gehört die Welt." Auf dem Heimweg. Sie: Schämst Du Dich nicht, so viel zu 'rinken? Jeden Laternenpfahl mußt Du umarmen! Er: Aber Mathilde, Tu Du wirft doch nicht nicht gleich eifersüchtig sein? DieHinterlassenschaft. A.: Haben Sie schon gehört, daß Herr Mayer bei seinem Tode Alles dem Waisenhause hinterlassen hat? B.: Das war sehr gut von ihm, wieviel war es denn? A.: Sieben Kinder. K.w . u e v e r einen Brudermord wird aus Ncsserdeich bei Lunden (Tithmarschen) gemeldet: Aus dem Hofe des Landmanns Hans Karstens lebten die Brüder Maaß und Stephan Karstens nebst einer taubstummen Schwester. Der Vater hielt sich bei einem in Hemmerwurth wohnenden Sohn auf, weil die vor kurzer Zeit abgebrannten Gebäude neu aufgeführt werden. Maaß Karstens sollte den Hof haben, während die Geschwister je 20,000 Mark erbten. Letzthin Ab?nds erschien Stephan bei den in der Nähe wohnenden Eltern des Dienstjungen, der sonst bei dem im Backhaus schlafenden Bruder des Nachts sich aufhielt, und sagte, daß der Junge im Hause bleiben könne, weil er bei seinem Bruder schlafen wolle. Die Brüder gingen zu Bett. Gegen Morgen stand Stephan auf und zerschmetterte seinem Bruder den Schädel. Nachts kam er dann schreiend zu feinen Eltern und rief: Wir sind überfallen!" Man fand die Leiche in dem von dem Mörder angezündeten und theilweife verkohlten Bett liegen. Da anzunehmen ist, daß der jüngere Bruder, der neidisch war, weil er bei der Hofübergabe leer ausgehen sollte, die That begangen hat, wurde er sofort verhaftet. Er leugnet, der Thäter zu sein.

Ein Ticnstmadchcu - Verein in

Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt besteht seit einigen Jahren ein Verein von Dienstmädchen, der gelegentlich seines fünfjährigen Jubiläums im December 1904 ein großes Fest veranstaltet hatte, mit dem praktischen Nebenzweck, aus den erzielten Einnahmen einen unentgeltlichen Haushaltungs - Cursus für junge Dienstmädchen einzurichten. Ueber diesen eigenartigen Verein wurde bei jener Gelegenheit folgendes berichtet: Der Verein wurde von einem Dienstmädchen Namens Marie Christensen in's Leben gerufen. Die energische Dame wandte sich in einem geharnischten Aufruf an sämmtliche dienstbaren Geister Kopenhagens zu gemeinsamer Bekämpfung ihrer oft unwürdigen Behandlung und AusNutzung durck die Herrschaft. Ich will," führte die Schreiberin aus, diesen Verein nichts in's Leben rufen, um meinen eigenen, gegenwärtigen Platz zu verbessern. Denn die Menschen, bei denen ich jeht diene, sind die besten, die mir bisher begegnet sind. Aber ich fühle den Drang in mir. den jungen Mädchen zu helfen, die denselben Beruf wie ich erwählt haben. Mein Beschluß ist gefaßt, und ich will versuchen, ihn zur Ausführung zu bringen." Und das hat Fräulein Christensen gethan. In ihren energischen Händen laufen jetzt alle Fäden der Vereinsangelegenheiten zusammen. Von ihrem im Schatten der deutsch-franösisch-refor-mirten Kirche gelegenen Bureau aus vertritt sie als Leiterin umsichtig die Interessen des jetzt 500 Mitglieder zählenden Vereins, redigirt sie das Vereinsorgan, das Dienstmädchenblatt" mit dem Motto: Gegen Unrecht ist der beste Schutz ein treues Zusammenhalten." In eigenen Lokalen erhalten strebsame Mitglieder gegen eine monatliche Abgabe von 25 Oeren je einmal in der Woche Unterweisung im Gesang, im Schneidern, in der englischen Sprache und im Rechtschreiben. An einem langen, schmalen Tisch, an dessen oberem Ende der Lehrer einen Ehrenplatz innehat, lassen sich hierzu all die blonden Stinen und Marien schweigend nieder. Alle haben gewissermaßen ihr Tintenfaß und besonders viel Löschpapier mitgebracht, dessen Anwendung sich häufig als äußerst wünschenswert erweist. Die Grazien würden wahrscheinlich sich eine etwas vortheilhaftere Stellung beim Schreiben geben und die Federhalter nicht so mühselig hingleiten lassen. Doch war es rührend zu sehen, mit welchem Eifer welch ungetheilter Aufmerksamkeit sfe bei den gegebenen Erläuterungen qn den Lippen des Lehrers hingen, während die Glocken der nahen Frauenkirche feierlich zum AdventsAbendgottesdienst riefen. Außerdem veranstaltet der Verein für seine Mitglieder gesellige Zusammenkunft mit Vorträgen belehrenden und anregenden Inhalts. Die zweimal im Jahre zusammentretende Generalversammlung ist zur Abänderung und Aufhebung der Vereinsstatuten berechtigt. Der Vorstand wird durch die Präsidentin, die Kassirerin und vier Repräsentanten gebildet. Jedes Mitglied, das W Oere Monatsbeitrage zahlt, legt bei seinem Dienstantritt der Herrschaft ein gedrucktes, von beiden Theilen zu unterzeichnendes Vertragsformular vor, das die Bewilligung eines freien Abends in der Woche und zwei freier Sonntage im Monat von 2 Uhr an sowie die Bestimmung enthält, jede vor 6 Uhr Morgens und nach 7 Uhr Abends geforderte Hausarbeit mit 25 Oeren die Stunde besonders zu bezahlen. Der Verein hat auch sein Banner, dessen festliche, durch einen dreimaligen begeisterten Hurrahruf begrüßte Enthüllung eine eigens gedichtete und in Musik gesetzte Hymne feierte. Auf kostbarer weißer Seide sind in großen, goldenen Buchstaben die Worte Kopenhagens Dienstmädchen - Verein" eingewirkt; darunter steigt ein äußerst kunstvoll gestickter Löwenzahn auf, der mit seinen Blättern das Wahrzeichen des Vereins, ein Hufeisen, umfängt, während der obere Theil des Banners drei fliegende Schwalben zeigt, die die 'Kunde von demGeschehenen hinaustragen sollen in die weite Welt. Dies haben sie gethan und dadurch zur Gründung neuer Vereine im Haag mit dem Vereinsorgan ..Ons Streben" sowie in Stockholm und Malmö beigetragen. In Dänemark selbst sind dem Kopenhagener Dienstmädchen-Verein" in Odense, Aarhus und Aalborg Töchtervereine entstanden. Allerdings. Student Flotb (der seine Ferien auf dem Dorfe verlebt, todrrti Nachts stark bekneipt heimkehrt) : ..Keine Laternenpfähle hier?! Das sind ja ganz unhaltbare Zustände!" Originelles Konfekt. Gast (beim Diner der Frau Kommerzienrath von Jpvel - Dippelstein) : Ei. Frau von Jppel, was haben Sie für originelles Konfekt!" Nu, 's ist ä Idee von mir 's sind Nachbildungen der Orden meines Mannes!" Auch eine Vertheidigung. Richter: Gestehen Sie. den Löffel gestohlen zu haben?" Bettler: Bitte, die Frau hat mir einen Löffel Suppe angetragen und da war ich am Schlüsse doch im Hweifel. ob sie nicht etwa gesagt hat: nen Suppenlöffel!"

Der erfte Zahn.

1. Freude und Jubel herrschen heute im Haus. Die junge Mutter weiß sich vor Glück kaum zu fassen. Mil stolzem Lächeln hält sie den vergnügt krähenden Erstgeborenen ihrem Gatten entgegen, der mit Mutter, Schwiegermutter und etlichen Tanten voll reiner Glückseligkeit auf Bubi hernieder schaut. Im Hintergrunde steht die Amme des kleinen Weltbürgers und läßt mit wohlgefälligem Schmunzeln einige blanke Goldstücke in der geöffneten Hand funkeln. Der glückliche Vater, die stolzen Großmütter haben vor Freude ties in die Taschen gegriffen. Nach vielen unruhigen Tagen und Nächten, in denen die brave Karoline, Bubis Vice - Mutter, dem kleinen, quarrenden Stammhalter zur Beruhigung auf und ab getragen und mit lieblich - harmonischem Gesang in Schlaf gelullt hatte, konnte sie heute früh mit Genugthuung verkünden: Bubis erstes Zähnchen ist durch." Und jubelnd pflanzte sich die f.'ohe Votschaft weiter: Bubi hat den ersten Zahn!" 2. Hauptmann v. P. kann heute aus seiner geliebten Ehehälfte nicht klug werden. Sein sonst so heiteres, liebenswürdiges Fraucher ist wie ausgetauscht. Ernst und in sich cekehrt, sitzt sie am Theetisch und schaut ihren Gatten kaum an. Wie ihm ihr reizendes Geplauder fehlt! Ach kein Bissen will ihm heute munden! Was mag es nur sein, das sein holdes Weibchen so zum Nachtheil verändert, sie so einsilbig werden läßt? Machen sich etwa auch bei ihr die Nerven", diese gräßliche Frauen- und Modekrankheit, bemerkbar? Ach was, ein guter Soldat wird nicht lange grübeln und nach Gründen suchen! Das Beste ist, er fragt nach der Ursache ihrer Verstimmung. Weibchen, Schatz, was ist Dir heute?' Ein scheuer Aufblick und keine Antwort. Wie? Sah das nicht fast wie Schuldbewußtsein aus?" Aber, wie er ihr näher kommt und sie umarmen will, da rückt sie erschrocken von ihm fort, hält das Spitzentuch vor den Mund und blickt mit thränenverschleierten Augen zu ihm aus. Er fragt, er beschwört sie: Kitty, was quält Dich?" Vergebens. Festgeschloffen bleibt der kleine rothe Mund. Trotzkopf Du! Hast du mich denn gar nicht mehr lieb?" Da erscheint das Schelmengrübchen in Kitty's runder Rosenwang". Und endlich, nach sekundenlangem Zögern, fällt es nur undeutlich von ihren Lippen: Verzeih, Hans mir fällt das Sprechen schwer sieh', ich war doch heute beim Zahnkünstler ich ich habe ach Hans ist es nicht schrecklich? mit zweiunddreißig Jahren schon den ersten Zahn!" Eine Riescnkanone. Ueber die berühmte Riesenkanone Asia, die auf Befehl Friedrichs I. vor 200 Jahren, 1704. von Jacobi gegossen und vor dem Berliner Zeughause im Kastanienwäldchen aufgestellt, aber unter dem Großen 1744 wieder eingeschmolzen wurde, gibt Prof. Weinitz in der Zeitschrift für historische Waffenkunde in einem Aufsati näheren Aufschluß. Von Interesse ist die Beschreibung. wie der Guß des 370 Centner schweren Rohres, das eine 100pfündige Kugel schoß, zu Stande kam. Obgleich die Waffe wohl nur ein Prunkstück darstellen sollte und an einen Gebrauch für den Krieg kaum zu denken war, gab man doch von der Bastion hinter dem Zeughause einen Probeschuß ab. Die Kugel soll über die Stadt hin beinahe eine halbe Meile in der Richtung gegen Tempelhof geflogen sein. Die Kanone war eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges im Anfange des 18. Jahrhunderts. 1712 stieg der Zar mittels einer Treppe auf das Rohr, um sich darauf zu setzen. Gewebe auö Holz. In Deutschland, Spanien und Holland werden Gewebe aus Holz hergestellt und wahrscheinlich wird diese Industrie auch in Frankerich Boden fassen. Der Prozeß besteht darin, daß der Holzbrei direkt durch eine Metallplatte mit einer Anzahl Schlitzen gepreßt wird, welche aus der Masse dünne Bänder herstellt, die von der geschlitzten Platte direkt nach einer Maschine geführt werden, welche sie zu richtigen Fäden von beliebiger Stärke zusammendreht. Die auf diese Weise hergestellte Holzfaser heißt Xyloline, Silvaline oder Licella und wird wie anderes Garn nach der Stärke nummerirt. Mit Hanfgarn verwebt wird sie zur Herstellung von Handtüchern verwendet, die sich waschen, färben und bedrucken lassen. Die Holzfase? wird zwar weich, wenn sie naß wird, bekommt aber beim Trocknen ihr Widerstandssähigkeit zurück.

In der Nahe von Safe H a r b o r am Susquehanna beabsichtigt die Pennsylvania - Bahn einen Berg wegzusprengen, für welchen über 20 Tonnen Dynamit aufgespeichert werden. Man glaubt, daß die Explosion stärker sein wird, als jene bei Hell Gate, N. Y. Zwei für Brauerkreise interessante Gerichtsfälle werden aus Boston berichtet: Die Massachusetts Breweries Co. wurde unter Anklage gestellt, weil sie Ale verkaufte, das Calcium Bisulphat enthielt. Die Brauerei plaidirte schuldig und bezahlte $1000 Strafe. Die Firma hatte 2,300 Faß und 28,000 Flaschen von dem Ale auf Lager, als die Entscheidung erfolgze. Sie bedeutet einen Riesenverlust. Die Harvard Brewing Co. bekannte sich auf die Anklage schuldig, dem Biere Salicylsäure zugesetzt zu haben und bezahlte $100 Strafe. Sie hatte auf jeder Etikette ihres Bieres in großem Druck versichert, sie werde Jedem $1,000 zahlen, der eine Verfälschung ihres Pidukts nachweise. Unter dem Namen Amanda von Dotz wurde eine Schwedin von New Dork nach der Bundeshauptstadt gebracht, angeklagt, aus der Wohnung einer Frau W. Slater Kleider und sonstige Gegenstände im Werthe von $500 gestohlen zu haben. Die Frau aus edlem Geschlecht giebt rn, sie sei in Schweden geboren und erzogen, habe den Baron Vitz Solms geheirathet und sei mit ihm nachAmerika ausgewandert. Hier hätten sie bald alle Habe zugesetzt und ein kümmerliches Dasein gefristet; schließlich hätte sie sich als Dienstmädchen verdungen. Vor einem Jahre engagirte Frau Slater die adelige Zofe in einem Stellenvermittelungs - Bureau zu New Fork und brachte sie nach Washwgton. Vor Kurzem verschwand Madam la Baroneß und mit ihr die erwähnten Werthsachen. In New York wurde die Dame von skandinavischem Adel dann Kunstreiterin in einem Cirkus und kürzlich im Hotel St. Dennis verhaftet. Beim Vorverhör in New Jork versuchte die Frau aus dem Fenster zu springen, wurde aber durch zweiGeheimpolizisten daran verhindert. Dann hatte sie noch verschiedene Ohnmachtsanfälle, bis die Dokumente zur Auslieferung ausgefertigt waren. Ein Raub in Verbindung mit diabolischer Grausamkeit wurde in der Wohnung der Frau Frederick Reitler in Coulter in der Nähe von McKeesport, Pa., verübt. Frau Reitler wurde von den Dieben aus dem Krankenbett gerissen und mit Feuer und Schlägen gepeinigt, bis sie das Versteck ihrer Ersparnisse m Betrage von $850 den Räubern mittheilte. Zwei vermummte Männer banden und knebelten sie und schoben sie dann durch ein Fenster des unteren Stockwerkes einem Dritten zu. der außerhalb des Hauses sich befand. Da sie sich weigerte, das Versteck ihres Geldes anzugeben, wurde sie an einen Baum gebunden. Vergebens bat sie, man möge ihr gestatten, in das Haus zurückzugehen, um mehr Kleider anzuziehen: die Unmenschen quälten die Frau, indem sie brennende StückeHolz ihr an die Füße, Arme und das Gesicht hielten, bis sie vor Schmerz außer sich, ihren Peinigern sagte, daß das Geld in einer Matratze verborgen sei. Zwei der Räuber gingen dann in das Haus und holten das Geld, worauf die Drei unter Drohungen davongingen. Nach einer Stunde gelang es Frau Reitler. den Knebel aus dem Munde zu entfernen. Ihre Hilferufe weckten dann die Tochter, welche die Mutter befreite. Auf dem Lloyddampfer Kaiser Wilhelm II.", der dieser Tage in vollem Farbenschmuck an seinem Pier in Hoboken lag, feierte einer der ältesten und bewährtesten Beamten der Linie ein wohl einzig dastehendes Jubiläum. Es war nämlich das 300. Mal, daß der Ober - Ingenieur C. Baum in New Jork gelandet ist, was einer 599maligen Durchkreuzung des atlantischen Oceans gleichkommt. Der Jubilar, der im Dienste der Gesellschaft ergraut und mit ihr groß geworden ist, erfreut sich trotz seiner 65 Jahre fast jugendlicher Frische und Rüstigkeit und dürfte nach menschlichem Ermessen noch so manches Jahr seinem verantwortungsreichen Wirkungskreis erhalten bleiben. Bei der großen Beliebtheit, der er sich namentlich auch bei seinen Untergebenen erfreut, ist es kein Wunder, daß Jedermann an Bord des Schiffes an dem Ehrentage des Jubilars herzlichen Antheil nahm. Capitän Hoegemanr. war einer der ersten unter den Gratulanten und überbrachte dem Kameraden, mit dem er schon so viele Jahre und auf so vielen Schiffen gemeinsam gewirkt hat. die Glückwünsche der Gesellschaft dar. Den ganzen Tag übe? stellten sich Gratulanten in der Cabine des Jubilars, der ob der vielen Beweise aufrichtiger Freundschaft sichtlich gerührt war, ein. An Bord vorgenommene Berechnungen haben ergeben, daß der Jubilar auf allen seinen Fahrten 2.346,832 Meilen zurückgelegt hat, was einer 108maligen Umfahrt auf dem Aequator gleichkommt, eine Leistung, deren sich kaum ein zweiter Seefahrer rühmen dürfte. Bemerkenswerth ist dabei, daß er auf allen diesen Fahrten nie einen ernstliche Unfall durchgemacht hat.