Indiana Tribüne, Volume 28, Number 232, Indianapolis, Marion County, 23 May 1905 — Page 1

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EfiXÖ ms Sffifl Illdimm Tribune Erscheint seden Staetrmittag Jahrgang 2. Indian apolis, Ind., Dienstag, 23. Mai 1905 No. 232.

Tage- und Konntagsblatt 8 X 1 ucr Woche.

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College Atze. Brücke dem Berkehr übergeben.

Die neue College Avenue Brücke ist jetzt fertig gestellt und dem Verkehr übergeben. Von nächsten Sonntag an werden die Broad Ripple Gar über diese neue Brücke fahren, auch die Vor ftadtbahn nach Nobleöville, Tipton, Kokomo, LoganSport und Peru wird die neue Brücke benutzen. Beide Linien benutzten bisher die Cetral Ave. rücke, werden aber von Sonntag an den mehr direkten Weg über die College Ave. nehmen. Unfälle. Eine Rangier-Lokomotive entgleiste nahe der Oft Washington Str. an der Gürtelbahn und der Bremser Patrick Hines, 1299 Silver Ave., welcher auf dem Fußbrett des FenderS stand, wurde herabgeschleudert und sein Fuß wurde zermalmt. Die DiSpensariumSambu lanz brachte den Verwundeten nach dem St. Vincents Hospitale. I. E. Kirn, 1285 Silver Ave., ein Maurer, wurde beim neuen AyreS Gebäude durch einen herabfallenden Ziegel am Kopfe getroffen und schwer verletzt. Nachdem ihm die klaffende Wunde zugenäht, wurde er durch die DiSpenfariumS Ambulanz in seine Wohnung gebracht. P a t H a r r i t y, 2502 N. Dela. wäre Str. wohnhaft, ein Regenschirm Fabrikant, wurde an der Meridian und 23. Straßen.Ecke aus seinem Buggy geschleudert. Er fiel auf den Kopf und blieb bewußtlos liegen. Die Am Kulanz wurde gerufen, doch hatte sich der Verunglückte genügend erholt, ohne Zuhülfenahme derselben sich zu behel fm. Polizeiliches. Fred Conville, 1016 Süd Illinois Str., wurde unter Anklage, seine Frau geschlagen zu haben, der haftet' Angeblich langte Conville in betrunkenem Zustande zu Hause an und machte dann seinen Gefühlen Luft, indem er mit Stühlen, Schc meln und anderen Sachen nach seiner grau warf. Unter Anklage, einen Geld schubladendiebftahl ausgeführt zuhaben, wurde Horace Goodyear verhaftet. Die Polizei behauptet, daß Goodyear der Geldschublade des Groceriften I. A Truit, 1502 Columbia Ave., 16 entnahm und daß dieser ihn bei der Gelegenheit beobachtete. W. L. Alderson, 106 Süd Davidson Str. und W. F. Dalton, 613z Ost Washington Str., wurden beide durch Polizisten Mulvihill verhaftet. Alderson'S Frau ist seit einigen Tagen verreift und seit der Zeit soll der Mann an der Spree sein. Bei Tische, in Dalton'S Wohnung benahm er flch anstößig und als er zurechtgewiesen wurde, entstand eine Schlägerei, welche durch den Polizisten beendigt wurde. Edward M u l l a l l y, No. 648 Woodlawn Ave., ist gestern den Folgen eines Falles erlegen, den er vor drei Jzhren erlitt. Fünf Kinder, vier Söhne und eine Tochter überleben ihn. In einer Spezialfitzung des vom Stadtrathe ernannten Comites wurde der Vorschlag gemacht, darauf zu bringen, daß eine öffentliche Badeanstalt für die Südseite am Pleasant Run, nahe der Madison Ave. errichtet werde. Das Comite hat sich den Platz angesehen und da auch genügend Waffer vorhanden ist, scheint dem Projekte nichts im Wege zu stehen. Die Sache wurde dem Stadt-Comptroller über geben. H a m m o n d, 23. Mai. Henry Brock, der Redakteur der Crownpoint Freien Preffe, und seine Frau, wurden gestern schwer verletzt, als ihre Pferde durchbrannten und beide aus dem Ge fährte schleuderten. WWOO ottlted L eukhardt, .Die gemüthliche Ecke Ecke Rodle und Märtet Str.

Machte große Versprechungen.

Roß Terhune, 22 Jahre alt, No. 649 Spring-Straße wohnhaft, wurde durch die Radler Morgan und Samuels verhaftet. Terhune soll ohne LizenS hau firt und unter falschen Vorspiegelungen Gelder erlangt haben. Angedlich er zählte Terhune seinen Kunden an der Bell-Straße, wo man ihn festnahm, daß mit j?dem Einkaufe einer von ihm verhandelten Seife dem Käufer enlweder eine goldene Uhr oder auch hundert Stück der Seife geschenkt würden. Nach Angaben der Polizei gab er ftch als Agenten des New Jork Store aus. Terhune erkundigte sich stets in den Häusern nach den Namen der Nachbarn und dort redete er dann die Kunden gleich bei Namen an und sagte denselden, daß er speciell abgesandt wäre, um sie zu sehen. DaS Geschäft soll ge blüht haben, alS er von der Polizei fest genommen wurde. Schadenfeuer. In der Grocery des John T. Hanaman, 19. Straße und Hillfide Avenue, brach gestern Abend um 9.30 Uhr ein Feuer aus, welches der Feuerwehr zwei Stunden zu schaffen machte. ES ist ein alteS, einstöckiges HolzhauS, welches im vorderen Theile als Grocery'Laden diente, während im hin teren Theile sich eine Niederlage von Futterstoffen und Heu befindet. Wie der Eigenthümer angiebt, ver ließ er sein Geschüft eine Stunde vor AuSdruch des FeuerS, ASeS in bester Ordnung zurücklaffend. Da im hinteren Theile ein Fen fter zerbrochen ist, nimmt er an, daß Brandstifter durch dieses Fenster brennende Zündhölzer hineinwarfen und die dort aufgestapelten leicht ent zündlichen Stoffe entflammten. Haneman schätzt den durch Feuer und Waffer angerichteten Schaden auf $4000, der aber größtenteils durch Versicherung gedeckt ist. Eröffnung des Tnrner-Parks. Am nächsten Sonntag, den 28. d. M., findet die Eröffnung des Turner Parks statt. Das Skat.Turnier ist auf den 11. Juni verschoben worden. Die Tnrnfeft-Behörde. Der Gesammt'AuSschuß für daS bevorstehende Bundesturnfest war gestern Abend unter Vorfitz des Tnrner Nix in Sitzung. Turner Stempfel verlas eine Zuschuft des Turners Geo. W. Spier aus Washington, D. C., in welcher ge meldet würbe, daß Präsident Roosevelt die deutsche Riege am 15. Juni 12 Uhr Mittags ofsiciell im .Weißen HauS" empfangen wird. Am Samstag, 17. Juni, trifft die Riege in Indianapolis, wo ihrer ein festlicher Empfang harrt, ein. Am Sonntag, 18. Juni, trifft die Californier Riege ein und wird am Bahnhof empfangen werden. Bis jetzt find von Vereine 234 Zelte und 1172 Feldbetten belegt worden. Verlangt $10,000 Schadenersatz. 510,000 Schadenersatz verlangt Frl. Lulia ttagly von ihrem Vater Fer nando Kagly. Frau Emily B. Kagly, die Mutter der Klägerin, welche von ihrem Manne geschieden ist, führte im Gericht gestern aus, daß der Beklagte, als sie und ihre Tochter mit ihm auf einer Farm in der Nähe von Kokomo wohn ten, Frl. Kagly mit einem Ham mer auf den Kopf schlug infolge dessen sie zeitlebens geschädigt ist. Der Beklagte wollte Unzurechnungsfähigkeit geltend machen, da er in 1894 längere Zeit Jnsaffe eine Irrenhauses gewesen ist. Der Richter wies die Se schworenen an, ein versiegeltes Verdikt einzureichen.

Liberati's Kapelle in Fair Bank

Ein zahlreiches Publikum besuchte gestern, dem ersten Tage des Konzerts, den Fairbank Garten und ergötzte sich an den herrlichen musikalischen und gesanglichen Vortrügen. Nur schade, daß daS kühle Wetter manche vom Besuch zurück hielt. DaS Programm für heute Abend ist folgende? : PART i. 1. March Kansas City Star. Liberati 2. Euphoniurn Solo Sajr Au Revoir.... Kennedy Mr. E. Giannone. z. Waltl Lento Elise Liberati 4. Vocal Duett La Mascotte Audran 5, Grand Fantasia on Populär Works of Grieg. Introducing The Watchman's Song, Norwegian Bridal Procession, Folk Song, Norse, Solveig's Song, Anitra's Dance, Pre lüde to Second Act, Peer Gynt and Ingrid, Poetic Tone Picture No. Z, Humoresque No. 2, Humoresque, Op. 6, National Song. PART II. 6. Overture Flying Dutchman. .Wagner 7. Baritone Solo Trovatore Verdi Mr. Begue. 8. March Turk Mozart 9. Gornet Solo Remembrance of S witzerland Liberati Mr. A. Liberati. io. Ballet Egyptian Lulgini Behörde für öffentliche Werke. Petitionen eingereicht. Für AbzugScanal in der ersten Alley östlich von Capital Ave., von Ray Str. bis zur ersten Alley südlich von Mc Carty Str. Für Grablegung des PogueS Run und Errichtung einer Schutzmauer von Newman bis 12. Str. Für Backftein-Fahrweg in der ersten Alley westlich von Delaware Str., von 19. bis 22. Str. Für Oeffnung eines Fahrwegs unter den Big Four Geleisen amValley Driva. R s o l u t i o n e n a n g e n o m m en. Für die Räumung der 11. Str., von der ersten Alley östlich von Cornell Ave. bis zur Roosevelt Ave. Für Cement'Seitenwege in Ohio Str., von 246.5 Fuß westlich vou Delaware bis Massachusetts Ave. Für KieS-Fahrweg, Rinnsteine und Backfteingoffen in Villa Ave., von Pro fpect bis Orange Str. Für Cement'Seitenwege in Highland Ave., von Ohio Str. bis Marlowe Av. Für gradirten Fahrweg, CementSeitenwege in Newton Str., von Rural bis LaSalle Str. Für KieS'Fahrweg, Cement-Seitenwege und Rinnsteine in Asbury Str., von Cottage Ave. bis Minnesota Skr. Endgültige Asseßmentliste genehmigt. Für Cement-Seitenwege in Lockwood Str., von Minnesota bis Naomi Str. Personal-Nottzen. Frau Johanna Kempe von No. 715 Jowa-Straße wird heute nach New Vork abreisen, um auf dem Dam pfer Deutschland" eine Besuchsreise nach der Heimath anzutreten und etwa ein Jahr dort zu verbleiben. Frau Kempe wurde gestern Nachmittag im Hause ihrer Tochter, Frau John Heidenreich, durch eine von Freunden ver anftaltete Surprise Party" übernascht, an welcher nahezu hundert Per sonen theilnahmen. Maien-Fest der St. Marien Gemeinde im Germania Park am Dienstag, den 30. Mai. Rene Inkorporationen. In der Office des StaatS-SekretärS wurden folgende Jncorporationen eingereicht: Die I. Street Milling Co.-, LaPorte, Capital $15,000; Direktoren, Louis Schlumm, Sr., Julius OhliS, Sr., Herman F. Droege, John Le Roy und Louis Schlr.mm, Jr. Die Standard Motor Car Co.", Kokomo, G. U. Underwood, Sekretär, hat ihr Aktienkapital von 820,000 auf $12,000 herabgesetzt.

Aus den Gerichten. Friedensgericht. Vor Friedensrichter Smock reichte

gestern Richard M. Johnson gegen LewiS Robinson, eine Klage ein, in welcher er diesen beschuldigt, einen Wechsel von S16.40, den ihm Robinson schuldete, zerriffen zu haben. In der vor Richter Smock auögefochtenen Klagesache des Staates gegen John EnSminger, weil dieser ein Fischnetz in seinem Besitze gehabt, wurde EnSminger, ein Park'Beamter, mit $5 nebst Kosten bestraft. EnSminger, in Begleitung von John Emrich und LouiS AsumS waren über den River gerudert und hatten dort das Netz im Gebüsche gefunden und dasselbe wieder verloren. Der Deputy Fisch - Commiffär erhob Anklage und Richter Smock entschied gegen den Angeklagten. Der Fall wird appellirt wcrden. Nachlaßgericht. Im Nachlaßgericht wurden folgende Testamente zur Bestätigung eingereicht: Das des verstorbenen Wm. M. Alexander; als Administrator wurde Melville C. Alexander von Jrvington ernannt, der 4000 Bürgschaft stellte. Das des verstorbenen Chas. F. Deitch mit der Union Trust Co. als Executor. DaS des verstorbenen Martin He:tz mit Frank N. Herz, der $1000 Bürgschaft stellte, als Administrator. DaS des verstorbenen Wm. H. Sharpe mit der American Securith Co. von New Bork als Executor, welche Bürgschaft für $5000 stellte. Das des verstorbenen Alonzo McClellan; die Federal Union Security Co., welche $3000 Bürgschaft stellte, wird als Administrator fungiren. Das der verstorbenen Ella Ellis, für welche Sadie I. Ellis als Nachlaßverwalterin eingesetzt wurde. DaS des verstorbenen John W. Hite; als Administrator wird Alice A. Hite fungiren, die $2000 Bürgschaft stellte. BundesgerichtWegen Verletzung des PatentgesetzeS machte die U. S. Standard Voting Machine Co. gegen die Columbia Voring Machine Co. im Bundesgericht eine Klage auf Schadenersatz ein. Milton Cooper von Terre Haute, der gestern im Bundesgerichte unter der Anklage, falsches Geld ausgegeben zu haben, vorgeführt wurde, erhielt von Richttr Anderson wegen Mangels an Beweisen seine Freiheit wieder. Superiorgericht. Zum zweiten Male in kurzer Zeit wurde die Scheidungsklage John Zink'S gegen seine Gattin Mable Zink verhandelt. Der Gatte hatte gegen seine Frau eine Unmenge Klagen vorzubringen: die Schüffeln wurden nicht gewaschen, ihm wurde kein Frühstück servirt, sie vernachlässigte Hausstand und Ehemann. Die Frau hatte eine Gegenklage eingereicht und führte aus, daß ihr Gatte oft betrunken war; er warf die Thüren, so daß Schlöffer und Fen fterscheiben zerbrachen; fluchte, wenn sie zu Tisch betete; steuerte nicht genügend zur Unterhaltung des Hausstandes bei und schlug und stieß sie; auch soll er sie mit Messer und Revolver bedroht haden. Richter Leatherö fühlte sich nach Anhörung des langen Sündenregisters berechtigt, der Frau die gewünschte Schei dung zuzusprechen. Samuel Willey, wurde gestern durch Richter LeatherS von den Ehefesseln befreit. Er hatte sich in Oklahoma verheirathet und seine Frau auf unrechten Wegen betroffen, eS aber, wie er auf dem Zeugenftuhl erklärte, sehr ruhig genommen und seine Frau nur gefragt, ob sie ihrem Vergnügen nachgehe; doch verließ er sie am nächsten Tage. Die Frau hatte keine Ver theidigung eingereicht. Malacha Hanlon hatte gegen seine Gattin Mary Hanlon eine Klage auf Scheidung eingereicht. Als dieselbe gestern vor Richter McMafter verhan delt werden sollte, zog der Kläger dieselbe zurück; der Richter nahm dann die Gegenklage der Frau zur Verhandlung auf und gewahrte die Scheidung.

Nachrichten aus Jndiana. B e d f o r d , 22. Mai. Das Gerücht, daß sich ein Mob bilde, um Vir gil Wilson, der sich im Gefängnisse befindet, herauszuholen, hat fich als falsch erwiesen. Die Nacht verlief in größter Ruhe. W a s h i n g t o n, 22. Mai. Während die Eltern auf dem Hofe waren, setzte die dreijährige Tochter ihr 12 Monaie altes Schwesterchen Gracel Evans auf den heißen Ofen, das arme Geschöpf fast zu Tode brennend. South B e n d. 22. Mai. Neben den Schienen der Baltimore & Ohio Bahn, mit beiden Bernen abgefahren, liegend fand man William Brochman.

Er gab an, von Tramps vom Zuge gestoßen zu fein, während er auf der Reise nach seiner Heimath, Z)oungs. town, Ohio, war. Er wurde hierher gebracht und starb bald nachher. M a r t i n S v i l l e , 22. Mai. Zu $25 Strafe und Tragung der Koften wurden die Apotheker John Hör naday, Arthur Hornaday, Fred. Cooper und Ashley Cooper verurtheilt, weil sie Whiskey verkauft hatten, ohne daß ihnen ein Rezept dafür gegeben worden war. Alle Bestraften zahlten unter Protest und werden die Sache vor das KreiSgericht bringen. Kokomo, 22. Mai. W. H. Arndt, der städtische Controlle?, hat die unangenehme Entdeckung gemacht, dg die Stadt infolge eines Druckfehlers um mehrere Tausende von Dollars gekommen ist. Vor mehreren Jahren setzte eine Ordinanz die Steuern für jeden Billardtisch auf $20 fen, durch einen Druckfehler aber lautete eö auf $10 und diese tz10-Steuer ist während der letzten 15 Jahre erhoben worden. Man hat den Fehler jetzt schleunigst korrigirt und erhebt jetzt $20. M i ch i g a n City, 22. Mai. John Slatton, ein auf Parole entlassener Sträfling, ist dem JndianaStaatsgefängnisse wieder überwiesen worden, um seinen Termin abzuätzen. Er wurde im Jahre 1897 überfüct, einen Polizisten, der ihn verhaften wollte, bedroht zu haben, und dafür dem Staatsgefängnisse überwiesen. Im August v. I. ließ man ihn unter Parole frei. Eine Farm, die er ererbte, verkaufte er und begab fich dann nach KansaS. Nachdem er sein Geld dort durchgebracht, wurde er in East St. LouiS unter dem Verdachte des Pferdediebftahls verhaftet. Und jetzt ist er hier wiederum im StaatSzuchthaufe angelangt. N e w A l b a n y, 22. Mai. Der Einwand des StaatSanwaltö gegen das Gesuch um Niederschlagung der Anklage gegen den Rev. U. G. Sutherlin wurde vom Gericht abgewiesen. Das Gericht wird eine Zeit bestimmen, binnen welcher die Vertheidigung weitere Gründe für das Gesuch um Niederschlagung der Anklage angeben muß. Sollten diese Gründe fich als Stichhaltig erweisen, so wird der Gefangene aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Sutherlin ist der Ermordung seiner Frau angeklagt. Wittwe oder nicht. Ein verwickelter Fall betreffs des NachlaffeS ist durch den Tod des WirtheS Martin Hertz entstanden. Der am 8. d. M. Verstorbene betrieb in 550 W. Morris Str. eine Wirthschaft. Vor etwa 14 Jahren ließ das Ehepaar Hertz fich scheiden, indeffen zogen fie vor etwa 5 Jahren wieder zusammen und nachdem fie ftch einen HeiratySschein gelöst hatten, glaubten fie, wieder ehelich verbunden zu sein. Nach deS Mannes Tode wurde Henry Seyfried als Adminiftrator ernannt, als aber gestern die Frau den Antrag stellte, selbst als Adminiftrator eingesetzt zu werden, stellte fich die Verwickelung heraus; selbst verstündlich konnte ihrem Wunsche nicht willfahrt werden und wurde dann der Sohn Frank Hertz an Stelle von Henry Seyfried als Administrator ernannt. Die Frage entsteht nun: ist die Frau erdberechtigt oder nicht? Die beste 5 Cmt Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow".

Das deutsche Lyon." Gntftehung, Zweige und AusdcftnunG der Jnduftrie der Stadt refeld. In Krefeld, Rheinprovinz, wird ein Weberdenkmal" errichtet, das den typischen alten Handweber darstellen soll, dem die Stadt Krefeld ihre Bedeutung und ihren Reichthum verdankt. Noch jetzt blühen in Krefeld zum Theil die Familien jener Manner, welche die Weberei hier, zunächst die Leinenweberei, bot zwei und drei Jahrhunderten, wenn auch nicht erst begründet, so doch auf eine beHerrschende Höhe gebracht haben. Es waren Reformirte oder Mennoniten, die aus ihrer Heimath, den Herzogthümern Berg und Jülich, wegen ihres Glaubens vertrieben worden waren. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Leinendie Seidenweberei, und, griffen weiterhin auch noch einige andere verwandte Industrien in Krefeld Platz, darunter die Sammet- und TeppichWeberei, so sollte der Seidenfaden fortan in dem Leben der Stadt doch oieselbe Rolle spielen, wie der rothe Fa!ien, der fich überall durch die englischen Schiffstaue zieht. Ein aus Fabrikanten bestehender Verein zur Förderung der Textilindustrie" und eine reich ausgestattete staatliche höhere Fachschule find in regem Wetteifer bemüht, der Stadt Krefeld ihren Ruhm als deutsches Lyon," wie Krefeld wegen seiner ausgedehnten Seideninduftrie genannt wird, zu erhalten und zu vermehren. An Fabriken der gesammten Krefelder Sammt- vnb &tWr . . . . 1 . rj'-r r-.r-ij

9mrti gao der Bericht der oortiu Handelskammer für das Jahr 1903 die Zahl von 156 an, wovon 36 Färbereien waren. An Wcbstühlen befanden fich annähernd 16 000 im Betriebe. Von ihnen waru ein Drittel Handstühle. Der Gesammtverkauf an Waaren betrug in dem genannten Jahre 80,000,000 Mark. In jüngster Zeit hat sich Krefeld auch noch in einem anderen Industriezweige eine Stellung erobert, m dem es zusammen mit Hamburg, tonanaebend für die ganze internativnale Männerwelt geworden" ist. Er betrifft die Herstellung von Krawattenstoffen. Selbst Paris, ja sogar, was in Herrenmoden noch viel mehr bedeuten will, London sind oa'iir Abnehmer von Krefeld. Die Muster für die Stoffe werden von besonderen Mustermalern nach natürlichen Objekten entworfen, jedoch mit der nöthigen künstlerischen Stilifirung. Als Motive dienen unter Anderem Tigerfelle, Pantherfelle. Leopardenfelle, Schmetterlingsflügel, Eisblumen, persiscbe Gewebemuster, Pflanzenblätter. Das Modernste find natürlich japanische Motive, so japanische Schildkröten, Fische, Hähne, Schwalben, Drachen, endlich auch der in Japan auf jeder Tasse, jedem Lackbrett aufgemalte Futschischama, der bekannte Heilige Berg" der Japaner. Neuer Schmerzftiller. ?n Japan wächst eine Pflanze, in der man neuerdings einen schmerzstillenden Saft entdeckt hat. Das neue Anesthätikum hat den Namen Scopolamin erhalten und soll in seiner Wirkung allen bisher benutzten Mitteln dieser Art weit überlegen fein. Es wird unter die Haut gespritzt und veranlaßt für acht oder neun Stunden einen tiefen Schlaf. Wenn fich die darüber gemachten Angaben bestätigen, wird fich das Scopolamin für die BeNutzung bei Operationen sicher fchnell in die Medizin einführen, weil eö angeblich nicht die geringsten üblen NachWirkungen mit fich bringt, die bei den bisherigen Betäubungsmitteln immer zu befürchten stehen. Der kürzlich in Straß' bürg verstorbene Lcderfabrikant Op penhetmer vermachte der Stadt 100,' 000 Mark zu wohlthätigen Zwecken. Der Gründer der deutschen Schule," welche das laute Sprechen für den wichtigsten Theil des Taubstum-men-Unterrichts hält, war der im Jahre 1790 in Leipzig verstorbene Samuel Heinicke. Selbstmord einer Stud e n t i n. Eine aus Russisch-Poli?n zur Fortsetzung ihrer Studien nach Krakau. Galizien, gekommene 18jährige Studentin Namens Anna Runiewska begab fich mit sechs Studenten auf einen Nachtausflug. UnterWegs trank fie sehr viel Kognak. Sie bemerkte, daß einer ihrer Begleiter einen Revolver habe, und bat um denselben. Sie gab zuerst einen Schuß in die Luft und sodann einen zweiten in ihre rechte Schläfe ab. Wenige Minuten später war sie todt. Sie hinterließ einen an einen Studenten gerichteten Brief mit mysteriösen Sprachkürzun-gen.