Indiana Tribüne, Volume 28, Number 231, Indianapolis, Marion County, 22 May 1905 — Page 6
a
MJiV 1 K G MW r Jndiana Tribüne, 22 Mai 1903
, I vwww.. .
1f II iilill MHH IM IW I MI UM II MlWlIili Ml HHM ! MllM W iWHIÜIil1lliBi
i
f
Ach, diese Passagiere! Eine Coupegesch.chte von Anton Tschechow. Jetzt ist es genug, ich werde nicht mehr trinken! Um keinen Preis in der Welt mehr. Es ist endlich Zeit, daß ich zu Verstand komme. Ich muß arbeiten. Hast du es gerne, eine Belohnung zu erhalten, so arbeite auch, redlich und gewissenhaft, ohne Rast und Ruhe. Laß endlich diese Dummheiten . . . Hast du dir es angewöhnt, Brüderchen, eine Belohnung umsonst anzunehmen, so mußt du dir es jetzt wieder abgewöhnen... Das ist nicht schön." Nachdem sich der Obercondukteur Podtiagin einige solche und ähnliche Moralsätze vorgesagt hat, beginnt er eine unüberwindliche Luft zur Arbeit zu verspüren. Es ist schon zwei Uhr fn der Nacht, er achtet aber dessen nicht, sondern weckt alle Condukteure und geht mit ihnen die Waggons ab, um die Fahrkarten zu controüiren. Ich bitte um die Karte," ruft er, lustig mit der Zange herumklopfend. Traumversunkene Gestalten begin ntr. sich in der Dämmerung zu regen, verschlafen schütteln sie mit den Köpfcn und überreichen ihre Fahrkarten. Ihre Karte, mein Herr," wendet sich Podtiagin an einen Reisenden in der zweiten Klasse, einen mageren Herrn, der in einen Pelz und einen Mantel eingehüllt liegt. Ich bitte um Ihre Karte!" Der magere Herr antwortet nicht; er schlaft, der Obercondukteur zieht ihn beim Aermel und wiederholt ungeduldig: Ich bitte um Ihre Karte!" Dem Reisenden schaudert's, er öffnet die Augen und schaut furchtsam auf Podtiagin. Was ... wie . . Ich spreche doch menschlich zu Jhnen: Ich bitte um Ihre Fahrkarte!" Mein Gott," stöhnte der magere Herr und macht ein weinerliches Gesicht. Mein Gott! Ich leide an Gicht . . . Drei Nächte habe ich schon nicht geschlafen, absichtlich habe ich jetzt Morphium eingenommen, um einzuschlafen und da kommt mir jetzt dieser Mensch mit der Fahrkarte. Das ist doch unbarmherzig, unmenschlich! Wenn Sie es wüßten, wie schwer es mir fällt, einzuschlafen, würden Sie mich sicherlich nicht wegen solch einer Dummkeit wecken. Das ist unbarmherzig! Und wozu brauchen Sie denn meine Karte? Dummkopf das!" Podtiagin besinnt sich, ob er sich beleidigt fühlen soll oder nicht und beschließt das letztere. Ich bitte da nicht herumzuschreien! Da ist keine Kneipe!" ruft er. In einer Kneipe sind aber die Menschen barmherziger als hier"... hüstelt der Reisende. Jetzt soll ich wieder von neuem einzuschlafen trachten. Das ist sonderbar. Im ganzen Ausland bin ich herumgereist und habe noch nicht so etwas erlebt wie hier. Als wenn der leibhaftige Teufel in diese Menschen hineingefahren wäre, fragen sie mich fortwährend nach der Karte!" So fahren Sie in's Ausland, wenn es Ihnen dort besser gefällt." Dumm ist es hier, mein lieber Herr! Nicht genug, daß man die Reisenden mit Kohlengestank, Zugluft und ähnlichen Genüssen umbringt, quälen sie Einen noch fortwährend mit ihren verfluchten Formalitäten! Der Teufel soll Euch holen! Die Fahrkarte will er aus einmal haben! Von wo denn dieser plötzliche Eifer, mein Herr, sagen Sie es mir! Zur Controlle wäre das ja sehr gut, aber hier fährt ja die Hälfte der Passagiere ohne Fahrkarte!" Hören Sie, mein Herr!" erwidert Podtiagin. Wenn Sie nicht aufhören zu schreien und das Publikum zu behelligen, so werde ich gezwungen sein, Sie auf der nächsten Station behufs Protokollaufnahme aufzuhalten." Das ist schon unverschämt," proteftirt das Publikum. Einem Kranken keine Ruhe lassen . . . Haben Sie doch Mitleid." Dieser Herr hat ja selbst den Streit angefangen,'" donnert Podtiain. Gut, ich verlange nicht mehr Ihre Fahrkarte . . . Wie Sie wollen . . . Sie wissen es selbst, daß es mein Dienst fordert . . . Wenn nicht der Dienst wäre, würde ich nicht Ihre Fahrkarte verlangen... Sie können sich beim Stationsvorstand erkundigei . . . Fragen Sie, wenn Sie wollen . . . Podtiagin zuckt mit den Achseln und verläßt das Coup5. Anfangs fühlt er sich etwas beleidigt, nachdem er jedoch einige Waggons abgegangen hat, beginnt er in seiner Obercondukteurbruft eine Unrube zu verspüren, die von GeWissensbissen stammt. Wirklich, es war nicht nothwendig, einen Kranken zu wecken," dachte er, jedenfalls bin ich aber daran nicht schuldig ... die dort glauben, ich hätte es zum Zeitvertreib gemacht und wissen nicht, daß mein Dienst es erfordert . . . Wenn sie es nicht glauben, kann ich innen den Stationsvorstand herbeiführen." Die nächste Station. Der Zug hält fünf Minuten. Vor dem dritten Läuten tritt in den bewußten Waggon Podtiagin und hinter ihm der rothbemützte Stationsvorstand. Dieser Herr da." beginnt Podtiagin. behauptet, ich hätte nicht das Recht, von ihm die Fahrkarte zu verlangen ... und fühlt sich noch belei-
ngr. Ich bitte den Herrn Stationsvorstand, es diesem Herrn zu erklären, ob ich das Recht habe, im Dienste die Fahrkarte zu controlliren oder nicht." Herr," wendet sich Podtiagin an den mageren Menschen. Herr, Sie könnet, jetzt den Herrn Stationsvorstand fragen, wenn Sie mir keinen Glauben schenken." Der Kranke fährt auf, als hätte ihn eine Wespe gestochen, er öffnet die Augen und wirft sich mit weinerlicher Miene in die Lehne des Sophas. Mein Gott! Jetzt habe ich ein zweites Morphiumpulver eingenommen und kaum bin ich eingeschlafen, weckt man mich schon "wieder. Ich flehe Sie an, haben Sie Erbarmen mit mir." Sie können mit dem Stationsvorstand sprechen. Fragen Sie, ob ich das Recht habe, die Fahrkarte zu verlangen, oder nicht." Das ist nicht mehr zum Ertragen! Da haben Sie die Karte! Ich werde noch fünf Fahrkarten kaufen, aber lassen Sie mich nur ruhig sterben. Unbarmherziges Volk das!" Das ist ja die reinste Frozzelei!" protestirt ein älterer Offizier. UnVerschämtheit das! Ich begreife überHaupt nicht, was diese fortwährenden Angriffe bedeuten sollen." Lassen Sie das," sagte der Stationsvorstand ärgerlich und zieht Podtiagin beim Aermel. Dieser zuckt mit den Achseln und verläßt mit dem Stationsvorstand langsam den Waggon. Und da soll man es ihnen recht machen," denkt er. Den Stationsvorstand habe ich ihm herbeigeführt, damit er ihn fragen kann, damit er sich beruhigen kann, und er ärgert sich." Die nächste Station. Der Zug hält zehn Minuten. Podtiagin steht am Büffet und trinkt ein Glas SelterWasser. Da treten zwei Herren an ihn heran: der eine in der Ingenieursuniform, der andere ein höherer Of,izier. Hören Sie, Herr Obercondukteur, wendet sich der Ingenieur an Podtia gin. Ihr Benehmen dem kranken Reisenden gegenüber hat alle Paffagiere empört. Ich bin der Ingenieur Puzicki und hier . . . Herr Oberst Tyrawski. Wenn Sie den Herrn nicht um Entschuldigung bitten, zeigen wir Sie dem Bezirtsinspektor, der unser Freund ist, an." Aber Herr . . ich . . nämlich ich . stotterte Podtiagin. Wir verlangen keine Erklärungen. Wir theilen Ihnen nur mit, daß, wenn Sie den Herrn nicht um Entschuldigung bitten, wir uns seiner annehmen werden." Aber sehr gut . . ich bitte sehr . . Nach Ablauf einer halben Stunde, nachdem Podtiagin sich die Entschuldi gungsphrase, die dem Reisenden genügen und seiner Ehre keinen Abbruch thun soll, zurechtgedrechselt hat, geht er in das Coup6 des Kranken. Herr." wendet er sich an ihn. Hören Sie mich doch!" Der Kranke fährt auf. Was ?" Ich... nämlich... entschuldigen Sie . . ." ..Ach... Wasser..." stöhnt der Kranke und greift mit der Hand aufs Herz. Ein drittes Morphiumpulver habe ich eingenommen, bin eingeschlafen und schon wieder... o GvttZ Wann wird denn schon mit diesen Qualen ein Ende sein?!" ..Ich . . . nämlich . . . entschuldigen Sie . . ." Hören Sie. mein Herr . . . lassen Sie mich auf der nächsten Station auswaggoniren . . . Ich bin nicht mehr länger im Stande, das zu ertragen . . O ... ich werde sterben . . ." Ah, das ist ja unerhört," ruft das Publikum entrüstet. Schauen Sie, daß Sie sofort weiterkommen! Sie werden dieses Betragen schon verant Worten. Vorwärts!" Podtiagin macht mit der Hand eine abwehrende Bewegung, seufzt und verläßt das Coup6. Er geht in seinen Dienstwaggon, fetzt sich zum Tisch und stöhnt: O, diese Passagiere! Da soll man es ihnen recht machen. Unwillkürlich verzichtet man auf alles und setzt sich zu seinem Gläschen Schnaps . . . Macht man nichts . . . ärgern sie sich, macht man was . . . ärgern sie sich auch . . . Man muß sich wieder ein Gläschen gönnen . . Podtiagin trinkt auf einmal die, halbe Flasche aus und denkt weder an Arbeit, noch an Pflicht und Redlichkeit mehr. MaurenlBrauch. Ein Reisender erzählt von einer besonderen Vorliebe, welche die Mauren für den Genuß frischgebackenen Brotes haben. Der Alcalde von Azemmoor in Marokko hatte beobachtet. daß altes Brot als Abfall weggeworfen wurde. Nahrung fortzuwerfen ist aber für den Muselmann eine schwere Sünde. Daher erließ der Alcalde von Azemmor ein Gesetz, welches bestimmt, daß nur an einem Tage derWoche Brot gebacken werden durfte. Die Bürger mußten im Laufe der Woche das gebackene Brot aufessen und Mittwoch wurde als Bitalah".Feier. tag festgesetzt. Aufgeschnitten. Besucher: Ah, da sehe ich ja einen echten Mu rillo." Hausfrau: Ja, den hat mei ne Tochter gemalt;"
. i . mmm
Europäische Nachrichten. 3s :on 13 Wrandenvurg. Berlin. Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Franz König, der frühere Direktor der chirurgischen ChariteeKlinik, beging dieser Tage das goldene Doktorjubiläum. Kürzlich verschied hier, 82 Jahre alt, Freifrau Karoline von Lyncker, geborene v. Bischoffwerder. Mit ihr ist das Geschlecht erloschen, dem der General Johann Rudolf v. Bischoffwerder angehörte, der Freund und Berather Friedrich WilHelms II. In Krämpfen über Bord gefallen und ertrunken ist der 19 Jahre alte Bootsmann Paul Lange, der bei seinem Vater, dem Schiffseigner Lange aus Oranienburg, auf dem Kahn vor dem Grundstück Burgstraße 6 war. In einem Hotel in der Landsbergerstraße kehrte der Feldwebel Engel vom Garde-Alexander-Regiment ein und miethete ein Zimmer. Als später auf wiederholtes Klopfen des Zimmermädchens nicht geantwortet wurde, fand man nach gewaltsamer Oeffnung der Thür den Feldwebel erhängt vor. Als Leiche wiedergefunden wurde der 30jährige Ingenieur Fritz Momberger von hier, der seit dem 20. Januar vermißt wurde. Er hatte in der letzten Zeit vor seinem Verschwinden Merkmale von Schwermuth gezeigt und an dem genannten Tage von Spandau aus an seine Angehörigen ein Schreiben gerichtet, worin er mittheilte, daß er sich das Leben nehmen werde. Jetzt ist seine Leiche aus der Havel bei Pichelsdorf gelandet worden. Von einer Automobildroschke überfahren und getödtet wurde der 10 Jahre alte Sohn Ernst des Pförtners Rose aus der Lehrter Straße 36. Der Senior unserer Laryngologen Geh. Medizinalrath Professor Dr. Tobold, Ehrenmitglied der hiesigen Laryngologischen Gesellschaft, beging kürzlich das goldene Doktorjubiläum. Einem Unfall ist die Ehefrau des Kaufmanns und Hauseigenthümers Steinberg aus der Sorauerstrahe 31 zum Opfer gefallen. Die Frau glitt am Halleschen Thor auf der Straße aus, stürzte hin und schlug mit dem Kopf auf die Bordschwelle auf. Schwer verletzt und besinnungslos wurde sie nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Dort ist sie an einem Schädelbruch und einer Gehirnerschütterung gestorben. Potsdam. Ein schweres Unglück wurde hier durch ein Automobil herbeigeführt. Als der Selbstfahrer die Babelsbergerstraße entlang raste, scheute vor ihm das Pferd eines entgegenkommenden Arbeitswagens, der von dem 70 Jahre alten Fuhrmann Hohmann geführt wurde. Hohmann stürzte vom Bock und verwickelte sich dabei mit den Füßen in die Leine und wurde von dem Pferde die Straße entlang geschleift, wobei er zweimal unter die Vorderräder seines eigenen Fuhrwerks gerieth. Erst am Güterbahnhof gelang es. das Pferd aufzuhalten und Hohmann aus seiner furchtbaren Lage zu befreien. Der Zustand des Fuhrmanns ist ein fast hoffnungsloser. D r e b k a u. Kürzlich brannte hier das Wohnhaus des Schuhmachermeisters Main total nieder, wobei der Vater des Besitzers in den Flammen umkam. Der alte Mann hatte die Gewohnheit, im Bett zu rauchen. Jedenfalls ist er dabei eingeschlafen und das Bett wird Feuer gefangen haben, fo daß er nicht mehr in der Lage war, sich zu retten. K o t t b u s. Letztens wurde die Leiche der schon längere Zeit vermißten 35jährigen Bertha Becker unter der Brücke in seichtem Wasser, mit Schlamm bedeckt, aufgefunden. Es ist festgestellt worden, daß sie durch Selbstmord geendigt hat. Landsberg. Von der elektrischen Straßenbahn wurde der sechsjährige Sohn des Monteurs Schuhl überfahren und getödtet. Senftenberg. Eine Liebestragödie hat dieser Tage in der nahegelegenen Heide stattgefunden. Es war ein recht junges Liebespaar, das da aus dem Leben scheiden wollte. Es handelt sich um den Handlungsgehilfen Willy Harms und seine Geliebte, die unverehelichte Clara Sänger, Tochter eines Berliner Tapeziers. Zur Ausführung der That hatte sich Harms ein Taschentesching gekauft; da die Waffe eine nicht genügende Durchschlagskraft besaß, so blieb die für das Mädchen bestimmte Kugel im Knochen der rechten Schläfe sitzen, während der Schutz, den Harms später auf sich selbst abfeuerte, sofort tödtlich wirkte. Das unglückliche Mädchen, das schwerkrank nach dem hiesigen Krankenhause transportirt wurde, hatte über 24 Stunden in Sturm und Regen bei der Leiche des Geliebten im Walde ausharren müssen. 'Arovinz Hstpreußen. Königsberg. Ein schwerer Unfall hat sich vor dem Friedländer Thore ereignet. Der Gespannknecht Karl Thiel aus Julienhof befand sich mit einem beladenen vierspännigen Fuhrwerke auf dem Wege aus der Stadt nach Hause, als in der Nähe von Schönfließ die Pferde aus nicht aufgeklärter Ursache fcheu wurden und durchgingen. Dabei fiel der Kutscher so unglücklich vom Sattelpferde herab,
daß ihm die Räder des Wagens üöer Brust und Beine gingen und der Tod sofort eintrat. Nachdem das Fuhrwerk angehalten worden war, ließ der herbeigerufene Gendarm die Leiche nach Ludwigswalde schaffen. Bartenstein. Ein schrecklicher Unglückssall ereignete sich auf dem Bahnübergang der von Mekienen nach Tromitten führenden Landstraße. Gerade als der von hier nach Wöterkeim fahrende Güterzug diese Stelle Passirte, kamen die Tromitter Gespanne, von denen das vorderste die Schranken durchbrach und sich quer vor den Zug legte, so daß die beiden HinterPferde mit dem Kutscher von der Lokomotive ergriffen und sofort getödtet wurden. Frauenburg. Küster Peters von der hiesigen Pfarrkirche ist in den Ruhestand getreten. 52 Jahre hat er sein Amt verwaltet. Sein Vorgänger war 50 Jahre im Amte, fo daß in 102 Jahren nur zwei Küster an der Pfarrkirche amtirt haben. Als neuer Küster ist Tischlermeister Pompetzki angenommen worden. I e d w a b n o. Die unverehelichte Arbeiterin Czaplewski von hier hat den Kopf ihres neugeborenen Kindes mit den Aermeln des Hemdchens umwickelt, so daß es ersticken mußte, und den Leichnam dann in dem Strohsack versteckt. Die unnatürliche Mutter wurde verhaftet. L a w k e n. Aus Furcht vor Strafe hat sich Gutsinspektor Müllner von hier getödtet. Er hatte mit einem Mädchen ein Liebesverhältniß unterhalten und sich zur Beseitigung der Folgen eines Verbrechens schuldig gemacht, das zur Kenntniß der Staatsanwaltschaft gelangt war. O st e r o d e. Auf eine vierzigjährige Thätigkeit in seiner Gemeinde konnte der Prediger und Religionslehrer Sturmann von hier, eine in weiten Kreisen bekannte und hochgeschätzte Persönlichkeit, dieser Tage zurückblicken. Sonntag. Auf dem Heimwege vom Viehmarkt kehrte der 74jährige Altsitzer Johann Ruschkowski aus Abbau Sonntag noch im hiesigen Gasthause ein. Um die dabei versäumte Zeit einzuholen, wählte Ruschkowski. als er seinen Weg fortsetzte, die kürzere Strecke über den Sonntagschen See. Dabei gerieth er auf eine offene Stelle, in der er versank. Kürzlich fanden Leute die Mütze auf dem Eise liegen, und bald darauf zog man auch nach eifrigem Suchen den Vermißten als Leiche aus dem See. ArcVittz Westpreußen. D a n z i g. Dieser Tage ist der Kommerzienrath Alfred Muscate, Ritter pp., einem längeren schweren Leiden, nachdem er sich schon wieder auf dem Wege der Besserung befunden hatte, erlegen. Der Verstorbene war der Begründer und der alleinige InHaber der hiesigen Firma A. P. Muscate. D i r s ch a u. Die älteste Einwohnerin der Stadt Dirschau, Fräulein Rosalie Kosel, ist im St. GeorgenHospital im 95. Lebensjahre an Altersschwäche verstorben. Das alte Fräulein, das nie krank gewesen sein soll, war bis zum Tode bei vollem Bewußtsein. Sie wußte, daß ihr Ende bevorstand. E l b i n g. Hier hat sich der Tischler Schmidt wegen unerwiderter Liebe zu einer Kellnerin erschossen. H e l a. Sein 25jähriges Jubiläum als Amtvorsteher des hiesigen Bezirks feierte Amtsvorsteher Hanne-mann-Hohensee. Die Amtseingesessenen überreichten dem Jubilar, der sich um seinen Bezirk sehr verdient gemacht hat, eine kunstvoll ausgeführte Dankadresse und einen silbernen Pokal. R e e tz. Von einem Baum erschlagen wurde im Belauf Niederheide bei Rittel beim Holzfällen der Arbeiter Olomek von hier. R o s e n t h a l. Der von der Ansiedlungscommission in Leutsdorf angesiedelte Besitzer Buchholz ging vor längerer Zeit von seiner Wohnung fort und wurde vergeblich gesucht. Kürzlich wurde seine Leiche in der nahen Birkenschonung in knieender Stellung, um den Hals eine an einem Birkenstamm befestigte Peitschenschnur geschlungen. aufgefunden. Wontrobowo. Hier ist das ganze Gehöft des Besitzers Morsinski niedergebrannt. Z o p p o t. Nachtwächter Socha wurde, als er sich zum Antritt seines Dienstes anschickte, vor der Thür seiner Wohnung von zwei Männern überfallen und mit einer Forke und durch Messerstiche übel zugerichtet. Er schleppte sich mit Hilfe seines Bruders bis zum JZathhause. mußte jedoch von hier mittelst Traaekorbes zu einem Arzte gebracht werden, wo ihm ein Nothverüänd angelegt wurde. Sein Zustand ist bedenklich. Die Thäter. Arbeiter Bradtke und Wensierski. wurden von der Polizei ermittelt und in ihren Wohnungen verhaftet. Bradtke ist der nämliche, welcher erst unlängst einen Ueberfall auf den Wächter Schlüter ausführte. Provinz Sommern. Stettin. Der hiesige Reiterverein feierte im Alten Tatterfall" sein 30jähriges Bestehen und das 25jährige Jubiläum seines Vorsitzenden, August Ahrens, durch eine Reitaufführung, die von den Zuschauern beifällig aufgenommen wurde. Dewsberg. Auf dem hiesigen Rittergute wurde der Arveiter Bentzke.
welcher in der hiesigen Genossenschaftsbrennerei beschäftigt war, von einem Treibriemen erfaßt und derartig verletzt, daß er an den erhaltenen Verledüngen starb. Bentzke hinterläßt eine Frau und mehrere unversorgte Kinder. Geiblersdorf. Hier sind die sämmtlichen Wirthschaftsbaulichkeiten des Wittwe Noack'schen Gehöfts niedergebrannt. K o ch f e l d e. Ertränkt hat sich in einem nahe gelegenen Wassergraben der Colonist Radel, welcher in geistige Umnachtung verfallen war. P a f e w a l k. Selbstmord durch Erhängen beging der 74 Jahre alte Rentenempfänger Carl Böhm von hier im hiesigen Polizeigefängniß, wohin er unter dem dringenden Verdacht der widernatürlichen Unzucht eingeliefert worden war. Böhm ist erst im vorigen Jahre nach Verbüßung einer längeren Freiheitsstrafe wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einem SchulMädchen, aus dem Gefängniß entlassen worden. S t r a l s u n d. Die elektrische Leitung zum Hause Wasserstraße 75 76 war in Unordnung gerathen. Schlosser und Arbeiter des Elektrizitätswerkes rückten deshalb mit der Magirus-Lei-ter heran, um die Reparatur in Angriff zu nehmen. Während nun der Schlosser Berth. Kautz oben auf der Leiter stand, um die Leitung wieder betriebsfähig zu machen, nahte sich ein Rollwagen und wollte die Unfallstelle passircn. Da die Straße hier nicht breit ist, fuhr der Wagen beim Vorbeifahren die Magirus-Leiter an. Diese kam ins Schwanken, und der Schlosser fiel von derselben herab. Er fiel zuerst auf das Dach des Hauses No. 74 und von hier aus auf das Trottoir. Der Verunglückte gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Er hatte das Genick gebrochen. Swinemünde. Von ihren Angehörigen wurde die auf der Grünestr. wohnende Frau Kollhof im Brunnen auf dem Hofe des Grundstücks aufrecht stehend als Leiche vorgefunden. Vermuthlich liegt ein Unglücksfall vor, der infolge eines Schwächezustandes eingetreten ist. W a l l i n. Verunglückt und ertrunken ist im Haff der Anstreicher Richter von hier, dessen Leiche letztens aufgefunden wurde. Schon vor längerer Zeit ist Rießner aus einem Fischerboot über Bord gefallen. Provinz Schreswig-Kolstein. Schleswig. Der am Jägerplatz wohnende Arbeiter Robert Hammer trank eine ganze Flasche Kümmel leer und erreichte dann noch seine Wohnung. Dort fiel er plötzlich um und war sofort todt. A r n i s. Kürzlich feierte Maurermeister Clausen und Frau Hierselbst das Fest der goldenen Hochzeit. Clausen hatte Geleqenheit. bald ein zweites
Fest zu feiern, nämlich den Tag, an dem er vor 60 Jahren Meister gcwor den ist. Seit 1876 bekleidet derselbe das Amt eines Brandtarators. Eckernförde. Vor einiger Zeit stürzte der Fischer Mergenberg von hier infolge Hirnschlags aus seinem Fischerboot in den Hafen und ertrank. Die Leiche wurde geborgen. Der Unglückliche hinterläßt Frau und fünf Kinder. H u s u m. Die hiesige Schmiedeund Schlosser - Innung feierte ihr 25jähriges Bestehen. Kiel. Bei einem Passiergefecht des Artillerieschulschiffes Undine" in der Gennerbucht stürzte der Obermatrose Behrens vom Torpedoboot 14 über Bord und ertrank. Dem hiesigen Lebrer a. D. Friedrich Reese, früher zu Nienwohld, ist der Adler der Jnhaber des Hausordens von Hohenzollern verliehen worden. Der Matrose Muche vom Friedrich Karl" hat bei Rückkehr vom Urlaub seinem Kameraden Domberger mit einem Messer schwere Verletzungen beigebracht. Nordstrand. Ihr 60jähriges Ehejubiläum feierten der Rentenempfänger Diedrich Jessen und Frau auf dem Norden. Er steht im 86., sie im 80. Lebensjahre. Jessen ist ein alter 48er und nahm an der Schlacht bei Jdstedt theil. In Anlaß der Erhebungsfeier ward er vom hiesigen Kriegerverein zum Ehrenmitglied ernannt. m m m Ein Skeptiker. Schauspieler: Unsere Direktorin hat schon verschiedene Männer gehabt." Gast: Sie meinen hoffentlich: verschiedene verschiedene Männer!" U n g a l a n t. Fremder (in ttn Laden eines Optikers tretend): Ich möchte gern eine Brille kaufen, schöne Frau!" Optiker (aus dem Nebenzimmer zu seiner Gattin): Da kannst Du gleich die schärfsten Nummern vorlegen, der Herr scheint sehr kurzsichtig zu sein!" Unbedingt richtig. Katechet (der die Schöpfungsgeschichte vorgetragen hat): Nun, und warum hat die Woche sieden Tage? Nun. Schanerl?" Schüler: Weil sie nicht mehr haben kann." Katechet: Und warum nicht?" Schüler: Weil hinter ihr ja schon die nächste anfängt Enfant terrible. Reifender: Nun, mein lieber Herr, wie steht es denn heute mit der Zahlungsbereitschaft?" Kaufmann: Ich muß dies, mal dringend um vierzehn Tage Stirn dung bitten." Reisender: Ja, werden Sie dann zahlen können?" Der kleine Fritz: In vierzehn Tagen sind wir tAnn in Amerika."
Big Four Route New Bork Central Linien. ..Exeurstonen.. Sonntag, 28. Mai. Lawrenceburg, Aurora und Zwijchenftatione. Rundfahrt $,00 oder weniger Spezialzng verläßt Indianapolis um 7.30 Uhr Morgens; Retourfahrt von Aurora um 7.20 Uhr Abends.
Pennsylvania Linien. $1.50 lS3t $1.50 Sonntag, 28. Mai. Der Svezialzug verläßt Indianapolis um 7.15 Uhr Morgens. Retourfahrt des Spezialzuges von der Main Straße Station um 7 Uhr Abends. W. W. Richardfon, A. G. P. . ftl.SO Rundfahrt Ciucinnati Tonntag, 28. Mai. Der Spezialzug fährt um 7 Uhr Morgens ab. Retourfahrt von Eincinnati 6.20 Uhr Abends. Nach Hamil ton $1.25. Rushville und Connersville $1.00. Base Ball Cincinnati vs. Pittsburg. Züge erfteu Ranges ! Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden ! 14 12 6 6 Züge mischen Indianapolis und Cincinnati. Züge zwischen Indianapolis und Dayton. Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. Züge zwischen Indianapolis und Decatur, Illinois. 4 Züge zwischen Indianapolis und Springfield, Illinois. Parlor Waggon? an aSen Tage? und Schlaf maggons an allen Nacht-Zügen. Indianapolis Office : Union Bahnhof und 8 Nord Illinois St. R. P. lgeo, D. P. A. IÄKE ERIE & WESTERN R. R. .. . . Fahrzeit der Züge.. bsahrt Antun? i oltdo. hicago und ichigan Gzpreß.t 7.15 no. koledo. Detroit und hicago Lim 12.20 f 3.36 vkichtgan ity, Munctk u.Lasavetteepl..1- 7.0 fiO.M täglich i ausgenommen Sonntag. elvetitcucr eine FremdcnlcgionSrs Trotz der traurigen Erfahrungen, welche abenteuerlüsterne junge Deutsche im französischen Afrika machen, zieht es noch immer zahlreiche Elsässer nach der Fremdenlegion. Vor einigen Tagen ist ein Einwohner des Vogesenstädtchens Zabern, Namens Stieglcr nach achtjähriger Abwesenheit wieder in seine Heimath zurückgekehrt. Die Erlebnisse des jungen Elsässers, der aus Furcht vor dem deutschen Militärdienst sein Heil in der französischen Fremdenlegion suchte, sind besonders wildbewegte gewesen. Im Mai 1897 trat Stiegler beim zweiten Fremdenlegionsregiment in Oran in Dienst. Die furchtbare Strenge, mit der er behandelt winde, gefiel ihm nicht, weshalb er eines Tages zu desertiren beabsichtigte. Er zündete zu diesem Zwecke sein Bett an. im Glauben, bei einer allgemeinen Panik während des Brandes besser entweichen z können. Der Plan mißlang, und Stiegler wurde zum Tode verurtheilt. Auf ein Gnadengesuch hin wurde die Strafe inDeportation umgewandelt. Der Verurtheilte kam zur Abbützung seiner Strafe unter anderem auch auf die durch den Kapitän Dreyfus bekannt gewordene TeufelLinsel. Glücklicher als sein Vorgänger, gelang es ihm, mit fünf Schicksalsgenossen zu entweichen. Ein englisches Schiff nahm die Flüchtigen auf und liefert Stiegler den deutschen Behörden aus. Stiegler wurde zur deutschen Manne ausgehoben und hat vier Jahre gedient. Nach achtjähriger Abwesenheit ist der interessante Abenteurer jetzt wieder in die Heimath zurückgekehrt. Ein jüdischer Turntag fand am 23. und 24. April in Berlin statt. Seit einigen Jahren haben sich die jüdisch-nationalgesinnten Turner zu Vereinen zusammengeschlossen, dc ren gröhter unter dem Namen J8ar Coöpa in Berlin besteht.
4
i i
